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Full text of "Heise-Karl-Entente-Freimaurerei-und-Weltkrieg"

p. f mjwpt i- t - - - + « t. J 



;;J.,;^ ■. 



KARL HEISE 

t ENTENTE-FREIMAUREREI 
UND WELTKRIEG 

1 EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DES WELT- 

KRIEGES UND ZUM VERSTANDNIS 
DERWAHREN FREIMAUREREI 



DRITTE AUFLAGE, 




****<*«* 



„Die Wahrheit wird curfi fret madien , ." 

<Ev. Joh. 8, 32). 
Denn siche; rr , , . das Lkht scheint in die 
Finsternis . , , " 

<Ev. Joh. 1, 5). 



BASEL 1920 / ERNST FINCKH, VERLAG 



m 



Inhaltsverzeichnis. 



y$$*den zur ersten, zweiten und dritten Auflage. 

■%eographische Geheimkarte aus den Geheimzirkeln der englisch sprechenden Welt. 
' Geographische Karte: Wie wir Deutschland und Deutsch-Osterreich heute sehen. 

v^Emleitende Worte (Geschichtiiches aus der Freimaurerei) . 

plf: Aiigemeine Betrachtungen ...... ■■.-'. ............ 

'%. Von der poiitischen Tatigkeit der Entente- Maurerei . . . 

.';■■'/ Das wichtigste Ziel der Entente -Maurerei 

:::"'■■ Naheres zur „Verletzung" der belgischen „Neutralitat w 

i: England die fuhrende maurerische Macht . , . > 

Der wirkliche Sinn der echten Freimaurerei 

Die Durchfuhrung des Nationalitaten-Prinzips ""V 

Serbien > - .*"'"" 



Rufiland 
England 



35 
54 
59 
66 
69 
74 
92 
109 



) 



Alle H-echte vorbebalto 



Der jildische Nationals taat ^ 2 

Armenien - - ! 3 2 

Der deutsche Westen • • J 36 

Friedensbedingungen fur Deutschland '43 

Das Gespenst des alten Slavien '54 

Italien .-..-' > ' l 79 

Frankreich ,,.... 

Die Rheinische Republik • 

Portugal und Spanien 

Griechenland - , . . _ . . , 

Rumanien > > 

Bulgarien ■ < - 

Polen ^ -/ 2 5 2 

Die Tscbecho-Slbwakei 2 5§ 

Friedenshedingungen fur Osterreich ..-.,,....- 269 

274 

...... 308 



2IG 

224 
231 

241 

245 
250 



Vereinigte Staaten von Nordamerika 

Die englische Logenpresse in Amerika ..... 

Kanada • • 

Liberia — Brasilien 

Uruguay — Cuba , . , 

Guatemala, Bolivia, Honduras, Nicaragua, Haiti, San Domingo, 

Rico, Peru, Equador, Costa-Rica . . 

ATgentinien und Kolumbien 

China '• 

Japan — Siam 



312 

• 314 

■ 315 
317 

. 319 
320 

Agypten, Syrien und Arabien ....,,.>.,.-.;■ 3 31 

Algerien und Tunesien . - 3 22 

Persien ~ Schweiz > 3 2 4 

Welt-Demokratie 33^ 

Verbindungen zwischen Okkultismus und Freimaurerei 35^ 

Ober die Zusammensetzung der Hochgradmaurerei 3^7 

Namen- und Sachverzeichnis 395 

Was die Kritik iiber unser Buch (1. Auflage) sagt 4°i> 



ft. A Wagner, Bnchdruck&rei A.-&., Freiburg i, B, 



II Ha gdelitB flitoU Her eoglisdi mMto Walt ntttle zaHnflige, m ttafl Welttoiew 
Gut ifiineo Folgeo herfowtaQfe Geitaituog Emapas 

(Uber die Gestaltung des Nordens [Skandinaviens] sowie iiber genauere Gliederung 
des romanischen Gebietes scheinen Angaben nicht geraacht worden zu sein) 



Karte^ vom heutigen Reiche. 




Von Egland zwar unabhanglge, aber 
unter semem EinfluG stehende Gebiete 



(Nachdruck v«rboten) 



Imthrifttn in obiger Karte: „Den Deutschen verblabendes Gebfet (Rhcin, Donau)". — „Nach dem 
prophezenen Weltknege entstehender Donau-Balkan-Bund (Donau". — „Aus der Auflosung des russischen 
Slaates aus Tschecho-dlowaken, Polen, Russeo etc. hervorgehende SlaTen-K-onfoderation (Weichsel)." 







Vorrede zur ersten Auflage. 

Die zu einem Verstandnisse der grofien, 1914 hereingebrochenen Welt- 
katastrophe fuhrenden Erkenntnisse miissen auf den verschiedensten Gebieten 
des Volker- und Menschenlebens gesucht werden. Das Gebiet, das bis zu 
diesem Zeitpunkte als das eigentlich politische gait, enthalt nur eine der 
Stromungen, die zusammengeflossen sind, urn das verheerende Ereignis herbei- 
zufuhren. In die Gedanken, die Juli 19 14 in die Verwirrung getrieben haben, 
ergofi durch lange Zeiten hindurch vieles andere seine die Menschheit 
zerspaltenden Krafie hinein. In diesem Buche wird auch nur eine der in 
Frage kommenden Stromungen geschildert werden. In welchem Grade es 
wichtig ist, auf diese Stromung den forschenden Blick zu lenken, das moge 
der Leser selbst entscheiden, dern in dem Folgenden so manches Tatsacb en- 
material yorgelegt werden soil, das belegen kann, wie gewisse GeheimgeseH- 
schaften der Ententelander und deren Logen eine ursprunglich und im Kern 
gute und notwendige Sache in den Dienst des Volker -Egoism us und der 
eigensiichtigen Interessen einzelner Menschengruppen stellten. Eine Sache, 
die der ganzen Menschheit ohne Rassen- und Interessen-Unterechiede dienen 
sollte, wird aus einer guten eben eine schlechte, wenn sie zur Machtgrundlage 
einzelner Menschengruppen gemacht wird. Die Grundlagen gewisser Erkennt- 
nisse wurden durch Geheimgesellschaften der Ententelander zu Antrieben 
einer die Weltkatastrophe vorbereitenden politischen Gesinnung und Beein- 
flussung der Weltereignisse. NaturgemaG wiirde in Einseitigkeit ver fallen, 
wer nicht beriicksichtigte, daG aus den Ursprungsstatten solcher Gesinnung 
und Beeinflussung noch manches andere hervorgegangen ist.** Das Buch, 
das hiermit der Offentlichkeit vorgelegt wird, will nicht umfassend sprechen 
von der M Schuld am Weltkriege"; aber es will den Blick auf Dinge lenken, 
In denen derjentge auch suchen muG, der diese w Schuld a finden will. Em 
solcher wird mit dem t was er hier finder., manches andere noch vereinigen 
miissen. Aber aus den vorgelegten Tatsachenberichten dlirfte doch folgen, 
dafi einen wichtigen Gesichtspunkt unbeachtet laGt, wer beim Suchen nach 
dieser „Schuld a , das man besser ein Suchen nach bedingenden Ursachen 
nennen ' sollte, die Aufmerksamkeit nicht in die durch das Folgende ange- 
gebene Richtung lenkt. 

Zurich, am xo. Oktober 19 18. 




Vorrede zur zweiten und dritten Auflage. 

Die vorliegende, im Inhalt erheblich erweiterte Auflage wurde auf An- 
regung aus Freimaurerkreisen bin unter Benutzung einer weiteren Anzahl 
approbierter maurerischer Werke (besonders der Enzyklopadie fiir Freimaurer) 
durchgesehen. Dam it zugleich wurden die Ausfuhrungen uber den inneren, 
wahren Gehalt der Masonnerie und die Vcrbindungen von Okkultismus und 
Freimaurerei vertieft. 

Das Buch an sich ist die Arbeit eines „Einsamen", der fern aller Politik 
lebt und seine Mitteilungen in keiner Weise anf irgend eine Partei oder ir- 
gend ein Land besonders eingestellt wissen will. Was er glaubt, sagen zu 
miissen, mochte er jedem sagen, der die Wahrheit liebt, gleichviel welcher 
Nationalitat oder Denk richtung der Leser zuneigt. 

Wahrend der Drucklegung wurde an Aktuellem noch eingefugt, was 
als beachtenswert erschien. 

Dank gebuhrt der Druckerei fiir die verstandn is voile und eifrige Mit- 
wirkung bei der Herausgabe unserer Arbeit. 

Ziirich, im Januar 1920. 



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Einleitende Worte. 

Wir wis sen alle, da6 sich die Freimaurer im Besitze zahlreicher, audi 
oft uralter geheimer Symbol e befmden, die auf das VorhanAensein 
gewisser Reste alten, universalen Weisheitsgutes der Menschheit in diesen 
exklusiven Kreisen schliefien lassen. Damit sind die Freimaurer die 
Erben bestimmter Traditionen iiber die geistige Welt und in manchen 
Dingen auch die vorzeitigen Mitwisser von Geschehnissen in der physi- 
schen Welt geworden, von Geschehnissen, die wie eine Offenbarung aus 
der hierarchischen Welt des Geistigen heraus „real" werden konnen. In 
bestimmten Itreisen der Masonnisten weiS man daher schon vor dem 
Eintreten bestimmter Ereignisse auf Grund okkulter Wahrnehmungen 
und Kenntnjsse,' die aus der „Welt der Ideen" geschopft sind, dafl eben 
diese bestimmten Dinge unter gewissen Voraussetzungen folgerecht und 
unbedingt eintreten miissen. Solcherlei okkulte Kenntnisse hat man aber 
auch in verschiedenen nichtfreimaurerischen Kreisen, und besonders 
innerhalb der katholischen Welt kann man sie finden. So konnen die 
Kontempfationen nach den Anweisungen des Ignaz von Loyola x ) — um 

x ) Ignatius von Loyola (eigentlich Hidalgo, Inigo Lopez Recalde) entsproB 
einer aus judiscliem Reis slammenden geadelten Spaniolenfamihe aus dem Basken- 
lande (vgl. „Historisch-genealogisches Taschenbuch" des Kyfrhauserverlags, 
S 443/444 und Br.'. Dr. Georg Schuster, „Geheime Yerbindungen usw, , 1906, I, 
S 47 i). 1 52 1 pilgerte er nach verschiedenen Erlebmssen nach dem Montserrat in 
der Provinz Barcelona, wo er, als spanischer Ritter, seine Waffen der hi. Jungf rati 
weihteW dann in der Hohle von Monresa (in unmittelbarer Nahe des Mont salvage 
— also einem Gralsgebiete) sich geistigen Exerzitien hingab (vgl „Das Mittdalter un 
Armanentum" von Guido v. list in Heft 4 der Hornen", ijnaX <i8i6 befand ych 
auf dem Montserrat nbch die Benedektiner-Abtei mit 13 Einsiedeleien rundum 
rvgl. „Das Reich", 1918, S. 23}). Sparer, 1334—1540, ging er dann mtt Loynez (Lainez), 
Salmeron y Alonso. (Salomon), Pierre Lefevre, Xaver (Franziskus dem Heiligen) u. a. 
an die Grundtmg der ^Gesellschaft Jesu". Der Jesu itenor d en baute sich^wie 
v. List in „Armanenschaft" I, S. 69 zeigt und wie Blavatsky in ,Isis entschleiert ,11, 
ausfuhrt) auf okkulter Erziehung auf. Die geheime Inst.tution des Jesuitenordens, die 
-das erste Mai im Jahre 1761 ans Licht gezogen wuwie (vgl ,,Isis entschleiert U, 
S. 352, 354 und Br.-. Schuster, „Geheime Gesellschaften I, S. 4^), "igte folggde 
Grade: 1. Novizen (Neulinge), 2. Laienbruder oder zeitweiiige Koadjutoren (Geh.lfen), 
3. Scholastiker (Schuler der Dofnherren, studieren in Ordenskollegien, empfangen die 
Priesterweihe), 4. geistige oder ordentliche Koadjutoren (Frofessen oder „Beigeord- 
nete im Amt", wozu auch Erzbischofe zu rechnen sind, Lehrer an Schulen, U^er- 
sitaten und Hauslehrer), 5- Professoren der drei Eide, 6. Professoren der funf Eide. 
Daruber steht — nach Niccolirtis „Geschichte der Jesmten" — noch jener Hocngrad, 
dem nur der auf Lebenszeit gewahlte Ordensgeneral und einige wenige hochste Mit- 
glieder angehoren. Die „Gesellschaft Jesu" zahlte im Jahre 1640 15 493, im Jahre 1773 
30000, im Jahre 1882 11 058 und 1894 14000 Mitglieder. 

Heise, Entente- Freimaurerei. II. I 



> ■' f 



ein Beispiel aus der kathoiischen Welt zu geben — zu gewissen iibersinn- 
Hchen Erkenntnissen ftthren. Wer in diese Dinge auch nur einen kleinen 
Einblick hat, kann sich leicht die Erklarung geben fur die vielen gegen- 
seitigen Befehdungen zwischen Maurertum und kathoiischen Ordens- 
gemeinschaften, zwischen den masonnistisehen Liberalen und den treuen 
Anhangern des Papst turns. Dabei mag nicht iibersehen werden, daB die 
kathoiischen Ordensgemeinschaften in mehrfacher Hinsicht aus alten 
Mysterienschulen hervorgegangen, oder nachgebildet x ) sind den alten 
„Bauhiitten" *), als den Tragern hoheren irdischen Weisheitsgutes. 

Irrtiimlicherweise behaupten heute selbst manche Freimaurer, daB die 
^Bauhutte" urspriinglich „Werkmeisterei" in dem Sinne gewesen sei, als 
sie nur beruflichen Wert gehabt habe. Das ist aber durchaus falsch. 
Der wirkliche maurerische „Werkkult" bezieht sich ganz und gar auf die 
Vere'delung des Menschen und der menschlichen Sitten (die 
menschliche Seele ist der .Juwel" — das Jf Juwel im Lotus" — , der, 
nachdem er „geschliffen", zum „Stein der Weisen", „Lapis philos'opho- 
rum", wird. Wenn nun auch gewisse Vorschriften und Regeln fur den 
Lehrlings- und Gesellengrad der „Steinmetzcn" und „Maurer" vorhanden 
sind, die „bezeugen" sollen, daB die ^Werkmaurerei" wirklich nur Werk- 
m a u r e r e i gewesen sei, so ist zu bemerken, daB solche Vorschriften 
nur der Deckmantel, nur die V e r h u 1 1 u n g des in den Logen (Lobien) 3 ) 
geltenden hohen Geistes waren und vor Verprofanierung des in den 
„Werkstatten" gepflegten Seelischen schiitzen sollten. Nur so verstehen 
wir auch, daB der Ausdruck „Loge" fm Sinne von Bauhutte, Halle, Werk- 
statt und Gewerkschaft gang und gabe war und niemand daran'AnstoB 
nahm, wahrend in Wirklichkeit sich doch hinter diesem Worte ein Kreis 
von Eingeweihten der vertieften Gottesverehrung verbarg, welcher HeiHg- 
tiimer, Tempel und Altare besaS und kultische Handlungen zur Ehre des 
„hehren Baumeisters aller Welten" ubte. Und so kommt es, dafi z. B. die 
^chwedische Lehrart" in ihrem „Purpurgrad des Magister Templi" eine 
R e li q u i e als besonderes Heiligtum verehrte, das man weit eher in 
einer katho(ischen Basilika vermuten wiirde, namlich den „rechten Zeige- 

*) In semen verschiedenen Werken bespricht Guido v. List die Herausbildung ver- 
schiedener klenkaler Orden aus uralt-wuotanistischen Bruderschaften, die sich dann 
spate r in Gegensatz zu ihren einstigen Vorbildern setzten. Die letzte mittdalterlich- 
wuotamstisch-femanische Rruderschaft war — nach List — die der Kalander" 
G,Armanenschaft der Arioget manen" I, 1908, S. 53/54, 64, 65 ff. ; „Geheimnis der 
Runen 1907, S. 41 tjsw.) Auch Br,*. Dr. Georg Schuster spricht mehrfach von dth 
Kalandcrn. List fuhrt auch die Johanniterritter (Malteser), die Tempelherren und 
Rosenkreuzer und die Deutschherren, als die drei altesten Ritterorden, ferner die 
Monchsordeu der Benediktiner, Zisterzienser und Pramonstratenser zuruck auf 
uGroSe Mystenen", die urspriinglich germamsch-wuotanistisch waren, dann aber 
durchchristet wurden. 

a ) Ober die mittelalter]iche\ noch uriverschrte reine „Bauhutte", die, wie auch die 
iieroldszunft (Hcraldik), aus dem Skalden-Orden hervorging, vgl. bci Guido v. List 
„Geheinuiis der Runen" S. 35, „Armanenschaft der Ariogermanen" I, S. 34 ff Weg- 
leitend 1st auch Jennings Werk „D{e Rosenkreuzer und ihre Mysterlen". 

) Das Wort M Lobia" entstammt als „LoubJa" und „Louba" dem Althochdeutschen. 
Man findet es, nach Br.-. Dr. Keller, „Die GroBloge Indissolubilis", angewandt in der 
Lombardei, im Pjemont, in den fruhmittelalterlichen Kulten der Katharer und Wal- 
denser und seit dem 13. Jahrhundert auch im franzfoischen Sprachschatze. 






— 3 — 

finger Johannes des Taufers", den der berfchmte Templer-GroBmeister 
Br.*. Molay testamentarisch einem Br.*. Beaujeau vermacht hatte. 

Br . • . Archivrat Dr. Georg Schuster („Geheime Gesellschaften, Ver- 
bindungen und Orden", Bd. I, S. 403/04, 422) kennt die Briiderschaften 
der ,, Bauhutte" als die „Huttenjungen des lieben Herrgotts" sowohl in 
Deutschland, als auch in Frankreich und England im 12- und 13. Jahr- 
hundert. Die alteste Steinmetzhiitte ist ihm diejenige von StraBburg, die 
unter der Leitung des ebenso genialen als gottesfurchtigen Miinsterbau- 
meisters Erwin von Steinbach stand; die Aufnahme in diese Bauhutte er- 
folgte unter Eidesleistung auf das Evangelium unter Anrufung des mau- 
rerischen Schutzpatrons Johannes des Taufers. Die englische Bezeich- 
nung „free-masons" ist (nach Schuster) das erste Mai im Jahre 1350 ur- 
kundlich nachzuweisen. Nach dem bekannten freimaurerischen Autor 
Br.*. Gabriel Findcl wurden die ersten englischen Bauhutten durch 
Deutsche ubcr den Kanal verpflanzt. „Selbst unsere popularen 
Gesellschaften sind eine Emanation aus den Logen der Freimaurer, 
geradeso wie diese aus dem ,Scheiterhaufen der Templer' hervorgegan- 
gen sind", zittert H. Jennings („Die Rosenkreuzer, ihre Gebrauche und 
Mysterien") aus ^Castle of the Tuileries", Jahrgang VIII. 

Kach J. B. Kerning ist die Freimaurerei (abgesehen von ihrem noch 
tieferen Urgrund) zuriickzufuhren auf die erste Grofiloge fJ St. Al- 
fa a n", die in England im Jahre 297 unter dem romischen Kaiser 
Carausius, dem ^Augustus von Britannien", begriindet wurde. Dann 
bliihte die Maurerei in Italien auf unter dem Konig der Ostgoten 
Theoderich (5-/6' Jahrhundert), aus welcher Zeit sich der gotische 
Stil herleitet. Nachhcr ward (im 8. Jahrhundert) Kail Martel 
Trager der christlich-gernianisch-maurerischen Kultur. Noch spater (im 
9. Jahrhundert) trug der schriftstellernde Sohn Konig Ethelwulfs, der 
nachherige britische Konig Alfred der GroJBe, die Fahne der Ma- 
sonnisten, Bildung und Freiheit verbreitend. Endlich ward sein Enkel 
Prinz Edwin von der Vorsehung ersehen, die letzten Bruchstucke 
der ehemaligen st. albanischen FreimaureTkonstitution aufzufinden und, 
sie mit vielen anderen maurerischen Traditionen verbindend, im Jahre 
926 aufs neue herauszugeben. Als der Schotte Anderson sich dann im 
Jahre 171 7 um die Griindung der neu-englischen GroBloge bemiihte, gin- 
gen die Ritualien des Prinzen Edwin in diese neue Stiftung iiber. 

Nach der Zunftsage der englischen Maurer beschtitzte nach Edwins 
Tode Konig A t h e 1 s t a n (925 — 940) selber die damalige, 936 in York 
zusammengetretene „Grofik>ge von England", die ihre Konstitution aus 
einschtagigen grtechischen, lateiniscben, franzosischen und anderen 
Schriften geschaffen hatte. Damals schon entstand die Bezeichnung 
„York-Ritus", deren Sinnbild die rote Rose wurde; im Gegensatz zu 
York trat die „weifie Rose von Lancaster" auf als maurerische Spaltung. 
(Doch gab es von allem Anfang an eine rote und eine weiBe Rose als 
1, Sinnbild mystischer Einweihungen.) Konig Athelstan war nach Edwin 
GroBmeister; ihm folgten Dustan der Heilige (der Erzbtschof von Can- 
terbury) und Eduard der Bekenner als Vorsteher der Maurerei. Als 
H e i n r i c h VII. (Heinrich Tudor) 1485 Konig von England wurde, wahl- 
ten die Johanniter von Rhodos und Malta (deren Patron zu^etzt Konig 



y 



Eduard VII. noch war!) diesen Heinrich Tudor zum Grofimeister. Unter 
Heinrich VII. kam die (] rote Rose", die „Tudor-Rose", zu besonderem 
Ansehen unter den von Heinrich VII. begunstigten Rittern voiri Hosen- 
bandorden. (Eduard III., Konig von England, stiftete den Hosenband- 
orden urns Jahr 1344 der Jungfrau Maria zu Ehren.) 

Eazar B. Hellenbach sagt in seinem ,/Tagebuche eines Philoso- 
phen" (Wien 1881, S. 122): „Es zieht sich ein roter Faden von 
Agypten, Indien und Eleusis dutch alle Gesellsch aften vom 
Pythagoraischen Bund durch die Templer, Andreasritter und Rosenkreu- 
zer bis in die Logen des Freimaurerordens". Die Brr.- ; 
Oliver und Ignatius Donelly leiten den inneren Gehalt der Freimaurerei 
zuriick bis in alien Ursprung menschlichen Erdendaseins, der fur sie rein 
geistiger Natur- (also nicht im Sinne materialistischer Naturphilosophie 
und Geschichtsklitterung) ist. In der Einleitung zur (> Kosmogenesis" 
(S. 19) von H. P. Blavatsky lesen wir, „dafl in den kaiserlichen Bibliothe- 
ken von St. Petersburg Dokumente sich befmden, aus dcnen hervorgeht, 
dafl n o c h in den Tagen, als Freimaurerei und geheime Gesellschaften von 
Mystikem ungehindert in RuBland bliihten, d. i. Ende des 18. und Anfang 
des 19. Jahrhunderts, raehr als ein russischer Mystiker (und Maurer) iiber 
das Uralgebirge nach Tibet reisten, urn Wissen und Initiation in den un- 
bekannten Krypteii von Zentralasien zu finden". 

Auf S. 571/72 des ersten Bandes der „Entschleierten Isis" zeigt der- 
selbe maurcrische Autor H. P. Blavatsky die Freimaurerei als antediluvia- 
mschen Ursprungs und redet von Enoch und dcssen Sohn M e t h u - 
sal ah als den Schopfern gewisser unterirdischer Gewolbe, an denen der 
„Schlu6stein" das VVesentlichste war, deren Vorbilder Enoch in einer 
Vision geschaut hatte. Die Geheimnisse dieses friihesten „MaurertempeIs" 
seien der Maurerei aber ganzlich verloren gegangen. — Wir glauben, dab" 
diese Geheimnisse heute wieder enthiillt werden konnen denjenigen Mau- 
rern, die Essim (die Kelle) und Miolnir (den Hammer) wirklich wieder 
handhaben lernen. Man solite fast meinen, die dreizehn Steine der 
druidischen Ruinen — oder der „runde Tisch Konig Arthurs" im Court- 
House des Schlosses von Winchester rnit seinen zwolf Doppelrittern als 
Wachtern des „Sangreale" (des heiligen Gral) und mit dem „K6nig 
Artus" (Arthur) inmitten — konnten wegleitend wirken. Wenn nicht, so 
vielleicht der 4.-9. Vers im 2. Kapitel des ersten Petribriefes ... 

Br.-. M. Reghellini de Schio, der auch etwas wufite, sagte, dafi die 
Freimaurerei mit den Mysterien von A g y p t e n zusammenhange. In 
einem seiner Werke befinden sich nicht weniger als 225 Aktenstucke. 

Nach Br .-. Andersons Konstitutionenbuch waren die Magier Per- 
siens die Schuler Zarathustfas (und dieser wieder war ein vorchrist- 
Hcher Allerhochster Eingeweihter, der seherisch das Herniedersteigen des 
aus der Sonnenaura kommendcn „Ahura Mazdao" verkundete). Anderson 
nennt Zarathustra den ^Grofimeister der Magier" (Magus heiBt ,,der 
GroBe") „und die Magie ist — nach Anderson — der Vorlaufer der Frei- 
maurerei ..." - • T3 

Auch mit den E s s e n e r n oder Essaern wird die Freimaurerei m Be- 
ziehung gebracht (vgl. dazu Br. - . Kohn, „Dcr Essaerbund als die Frei- 
maurerei des Altertums"). Ihre erste Erwahnung finden die Essener 



— 5 — 

(und die mit ihnen verwandten Therapeuten) im Jahre 166 vor unserer 

Zeitrechnung, als sie etwa 4000 Brr . • . gezahlt haben sollen. Sie bildeten 

eine „strikte Observanz" 1 ) . Auch Johannes der Taufer wird ihnen zu- 

gezahit in seiner nasiraisch-kontemplativen Lebensweise, und darum gilt 

' er einem Groflteil der Freimaurer noch heute als „der Morgenstern des 

>' neuen Bundes" und als das Vorbild in unverbruchlicher Wahrhaftigkeit, 

■" Mannhaftigkeit und doch Bescheidenheit masonnistischen Lebenswandels. 

Ist nun die Herkunft der Maurerei in ihren Einzelheiten da- und dort- 

hin zuriickzuleitcn, darin hat das „Allgemeine Handbuch der Freimau- 

' rerei" (I S. 322) unzweifelhaft recht: „Das wahre Wesen der Freimau- 

rerei (nicht das politische Maurertum!) ist nichts an^eres als das 

Wesen der Menscliheit selbst. Darum haben freimaurensche 

Grundsatze von jeher unter den Mcnschen gegolten, und darum ward das 

Freimaurertum mit dem ersten Menschen geboren ist 

sie so alt als die Menschbeit selbst!" Und darum waren mtt gutem Ge- 

wissen auch „einige der ersten Papste I n i t i 1 e r t e und die 

letzten Bruchstikke ihrer Wissenschaft nelen in die Hande der Jesuiten , 

wie H. P. Blavatsky erganzt 2 ). . 

Genauer betrachtet, kann man sagen, da6 scit rund zweitausend Jah- 
ren eigentlich immer zwei geistigc Stromungen nebeneinander 
hertiefen, eine mehr d e n k e r i s c h - f r e i g e i s t i g e und eine _ mehr 
theokratische (kirchliche). Beide Stromungen wirkten aber immer 
'mehr oder minder aufeinander ein und zogen nicht selten Emzelne und 
selbst ganze Gruppen der andern Richtung an, sich auf diese Weise durch 
die langen Jahrhunderte hie und da gegenseitig befruchtend, aber auch 
wirklich befehdend. S o , daB immer auch wieder Obertritte von der einen 
" zu der andern Stromung" moglich wurden. Eine solche Verbmdung bil- 
deten die weit verbreiteten Kalandsbriiderschaftenaus dem 8. bis 
14. und IK. Tahrhundert, die inbesonderer Absicht der Verheimhchungihres 
esoterischen Sinnes in enger Fuhlung mit der Kirche und den weltlichen 
Angelegenheiten standen. (Eine dieser „Kalanderschaftcn war der vom 
Kurfiirsten Friedrich II. von Brandenburg 1440 gcgrundete „S c h w a - 
n en -Or den", der dazu berufen war, das ubersinnliche BewuBtscin 
wachzuerhalten, denn 3! das Verschwinden der Schwanenjungfrauen z. B. 
in den Germanensagen] hciBt nichts andercs, als dafi die Menschenseele ihr 
iibersinnliches BewuMsein einbufite; und nun lebt die ,Schwanernungfrau 
fort in einem Land, das irdische Sinne nicht betrachten konnen ). Die- 
ser gelegentiiche ZusammenfluB der beiden Stromungen erklart auch t daB 
Br Dr med. F. Katsch dazu gelangte, die Stiftung der echten 
Rosenkreuzer des Christianus Rosenkreutz (1378 bis 
1484) (der ^Gottesfreunde", wie sie sich selber nannten) , denen auch 
der beruhmtc Padagoge und Freimaurer Br.-.Comenius angehorte, 

i) In iiber alles hervorragender Weise klart Dr. Rud, Steiner in seinen Berner 
Vortragcn iiber das ..Matthaus-Evangelium" im Jahre 1910 uber das Wesen sowohl 
der pe? S ischen Magier (Zarathustras als des Gegners ^ turanjschy &^eihtcn 
„z«r linken Hand" Ardschasb) wic iiber die Grundsatze und Lehren der Essener auf. 

") Vgl r E PC Wo^£tam; „Germanische Hddensagen als Entwickiungsgeschichte der 
Rasse", S. 101 (Verlag Max Altmann, Leipzig). 



als die Grundlage der modernen Freiraaurerei anzu- 

sehen 2 ), wie Uberhaupt — nach Katsch — die Rosenkreuzerbruderschaft, 

aus der sich infolge des Dreifiigjahrigen Krieges vieie nach England und 

Schottland fluchteten, um dort (u. a, auch in den urspriinglicben Kilwin- 

ning-Logen Schottlands) weiterzuwirken, „sich in den Bruderbund der 

Freimaurer umgestaltet habe" (vgl. hierzu Br.-. Dr. Georg Schuster, 

„Geheime Gesellschaften, Verbindungen und Orden", I, S. 527). Eben- 

solche Verbindungen der beiden Stromungen vollzogen sich durch die 

Briiderschaften der Minne-und Meistersanger (in deren Schu- 

len die drei Grade der Lehrlinge, der Singer oder Dichter, und der Frei- 

singer odcr Meistersinger bestanden, denen die „Merker" als Priifungs- 

bevollmachtigte beigeordnet waren), in denen „ein festes System selb- 

standiger religioser Uberzeugung lebendig" war. Die Meistersinger und 

Minnesanger waren „Hiiter des Geheimnisses, um den Menschen und seine 

hochsten Interessen zu fordern", „und ihr unsichtbares Kollegium tagte 

in tiefstem Geheimnis" (vgl. Br.-. Dr. G. Schuster, a. a. O. I, S. 533/34). 

Ebenso konnte~ der Orden der „I 11 u m i n at e n", der „Erieuchteten", 

dem u. a. die Freimaurer Herzog Karl August von Weimar, Goethe 

und Herder, wie der schweizerische Schulmann Pestalozzi und 

der jesuitische Koadjutor Erzbischof Karl Theodor Anton Maria D a 1 - 

berg und Freiherr von Knigge 8 ) angehorten, eine Griandung des 

Jesuitenschulers undStudenten der franzosischenAufklarungsphilosophie, 

des Professors und gothaischen Hofrats Adam WeishauptJ) von Ingel- 

stadt sein, der seinerseits Mitglied der Freimaurerloge der' strikten Ob- 

servanz „Karl Theodor zum'guten Rat" in Munchen seit 1777 war. 

Uberhaupt sollten alle Areopagiten oder Abteilungsvorsteher des Illumi- 

natenordens,zugleich Inhaber der drei erstcn Grade der Freimaurer sein, 

und der Illuminatenorden wollte gleichsam die hohere Stufe des Freimau- 

rertums darstellen, weshalb einer seiner Hochgrade auch der Schottengrad 

war. (Am 2, Marz 1785 verbot der Kurfiirst von Bayern wegen angeblich 

politischer Uratriebe des Ordens ein weiteres Bestehen der .Jlluminaten", 

die erst wieder im Jahre 1880 unter der Leitung mehrerer freimaurerischer 



) „Geraume Zeit", sagt der ITaEIenser Prof/Dr. Joh. Sender in seinem 1786 zu 
Leipzig^ crschiencnen Werke ,/Unparteiische S annulling zur Historic der Rosen- 
kreuzer", „waren Rosenkreuzcr und Freimaurer in engcr Verbfndung, die sich in der 
Folge recht weit ausgebreitet hat". Und Br,-. Prof. Dr. Ernst Friedrichs (Berlin) 
Verbindet in seinem Buchlein „Die Freimaurerei in Rufiland und Polen" die Frei- 
maurer direkt mit den Brudem der „strikten Observanz" und den Rosenkrcuzern, 
Die „stnkte Observanz" leitet er von' dem Tempclherren-Orden ab; der ,/Vater aber 
der russischen Maurerei" war der Rosenkreuzer Johann Eugen Schwarz, wie audi 
der Fortsetzer der lussischen Freimaurerei,. der einstige Chefredakteur der „Moskauer 
Zeitung", Nikolai Iwanowitsch Nowikow, Rosenkreuzer war, Dann weist Prof. 
Fnednchs riarauf hin, dafi der Mitgrfinder der Polnischen Freiraaurerei (1794), Kriegs- 
lngenieur Jean de Thoux de la Salve rte, die Alchymie und KaLbala in die von ihm 
ins Leben gerufene Loge „Au bon pasteut" einfiihrte. 
*) Der Verfasscr von „Umgang mit Menschen". 

) Unter Hinweis auf die mode me politisch-spartakistische Bewegung wird cs 
nicht ohne Interesse sein, zu wissen, daB sich Br.-. Wcishaupt als Generalissimus der 
Illuminaten den Namen „Spartacu.s" beilegte; er wollte dem thrafcischen Sklavert- 
befreier Spartacus darin gteichen, daB er — wie Spartacus 70 vor Chr. die italienischen 
Proletarier — so die „geknechteten .Seelen" revoluh'oniercn wollte. 



~ 7 — 

Meister neu auflebten und sich international ausbreiteten [vgl. Br.-. Dr. 
Schuster, „Geheime Orden usw." Bd. II, S. 144—176].) 

Um die beiden nebeneinanderlaufenden Stromungen wirklich zu ver- 
stehen, mufl man aber noch weiter zuriickschauen, Hatten schon unter 
den byzantinischen Kaisern Zeno I. (474 — 491) und Anastasius I. 
(491 — 518, dem spateren'Gemahl der Witwe Zenos) Glaubenskampfe um 
die gottliche Natur Christi stattgefunden, und hatte sich Kaiser J u s t i - 
n u s I. (518 — 527, der Nachfolger des Anastasius, ein ehemaliger armer 
Bauernjunge) „durch die Gunst der Geistlichen auf dem Throne gehal- 
ten", sowaresnun Kaiser Justin ianus I. (527 — 565, der Wie- 
dererbauer der Sophienkirche [der ,Hagia Sophia' in Form des griechtschen 
Kreuzes] in Konstantinopel und gleichzeitige Zertrummerer der Van- 
dalen- und Ostgotenreiche t der Schopfer der justinianischen Gesetz- 
gebung), derdiedenkerisch-freigeistigeStromungmit 
Einschlufi des aristotelischen Wissens aus seinem 
Reicheverbannte, Diese freigeistige Stromung, die dann ins Spe- 
kulative hiniiberleitete, fliichtete nun nach Persien, in die Heimat 
Zarathustras x ). In diese Stromung miindct auf dem schon angedeuteten 
und dem iveiteren Wege iiber A r a b i e n (wohinein auch die kultur- 
historischen Folgen der Kreuzziige drangen) und Spanien und den 
, Islam und iiber die in Holland erbluhte spinozische Fhilosopbie auch 
die moderne spekulative wie humanistische Freimaurerei. Doch ist der 
eigentliche Sinn und Charakter der reinen Freimaurerei durchaus ' 
nicht der, einseitig abstrakt zu spekulieren. 

Neben dieser freigeistigen, in Byzanz schon bekampften kann man 
die theokratisch-kirchliche Stromung zuriickverfolgen bis 
in die Regierungszeit des Kaisers Augustus (Gajus Julius Casar Ok- 
tavianus, f 14 n. Chr.), des schlagfertigen Redners und Gelehrten und 
Forderers gevvisser wissenschaftlicher und kiinstlerischer Bestrebungen. 
Ejn zweiter romischer Trager der theokratischen Impulse war Fapst 
GregoiL, der Groi^e (590 — 604), der die romisch-frankisclie Hierarchie 
begiinstigte, das lateinische Kirchenlied einfiihrte und dafiir die deutschen 
Kirchengesknge verbot, das noch vorhandene „Skaldentum" (Einge- 
weihtentum, an das heute noch die Druidenorden erinnern) 2 ), zu ver- 

1 ) Es ergibt sich, daB die freigeistige Stromung in manchem ihrer groBen und nie 
entwerteten Ideengehalte zuriickgriff auch auf die Weistumer „des ersten der vierzehn 
Zarathustras", von dem die Lehre uber den Gegensatz von „Ormuzd" (oder Ahura 
Mazdao, „dem vielcs wissenden Schopfer und Regenten der Welt") und )t Angro 
Mainyus" (oder Ahriinan, „dem Arges Sinnendcn (f , dem „Schlangendamon") stammt. 
t ,Durch ihren reichen Gedankeninhalt reizte die Ormuzdlehre die Neugierde der 
griechischen Denker. Um sie an der Quelle zu studieren, wanderten Pythagoras, 
Empedokles, Demokritos, Platon nach Persien. Auch Aschylos, Theopompos und 
Plutarch kannten den (zarathustrischen) duabstischen Glaubenskreis . . . der persi- 
schen (gegen Turan, das zum Sinnbild Ahrimans geworden, gerichteten) Staats- 
religion . , ," (vgl Br.-. Dr. Georg Schuster, „Geheime Gesellschaften" I, S. 77 bezw, 
80/8 t, wie auch Dr. Rud. Steiner, „Das Matth'aus-Evangelium", Zwolf Berner Vor- 
trage 1910, S, 17 i„ vcie auch Dr. Otoman Zar-Adusht Ha'nish, „Ainyahita", S. 87), * 

B ) Der 1781 in London wiedercrstarkte Orden der Druiden („Ancient Order of 
Druids") ,,spricht nur die Gedanken aus, die der Bund der Freimaurer als sein Evan- 
gelium verkundete", Doch ,,wandte er sich auch dem Magischen, Gehetmnisvollen zu" 
(vgf. Br.-. Dr, Georg Schuster, J( Geh, Gesellsch." II, S. 179 und 181). Die nicht er- 



— 8 — 



nichten trachtete und altuberkommene, aus vorchristlicher Zeit erhalten 
gebliebene Braucht timer so umformte, dafi sie dem dogmatischen Cha- 
rakter seiner spezifischen Kirchenauffassung entsprachen. Auch dieses 
theokratische Prinzip vererbte sich weiter und weiter, bis in unsere Tage 
hinein, und mit ihm verbinden sich bis in unsere Gegenwart noch immer 
die verschiedensten Personlichkeiten aus deni Kreise der spekulativ- 
humanistischen Freimaurerei, trotz oft heftigster gegenseitiger Anfein- 
dungen, wie wir aus eigenen Wahrnehmungen, heraus bestatigt fmden l 
konnten. 

Bei alledem aber darf man doch geltend machen, da6 inalter Zeit 
„die Maurerei nicht das war, was sie spater wurde; sie war weder 
eine politische noch eine (einseitig dogmatische) christliche Ein- 
richtung, sondern eine wahre, geheime Organisation, die alien den Men- 
schen in den Bund der Bruderschaft Eintritt gewahrte, die angstlich be- 
strebt waren, sich das unschatzbare Gut der Gewissensfreiheit zu er- 
halten" („Isis entschleiert" II, S. 349). Wie alles in der Welt, so artete 
aber in der Folge die Maurerei — und dies gilt im besonderen fur die 
Freimaurerei der heutigen Ententestaaten und ihrer Satrapien — aus : die 
Epigonen wissen ja nicht den Geist hoher Vorfahren zu wurdigen. Als, 
um ein Beispiel zu geben, Br , - . Groflmeister Adriano Lemrai in Italien 
den dortigen „Groflorient" und den italischen ^Supreme Conseil" leitete, 
der in „bruderlicher Gemeinschaft" eine Kette um die maurerischen Ver- 
bande von Belgien, England, Frankreich, Danemark, Griechenland, Hol- 
land, Norwegen, Portugal, Scbweden, Spanien, Agypten und die Ver- 
einigten Staaten Nordamerikas wie die Staaten Sudamerikas und Ozea- 
niens und selbst auch um Deutschland schlang, da war die Maurerei der 
spateren Entente langst eine rein politische geworden. Deshalb sagte 
schon 1889 der italische Abgeordnete Br,-. Giovanni Bovio in einer 
Logenrede, in der er das Programm der Liberalen darlegte, rait Be- 
zug auf den Dreibund zwischen Deutschland, Osterreich und Italien : 
„Wir konnen nicht mit uns tiberlistenden Staaten AUianzen schlieflen, 
ohne unsere zivilisatorische Aufgabe zu verfehlen", und Br.- . GroBmeister 
Lemriri richtete in Gemeinschaft mit seinen italischen Brrn . ■ . Bovio, Ber- 
tani, Castellani, Mario, Saffi und anderen im Namen der demokra- 
tischen Partei Italiens am 15. Mai 1881 an den franzosischen Maurer- 
br . *. Victor Hugo und durch diesen an die franzosische Demokratie 
ein Schreiben, in der die Genannten gegen die Politik Bismarcks und 
die ubereinstimmende deutsch-franzosische Politik in Tunis protestier- 
ten l ). 

H. P. Blavatsky gibt im zweiten Bande der „Entschleierten Isis" 
einige wertvolle Aufschlusse uber gewisse Ursachen von Zerwiirfnissen 
innerhalb der okkulten liberalen und katholischen Kreise, N e b e n den 
verschiedemen okkulten Richtungen, die im Verlaufe der Zeiten mehr oder 

storbenen Beziehtmgen zivischen dem Drufdenorden und dem offiziellen Freimaurer- 
tum ergeben sicb atis dem Vorhandensein auch einer Druidenloge „L i b e r a - 
1 i t y" zu Redruth in Cornwall innerhalb der „Vereinigten GroBloge von 
England". 

*) Vgl. H. Gruber, j.Palladjsmusroman" II, S. 97/98, nach der „Rivista della Mas- 
sonerta Italiana" 1888, S. 292, und 1889, S. 268. 



— 9 — 

minder von dem alten Urwissen, von der „Uralt«i Weisheit" abgewichen 
sind stehen jene noch wahrhaft engeren und engsten Zirkel, die noch 
immer wirklich „eingeweiht" sind, soweit menschliches Wesen uber- 
haupt eine Zulassung zu den gottlichen Geheimnissen des Dasems er- 
langen kann. Ideal betrachtet sind auch die Theosophisten und bpin- 
tualisten den , Maurern" zuzuzahlen, wenn schon die GroGzahl von ihnen 
in keiner Weise in Ordensgeseltschaiten organisiert ist, und obwohl viele 
von ihnen auch ohne Zugehorigkeit zu einem liberalen oder katholischen 
Bundc heute einen tieferen Einblick haben konnen m die geistigen 
Untergriinde des menschlichen Wesens und der Welt, als alles vtelge- 
gliederte, nieder- und hochgradige, dabei aber heute nicht wemg ver- 
fufierlichte Ordenswesen. Man kann sagen : Jeder Theosoph 1st Maurer, 
ob er nun das „Lammfell" oder den „weiflen Schurz" oder die Kegahe 
tragt oder nicht. Selbstverstandlich sind aber auch die Theosophisten in 
ihrem Wissen uber die geistigen Hierarchien untereinander so verschie- 
den als ihre individuelle Entwicklung verschieden voneinander 1st; aber 
entsprechend ihrem Wissen und Verstehen wird die von ihnen zu er- 
reichende Stufe von „Neuorientierung" sein. Und eigenthch sollten 
ia gerade sie bei dem jetzt sich erneuernden Streben nach reineren Lebens- 
und Gestaltungszielen in den vordersten Reihen der Kampfer fur die all- 
gemeine Wohlfahrt stehen. Da freilich zeigt uns die Erfahrung dafi es 
ebenso Entente- wie Mittelmachte-getreue Theosophisten und Spintua- 
listen gibt und dafi erstere umsomehr den Weg der Wahrhaftigkeit ver- 
lassen, als die Betreffenden unter dem freimaurerischen Protektorat der 
Englanderin A n n i e B e s a n t stehen. . . . ,,,«,„ 

Was uns bctrifft, so haben wir uns mit dem allergroBten Bedauern 
(durch unsere Umschau in der Literatur) davon iiberzeugen tnussen, daB 
die freimaurerischen Ententelogen mit Vorliebe die „hohe PoliUk des 
Deutschenhasses" zu ihrem Ziele erkorcn haben, und da6 sie damit auf 
immer schiefcre Bahn gelangten — trotz ihrem Restbesitz okkulten 
Wissens — oder vielleicht gerade infolge dieses Bcsitzes, denn manche 
ihrer hochgradigen Mitglieder mogen gerade infolge der ihnen noch zu- 
gehorenden Reste heilseherischer Fabigkeiten und okkulter Praktiken, 
die auf sie durch Einweihung und vielleicht auch. durch naturhche Ver- 
erbung, atavistisch wirkend, ubertragen worden sind, auf den lmken l^lad 
Eredrangt worden sein. Damit aber vertieren eben diese Logen und ihre 
Vorsteher (Grofimeister, Beamte und Bruder) alios das einst in so reichem 
MaBe besessene Vertrauen, und man muB mit tiefer VVehmut wahr- 
nehmen, wie sie - getragen vom Zwielicht der uber sie sich herab- 
senkenden ^Gotterdammerung" — nur noch den Umsturz und der 
Volkerverfiihrung den Weg ebneten und ebnen. Damit schwindet dann 
freilich aller Glaube an eine weitere, hohe, zukunftsfrohe Mission dieses 
ententistischen Maurertums zugunsten des allgememen Menschentums 
dahin. 



— II — 



Allgemeine Betrachtungen. 



Yj^ir halten unsern eingehenden Betrachtungen nun zunachst einiges 

" allgemein Wissenswerte uber die Logen vorauszuschicken 
t lst zunachst zu sagen, daB es viele, viele Schatticrungen von 

Imogen gibt. So viele, daB sie selbst die gelehrtesten Brr.'. Maurer nicht 
ganz zu durchforschen vermochten. Br.-. Dr. J. D Buck FTSSR • 
32 '. spricht in seiner „Mystischen Maurerei" S. 9 (Berl'm-GroBlichter- 
ielde 1908) von 800 vcrschiedenen Graden, die in das Maurerhandwerk 
. emgefuhrt warden. Der belgische Br . ■. J. M. R a go n *) (einer der 
aHerhervorragendsten maurerischen Eingeweihten) spricht in seinen 
„Kituels maconniques von 105 verschiedenen Maurereien 48 Riten und 
SrhriW?? 1 G ' hei + mbUnde " ™d mehr al s 1400 Graden! Der maurerische' 
Schnftsteller Fustier m Pans (em- Better des GroBorients von Frank- 
reich) besaB cine Sammlung von mehr als 400 Nummern maurerischer 
-Hochgrade, und innerhalb der maurerischen Weit gibt es eine Literatur 
von mmdestens 10 000 verschiedenen mason nistischen Werken Bei ail 
dem kann man mit Br.-. Dr. Buck sagen, „da6 man nichts von der 
Existenz einer authcntischen Geschlchte der Maurerei weiB, und daB es 
nur unzusammenhangende Tatsachen oder Fragmente gibt, die von dem 
Bcsteben gewisser Organisation™ oder Bewegungen zu gewissen Zeiten 

aXf V 71 VO " ^ Vefsch ™ de » wegen MiBhelligkeiten oder 
auBeren Verfolgungen". Dennoch kann vieles gewuSt werden. Und wir 

Z ZX™ I em " hen ; e T in ^ es , Weni ^ sclbst *™ diejenigen zu enthiillen, 
die „mitten dnn seit Jahrzchnten stehen. 

Viel wi rd von der nBlauen Logc'-' gesprochen 2 ), doch hat bis- 

1 *^ " Mlt Br **' Wagons Tode ist dem franzosischcn Maurerbundc eine Kraft ver- 
loren gegangen, die bcinuht war, die Maurer zum Studium der Geschichte J™ 

Okkukistn t ^ ^^ gT °^ n *{**?* ~ der ^e.ch einer der hervorragendsten 

^pT^rkl^^i^c 1 " m2 - das - A1, " e Handbuch di Frei - 

D ^t, ^ - Br j ' D r* A * Horaeffer weist darauf hin, daB sowohl im Christentum wie aurh 
,schon in der altgermanischen Religion Blau als heilige Farbe gait- Wuodantrdet 

w^ serL e n wThr^ * ckl , eidet \ -^ »' der A ™*"<* des hellenischen, ionis^en 
S ei 2 ^f ,b M h i n i™"* 1 mo ^gl ei chcn Prinzips in der gesamten Theogome. E 
gent durch. alle Mythologien; Blau ,st die Farbe der Investor (Emkleidunffl «£r 
Kinder be, der Taufe. Azur (Blau) bezeichnet mystisch di " ,TW oder c k "f dem 

die^afbrr 11 ^ 11 ': **? H - 'TV? 1 * ein r°*«*^^rM£* Bto?Z 
che 1 arbe der agyptischen Isis, und Osiris wie der indische Vishnu werden ak 
H^mclsherrscher blau dargestellt. In der Johamiesmaurerei ist Blau die Farbe de 
S^^^^SS^ ^^^i^ M ™-na g ge * von b,auem Stoff Irn 
diirchchnsteten Dniidenorden trug der Earden-Meister (Bardd ynys Pryadain) eben- 

h7rvorwf S S lIe n ; ? ls h auf / ,ne | r f-Wauen Kugel (dem Wdtenei, aus dem St 
tZSk '' f feierI ' chcn Um ZU gen wurde sein Bildnis auf einer himmd- 

Strdfen ak H / T g f "T^ - S u 1M S - tim U " d Nase zei ^ te « w ^ bd den Indern blane 
atreilen als d l£ Kasten-Abzeichen seiner hochsten Wurde". Endlich wurde in den 

v ft w- ^ • 61 en oiS n ° ch ' daB der Hohe Armane de r Gegenwart, Gaido 
v. List in Wien, in seiner ^Bildcrsprache der Ario-Germanen" Blau als die Farbe des 






weilen jeder Grad oder jede Gruppe von Graden oder auch jedes Amt 
seine eigene Farbe; dem Freimaurer ist die blaue Farbe die heiligste, in 
den Hochgraden treten die andern Farben auf, wie Br.-. Dr. August 
Horneffer in „Symbolik der Mysterienbiinde", S. 147/48 sagt. Neben 
den drei blauen oder Johannesgraden kommen wesentlich in Betracht die 
„Schottischen Hochgrade", und davon wiederum die einfluBreiche „Graue 
Loge" (die sogenannten „Grauen Manner", uber die die „Neuen 
Ziircher Nachrichten" vom 15. Juni 1917 einige fJ erbauliche" Mittei- 
lungen hinsichtlich ihrer politischen Umtriebe in der Schweiz im Dienste 
der franzosischen Diplomatic gaben) und die Rote, Orange- und Griin« 
Loge. In ihren idealen Organisationen ist die „B 1 a u e Log e" auch 
heute noch achtunggebietend, obschon .auch diese wenige noch nicht von 
den Tagesinteressen tiberwucherte Maurerei ^eher als eine Imitation, 
denn als eine Fortsetzung der alten Mysterien betrachtet werden" kann 
(Dr. Rebold, ^History of Masonry"). An sich „ist Freimaurerei die 
Unterjochung des (allzu) Menschlichen, welches im Menschen lebt, durch 
das Gottliche, die IJberwindung der Leidenschaften durch Moral und Ver- 
nunft, und cine bestandige Anstrengung ... des Geistigen gegen das 
Matericlle und Sinnliche" (Br.'. Dr. Buck, ^Mystische Maurerei" 1908, 
S. 242). Aus diesem Grunde spielt die Gottesverehrung — als Nach- 
klang alter Mysterienweisheit — trotz aller materialistischen Zeit- 
stromung in der innerlich empfundenen Maurerei auch heute noch seine 
geheiligte Rolle. „Gott verehren die Freimaurer als den Baumeister 
des Weltalls, in dessen Dienst sie sich gestellt haben. Wiirde die Frei- 
maurerei abgelost von der Gottesidee, so wurde ihr ideales Streben seine 
nachhaltige Kraft und sein hochstes Ziel verlieren. Wer die schuldige 
Ehrfurcht vor Gott aus den Augen setzt, wird aus der Loge verwiesen", 
das sind Satze, wie der Deutsche Freimaurerbund und die GroBe Landes- 
loge von Berlin sie vertreten (,,H an dbuch der Freimaurerei" I, S. 37$). 
■ Im Ritual der Englischen Grofiloge vom Jahre 181 3 erscheint die B i b e 1 
als positive Urkunde des Christentums und in der Lobrede auf die Liebe 
heiBt es: j; Lapset uns bedenken, daB wir Christen und Maurer sind". 
(Wenn die englische Groi31oge trotzdem Nichtchristen aufgenom- 
men hat. hcifit es im ^Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei" II, S. 2$J, 
so mogen — und das wurde dann leider bestimmend auch fiir die poli- 
tischen Ereignisse der katastrophalen Gcgenwart! — dafiir zunachst 
Intercssen des Handels und der Kolonialpolitik be- 
stimmend gewesen sein, in dem man im (britischen) Logentum ein Mittel 
zur Forderung und Starkung englischen Einflusses und englischer Herr- 
schaft in nichtchristlichen Landern erblickte.) „Das Gebet ist (denn 
auch) cine wesentliche und notwendige Kundgcbung des Ernsts der Frei- 
maurerei, und jede Logenarbeit beginnt und schliefit mit einem Gebet" 
(„Allgemeines Handbuch der Freimaurerei" I, S. 341). Und der Buch- 
stabc „G" im flammenden Hexagramrn (dem Symbol Christi, oft Siegel 
Davids genannt oder — germanisch — „SigilI Salmans" = Machtzeichen 
des Eingeweihten) bedeutet nicht nur „Gott tf , ^Geometrie" und „Gnosis" 



geistigen Wachseins und der seclischen Verinnerlichutig und Befruchtung bezeiclmet, 
und zwar auf Grund eines Wei stums, das auch der cchten Heraldik innewohntc. 



(d. i. Wissen und Erkenntnis), sondern es bedeutet in der „strikten Ob- 
servanz" (in der streng durchgeistigten Maurerei) wie im „Schwedischen 
System" auch noch „Golgatha" und ^Gottfried von Bouillon" (zum Ge- 
denken an den ersten Kreuzzug unter diesem Ritter von Boulogne, 1096 
bis 1099, der zum Konig von Jerusalem erwahlt- und Schirmherr des 
Heiligen Grabes wurde) . 

Der Zweck der „Maurerei, die in keiner Weise die ver- 
schiedenen Pflichten aufhebt, welche die Verschie- 
denheit der Staaten mit sich bring t", ware der, „ein neues 
Volk zu schaffen, das sich aus Leu ten aller Nationen zusammen- 
setzt, die alle miteinander durch Bande der Wissenschaft, der Moratitat 
und Tugend verbunden sein sollen" (vgl. Br.-. Albert Pike in „Moral 
und Dogma", S. 220), wirunter aber keinenfalls die in Wirklichkeit be- 
triebene Nationality tenpolitik gemeint werden durfte. Denn dies be- 
deutete: Die Kastenvorurteile zu verwischen, die Rassen und Nationali- 
taten miteinander zu versbhnen, den Feuerbrand des Krieges zu unter- 
drticken, „mit einem Worte : . . . zu einem Modell ewigen Rechtes zu 
gelangen, nachdem es jedem individuellen menschlichen Wesen frei 
stehen soil, jede Fahigkeit, mit der es begabt sein mag, zu entwickeln 
und mit der ganzen Fiille seiner Macht, zum Wohle Aller mitzu- 
arbeiten, um so aus der ganzen menschlichen Rasse eine Familie von 
Briidern zu machen, die durch Zuneigung, Weisheit und Arbeit verbunden 
sind" (Rebold, ^History of Masonry", S. 62, zitiert von Br.-. Dr. Buck). 

Diese ganz urspriinglichen, aus den uralten Mysterien herausgeholten 
Ziele der Maurerei sind gestutzt durch die alten „Maurer- oder Stein- 
metzen-Konstitutionen" aus der Zeit vor 1723, die ihrerseits wieder auf 
den sogenannten „Free-stone-masons" als den aus dem Mittelalter stam- 
menden werkmaurerischen, aber doch rein geistig zu verstehenden „Stein- 
metzengilden" fuBen. Die Ausarbeitung der modern-freimaurerischen 
Symbolik (der wirklich spekulativen Maurerei, die selbst 
wieder — nach einem Brief e von Br . * . Charles Sotheran vom 11. Jan- 
ner 1877 an H. P. Blavatsky — mit der „maurerischen Revolution vom 
Jahre 1717" einsetzte) in ihren wesentlichen Grundziigen und deren An- 
nahme durch die grofJe Mehrheit der Logen des Londoner GroBlogen- 
verbandes erfolgte im Zeitraume von 1723 bis etwa 1730 unter den GroB- 
meisterschaften bezw- Grofiwurden der Brr . ■ . Herzog von Mon- 
tague 1 ), Anton Sayers, Dr. Desaguliers (des Schulers New- 
tons) und des Herzogs von Wharton. (Letzterer trennte sich dann 
und wurde der Haupttrager des „Gormogonen-Ordens", nachdem er, mit 
23 Jahren schon Groflmeister im Londoner Verbande, dort unmoglich 
geworden war.) Eine ^Steinmetzen-Konstitution" schuf der Maler und 
Groflmeister Br.-. Laurence Dermott, der die Seek der 1751 von 
irischen Maurern geschaffenen „Grofiloge der Alten Maurer" war 
(diese Groflloge verschmolz sich 1813 mit der englischen ^reimaurerloge 
des Londoner Verbandes von 171 7 zur heute weltbewegenden „Ver- 
einigten GroBloge von Englan d"). Nach dem „Annuaire de 



*) Das Andenken dieses GroBmetsters ebrt noch heute die englischc L6ge „Moti- 
tsgue" zu Lyme Regis (Grafschaft Dorset). 



— 13 — 
la Maconnerie Universale" beauftragte die 1717 ^. Btitui ^ . G ™ T ^ 

annahm. Nach Br. uottnoia r£ n . L Absolom von der 

SothLn fiigte hinzu, daB d,ese ^w'T/er freten und aufgenom- 
neu erbluhende und erste groBe Log ■■«% & g™ a H alle a S ndere „ 
menen Maurer" von England ^^ff^^ 9 (Den mo dern-speku- 
iiber die ganze Eide verbre.teten ^^f^J^on begriindete 
lativen Logen voraus ging u. a. . die scnon i 3 Freude nberg-Dres>- 

„patriotische ^tim^r-Log? d*^-™^*™* * erwah „t.) 

den in seiner „Alteren Ge^<*£^£ ^TdSd ese Konstitution, die 
Br.-. Sotheran vom 32. Grade bemerkt nocn aa» umg eformi 

- aus andern Logenbestirnmunger , «w. — ^" g^ntni einer 
wurde, ...of Sumpf ^^» m ^.^1 irf man wohl glauben,' 
der hervorragenden Koryphaen iro « a1 " e " . daB es sich in 

was auch die „Stimmen der Ze.t (191 7, S . <*o) »* ^ eichnete n Mau- 
dcr .^J-J^^S^Tl lTH&£ Maurerei, und auch 
rde^htdt^^ 

dung handelt, die mit der ^P r ^f ^ una h ei eschobe „e Satze 
wisse auftere _ Former > und m ^-™ ^ ^^^ 

gemein hat, die an sice aDer von vv, soeenannten „A 1 1 e n 

Weise ins Leben gerufen ^urde. Immerhm die sogena „ 

P i 1 i c h t en" naeh ^^^^^ZT $g Wnuskripten 

ganzen Welt dierrerr . k6 . n " T l en A1I „ emeLlien Handbuch der Freimaurerei", 
hJX^vc^V^ CfsXr-Freimaurer, too,, Bd. II, S. ,« 

?ett ^Srod d er C H";:tr k erA"S!n r ^fS.1?"™- aUen Menschen a m besten 
-TVfc... Sotheran Brief an H. P. Blavat^ in „M. en.schWerf II, 



— M — 

verstehen, daB Gott nicht sieht, wie der Mensch sieht; denn der Mensch schauc 
auf den auBeren Schcin, aber Gott schaut ins Herz. Ein Maurer ist deshalb be. 
sonders gebunden, memals gegen die Vorschnften seines Gewissens zu handeln. 
Maurer veremigen sich mit dm Tugendhaften jeder Uberzeugung in dem festen 
und angenehmen Bande briiderlicher Liebe: sie werden gelehrt, die VerirrunjKn 
des Menschengeschlechts mitleidig zu betrachten und durch die Remheit ihres 
e^genen Verhaltens den hoheren Vorzug des Glaubens, den sie bekennen mdgen, 
2U be wet sen zu streben. 
* Ein Maurcr ist ein friedfertiger Untertan der burgerlichen Gewjilten, wo immer 
er aiich wohnt und arbeitet, und laflt sich nicht ein in Zusammenrottungen und 
Verschworungen gegen den Frieden und die Wohlfahrt des Volkes, noch be- 
tragt er sich pflichtwidrig gegen die Unterobngkeiten. Sollte daher ein B ruder 
em limpcrer gegen den Staat sein, so ist er in seiner Emporung nicht zu be- 

Stel'TiCCtL 

3- Die Personen, die a Is Mitglieder der Loge zugelassen sind, mussen gute und treue 
Manner sein, . . . kerne unsittlichen oder anriichigen Menschen, sondern von 
gutem tiiii. 

+ Deshalb wird kein Meister oder Aufseher nach dem Alter, sondern wegen seines 
Verdienstes erwahlt. Der GroBmeister soil von ganz besonderem groBen Ver- 
dienst sein. 

6. Streitigkeiten diirfen keine zur Tur der Loge hereingebracht werden viel wenfger 
noch Zankereien uber Religion oder Vdlker oder Staatenverfassung da wir als 
Maurer, bloB von der oben erwahnten allgemeinen Religion sind; ebenso sind 
wir von alien Volkern, Zungen, Verwandtschaften und Sprachen, und sind 
entschieden gegen alle Eimmschungen in Politik, die noch nie der Wohlfahrt 
tier Loge forderhch gewesen ist, noch es je sein wird." 

Nun, man darf rait bestem Gewissen sagen, daB die acht deutschen 
Orofflogen ebenso wie die funf Unabhangigen deutschen Logen, die mit- 
emander mi Deutschen Grofilogcnbunde vereinigt sind, allezeit diesen 
Grundsatzen nachgelebt haben. Und so wurden sie viellekht gerade des- 
halb von den schlcchten Emfliisscn freigebalten, die als „Surapfmaurerei" 
schheBlich in den Ententebruderschaften endlich ganz iiberwucherten. 
Aber^auch deshalb wohl stand die deutsche Gesamtfreimaurerei bei Aus- 
bruch des Weltkrieges vollig isoliert und desavouiert von der Weltkette 
der Ententefreimaurerei fur sich alicin da, — noch immer als ein Hort der 
Liebe, der Duldung und der Freihcit im Sinne weiland Br.-. Friedrichs 
des Dntten, des „Dulders auf dem Kaiserthrone 1 ', im Sinne des hehren 
Ideals der V e r s 6 h n u n g d e r M e n s c h h e i t. Auf die Arbeit am 
Dome der Menschheit — das darf mit gutem Gewissen immer gesagt 
werden — auf Ewigkcitsgedanken war und blieb so die deutsche Mau- 
rerei jederzeit emgestellt! Denn Deutschland war allezeit, wie auch 
Bt • J. C. Schwabe in „Neugestaltung der Weltmaurerei durch den 
Weltkneg"' (Berlin 1918) ausfiihrt, das HeimatUnd des universale!* 
Menschheitsgedankens und empfand mit Br,-. Alexander Adam das 
Liebeswerk der Erlosung der Menschheit aus dem geistigen sittHchen'und 
sozialen S-echtum und Fiend" als die messianische Sendune des Frei- 
maurers". 

Wer heute einigermaBen orientiert ist uber die modemc Maurerei der 
weiB, welchen EinfluB gerade der „Schottische Ritus" im Weltkriege' euv 
mmmt .Br . • . Sotheran nennt diesen ^Ancient and accepted Scottish Rite'* 
(den „Alte n una angenommenen scliottischen Ritus") schon 1877 einen 

Mittelalters bezw. der neueren Zeit gilt Haresie als „Ketzerei" (als solche ward si & 
dann auch von der spateren „Stemmetzen-Konstitution f ' aufgefaflt). 



— 15 — 

Bastard, „der von den Blauen Logen nicht anerkannt wird", und er fiigt 
hinzu, daB er ursprunglich einer Xdee des Jesuiten Chevalier 
Ramsay 1 ) entsprang, und daB dieser Schottische Ritus 1736/38 dazu 
bestimmt war, die Sache der Stuarts zu fordern x ). Hiernach ware die 
Schottische Loge von allem Anfang an als eine politische charakterisiert. 
Auch die „Stimmen der Zeit" (1917, S. 267) sagen, dafi GroBmeister H e r - 
zog von Wharton als Stuartscher Gesandter am Madrider 
Hof im Jahre 1728 die erste spanische Loge ins Leben rief 2 ). DaB die 
I britische GroBorientmaurerei und der Schottische Ritus sich niemals vom 
( EinfluB jener Unterstromung befreit haben, die von allem Beginn an in der 
britischen Freimaurerei Geltung hatte, ergibt sich daraus, daB innerhalb 

*) Das M AUgemciiie Handbuch der Freimaurerei", II, S. 215, nlmmt aber An- 
dreas Michael Ramsay in Schutz und bestreitet Ramsays Teilnahme an 
politischen Intrigen; auch habe ihtn der MiBbrauch des Freimaurerordens zu 
Zwecken der Jesuiten ferngelegen. Doch war Ramsay als Erzieher des Stuart- 
Kron-Fratendenten Karl Eduard von EinfluB auf diesen letztcren gewesen. DaB 
sich Karl Eduard Stuart als Grofimeister ausgab, sagt auch das „Handbuch' c II, 
S. 439, und es gibt zugleich zu, daB dieser Stuart oder seine Anhanger die frei- 
maurerischen Hochgrade zu politischen Zwecken ausgenutzt haben konnten. Jc- 
denfalls war dieser Stuart ein Maurer, denn seinen Namen tragen noch heute cinige 
Logen, auch gilt er nach verscbiedenen Maurerschriften als Forderer der Rosen- 
kreuzerlogen von Arras und Toulouse und als GroBmeister des „Tempels von Je- 
rusalem", Tatsachlich wurde Er.-. Ramsay voti Br.-. Kbnig Philipp II. von 
Orleans, dem GroBmeister des Ordens vom hi. Lazarus, dem Freimaurertum 
zugefuhrt. Nach Br.-. Dr. Ludw. Keller, „Die Tempelherren und die Freimaurer" 
(Diederichs, Jena) wurde der im Jahre 1490 vom Fapste lnnocenz VIII. aufgeloste 
Rjtterorden des hi. Lazarus im 16. Jahrhundert wiederhergestellt und Lud- 
wig XIV. ubernahm die GroBmeisterwiirdc. Erzbischoi Kr.-. Fenelon fiihrte nun 
Ramsay in diesen Lazarus-Ritterorden ein, nachdem Ramsay (nach Br.*. Keller) 
den protestantischen Glauben mit dem der Jesuiten vertauscht hatte. Br.'. 
Dr. Keller fiigt dem hinzu, daB, als die franzosische Politik eine fur die Stuarts 
gunstige Richtung einschlug, Ramsay nach Paris ging. Seinen Doktorhut hatte 
Ramsay (nach Keller) nur unter erschwerenden Urnstanden errungen, weil er als 
Agent der Stuarts gait. 1723 war Br.*. Ramsay „als Agent der Stuarts eine all- 
gemein bekannte Fersonlichkeit", und „die GroBloge von England arbeitete schon 
von 1717 an unter dem Protektorat des Hauses Hannover", ein Grund mehr, sie 
fiir politisch anzusehen. Ramsay stand dann auch mit dem Bcichtvater des Konigs 
Ludwig XV., Kardinal Fleury, in intimer Bezichung, und"Br.-. KloB berichtet, 
daB an einem Abende innerhalb der katholischen Kreise ,,nicht weniger als sechs 
Ritter in diesen Orden des Heiligen Geistes in Paris aufgenommen" wurden. In 
dieser Gemeinde war auch Grofimeister Br.'. Karl Derwentwater daheim, 
der 1716 wegen Aufruhrs zum Tode verurteilt wurde (er entfloh, aber das Schick- 
sal ereilte "ihn doch 1746). Interessant ist die Eroffnung Br.-. Kellers, daB in 
jener Zeit auch Br.'. Voltaire ebenso wie GroBkanzlcr Ramsay ein Agent 
des Kardinals Fleury am Hofe war. Auch wurde (nach Br.*. Keller) dieser 
„hobe Orden des heiligen Tempels von Jerusalem" von der Kurie niemals ver- 
boten. Es scheint also doch, daB Br.-. Sotheran recht hat. Die Bemuhungen, 
die britische Krone den Stuarts zuruckzogeben, miBlangen aber vollig. 

s ) Was Frankreich betrlfft, so ist auch dort (nach den Ausfuhrungcn von 
Leopold Katscher im Oktoberheft 1917 der „Internationalen Rundschau") die 
Freimaurerei sofort bei ihrem Auftreten als politische Organisation groBen 
Stils auf den Plan getreten. Die Einfiihrung der Masonnerie in Frankreich 
war danach direkt abhangig von ihrer Stellungnahme fiir die Wiederein- 
setzung der Stuarts in England. (GroBmeister Lord Derwentwater muBte diese 
seine Politik 1746 auf dem Schafott buBen,) Damit stcllte die englisch-franzo- 
sische Maureiei schon im dritten Dezennium ihrer Neukonstitution das Grundziel 
ihrer Verfassung, nicht-politisch. zu sein, auf den Kopfl 






— i6 



der Vereinigten Grofiloge Engfands noch heute die Stuart- Logen von 
Bedford und dieClaremont- Loge von Croydon, wie dieDerwent- 
water- Logen von Hastings und Wirksworth (Derby^bltihen- 

Was Br.-, Sotheran betrifft, so war er korrespondierender Sekretar 
des maurerischen „New Yorker Liberal Club", Initiierter der modernen 
engtischen Briiderschaft „of the Rosie Cross", Eingeweihter des memphi- 
schen Ritus und maurerischer Herausgeber des „New York Advocate". 
Seiner Stetlungnahme zum Christentum gegenuber konnen w i r aller- 
dings auch ihn nicht fur einen wirktichen Eingeweihten halten, be- 
trachtete er doch die Bihel als Pseu do-Off enbarung und schien er ganz 
einverstanden, dafi der franzosische Grofl-Orient Atheisten und Materia- 
listen als Maurerbruder aufnahm. Wir bezweifeln, da6 ein e c h t e r 
Rosenkreuzer ein gleiches tun wiirde . . . Wir sehen aber auch, 
dafi die ganze Freimaurerei, auch die der „Blauen Loge", zu der doch 
Br . ■ . Sotheran zahlte, in eine schlimme Sackgasse geraten ist, in der sie 
sich nun im Weltkriege in Gemeinschaft mit den „Grauen- und Orange- 
Manner n" vom Schottischen Ritus gefangen wird sehen muss en . . . 

Es scheint iiberhaupt nicht nur uns, sondern vieten Tieferbtickenden, 
dafi das gesamte Logen wesen — ob „blau", ob fJ grau", ob „orange" usw. 
— im Laufe der Zeit ganz in ein an der geflossen ist, auch wenn sich gele- 
gentlich einmat, wie in Italien, der Grofi-Orient und der Schottische Ritus 
miteinander streiten *). 

() Gro6-Orient" (Grand Orient) ist der in vielen Fallen gebrauchte 
and'ere Name fur ^Grofiloge". Der Ausdruck bedeutet nur den „Osten" 
und hangt darait zusammen, dafi die Sonne im Osten aufgeht (wenigstens 
scheinbar), dafl also aus dem Osten das Licht kommt („ex oriente lux"), 
und dafi ja wirklich auch viel geistiges Wissen aus dem fernen geographi- 
schen Osten dem Westen zugcstromt ist. Sowohl was die indischen, als 
per si sehen, chaldao-agypti sehen, als die christlichen Urmysterien an- 

*) Der () Schottische Ritus" in Italien hatte sich 1903 unter dem verstorbenen 
Br. 1 . Pastor Fera von dem Grofl-Orient Italiens getrennt. Der Grofl-Orient 
tagt im Palazzo Giustiniani, der Schottische Ritus im Piazza del Gesu. Grofl- 
meister des Grofl-Orients war his zum 14: Juli 1917 (an welchem Tage in Paris 
eine Logenkrisis zwischen Frankreich und Italien wegen der Zu- oder Nicht- 
zuteilung von Trient und Triest an Italien resp. wegen Dalmatiens und Alba- 
niens usw. ausbrach) Br.', Ettore Ferrari, wahrend dem Schottischen Ritus 
der Kammei-Abgeordnete Camera vorsteht Zur Grofltoge Italiens zugehong 
sind die Giordano Bru no-Ges ell sc haft, der „Corda Fratres", der „Latina Gens' 
und die „Dante Alighieri"-Geseuschaft; erstere drei Institutionen begriindete 
Br.-. Ferrari, wahrend der sozialistische Mini&terprasident Br.*. Bosetli die „Dante 
Alighieri" tangere Zeit leitete. Ferner gehoren zum GroB-Orient von Italien die 
zahlreichen irredentistischen Vereinigungen, welche den AnschluB Tnest-Tnents, 
Dalmatiens usw. art Italien propagierten. Dann beherrscht der Grofl-Orient das 
ganze Gebiet der „schonen Kunste" und das italienische^HochschuIwesen USTeue 
Ziircher Nachrichten", igi7> Nr. 20s). — Nach den Auflerungen des deutschen 
Br.*. Leopold Wolfgang im „Unsichtharen Tempe!" 1916, Heft 7, vertrat der 
^Schottische Ritus" des Pfarrers Br.-. Saverio Fera die etwas zahmere Tonart in 
der Folitik (also gewissermaBen den rechten Ftugel), Zur Gruppe Fera gehort 
Br.-. Antonio Salandra, der, als fiihrender Minister dem verstorhenen^Logen- 
br.-. San Giuliano folgend, dem verscharften Ansinnen der „Linken" in der 
italienischeji Maurerei (unter Ettore Ferrari) nicht ganz -zu folgen vermochte, 
weshalh Br.-. Sonnino — der Mann der harteren Tonart in der Kriegsnetze — 
an seine Stclle Team und bis zum erneuten Triest-Konfiikt dann verbheh. 



— 17 — 

betrifft. Nach dem Osten richteten die Volker des Morgenlandes ihr Ge- 
bet, nach dem Osten tagen die Hauptportale zu den Tempeln und selbst 
zu den urspriinglichen christlichen Kirch en. Auch die Stiftshutte des von 
Moses eingerichteten Zeltes (fur den Auszug aus Agypten) hatte das 
Eingangstor nach Osten. In den „Osten der Seele" fallt das Morgenrot 
der erwachenden Erkenntnis. Deshalb fuhrten die deutschen Logen 
„innere Oriente" bei ihrem Brauchtum ein. Guido List weist in seiner 
|,Mysteriensprache der Ariogermanen" (Bd. 6 S. 391 seiner „Forschung&- 
ergebnisse") ausdriicklich darauf hin, dafi es ein volliger Miflverstand 
ware, anzunehmen, dafi unter ^Orient" immer Indien oder Persien usw. 
ver stan den werden wolle. Und in der Tat, die grofien Eirjiveihungen der 
Menschheit, die Kulturen, die iiber Europa gingen, wurden durchaus nicht 
immer nur vom Himalaya (Gaurisankar) und Arrarat und Olymp aus 
inauguriert. Beispiele dafur sind die alten germanischen und die 
esoterischen christlichen (auch die echten rosenkreuzerischen) Ini- 
tiattonen. Dennoch kann man sagen, dafi jene Grofloriente, die ihren 
blauen oder Johannesgraden den „ Alten und Angenommenen schot- 
tischen Ritus" angegliedert hah en, den Boden der ursprunglichen 
Grundpfiichten, auf dem sie doch gewachsen sein wollen, verlassen haben 
und ganz und gar der P o 1 i t i k v e r f a 1 1 e n sind, Und so bekommt 
Guido v. List in seinem Werk „Armanenschaft der Ariogermanen" II, 
S. 28, leider recht, wenn er schreibt; 

„Man lasse sich durch das Macenastum Einzelner ja nicht tauschen, denn diese 

sind einfach vorgeschohene Strohmanner als Wissende der Einen (gemein- 

samen) Partei, deren Geschaftsstellen unter den verschiedensten Firmen, wie 

z. B. „AHiance Israelite Universale", der (ententistischen) „Freimaurerei (( (also 

GroBorient und Schottischer Ritus), der „Odd Fellows", der ^Adyarloge", der 

„Druidenhaine" usw. hekannt sind . . . Freilich, deren niedere Grade wissen 

jqicht, wer ihre „unbekannten Oberen" sind, und was diese anstrehen, weshalh 

sie, ohne Melneid zu begehen, es ruhig beschworen konnen, daJJ sie von einem 

Zusammenliang mit der „Gro8en (in ihren gemeinsamen Ftihrern und Lenkern 

geeinten) Internationale" (die die politische Macht wie die Regentschaft^des 

Mammonismus erstrebt) und von „Unhekannten Oberen" nichts wissen . . " 

Guido List betont, dafi in den Logen und maurerisch organisierten Ge- 

sellschaften alte Arten von Men sehen — gleichviel welch er religiosen oder 

politischen oder kommerziellen Richtung, also die abstrusesten aufierlich 

scheinbaren Gegensatze: Protestantismus, Jesuitismus, Judaismus, Anti- 

semitismus, Ko riser vativismus, Sozialismus usw, usw. — sich zusammen- 

finden und von den selben oberen oder doch innerlich die Dinge leitenden 

Personlichkeiten und Wesenheiten beherrscht.*. und in die Irre gelenkt 

werden, Auch Br.-. Mackenzie (^Encyclopaedia Masonica") kennt eine 

gewisse Art Ordensbriider : J3 da sie keine besondere Kleidung tragen, ist 

es sehr schwer, sie zu erkennen; derm sie konnen ats Protestanten oder 

Katholiken, Demokraten oder Aristokraten, unglaubig oder bigott (from- 

melnd) erscheinen, je nach der besonderen , Mission*, mit der sie betraut 

worden sind. Ihre Spione sind iiberatl . . ." 1 ). Wir selbst gehoren nun 

gewifi nicht zu denen, die blind-fanatisch alles in einen Tiegel werfen, ohne 

zu unterscheiden; wir wissen aber wohl, dafl das alte SprichwOrt sich 

immer neu bewahrheitet, daS, wo Gott seinen Tempel erbaut, sofort Konig 



x ) Vgh „Neue Metaphysische Rundschau", 1912, S. 202. 

]$Sse, Entenle-Freimanrerei. Ifi 



— i8 — 

Luzifer seine Kapelle danebensetzt, und so sind wir tiberzeugt, dafl es 
keine einzige, noch so ideal gedachte, vollkommene Institution geben 
kann, in der nicht bald auch die judasnaturen sich eingereiht und — den 
Geldbeutel und das grofle Wort gepachtet oder Intrigen, Zwischentrage- 
reien, politischen Verrat und Betrug usw. angezettelt batten, ohne dafl 
man ihnen auf die Finger sehen konnte und kann. Und deshalb begrei- 
fen wir gern, daB H. P. Blavatsky CIsis entschleiert" II, S. 377) sagen 
konnte, die Freimaurerei „degenertert in eine Zusam- 
menkunft von s e 1 b s t s u c h t i g e n Menschen und ist 
durch schlechte Menschen erniedrigt", Trotz alledem 
bleiben die allein wahren und wirklichen Grade der Einweihung bestehen, 
die der Erwahlte durch seine eigene Seele vollziebt unter der Fiihrung sei- 
nes wahren Hierophanten, der fur einen wirklichen Christen letzten Endes 
der Christus selbst ist, wogegen ein „buddhistischer" oder ^memphischer" 
Ritus vielleicht zu dem Glanze der dort moglichen hochsten Erkenntnis 
leitet, von wo aus er wieder den Weg zu Christus und zur weit uber dem 
33. Grad aller irdischen Maurerei hinauslenkenden allerhochsten Weihe 
fiihrt. (Blavatsky spricht von sieben wirklichen Initiationen x ), die zu- 
gleich durch die Halle des Todes fuliren und den wirklichen Sinn des Kos- 
mos — seiner Planeten — enthiillen. Aber sie bedingen bochste Reinheit 
des Leben swan dels und erlauben nicht, Rache zu nehmen, wie es die 
moderne, spekulativ-abstrakte GroBorients- und Graue-Manner-Maurerei 
im Kriege lehrt und iibt - . .) 

Ein volliges Auseinanderhalten der Logen wird praktisch recht er- 
schwert sein — wenn man z. B. zwischen „blau" und „grau" usw. wesent- 
lich unterscheiden oder die Schottenriten von den andern Grofilogen ab- 
trennen will. Schon darum, weil z. B. die ersten drei Grade Johannes- 
grade, die andern aber Schott en grade genannt werden, aber doch meist 
zusammengeboren, weil selb'st die „isolierten" Logen keineswegs aufier- 
halb der Grofilogen, sondern mit diesen im Gegenseitigkeitsverhaltnis 
(Korrespondenzverhaltnis) stehen, wie der deutsche Br,-, Wilhelm 
Arndt, fJ Logen-Reden, Bausteine zum Tempel der Humanitat", 1906, 
S, 151/52 sagt, 

Jedenfalls ist es — mit wenig Ausnahme — jedermann moglich, sich 
dem maurerischen Ordensleben einzugHedern, und daraus resultiert dann, 
dafi das eine Mai eine judische, das andere Mai eine antisemitische oder 
wieder eine jesuitische Unterstromung sehr wohl eindringen kann. Die 
von katholischer Seite so oft betonte Unmoglichkeit, Katholik und Logen- 
bruder zugleich zu sein, lehnen wir aus praktischer Erfahrung, aus litera- 
rischer Kenntnis und aus der Tatsache der franzosisch-italienischen Folt- 
tik ohne weiteres ab; es scheint uns ganz unmoglich, dafi alle italieni- 
schen Maurer Dissidenten oder Juden sind. Auflerdem widcrspricht die 
wirkliche Maurerei gar nicht dem praktischen Christentum; denn der 
Freimaurer-Katcchismus sagt: „Die Bib el richtet und ordnet unsern 
Glauben, das Winkelmafi unsere Handlungen, und der Zirkel bestimmt 
unser Verhaltnis gegen alle Menschen,.." (Arndt, , J Logen-Reden ,4 > 

*) ,.,Isis entschleiert" II, S. 364/65. Aber auch Blavatsky blieben manche Durch- 
gange durch die gelieimsten Pforten versagt infolge gewisser Abirrungen in Hin- 
sicht des Christentums, — man beachte daraufhin Blavatskys zahlreiche Schrifteu. 



: 



— 19 — 

„Am Johannesfeste", S. 147). Und dann wurde das „Konstitutionenbuch" 
1756 ja auch vom streng christlich-glaubigen Geistlichen John Entkk revi- 
diert und auf die „Alten Pflichten", die \& vor 171 7 schon bestanden (d. h. 
bevor die Maurerei ihie Umwandlung aus ciner ,,-wcrkmaurerischen" in 
eine „spekulative" vollzog), zuriickgefuhrt (vgl. da^u „Stimmen der Zeit" 
47. Jahrgang, S. 270). Und noch dazu heiGt es in Art. VI, § 2 des ersten 
,,Konstitutionenbuches" von 1723, dafi die Maurer sich zur „katholibchen", 
d. h. allgemcincn Religion bekennen. Bei wirklich objektiver und neu- 
traler Beurtcilung der Sachlage konnen wir also wirklich .nicht verstehcn, 
daB ein Katholik oder Jesuit nicht zugleich Mason nist sein konnte »). 
Anderseits freilich verdirbt eine Sache sowieso, sobald die Vater und 
Paten dersclben es von Anfang an mit der Rechtlichkeit oberfiachlich 
nehmen, und wir wundern uns nicht, dafi die Logen zur Tyrannei herab- 
statt zum Hum an ism us hinaufgestiegen sind (obwobl sie fortgesetzt die 
Humanitat betonen), wenn schon der Bcarbeiter der ,,ursprunglichen 
Konstitution" von 1723/38, der presbyterianische Geistliche James Ander- 
son, wie auch seine Gonner, die CroBmcister Herzog Montague und Her- 
zog Wharton bei vielen hervorragendcn Brr . ■ . Maurern, wie z. B. Les- 

J ) Br.-, Dr. Buck 32.-. und 1900 President der „Theosophical Society in Amc- 
rika', weist auf 3. 103 und 212/13 seiner „Mystischen Maurerei" darauf hin, daB 
es „wahrschcinlich beutzutagc kttiien Grad in der Msurcrei mehr gibt, welcher 
nicht durch Mitgliedcr religioser Orden durchsetzt ware*'. — So beiichtet 
auch das Miinchener ..Ilistorisch-genealogische Jahrbuch", 1912, auf S. 572, daB Kar~ 
dinal Netto von Lissabou, der als erster der ktrchlichcn portngiesischen Wurden- 
tiager ins republikanische Lager ubertrat, Mitglicd der Wei tgeheim- 
organisation ist, obsclion cr, als ein zu Bergbeim (Krei-s Rappolts^eiler 
im Ober-EtsaB) gcborener Sohn jiidischer Eltem namens Netter, Franz i ska - 
ner ist. Dann berichtcte Br.'. Prof. Dr. Ern^t Fried richs in „Freimaurcrei in 
Ruflland und Polcn", S. 72, dab in den poluischen Freimauretlogen die ( ,katholische 
Kircbe" durcbaus vertretcn war: Mcister vom Stuhl der Logc ,,Der eifrige 
Litauer" in Witna war ein Fiirstbiachof , namens Puzina, der eine gan^e 
Reihe von Pralateii, Kanonici und Kaplancii aK Brr.-. Maurer um sich hattc. 
Aber auch der kathotische Schriftstellcr Dr. jur. Htinz Brauweiler sagt, daB die 
preufiischen. Logen bis in die vierziger Jahrc des letzten Jahrhunderts binem (und 
warum nicht auch spaterhin?) zahlreiche Katholiken zu Mitgliedeni zahl- 
ten (^Deutsche und romanische Freimaurerei", S. 50). Dor vormals katho- 
lische Geistliche Br.-. Louis de Saint Martin, welcher nach 
seincin Todc im Logengarten beigesctat -worden war, ist bekannt durch 
«ieine Lobredt in der franzosischen Akademie auf den Ileiligen Ludwig (den 
Konig Ludwig IX. von Frankreich). Dann wihsen wir auch, daB Papst 
Pius IX. (1846— 1878) eine Zeitlang, in jungen Jahren, Maurer gewesen sei (er 
selbst hat dem nie widersprochen). Und der Erzschwindler Leo Taxil, der den 
Katholiken und Jesuiten schlieBikh ebenso unbequem wurde wie den Freimau- 
rem, gegen die sich seine Werke richteten, war in ciner Korrektionaanstalt von 
Jesuiten erzogen worden, was ihn aber nicht hindcrtc, in eine l'reiniaurerlcjge 
(wenn er es daiin auch nur bis zum Lehrlingsgrade brachtc) einzutreten. Um- 
gekehrt trat der chematige Grofimeisttr der GroiJloge von England, Unterstaats- 
sekretar im Knegsministerlum George Frederik Samuel Ripon Graf il e Grey zum 
Jesuitismus uber. Wir selbst kennen einen Br.-. Maurer, der auf zwei Schultern 
Wasser tragt: zu den Bit.-. Maurern und zu den Jesuiten, und der tcldkirchner 
Pater Herm. G ruber, eine Autoritat und hef tiger Bcfehder des Logcntums, 
durfte kaura a em tiefgeh endes immenses Wis sen liber das Maurertum an der s 
erlangt haben als durch intimste Heziehungen zu Logenbrudcm! Noch ein eifriger 
Freimaurer war der beruhmte Jesuit und bohmischc SI avis t Abbe Joseph D o- 
browsky, welcher der Logc „zu den drei gekronttm Sternen in prag angchorte- 
Seiner Vorliebe fur die blaue Farbe seiner Loge wegen wurde er „der blaue Abbe 
genannt. 



• — 20 — 

sing, iricht als charakterstarke Naturen gelten. Die „Stimmen der, Zeit" 
(1917, S. 265/67) legten zudem dar, dafi die gauze Leitung der „Royal 
Society" von Anfang an — entgegen ihrer Konstitution — politischen 
Umtrieben huldigte. Da muB man nur umsomehr die deutsche treue 
Art bewundern, die als Reis an solchem Logenbaume sich so wacker 
bewahrte, dafl ein Friedrich Wiihelm III. sagen konnte: „Die Freimaurer 
1 sind meine besten Untertanen I" (Br . ■ . Dr. Settegast, „Die deutsche 
Freimaurerei", S. 52), oder dafl ein Kaiser Wiihelm I. sprechen 
durfte ; 

„Dafi die Freimaurer ei vorzugsweise geeigrtet ist, nicht allein alle Mitglieder zu 
wahrer Religiositat . . . zu erziehen und durch fortschreitende Selbstveredelung 
zu begliicken, sondern auch zum Heile der gesamten Menschheit mit segens- 
reichem Erfolge tatig zu sein" (Settegast a. a.~0. S. 58). 

Aber eben weil der deutsche Kern allezeit gut war, darum konnten am 
deutschen Logenbaume mit seinen Asten (den „drei Weltkugeln", der 
„Groflen Landesloge von Deutschland", der „Gro£loge Royal-York von 
FreuBen", der „GroBIoge von Hamburg", der „GroBen Mutterloge Ek- 
lesia", -der „Grofiloge von Sachsen", der ^Grofiloge zur Sonne in Eay- 
reuth", der „Groflloge zur Eintracht in Darmstadt", der Templer- und 
Johanniter-GrofJloge „Balduin" usw.} Manner wie Goethe 1 ) f Lessing, 
Rtickert, Fichte, Mozart, Haydn, Lortzing, Abt, Gellert, Kotzebue, 
Schenkendorf, Schikancdcr, Freiherr Stein, 2schokke, Bechstein, Christian 
Gottfried Korner, Rittershaus, Herder, Wieland, Friedrich Ludwig Jahn, 
Bliicher, Scharnhorst, Gneisenau, York usw. gcdeihen oder ein Friedrich 
der Grofle, Kaiser Friedrich III. und andere gckronte Haupter neben vie- 
len hochst ehrenwerten Fersdnlichkeiten allcr Slande sich wohl fuhlen. 

Br.-. Wolfgang v. Goethe wurde, 31 Jabre alt in die Loge aufgenommen, am 
2. Marz 1782 zum Meister befordert. Er hatte, wie der Schwcizcr Diethelm 
Lavater und wie Heinrich Zschokke, eine besondere Vorliebe fur die 
srrikte Observanz. Auch Goethes Sohn August ward Meisterbrtider. Am 23. Juni 
1830 fand Goethes 5ojahriges Meister jubilaum statt. — Br.-. Gottfr. Ephraim 
Lessing wurde vora Grofimeister v. Zinnendorf in der Loge gefordert; 1775 
erhielt er den Meistergrad. — Der Dichter Br.-. Friedrich Ruckert erhielt in 
Hildburghausen „das Licht". — Br.-. Wolfgang Atnadaus Mozart trat in Wien 

_ in die Loge ein, komponierte 1785 eine maurerische Trauermusik und I7Q5 eine Frei- 
n::aurerkantate; sein grofites Maureiweik ist die ,,Zaubern6te f \ zu der Br.'. Emanuel 
Schikaneder den Text schuf und den Br.-. Goethe dichterisch fortentwickelte. 
— Br.-. Franz Abt wurde 1S53 in Braunschweig eingeweiht. — Br.-. Gustav Al- 
bert Lortzing ward in Leipzig in den Maurerbund aufgenommen. — Br.-. Franz 
Josef Haydn erhielt ebenfalls in Wien „das Licht".— Br.-. Chrisf. Furchtegott 
Gellert trat 1735 in die Loge. — Staatsrat Dichter Br.-. Friedr. Aug. Ferd. 
von Kotzebue wurde in Eeval (RuBIand) in die Loge aufgenommen. — Der 
Dichfer Schenkendorf war „Br.*. Steward" in der Koblenzer Loge. — -Br.-. 
Gcrh. Dav. von Scharnhorst fand in Gottingen „das Licht". — Br.- r Joh. 
Gottfr. v. Herder, ein beriihmter Kanzelredner, war ein hervorragender Ma- 
sonnist, und verkehrte viel mit den Brrn.-. Goethe und Jung Stilling 
(Stilling, ein tiefer Mystiker, origineller Schriftsteller, Schneider, Kohler, Arzt, 
Landwirtschaftspiofessor und Geheimrat!, war durch Max von Schenken- 
dorf Maujer geworden). — Br.-. Joh. Gottl. Fichte war zweiter Auiseher und 
Oberredner im Engbunde. — Br.-. Christoph Martin Wieland, der in Zurich, 

„. Winterthur und Bern langere Zeit lebte, wurde als 76jahriger Greis noch ein~ 
geweiht; Ihm hielt 1813 Br.-. Goethe die maurerische Totenfeier. — Theodor 
Korners Vater, Br,-. Christ, Gottfr. Komtr, gab Schillers Werke heraus, 
Friedrich v. Schiller selbst pflegte intimen Verkehr mit Brr.*. Maurern und 
llluminaten; sein „Don Carlos" ist maurerisch empfunden. — Der Dichter Br.-. 
Lndwig Bechstein war zugcordneter Meister in Meinlngeii, und mancherlei 



maurerische Ge&inge stammen von ihm. — Br.-. Dichter Emil Rittershaus 
wurde in Schwelm Logenmitglied. — Br.\ Freiherr Heinr. Friedr. Karl v. 
Stein, der noch von Br.*. Woodrow Wilson ein nachtragliches Lob fur seine 
staatsmannische Kunst empfing, trat in Wetzlar zur Loge. — Br.-. Kaiser 
Friedrich III. war u. a. OrdensgroBmeister in der Groflen Landesloge von 
PreuBen, seine Meister reden erschienen fiir Brr.-. im Druck. 



Von der politischen Tatigkeit der Entente-Maurerei. 

Nach dem Motto: 

„Nimm Bedacht, die Menschen zu trennen, 
Auf dafl du selber iiber sie herrschestl" 

(Br.-. Dr. Miiffelmann.) 

Wenn man nun sagt, daB die Ententelogen sich in wirklichen 

Gegensatz ^um bisher monarchischen Deutschland bezw. in Wider- 

spruch gegen die Mittelmachte — als ausgesprochene Dynastien 

— stellten, so zeigt eine neutrale Untersuchung der Tatsachen, daB 

schon vor dem tobenden Weltenbrande viele Logenkreise sich in politisch- 

t;> republikanischen Geiuhlen bewegten. Man kann sich das leicht vor 

*'"":.: Augen lialten. Das die Maurerei beherrschende Prinzip allgemeiner Brii- 

derlichkeit unter den Menschen setzt grundsatzlich demokratische Ein- 

richtungen voraus. Bedenkt man aber, dafl das Maurertum als solches 

|y : :."- selber in viele Grade eingeteilt ist und die Stufen vom ^Lehrling" zum 

*"' „Gesellen" zum „Meister" und „Gro£5meister i und zu den 33 und mehr 

Hochgraden hinauf einander ubergeordnet sind, dann ergibt sich doch 

auch wieder das monarchische System mit dem Hochsteingewerhten, dem 

die Krone (die Tiara, der edelsteingeschmuckte Brustscbild oder die 

prunktvollste Regalie) gebuhrt, an der Spitze. Tatsachlich waren in weit 

zuriickliegenden Zeitcn, in denen noch nicht die Freimaurerlogen, sondern 

deren grandiose geistige Urbilder, die ^Mystericn", auf dem ganzen Erden- 

rund lebendig waren, auch wirklich die hochsten Priester-Tnitiierten zu- 

gleich die „kuninge" (chuninge) oder Konige ihrer Volker. Es liegt 

also im Grundsatze demokratischer Einrichtungen nicht die Ausschlie- 

fiung der Dynastien, und es werden daher auch heute noch auch innerhalb 

Iv der Ententemaurerei Majestaten, die sich der Willkiir a ) der betreffenden 

f^Logen anglicdern, unbehelligt gelassen. [Noch bis weit in historische 

* 'Zeit hinein war das Konigtum der germanischen Volker, dem immer ein 

> mystisches Element — die alte Einweihung, die Urform des „K6nig- 

|| turns von Gottesgnaden" — z-ugrunde gelegen hatte, sozial-aristokrati- 

■ *) Das Deutschtum kennt solche Willkur nicht, Man braucht nur, am sich 

hiervon zu uberzengen, die „Logen-Reden" von Br.-. Arndt (Berlin 1906) zu den 
vcrschiedenen Kaiser-Geburtstagsfeiern oder diejenige zum Gedachtnis weiland 
Konig Friedrich? des Gi often zu lesen. Sie atmen rein-iten Patriotismus und treue 
Huldigung. — Friedrich II. war, was auch bemerkt sei, von 1754 bis 1757 GroB- 
meister der Grofiloge s ,zu den drei Weltkugeln". 1774 genehmigte er dann die 
Konstitution zwischen der Grofien Landesloge von Deutschland und der GroBloge 
Ton England und 1777 verlieh er der Berliner Grofiloge „zu den drei Weltktigeln" 
(unter dem „GroB-Priorat" des NationaFGroflmeisters Frinzen Friedricli August 
von Braunschweig) sein Bildnis. (Vgl. Arndt, a. a. O. S. 56/68 und 105/iTl, sowie 
Er,-. Dr. Schuster, „Geheime Geselhchaften usw." 11, S. 39/41.) 



— 22 — 



scher Natur, indem der Kdnig als ^Erz-Armane" oder Hochstbevollmach- 
tigter aus geistiger Prate ndenz (Berechtigung) und geistiger Fradestina- 
* tion (Vorherbestimmung) heraus von den Edelingen (den Adeligen) zum 
Oberhaupt erwahlt wurde, ohne Anspruch auf erbliches Konigtum *).] 
Damit ist also das „demokratische Prinzip" ein uraltes Prinzip, das von 
der politischen Maurerei nur verdorben worden ist . . . Es waren des- 
halb, als das Maurertum an die Stelle der Mysterien trat, Konige und 
Fiirsten der geordnetsten Staatswesen zugleich Mitglieder erhabener 
Bruderschaften, was doch ein Unding gewesen ware, wenn das Ideal- 
Prinzip/der Demokratie in der ausgesprochen poli- 
tischen Form von heute volkstumlich gemacht worden ware. Wie 
es aber immer ist, daB die Nachkommen meist „nicht erworben 
haben", was sie als „der Vater Erbe" doch „schon besitzen", so ist eben 
.auch das maurerische Ideal der Bruderschaft in vielen^Logenkreisen zur 
rein politisch-republikanischen Gesinnung herabgesunken. Gar nicht 
freundlich sprach sich iiber ein gewisses Maurertum schon 1872 ein Eng- 
ender, John Yarker jun,, der fruhere GroBmeister der groBen Loge in 
Griecbenland, der zugleich GroBmeister der Svedenborg-Rituale und 
„Grofimeister der alten und ursprunglichen Maurer-Rituale" war, in 
seinem Buche iiber wissenschaftliche und religiose Mysterien, gnosti'sche 
und geheime Schulen, modernes Rosenkreuzertum und verschiedene Riten 
in der Maurerei 2 ) aus, indem er sagte : 

Wie die mauicrische Bruderschaft jetzt regiert wird, 1st das (maurerische) Hand- 
werk beinahe das Paradies der Bonvivants (das ist der „Brudcr", die nur ihren 
Egoismus befriedigen) geworden, die den Wortlaut des St. Paulus veigessen und 
ihre Brust mit dem Juwel der Nachstenliebc' schmucken, . . . es ist . . . das Para- 
dies der maurerischen . . . Charlatane, die Macht und Geld . . . herausschlagen, in- 
dem sie sich ani unsere Institution beziehen . . . und ihre ganz personlichen 
Triebe und Bcgierden sowcit und solange steigern, als et. der torichte Mann 

aus dem VoJke nicht merkt . 

So ist der Niedergang im Ordenswesen ganz allgcmein in der Welt 
geworden dank dem Klingsorgeist, der iiberall Zutritt findet, wo die 
Menschheit sich zueist in ihren einzelnen Gliedern und dann in ganzen 
Gemeinschaften schwach erweist. Und deshalb findcn wir heute ein so 
ganz offenkundiges, freventliches Spiel in den Freimaurerkreisen der 
Entente, wie es historische Zeiten gab, in denen die Geschichtsschreibung 
dem Stamme des Jesuitismus die Knospung edler Rosen so sehr absprach, 
daB selbst ein Windthorst, der Grunder der deutschen Zentrums- 
partei, sie als kulturwidrig bekampfte. In Guido v. Lists „Armanenschaft 
der Ariogermanen" rlnden wir daher in langen Auafuhrungen die von uns 
schon beriihrte und die fur die „Nichteingeweihten" gewifl ganz seltsame 
Darstellung, daB einandcr auBerlich gegenseitig bitter befehdende Maurer, 
Jesuiten, Juden, Antisemiten, Protestanten, Katholiken und Sozialisten 
im Grunde ihres Wesens doch eine organisierte Gemeinsamkeit pflegen, 
die v. List die „Eine groBe Internationale" nennt, jene „Eine Partei", 
„die immer die Verfassung mit Volksvertretung in iKrem geheimen 
HofTen als Ubergang zur Republik betrachtet" 3 ) und die er als die „Pluto- 

') Vgl. dazu: Guido List, „Armanenschaft der Ariogermanen", 2. Teil, S. 19. 
*) Zitiert in „Isis entschleiert" II, S. 376. 
*) „Arnjancji9chaft rt II, S. 24/29, 40/42, 56757- 



— 23 — 

kratie in ihrer Absicht auf die Weltherrschaft" bezeichnet. Aber weshalb 
sollte es auch nicht einzeine Menschen und am Ende gar ganze Korpo- 
rationen von „Geheirnpolitikern u geben, die sich in alle ehedem idealen 
Gemeinschaften einschmeicheln und diese dadurch dann verderben und 
verfalschen? Der Klingsorpfad war .immer da und „das Dichten des 
menschlichen Herzens ist bose von Jugend auf . . ." (Genesis 8, 21) , Die 
freimaurerische Terminologie kennt durchaus diese Judasnaturen, die un- 
fa erechtigterweise in die Biinde eindringen; sie werden „Cowan" oder 
Horcher genannt. Im einen Faile werden sie vielleicht unschadlich ge- 
macht werden konnen, — nicht selten aber sind gerade sie im Verfolg 
der Zeit diejenigen, die die Macht an sich bringen, und die dann als jene 
^Bonvivants" zu verstehen sind, die GroBmeister Br.-, Yarker so bitter 
geiBelte . . . 

Es mag die Menschheit zu ihrer fortdauernden Erneuerung vielleicht 
notigjiaben, daB sie immerwahrend jenen fmstern Machten gegentiber- 
gestellt werde, die" in Goethe s „ Faust" als „Teii von jener Kraft, die stets 
das Bose will utrd doch das Gute schafft" personifiziert erscheinen, damit 
sie eben jene „unsichtbare, unfaBbare, geradezu unheimliche Macht, . . . 
die iiber Regierung(en) und Krone (n) hinweg und somit als diejenige 
ungeheuerliche teuflische Macht, welche planmaBig die Kraft der Volker 
fiir ihre eigenen geheimen Zwecke ausniitzt, welche das Gut der Volker 
in ihre eigenen Kassen ableitet, und welche durch ihre mustergiiltig ge- 
Meitete innere und auBere Gliederung es treflflich zu veranstalten weiB, 
daB stets die Regierung — mitunter selbst die Krone! — der Welt gegen- 
tiber als der schuldtragende Teil erscheinen muB" 1 ), kennen lerne und 
uberwinde und selbst zu immer hoherem SelbstbewuBtsein gelange 

— gewiB, das mag notig sein fiir die Menschheit; aber dann gerade muB 
sie jenen geheimnisvollen Machenschaften auf den Grund zu kommen 
suchen, die da wirken auch in den Reihen der Masonnisten mitsamt 
den ,,indisch orientierten" sogenannten Theosophisten unter dem Banner 

- der schon erwiihnten „G r o ft s c h o 1 1 i n" Annie Besant, der bevorzug- 
ten Freundin weiland Br. ■ . Konig Eduards VII. 

Interessieren uns die Masonnisten innerhalb der Entente, dann ipter- 
essiert uns als Okkultisten nicht minder auch die Generalprasidentin der 
„Theosopiiical Society", eben diese GroBmeisterin Frau Annie B e - 
s a n t , von der Mr. C. W, Leadbeater auf S. 45 des „Adyar-Albums" 

— das von Annie Besant selbst verlegt wird — sagt: 

„, , . Ich war zur Seite unserer Prasidentin in Gegenwart des hochgten Lei- 
ters der Entwicklung dieser Weltkugel, und ich weiB, wovon 
ich spreche. Lasset die Weisen meine Worte horen . . ." 3 ) 
Annie Besant wird uns also hier vorgefiihrt als eine in die geheiligtesten 
Mysterien unseres Erdendaseins initiierte Meisterin, die selbst — mit Lead- 
beater gemeinsam — „TOr dem hochsten Geist unserer ge- 
samten Evolution geopfert" hat... Uber Annie Besant aber 
urteilte Edouard Schure in einem Briefe an Charles Blech, den Prasidenten 



4 ) List, .tArmanenschaft" II, S. 16/17. 

a ) Zitieit in Eugene Levy: „Aunie Besant und die Krisis in dei- Theosophi- 
schen Gescllschaft", 19 13, S. 125. 



m 



— 24 — 

der franzosischen Sektion der „Theosophischen Gesellschaft" am 1. Marz 
1 9 13 noch folgendermaflen: 

„Die hervorragende Personlichkeit der Prasidentin, ihre edle Vergangenheit, 
schienen Gewahr zu leisten, daB die Theosophische Gesellschaft den breiten VVeg 
der Toleranz, der Unparteilichkeit und Wahrhaftigkeit einhalten wiirde. Leider 
kam es anders. Der urspriingliche Grund dieser Abweichung liegt in dem engen 
Biindnis Frau Eesants mit Herrn Leadbeater, einem gelehrten Okkultisten, aber 
einer truben Natur, von zweifelhafter Moralitat . . ." ] ) 

Der vorerwahnte Ausspruch L e a d b e a t e r s ist fiir jeden Qkkultisten 
auflerordentlich beachtenswert. Es kann kaum einem Zweifel tinted iegen, 
daB Besant- Leadbeater einer wesenhaften geistigen M a c h t irgendwann 
und -wo gegeniibergestanden haben; einer Macht, die nachgcrade das ganze 
Wirken dieser beiden entgleisten Maurertheosophen Ienkt und leitet. Es 
ibt auch fiir Okkuitisten auSer Zweifel, daJ3 durch gewisse magisehe Prak- 
tiken, Nekromantie usw, ein Verkehr mit iiberphysischen Wesenhciten 
erreicht werden kann. Und wir raochten vermuten, daB Besant-Leadbeatcr 
es mit einer jener Wesenheiten zu tun hatten, die in der in Verruf gekom- 
menen Maurerei auch imraer eine grofie Rolle gespielt haben, und wegen 
welcher Wesen die katholische Kirche nicht mit Unrecht anti maurerisch zu 
sein berechtigt ist. Es sei hicr nur auf einen Satz hingewiesen, den der 
Autor der „Hermetischen Lehrbriefe <( , S. 124, ausspricht, und der gewisse 
„Spriaren" beriihrt, die dem Geistesforscher sehr wohl bekannt sind. Da 
sagt Raphael : „In diesen Spharen wohnen zahlreiche Rassen spiritUL-ller 
Wesen, von denen viele die hochsten Formen von Intelligenz und Schlau- 
h e i t besitzen . . . Diese Wesen sind die geheimen Inspiratoren 
jener muchtigen Bruderschaft der spirituellen Welt, die auf der Hide 
unter dem Namen ,Inversive Brethren' bekannt sind (das sind die 
.Bruder von der linken Hand', die alles ins Gegenteil wenden und dunkle 
magisehe Kiinste vorbereiten)". Es ist daher in der okkulten und in der 
katholischen -Ljteratur so vielfach auch die Rede von einem gewissen 
,>Bap hornet" Oder „Ziegenbock", der von den Freimaurern angeblich ver- 
ehrt wird: ein dem Christus feindliches Geistwesen. Urn nicht in den Ge- 
ruch der Unwissenheit zu kommen, stellen wir fest, dafi wir uber den so- 
genannten ^Taxil-Vaughan-S c h w i n d el" (den Leon Taxil trieb und 
danrt am 19. April 1897 in der „ Gesellschaft fiir Erdkunde" zu Paris selbst 
als das enthullte, was "er sich nennt) durchaus unter richtet sind. Es handelt 
sich bei dem Taxilbetrug um ein umfassendes und weitverbreitetes, verloge- 
nes, „der menschlichen Dummheit gewidmetes" Werk ge- 
gen dieFreimaurerei, betitelt : ,,DieDrei-Punkte-Bruder"; es ist geschrieben 
worden im AnschluB an die papstliche Enzyklika Leo XIII. vom 20. April 
1884 {„Humanum genus") 3 ) ; Naheres findet sich u. a. bei Graf von Hoens- 



J ) Wer dieser C. W. Leadbeater ist, sagt tms Frau Besant in der November- 
Nummer des „Theosophist" von 191 1 mit den folgenden Worten: „.,., Durch seine 
geduldige und harle Arbeit hat er Relohnungen erlangt,.., bis daB er aufrecht 
stent auf der Schwelle der G 6 1 1 H c h k e i t! . . ." Dr. med. Nair in 
Madras ist ?war anderer Ansicht; in der medizinischen Zeitschrift „Aiitiseptic'\ die 
in Madras erscheint, entgottlicht er ganz diesen — „Hohenpriester des Onanis- 
mus" . . . (Vgk hierzu Levy, „Annie Besant usy?.", S. 169, und E. Wolfram, „Der 
Humbug des Sterns im Osten", S. 5, 13/14 und 40.) 

*) Unter andei-en Blattern und atigesehenen Katholiken trat die „Civilta 



— 25 — 

broech: „Das Papsttum in seiner sozial-kulturellen Wirksamkeit", Bd. I, 
1000S 339/40, 342. Was in Taxils Biichern das Wesentliche ist, das 1st 
die Schilderung der Verehrung Luzifers durch die Masonnisten. Nun 
ist aber das Werk Taxils m seinen schreiendsten Teilen erfunden (aber 
auch viel Wahres uber altere und neuere franzosische Rituale findet 
' sich darin, besonders in dem, was vor 1890 von Taxil geschrieben worden 
ist) Der "katholische Geistliche Hermann Gruber von Feldkirch war der 
erste, der in seinem dreibandigen Werke „Leo Taxils Paladismus-Roman" 
und in dtr Schrift „Betrug als Ende eines Betruges" (Germama-Verlag, 
K Berlin 1897/98) gegen Taxil die Stimme erhob 1 ). Dieser Taxilsche 
f Baphomet" (B i t r u) existiert nicht Wohl aber gibt es em wirklich 
verehrungswiirdiges Symbol der geistigen Verjungung, das manchmal als 
Baphomet" bezeichnet wird. Und diesem echten Templer- und Maurer- 
symbol steht entgegen jene geheimnisvolle Macht, die alles entehrt, so daii 
nun in Tat und Wahrheit auch wieder ein Pseudo-Baphomet-Symbol „zu- 
tage" tritt- eine Wesenheit des Dunkels und der Un wahrhaftigkeit — und 
diesem scheinen nicht nur Besant-Leadbeater, sondern auch andere Frei- 
maurer verfallen zu sein, — die, obwohl wissend, daB es zwischen Himmel 
und Erde Dinge gibt, die keine Schulweisheit kennt (wie Hamlet sagt), 
doch gerade dieses „i h r hoheres Wissen' 1 jener Quelle verdanken, die statt 
1 ins goldene Paradieseshcht in schwarzeste Finsterms, Unmoral und — 
Krieg gefiihrt hat. Diesem Pseudo-Baphomet, der dann also (trotz Taxils 
Ltigenwerk iiber ihn!) wirklich existiert, ihm mag Annie Besant „ge- 
opfert 1 ' habrn, wie mit ihr jene (von der wahren okkulten Welt so be- 
klagenswerten) .Obercn" von der „Einen internationalen Logenchque , die 
den ganzen schrecklichen Weltkonflikt auf ihr Gewissen genommen haben. 
Nun beriihrt zwar das eben von Ed. Schure gekennzeichnete Verlassen 
des Pfades der Toleranz nicht unsere Sache; aber darauf kommt es im 
wesentlichen jetzt nicht an. Die Wahrha f 1 1 gk e i t ist das mafi- 
gebendc Moment. Wie aber in dem von Schure, Levy und L. Wolfram an- 
lezogcnen Falle Annie Besant die Welt mit einem neuen 
mm, Pseudo-Christus, der da kommen soil, zu umstneken 
^ s u ch t und zu diesem Zwecke einen neuen „Orden" grundet: den »Stern 
vom Osten" so nimmt Frau Besant noch zu einem anderen Ordcn Zufiucht, 
der diesmal ein ausgesprochen freimaurenscher ist, den sie selbst leitet. 
Manner und Fraucn haben darin die gleichen Rechte, — es 1st der „Order 
of Universal Co-Freemasonry". Zu was er alles herhalten mag, durfte — 
unter Zuhilfenabme unserer vorangegangenen Ausfiihrungen uber das Wesen 
politischer moderner Maurerei — daraus erhelien, dafi Frau Besant bekann- 
termafien schon langst das hohe Rofi der Weltpolitik reitet. *Wenn wir uns 

C^ttolica" in ihrem Trrtum warm Br die Pseudo-Enthiillungen Leo Taxils und 
seiner betrugerischen Helfershelfer Dr. Eataillea und Dr. Hacks em. 

P. HeTmann Gruber, S. J-, macht uns ffir die ^weite Ajflage unser« Bud>« 
darauf aufmerksam, daB auf dem Internationalen Freimaurerkon«reli in Brussel 

ohne Widersprucb festgestellt wurde, daB in den e r s t e n W er ke n 1 ax lis 
(von 1885-1889) die Riten allcr Grade sehr genau in ihrem Hanptinhalt beschne- 
ben worden seien. - Leo Taxil wurde am 21. Februar 1881 in d.e Loge aufeenoni- 
men aber schon am 5- Oktobcr des selben Jahres w»eder aiiBgestoflen, weil er 
SgebUch E,ie?c der Brr.-. Victor Hugo und Louis Blanc gefalscht hatte. 



— 26 — 

nicht irren, war es 191 1, als sie in einem ihrer im Druck veroffentlichten 
Vortrage der Wahrheit entgegen die Behauptung aufstellte, dafi es ihrem 
okkulten Freunde, dem englischen Konig Eduard VII. vorbehal- 
ten gewesen sei, der Menschheit den Weltfrieden erhalten 
zu haben (wahrend es doch gerade der deutsche Kaiser Wilhelm II. und das 
deutsche Volk waren, die wiederholt bis an die auflerste Grenze der Selbst- 
demiitigung gingen, urn die Erde vor den Schrecken eines Weltkrieges zu 
bewahren) 1 ). In einem anderen Vortrage im Herbst 1911, den „diese un- 
ermtidliche Vorkampferin der geistigen Erweckung der Menschheit" 3 ) in 
England hielt, sagte Annie Besant weiterhin 9 ) : 

„. . . Inmitten dieser vor sich gehenden Wechsel auf der Oberflache unscres Globus 
sollten wir verslehen lernen, wic Rciche aufgebaut werden und wie Vdlker sich 
entwickeln. Dieses machtyolle Weltreich der (gegenwartigen weifien) . . . Rasse 
wird England und Indien (den Sitz Besantscher Masonry!) als Mittel- 
punkte und die groBen angrenzenden Lander Amerika und Deutsch- 
land als . . .Stiitzpfeiler (!) auf jeder Seite haben. Amerika nahert sich uns 
taglich melir (!). O, will Deutschland sich nicht auch durch Bande des Friedens 
mit diesem Lande (England) verkniipfen? . .." 

Mystisch begriindet wurde diese Propaganda fur einen englischen „Co- 

. Freemasonry "-Frieden mit' dem Hinweis auf die nahe Wiederkunft des 

Christus in dem physischen. Leibe eines indisehen „Wunderknaben" 

(Alkyone-Krishnaniurti, der aber gar kein Wunderknabe ist und 

deshalb, wie es neuerdings hicfi, jctzt von einem- franzosischen (!) Zogling *) 



x ) Urn an ein Beispiel anzukniipfen, wollen wir an die zahheichen Handel in 
Marokko zwischen Frankreich und Deutschland erinnern (1908/09), Damals 
schrieb — es war im November 1908 — der ungarische Botschafter in Casablanca 
seinem Chef nach Budapest: ^England hat hier sehr boae Ratschlage erteilt. Es 
wollte Frankreich in den Krieg ziehen. Clemenceau und Pichon wurde 
(von England) gesagt, daB jetzt die Zeit der Revanche sei, und daB sie 
niemals so giinstig wicderkehren werde. Osterreich-Ungarn sei nach dem 
Balkan hin bcschaftigt und konne seinem deutschen Bundesgenossen sehr wenig 
zu Hilfe kommen. Deutschland stehe gegenwartig a 1 1 e i n RuBland, Frank- 
reich und England gegenuber; und 1 1 a 1 i e n wird man noch iiberreden kdft- 
nen, sich seiner Bundespflicht zu entziehe n." (Aus der Rede des ermor- 
deten Ministerprasidenten Grafen T i s z a vom 14. Juni r9t6 im ungarischen Ab- 
geordnetenh anse.) 

■) Vgl. „Die unmiltelbare Zuktmft", fiinf grofie Vortrage von Annie Besant, in 
Dr. Vollraths ,/Theosophie", Marz 1912, S, 450. 
*) M Theosophie", ebenda S. 463. 
- *■*$■ Die Lehre von Annie. Besant geht dahin, daB sich der Christus Jesus 
in unseren Tageri zum zweiten Male im Fleische verkdrpern werde. Sie 
selbst und Leadbeater seien crwahlt, diese Inkarnation vorzubereiten. Annie Be- 
sant lehrt dabei, dafl*es einen Christus Jesus in den Jahren I— 33 unserer Zeitrech- 
nung nie gegeben habe; der ^Christus", der crwartet werde und der in dem 
Inderknaben Krishnamurti bezw. in einem Franzosenknaben 
„Wohnung nehmen" (durch diesen sich offenbaren) werde, sei vielmehr jener Ein- 
geweihte der vorchristlichen Essener-Gemeinden in Palastina und Kleinasien, 
der m Jahre 105 vor unserer Zeitrechnung wegen „Haresie" („Gotteslasterung'<) zuerst 
gesteinigt und dann an einem Baume aufgehUngt worden war. (Die talmu- 
dische Literatur und der Okkultismus kennen diesen Jeshu ben Pandira sehr 
genau, er darf aber nicht mit dem Christus Jesus des wirklichen 
Christentums veiwechselt werden. Dies tut Annie Besant, und baut auf diesem 
Wahn ihren Betrug auf, der nun wie ein „Taxilschwindel' ( in verboserter Auflage 
erscheint!) 



— 27 — 

Annie Besants ersetzt werden soil . . .)■ (Wie tief ins Leben greift doch alLe 

^DieTng n\ che Vorherrschaf tin der Welt wurde schon vorher 
von Annie Besants Hohe npr i es terk o 1 1 eg e n und Mit-Masonni- 
sten d er an d er S ch w e lie der Gottheit stehtl", dem Anglo- 
Amer'ikaner C W. Leadbeater ») in einer J 910 im Druck erschienenen Ab- 

, handlung liber die „Anfange der sechsten Wurzelrasse ganz im Smtie der 
englisch-amerikanischen Gesamtfreimaurerschaft betont: 

-Die S p r a c h e , die die (aus der gegenwar tiger! Menschhdt hervorgehende neue) 
" Gemeinschaft spricht, ist natiirHch die englische... ) 

Wie aber belehrt uns die 191 1 angeblich noch so pazifistische Frau Besant 
heute tiber das Wesen. des deutschen Volkes, diesen nun leider „zusam- 
mengebrochenen Stiitzpfeiler fur Englands Welthegemonie ? Sie - -die : in 

taller Welt gefeierte grofie Predigerin maurmsch-theosophischer Bruder- 
Hebe, sagte (in der Fassung, wie sie alt-Kolonial-Direktor A. W. Selhn 
fMiinchen] aus dem Englischen wiedergibt) : 8 ) 
Wir &dien wie das (deutsche) Kaiserreich seine Theorien von Raub, Mord und 

. ^ "uTd "das sagt die selbc Frau Annie Besant fiber Deutschland und sein 
Volk, in dessen Seele sie so viele Jahre innerlich wie verankert war Das 
sagt die selbe Frau Besant, die bis 1912 - aufier von ihren (vidtadt 2000) 
deutschen „Co-Freem a sonry"-Mitgliedern - von 55 ***££• 7 °^- 
' reichischen 10 ungarischen, 7 bohmischen und 10 S chwei«rdeutschen Orts- 
gruM,en der ehemaligen ..Theosophischen GesellschafO mit s.cher ute 
3000 Mitgliedern und deren gan.em familiaren und Jf^^.**^ 
aufs innieste verehrt worden war, und deren im Buchhandel DeutscUands 
"schienene tahlreiche Werke vielieicht eine Millionen.aW ar > deu sehsp^- 
chenden Lesern gefunden hatten ... Das sagt ruglcich audi die selbe Frau 
Besant in deren , Bund fur theosophische Arbeit" noeh im Jahre lOio'auBer 
^ Nicht-Deutschcn drei Deutsche im Zentralrat nntersehnfthch zeich- 

::' " et H?t nun Annie Besant Wind gegen Deutschland gesat, so kanr. in ihren 
. Logen nurSturm gegen die Mittelstaaten herrschen. So .st es einer ihrer 

:■ ^Tr.ta.urerl.ch. Pariser ..Mating brachtc ,913 in einem li«c,« ^Artftd 

iiber „Leadbeatcrs Forschungsergebn.sse" auch das Portrat dieses gete.eri a 

• ''■" B ») Dr rt VoUraths ..Theosophie", 1910, S. .89. - Es kana bemerkt werden, dafl 
^ Sie engTische S P rache"auf der Stafe to Go.isctjen s t e h e „ , e b 1 ■ e b e n ,.t, s.ch 

- ,^ g B^a^^ U e"r s ltr d G^a,^^ ^ aU und men.e^ 

*) f Theosophie" (Vollrath), 1913, S. 90. 
*) ^Theosophie" (Vollrath), igio, S. 210. 



— 28 — 

Hauptmitarbeiter, der Englander S u t c 1 i f f e , der seine maurerisch-theo- 
sophische Gesinnung dahin auswirkte, daB er einen „Gliickwunsch an die 
WeiBe Bruderschaft" mit einem antideutschen Ausfall verband. Sut- 
cliffe besprach in der englischen „ Modern Astrology" bezw. in der hollandi- 
schen „Urania" die erste Marneschlacht und die „seltsamen Visionen unter 
den engli schen und franzosischen Truppen", die in dieser Zeit auftraten, 
„welche ein Beweis sind von der gottlichen Hilfe, die den Alliierten in die- 
sem hochst kritischen Augenblick des Kampfes zuteil wurde. Niemand, der 
in Wahrheit die belangreichen Ergebnisse, die da auf dem Spiele standen, 
durchging, und sicher kein Okkultist bezweifelt die Wirklichkeit dieser 
gottlichen Dazwischenkunft", sagt Sutcliffe, womit, wie es scheint, der 
^wiederkommende Christus" („im Leibe des neuen Besant- 
Schutzbefohlenen aus der franzosischen Rasse", vgl. S. 26) als „neu zu er- 
wartender Weltlehrer" und Heifer der Entente angedeutet wird , . . 
Sutcliffe fahrt dann fort: „Dies waren die verhangnisvollen Entscheidungen, 
welche den ganzen deutschen Plan durcheinanderwarfen, den Plan, fiir des- 
sen Verwirklichung Deutschland seine Seele an den Teufei verkauft hatte 
und durch den Einfall in Belgien eine der grofiten Missetaten der ganzen 
Geschichte beging". Den A u s g a n g der Marneschlacht aber deutet Sut- 
cliffe dahin, daB nun der Samen der zukunftigen Menschheit gerettet sei 
(vgl. das Dezember/jamiarheft 1 917/18 der „Astrologischen Rundschau 4 * 
von Ernst Tiede, Marienwerder, das diese Andeutungen brachte). — Es laBt 
sich noch hinzufugen, daB der „Stern vom Osten", der eines der Werkzeuge 
der masonnistischen Entente-Theosophen ist, aus seiner Argeutini- 
schen Loge heraus seine Sympathien der franzosischen 
Republik, „die mit dem Verbiindeten England gegen die teutonische 
Barbarei k amp ft", durch den franzosischen Gesandten in Argentinien aus- 
sprechen liefr (vgl. Dr. jur. Heinz Brauweiler : „Die . ■ .-Bruder im Wett- 
krieg", S. 93). 

Wir wollen nunmehr die „eigentliche maurerische politische Mi- 
nierarbeit" beleuchten. Dazu liaben wir em ziemlich umfangreiches Mate- 
rial gesammelt. Man soil aber nicht meinen, daB die maurerische Minier- 
arbeit etwa nur in den Ententestaaten getricben worden sei. Im Gegenteil, 
bis.vor dem Kriege griff das internationale Freimaurertum durchaus tief 
auch in das politische Leben der Mittelmachte ein und es ist ganz gewifl 
bezeichnend, daB der Abgeordnete -Dr. Werner (GieBen) in der 95. Sitzung 
des Deutschen Reichstages vom 29. Marz 1917 ernstlich darauf hinwies, 
„daB im deutschen Volke in den letzten Jahrzehnteu durch Heiraten der 
hohen Beamtenschaft das .Englandertum 1 viel zu sehr Fortschritte gemacht 
habe, der englische Geist, die englische Gesinnung daher im deutschen 
Volke sehr verbreitet worden sei" („Der Tiirmer", Nr. 16, Mai 
I 9 I 7)- ,Englandertum f ist aber zumeist immer auch Maurertum, 
ist ;,schottischer Ritus", ist ~ Politik der „Grauen Manner" ... So 
wendeten sich denn erst mit dem Weltaufgebot der masonnistischen 
Gewalthaber — und das sind ja vor all em wieder die Englander! — gegen 
^ .Deutsc he Volk der Hunnen" *) und seine Verbiindeten die deutsch- 

> ..Ha? ist das Apachen- oder vielmehr das Hunnenvolk, dessen Herrscher bei 
acr cnristlichen Taufe seines zweiten Sohnes nichts Besseres tun zu konncn 



— 29 — 

- redenden Maurer vom Weltlogentum ab. Im ganzen deutschen Volke wte 
im deutschen Maurertum begriff man zu spat, was der Manchester 
.Guardian" vom 19. April 1917 aussprach: „Wir kampfen gegen eine Na- 
tion, welche j etzt und schon seit langer Zeit in unserem Wege standi 

Weshalb aber stand Deutschland dem Vereinigten britischen Konig- 
s reiche im Wege? Einfach aus kaltem Brotneid. Wie sagte doch schon 
\ Kant?: „D i e englische Nation als Volk betrachtet, 1st das schatz- 
' barsteGanze von Menschen im Verhaltnis gegeneinander ; aber als Staat 
I gegen andere (ist es) das ve r d er bl ichst e, g^ewaltigste 
r: herrschsuchtigste und kriegserregendste unter alien! ) 
f Man beachte nur, daB auf England vier Fiinftel 3 ) des Kolonial- 
handels der ganzen Erde entf alien; am funften Fiinftel nahmen erst 
Deutschland mit nur einem Telle, Frankreich noch immer mit si e- 
ben Teilen Anteil. Dabei betrug der Gesamt-AuBenhandel Deutschlands 
1873 nur 6 } i Milliarden Mark (gegen 12,6 Milliarden englischen AuBen- 
handels) Im Jahre 1913 hatte Deutschland seinen Aufienhandel aber schon 
auf 20,9 Milliarden Mk. gesteigert (England nur auf 24=6 Milliarden Mk ) 
Deutschland hatte damit im europaischen und iiberseeischen AuBenhandel 
England weit uberniigelt, nur in den Dominions und Kolomen bheb Eng- 
hnds Aufienhandel unerreicht. Demzufolge crreichte Deutschlands Volks- 
vermogen 1014 die Hohe von 375 Milliarden Mk. (gegen nur 345 Milliarden 
■ Mk englischen Volksvermogens). Der Ausfuhr-UberschuB der deutschen 
Maschinen-Industrie uber tra f bei 553 Millionen Mk. den gleichen 
englischen AusfuhriiberschuB urn 17 Millionen, das machte seit 1900 eine 
Ausfuhrsteigerung an Maschincn bei Deutschland urn 271 Millionen (gegen 
nur 68 Millionen englische Steigcrungl). In der Eleklrizitats- 
Industrie zeigte Deutschland eine Produktion von 1200 Millionen Mk. 
(England von nur 450 Millionen Mk,); demzufolge konnte Deutschland fur 
130 Millionen Mk. mehr Artikel der elektrischen Branche ausfuhren als 
England Dazu errang Deutschland im Jahre 1912 7194 Auslandspatente, 
England jedoch blieb mit 1681 Auslandspatenten urn 55^3 Patente hinter 
Deutschland zuriick ! Mit dem Gewinn w i s s e n s c h a f tl 1 c h e r N o b e 1 - 
preisc uberfliigelte Deutschland 1901 — 1911 den „Gegner" urn 11 1 reise 
(Deutschland errang 14, England nur 3 Nobelpreise) In der deutschen 
Kohlenforderung erlebte Deutschland seit 1885 eine Zunahme von 252%, 
England von nur 63%. Eisenerz forderte Deutschland 1912 32,7 Millionen 
Tonnen zutage, England nur r 4 Millionen Tonnen; StahE erzeugte Deutsch- 
land 1012 19 Millionen Tonnen, England nur 8 Millionen Tonnen, das ergab 
fiir Deutschland seit 1885 eine Zunahme von 384^% m der stahl " 

glaufatc, als ihn Eittel, das heifit Attila zu nennen", so schrieb Jean d'Orsay im 
freimaurerischen „Matiti ({ (dem englisch-franzosischen Logenblatte Korthclittesj — 
■wie die „Pfa1zischc Volkszeitung" vom 4. Oktober 1914 benchtete 

A ) EnglischcsLebenin seinem vollen Umf angc und zufileich auch nach 
seinen "fur die Beurteilungdes englischen Volkcs sehr wichtigen inti- 
meren Seiten bin lernt nur der mit Englandem verwandte oder verschwagerte Aus- 
lander kennen, jeder andere Nichtenglander wird sozusagea ander Au e : ntu r 
des eneli^chen Hauses und der englischen Gesellschaft a ng eh a I t e n , 
sagt E. Y„ I^itnami in der Mainutnmer 1916 der „Konscrvativetl Monatssclirift ! 

») Vgl. „Neue Zutcher Nachrichten" vom 28. Mai 1918- 



i 



— 30 — 

erzeugung (gegen nur 2814 % Zunahine in der gleichen Produktion bei 
England!). In der Getreideernte liefi Deutschland vor dem 
Kriege England ebenfalls weit hinter sich zuriick: 19 13 fatfte Deutschland 
25,8 Millionen Tonnen, England nur 6 Millionen Tonnen. Ein noch ge- 
waltigerer Unterschied ergab sich aus der Kartof felernte : Deutsch- 
land verzeichnete 19 13 einen Ertrag von 54 Millionen Tonnen, England von 
nur 6,8 Millionen Tonnen. Und die Zuckerindustrie zeigte 1913 
Deutschland mit einem Ertrag von 2,44 Millionen Tonnen, wahrend 
England kein einziges Kilogramm Zucker erzeugte! Und endlich be- 
trug die Bevolkerungszunahme in Deutschland seit 1871 
300% , in E n g 1 a n d nur 87% *). All das sind „unverzeihliche Tatsachen" 
fur erne Weltmacht wie England! Den Neid Englands munten auch 
Deutschlands Erfolge in Agypten heraus f order n: Am gigantischen Stauwerk 
bei Assuan, dem Hafen von Suakira war Deutschland mit umfangreichen 
Lieferungen beteiligt, ebenso an der Eisenbahn Ken-neh-Assuan und am 
Bahnnetz des ostlichen Deltas (ganz zu schweigen von der Bagdadbahn, die 
England als schwerste Konkurrenz empfand). Im Verwaltungsrat der 
Agyptischen Nationalbank hatte ein Deutsche r Sitz und Stimme. Die 
Deutsche Orientbank in Agypten arbeitete mit mehreren Filial en, ein dcut- 
sches Hypothekeninstitut placierte deutsches Kapital im Pharaonenlandej 
eine deutscbe Baumwollpresse wirtschaftete nutzbringend in Alexandrien; 
in der NilschifFahrt, in Kohlcndepots war deutsches Kapital intcressicrt. 
■ Deutsche, in Agypten etablierte Handelshauser von Welti' uf zogen ho hen 
Gewinn aus ihrer Tatigkeit 2 ). 

DaJ3 die deutschen Freimaurer bei Kriegsbeginn noch nicht so ganz im 
Fahrwasser des allzersetzenden International ism us schwammen und sich 
noch etwas von altem geheiligtem Idealismus reinen Tempelherrentums und 
unverfalschter ,,Bauhutt.e f * (geweiht dem Hochsten Herrn der Welt) be- 
wahrt hatten, bestatigte der ,,Badische Beobachter" vom 31. Mai 1917: 

w . . . Freilich lief das Schifflein (der deutschen Maurerei) schon bedenklich im ge- 
lahrlichen Fahrwasser der international en Loge; die harmlose Eitelkett der 
(deutschen) Steuerleute ertraumte bereits eine imiige Verbruderung der deut- 
schen Freimaurer mit den groBen, angestaunten fuhrenden Brudern jenseits des 
Kanals. Glanzende Versammlungen zu London und Berlin haben in den Jahren 
vor dem Kriege stattgefunden, an denen dcutsche, englische, franzosische und 
italieniscbe Freimaurer teilnahmen. Am 21. Juni 1912 hielt der englische Pro- 
GroBmeister Lord Ampthill mit Zustimmung des Grofimeisters Herzog 
Connaught auf einer solchen ,glanzendcn' Versammlung eine deutsche Rede, 
die von .Humanitat* triefte, und am Schlufl bedeutungsvoll fiir die Deut- 
schen ausklang: ,S i e konnen uns in der Theorie (!) leiten; wir auf unse- 
r e r S e i t e haben die Praxis (!), die sich weiter iiber die ganze Welt ausgedehnt 
hat und die anderen Rassen und anderen Religionen umfaBt!" 

Wie auBern die Weltfreimaurer nun offentlich ihre Ziele? Der „Badi- 
sche Beobachter" (vom gleichen Tage) beantwortete diese unsere Frage mit 
den folgenden Worten: 

„Die Ziele dei internationalen GroBloge sind: Einfiihrung der Demokratie (frei- 
maurer i s c h e W e 1 1 r e p u b 1 i k), Durchf uhrung des Nationalitatenprinzips, 



') Vgl. dazu A. Wohlfeld-Magdeburg, „Deutschland und England, ein wirt- 
schaftlkher Wettlauf". 

3 ) Vgl. Said-Ruete, „Politische Korrespondenzen" (Zurich, Orell Fiifili). 



— 31 — 

.Toler.inz', Vernichtung des Papsttums u. drgl. Alle diese Ziele und noch ver- 
schiedenc andere, bald mehr, bald weniger gemeingefahrlkhe, werden zusam- 
mengefaiS«: unter den marktschreierischen, auf Betomng der Volker abzielenden 
Phrasen der Humanitat, Menschlichkeit, Selbstbestimmtmg der Volker, Kultur, 
ZivilisaUon, Fortschrilt der Menschheit, Freiheit usw." 
Wie und auf welche Weise diese Ziele zu erreichen getrachtet werden, 
* dariiber finden wir im internationalen Blatterwald den umfassendsten Auf- 
schluB. Leider Hest der gewohnliche Zeitungsleser meist ohne Konzent ra- 
tion seiner Gedanken iiber die wichtigsten und maBgebenden Stellen hin- 
weg. Das „Grazer Wochenblatt", das in viclem ein offenes Auge hat, 
beleuchtete schon im Februar 191 1 in besonderen Ausfiihrungen „was in der 
Luft lag". Es schrieb: 

...Die Tage der Entscheidung zwischen deutscher Kaiser- 

" macht ( mon arch isc hem Prinzip) und der internationalen. ..Macht 

(demokratisch-umsturzlerischem Prirfzlp) sind naher, als die dumpfen Traumer 

glauben und begreifen konnen. Unsere Zeit wird noch Blut sehen, denn auch 

diese gewaltige Frage wird nur durch Blut und Eisen ent- 

schieden werden. Begreifen kann das nur der, der sich einen ungeiahren 

Begriff maciien kann von jener iiber alle Lande verbreiteten satanisch-schlaiien 

Gehcimorganisation, die die ungeheure Macht des Goides mit der Macht der 

Presse und der Fuhrung der revoltitionaren Massen zusammengekuppelt hat und 

einheitlich leitet . . . Ein tiefer Denker und groBer Organisator, der geistige 

Leiter der gewaltigen deutschen Armeen von 1870/71, Graf Moltke, hatte diese 

satanisch-schlaue Organisation^erkannt. Moltke sagte: Sie (die Orgamsierten) 

werden durch ungekannte Obere zu gememsamen Zwecken folgerecnt 

geleitet ... Sie bilden einen Staat im Staate . . ." 

Ebenso hat der F a p s t Pius X. den Weltkrieg wiederholt in den 

Jahren 1910, 1912, 1913 und 1914 gegeniiber dem papsthchen Staatssekre- 

tar unter Pius X., Kardinal Merry del Val, vorausgesagt, wre Br.-. Kene 

Bazin und Msgr. de Laval ubereinstimmend berichten. „Wir werden das 

Tahr 1914 nicht uberschreiten!" sprach der Heilige Vater mit sehenschem 

Blick mit bezug auf den Ausbruch dieses Krieges (vgl. „Zentralblatt fur 

Okkultismus", Bd. X, S. 475, und „Neue Ziircher Nachnchten f vom 

3r. juli 1917). 

Wir selber tchrieben 1910 in einer Studie, die als 5. Bd. der „Minerva- 
Bucherei" zu Leipzig unter dem Titel „Das Alter der Welt im Lichte der 
okkulten Wissenschaft" erschienen war, vom baldigen Zusammenbruch unse- 
rer Hyperkultur, und sagten (S. 19/20): 

, Es macht sich der neue Zyklus (in der Menschheitsentwicklung) durch rev o- 

luiionierende Tendenzen bemerkbar . . . In diesem schreckhchen Wettbrande 

(der kommen werde) werde der Arier mit dem Aner, d e r G e r m ane m 1 1 

dem Romanen und SUven und mit dem u n g e h e u r e n R e s t e 

der atlantischen Rasse: den Mongolen, J a p a n er n U n g a r n 

usw. undmitdemletztenSproBderLemuroperiode(denver- 

schi'edensten Negervolkern usw.) ins Ringen k o m m e n . . . 

Wir weisen hier noch darauf bin, was der bekannte Politiker, Kanzler 

des englischen Schatzamtes und Fuhrer im britischen Unterhause der am 

jo April 1881 auf seinem Landgut Hughenden in Buckinghamshire ver- 

storbene Premierminister, Viscount und Lord Beaconsfield 

(Benjamin d'Israeli), der geadelte Ritter des enghschen (maurenschen) 

Hosenbandordens, schrieb. In seinem Roman „Coningsby wies dieser 

Mann der wie selten einer es kraft seiner eigenen Abstammung und glanzen- 



— 32 — 

den Laufbahn l ) wissen muflte, auf das tatsachliche Vorhandensein einer 
ganz eigenartigen Gehei morgan isation hin. Er erklarte: „. . . Wie Sie sehen, 
mein Lieber, wird die Welt von ganz anderen Leuten regiert, als diejenigen 
glauben, die nicht hinter den Kulissen stehen . . ." s ) 

Und dann sagte derselbe Lord in seine m anderen Roman „Endymion" 
(S. 20) : 

„.. . Dieser kleitiste aber originellste Zweig (am Baume der Menschheit) . . .hat eich 
seit 1 anger Zeit in Englands geheime Diplomatic hinein- 
gestohleu und sich derselben fast ganz bcmacht ig t ; in 2$ 
Jahren 3 ) werden sie (diese geheimen Briider) ihreti Anteil an der 
Regierung des Landes offen verlangen... Sie werden schen (fuhr 
Beaconsfield fort), dafi es in Europa keine einzige grofie...Bewe- 
gung gegeben hat, an der sie nicht ihren groBen Anteil 
hatten..." 
Und dann zeigte d'Israeli-Beaconsfield einige dieser geheimsten aller 
Logenschieber und Logenbruder: 

„. ..Es waicn — Juden, und die geheimnisvolle russische Diplo- 
matic, die den ganzen Westen Europas bestandig in Auf- 
regung -halt, ist von Juden organisiert und wird von die- 
sen g e 1 e i t e t . . ." *) 
Gegen die Glaubwurdigkeit einer solch hochangesehenen Fersonlichkeit 
wie Br. ■. Lord d'Israeli-Beaconsfield diirfte kaum etwas eingewendet werden 
konnen. Deshalb wird auch (obschon in RuMand die Freimaurerei bis zum 
Eintritt der Revolution offiziell verboten war) d' Israeli von mehrfacher an- 
derer Seite bestatigt. So existiert in Ru Bland zunachst einmal der Andreas- 
orden, der 1698 von Br.-. Peter dem GroSen gestiftet wurde, und in dem 
nur GroBfursten und Fursten und noch emige wenige sonst hochgestellte 
Personlichkeiten Aufnahme fanden. Dann aber gibt es iiberall in Rutland 
jene „ta1mudische Munizipalrepublik" mit aristokratischem Zuschnitt: den 
sogenannten „Kagal" oder „Cheder Hakahel". den ein getaufter Jude, 
•J: Brafimann aus Wilna, beschrieben hatte (vgl. die Schrift „Zur Volkskunde 
der Juden", Vel-hagen und Klasing, Leipzig 1881). Der Kagal war in Rut- 
land verboten, existiert aber desungeachtet in jeder groGeren von Juden be- 
wohnten Stadt. In Odessa stand der Millionar Brodski an der Spitze, wie 
Theodor Fritsch im „Handbuch der Judenfrage", 190;, S. 297 sagt. In 
den „Stimmen der Zeit" (47. Jahrgang, S. 275) wurde bestatigt, dafi in 
RuBland immer Freimaurer vorhanden waren. „Der Grofiorient von Frank- 



a ) Benjamin d'lsraeli war laut Muncljencr ..Hist.-genealog, Taschenb." 1912, 
S. 4i> der Enkelsohn des Venediger Handelsmannes Benj. d'lsraeli und der Sohn 
des englischen Literaturhistorikers Isaak d'lsraeli, der sich und seine Kinder kon- 
vertieren lieU. Benjamin Beaconsfield-d'Israeli war zucrst als Kommis bei einein 
Anwalt tatig, wurde spater Journalist und dann, nachdem er einen Sitz im Unter- 
hause erlangt, in rascher Karriere Kanzler, Premier, Lord und Trager hoher 
maurerischer Wutden (der rosenkreuzerische Orden vom Hosqnbande, in den 
Beaconsfield cbenfalls aufgenomracn wurde, ist genannt die „Bruderschaft der 
Fursten"). 

a ) Tauclinitzausgabe, S. 251 f. 

3 > Das ware also in unserer heutigen Zeit und Stunde, denn d'lsraeli ist noch 
nicht gar zu lange von uns gegangen, — er segnete das Zeitliche am 19. April 188 1. 

*) Von kundiger Seite wird darauf hingewiesen, dafl sich unter diesem Gesichts- 
punkte auch manche russische Fogrome (das sind Judenverfolgungen) begreifen, 
wenn schon nicht verteidigen lassen. 



— 33 — 

reich geht — so heifit es in den „Stimmen" — systematisch darauf aus, dtirch 
Freimaurer anderer Lander, die sich in Paris aufnehmen 
lassen, die r e volutionar e demo k r atische Bewegung in 
diesen andern Landern zu schiiren. Auch englische und nord- 
amerikanische Freimaurer sind in auslandischen (d. h. nichtenglischen, 
nichtamerikanischen) .autokratischen' Staaten im gleichen Sinne tatig. .. 
Aus der Anwesenheit . . . zahlreicher und ruhriger, vom Geiste der f ranzbsi- 
schen und der italienischen Freimaurer beseelter Bruder in Ruflland und in 
den siidlichen Grenzlandern Osterreichs darf man mit Sicherheit auf einen 
entsprechenden Anteil derselben (auch) an der (jetzigen) russischen Revo- 
lution und an den hochverraterischen Umtrieben in den betreffenden Grenz- 
landern schheBen." . 

Russische GroBfursten und russische Juden waren es nun wtrkhch, mit , 
enghschen maurerischen Diplomaten im Bunde, die — neben manch fruherer : 
politischer Umwalzung (Revolution in Brasilien, in der Turkei, in Portugal, 1 
in China und RuBland — vgl. hierzu „Stimmen der Zeif \ 1917, S. 276) — , 
den gegen w art igen Krieg in Szene setzten. Und nun 1st es auch gewiB mter- 
essant, daB das englische Oberhaus (House of Peers) 14 Oder rnehr ge- 
adelte, in den Lordstand erhobene Juden zahlt: 

Avebury (fruher Simon Lubok); 

Burnham 1 ) (Lewy Lawsen), der Eigentumer des ^Daily Tele- 
graph", Sohn des Griinders der Penny-Presse, 1907 zum Peer er- 
nannt; . 

Cassel 8 ), Ernst Josef, aus Koln a. Rh. stammend, Besitzer eines Ver- 
mogens von mehr denn 250 Millionen Franken, Inhaber des Michael- 
Georg-GroBkreuzes und des Viktoria-GroBkreuzes; 

HerscheP) (Sippe der Naphtali), seit 1. Juli 1907 Peer, sein 
Vorfahr wurde von der Konigin Viktoria in den Baronetstand er- 
hoben ; 

Ludloy 1 ) (friiber Lones, Loyes, Levi); 

U i c h 1 h a m *) (fruher Stern), durch Fiirsprache Balfours zum Lord 
erhoben, einer der grofiten Deutschenhasser Englands; 

Mond, Alfred, Geheimer Staatsrat, bisher Baronet, nun auch Peer 
(sein GroBvater Ludwig Mond betrieb in Cassel ein kleines Ge- 
schaft); 

Montague 1 ) (Montag, Samuel), (sein Vater war ejn kleiner galizi- 
scher Uhrmacher), 1907 zum Lord S w a i t h 1 in g ernannt; 

Nathan, Matthew, Gouvcrneur von Hongkong, verwandt mit Br,-. 
Ernesto Nathan in Rom; 

Northcliffe 3 ) (ursprunglich ebenfalls Stern, dann Harms- 



A ) Munchner „Histonsch-genealogisches Taschenbuch" (Zechner u. Co.), S. log, 
144, 172, 1S0, 227 (1. Jahrgang). TT . e „ 

4 ) Vgl. ..Kyffhauser-Taschenbuch" 1913 (Miinchen 23, Zechner-Verlag), S. 247 ff. 

3 ) Harmsworth-Northcliffe war anfangtich Journalist, jetzt 1st er Besitzer von 
dreiviertel der ganzen englischen Presse (wie SiUVara in seinem be. Ullatein er- 
schienenen Buche „Englische Staatsmanner" S. 238 ff. schreibt). Er grundete die 
.Daily Mail"? heute gehoren ihm resp. dem Northcliffe-Konzern auch die »Times , 
[.Daily Mirror", ^Dailv Graphic", „Evening News", ^..Observer , ..Leeds Mer- 
cury'*, der ..Glasgow Herald", der ..Manchester Courner", „Dady Exprefl , „VVeekly 

Heisc, Entente-Freimaurcrei. II. 3 



- 34 — 

worth), Alfred Charles William (Nach-Enkei eines Isaak Stern 
au s Frank fur t am Main), 1904 Baronet, 1905 zum Peer 
erhoben, Friedensrichter der Cinque Ports, verheiratet mit der 
Tochter Mary des Br. ■ . Lord Robert M i 1 n e r x ) ; 

Rothermere (Bruder von Northcliffe), im Weltkriege Minister 
fiir das Flugwesen; 

Rothschild, Ferd. von (urspriinglich H ah n , dann Bauer), 1885 
baronisert und in den Peer stand erhoben 2 ) ; 



Dispatch", „Answers" usw. Em Zeitungswelttrust schwebt dieaera Konige der 
Prease vor; mit dem Besitzer des maurerischen Pariser „Matin", Bunau-Varilla 
(einem Italiener), hat er einen Telegrammaustausch vereinbart, die russische (vor 
der Revolution of fiziose) „Nowoje Wremja" (vordem A. Suworin tind seinen Sbhneu 
gehbrig) sing im Jahre 1912 in Northcliffes Unternehmerring tiber. NorthcUffe 
herrscht aber auch in Amerika. Nach dem ^Berliner Tageblatt" (Auslandsausgabe 
Nr. 48, 1917) hat sich ..Northcliffe bereits in die Rolle des Lichtbringers aus Ame- 
rika hineingelebt", indem er das amerikanische Btatt „New York American" zu 
seinem Sprachorgan machte und selbst als „Seele der Zentralkriegsrats-Idee" darin 
auftrat. — „So verbirgl sich hinter hundert Deckblattern der ,tagliche Spiegel' 
Northcliffes; wechselt man mit Entrusting scin Leibblatt (weil es geschwindelt 
hat, wie 1907 seine ,DaiIy Mail' , die — nach der .Wiener Reichspost' vom 
12. August 1907 — das ,Blutbad von Peking' verursacht hatte, wofiir Lord North- 
cliffe mit 50000 Pfund Geldstrafe ,davon kam'X und kauft man eine andere Zei- 
tung, so ist sie auch von NorthcUffe", der „vom Schulbuben und der ,Dame reife- 
ren Alters' vom 6. Lebensjahre an alle Range und Schichten, alle Berufe und 
Lebcnsalter mit dem notigen Lesestoff religios, finanztechnisch, sportlich, arzt- 
lich, jutistiseh verf-oigt". So „nennt man Northcliffe den .Napoleon seiner Zunft'; 
er ist aber ein tanzender Derwisch, der sich dreht und dreht . . . und das Staunen 
der Menge erregt... Seine Predigt dabei ist die Religion der SkrupeLlosigke.f, 
So sagt Sil-Vara in „Manner und Volker" (Englische Staatsmanner) 1917. S. 243- 
■Qber Northcliffe (alias Harmsworth-Stern) urteilte (nach Carl Biicher, „Unsere 
Sache und die Tagespresse" Tubingen 1915) der leitende Redaktor der „Daily 
News", dei sehr bekannte engtische Publizist Gardiner, in einem offeiien 
Brief e: „. . . Wer Ihren (Northcliffes) Werdegang verfolgt, wird schwerlich auf 
etwas stoBen, wo er sagen kann: hier opferte Northcliffe seine ... Interessen fur 
das Gemeinwohl.. . Mit einem Worte, Sie (Northcliffe) waren durch. zwanzig 
Jahre der joumalistische Brandstifter , ein Mann, stets bereit, die Welt in Flam- 
men zu setzen, urn daraus ein Zeitungsplakat zu machen." Spater schrieb Gar- 
diner in der „Daily News" (wie einer „Inf."-Korrespondenz vom 5. Mai 1918 zu 
entnehmen~war): „... Northcliffes Macht bestand . . . dartn, dafi er in einer Maske 
hinter einem jottrnalistischen Zaun das Unwcsen eines Heckenschutzen trieb . . . 
Das ist der Mann, dem Lloyd George drei Jahre lang vertraut, durch den er die 
Meinung des Pobels fabriziert hat. Das ist der Mann, durch den die fahigsten 
Staatsmanner, die groflten Seelcute und Soldaten aus dem Amt gejagt worden 
sind!" Die&er Northcliffe forderte dann als Chef der englischen Kriegs- 
propaganda einen Kredit von drei Millionen, urn auch in Chile und Argen- 
t i n i e n die Brandf ackel gegen die Mittelmachte zu entfachen. In Osterreich 
hatte Northcliffe durch seine Agenten eine grandiose Hetz propaganda gegen Kaiser 
Karl und Kaiserin Zita entfaltet (vgl. „N. Z. Nachr." vom 27. Juli 1918). Alfred 
Northcliffes Bruder, Sir Harold Sidney Hirmiworth, jetzt Minister, ist 
Haupteigentumer der „Daily Record and Mail" und des „Leeds Mercury", sowie 
Direktor der „Amalgamated Press". 

J ) Vgl. „Kyfrhauser-Taschenbuch" 1913, S. 289/90 und 366 ff. 

*) Val. den genealogischen „Gotha"; siehe auch Munclincr „Historisch-genea- 
logisches Taschenbuch", S. 204. Die Rothschilds gchoren seit 1809 zur Gilde 
der Freimaurer, und zwar sind sie ebensowobl in der englischen als franzosischen 
wie deutsche;i Freimaurerei angesehene Personlichkeiteu. Nach den „Neuen Ziir- 
cher Nachiichten" vom 30, November 1918 verfugen die untereinander ebenso ver- 



— 35 — 

Ruf us Isaacs (Lord Reading;); 

Wandsworth 1 (friiher Stem), seit 1895 auf Vorschlag von Lord 

Rosebery-Rothschild englischer Peer, besaB 64 Millionen 

Franken. 

In hochsterj Ehren, sind alle diese Manner von grofJtem Einflufi, denn: 

„eine Peerschaft ist eine politische Wurde, die auoer (vielem) anderem auch 

das Recht verleiht, Gesetze zu machen oder sie zu verhindern ..." Wohin 

aber die jiidische Peer- und englisch-maurerische Ritterschaft fiihren kann, 

das hat auch Ordensbr.- . Baronet Moses Montefiore (Blumberg, gest. 28. Juli 

Z885), der ehemalige Sheriff des Zentralpunktes des Welthandels (der 

oberste Zivilbeamte der City von London) ausgesprochen. Er sagte auf 

-einem internationalen Oberrat leitender Weltpolitiker im nun ganz entente- 

getreuen Krakau: 

- t . ..Was faselt Ihr! Solange wir nicht die Presse der ganzen Welt in Handen 
haben, ist alles was Ihr tut, vergebfich ; wir miissen die Zeitungen der 
ganzen Welt beeinflussen, urn die Volker zu tauschen und 
. ■ z u beraub en." 8 ) 

f* Das wichtigste Ziel der Entente-Freimaurerei ist 
"Englands dauernde Vorherrschaft tiber die ganze Welt. Dabei m ti s s e n 
England alle Staaten der Erde dienen, alle Staaten sind be- 

■ stimmt zur Vasallenschaft GroBbritannien gegeniiber. Auch die Vereinig- 
ten Staaten von Nordamerika haben als Satrapie Englands zu gelten, wie^ 
die GroBmei&terin Annie Besant betonte. Richtigerfreilichder 
^internationalen Einen Log e", die in England ihren Haupt- 

«,' sitz, sonst aber in der ganzen Welt ihre „Filialen" (GroBlogen) hat. Die 



-sippten als durch die Entente-Maurerei vcrbundenen Rothschilds von L on - 

. don, Paris,Frankfurt am Main und Wien in jedem ihrer Stamme liber 

weituber zwei Hi I liar den Einzelvermogen. Daneben bestehe noch das 

gemeinsame unantastbare Stammvermogen des Gesamthauses^zu dem 

die einzelnen Glieder noch alljahrlich Zuschiisse aus ihren Revenuen (Ge- 

winnen) zuzuschieBen haben! In das Unzahlbare von Milliarden wird darait 

das Rothschlldsche Weltvermogen gehenl Es liegt nahe, den deutsch-osterrekhi- 

scheu Znsammenbruch mit diesen Tatsachen in innigste Beziehung zu bnngen. 

;-Nach den „Basler Nachrichten" vom 26. Februar 1919 sprach der semitische deut- 

" sc!ie Rcvoiutionsminister Eduard Bernstein vor den Easier Studenten aller- 

dings dagegen, dafi der Weltkrieg ein Krieg des Kapitalismus sei. 
: ' ») Siehe Anm. 1 S. 33. 

s ) „Historiscli-genealogischcs Taschenbuch", Mtinchen 23 (Zechner & Co.) igi2, 
S. 1S2. — Br.-. 4ir Moses Montefiore (verwandt mit den Roth- 
schilds), warMitglied der Loge Mount Moriah Nr. 34 zu London. Gelegentlich 
der 1867 in Ungarn vorgenommenen Verfassungsrevision unter Br.-. Graf An- 
drassy untemahm Br.-. Montefiore einen starken, von Erfolg gekronten politi- 
schen Druck auf die dortige Regierung. Seitdem hapten die israelitischen Frei- 
maurer UnRarns das Wort auch in der ungarischen Politik. (Als 1840 in Damaskus 
; der Pater Thomas von Daouid JDavwl] Arari und Aaroun [Aaron] Arari ermordet 
wnrde, war es der sclbe Br.-. Moses Montefiore in GememscTiaft mit seinem 
Fretmde Br.'. Is^ac Cremicus [dem franzosischen Justizminister und Minister- 
prasidenten], die den Sultan „zwangen", die Morder, obschon schuldig befnnden, 
fieizulassen. Die Dokumente iiber den Mord verschwanden 1870 aus dem Auswar- 
tigen Amte in Paris, woselbst sie deponiert waren — zur Zeit, als CremieuxMim- 
sterprasident war. Das ist nur ein Beispiel von tausenden der Art politischen 
Machteinflusses dieser „Oberrate , ^ Vgl. „Semi-Gothaismen", Kyffhiuserverlag, 
Munrhen 23, S. 321.) 



- 36 - 

Erdfcarte soil nach Englands Plan (d. h. nach dem Plan der Obersten 
Schotten- oder Welttoge) aufgezeichnet werden, wobei Grofibritannien 
seine maritime Hegemonie noch zu erwcitern und alles europa- 
ische Kiistenland seiner Suprematie unterzuordnen strebt, 
wie das ja auch unsere geographische GEHEIMKARTE deutlich her- 
vorbebt 

Im Eingange unseres Buches haben wir zum ersten Male der dam it iiber- 
raschten Welt erne Geheimkarte vorgelegt, wie sie in den geheimen 
Zirkeln der englisch sprechenden Welt (also mit EinschluiJ 
Amerikas) s e i t me hr denn dreiBig Jahren bekannt gewesen ist 
Diese geographische Karte, deren Vorhandensein mindestens 
bis ins Jahr i 888 nachgewiesen ist, deren Existenz also noch in 
dieRegierungszeit Kaiser Wtlhelms I. fallt (aber wahrscheinlich 
reicht ihr Oasein noch um manch weiteres Jahr zuruck), enthiillt mit 
rauher Brutalitat den ganzen umfassenden und seit mehr als einem Men- 
schenalter sorgsam erwogenen Plan, Deutschland zur HMlfte, 
Osterreich-Ungarn aber ganz und gar afcs der Weltgeschichte auszuloschen. 
Zugleich enthiillt sie die Absicht Englands, die britische Weltsuprematie 
auszudehnen uber Nordwestfrankreich, Belgien und 
Holland, liber ganz Portugal, Nordwest- und Sud- 
spanien, wie uber S 1 z i li e n mit Messina und C a I a b r i e n mit Tarent, 
Brindisi und Otranto (italienische Gebiete), ferner uber K r e t a (die 
» Heimat des griechischen Hochverraters und Freimaurers Venizelos) und 
Rhodos (ttirkische I nsel gebiete) , damit also uber samtliche Kusten- 
gebiete Europas (Atlantischen . Ozean, Nord- und Ostsee, Gibraltar, das 
Mittellandische Meer, mit Jonischem Meer, nebst Eingang zum Schwarzen 
Meer mit Oberherrschaft uber Griechenland, die Turkei und Kleinasien und 
deren Hinterlander Arabien, Persien und Afghanistan), Unsere Geheim- 
karte spricht zumteil zwar von „unabhangigen, 'aber unter britischem Ein- 
flufi stehenden Gebieten", aber was das besagt, erleben wir am Spiel der 
gegenwartigen Kriegsgeschichtel 

Au£ derselben Geheimkarte ist R u 8 1 a n d in seiner seither gekannten 
Gestalt nicht mehr erkenntlich. Um mit RuBland in einen Ausgleich iiber 
Persien zu kommen, wurde seitens der groBbritannischen Logenmacht im 
Wege der Geheimdiplomatie schon vor mehr denn dreiBig Jahren jener 
GroB-Slavenstaat beschlossen, den unsere Geheimkarte als die weit- 
ausgreifende tschecho - slovakisch - polnisch - russische 
Staateneinheit zeigt. In diesem groBen Reiche sind nicht nur P r a g 
und P i I s en als deutsche Stadte vollig verschwunden, auch das kerndeut- 
sche Reichenberg, das deutsche Troppau und das deutsch-ungari- 
sche Prefiburg, ja sogar das deutsche W i e n sind bereits vor dreifiig 
Jahren (!) vollig slavisiertt (In Wien ist heute wirklich schon ein groBes 
Heer tschechischer Staatsbeamter in der fruheren franzosischen Gesandt- 
schaft untergebrachL und im ultra-deutschen Reichenberg ist — Jaut 
j,Friedenswarte <c vorn Februar 1919' — die tschechische Amtssprache schon 
durchgefiihrt) Ganz Bohmcn, Mahren und weite Strecken 
Osterreieh-Schlesiens wie auch Telle PreuBtsch-Schle- 
s i e n s und umfassende Landgebiere Ungarns sind auf der Geheim- 
karte im grofi-slavischen Staatenmeere untcrgegangen, Osterreich-Ungarn 



— 37 — 

sind als selbstandige Monarchien uberhaupt verschwunden, und der Haupt- 
teil Ungarns mit Budapest ist dem „langst vorausprophezeiten 
Donau-Balkan-Bund" 1 ), zu dem seit mehr denn einem Menschenalter 
von der britiscben Hochgrad-Maurerpolitik Triest, Fiume und Dal- 
m a t i e n gezahlt worden sind, eingegliedert (Man begreif t die mancher- 
lei Miflstimmungen zwischen Italien und Jugo-Slavien recht gut, 
wenn man bedenkt, dafi laut unserer Geheimkarte die Jugo-Slaven 
weitaltere „verbrie£te" Rechte auf Triest, Dalmatien usw. von der Welt- 
Schottenloge zugesichert erhalten batten, als Italien *), dem man wohl nur 
deshalb vertragliche Versprechungen machte, um es sicher vor den Wagen 
der britischen „G6ttm Dschagernat" a ) spannen zu konnen.) 



*) De- , H a I It a n b u n d'' war ein Werkzeug in der Hand von England mid 
RuUland, und von diesen be id en gesthatfen unter der tat i gen Mitwirkung der Bit.*. 
Kramarsch und Paschitsch gegen die Turkei und ge* en a t err eich. 
Dt M Boghitschewitsch sagt in seinem Buche „Kriegsursachen (Zurich 19 19), 
dafi ihm (als scrbischem Gesandtschaftsbeamten) die Absichten R; ufi lands 
durchaus bekannt waren. Boghitschewitsch beleuchtet in grellen Farben die 
Folitik Ssasanows, dessen Heuchelei ihm in Berlin und Wien in den guten 
aber f a 1 s c h c n Ru£ brachte, er (S s a s a n o w) sei ein Gegner der panslavi- 
stischen Folitik, wahrend er in Wirkiichkeit vor dem und wa h r e n d des Krieges 
einer der Trager des groflslavischen Gedankens war. Boghitschewitsch be- 
zeichnet deshalb auch die groflserbischen Bestrebuugen als „im Grunde 
russische Bestrebungen". - , 

2 ) Diese Hintansetzung Italiens kam nn besonderen auf der mternationalen 
Grofilogen-Tagung in Paris im Juni 1917 zur Geltung, woseibst die italieni- 
sche 11 f ,Aspirationcn" erheblich nach dem Nullpunkt zu verschoben warden. 
CJnd es scheint wirklich, dafi die italienischen Logenfiihrer, nachdem sie Italien 
im Dienste Englauds zum Kriegseintritt verleitet hatten, nun dieses arme Land 
so gut „wie zum zweiten Mai verricten"; alt Grofimeister F e r r ar 1 , Socialist 
Minister liissolati, Ernesto Nathan (der friihere Oberbiirgermeister von 
Rom, neben seiner hohen Stellung im Grand Orient — seit Ende November 19 17 
aufs neue zum Grofimelster gewahlt — zugleich einfliiSreiches Mitglied der ^Al- 
liance Israelite" und nach jiidischen Blattern seit 14. Juli 1911 in den Grafen- 
stand erhoben), ferner ein gewisser B e n e d u c e und der Redakteur M e o n 1 vom 
maurerischen , Mcssaggero" haben sich den englisch-franzosischen Logenmacht- 
spriichen unterworfen, zufolge denen sie sich nicht mehr fur die Gebietaerweite- 
rungen Italiens einzusetzen, wolil aber Englands und Frankreichs Annexionsplane 
zu fordern und jungslavische Politik zu treiben haben, was Italien mit dem wahr- 
scheinlichen Verlust auch all seiner Hoffnungen auf Fiume „bezahlen soil. 
Solch eventuelle neuere Entscheidungen innerhalb der „Einen Internationalen 
Fartei" heben aber nicht auf, daB doch eine Zeitlang in bezug auf Fiume, Dal- 
matien usw. an Italien wirkliche Versprechungen gemadit worden waren. UaH 
das Zuriickweichen von diesen vormaligen Versprechungen — aufs neue zu- 
gunsten der Siaven — zugleich einen Verrat innerhatb der italienischen GroiJlogen 
gegenuber Italien in sich schlieflt, kann man im besonderen nachlesen in _ dem 
Aufsatz „Von der italienischen Grenze" in Nr. 176 des Zurcher „Tages-Anzeiger , 
Im Leitartikel „Der Freimaurer^kandal in Italien" in Nr. 205/6 der j. Neu ^ 
Zurcher Nachrichten", Ende Juli 1917, unci in „Italiens Slavenpohtik in den „N. 
Zch Nachr-' ( Nr. 97 vom 9. April 1918. Nach dem letztereii Artikel wollen die 

'. Siidslaven sogar einen Teil der italienischen Provinz U d 1 n e lhrem zu- 
kiinftigen Zwolfmillionen - J u g o si a v e ns t a a t eingliedernl 

3 ) Dschagernat oder J u g u r n a u t ist eine der beruhmtesten Oottinnen 
Indiens; ihr ist die Pagode von Jagrenat an der Kiiste von Or.xa geweiht Wenn- 
schon die schwarze Gestalt dieses Bildnisses eine andere Bedeutimg hat als die, 
dtinkle Plane zu e.sinnen (was die Orientalen zumteil aus der Verehrung d.eser 
Gottin gemacht haben, ist eine Sache fur sich), so paBt der Vergle,ch mit der 



— 38 - 

Vora Deutschen Reiche selbst bleibt nach jenem geheimen Logen- 
plane recht wenig ubrig. Im Westen ist der R h e i n schon seit mehr als 
dreiflig Jahren als GrenzfluB gedacht gegeniiber Gallien. Amsterdam, 
Erussei, Antwerpen und den Niederrhein zeigt die briiische Logen- 
Geheimkarte als englisches Einflufigebiet; das urdeutsche Koln scheint 
geraubt, dje lieule von Deutsch lands Fein den besetzten Stadte Mainz 
und Wiesbaden bilden die deutscbe Westgrenze ; StraBburg, 
M e t z , MtUhausen, Colmar galten im Sinne der Geheimkarte schon 
vor 1888 aufs neue annektiert; die W e s t s c Inv c i z finden wir nicht anders 
als unter der frankischen Republik, die Sudscbweiz ist an 1 1 a I i e n 1 ) 
abgetreten . . . All das spricht sich nach dem Wcltlogenplane mit erstaun- 
Hcher Offenherzigkeit aus, Mag sein, dafi man in englischen Logenkreisen 
nicht glauben konnte, dafl Basel und Zurich sich romanisieren lieflen, 
~t- so rechnetc man sie zti dem ,,den Deutschen verbleibenden Gebiete". Im 
Osten sehen wir — imtner auf der Geheimkarte — Deutschland so erheblich 
beschnittcn, daB das gesamte Weichselgebiet mit Einschliifl von 
Danzig, Bromberg, Posen, Konigsberg und Tilsit nur im 
slavisch-russisch-polnisch-tschecho-slovakischen Gemeinschaftsstaat wie- 
dergefunden werden kann. Ebenso sind Breslau, Glatz, Neifie, 

britischen Hochgrad-Schottenmaurcrei doch darum, weil sich „die ganze Welt" 
vor die R rider der britischen Wcltpolitik ebenso wir ft, wie gewisse fromme Buiter 
Indiens dies vor ihrcm GdtterbUde tun, indem sie nicht nur den Jagrcnatwagcu 
Ziehen, sondern sich von ihm audi zermalmen lassen. 

*) Unter der nordlichen Gebietserwciteruns verstand Italien seit langeren 
Jahren vor dem Kriege bcreits, die Annexion der tessinischen Schweiz. Damals gab 
. Italien geographische Karten heraus, die in Zurich sich offentlich ausgestellt fan- 
den und die den Tessin als konigUch-italienlsches Gchict zeigten. In ihrer Nr„ 325 
vom 24. November 1917 veroffentlichten die „Ncuen Zurcher Nachricbten" unter 
der XJberschrtft *,Wachet rt einen Leitartikel, der die italienische Anwartschaft auf 
den schweizerischen Tessin besonders kraB illustrierte. Danach wurde in real- 
politischen Kreisen Italiens cine grofle, sorgfaltig ausgefuhrte Laudkarte ver- 
breitet: „II Confine Naturale dclla Italia Settentrionale" nebst ciner Beglcitschrift 
von Ottone Brentari, erschienen Rom 1917, in wclchen bdden Druckwerken die 
Anspriiche Italiens auf seine geschkhtlich-geographischen und poMtischen Stand- 
punkte begrundet werden. In das } ,naturlichc <: italienische Anspruclisgeblet fallen 
danach der ganze Kanton Tessin, dann vom W a 1 1 1 s alles Gtbiet bis und 
mit Simplon und Korrekturen bcim Saas- und Zcrmattcr-Gcbiet sowie dem Gro- 
Ben St. Bernhard; von Graubiinden das ganze italienische Graubiinden, Puscli- 
law, , Misox, Minister und andere , t Grcnzberichtigungen". Iliernach astrebt die ita- 
lienische Irredenta auf K osten der Schweiz einen Gebictszuwachs von 3678,6 
Quadratktlomctern mit 151023 EmwolinernI — Die „Ncuen Zurcher Nachrichten" 
benutzten die Gelegenheit, festzustellen, daB seit zwanzig und mehr Jah- 
ren italienische Landkartcn alinhchen Tnhalrs teihveisc sogar als Schullehrmittel 
benutzt werden, — eine MaBnahme, die sich, wie wir wissen, durchaus mit den 
mehr als dreifiigjahrigen Bestrebungen der Gro8-Schotten deckt. — Neuerdings 
verlangt (nach den ..Neiten Zurcher Nachrichten" vom to. Marz 1919) Giulio 
Sironi, der Obcrinspcktor der italienischcn Eiscnbahnen und Mitglied des Auf- 
sichtsrate? fiber die offentlichen Arbeitcn, in einem dtm Konig von Italien gewid- 
meten und mit „La stupe e la Nazionalita, nel Tirolo-La Rezia" (Milano, Casa 
editrice L. 1\ Cogliati, 1918), iiberschriebenen Buclie den ganzen sclnverze- 
rtschen Kanton Graubiinden und da& Tessin! Und die italisclie 
„Idea Nazionale' f in Rom geht so weit, dafl sie sagt (vgl. „Neue Zurcher Nachricli- 
ten J< vom il April 1919): Italien musse sich vor dem Ubergreifen des Bolschewis- 
rnus auf itaHentsches Gebiet hiiten und es gabe in dieser Hinsicht kein besseres 
Mittel, als die Grenzen vorzuschieben und die italienische Schweiz zu annektieren. 



*- 39 - , 

Hirschberg in Schlesien und vielleicht auch Gorlitz nicht mehr im 
deutschen Gebiete zu finden . . ., so daB Berlin und Dresden, Chemnitz und 
Regensburg als Deutschlands zukiinftige Grenzstadte allenfalls noch 
Geltung hatten. Im Nordcn scheinen Hamburg, Liibeck, Stral- 
SU nd, Riigen und wolil auch Stettin mit ganz Schleswig-Hol- 
stein'an die britische Weltvormacht bezw. an das von England bevormun- 
dete Danemark verloren gedacht zu sein. Die Pariser Vorfriedcnskonfcrenz 
stimmte am 3. Marz 1919 bereits emer Volksabstimmung fur Nord- und 
Mittelschlcswig zu, doch soil vor der Volksbefragung, ob Schleswig 
danisch sein soil, jeder deutsche EinfluB zuvor vollig mundtot gemacht, 
das deutsch-schleswigsche Beamtentum zuvor entrechtet werden . , .! Nach 
Br.-. Lodges (Havasdepesche vom 15. Dezember 1918) fordern die Ver- 
einigten Staateti von Amerika, daB dcrKielerKanal und Helgoland 
unter die Kontrolle der Alliierten kommen. Die Pariser Friedenskonfcrenz 
vom iS, Marz 1919 sprach sich in gleichem Sinne aus. 

Dieses neue Bild der zukiinftigen Erdkarte, dem sich auch aufier-curopa- 
ische Verschiebungen angliedem werden, wurde zunachst begrundet mit 
dem Sturz der mitteleuropaischen Monarchien und der 
alJgemeinen Einfiihruiig des demokratischen Staaten- 
systems auf dem ganzen Erdenrund, alferdings unter An- 
erkennung derjenigen Monarchien, die zur Entente gchoren oder gewisse 
' Sympathien zui Entente nicht verleugnen (gemiiB dem Winde, der von der 
International en Einen Partei — den grauen Schotten- und Orangebrudern — 
iiber den Hauptern ihrer „Landesherren" weht). Die Entthronung vor 
allem des deutschen und des bsterreichischen Kaisers (als Ziel der Entente- 
Logen) kann nicht wunder nehmen, da weder Kaiser Wilhelm II. noch 
Franz Joseph noch Karl I. sich unter das Joch der Logc beugten; und 
so hatte die einstige Verleihung des Hochgrades vom Hosenbandorden 
an Kaiser Wilhelm II. durch den Trager der englischen Krone auch nur 
einen dekor^tiven Sinn geliabt 1 ). 

Unter diesem Gcsichtspunkte verstcht man erst recht_ den inneren bimi 
eincr 5 telle aus eincm Brief e des serbischen Gesandten in Paris, Dr. Mii. 
Wesnitsch, an Br,*. Ministerprasident Taschitsch von Serbieu 
vom 27. Miirz alten Stils 1913, der den Schleier reiUt von dem ganzen Lug 
und Tntg hofitchen Gcpranges, soweit die E n t e n t e sich dam it verknupfte. 
Br. ■ . Dr. Wesnitsch schreibt : 

AuBerdem habt- ich aus sehr zuvcrlassiger Quelle erfahrcn. daB 1 die Wir- 

" ku n g w e 1 c h e d i e A n w e s e n h e i t d e s « 11 g 1 i s c h e n K o n 1 g s p a a r e s 

bei der Hochzeit der Tochter des deutschen Kaisers auf die 

») Neben Kaiser Wilhelm und einigen anderen deutschen Biindesfiirsten wurde 
nach Kriegsatisbruch auch ein englischer Prinz aus dem Hosenbandorden hin- 
-ausgetan: der Herzog Karl Eduard, der Sohn des Herzogs von Albany ^des 
j{ing&ten Bruders des Einkrcisekonigs Eduai d VII.), der die cnglische 1 ohtik ^ 
als Plerzog von Koburg-Gotha - nicht mitmachte. Neuerdings wurde Herzog 
Karl Eduard von Kdnig Gcorg V. all seiner englischen Titel verlu^g erklart. 

Der Orden vom Hosetibande (Order of the Garter) wurde am 19. Januar 1344 
von Konig Edtiaid III. begrundet als „Neiibelebiin K der Gedanken uber Konig Ar- 
tus* Tafelrundc" (vgL H. Jennings „Dic Rosenkreuzer und ihi-e Mystenen , S. 91 
m Bd. II). Ziitritt zum Orden hat auBer einigen ..erwahlteii armen R ittern, die 
dafiir aber „fdr die andern Mitglieder zu betcti" haben (wie cs bei Brockhaus heiflt), 
nur der hocliste Adel. 



— 4° — 

offentliehe Meinung haben wird, ranch paralysiert wer- 
den soil durch cine andere Manifestation im Sinne des 
Dreiverbandes und daB diese letztere eine viel grofiere p o - 
litische Bedeutung haben wird (als die rein auflerliche erstere)." *) 

Der Sturz der Hohenzollern-Dynastie war eine alte Forderung der 
Loge. Sie datiert schon ausder Zeit des deutsch-franzosi- 
schen Krieges, und war auch damals schon eine Forderung der eng- 
lisch-franzosischen Hintermanner der Logen. Aus der Verborgenheit her- 
aus wirkte der von uns schon genannte e n g 1 i s c h e Baronet Br, * . Moses 
Montefiore (einst Blumberg geheifien), Bankier in London, mit Isaac 
Adolphe Cremieux, dem franzosischen Justizminister und Delegierten 
der nationalen Verteidigung m Tours durch Grundung der , .Alliance israelitc 
universelle" 2 ) in England, Frankreich, Rufiland, Polen, Rumanien, Marokko 
und im Orient. Montefiores Freund Cremieux setzte getreu dem Bunde, 
den er noch mit Olivier, „dem eigentlichen Anstifter des 
deutsch-franzosischen Kriege s" t geschlossen, einen Preis von 
einer Million Franketi auf den Kopf Kaiser Wilhelms I. Moritz Busch in 
seinem Buche „Graf Bismarck und seine Leute" und Br.' . Albin Freiherr von 
Reitzenstein in „Freimaurerei in Frankreich" berichteten von einer An- 
klage, die die franzosischen Freimaurerlogen im Jahre 
1870 erliefi^n, Busch schrieb : 

„Am gememsten benehmen sich die franzosischen Logen. So bringt der ^Courier 

de Lyon' nachstchenden . . . wohl unerhorten Aufruf: a ) 
Die Delegierten der R, R, C. und der F. R. J. (Logen des ,Grand Orient de 

France') haben in ihrer Sitzung zu Lyon, den 26. November 1870, folgendes Er- 

kenntnis verkiindet: 
l.Wilhelm und seine beiden Genossen Bismarck und Moltke, Geiseln der 

Menschheit und durch ihren unersattliehen Ehrgeiz Ursache so vieler Mord- 

taten, Brandstiftungen und Plunderungen, stehen aufierhalb des Ge- 

setzes wie drei tolle Hunde. 
2. Allen unseren Brudern in Deutschland (!) und der Welt ist 

die Vollstreckung des gegenwartigen Urteils aufgetra- 

gen: 



l ) Vgl. Dr. Boghitschewitsch, „Kriegsursachen", Zurich 1919. 
a ) Der ^Alliance isr. un.", welche 1907 weit iiber 30000 Mitglieder zahlte, an- 
gegliedert ist die „A ng 1 o - Jewish-Association", die am 2, Juli 1871 in Lon- 
don gegriindet wurde; mit ihr vereint ist wieder dje , .Jewish congregation 
union". Diese dreifache Vereinigung ist nach Cremieux „eine bliihende", sie „nndet 
den Zugang zu den machtigsten Thronen"'. In alien Weltterlen, bis nach Asien, 
Afrika, Auslralien, China, Mexiko, Kapland usw. ist sie vertreten; „wer im Orient 
mit einer Empfehlung dieser Alliance vor politische oder burgerliche Behbr- 
den tritt, dem offnen sich alle Tore . . ," (Fritsch, „Handbuch" der Hanseat. Verlags- 
anstalt, Hamburg, 1907, S. 386/290). 

a ) Vgl. Brockhaus' Lexikon, ferner Miinchener (I Hist.-genealog. Taschenbuch", 

1912, S. 181, und G. v. Lists „Armanenschaft der Ariogermanen", II, S. 22/23, Sielie 

auch Theodor Fritsch, „Handbuch", S. 377. — Der Auf ruf nndet sich auch im 

„Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei" (Berlin, Max Hesse), Bd. I, S. 312: 

Wahrend des (deutsch-franzosischen) Krieges erging am 16. September 1870 

von zehn Pariser Logen eine wahnwitzige Anklage und Vorladung wegen 

Eidbruchs an Konig Wilhelm I. und den Kronprinzen (spater Friedrich III.), 

und im November erlieB die „Loge Henri IV." in Paris ein Rundschreiben, mit- 

tels dessen sie einen KongreB nach Lausanne (in der Schweiz) auf den 15. Marz 

1871 zur maurerischen Aburteilung der beiden fiirstlichen Maurer 

einberief. 



— 41 — 

3. Fur iedes der drei verurteilten reiflenden Tiere (Kaiser Wjlhelm Bismarck 
Moltke) ist eine Million Frankenbewilligt zahlbar an d.e Voll 
strecker oder ihre Erben durch die sieben Zentrallogen (!)■ 
Als Folge dieser groben Anklagen 1 6 s t e n die d e u t s c h e n G r o fl - 
logen alle Verbmdung mit dem Franzosischen GroBoricnt 
auf Nach dem Siebzigerkriege machte sich in den maurerischen Kreisen 
Frankreichs, „und nicht zum MiBfallen ihrer Oberbehorde (vgl. Reitzen- 
stein S. so), ein feindlicher Geist gegen Deutschland geltend. 

Im gegenwartigen Weltkriege erneuerte die Loge ihr Bestreben, zunachst 

die Hauser Hohenzollem und Habsburg-Lothringen aus dem Wege zu rau- 

■ men, und hat das ja auch erreicht. So erhob die Pariser Loge „L Avant 

Garde" das offizielle Verlangen zum Beschlufi, dahm zu wirken, daB Kai- ■ 

ser Wilhelm II., Kaiser Franz Joseph und der Kr onpr 1 n z 

v o n P r e u B e n , und ebenso die Konige von Bayern, Sachsen und Wurt- 

temberg wie auch die Kronprinzen dieser drei Bundesstaaten, f erner alle kom- 

mandierenden Generale der Frankreich betreffenden Invasionsarmee vor ein 

Obersten-Tribunal zur Aburteilung zu bringen seien (wie Dr jur rleinz 

Brauweiler der Freimaurer-Zeitschnft Latomia" Nr 19 [1916] ^«^m. 

zitiert in „Die . • .-Briider im Weltkrieg", S. 4 4>- Nach einer St. Galler Kor- 

respondenz der .Neuen Zurcher Nachrichten" vom i 3 .Oktober 1914 wurde 

. in englischen Zeitungen der deutsche Kaiser als der vorj der Holle gesandte 

^.Apostei des Barbarismus und der Grausamkeit", als der „Potsdarner 

'-Schlachter" und das deutsche Militar als die „Skiaven des Kaisers geschii- 

dert, und es sei den E n g I a n d e r n die hohe Mission geworden, die Karte 

Europas zu andern", „um das Erbe eines Goethe und ernes Beethoven zu 

; ""im ",,Badischen Beobachter", 1917, Nr. 247, lasen wir: »Bereits 1888 

drohte das .Bulletin magonnique^ mit der Republikanisierung Deutschlands , 

1 008 bezeichnet das .Bulletin maconnique f den deutschen Kaiser, 

welcher bekanntlich der Loge nicht angehort, als durch semen Ehrgeiz fur 

alle Volker und auch fur das seinige gefahtlich!' Und em it a lieni- 

W scher Freimaurer, Aurelio Saffi, erklarte i88g: „Die Verbru- 

K derung der Volker wiirde an dem . . . nicht mehr fernen Ta^ ins Leben treten r 

^ an welchem das Jung-Deutschland des Gedankens und der Arbeit an die 

S t e 1 1 e des feudalen und k a i s e r 1 i c h e n gctreten sem werde. Havas 

- berichtete unterm 2. April 1917: .Mehrere (franzosische maurensche) Zei- 
tungen, besonders der ,Figaro<, der ,Matin\ das .Echo de Pans heben die 

* Unm6glichkeit, mit den Hohenzollem (iiber den Fneden) zu verhande n 
Kervor Herbette schreibt im ,Echo de Pans': ,Man muB die 
Hohenzollernvollstandigsturzen.' Der Deputierte G a 1 1 1 

* schreibt im .Matin': ,Der Befrekmgskrieg wird sich nnbarm her zig gegen . 
ein Volk fortsetzen, welches als Haupt einen Chef hat dessen Verbleib en 
auf dem Throne eine Herausf or der ung ist" Bedenkt man da id 
Paris schon anno 1910 der Untergang des Deutschen Rcich« ; auf to Jate 

- ion prophezeit wurde 1 ), und daB die Mme. Lorenza in Pans (eine in 
^liLchen KrtLn neb/n Mme. de Thebes W^.f^^g£ 

. „seWisch vorauskiindete- 2 ), daB die Hohenzollem „™l spater emtreffend 

*) VgP^eue Frele Volkszettung", Miinchen, 13. August 1918. 
■) Vgl- !,Neue Metaphysische Rundschau", i9io> S. 244- 



— 42 — 

als 19 io infolge des zu erwartenden europaischen Krieges den Thron ver- 
lieren" wiirden, dann uberraschte auch die Jiemtrkung der „Neuen Ztircher 
Nachrichten" vom 3. April 1917 nicht, die dahin lautete: „Man konnte den 
Sturm, der in Paiiser Blattern gegen die Dynastic der Hohenzollern an- 
hebt, langst kommen sehen... Von einerEntthronungserklarung des Rum a- 
n en- Hohenzollern wird man (allerdings!) gnadigst Umgang nehmen," 
Eine personliche Stelltmg zu nehmen zu der Entfernung der hohenzollern - 
schen, habsburgischen, wittelsbachischen usw. Dynastien durch die Revolu- 
tion liegt nicbt im Rahmen unseres Buches. Wir haben nur zu schildern, in 
welcher Weise sicli das Ententelogentum um den Sturz der 
aufstrebenden Mittelstaaten unter der Fuhrung Deutsch- 
lands mit vollstem Erfolg bcmuht hat. Wirklich ist auch von deutsch- 
nationalster Seite vielcs am Verhalten besonders Kaiser Wilhelms II. ge- 
tadelt worden (z, B. sein Verhalten im Burenkrieg und der ^Zickzack- 
kurs" seiner Idealc und Bestrebungen). Auch legte der deutschnationale 
Psychiater Dr. Paul Tesdorpf in einem tiefernsten Briefe vom 24. April 
3916 an Reichskanzler Bethmann-Hollweg dar, dab" W i 1 h e 1 m II. g e i - 
steskrank sei (vgl. Tesdorpf, „Die Krankheit Wilhelms II.", Leh- 
manns Verlag, Munchen). Jedenfalls liegt es nicht im Wesen der 
Freimaurerei — die eine rein geistjge Idee zu verkorpern hat — , 
den Sturz irgendwelcher politischer Zustande, gleichviel welcher, 
herbeizufuhrem Die g ei s t ig e Evolution der Menschheit darf von der 
Loge nicht durch p o 1 i t i s c h e Rankunen versucht werden, das wider- 
epricht dem Prinzipder Mason ncrie. 

Auch des friiheren englischen Ministerprasidenten A s q u i t h voniehm- 
stes Kriegsziel war die Entthronung der Hohcnzollerm Weder mit Kaiser 
Willi elm noch sonst einem Mitgliede des kaiserlichen Hauses konne der Fric- 
den geschlossen werden. 

Beachtenswert ist ferner, was „Havas", das den franzosischen Maurern 
gefugige franzosische Nachrichtenbureau, bei Gclegenheit der amerikanischen 
Kriegserklarung an Deutschland mitteilte: „ Washington, 6. April 1917. 
. . . Am interessantesten war die Debatte im Scnat, als WiU'iams... 
erklarte, die V e r c i n i g t e n Staaten tnufitcii, einmal im Kriege, diesen 
fortsetzen, bis die Hauser Hohenzollern und Habsburg ent- 
thront und die Tiirkei nach Asien zuriickgctrieben sei." 

Nach der „New York Times" (Mai 1917) stiftete das Burgerkomitee von 
Oysterby, der Sommerresidenz des im Dezember 1918 verstorbenen friihe- 
ren amerikanischen Prasidenten Br,' . Teddy Roosevelt *), einen Preis fiir den 

*) In den ..Fsychischen Studien" Nr. 1 vom Jamjar 1918 la-Jen wir iiber den 
schlimmen Kriegshetzer: Friedenspreisempf iinger und Kriegs- 
heizi.i. Pas bekannte Kopenhasener Blatt f ,FoHtiken" bringt eine Meldutig 
aus London, zu der sich jeder Kommentar ertibrigt. Oberst Theodore Roose- 
velt sjirach kiirzlich im Yale-Club vor 500 Studentcu, die von seinen Worten zu 
wilder Kriegsbegdsterung hingerissen wurdeti. Der Oberst, welcher in Uniform 
war r rief der VersammlunR zu: „Weim wir jctzt Frieden bekommen wiirden. wie 
es von Friedensfreunden, Sozialisten, alten Troddeln und geschlechtslosen Krea- 
turen verlangt wild, so wiirden /vir nach diesem Kriege einen neuen Krieg be- 
kommen. Die Feinde wiirden iiber uns hcrfallen wie ein Heuschreckcnschwartn, 
und Amcrika wurde eine nencs China werden!" (Lebh after Beifall.) Das war 
Br.'. Theodore Roosevelt, der (1906) den Friedenspreis erlialten hat 



I 



— 43 — 

besten , .Schlachtenruf fur die Armee der Vereinigten Staaten" im Welt- 
kriege, wobei auch Roosevelt (Rosenfeld!) als Preisrichtcr fungierte. Oberst 
Wattcrson aus Louisville ward preisgekront fur sein Werk „Zur Holle mit 
den Habsburgern und Hohenzollern'' („To hell with the Haburgs and Hohen- 

zollers!"). ^ . . 

Bemerkt sei, dafi Woodrow Wilson, als er den Knegszustand zwi- 
schen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland vom Kongrefi 
fordertc, sagte, er fiihre nur Krieg gegen die deutsche Regierung (d. h. 
die Monarchic) : „Die Sicherheit der Demokratie in der Welt mu3 
^esichert werden . . ." („Havas' ( , 3. April 191 7)* Der selbe Wilson erganzte 
sich in seiner Botschaft an den amerikanibchen KongreB vom 4. Dezember 
1917 dahin: „ . . . Das unertragliche Ding, dessen haflliches Antlitz die Ge- 
bieter Deutsc'hlands uns vor Augen zwingen, das Gcmeng aus heimlidier 
Zettelung, lauter Drohung und gewaltiger Kraft, niuB . . . zermalmt oder, 
wenn vollige Zermalmung nicht gehngen kann, von freundschaftlichem Vol- 
kerverkehr ausgcschlossen werden . . . Die(d eutsche)Autokratie mufi 
erkennen Icrnen, dafi ihr Anspruchauf Macht und Fuhrer- 
am tinder in odernen Welt nichtzuhalten ist... Der Auto- 
kratenwille muC gebrochen sein s ehe die Volker das Heil des Friedens heim- 
bringen,.." (Nach der Ubcrsetzung von Maximilian Harden in der „Zu- 
kunft".) . r .., 

Wie ganz anders klang doch der Satz, den Woodrow Wilson in fruheren 
Tagen in s einem Buche „Der Staat" gegeniiber dem deutschen Kaiser ge- 
auBert hatte: M Die Souveranitat ruht nicht bei seiner Person . . . 
Der Kaiser ist (nur) der oberstc Beanite einer grofien Korperschaft, deren 
Zweck es ist, einen cwigen Bund . . . zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen 
Volkes zu schlieBen . . ." Wenn s o , weshalb dann sein erbittcrter, blutiger 
HaU gegen den selbcn seitherigen Tragcr der Krone? Man mochte wirklich 
zu dem GefuliI gedrangt sein, daii Prasident Wilson als Schonredner gar 
nicht der Hen- iiber seine Rede ist, und cr nur au&spricht, was irgend eine 
d a 111 O n i s c li e Macht durch ihn sagt. 

Die Kriegsbotschaft Wilsons (3. April 1917) begriiflte der maurensche 
libcral-monistische ,,Corriere della Sera" in Mailand dahin, da8 sie die 
„historischc Bestiitigung sei daftir'', dafl „der Bannfluchderganzen 
Welt auf dem Deutschland Wilhelms II." liege. 

Und weiter sprach der maurerische Sozialistenfuhrer und belgische 
Staatsmimster Br.-. Van der Velde (nach dem Logcnblatt ^Matin", 
vcroftentlicht von ^Havas" unter m 23. Mai 19 17) in Petersburg aus, dafi der 
Fried e (Ru 6 lands wie Knglands und seiner Bundesgenossen) „nicht mbglich 
sei, bevor Wilhelm II. und Kaiser Karl sich ins Zivilleben zuruckziehen" '). 

'wir wollen all dem nur hinzufiigen, daB die liberale „Berliner Zeitung 
am Mittag", die unterni 8,/9- Juni 1915 „von besonderer Seite" (von einem 
eingeweihten deutschen Maurer?) iiber die Kriegswuhlereien der franzosisch- 
italienischen Logen inter essante Auskunfte gab, zu be rich ten wuiltc: 

Die rom anise he Logen verse hworung verfolgt das d r e 1 - 
i a c h e Z i e 1 : 

J ) P>r ' V a ii d e r V e 1 d e hat in seiner Gemahlm Frau L a 1 1 a Van der Velde, 
als der Meisterin vom Stuhl der bel K ischen Frauenlogen in Havre mid Brussel, 
eine -wiirdige Gehilfin fiir seine groBpolitisch-entcnti?tiscnen Maurcrziele. 



— 44 " 

Deutschland soil als Hart des gefestigten Staat swill ens zertriimmert 

werden; 
das Papsttum soil in Rom einen todlichen Schlag x ) erhalten und 
die Sozialdemokratie will man auf lange Zeit der Loge gefiigig machen, 
wobei zu beachten ist, daB die italienische Sozialdemokratie (mit Br.' . Bisso- 
lati), die franzosische und die belgisclie Sozialdemokratie (mit Brr.' . Cachin, 
Thomas, Miller and emerseits und Van der Velde anderseits) ihre sehr starke 
freimaureriscbe Note hatte (und dafl in Frankreich eine freimaurerfeind- 
liche Unter stromung innerhalb der Sozialdemokratie die Folge wurde). 

Seltsam mutet — unter Beriicksichtigung der mehr als drei6igjahrigen 
in das politische Leben von England bewuSt vorgetragenen Absicht, Deutsch- 
land zu zerschmettern — das Horoskop auf Kaiser Wilhelm II. an, das in dem 
stets deutschfeindlichen Sapharielschen „New Manual of As trolog"ie : ' 
vom Jahre 1898 yeroffentlicht und im letzten Dezemberheft des „Zentral- 
blattes fur Okkultismus" (Max Altmann, Leipzig) von A. M. Grimm wie- 
dergegeben wurde: 

„Horoskop fur Wilhelm II., 
geboren am 27. Januar 1859, 3 Uhr nachmittags in Berlin. 

„Wir finden hier Saturn im Zeichen seiner Schwache, der Sonne in ihrem 
schwachsten Zeichen entgegenstehend; Mars und Neptun. sind vereinigt im 
Meridian und die Sonne ist im Halbquadrat zu beiden; die Ungliicksplaneten 
Neptun, Mars und Uranus — erhoht, und der Mond in Opposition zu Uranus. 
Der deutsche Kaiser hat ein hochst verhangnisvolles Ho- 
roskop, und wahrend seiner Regierung wird er einen noch nie dage- 
wesenen Sturz e r 1 e i d e n. Das Schicksal Kaiser Wilhelms ist ein sol- 
cheSj daB er nahezu seinen ganzen Besitz verlieren wird. Er wird niemala ein 
volk&tumlicher Monarch sein. Mars in Meridian wird ihn in standi ge 
Feindschaft verwickeln, und die Sonne in Opposition zu Saturn wird ihn 
seiner Macht unter den Volkern entbloBen, Er wird sein konigliches Gernahi 
plotzlich verlieren (Mond in Opposition zum riicklaufigen Uranus), Es ist nicht 
unwahrscheinlich, daB sein Land ubergeht in die Hands von 
Frankreich und Ru Bland (!), Diese wenigstens sind die zwei 
Machte, welche ihm den Besitz des Reiches streitig 
machen, das er zu behalten machtlos ist, Kein ung! ticks el ige res oder 
weniger konigliches denn dies Horoskop des Kaisers, auBer vielleicht das des 
Sultans der Turkei, ist zu finden unter den Herrschern von Europa. Der Kaiser 
wird plotzlich sterben und das Herz wird der Sitz der fatalen Affektive sein. 
Bevor das Jahr 1905 kommt, ist es wahrscheinlich, dafi Deutsch- 
land teilweise in die Hande seiner Feinde fiber- 
gegangen is t." 
Die Zertrummerung Osterreich-Ungarns war schon seit Giuseppe Maz- 
zini, dem beruhmten italienischen Agitator und Freimaurer 2 ), dem Mitglied 

*) Auf dem FreimaurerkongreB 1900 sprach es der belg'ische GroBorient- 
Groiimebtcr Br.-, Cocq aus: „Der Kampf zwischen Kirche und Freimaurerei 
ist ein Kampf auf Leben und Tod" <„Eulletin de Travaux du Supreme Consetl 
de Belgique" Nr. 51 S. 59)- (Dieser Kampf wird zwar auch gefuhrt durch Mit- 
schuld gewisser kirchlicheK, Kreise, wie H. P. Blavatsky im 2. Bande der „Ent- 
schleierten Isis" eingehend dargclegt hat.) 

a ) Nach dem deutschen Er.\ Dr. Leopold Wolfgang (im „Unsichtbaren 
Temper', 3916, S. 308) besaQ Mazzini das Patent des 33* Grades des „Schottisc.hen 
Ritus". Uber die Freimaurerschaft Mazzinis vgl. M Handbuch der Freimaurerei" II, 
S. 25 und 77, sowie H. P. Blavatsky, „Isis entschleiert" II, S, 391. — F. X. Krausj^ 
kennt (in seinem „Cavour") Mazzini, der eine Zeitlang italischer Justiztninister 
war, als verhangnisvollen Diktator in den Jahren 1848/49, und Dr. Heinz Brau- 



— 45 — 

der Carbonaria" l ) trnd Begrunder des in Marseille seinen Sitz habenden 
Geheimbundes „Giovine Italia" ( f Jung-Italien"), P a r o 1 e d e r 1 1 a 1 1 e n 1 - 
schenLoge. Schon 1851 pladierteMaumi fiir die Aus- 
beutung des o s t e r r ei c h - un ga r i sche n Nationalita* 
tenhaders 3 ), webei ihn die franzosische Maurerschaft unterstutzte, die 
durch Ausbreitung der Masonnerie in Ungain die Vernichtung der Donau- 
doppelmonarchie anzubahnen suchte. In seinem Manif es t an das Lon- 
doner Zentralkomitee vom Mai 185 1 sagte Mazzini (nach den „Neuen Zur- 
cher Nachrichten" vom 18. Februar 1919): 

,Eine beredte Stimme hat in Beziehung auf Osterreich ein Wort gesprocheii 
das alles sagt. Ihr kennt dieses Wort: Delenda est Austria! (Osterreich rnufl 
zerstort werden). Aber dort zu Land sind es nicht die subversiven Lehrsatze, 
die etwa uber das Autoritatspnnzip Herr werden konnen . .^ . Aber zum 
Gluck bieten sith dort Mittel anderer Art; wir finden Biei n de r Aus t- 
beutung des N a t i o n a 1 i t a t e nh a d e r 3 (dans 1'exploUation de : la ^ nva- 
lite des . nationalites diverse^). Ihr wis set was ma n 1 n diesem x _ 
AugenblickzumgenanntenZweekinltaUenCLombardo^ 

in Ungarn und in den slavischen Landern tut In alien diesen 
Landern werden wir noch zahlreiche TJbergangsepochen durchzumachen haben 
Aber ist nur einmal die Ei n h e i t g e b r o ch e n , so haben wir schon vicles 
crreicht . . . Urn Osterreich S c h w 1 er i gk e 1 t e n zu machen, kon- 
nen wir nicht tatig genug sein in London, in Pans und 
■ selbst, wo moglich, in Berlin . .Man mufl sich O.te ■ 
reichsbemachtigen, indem man die verschiedenen Vol- 



weiler spricht von Mazzini als dem ..Lehrmeister" in der Schurung des Hasses 
gegen L habsburgische Krone. - Mazzini ™}™*™* t™**™^^ 
Heckethorn: t? G & heime Gesethchaften, Geheimbunde usw.", S, 3 3i/347> urn 1863 
Se aufruhrerischen „Nationalparteien" der Serben, Montenegnner und R™«n 
gegen Osterreichs Politik und stiftete im Jahre 1833 em ™ F™s sen Loin 1 
Mariotti und noch einen andern Verschworer an, auf Komg Karl Albert 
von Sardmien ein Attentat auszuuber, (der verwendete Dolch gehortc = Mwzini^ - 
Nach dem .Allgem. Handbuch der Freimaurerei" lebte Mazzini m jener ieit, 
da er veifofgt ward, in London sowohl wie in Pisa jm Verborgenen bei der 
Mutter dsetzigen italischen Groflmeisters Brs.-. Nathan, Frau S a r a Nathan 
OlaL ini starb in Pisa am 10. Marz .872) Grofimeistcr Br.-. Nat ha n der noch 
heute die M e i s t e r s ch u r z e Br.-. Mazzinis aufbewahrt, gilt als unehe- 
li fher Sihn Mazzinis mit der E n gl a n d e r i n (!) Sara Nathan. (Vgi h.erzu Jie 
Koln. Volksztg." vom 2. April 1900 und die „Frankf. Ztg. vom 28. _ November 
1914 welch letztere noch davon spricht, daB Br.*. Ernesto Nathan „nnt Hilfe der 
rdSischen Kutschcr und Freimaurer als ehemaliger Bur germeister von Rom nur 
allzulange zum Schaden dieser Stadt auf dem Kapitol dilett.erte .> 

') Die „Caibonaria" oder ..Kohlerachaft" war eine maurerisch-politische Ge- 
sellschaft in Italien mit antimonarchischen Teudenzen, die im Bunde mit fran- 
■ zl £he" Geheimgesellschaften stand; sie hatte ihren Mittelpunkt m Pans. 
iC MaVzmi lebte lange Zeit auch in London, wo er ein al gemein-europaisches 
Revolut ionskomitee in die Wege leitete. Der politische Geheimbnnd .Carbonana 
Belfast war eine Fortsetzung der schon von Napoleon I. durch semen Stiefoohn 
tmd VSkbnig von Italien, den GroBmeister Br.-. Eugene Beauharn T 
„nd der durch Napoleons Schwager, Br,-. K 6 n i g M u r a t ; von Neapel ge e.teten 
italienischen Freimaurerei, die die Loslosung . aller .italienischer, jGeb jete von 
Osterreich zum Ziele hatte (vgl. dazu Leop. Wolfgang, in. ; ^We nTempel. 
Juli 1916). Auch Br.-. Garibaldi (nach Br.;. Leopold Wc )fgang ; „de GrtJ 
meister der gesamten italienischen Freimaurerei") — unter dem H. P. ^atsky 
Z blutigen Sch.rmiitzel von Mentana 1863 kampfte und s>ch schwere Wunden 
ToHe (vgl. Hans Freimark, „H. P. Blavatsky, ein Ahasver", 1906) - gehorte der 
^Carbonaiia" an. 

■) „Bad. Beobachter", 3^. Mai 191?- 



- 46 - 

k e r , aus welcheti e s beateht, gcgeneinander hetzt und a-uf- 

Wiegcl t." 
Und noch vor wenigen Jahren verkundete das Logenblatt „Akazia" t das 
tiefsinnige Wort (das auch auf manche noch ganz gegen wartige Vorgange in 
Ungarn und Osterreich gegeniiber Tschechen und Polen ein eigentumliches 
Licht wirf t) : 
„Zwisghen der Groflloge von Ungarn 1 ) und den franzosischen 

Freiraaurern besteht vollste I n t e r e s s e ng e m e i n sc h af t." 

Der erste Punkt der Ziele der inter nationalen Grofiloge (der Einen Gro- 
fien Internationale des Schottenritus) : Einfuhrung derfreimaure- 
rischen Weltrepublik, verbunden mit der Idee des S t vcr z e s d e s 
deutschen Kaisertums, wurde auch auf dem imApril I 9 I 7 zu 
Paris stattgehablen Inter nationalenFreimaurcrkongreB a ) ' 
erneut verhandelt. Der Minister Br. ■ . Costa 3 ) von der Freimaurer- 

/ Republik Portugal war dort auch zugegen. „Wichtigster Gegenstand" 
der Beratungen war, in Deutschlandselbsteine starke Bewe- 
gung gegen die Monarchic hervorzurufen; denn Grundlage 
des Weltf riedens miisse die Absetzung des deutschen Kai- 
sers sein. In Amerika, so hieB es auf dem Kongrefi, nahmen die 
Freimaurer den selben Standpunkt ein, und in Argentinien seien 
(von der Loge) grofie Kundgebungen gegen Deutschland veranstaltet wor- 
den. (Ober diese larmenden Szenen in Argentinien berichteten die Tages- 
blatter.) Man sieht, wie das internationale Freimaurertum den Gehei- 
men Kabinettsra't der Entente allerorten bildete. Und man fragt sich, was 

1 wohl alles in Stockholm gegangen sein mochte 4 ) getegentlich der 

*) Die „Symbolische GroBloge von Ungarn" umfaBte unter GroBmeister Staats- 
sekretar Georg von Joannovics etwa 65 Logen mit 4500 Mitgliedern, vor dem 
Kriege wurden 91 Logen mit zirka 7500 Brn.*. gezahlt und 1918 waren es 102 
Logen mit rund 9000 Brn.'. Politische Logen waren ,,Demokratia" in Budapest", 
„Kossuth" in Mezotur mid die von Ungarn aus gestiftete serbische „Pobratim", 
von der noch die Rede sein wird. (Ludwig von Kossuth wurde in Cincinnati 
[Ohio] in die Loge aufgenommen.) 

a )„Bad. Beobachter" Nr. 247, 1917. 

3 ) Die Familien der Costa und Costa Gomez de la Penh a sind (auch unter 
den Namen der Lopes: Suasso, der Fonsecca, den Castro und der Cohen und Chaim) 
international versippt in England, Holland, Italien, Portugal, Spanien, Argen- 
tinien, Brasilien usw. und nehmen dort hohe und hdchste Ehrenstellen ein. Ihre 
■ Religionsbekenntnisse sind heute noch teils mosaisch, doch auch katholtsch und 
protestantisch (das moderne „spekulative" Logentum ist sowohl , f reformiert", 
wie ,,judisch", „katholisch", „hochkirchlich" oder ..methodtstisch", je nach Zweck ' 
und Ziel). 

*) Die „Basler Nachrichten" schrieben unter der Uberschrift , } Die Geheimnisse 
von Stockholm", daB die Sozialdemokraten der versehledenen Lander in Stock- 
holm das geheime Abkommen miternander getroffen hatten, in alien ihren Heimat- 
staaten den Generalstreik zu inszenieren. „Die finnischen, deutschen und danischen 
Teilnehmer an der Stockholmer Konferenz haben anscheinend — nach den Be- 
richten (u'ber Generalstretke und Unruhen) aus Finnland, serlm, ftiirnberg und 
Kopenhagen (im Januar und Februar 1918) — ihr Versprechen bereits e i n - 
g e 1 6 s t und da konnen doch die schweizerischen Fiihrer nicht zuriickbleiben, 
wenn sie nicht als wortbriichig beiin nachsten Stockholmer Kongrefi erscheinen 
wollen . . ." Unter diesem Gesichtswinkel des „internationalen Generalstreiks" 
lernt man allerdings nicht nur vteles aus der russischen Bolschewiki-Herrschaft 
und den Ereignissen in der Ukraine und der Revolution in Finnland verstehen, son- 



— 47 — 

Vorbesprechungen der Sozialdemokraten aller Lander uber einen Frie- 
den, wenn Manner wie der Freimaurer Van der Velde dort ihren Bann- 
kreis iibten. Beruhigend wirkte zwar eine Aufierung des Berliner sozial- 
demokratischen ..Vorwarts" (Anfang April 191 7) an die Adresse des rus- 
sischen Revolutionsministers Sozialdemokraten Tscheidse 1 ), wonach 
die Forderung einer deutschen Republik nur von Deutschen und 
nicht von Russen und Franzosen und Englandern und Italienern erhoben 
werden konne. Dafi alle sozialdemokratischen Wahler uberzeugte Repu- 
blikaner seien, sei — so sagte der Berliner ^Vorwarts" — jedenfalls nicht 
zu behaupten, und im Deutschen Reichstag seien von 397 Abgeordneten 
286 entschiedene Monarchisten. 

Wie die Loge seit Anfang des Krieges alliiberall mobil gemacht 

hatte, und Italien sein Hasardspiel von Beginn der Feindseligkeiten nach 

: dem Rezept Mazzinis gegen Deutschland und Osterreich trieb, hat die Loge 

■ selbst zugestanden. Schon mit dem 3 1 . Jul i 1914 (noch fruher ging 

v es wirklich kaum!) erliefl der damalige Grofimeister Ferrari (In- 

1 haber des 33, Grades) ein Rundschreiben an alle italienischen Logen: 

- Die Ordensregierung wird mit alien nur irgendwie moglichen Anstrengungen 

" sich be mil hen, darauf hinzuwirken , daB Ni i e Aktion aller Gr o B - 

Oriente (das sind alle Freimaurer-Groflverbande der ganzen Erde!) sich 

e i n t r a c h t i g und im Einklang mit den a 1 1 g e m e i n a n g e n o m in 1 e in e n 

Prinzipien der Freimaurerei (d. h. also der Demokrati S1 erung aller Lander 

nach Grofiorients-Pnnzip) vollziehe . . ." 3 ) 

Diesem Rundschreiben liefi Ferrari am 6. September 1 9 1 4 «n ■ 

weiteres folgen, in dem er alien Logenbrudern seines Grofionents die Stellung 

anwies, die sie im Weltkonflikt einzunehmen hatten: sobald „der gflnstige 

|f ZeitpuAkt eingetreten" (d. h. Italians Kriegsbereitschaft beendigt) sei, 

'"'■musse Italien in den Krieg eintr^eten. Inzwischen soil ten die 

• dern auch die verschiedenen Arbeiterunruhen in Berlin, Hamburg, Kassel, Mann- 
^ heim, Wien, Zurich, Basel usw, begreifen Und man muti urn so mehr an eine ge- 
heime Beziehung" zwlschen all diesen (bis in die neutrale Schwciz hmubergreifen- 
' den) Arbeitei unruhen *und der Sozialistenkonferenz in Stockholm denken als Lloyd 
^George in einer seiner Reden (einer „Inf."-Korrespondenz vom letzten Januar 1918 
■\-2ufolge) zehn Monate vor der deutschen Revolution gesagt hat: Nach ganz zu- 
; verlassigen Nachrichtwv ateht eine innere Revolution ? rt « U £t C J!l£StM 
.unmittelbar beyor, so daB die Entente mit Sicherheit zu dem von ^^g^S? 1 
Annexionsfrieden gelangen werde, der Englands Knegsziele, ohue dafl Deutwh- 
land dies selbst merke, vol! befriedige. - Zudem hatte, wie die Norddeutsche All- 
^gemeine Zeitung" zur Berliner Januar- Streikbewegung 1918 achneb, s.ch in 
■Washington ein Propagandakomitee geb.ldet das unter An w e r b u ng 
N e u t r a 1 e r inMen Landern der Mittelmachte den Umsturz einleiten solle, wobei 
'Bern, Kopenhagen. Kristiania und Haag zu ..Filijlen" . d ]« er P^^S '^gj 
waren. Mitglieder des Komitees seien u. a N o r t h c 1 1 f f e (der in Entente-Welt- 
1 logenpolitik in Amerika gewesen war und dessen* Gunst in« Lloyd G rg st), 
f -dann der bekannte Senator Stone (die , } rechte Hand Wilsons ) Nicht wen gw 
^£150-200 Millionen Mark seien zu dieser Urnsturz-Propaganda bereit gestellt 
^ worden Nach dem Plane des C h e i s Northclifte aollten angeworbene ,H and- 
- ; Tungs^ei s e n d e^Deutschland und Osterreich von den Neutralstaatcn (auch von 
:,Span?en au^bereLn und den Umsturz anzetteln Unf ^om^ vom 
7 > 21 Marz iqi8) Aus Bresiau schrieb man uns, daB 60000 russisch-polmsche A r 
rb^iter judischer Nationality nach Deutschland hereingeschmuggelt wurden, urn 

/^^fN^t^anySen'Blaiiern soil Tscheidse ge.agt haben, RuBland konne 
erst nach Absetzung der Hohenzollern mit Deutschland gehen. 
•) „Badischer Beobachter", 3^- M &i 1917. 



- 4 8 ™ 

.-.-Bruder das „nationale Gewissen in intensivster Weise daraufhin er- 
ziehen"* 

Der italienische sozialistische (n i c h t „reformsozialistische") ,,Avanti" 
konnte 191 5 dann wieder seinerseits behaupten, dafl er beweisen konne, 
dafl die Kriegshetzer von der italienischen Loge mit aus- 
iandischem Gelde bezahlt seien und grofitenteils einer Gesellschaft 
von Heereslieferanten und Kriegsspekulanten angehorten L ). 

So sehen wir, „wie diese maurerische Burger-Elite die italienische Re- 
gierung durch den Ruf: ,Krieg oder Revolution' zur Kriegsrustung zwang 
und die Kammer- und Staatsmehrheit terrorisierte und im Volke die scham- 
loseste und wutendste Hetze unterhielt. So entpuppte sich die grofle ,Frie- 
densspenderin Freimaurerei* als eine Fraktion, die den grafllichsten Verrat 
an den Volkern, vorab am eigenen Volke verubte , . . Jetzt ist es offenbar, 
was der maurerische ,Weltfriede ( , was maurerische .Gerechtigkeit, Huma- 
nitat, Freiheit* zu bedeuten hat . . ." a ) 

Um em wirklich klares Bild liber die bunten Machenschaften zu entrollen, 
muflten wir eigentlich eine ganze Vorgeschichte des Krieges schreiben. Aber 
das wurde sehr weit f uhren, — 'da wir dabei auch in die Untergrunde alien 
Seelenlebens hineinzunden muflten. Moglichst kurz geben wir einige An- 
deutungen. 

..Vorgeschichten des Krieges" sind viele geschrieben word en, und wir 
haben, obwohl wir selbst dem politischen Leben vollig ferns tehen, auch einige 
aus den verschiedensten politischen Lager n gelesen. Besonders viel Gelegen- 
heit hatten wir wahrend des Krieges, ententefreundliche (und was zu jener 
Zeit das selbe war, , s pazinstische") Darstellungen zu priifen. Auch eine 
Anzahl deutschgesinnter Bucher standen uns zu Gebote. Eine wirklich um- 
fassende Geschichte d«<s Treibcns der Entente-Logen 
fanden wir nicht, weshalb wir gerae unseren Beitrag fur eine spatere, wirk- 
lich historische Beleuchtung des gegenwartigcn Weltkonflikts bieten wollten. 

Pfarrer Dr. Adolf Bolliger weist auf S, 61 seines Buches ,,V/eltkrieg und 
Gottesreich" (Emmishofen, Schweiz, 2. Auflage) darauf hin, dafl schon Ba- 
ron Greindl, der ehemalige Gesandte Belgiens in Berlin, auf den Ver- 
leum dungs feldzug hingedeutet hatte, der seitjahren inderPresse 
von London, Paris und Petersburg gegen Deutschland gef iihrt 
wurde. (Es ist dies die auch uns bekannte „gelbe Presse" der maurerischen 
Goldmagnaten und Emporkommlinge.) Diese Presse besorgte ganz die 
Interessen des „fur die Loge znfrtih verstorbenen" koniglichen Freimaurers 



l ) Bei dieser Gelegenheit kbnnen wir der englischen Unterhausdebatte vom 
5. Juli 1917 gedenken, in der Geheimrat Andrew Bonar Law — der President der 
.- ^Glasgow Iron Trade Association", ein schottischer Groflindustrieller — von sich 
selbst (einer ^Havas'^Depesche zufolge) sagte; „Ich bin im Besrtze von Aktien 
von 15 Schiffahrtsgesellschaften in einem Gesamtwerte von 8110 Ffund Sterling. 
-Sie brachten mir im Jahre 1915 3 8 24 Pfund Sterling und im Jahre 1916 3847 
Pfund Sterling ein, nach Abzug der Kriegsgewinnsteuer (1)"- E. Tscharsky-Rom 
aber schrieb in der „Internationalen Rundschau", 3. Jahrgang, S. 261, dafl die 
italienische Presse Hire Feder im Solde der finanziellen Condottieri (der Kriegs- 
industriellen, der Waffenfabrikanten und groflen Schif f sre eder) in die 
Tinte tauche. 

s ) „Nene Ztircher Nachrichten" vom 4, Dezember 1915. 



— 49 ™ 

vom Schottischen Hochgrad-Ritus, des Kbnigs Eduard VII, von England 
[dafur erhob Eduard VI 1. „den Meister im Giftmischen aller Geschichts- 
schreibung" l ) — Harms worth- Nor thcliffe — in den Peerstand]. Nach 
Edaards VII. Obertritt in die „andere Welt" diente die „gelbe" (goldene) 
Presse seinen Nachfolgern, die die Grofllogen-Weltziele fortsetzten. Und 
deshalb ist alles das, was von Ententeseite und von „Maurern ohne Schurz- 
fell" (die die Dienste der Loge verrichten, oft ohne sich des sen bewuflt zu 
werden) uber En glands Teilnahme am jetzigen Weltkriege geschrieben wird, 
absichtliche Irrefuhrung besonders da, wo ..Deutschiands 
EinfallinBelgienals Ursache von Englands Kriegsbeteiligung" hin- 
gestellt wird. — Wie weit die „p a z i f i s t i s c h e" Presse und sogenannt 
pazifistische Kriegsliteratur z. B. eines Dr. Alfred H. Fried (des Laureats 
des Nobelpreises), eines Zurlinden eines Professors Dr. F. G. Nicolai („Die 
Biologie des Krieges"), eines Professors Otfried Nippold, eines Prof. Fried- 
rich Wilhelm Foerster a ), eines Fernau usw. im Strome des Entente-Frei- 
maurcrtums segelt, ware gew'16 noch wertvoll, festzustellen. Jedenfalls i s t 
Dr. Alfred H. Fried 8 ) Freimaurer, und die andern unterstutzen sich gegen- 
seitig, sind zum mindesten „Bruder ohne Kelle und Schurz", und a 11 e tra- 
gen i'hre besondere England- und Ententefreundschaft taglich offen zur 
Schau. Und wenn Fried („Friedenswarte" Februar 1919) sagt, dafi der 
Pariser VorfriedenskongreB — entsprechend derEroffnungsrcdc Br . • . Pom- 
cares — „ein Richterkollegium sei, das die Zentralstaaten, in ihrer Zelle 
sitzend, verurteilt, ohne ihnen das jedem Verbrecher zuzubilligcnde Recht 
der Verteidigung zu gewahren", so ist darauf hinzuweisen, dafi Br. • . F r i e d 
selbst nach besten Kraften dazu gehoffen hat, diesen Zustand herbeizufuhrenl 
Br. • .Dr. Fried verteidigt darum auch gleich diese Einseitigkeit, „die man 
den Ententemachth'abern kaum verargen kann". An anderer S telle seines 
„Kriegstagebuchs" in der gleichen Nummer seiner ^Friedenswarte" verlangt 
Fried (unter ,/Weimar", n. Februar 1919) aber von den Deutschen 
BuBerstimmung dafur, dafi s i e „die Welt an den vier Enden in Brand 
gesteckt haben" ... (Es ist eine seltsame Geschichte: Deutschland ,,steckt 

J ) Diesen Ehren-Titel fur Northcliffe finden wir bei Bolliger, ..Weltkrieg und 
Gottesreich", S. 64. 

*) Professor F. W. Foerster veranlaBte die einseitigen Veroftetitlichungen von 
deutschen Doknmenten „zur Kriegsschuldfrage" durch Kurt Eisner (Samuel Kos- 
manowsky) auf den Autrag des Br.'. Cleme^ceau hm, wodurch Deutsche 
land in ein ganz falsches Licht gesetzt wurde. 

*) F r i e d s Keder ist stets bewuflt mittetmachtefemdlicn. Seme tiezienungen 
zu , T Hermann Fernau" (alias L a t t) und zu Professor Br.;. B o v e t in Zurich (Re- 
daktor von „Wissen und Lehen") sind offenkundig. Latt-Fernau schrcibt in 
Frieds .Friedenswarte", in der scbweizerischen „Freien Zeitung" und anderswo 
haBerfullte Arbeit gegen Deutschland; eines der Kernau-Lattschen Bucher fur 
England wurde von Professor Bovet bei A. Benteli (Bumpliz) M zum LJrucke 
empfohlen". Wieder schreibt Br.-. Dr. Fried fur seinen Genossen Bovet in ..Wissen 
und Leben" und Zurlinden zitiert mit Vorliehe Fried und ..Fernau", und redigierte 
eine illustrierte EnUnte-Rundschau. (Vgl. hierzu „Ziircher TagesanzeiBer_ Nr. 58 
vom 9. Marz 1918.) Zum UberfluB ergab die Verhandlung vor dem militanschen 
Territonalgericht vom 17- Januar 191S in Zurich, dafl Fe r n au (Latt), ,der erne 
von der Entente sehr geschatzte Tatigkeit entfaltet", mit dem m die Zurcher 
Unruhen vom November 1917 verwickelten aufruhrerischen Ehepaare Acklin 
im Interesse der Entente politisch verkehrte (, ( Neue Ziircher Nachrichten , 18. Ja- 
nuar 1918). 

H«Jse. Entente-Freimaurercl. If. 4 



- So - 

die Welt in Brand", obschon bewiesen ist durch die Geheimkarte, daB zu- 
mfndestens den e n gl i sc h e n H och schot ten - denen tried e in tran- 
ter Freund ist! - seit einem reichlichen Menschenalter die Z e r s t uck e - 
lung Deutschlands und Osterreich-Ungarns auf dem Wege cines Kneges 
eine Ehrensache geworden war . . .) l ) , 

Tatsache ist fur jeden Unbefangenen, daB B c 1 g i c n fur England 
eine Bastion, eine Feste auf dem Festland bilden soil : em enghsches Ein- 
flufigebiet diesseits des Kanals (siehe unsere Geheimkarte). Das geht schon 
daraus hervor daB Lees Smith im englischen Unterhause (nach emer Renter - 
d^che vom November 1917) «* -thentische N^ictohjTO 
denen zufolge ein Geheimvertrag die Alliierten verpflichtete Frankreich 
oder Beleien einen Teil Deutschlands, der durch und durch deutsch 1st, 
auf dem Unken Rheinufer, zu verschaffen, und es wird bestatigt damit, 
daB sowohl die belgische Regierung in Le Havre als die britische Regierung 
es audi im Februar 1918 ablchnt en , auf Graf Hertlings Einladimg hiii 
mit Deutschland urn Frieden zu verhandeln, obwohl Oeutschland 
allenAnspruchaufBelgienvonsichwies. Selbst Rudolph 
S a i d - R u e t e der mit der deutschen Auslandspolitik fast in keiner t orm 
einig ging, sagte'in einem Brief e an den deutschen Gesandten in Athen, den 
Grafen vonQuadt-Wykradt-hny (aus Ouchy-Lausanne i 7 . No- 
vember 1914, wiedergegeben in den bei Orell FuBli, Zurich erschicnenen 
Rneteschen ..Politischen Korrespondcnzen"), daB Reichskanzler von Beth- 
mann-Hollweg von der Teilnahme Englands am Weltkriege uberrascht 

worden sei. -n 1 j 

Fur unsere Betrachtung wichtig.sind eimge Satze aus dem Buche des 

englischen Schrif tsteliers KD.MorcI, .Truth and War" * ) in denen von 

de? „Geheimdiplomatie und dem Schicksal Englands 

die Rede ist: 

Am 3. August (1914) hielt der englische Minister des Auswartigen eine leiden- 
schStlichi Rede zugunsten der Teilnahme Englands,™ Kriege Frankreich* 
gegen Deutschland. A n g ebl i c h war das Parlament vollig frei in semen Ent~ 
schlussen. Zweimal im Jahre 1 9 1 3 . zweimal wieder r 9 1 4 war dem englischen 
Volke versichert worden, daB es in keiner Weise gebunden sei, an eincm kon- 
tinentalcn Kriege teilzunehmen. Ac jenem 3. August nun enthullte 
(Br ■ ) S i r E d w a r d G r e y , d a B mit Ermachtigung der englischen Regierung, 
richtiger unter Mitwissen der drei en t sch e 1 d e n d e n MUg 1 e- 
der des Ministeriuma, schon seit derKr.se von 1906') und 
seither wiederholt K o 11 v e r s a t i o n e n d e r e ng 1 1 s c h e n H - 
res- und Flo ttenleitung mit den Generalstaben der tran- 

') Im Februarheft 1.919 der ..Friedenswarte" sekimdiert „fme dcutsclie Frau ( ; ; 
Elsbeth Friedrichs, eifrig ihrem Meister Fried. In ihrem Aufsatz Tseue Frauen 
i ordert sie , s das selbstverstandliche Himiehmen d«r auf erlegtcn Waff en- 
stillstandsbedingungen", „und sollte auch dies und das daruber zugmn de g ben 
Fran Friedrichs wiinscht „ern einmutigeg Unterwerfen": „diese Gemuts- und Gei- 
sUsverfassurig ist unerlaBlich fur uns (Deutsche), «m als gleich geachtete und 
sleich berechtigte Mitglieder am Vblkerbund a n g e n o m m e n zu werden . 

>) Te hveise in detacher Ubcrsetzung unter dem Titel „Die Wahrheit uber den 
Krieg" in einem Sonderheft der bei Orcll FuBli In Ztirich erschienenen ..Internatio- 
nalen Rundschau" (5. Dezember 1916) erschicnen. v ■■„;., 

») I9 o6 handelte es sich urn die Marokkopolitik des Maurer-Protektors Kon.g 
Eduards VIL und seines Logcnfreundes Delcasse die trota : des 1904 -™ a % T *r 
tenden Delcasse weiterbestand und fast damals schon den Krieg brachte. ^Vgl. 
Bolligcr, ..Weltkrieg", S. 68 ft".} 



— 51 ~ 

zbsischen Armce und Marine stattgef unden hatten, in 
welchen ein g e m c i n s a in e r Kriegsplan 1 ) ausgearbeitet 
worden war... Gewifl, diese „K.onversationen'* begrundeten keine 
tormelle iuristische Verpflichtung zur Teilnahme am Kriege, abt;r mehr als das: 
eine Ehrenpflicbt. Sir Edward Grey „teilte mit, daU er...an Prankreich 
beruits englische Hilfe vcrsprochen habe und schlofi mit der Erklarung, daB . . . 
die Ehre Englands in dieser Sache boreits e n g a g 1 e r t sc w,e es 
anch tatsschlich der Fail war, Im ganzen Lande hatte die {Northchffesche!} 
KucEMTe^e die .Times' vojan, schon tagelang alle Lddenschaften atit- 
g«pehVcht... Jene seit 1906 £ o r t g e s e t z t e n geheimeu . . .Konversatio- 
nen hatten eine moralische Verpflichtung zur Teilnahme an einem deutsch- 
franzbsischen Kriege begrundet . . /' 
Mit Bezug aufdenKonlliktzwischenSerbienundOster- 
r e i c h sagt Morel : 

Der britische Botschafter in Wien hatte schon am 15. Juli IW ■ • ■ er it ih- 
" ren, welchen Charaktcr die ostcrreichisch-unganschc Note an Serbiea haben 
wede (also noch v»r deren Absendungl); er berichtctc am 16. Jul. an das ■ Aus- 
wartige Amt in London, Man muB . . . annehmen, daB dieses (semerseits) dem 
Tnglifchen Botschafter in Pctrograd die Note mitteilte. Am 21. Jul. (I) war 
President Poincarc in Begleitung des franadsischen Mmisterprasidenten und des 
Ministers fur aiiswartige Angelegcnheiten in Pctrograd und zj^s *urd« 
darr.als (schon) die Entscheidung der fraiizosisch-russi5chen(-i|ngl isc hen) 
Kombiiiationen getroffen." Weiter sagt Morel; In Wirk ichkeit hat (zwar) 

Deutschland Frankreich angegriffen, well, weoDeutschUndmch tan* 
gegriffen hatte, es von Frankreich angegriffen worden 
ware. Das ist die Wahrheit." 1 } 

Dem Kriegsplan von 1906 entsprachen Ausarbeitungen des b elg ischen 
Generalstabes a US dem gleichen Jahre r 9 o6 fur die E lS cn bahnfahr der e g - 
s chen Truppen durch Belgien auf den vicr Linien Boulogne-Berguette-Bcthunc- 
Lille Richtung Toiirnai-Dinant). Calais-Hazebrouck-Lille (Richtung Courtrai- 
B ussel I C'Zl Dunkirchen (Richhmg Gent-Ldwen) und Ch=Wr^a, 
Valenciennes (Richtung Mons-Charlerois) fur z.uei Aufmarschplane 11 der G c «end 
Br^sS-Lowea-Aerschot und Dmant-Cinay-Namur-Flmmne bercchnet auf Tag 
und Stumic des 6 bis 17. Mobilmachungstagcs (vgl. die „Norddeut h chc AUgememe 
ZeS'TnThren ..Enthullungcn" vom Februar 1917). J^^"" ^ m ?IfSK 
der ,,v e rbundcten Armcen"(0-w der belgische Gene. ^^^J^ef s^bst 
unterm xo April 1906 sich aitssprachl - emgcschlossen war die vollstandige \ cr- 
pSegmg dcfenglischen Truppen (von 100 000 Mann) * e auch d CT vorauszuschen- 
den Verwundeten, sowie die Bereitstdlung vicler Dohnetscher find fj^da f men 
seUens Belgiensl (vgl. >( Neuc Ztircher Nachrichten" Nr. 67 vom 9. Mjz 1918). 
" Tl- selben Augenblick, in welchem wir £ dic Korrcktur d.cser Stjlle lesen 
fli^en uns die neuesten AVicner Enthullungcn" der )t EuropapreQ ins Hans Ur. 
Roderich Goos ha im E invcrstandnis mit der jctaigeu Leitung des Auswartigen 
m W en eh", Rotbach^ hcrausgegeben, da a die Regierung des \V.ener Julikab!- 
netts von 19 4 schwtr belasten wilU Ohne uns fur oder wider den Grafen 
5 c, old (den damaliKen Tracer der aster retch -m^anschen AuBcipolitik) 
zu rklar^ haben wir nur eines aus diesen „Entlm lun B e£ ' « «hdt n A 
7 (ll |, 1Q14 tagte er.tmali^ a r osterreich-nngarii-che Mimstcrrat unter acm 
L ' d es Grafen Berchtold, „um eine energische Aktion gegen Scrbien zu tie- 
JS en' N Mo lw,B der britische Botschafter in \Vicn schon am 

if Tnli im dies' Sache' Aber Deutschland, das doch in allererster Lime tun diese 
DU e hSe wi^en mtissen (weil ea der Vcrbflndrte der Dona^on-rchK ^ war) 
erfuhr — nach eben den Goos'schen Euthullungen ! ^- erst am 21. bezw. gar erst 
am 24. Juli "daB die Wiener Regierung eine Note gegen Serbien ausgearbe.tet hatte! 
„EuropaprcB" schreibt: 

tateU^i ah«»U "it dem Bemerken, diese am M- JuH d™ Beri«« Ka- 



— 52 — 

Beziiglich B e 1 g i e n s aber geht Morel noch viel w eiter und nil ft so das 
Treiben der Grofllogen mit aufdecken. Morel zeigt, da 6 England Belgien 
nie anders betrachtete als vom Standpunkt seiner j e w e i 1 i g e n Interessen. 
1887 in der ..Schnabeli-Affare" habe es sich gar nicht dafur interessiert, ob 
Deutschland durch Belgien marschiert ware gegen Frankreich: im Gegenteil, 
die \,P a 1 1 Mall Gazette" habe ausdriicklich damals f e s t g e - 
s tell t, dafi die Vertrage von 1S31 und I&39 gegeniiber 
Belgien fiir England gar keine Verpflichtungen ent- 
h i e 1 1 e n : 

,Es g i b t keine euglische Garantie fur Belgien und die Garantie 
EngJauds, Osterreichs, Frankreichs, RuBlands und Deutschlands gehen uberhaupt 
nicht spcziell auf die Neutralitat Belgiens; die Neutralitatsgarantie 
wurde nicht Belgien gcwahrt, sondern den Nicderlandcu! (.Pali 
Mall Gazette', 4, Februar 1887)." 
Ebenso beurteilte 1887 der britische ^Standard", das einstige 
Sprachrohr Lord Salisburys, die Frage der belgischen Neutralitat ganz im 
Sinne der friiheren deutschen Politik. Dieses, Blatt schrieb damals ^(laut 
„K6Inischer Volkszeitung" vom 23 Januar 1917 und „Friedensv\rarte" Fe- 
bruar 1918), daJ3 im Falle einer VerleUung der belgischen Neutralitat durcb 
Deutschland o d e r Frankreich eine kriegcrische Einmischung GroBbritan- 
niens „weder den englischen Wunschen noch den englischen Iuteressen ent- 
spreche", vorausgesetzt, dafi es sich nur urn die zeitweise Benutzung des 
„W egerechts" handle, „selbst wenn die Inanspruchnahme dieses Wege- 
rechts in gewissem Sinne unrechtmafiig ware". — War en die heutigen 
Ententeminister nicht Diener der Weltloge, so wiirden sie sich solcher friihe- 
ren Ausspriiche erinnern. ') Im andern Falle wiirde Bernard Shaw (im 

binett bekannt zu gebeti, walirend die Note in Belgrad am 23, abends uber- 

reicht werden sollte. 
Zugleich benchtet „EuropapreS", daB der deutsche Botschafter in Wien am 21. Juli 
streng vertraulich vom Inhalt der Note an Serbie?u Kenntnis erhiclt. 

Nach dicsen hochoffiziellen Auslassungen der heutigen Wiener Regierung wird 
also ins helle Licht geriickt, daB das britische Kabinett um minde- 
stens sechs Tage iriiher iiber die S e r b c up o 1 i t ik des Grafen 
Berchtold unterrichtet war, als die Regierung Bethmann- 
Hollwegs.,.1 Amtlich aber erhielt Deutschland um keine Stunde Jriiher 
Kenntnis von den Absichten der Wiener Regierung, als die anderen europaischen 
Regierungen, — denn alien Regierungen ging die Note gemeinsam, d. h. z u r s e 1 - 
ben Z e i t , zu! 

*) Wenn Br.-. Dr. Fried — ein mosaiscu geborener Gahzier und absoluter 
Freund der Entente — , der auch in der „belgischeii Frage" dtirehaus nur den 
Standpunkt der Entente gelten laBtl — in seiner „Friedenswarte" darauf hin- 
weist, daB Bismarck im Jahre 1887 in der „Post" Deutschland als das Land be- 
z^ichnetc, das gewohnt sei, Vertrage ztr achten, und deshalb beziiglich Belgiens 
auf der Garantie von 1839 beharre, so 1st damit jedoch nur die Stellung Bismarcks 
im jahre 1887 gegeben und nicht diejenige, die Bismarck vielleicht 1914 eingenom- 
tnen haben wurde. Durch das mehr'als dreifligjahrige hinterlistige Treiben 
der Entente-Maureiei ergab sich mit der Zeit eine vollig andere Situation und da- 
mit auch mancbe Anderung in der bismarckischen Tradition. (Das schlieflt freilich 
nicht aus, dafi in der nachbisrnarcklschen Zeit von Deutschland diplomatische Feh- 
!er brgangen worden sind. Und ohne daB wir uns mit Rudolph Said-Ructe 
[ r ,Zti richer Post" Nr. 237 vom 23. Mai 1917] identifiVieren wollen, konnen wir ihm 
doch dahin zustimmen, „daC es iiber die rein mflitanschen Notwendigkeiten hin- 
aus sicherlich noch viele und nicht minder schwerwiegende Momente gab, die der 
leitende Staatsmann zu verantworten hatte". Jedenfalls hatte die deutsche Re- 



— 53 — 

„New Statesman") kaum gesagt haben, „dafl der belgische Neutralitats- 
vertrag von 1839 nicht das Papier wert sei, worauf er geschneben wurde , 
und daB England den Krieg auch erklart haben wiirde, wenn es diesen Ver- 
trag gar nicht gegeben hatte 1 ). 

Und dann sagt Morel zu allem Oberflufl.noch, daB es fur England 
nach dem Fachurteile von Oberst Repington schon i 9 1 1 ganz s e 1 b s t - 
verstandlichwar, dafi Deutschland — falls es in einen Kncg nut 
Frankreich veiwickelt werde — durch Luxemburg und Belgien 
offensiv vorgehen musse, weil Deutschlands Arraeen die befestigten 
Linien an der franzosischen Grenze nicht bezwingen konnten und die drei 
schmalen Breschen bei Belfort, Luneville-Neuf chateau und Stenay-Verdun 
als Einfallstore unverwendbar waren. Die deutschen Armeen wurden sich 
(nach eben dem crwahnten Fachurteile) nur den Kopf an Frankreichs Mauer 
anrennen 2 ). . 

Aber noch ganz anders ging BernardShawim August 1916 m der 
„New York Times" gegen Engl an ds Machthaber ins Gericht: 

Grey spricht von Deutschlands Verletzung der belgischen Neutralitat . . 
" Aber Belgien, war cbensowenig unahhangig wie Irland. Fur Frankreich 
und Kng land war Belgien das Vorwerk gegen X> e u i s c hi a n d; 
das weiB jetzt jede^ Mcnsch, ausgenommen die Leser der.. -Londoner tl a 1 b - 
pennyblatter (der Northcliffe, Burnham usw.) - . . Wenn Grey 
noch irnnier behauptet, daB England (von Deutschland) iiberfallen worden sei, 
trotzdem das euglische Kriegsministerium b n c h s t a b 1 1 c h a n - 
erkannt hat, daB schon fiinf Jahre vor diesem Knege die (eng- 
lischen) Plane in Flandern sorgtaltig vorbereitet worden seien und daB der eng- 
lischc Oberbefehlshabcr schon damals das (belgische) Gelande stud.ert habe, 
ferner daG die englische Flotte mit Munition fur fiinf J a h r e versehen worden 
sei, was hbrigens in dem Abkommeti (mit Belgicn-Frankre.ch) zur Bedmgung 
gemacht worden war, so ist es klar, daB Greys PplitikJ dem oft ge- 
brandmarktcn Machiavellismus entapneht... 
Der ernste Leser kann Englands so gefahrlicher Geheim- und Logen- 
politik auf Schritt und Tritt folgen. Im Mai 1 9 1 1 erschien in Paris em 
Buch }t La guerre qui vient?" cines sonderbaren Franzosen *) Francis 
De 1 a*i s i, in dem sich folgende Satze finden: 

Den Versuch, Deutschland einzokreisen, hat 1904/05 bereits (der franzosische 
" AiiBenmiiiister) Theophil Delcasse unternommen, und zwar in Uberemstim- 

gierung - die mit Recht so gut wie jede andere Regierung ihre Geheimdiplomatic 
uuterhielt - herausbekommen raiisseu, wie die Entente-Logen durch drei und 
mehr Tahrzehntc hi^durch arbeitcten. Bismarck offnete auch m Logensachen 
die Augen und seine Nachfolger batten cin Gleiches tun mussen. Dies wurde von 
ihnen versaumt, und so gewann der Logaimatenali^mus Englands seine voile 

^n Vgl. Dr. Taul Ilerre: „An die Neutralen" (Zurich 1917)- . 

*) Vgl. .Internationale Rundschau", Morel-Heft 15, S. 695/96. Oberat Reping- 
ton war bis zum Januar igi8 Militarkritiker der freimaurerischen Times , bia i es 
fiir ihu zum offenen Bruche mit Br.'. Northcliffe kam. Fr ,st daraufhni in die Re- 
daktion der konscrvativen M Morning Po&t f< emgetretcn. r 

s ) Sogar nach Furst Lichnowsky ( 1( Meine Londoner Mission ) war (*reys 
EinfluB im Auswartigen „.iahezu unbesehrankt"! Die Lichnowskys gehorten der 

^^^Emer^onderbare^'Franzoscn'' deshalb, wed sich h i titer Del ai si der spatere 
arge Kriegshetzer nnd Deutschenhasser Br.'. Gustave H er v c verbirgt, der sich 
vom Gcgncr des Maurcra Delcasse zu dessen pol.tischem Glaubensgeno^en cha- 
maleonhaft umwandelte. (Vgl. fJ Neue Ziircher Nachnchten" vom 28. Dezember 1918). 



— 54 — 

mung mit dem engliscfjen Kabinett. ') . . . Er versuchte, Itaiien vom Drei- 

bund' abzusprcngen, unterhandelte in Petersburg/ intrigierte in Konstantinopei 

und legte es darauf an, das isolierte Deutschland durch England mit Frankreiche 

Unterstutzung vernichten zu lassen,.." 

Wenn em Logenbruder tiber einen anderen Bruder Maurer solches 

schreiben konnte, wird die Wahrheit desselben nicht mehr angezweifelt wer- 

den konnen, trotz aller Mohrenwaschereien der Maurer vom Schurzfett und 

derer ohne Regalie, zu welch letzteren der schweizensche HetzjournaKst 

Samuel Zurlinden im bcsonderen zu zahlen ist. 

Erganzend lesen wir auf S. 70 von Dr. Bolligers ; ,Weltkrieg undChristen- 
turn" aus einem denkwtirdigen Briefe des Anfang August 1917 verstorbenen 
belgischen Gesandten Baron G r e i n d 1 in Berlin vom 5. April 1906: - 

t) ...dafi der Konig von England (Eduard VII-). . . Herrn Delcasse in eine kriege- 
' rische Politik hineingetrieben und ihm das . . . Versprechen gegeben habe, 100 000 
englische Soldaten in Holstein zu 1 a n d e n . . ." *) 
Hier zeigte sich deutlich Englands Absicht, die ja unsere Gchcimkarte 
belegt, bei passender Gelegenheit den deutschen Norden fur sich 
wenigstens im Sinne einer britisclien Oberregierung zu okkupieren . . . 



NSheres zur ^Verletzung" der belgischen „Neutralitat". 

Kurzwollen wir nun die „belgi sche Frage"nach in anderer Weisestreifen. 
Kannen voll Tinte sind verse huttet worden, um die furchtbare „Ungerech- 
tigkeit" darzustellen, die Deutschland gegen Belgien veriibt habe damit, 
daB es durch dieses „neutrale' f Land marschierte und im Verfolg der Dinge 
sich auf seine Weise dort behauptete. Auch der Oberste Rat des ? ,GroB- 
orients de France" nahm am 13. Dezember 1914 Stellung zu dicsem deut- 
schen Einmarsch und verdammte daruber alle deutschen Maurerbriider als 
meineidig und abtriinnig gegeniiber der all gem einen Masonnerie. Man 
kann liber Belgien nicht sprechen, ohne EnglandsPolitikzu beruhren, 
die ihrerseits wieder den belgischen GroBorient und den 
„S u p r e me Con s e i 1", d, h. die Hochgrade der Schottenlogen von Bel- 
gien, tangiert. Belgiens GroBorient umfaBt 21 Logen; der Supreme Conseil 
hat vier Areapage vom 30. Grade Kadosh, sieben Kapitel vom 18. Grade 
Prinz Rosenkreuz und fiinf symbolische Logen. GroBorient und Supreme 
Conseil haben gemeinsame Raume, und die Bruder des Hohen Rates sind 
zugleich Brr.', im GroBorient (vgl. das „Handbuch der Freimaurerei'* I, 
S. 85). — Der in der Politik bekannte Br.' . Fernand C o cq von Ixelles 
vertritt die GroBloge Columbia. 

'} Br.-. Delcasse war wiederholt der Gast des groflschottischen Logen- Kdnlgs 
Eduard VI L, und iwar auch dann noch, als Deutschland bereils Delcassfis Ruck- 
tritt wegen dessen kriegshetzerischer Politik erzwungen hatte. Delcasse war dann 
wahrend der Marokkokrisen franzoslscher Marinemintster, wahrend des jetzigen 
Krleges eine Zeitlang AuBenminister, trat dann im Oktober 1915 jedoch abermals 
zuriick, als Deutschland sein Hoffen durchkreuztc. 

*) In den „Belgischen Aktenstiicken 1905/14, Benchte der belgischen Vertreter 
usw." heiBt es in einem weiteren Bericht des Barons Greindf vom 6- Dezember 
1911, dafl England den Franzosen mit einem Landungskorps von 150000 
Mann gegen Deutschland zu HiHe kommen wollte. 



- 55 - 

Schon 1842 sprach — nach G. v. Schuize-Gaevernitz — der belgi- 
sche Mini sterp rasiden tRogier sich dahin aus, dafl das ge^^ 
sche Element in Belgien ausgerottet werden miisse. Seit dem 21. October 
i8S4 ist es den belgischen Freimaurerlogen "gestattet, mnerhalb ihrer Werk- 
statten sich mit Politik zu befassen'). Das hat sich auch unter der Leitung 
des GroBmeisters Br/. Magnette vom belgischen GroBorient und schotti- 
schen Ritus nicht wieder geandert. Schon am Johannesfest des belgischen 
GreBonents 185 4 hatte der dortige damalige zugeordnete GroUmeister 
Br ' V e r h a e g e n die „liberal-demokratische Auff assung des B e r u t s der 
Freimamerei" proklamiert Diese Rede erschien dann im Druck und wurde 
veroffentlicht. Sie erregte besonders in Deutschland Auf sehen, und die Loge 
Apollo" in Leipzig, die GroBloge von Hamburg, die GroBe Landesloge yon 
Sachsen, die National- Mutter-Grofiloge in Berlin, die drei altpreuBj schen 
GroBIogen und die GroBloge zur Sonne crhoben lebendigen Protest gegen 
die Verquickung von Politik und Logentum, dem sich auch die GroBe Lan- 
desloge van Schweden anschloB. Eine Zeitlang wurden auch alle dcutsch- 
masonnistischen Beziehungen zur belgischen Maurerei abgebrochen ). Im 
Februar 1 91 3 bewies der belgische Minister d e B r o q u e v 1 1 1 e in der 
belgischen Kammer erneut die politische b e 1 g isc he Logen ,- 
arbeit, als im selben Monat die Brusseler Loge bezughch der Durch- 
fiihrung des belgischen Wehrgesetzes sich der Unterstutzung der Brr.- . OFn- 
ziere versichert hatted. Nachher hielt der belgische Soziahstenfulirer und 
Staatsminister Br. ■ . V a n d c r V e 1 d e am 5. Juli 1913 in der Rue Cadet ) 
zu Paris vor versammeltem franzosischen GroBorient einen Vortrag 
iiber die belgische Regierungspolitik und d 1 e militarische 
Situation Belgiens (!). In diescr Rede wies Br.- . Van der Velde 
darauf hin, daB die belgische Regierung durch Br.'. Sir Edward 
G rev und Br ■ P o i n c a r e auf die imJitansche Stellung Belgiens auf- 
merksam gemacht worden sei, und daB Belgien durch die e n gl 1 s c h e n 
Tmppen gegen Deutschland vertcidigt werden wiirde . . .*) E111 solches 
Verhalten steht ganz in Elnklang zu jenem belgischen Geheimakten-Fund, 
der im , s BerIiner Tageblatt" (Auslandsausgabe) vom 4. September 1917 be- 
richtet ward. In den belgischen Archiven f and sich unter den Papieren des 
Staatsminisrers Barons Lambermort cine A u f z e 1 c h n u n g u b e r e 1 n e 
Unterredung mit dem englischen Gesandten Lord Vi- 

i) Vgl dazu H. Gruher in der ..TheoL-praktischen Quartalschrift", Linz 1916. 
S 65Q fernerH.Gruber in den .Stimmendcr Zelt", 1915, S.S^Cunter Berufung auf das 
BuHetin" 5911 des belgischen GroBorients 1910/11, 87)- - Bemerkenswert ist auch 
die Ingahe Dr. Brwrweileis auf S. 11 seiner )T Deutsclien und roman.schen Frei- 
mSurTrd-, daB auch die liberaUaozialistlacben Ho ch B r a dfreimaurer dos Belg en 
benachbarten Luxemburg (der Supreme Conseil von Luxemburg) durch 
Deutschfemdlichkcit glanzen. Man konnte diese Tatsache ubr.gens dt irch alle 
Taeesblatter in dem Augenbl eke er eben, als Deutschlands Stern zum brbleichtn 
kam Da reckten sich auf einmal alie Maurerhalse, die vorher nnr geheim intn- 
«EXen L Uutem Geschrei gegen Deutschland und wider die eigene inxemburg,^ 
sche Dynastie empor. , . J( 

3 ) Aligemeines Handbuch der Freimaurerei lb. B5- 

8 ) Vj?1. Brauweiler, „.'. -Bruder im Weltkrieg", S. 15/1&- 

-) Rue Cadet 16" ist der Logenpalast des ..GroBonents von Frankreicli . 

fi ) Ebda. S. 16. gestutzt auf das Pariser Logetiblatt „Acacia' vom September 
1913. 



- 5 6 - 

v i a n vom 27. Januar 1887 1 ). Damals schon erklarte Lord Vivian, Belgien 
konne im Kriegsfalle auf die englische Unterstutzung rechnen. Dafi diese 
einzig gegen Deutschland (und nicht etwa auch gegen Frankreich) sich 
richten wiirde, ergibt sich daraus, daft neben Br.' . Grey auch Br.* . Poincare 
die belgische Regierung zu militarischen MaBnahmen veranlaBte. (In der 
liier angefubrten Aufzeichnung wurde zum OberfluB noch der rumanische 
Gesandte Mitilineu genannt, von dem es heifit, dafl er — schon 1887!! — 
der Zuversicht Ausdruck verlieh, dafi Rumanien binnen acht Tagen 150 000 
Mann nebst vorzuglicher Artilkrie zur Losung der bulgarischen Frage in 
die Wagschale werfen konne.) Endlich bestatigte der GroBmeister Br. ■ . 
Graf Eugen Goblet d'A 1 v i e 1 1 a vom 33. Grade, der jetzt Vizeprasi- 
dent im belgischen Senat ist, in einem Schreiben an den verstorbenen Flo- 
renzer Grofimeister Br.-. Fera die freimaurerische Politik mit den Wor- 
ten: „Wir haben das SelbstbewuBtsein, (im jetzigen Weltkriege) fur die 
freimaurerischen Grundsatze . . . zu kampfen . . ." 2 ) 

Am 15. Juli 1 91 5 hielt nun nach den vorliegcnden Meldungen der eng- 
lischen Presse Br.* . Lord Haldane im englischen Nationalliberalen Klub 
eine Rede, um darauf hinzuweisen, dafi er als ehemaligcr Kriegsminister 
alsseinVerdienstin Anspruch nehmen konne, England fiir den 
Kriegmit Deutschland mehrere Jahre vor Kriegsausbruch unauf- 
fallig vorbereitet zu liaben & ). Zudem berichtete der ^Berliner 
Lokalanzeiger" im Friirrjahr 1916 — was dann spater bestatigt worden ist 
— von Indtskretionen des englischen Generals Townshend (der 
die Ubergabe von Kut-el-Amara an die Tiirken Jeitete und 1909/12 die briti- 
schen Besatzungstruppen in Siidafrika befehligt hatte). Nach den Aufie- 
rungen Townshends fanden, bevor er selbst nach dem Siiden ging, in sei- 
nem Beisein geheime Kriegsberatungen statt zwischen 
britischen, belgischen, franzosischen und russi- 
schen Militar-Delegierten, die zum Ziele die Zertriim- 
merungdesDeutschenReich.es hatten ; dabei habe England 
die Verpflichtung iibernommen, innerhalb der er^ten Kriegswoche 150000 
Mann in Belgien zu landen, um im Verein mit den belgischen 
Truppen in die Rheinprovinz einzumarschiercn, wah- 
rend die Franzosen durch die Vogesen und die Russen durch OstpreuBen 
einhrechen wiirden, Zu gleicher Zeit war engliscberseits den Buren fiir 
Hilfeleistung im Siiden Deutsch-Sudafrika zugesprochen 
worden. 

Wie in Vorwegnahme von Morels Anklagen gegen England warf 



5 ) Man beachte bci diesen alten Jahreszahlen immer, dafi damals schon 
tinsere Geheimkarte in den englischen Geheimzirkeln bekannt war! 

? ) Nach der „K61nischen Volkszeitung" vom 30. September 19 IS unter Bezug- 
nahme derselben auf die Mailander „Italia" vom 26. September 1915. — Br.-. Goblet 
d'Alviella ist nach dem „Handbuch der Freimaarerei", II, S. 600, Dozent der Reli- 
gionsgeschichtc an der Universitat Brusael, vordem liberaler Deputierter, seit 1892 
im Senat, war im besondereti befreundet mit Br. 1 . Konig Eduard VII. 
von England, den cr auch auf seiner Indien-Reise begleitete. Seit igoo ist 
Br.-. Goblet d'Alviella auch GroBkommandetir des ,, Supreme Ctmceil von 
Belgien", dessen Vizekommandeur er vorher war. Zugleich ist er Reprasentant 
der GroBlogen von Italien, Neusudwales und Neuseeland. 

a ) Vgl. auch „Landesh-jter Stadtblatt" vom 12. Dezember 1918. 



- 57 " 

der englische Arbeiterfuhrer M a c d o n a 1 d im „Lab our Leader;' bald 
nach Beginn des Krieges Br.- . Sir Edward Grey vor, dieser habe seit 1906 
11 den Ki kg mit Deutschland hingearbeitet unter der Voraussetzung daB 
Bcleiens Neutralist von der T r 1 p e 1 e n t e n t e nicht 
beach let werde und Deutschland habe diese Plane durch einen russi- 
schen G oVjrdenirager ubermittelt erhalten . . . Kern Wunder kam.es 
dann sein wenn das Wolffbureau unterm 9. August 1914 mifclte, daB der 
SSSiTatolichen Regierung zuverlassi^e Naclmchto ^eg«i 
hatten dariiber, daB Tripelentente-Armeen franzosischer Natioi latitat an 
de Maas auf der Strecke Givet-Namur durch belgisches Gcbiet gegen 
DeutTchland vorgehen sollten! - ( ? anz naturhcherweise ver«teltc 
Deutschland dieses von der Loge abgekartete tbereinkoramen). 

Dafiir konnten aber die seit den ersten Tagen des Weltkneges in Pa- 
ri s sich auf haltenden belgischen Freimaurer (nach dem ..letjt 
Pa riB^en" wie ..lnf.-untcrm 11. Februar 19 17 berichtete) „emen flammen- 
den Protes7gegen die deutschen Infamien" (J an die Freimaurer der ganzen 
Welf mit Ausnahme der falschen deutschen Bruder vom Stapel 
lassen .! Und dies trotz dem, daB der F r a n z o s e Delaisi (Br. . Gu- 
& tave Herve) im Jahre 191 1 geschrieben hatte; 

Wir Franzosen werden es sein, die sich auf den b e 1 g i s c h e n Schlacht^ 

Selb^n t-sIa^^ro^^d^'ConSnt vo^J. Schwdt«r in den 
Neuen Zurchcr Nachrichten" vom 4- Januar 1917.; 
Und dies trotz dem, daB der vor Verdun gcfallene Oberstleutnant 
D r i a n t schon 1907 bekannt hatte: 

C 1 e m e n c e a u denkt an dea Kampf . . ., er kann sich der Vf rpflichtung mcht 

Zudem schrieb der „S°ir" im August 1914 selbst, daB die belg.se he 
Relrun^ 7u ErhOh'^ng ihrer Neutralitat" Besprechungen m. Frank- 
fekh %or Kriegsausbrueh gehabt hatte; a ueh hatte n ach Brusseler Bne- 
ien") unmitte bar vor dem Vorgehen Deutschlands in Belg.en der be 1 g 1 - 
XT ig Albert eine franzosisehe Militar-Miss.on n, Brussel 
empfangen. Viclleieht ist auch bemerkenswert, daB „G,1 Bias es am 
emptangen. v ^.^ ^^ mltzute ^n, daB 

ditFestung Maubeugi sehon damals reiehlich mit englischer und franzo- 
ssehcr Munition ausgeriistet worden war. Dies wohl deshalb, um Mau- 
beuge zum T uppeufusammen.iehungsplatz der Entente zu maehen _ 
denn wie die „Neue Ziircher Zeitung" am 5. August 1914 sehneb, hatte 

Belg^n selb tsein Wehrwesen seit J«br«hnten sti»flid. vernaehla s.gt 
_ Es muB uberhaupt „vielerlei gegangen" scin m den obers.cn bch^h- 
ten" der Loge; denn obwohl in jencn Kreisen fortgese zt von d« „Derno 
kratisierung^^ Welt" gesprochen wird, ..konspinertc" ^och to \^B^ 
ger des jetzigen belgischen Konigs - Leopold II. - .m Geheimen auf den 

*) Wir bemerken, daB Clemenceau Mitglied dos „Grand Orient de France" ist. 
(VBl. ancll ..Deutsche Politik", 2. Jahrgang, S 594.) 

>) „Zurcher Tagcs-Anze.scr" vom 26. August 1914. 



- 58 - 

franzosischen Thron 1 ) und die franzosische Regierung wies den Prinzen 
Louis Napoleon auf die b e 1 g i s c h e Armee hin, in der er Dienst nehmen 
solle. Die belgische" Regierung aber t r i e b — wie der 
angesehene Flamenfiihrer Dr. August Borras in einem Interview mit dem 
Journalisten Dr. Contzen aussprach — seit achtzig Jahren eine 
ununterbrochene „V e r f r a n s c h u n g s p o 1 i t i k" 2 ), die auch dem Bur- 
germeister Btils von Brussel zu viel wurde, der in der Verwelschung im- 
mer eine friihere oder spatere Gefahr fur eine Annexion Belgiens durch 
Frankreich sah. — Anderseits stand Konig Albert von Belgien zu Konig 
Georg von England in vertrautem Verhaltnis, — und noch weiter sub- 
ventionierte (wie Alfred Kirchhorf vom „PreBbureau zur Forderung ge- 
genseitiger Kenntnis der Kulturvolker" in der „Chemnitzer Allgemeinen 
Zeitung" im September 1914 mitteilte) der franzosische Bot- 
schafter in Brussel seit einer Reihe von Jahren vor dem jetzigen 
Kriege die belgische Presse mit einer halben Million Franken 
j a h r 1 i c h zu idem Zwecke, systematischgegen Deutschland 
aufzuhetzen. Zu dieser mit franzosischem bezw. Weltlogengelde 
bezahlten belgischen Presse gehorte die vom belgischen Abgeordneten 
Madoux redigierte, hochst einfluflreiche „Etoile Beige", deren Redaktor 
sich noch im Friihjahr 1913 hartnackig weigerte, irgend etwas daftir. zu 
tun, daB ein gutes Einvernehmen zwischen Belgien und Deutschland sich 
entfalte. Mit der Besetzung Brussels durch die Deutschen stellte dann 
Madoux von sich aus das Erscheinen seines Blattes ein, urn, wie Kirchhoff 
schrcibt, Deutschland noch auf diese Art off en zu beleidigen. 

Da nun die Englander die noble Absicht haben, Belgien dauernd 
als britisches EinfluBgebiet zu behalten, so muflte folgerech- 
terweise Belgien „entschadigt" werden. Nun sind cs ja wiederum lauter 
Entente-Freimaurer, die die Friedenskonferenzen der alliier- 
ten Machte" bilden. Belgien ist dort vertreten u. a. durch die beiden 
Sozialdemokraten Justizminister Br. ■ . Van der V e 1 d e und 
Auflen minister Br. ■ . Huysmans 5 ), die es gut verstehen, i m.p e r 1 a - 
listische Politik zu machen. Huysmans forderte als Delegierter 
der Friedenskonferenz am 12. und 17. Februar 1919 das preuBische 
G e b i e t von Malraedy und M o n t j o i e , ferner einen groflen Teil von 
Hollandisch-Limburg (rechts der Maas), und Aufhebung 
des Staates Luxemburg zu Belgiens Gunsten, weil der luxembur- 
gische Staat „im neuen Europa nur cinen Widerspruch bedeute". Natiir- 
lich wird diese Forderung mit dem „Nationalitatenprinzip" begriindet, 
unbekiimmert urn die mehr als bundertjahrigen preufiisch-niederlandischen 
Impulse, die inzwischen in Malmedy, Limburg usw. Geltung haben. Lim- 
burg war schon v o r 1 7 9 4 mit den Niederlanden verbunden. Br. - . Huys- 
mans will die Niederlande mit einem Gebietszuwachs auf Kosten des 
Deutschen Reiches zum Einverstandnis bewegen. Urn selbst aber diese 
belgischen Annexionen dauernd schutzen zu konnen, will Belgien nun ein 
stehendes Heer von 100 000 Mann untcrhalten (ebensoviel wie die Entente 

^..Ztircher Tages-Anzeiger" vom 5. September 1914. 
*) „Zurcher Nachrichten" Nr. 247, 1917. 

s ) Alphemse Huysmans in Brussel vertritt im belgischen Grofiorient die GroS- 
logen St. Domingo und Westaustralien. 



- 59 " 

Deutschland als militarische „P o 1 i z e i t r u p p e" zugestehcn 
will!) gegenuber einer belgischen Armee von 4 2 00 ° vor dem Kriege. 1 ) 

■Urn noch ein iibriges zu tun, wollen wir endlich nicht vergessen, die 
Belgier als Kulturnation zu wiirdigen. Infolge des bedingungs- 
losen Ruckzuges der Deutschen und des sich anschlieBenden Waffenstill- 
standes besetzten die B e 1 g i e r die rheinpreuBische Stadt J ii 1 i c h. Nach 
der „Friedenswarte" vom Februar 191 9 erliefien sie sofort eine -Verord- 
nung des Inhalts, „daB jeder Zivilist, der einen alliierten Ofnzier nicht 

durch Hutabnehmen griiBt und dabei den Burgersteig nicht verlaBt, - 

erschossen wird". Erschwert wurde solche Todesstrafe dann noch 
durch GeldbuBen, die nicht nur uber die fehlbaren Zivilisten, sondern auch 
uber die Stadt Julich verhangt werden. — Fur ein Volk, das sich riihmt, 
fur Mcnschlichkeit und gute Sitte die WafTe zu fuhren, eine seltsame Art, 
der Humanitat einen Tempel zu Dauen . . . 

Rein menschlich ist zum Schlufl dieses Kapitels zu bemerken, daB die 
Mensehen nach kleinen Sittengesetzen zu oft auch die g r o B e n welt- 
erschutternden Ereignisse bewerten, statt sie nach universalen Ge- 
sichtspunkten zu bemessen. Wenn Deutschland das belgische Land uber- 
flutcte, so geschah dies auch darum, weil durch die ganze Volksscele 
eine rein innere Bewegung ging, die mit Moraldogmen, die fur 
das E i n z e 1 w e s e n wohl Geltung haben mogen, gar nicht bekampft 
werden kann. Unter dem Gefiihlswinkel der „Ellbogenfreiheit" strebt 
eine von aller Welt bedrangte Vol'ksseele rein i n s t i n k t i y nach 
Selbsierhaltung und sucht Eisenmauern zu brechen, die sich urn 
sie legen wollen. Das deutsche Volk fuhlte i n s t i n k t i v den gewaltigen 
ihrnichtbewuflten Druck, der von der W e 1 1 1 g e ausging, und 
suchte sich desselben zu erwehren. Es fuhlte das deutsche Volk rein aus 
dem unbewufiten Innern heraus, was seine Heeresfuhrer aus scheinbarer 
Erkenntnis hindcrn wollten ; daB die deutschen Heeressaulen an den Fel- 
senmauerh der Festungen im Wcsten zerschellen raiifiten — und so bra- 
chen die deutschen Heere dort durch, wo sie glaubten, der seit mehr denn 
dreifiig Jahren geschmiedeten Stahlklammer aus der Folterkammer der 
Weltmaurerei zu entrinnen I 



Es empfiehlt sich nun wohl, zunachst einiges iiber die Eigenschaft 
Englands als die fiihrende maurerische Macht 
zu sagen. Es erweisen sich dann sowohl allc iibrigen Ententestaaten wie 
sogar die Neutralstaaten von selbst als verpflichtete Provm- 
zen (Satrapien) gegeniiber der englischen Weltloge. Schon der 
Geheime Archivrat Br.--. Dr. Ludwig K e 1 1 e r in Charlottenburg-Berhn 
muBte auf S. 144 seiner „Freimaurerei" zu dieser Einsicht kommen und 
England die fiihrende maurerische Macht nennen. Und Dr. Heinz Brau- 
weiler (^Deutsche und romanische Freimaurerei", S. 69) schreibtr „Es ist 

*) Vgl. Hermann Fernau in „Wissen und Liben [i , Zurich 1918, S. 25 r. 



6o — 



heute geniigend bekannt, wie sehr dunkle Machenschaften in 
fremden Landern zur Arbeitsmethode der englischen 
Regierung gehoren und ihre E/r f o 1 g~ e erklaren; man darf 
ohne weiteres annehmen, da8 die Freimaurerei ihr dafilr ein williger und 
niitzliclier Heifer ist." Nun, schon Bismarck wuBte, dafi „fremde 
Staaten bedrohen, seit einer ziemlichen Reihe von Jahren das Gewerbe 
Englands" ist . . . Und ^die Regierungen Frankreichs, Italiens und Portu- 
gals lagen ganz in den Handen der Freimaurer, sie waren also leicht zu 
gewinnen, zumal ihre erhofften politischen Erfolge mit den von ihrer Loge 
erstrebten Zielen zusammentrafen und dariiber hinaus eine Erfullung der 
weitgehendsten freimaurerischen Bestrebungen winkte", schrieb der ,,Ba- 
dische Beobachter" Nr. 247, 1917. 

Vielsagend plauderte Dr. Hans H e i d e r i c h schon im Marzheft 
1909 des ^Hammer" aus, wie es diese groBte maurerische Herrschaft 
j.macht" : 

„Es gibt in Europa eine Anzahl von Klein- und Mittelstaaten, die in sich keinen 
rechttn Schwerpunkt besitzen. Obwohl in vieler Hinsicht beneidenswert und 
geeignet, zu einer holicn Stufe des Wohlstandes und der Kultur aufzusteigen, 
leiden sie am Gefiihle der Unsicherheit . . . und geben . . . dadureh . . . fur aus- 
wartige Machenschaften ein geeignetes Feld ab. Auf diese nun hat England 
semen Blick gerichtet, , . . es ist der groBe Bankier, beherrscht die Wirtschaft, 
dringt-in die offentliche Meinung, gewinnt die Fressen fiir sicb . . . Wer aber 
bildet andererseits den naturlichen Mittelpunkt derer, welche sich der britischen 
Umklammerung zu entziehen trachten? Das Deutsche Reich . . . Und hicr setzt 
die englische Presse ein. Sie ist es, dte . . . am gefahrlichsten in antideutschem 
Sinne arbeitet. Sie "sucht dem Deutschen Reiche ... die Sympathien der an- 
dern Volker zu rauben und lockert ihre Bundnisse. Von dieser englischen 
Presse bezieht zum weitaus groBten Teil die Presse der V e r e i n i g t e n-S t a a - 
ten ihre Nachrichten und damit das ainerikanische Volk seine Kcnnt- 
nis deutscher Verhaltnisse. Die romanischen Staaten Italien, Spanien, Griechen- 
land und Rumanien erhalten ihre Nachrichten von der ,A g e n c e Havas* in 
Paris, das (englische) .Bureau Reuter' aber versorgt die ubr jge Welt. Beide 
sind schon sett einigen Jahren eng verbundet ui.d bearbeiten so ziemlich die 
ganze Welt in antideutschem Sinne. Sie haben durchihre lang- 
jahrige nnunterbrochene Minierarbeit fast die gesamte 
offentliche Meinung des Auslandes gegen die dcutsche 
Politik, gegen das deutsche Volk und seine Einrichtungen 
, . . aufgehctzt und den deutschen Namen verhafit und verachtlich gemacht 
. . . Die Blatter des Harmsworthschen Zeitungkoiizerns 
. . . st el le n in aller Welt Deutschland als kriegslustig hin 
. . . und die ihnen zugehorende .Daily News' erdreistete sich im Januar 1907, 
die politische Schopfung Bismarcks und Kaiser Wilhelms 
als die moralisch und kulturell tiefstehendste von ganz Europa 
zu bezeichnen! Die DeutscMeindlichkeit der (Harms worth-Nortlicliffeschen) 
. .Times', der gioBten englischen (Fieimaurer-)Zeitung, ist aller Welt bckannt . . ." 

Im Spezicllcn geht Dr. Heiderich dann ein auf die Art, wie England 
„auf friedliche Wcise" die Klein- und Mittelstaaten Europas fiir sich 
annektiert; 

„An der Spitze (der dem englischen EinfluB verfallcntlen Staaten) steht Portu- 
gal. Es ist der Musterknabe und das Probeland der englischen Eiuverleibung. 
(Daher entstand auch das gcfliigelte Wort: ,England portugalisiert die Welti' 
D. Verf.) Mit seiner vereinzelten Lage, der langen Kuste, den ferncn Kolo- 
nien, der Verschuldung, dem Absatz seiner Weine nach England und seinen 
(von der Logc. D. Verf.) zerrtitteten inneren Verhaltnissen schwimmt das Land 
vollig in englischem Fahrwasser. Gunstiger, . , . aber doch ahnlich liegen die 



— 6l — 

Verhaltnisse in Danemark, Norwegen und Gri cche *!"* <"£ 

schrieb Heiderich 1909!), w«u noch . . . B e 1 g 1 ■«»*** olla nd treteo. 

Von Portugal, Danemark % Norwegen und Griechcnland lallt tfen sagen 

(schon T909" an beachte d.es wohl!), daB sie Bchon jctrt unter bntischem 

Protektorat stehen, . . . Belg,en hat am Kongo Hoi and m SadaEnka die Kralle 

5? (englischen). garden empfunden ^^JX^^^^^^ 

Slo^rn^rorMili;^ ware ein stattliche, Zuwachs 

far das britische Wirtschaftsgebiet , . . 

Der Krieg mit seiner ganzen Wirtschaftspolitik Engiands bestatigt 

n ur, was hie? schon 1909 in breiteren Ausfuhrungen w le eine Werninw 

an das dentsche Volk dargestellt - aber n.cht gehort worde^ ,rt D,e 

Methode aber, wie Portugal „portnga Hs.eTt" worden 1st, _deutet Dr. 

Heinz Brauweiler mit den Worten an: „D,e erne Tateeche spr cht B ande, 

dafi England die Freimaurerrevolution in Portugal offen begunstigt hat, 

und daB der lusitanisehe (portugiesische) GroBmetster Br • M ; a g a J - 

h a e s Lima 33 . ■ . von der englischen Freimaurere! mit grofien Ehren 

ausgeze chnet worden ist." •) Brauweiler zitiert dann m se.nem „Welt- 

krieg" S. 92 den folgenden Satz aus der ..Suddentsehen Konservativen 

Korrespondenz" vom 1. Juni 1915: 

Ergiinzen kdnnte man das, was Engiands £ Politik seit Jahren ™«r, nut 
dem Satze des Admirals z. D. K i r c h h o f f zu Kiel in der ,,Pfalzischen 

P«sse" vom 2. November .914: Schon in der Mltte des ersten Jahr- 

zehn s im nencn (20.) Jahrhnndert zog England seme starksten Schiff 
aus alien Meeren (gegen Deutschland) in die Nordsee zusammen . . . Das 
war aber nu die Fort.rt.uag einer Politik des englischen Ministers Br • . 
Lord Palmer, ton •), der die 1848 erfolgte Grundung einer deut- 
schen FlSttTdamit „erledigte". daB er erkliirte, alle in der Nordsee fahren- 
aen Dampfschiffe deutseher Flagge seien - „als Piraten zu behanddn . . . 

~~i) In der Danischen Groflloge apionierte der Londoner Br.-. Graf Eduard 
Geors von Lathom. , _ , 

heimbnndes „Jung-Italien Br.'. Uuaeppe jwazzinib w« „ , y . Hecke . 



J 



— 62 — 

Unter all diesen Umstanden begreift man wohl — obschon es nicht ge- 
rade .diplomatisch" von ihr war — , wenn sogar die Londoner Harms- 
worth'„Times" zugestand, dafi die Verletztmg der „apokryphen Neu- 
tralist" Belgi ens" durch Deutschland fiirEnglandnureinKriegs- 
-vorwandwar. 1 ) Aber auch der bekannte englische Intellektuelle Br. ■ . 
Conan Doyle hatte in einem Vortrage, den er am 20. Marz 191 5 zu 
London iiber den Krieg gehalten hatte,. betont, daB der englische Generalis- 
simus French bereits seitfiinfjahrenein genaues Studium uber 
das Terrain gemacht habe, auf dem jetzt das englische Heer den Krieg 
fiihrt. *) Das ist wieder ein Gestandnis dafiir, wie England lange schon 
Nordwestfrankreich und Belgien — ' gemafi dem Schtachtenplane der 
Loge! — als seine Domane betrachtete! 

Doch noch immer mehr Beweise gibt es, daB England den deutschen 
Einmarsch in Belgien nur als K r i e g s v o r w a n d benutzt hat. So rich- 
tete das e n g 1 i s c h e-Bankhaus Royal Bank of Canada, Antilla 
(Cuba) — wohlgemerkt, weit draufien in der Welt, also weithin organi- 
siert! — unterm 28. Juli 1914 an einen seiner Geschaftsfreundc auf 
Cuba ein Schreiben, das folgende Stelle enthalt : 

Da Sie uns urn Umwechseln in M a r k wahrung ersuchen, teilen wir Ihncn mit, 

" dafi es uns augenblicklich unmoglich ist, Ihneti Papiere in Markwahrung zu ge- 

beii 4a wir heute telegraphisch Order er hi el ten, auf Grund deren una 

dieAusgabevon Gires auf Europa verboten 1st, und it war 1st das 

Verbot vcrursacht durch die ungiinstige politische Lage in diesen Landern. 

Es hatte somit, wie wir in der „Neuen Zurcher Zeitung", dem Schweizer 

Logenblatte, vom 2&. September 1914 lesen, schon am 27. Juli 1 9 1 4 — 

also eine Reihe von Tagen vor dem Einmarsch deutscher Truppen in 

Belgien — England an die auslandischen Banken Order 

gegeben, den Geldverkehr mit Deutschland im besonde- 

ren einzustellen. , . 

Wirklich klarblickend aber wird man nur, wenn man noch immer tiefer 
schurft. Man sieht erst beim e r n s t e n Einblick in die Dinge, wie E n g - 
land von langer Hand seinen Aktionen vorgebaut hat. In sei- 
ner Dissertation „Die Devisenpolitik im Weltkriege" schreibt der keinen- 
falls deutschfreundliche Lausanner Dr. Charles Blankart : 

England hat (bei Kriegsausbruch) gleich von a 1 1 e m Anfang an meisterhaf t 
' verstanden, durch t) b e r w a c h u ng des S t e r li ng k u r s e s auf a iu s 1 an d 1 - 
schen und vorwiegend neutralen Markten (z. B. Amerikas,- das damals noch 
.neutral in Gansefuflchen" war) die freie Arbitrage durch o f f 1 z 1 e 1 1 e Stellen 
zurStutzungderengSischenValutazu ersetzen. England gewahrte 
seinen bevollmachtigten Banken in Nenyork, Amsterda m in der 
Schweiz in Spanien und Skandinavien usw. hohe Kredite, die dazu 
benutzt wurden bei drohenden Kurssturzen als Kaufer aufzutreten, wahrend sie 
bei starker Hausse durch Abgaben von englischen Noten bremsend auf die Kurs- 
gcstaltung wir k ten. Dabei sorgte England dafiir, daB seine Vertretcr g c - 
h e i m blieben. Dadurch blieb der Sterlingkurs immer auf guter Hohe. ) 

*) „Munchener Neueste Nachrichten", Nr. 152, vom 24. Marz 19 15. 

2 ) ,Munchener Neueste Nachtichten" 152, 1915. - Br.-. Conan Doyle, Mitghed 
der Hohen 33 ■ " (der Verfasser des okkulten Romans „Mystery o£ Uomber ), 
aennt Deutschland den , t Erzfeind aller humanitaren Bestrebungen" (..Kolnische 
Volkszeitung" vom 13. Juli 191S). „_ ttt . (( .„- . , „.,_* 

») Man kann in Charles Blankarts ..Devisenpolitik mi Weltkriege (Zurich I9i?> 
auch lesen, dafi England am 7. August 1934 das Moratorium emfuhrte, um sei^ 



- 63 ~ 

Fs ist ausgeschlossen, daB ein vom Kriege iiberraschus Land in sol- 
cle VVefe sene Geldverhaltnisse spielend und durch Geheim- 
Z e nt e n regeln konnte. Aber auch Frankrc ch wurde n 1 c ht iron 
deli Feindseligkeiten uberrascht. Dr, Charles Blankart schreibt weiter: 

durch sroBzugig «eY|eU^t werdenkon^ 

vert or Deutschland dabei. 
Wer das vom Weltkrieg uberraschte Land war, ergibt sich aus diesen 

^JSfSfilEL. gfltend machte, ^^J^f^lZ 

^.fn^^e^^^ 

Ebenso suchte F r n k r e i c h v o r Kriegsbeginn s ein e Gu baben «n 
Snde U Gold beimzuholen: im Jam und Jul. 1914 (fo vor 
£™ KriJe"} verzeichtiete F r a n k r e i c h eine G o 1 d e 1 n f u h r allein 

iot Miche") Beachtenswert in Charles Blankarts assertation irt denn 
auch write, dafi zur selbigen Zeit (im Monat J u 1 . 1914. s -o r K nes>- 
■usbnTchl) die samtlieher, Ef f ek tenmarkte der Welt - 
mifAusnahme derer von Genf und Lausanne — geschlossen wurden! Und 
tote1»aSa„ch, dan der Weltlogenstaat E „ g 1 a n d (neben Schweden 

Lhaft die betreffe'nden Nationen im Kurswert schad^te. England 
~^; ig er„ zu verun^iche; ^Z'^^^^^^^^ 

lich meisterhxh verstanden gerade im Uber^eeh andel 5^c« g en gliscbe 

. bankiers zu sichern". In olgedessen achnell e z B. n N^uyo gesehenen 

% Pfund erheblich in die ^ohe und errcichte ,m H ^rbst 1914 « . £ahrte ^ 

' Stand von 7 Dollars (Par.tat des Sterlings 4^65 M 1|JJ> ■ " h Englandi Der 

erbeblichen GoldverBchiffungen aus den y«ein ^gten Maat n ^ ^^ 

amerikanische Hochfinanzier Sir Forga n von de r Mr ^ « dkser Goldversc hif^ 

" £££ T^^ZT^^ St ^.auferischenl Re g ierun S in 

Washington auflerst heftigen Angr.ffen ausgesetzt. 



- 64 - 

a 1 1 e i n konnte j e d e r z e i t seine Papiergeldausgabe durch i m 
Lande befindliches Gold decken (wahrend Osterreich sein 
Papiergeld nur mit i*&% Gold schiitzen konnte!) Das spricht Bande • — 

Doch wir haben die „belgische Neutralitatsangelegenheit" noch nicht 
erledigt. 

Auch die Ausland-Obersee-Ausgabe des ^Berliner Tageblatt" voin 
20. Oktober 1914 berichtet von dem Plan des englisch-bel- 
gisch-franzosischen Einmarsches in Deutscbland a u s 
dem Jahre 1906, derin alien Einzelheiten ausgearbeitet war, und in 
welchem Plan Holland mit eingeschlossen werden sollte. Da aber 
Holland statt eintr Teilnahme am englisch-belgiscMranzosischen Kom- 
plott Heber Vlissingen bezw. die Scheldemiindung befestigte, erfuhren 
dieenglisch-franzosisch-belgischenAbmachungen 
im Jahre 191 2eine Abanderung, aber damit doch nur eine Be- 
statigung. Und am 22^/23. November 191 2 bekraftigte ein Briefwechsel 
zwischen Br. ■ . Sir Edward Grey — dem englischen Auslandsminister — 
und Br.*. Paul Cambon, dem franzosischen Botschafter in London, den 
englisch-franzosischen Bund gegen Deutschland, der wegen seiner Dop- 
pelziingigkeit bei Ausbruch des Krieges den Riicktritt drcier ehrenwerter 
englischer Minister zur Folge hatte (einer derselben war der treffliche Ar- 
beiterfukrer John Burns) *). Wie die Loge zu gleicher Zeit in bezug auf 
RuBland die englischen Interessen festlegte, zeigt das Flottenabkommen 
zwischen England und RuBland, wonach England — Lord Palmerstons 
Politik uber alles ausbreitend, was Meereskuste bedeutet — einen mog- 
lichst grofien Teil der deutschen Flotte in der Nordsee festzuhalten habe. 
Damit war, um die russischen Kulissenschieber im geheimen Weltbund 
ihrerseits zu befriedigen, der Plan verbunden, R u s s e n auf dem Wege 
durch die Ostsee inPommem zulanden: denn zum Kriegsziele der 
Weltloge gehorte der Plan, den ganzen deutschen Ostenbis 
tief zur Mark Brandenburg hinein zu russif izieren ! 
Bei dieser Landung russischer Truppen sollte England die Uberfahrt iiber T 
nehmen, aber auf dem „unauffalligen Wege", daB England vor Beginn 
der Kriegsoperationen, also noch im Friedenszustande!, eine entsprechend 

*) Auch John Burns ist Freimaurer, aber noch einer von jenen wenigen Entente- 
masonnisten, die sich noch etwas von dem alten tiefen und heiligen Sinn des 
Maurertums in die moderne Zeit hinubergerettet haben. Wilhelm Wundt wuu- 
dert sich in „England und der Krieg" (in Heft 2 de*r „Internationalen Monats- 
schrift" des Professors Dr. Max Cornelius, 1915), daB John Burns vor Ausbruch 
des Krieges seine Arbeiterscharen nicht gegen den Krieg mobil machte. 
Wir glauben jedoch, dafl Br.-. Burns das Hochste tat, was cr als Entente-Masonnist 
tiberhaupt vermochte: daB er ausdem Kabinett ausschied. Die strengen 
Logengesetze verboteu auch diesem Sozialistenfiihrer, gegen seine „hbheren 
Bruder vom 33. Grade" aggressiv aufzutreten, angesichts der bei der Entente- 
cordiale-Maurerei von jeher geiibten ..Propaganda der Tat", die nicht nur 
einen Karl I. von GroBbntannien (1649). einen Kaiser Maximilian von Me- 
xiko {19. Juni 1867 erschossen, da er sich nicht durch den ihm immerhin gutgesinn- 
ten, ihn aber absetzenden Br.-. Frasidenten-Nachfolger Chuares Benito Juarez per 
Schiff retten lassen wollte), einen Erzherzog Fran?, Ferdinand (1914), einen. 
Jean J a u r e. s (1914), einen Roger Casement (i9i6)*f and, sondern auch an einem 
Br.-. John Burns das ..Urteil der Loge" vollzogen hatte! Alle die Vorgenannten 
fielen von der Hand der angelsachsisch-romanischen Freimaurer... 






- 65 - 

groBe Zahl von Handel sschiffen in die baltischen Hafen dirigierte . . . l ) 
Das „Berliner Tageblatt", das in d e u t s c h e n Logenkreisen grofies An- 
sehen besitzt, war — wohl durch einen Eingeweihten, der die Mache der 
Weltloge nicht uber sein Herz bringen konnte — in Besitz des „Entwur- 
fes" iiber die gegenseitigen Konzessionen gelangt (dieser Entwurf war 
datiertvom 1 3-/26. Mai 191 4) und veroffentlichte denselben vor dem 
Kriegsausbruche. Der russische damalige AuBenminister Ssasonow bestritt 
zwar im Juli 1914 das Bestehen einer solchen Militar- und Marinekonven- 
tion obschon ein in deutsche Hande gekommener Brief des Adjutanten 
eines russischen Groflfursten an seinen in Paris weilenden Fursten vom 
12-/25. Juli 1914 die freudige Hoffnung auf den >un heraneilenden Krieg ' 
ausdriickte den „diesmal keine Rasputins verhindern wiirden". („Berliner 
Tageblatt"! Auslandsausgabe, III. Jahrgang, Nr. 43) — w * s sa S* en w . ir 
doch ...? RussischeGroBfursten standenim Bunde mit 
englischen Maurern.,. Und was sagte Grofllogensekretar Br. ■ . 
Ulisse Bacci vom 33. Grade ? Er sagte : 

„Es ist unerlaBlich, daB die an der Regierung der Staaten befindlichen Manner ent- 
" weder unsere Bruder seien oder gestiirzt werden!" 

Und der ,.Badische Bcobachter" vom 1. Juni 1917, dem wir diesen Aus- 
spruch Baccis entnehmen, bemerkte dazu: 

,In England, 2 ) Frankreich, Italien und Portugal ist schon seit Jahren em Mim- 

' ster der nicht der Loge angehorte oder ihr genehm ware, undenkbar. Zu- 

gleich muB man bedenken, daB die Logen nur reife, in selbstandiger und imabhui- 

giger Lebensstellung befindliche Manner afe Mitglieder aufnehmen, das heiflt Per- 

sonen, die . . . k r a f t i h r e r S t e 1 1 u n g i m 6 f f e n 1 1 i c hen L e b en sowohl 

wie als Fdhrer weiterer Volkskreise E 1 n f 1 u B fur die (jesamtheit 

haben. Insbesondere ist die Loge bestrebt gewescn, die leitenden politischen 

Stellen mit ,-.-Brudern zu besetzen und in prof an en Kreisen maBgebenden JKm- 

flufi zu gewinnen.. . So werden die weitestcn Krcise mit freimaurerischen Ideeii 

erfullt . . Darum ist die Macht der internationalen Loge eine ebenso unheim- 

liche wie unmeBbare . . . Das intcrnationale Freirnaurcrtum hat jedoch nicht nur 

den Weltkrieg vorbcreitet und heraufbeschworen, es ist auch das Haupthinderais 

des Friedens!" 

Und die „Neuen Ziircher Nachrichten" schrieben in ihrem Leitartikel 

vom 4. Deze'mbcr 191 5 u. a. folgende inhaltsschwcre Satze: 

N e b e n , und wenn es ihr gelingt, ii b e r den Staaten und den ubrigen gesell- 
" schaftlichen Gcbilden stehend, in ihrcr Tyrannei tausendfach als unertrag- 

] ) Erganzrnd hierzu ist, daB der Londoner ^Correspondent der amerikaiiischen 
Zeitschrift ,The Nation" - T we s e - unterm n, August 1914 seiner vielgeleaeneu 
amerikanischen Zeitschrift berichtete, daB England seme Marinc-Oinziere drei 
Motiatevor Kriegsausbruch den Kriegs schiff en zutedte, und daB L o r d K 1 1 - 
chener (der auch Freimaurer war) mehrere Wochen vor Knegsbegmn in g e - 
heimcrBotschaftinBelsieii weiltc, um mit dem belgischen Generalatab 
Dispositionen zu treff en ... Die Mobilisation der britischen H . 1 1 e 
aber war — nach cben diesem Korrcspondenten - mehrere Wochen vor Kriegs- 
ausbruch ins Werk gesetzt (angeblich als Flottcnparade) und dazu standen auJJer-. 
dem bereits am 3- August 1914 - also vor Englands Eingre.fen in den 
Krieg — groflc englische Truppenkontingente schon in Dover (d. 1. am Ubertahrta- 
ort nach Calais!) gegen Deutscbland kriegsbereit (Vgl. Extraausgabe der „Zuncher 
Post" vom 21, September 1914-) . . „. . . - a ^ 

») In England und Amcrika ist es Sitte, in maurenscher Kleidung an offend 
Ikhen Festcn, GrundsteinleRungen usw. teilzunehmcn; es kanu also jedcrraann rjen 
hohen BrT.-. Ministern „ins gratie Logenherz schaucn". 

Heise, Entente Freimaurerei. II. 5 



'.-fe? 



— 66 — 

He he Last empfunden, aber schwer faflbar, weil in die Nacht des Ge- 
heimriisses geduckt, beherrscht die Loge ein en n u r al 1 z ug r ofi e n 
Teil der Menschheit. Mit der Fratension (in diesem Falle AnmauungJ, 
die hochste Blute de r Kultur in sich darzustellen, ruhmte sie sich von jeher als 
die alleinige Spenderin und Schiitzerin der Volksfreiheit, der Gerechtigkeit und 
Humamtat... Aber ... der Sekte entfiel bald die Friedensmaske_ und sie ent- 
hiillte ihr Medusenantlitz (d. i. ibr wahres Wesen des Schreckkchen) . . . Es 
war die Maurcrei, . . . die den Machtkrieg zu einem Kulturkneg stempelte . . . 
Gewohnt politischc Revolutioneii in. Szene zu setzen, schir.ahbcher Bestechung 
iederzeit zuganglich, arbeitete sie mit der ganzen ungelieuren Macht, woruber 
h ie verfugt, mit einer Propaganda, die auch vor den verwerflichsten Mitteln nicht 
Halt macht, fur den Sieg der Revolution . . . uber jene Machte, die noch das Fnn- 
zip der Autoritat . . . anerkennen. Zu Jiesem Zwecke gait es vor allem (auch) 
Italien in das Wirrsal des Krieges hineinzuzerren usw. usw. So entpuppte sich 
die groBe Friedensspenderin' als eine Faktion (d. i- eine parteisuchtige Gesell- 
schaft) die den graBlichaten Verrat an den Vdlkern . . . veriibte . . . Jetzt ist es 
offenbaV, was der maurerische Weltfriede, was maurerisclie Gerechtigkeit, Huroa- 
nitat, Freiheit zu bedeuten hat ... 
Und wie lautet das oberste Gesetz ihrer Freiheit? ,DaH nie- 
mand mehr sich r«gen durfe, ala soweit es der Freimaurerei, dem Zar des Zaren, 
dem Konige aller KSnige genehm ist!' — Das sind die eigenen Worte des 
.Bulletin du Grand Orient de France' 1889/90 und des .Bulletin du Grand Orient 
de Belgique' 1910/11." ^ 

Was aber ist in Wahrheit, 
so fragen wir dazwischen, 

der wirkliche Sinn aller ectiten Freimaurerei? 
Wir finden die Antwort in dem, was tins H. P. Blavatskyins Ge- 
dachtnis schrieb, als die „Gegenstande der Mysterien" entstanden.^Die- 
ser cingeweihte Autor, der am 8. Mai 1891 „in ein besseres Dascin" (die 
Freimaurerei sagt: „in den ewigen Orient") abschied, sagt uns: 

Die Maurerei — nicht die als SchoUische Loge bekannte P o - 
" iitische Einrichtung, sondem die wirkliche Maurerei . . . —- beruht 
nathBr.-. Ragoti, der grotieji Autoritat uber diesen Gegenstand, auf dret Fun- 
damentalgraden: 

die dreifache Pfiicht dea Maurers ist: 
1. zu studieren, wohtr er <als Seele) kommt, 
a. w a s e r (als Seelenwesen) ist, und 

3. w o b i n e r (im Tode) g c h t : das ist das Studium Gottes, seinerselbst 
und der zukiinftigen Umwandlung." *) 

Oder wie Br. - , Schauberg sagt: 
„Die Maurerei in ihrer ti e f s t e n Bedeutung istdie Lehre vom Tode.. . Und 
wenn der Meister fur die hbchsten Ziele des Daseins im Geiste der ewigen Welt- 
oidnung und nach der aller Gestaltung innewohnenden Gesetzmafligkeitmitarbei- 
ten will, so muB er demutig seine irdische Freude und sein Leben mederlegen 
konncn auf den Altar der Menschheit; er mufl imstande sein, zu 1 e 1 d e n und zu 
sterben fiir Wahrheit und Tugcnd und fur die Sache der Gesamtheit. ' 

Am besten definierte die Ziele der Freimaurerei wohl der Br. ■ . Emir 
Abd-el-Kader, aus dem Geschlechte der Marabuts, der im Jahre 
1864 in die Freimaurer-Loge fJ Henri IV." zu Paris aufgenommen und mit 



— 67 - 

dem GroBkreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet worden war. Nach dem 
, } Z i r k e 1" („Lotusbluthen" 1894) sagte er u. a. folgendes: 

Der Mensch soil Gott, den Allerhochsten, ehren, eifrig seine Gebote ertullen, sich 

" ihm nahern und eifrig seinen Eigenschaften nach Kraften nachzuahmen streben, 

als da sind- Mi tie id, Verzeihung, Opferfreudigkeit, Edelmut, Weisheit, 

Gerechtigkeit, Wohlwollen usw. ... Der Mensch soil seinen Mitmenschen weise 

raten fiir die zeitigen und die ewigen Dinge; er soil helfen, indem er den Un- 

wissenden unterrichtet, den Lassigen ermuntert, jedweden beschutzt, den Gro- 

lien neidlos ehrt, mit dem Klemen fuhlt und sorgt . . . Alle SatzungeiT beruhen 

auf zwei GrundUgeu: Gott zu prcisen und MitgefuM zu haben niit den Geschop^ 

fen dieses alterhochsten Gottes. Der Mensch soil bedenken, daB seine Seele und 

die der Mitmenschen gleichen Ursprungs sind, und dafi nur ihre Hullen erne 

Verschiedcnheit zeigen. Jede Seele entspringt aus einem ganzen und emigeii 

Geiste. welchcr ... der Ursprung aller Seelen 1st. Es 1st darum gut fur den 

Menscben, sein (eigenes) Wesen in den andern (Mitwesen) zu heben . . Ver- 

nunft und gottliche Gesetze ?ind daruber einverstanden, dafl derTod, ein . . . 

Verschwinden, allein dem Korper anhange, die Seele aber weder korper- 

lich noch zufallig, nicht zu teilen noch zu zerkleinern . . . sei. f m * eistlg ^ 

Stoff der nicht zusnnmengesetzt und darum unendlich und unsterblich, sei 

die Seele " - Der Emir hofft, ..dafi die .Konigliche Kunst' (die Freimaurerei, 

die die Erketintnis des Menschen auf der hier gezeichneten Basis lehrt), einst 

uber den ganzen Erdkreis verbreitet sein und alsdann alle Volker im Frjeden 

und Briiderlichkeit miteinander leben werden." \^J 

In rechter Wiirdigung dieser erhabenen Auffassung der Freimaurerei 

nahm die B i b e 1 im maurerischen Brauchtum von allem Anfang an den 

> hochsten Rang ein. „Sie ist dem (e c h t e n) Freimaurer das Sinnbild je- 

iner Religion, in der a 11 e Menschen, auch die verschiedener Bekenntmsse, 

ubereinstimmen, namlich des Glaubens an eine s i 1 1 1 i c h e (!) W e 1 1 ;- 

o r d n u n g und an den endlichen Sieg des Guten (!).in der Welt, sowie 

jener Frommigkeit, die...unbekummert urn zeitlichen...' 

Lohn, das Gute tut ..." l ) t 

W i e sich die Entente- Freimaurerei diese Liebe zu Gott, zur 

Wahrheit, zur Bibel und zu alien Mitmenschen vcrgegenwartigt, das off en- 

bart uns der Weltkrieg mit seinem we 1 1 u m s p a n n e n d e n Netz 

1 von Verschworung, Luge, Verrat und Hafi gegenuber den Mittelmachten, 

— das offenbaren uns auch die zahllosen Reden der Entente-Freimaurer 

: : auf dem VorfriedenskongreB in Paris. — das offenbaren uns die schamlo- 

■ sen Friedensbedingungen ... . 

Doch lassen wir noch einige hervorragende Manner den wahren Geist 

der Maurerei besprechen. 

Von Br •. Ignaz Aurelius Fefiler (1756—1839), dem ehemahgen 
Kapuzinermonchund „hervorragendsten, geistvoilsten und grund- 
; Hchsten Forscher freimaureriscben Wissens", stammt das Wort : 

Religion, Philosophie und Geschichte sind die treuesten und siebcrsten Lotsen des 
Alters in den Hafen der Ewigkeit, wie sie in harmonischer Euitracht sich dar- 
stellen, jede der andern zur Grundlage dient, und alle drci von einem und dem- 
selben Geiste beseelt wtrken. 1 ' 8 ) 



J ) Blavatsky entnimmt diese ..dreifache Pflicht des Freimaurers" dem Buche 
des belgischen Masonnisten Br.-. J. M. Ragon („dem groflten und gelehrtesten 
der Sohne der Witwe'O: „Orthodoxie Magonnique". S. 99- 



l ) Vgh Er.-. Dr. Georg Schuster, „Geheime Gesellschaften usw." II, S. Hi 

(l9 °'i*Br • Dr Settegast, ..Deutsche Freimaure r ei ff . S. 88. - Ignaz Aurel Fefller 
war ein spinozisch-herrenhutisch-mystischer Denker, der im Hochgradwesen vicl 
arbeitete und die Hiramsmaurerei begriffen zu haben schemt. 



— 68 — 

Diese sclionen Satze konnen erganzt wcrden durch die herrlichen 
Worte die der urn die wahre und mystische Maurerei so hochverdictite 
deutsche Br.-.J.B.Kerning einst gesprochen hat : 

DIP FreimaurercK die cinst eine Schule des Geistes war, urn diesen Gcist zu 
" D erkennct damit der Meusch in ihm „ leben, «in Da«m..n ihm ™ empfimi™ 
ahig wcrde, diese Freimaurerei soli auch hcute noch Zeugma geben v e st*c 

Freiheit und einer positiven Gottcserkcrmtms. Sic soil ... das gtschrtepene 
Wort GoUes bwtatigen, und so den Angriffen ant die Wahrheit dcr Religion 
b««nen Au dif.c Art steht sie mit Kirch e und St a>it auf das mn.gstc 

vSn.". uhd wirkt zur Wohlfahrt der Mcnschheit . . ." Comings Leben 
und Schriften"). 
Und der deutsche Br.-. Dr. August Hornef f er („Symbolik der 
Mysterienbiinde") sagt: 

Die Freimaurcm ist em Glied der groDen Kamilie der Mysterienbunde . . . Die 
* Linie sent von den . . . Ktdtverbanden der Babylomer, Asyptcr. Inder, Perser 
VordefSaten Griechen, Romer zu . . . den chmtlichcn . . ■ Engbunden des 
Mittelalters . '. . und endlich zi; i den Symbols chopper i der neu^ren Ze t . . . 
<<; n/ii) Es war eine \\ eisheit des Herzens . . . tb. 37J- ..uie art-i^erum* 
ind 13 Erhdhung des Menschen ist das Eel . . ." (S, 3?). „Di C J"'™^ 
tnacht mit dem G e d a n k e n der h e i 1 i g e n A r b e 1 1 ernst; sic wagt e*. 
SSkxbct fu? heilig zu erklaren und den ganzen unge tedten Menschcn . . ., 
3Jt ganze sinniiche und geistige Welt hcilig zu sprechen (S. 209). 
.,1b dcr frtmiaurcrischcii wie in jeder andem MyBteriensymbolik ist d« \\ 1 e d c r - 
a-efiiirtsaeheininis das A und das O . . , Allem durch die ... ^e- 
ftltfeun? d« (^lichen) Wiedergeburt erlangt der Freimaurer die Mewte- 
schaft . . ." (S. 67). 
DieLoeenun freilich, die w i r meinen, die E n t e n t e - We 1 1 - 
1 o 2 e der « Grade, und die auch Blavatsky (der begeisterte Alitor hoher 
Eingeweihtenkreise) schon vor dreiBig Jahren - mci nte r sie treibt etwas 
ganf anderes, als des Mcnschen tiefstes innerliches Sehnen nach seelischer 
Wiedergeburt zu fordern. Blavatsky crkannte die politischc Geheim- 
bruderslhaf t« der „Schottischen Hochgrade < als das, was sre 
blieb ■ als die a b s t r a k t e s t e der „Demokralien , die aber p r a k - 
tisch nur das Leibgedingc" einer gcwissen Anstokra- 
tie (Plutokratie und Oligarchie) „und des personlichen Hhr- 
geizes" war (..lsia cntschleiert" II, S. 375)- *? sahen derm unserc 
Zeitgenossen die schottischen Hochgradmaurer in Gememschaft mit .dem 
italischen „Gron-Orient" am 20. September 1915 in denitahschcn btadteii 
ein Manifest an die Mauern anbeficn, in dem die im Geiste wahrer 
Maurerei gehaltenen Friedensbemuhungen Papst Benedikts XV. verhohnt 
wurden . . . 1 1 ) 

Wir haben im Vorangehcnden vcrsucht, ehuge Andeutungen au 
geben wic und auf wclche Weise die Internationale Eine Partei " die 
fweltendcmokratie" zu errichten gedenkt - um mit dcr Phrase von 
Humanitat und Toleranz alles unter den leitenden Willcn des ,^arcn 
allcr Zarcn" (wic sich die WeKlogc selbst nennt!) zu zwmgen. Wic 
oben gesagt, gilt nachst der Einiuhrung der „Wcltrepubhk ( die 

Vgl. „K T eue Ziirchcr KachrJ" Nr. 334 vom 4. Dczcmbcr 1915. 



- 69 - 

Durchfuhrung des Nationalitatenprinzips 

als Ziel der Weltlogenkette. Der seitherige Groflmeister des „GroB- 

oricnts- von Italierr, Br.-. Ettore Ferrari hatte bereits in seinem 

Rundschreiben vom 2 7 . Dezember 1908 (nach dem „Bad. Beob. Nr. 247 

des 55. Jahrganges) folgcndes verlautbart: 

GemaB nnscrer inncraten Uberzeugung kaim sich cinzig und alleiu mittels der 

zTsSunenf a SW ,i« d« verschicdenen Volk s.tauime . n . r e , c „ » d u u a b - 

,-„„;„„„ c taa teii nach nationals ti GesichtspunKten \a. a- 

land d« McnschengcacLlechts (eben die treimaurer.sche Weltrepnblik) b.lden. 
Es ist uber das N T ationalitatenprinzip vicl geschrieben worden Tat- 
sache ist, dafi jede Nation zur Zeit i h r e r B 1 u t e ei n e M is - 
si on zu er full en hat. Wann diese Blutezeit ist, das ergibt sich 
aus dem WirUen des betreffenden Volkes. Kcinesfalls kann man olgern 
dafilede Vat 101. zu jeder Zeit ihre kulturhistonsche Blutezeit 
babe Rass'en und Volker steigo, auf, wenn h ^ere Weltengei^esmachte 
sich ihrer bedienen konnen, wenn die Rassen und Volker jugendhaft sind. 
Rassen und Volker sind cinmal Jung, dann altern sie. wie alles m der 
nhvsischen Welt. Alt sind sie, wenn sie sich ungeeignet crweisen neuen 
I ebensformen ah Trager zu diencn. Dann .vird die Wcltgescluclite fur 
\fe Z : Weltgericht. fst es aber so, daB die Volker in ihrcn Kulturmis- 
sionen auf- und absteigende Kurven durchlaufen, dann kann nur aus 
dilettantipchem limpfinden heraus einer immerwahrenden Oleich- 
bcrechtigung der Volkerschaften untereinander das Wort geredet wcr- 
den Die Weltlogc verkundet in phantastiscbcn Programmen die Welt- 
demokratie auf Grund des Nationalitatenprinzips, d. h. sic verlangt, dab 
eincm jeden Volke die Sclbslver walluiig gewahrt werde ). In 

*\ Br • Lh»vd George - dcr auch noch 1919 an alien urspriinglichen Kriegs- 
ziel™ Ensiands festhalt, die die Mittclmaehte zn zertrummcrn bcstimmt sind - 
fir. erte in seiner Rede an Kongrcfl des englischen ArbeiterByndikats vom 5- Januar 
i«8 a.Vl fur "he Eing«borencn dcr dcutacheu Kolonicn .cue I r 'c 
Z 11 em bar VenvaltSng^ ..die in ersUr Linie d«, Wun.c hen und Inter- 
cs sen der Ein.ebnrcncn Rechnnng trascn soil", mit andeni Wortet, d s Rccht 

sich ^-lbst zu verwalten, so^it dies im Piano dcr crmlisclicii Pobtik » n A±r »^ 
ifegt" einer ftiiheren Rede hatte der selbe Br.-. Loyd George gesagt daB 

cin KoiiE.cfl" dariibcr entscheideu sollc, was mit DeutBcblands KrJomcn und UW 
eVobcrtc 1 turkischen Gebicten W crdcn .viirde (wozu der ..Manchester Otiardian 

fur den WeTnach Agypten nnd Indicnl Fur Westafrika aber wolltc Smuts bcider- 
« it. de, W^e KaS-Kairo-Agypten-Kalkutta Enebnnd ? c R e ?1 iber u b c fhaiip 
kcinen rem'den Re^itz ^tatten (wie der chemabge Lntor des deutscb^ 
k cine 1 t u i u Ftbruar 1918 im llcutfichcn Retchstng aus den 

Werc„/dVr K,acnt™ach(o >o», 26. Janvar .010 ^rUwtc Br.-. Gc.ral Smut. 



__ ?0 — 

Wirklichkeit wcifi die Logenfuhrung so gut wie jeder einsichtige Menscli, 
daB sehr viele Volker sich gar nicht selbst in fortbiklender Weise regie- 
ren konnen. Die englische Maurcrschaft weifi das sogar vielleicht am 
allerbesten, wahrscheinlich sogar noch viel besser, als ein Br.-. alt-GroB- 
meister Ferrari das weiB. Dcnn England will den von ihm unterjochten 
Volkern doch gar keine wirkliche Freiheit geben — man denke nur an 
Irland, Indien und Agypten, oder an Portugal — , im Gegenteil, es schlagt, 
wie wir schon gescben haben und weiter sehen werden — lmer neue 
Volker in Banden, nicht zuletzt bevormundete es durch seine getreuen 
Logendiener, die Brr . ■ . Ferrari, Sonnino, Ernesto Nathan, Boselli, Oliva, 
Corradini, Federzoni u. a. (die alle im Sinne der intervention" Italiens 
auf Seite'der Entente gewirkt haben) das fruher dem „Dreibund" zuge- 
horige Italien, Man beachte auch, daB auf dem International Volker- 
bundkongrefi in Bern im Marz 1919 ein arabischer Notable mjttcilte, dafi 
das Pariser neue Weltfriedensstatut uber 70 Millioncn Araber 
und iiber 400 Millionen Mohammedaner olme Sang und 
Klang lunwegschritt, ohne der Rccbte dieser fast 500 Millioncn iibcr- 
haupt nur zu gcdenken. Wenn also ein Volk sich aufsteigend, das andere 
niedergehend sich zeigt, dann kann doch nur das sich emporhebende Volk 
die fuhrende Rolle haben, und nicht zugleich auch das Volk, das abwartb 
schreitet *) . Nun hat, urn das Beispiel Osterreich und Serbien 

S ii'd w e 5 t a f r i k a im Namen Sudafrikas (das ja englischer Besitz ist). 
„Uber diescn Punkt besteht volliges Einveriiehmen zwischen den Alliierten", 
schrieb Havas. Nach dem „Matin" vom Anfang Dezember 1918 erklarte General- 
prokurator Smith in Liverpool: Wir haben das Recht, dem Feinde alles 
bis zuni letzteu Rap pen zu'nehmen, was er bcsitzt. GroBbritannien 
hat einige Kolonien erobert, warum soil es sie zuruckgeben? Ich erklare in 
meiner Eigensciiaft als Mitglied der Regierung, daB wir die Absicht haben, 
Deutschland keinen Z o 1 1 breit von seincn Kolonien zuriick- 
zu geben. Und warum Mesopotamien zuruckgeben? Es ist ein 
r e i c h c s L'a n d , das iast altein fur den Kricg entschadigen kann. Br.-. Theodor 
Roosevelt sagte am Jahrestag von Lafayette, daB die von England und Japan 
eroberten deutschen Kolonien niemals mehr an Deutschland zuriick- 
gegeben wurden, dafl ElaaB-Lothringen an Frankrcich fallen, Preu- 
Bisch-Polcn und Sc hies wig den Deutschen fortgenommen, Oster- 
reich-Ungarn und die Tiirkei aufgeteilt wiirden usw. (Reuter-Bericht 
aus Neuyork vom 7, September 1918). — Damit erledigt sich das „Eingeborenen- 
recht" der Neger Afrikas unter englischcr Obergewalt abe r von selbst, abgesehen 
davon, dafl Deutschlands wenige schwarze Kolonialsoldaten gar nicht fur den 
Krieg init der wciScn Rasse ausgebildet waren (wie Solf zcigte), wahrend England 
und Frankreich ungeheure afrikanische Truppenbestande von vornberein widei 
die Zentralmachte ins Feld fuhrten. 

Man kann, da die Entente-GroBpolitiker so oft Deutschland jede kolonisato- 
rische Fahigkeit abstreiten, noch mit einer britischen Anerkennung der 
deutschen Kolontsationsarbeit aufwarten. In der ^Correspondent „Dcutsch-t)bei- 
see" wurde ein Brief des Gouverneurs von Englisch-Neuguinea, H. P. Murray, 
vom 22. November 1909 an den Gouvemettr von Deutsch-Neuguinea veroffent- 
licht, in dem es heiBt: „Ich ware Ew. Exzeltenz dankbar fur die Ubersendung 
einer Abschrift der in Deutsch-Neuguinea gultigen Verord- 
nungen und Verfugungcn, betreffend die Erzieliung der Eingebore- 
n e n. Das bci Ihnen im Gebrauch befindliche System ist als 
hochst bewundernswurdig und nachahmungswert geschil- 
dert worden, und ich mochte Gelegenheit nehmen, es zu studieren, urn es, wenn 
irgend moglich, in Britisch-Neuguinea einzufuhren." 

*■) Auch Dr. Friedrich Naumann t sagte in seinem „Tdeal der Freiheit": „Die Ge- 



— 71 — 

zu warden Osterreich (wie statistisch bewiesen ist!) den bosiiisch- 
serbischen Landesteil in sehr viel rascherer Zeit sehr viel weiter gebracht 
als Serbien entsprechendes eigenes Land und Volk zu fordern imstande 
war Hieraus geht doch hervor, daB ein AnschluB Bosnisch-Serbtens art 
Serbien fur das erstgenanntc Land eincn R u c k s c h r 1 1 1 bedeutet- 
Solcher Beispiele gibt es viele. Und das ergibt daB es fur em Land s.ch 
durcliaus nicht immer darum handeln kann, dafi es die Selbstverwaltung 
(Autonomie) erhalt, sondern es kommt darauf an, daB die Regentschaft, 
unter der es jeweils steht, es gut zu ihm meint PrjailAan 

Oder man nchme die fortwahrende Beschimpfung von PreuBen- 
Deutschland durch England-Frankreich-Italien Diese Volker betorien 
gernc ihre uberlegenen Kulturen gegeniiber der des fruheren ^,,Militai- 
staates". DaB I tali en^F rank reich-En gland in gewissen Hinsichten 
Deutschland uberlegen sind oder waren (Italien in der Kunst, in der Aus- 
gestaltung des religios-hierarchischen Frinzips -- Frankreich in einer 
gewisscn Art der „ritterlichen" Gesinnung und Schongeistcrci, - Eng- 
land im Merkantilismus und in der Weltbeherrschung), das 1st zuzu- 
geben- aber diese Lander verdanken diese ihre Oberlegenheit letzten 
Indes' eben doch dem a r m a n i s c h - g e r m a n i s c h e n L 11 1 e r t o n , 
der im Wcsen ihrcr Volker nachklingt. Italien 1st das germanische 
Volkergrab: endlos ging germanisches Blut in Italiens Fluren sowohlaU 
Geschlcclitern unter seit der Zeit der Volkerwanderungen, endlos befruch- 
tend zugleich dieses Land jenseits der Alpen. „Die nachromische Kultur- 
geschichte Italiens ist keine Renaissance des Aitertums . . Die bcrmanen 
haben in Italien die meisten und groBten Genies hervorgebracht . Diese 
Leistung der Germanen ist nicht die Folge gunstiger wirtschaftlicher Be- 
dineungen ., sondern der AusfluB ihrer hoheren naturlicheii Bega- 

bum? " (Woltmann, M Die Germanen und die Renaissance in Italien ). 
Aus deutschem Blute gingen hervor bezw. wurden durch deutschen 1 Blut- 
einschlag zu Italiens groBcn Fiihrern : Leonhard Vincke Leonardo 
ST Vinci der groBte Reprascntant der Menschheit seiner Zeit), Michel- 
angelo, Raffael Santi, Tizian, Franz von Assisi, Thomas von Aqumo, 
Savonarola, die Papste Stephan VIIL, Clemens II Damas.us II Leo IX. 
usw., Kolumbus (nach Guido v. List aus einem Geschlechte von Rothcn- 
burg ob der Taubcr), Marco Polo, Amerigo Vespucci, Giordano Bruno, 
Dante M Petrarca, Torquato Tasso, der Gciger Amati, die Musiker Verdi 
und Rossini, da, Kdnigshaus Savoyen, Garibaldi ») usw. usw., wie Wolt- 

schichte hat entschieden, daB cs fuhrende Nationen »bt und sotche d« . geffihrt 
^rHen und es ist schwer liberaler sein zu wollen als die Geschichtc seiDst ^ 
Z? . l£ Si fkein ewiges Recht der Mensch.n, von StammesgenoBBcn geleitct 

ZU YEin' Strom von Dante. Vorfahren w«st n,ch Grau bii ude n in der 
Schwe., --'- -27- 1 b B ^^h Friedrich Engels B dn SpieBbu.ger, dessen 

Montevideo ,1s Maurerbr.;. jngeweih^ trat &« dem fronj u .^n^^^ 
bei und wurde am 23. Mai 1864 wm GroBmeisttr der itai 1 c c hottischcn 

erwahlt. Schon 1862 war ,r GroBkommaiideur und <*rgflmc»t er des Schott.sc hm 
GroBrates von Palermo". In Palermo schuf er den „Hohen Kat der 33- ■ ■ 



— 7 2 - 

maim zeigt. „Seit dem 10, Jahrhundert . . . wurden die romanisierten 
Germanen die Trager der antikcn Tradition und der nationalen Selb- 
standigkeit Italiens . . . Mindestens 85 — go % der italienischen Gerries 
mussen ganz oder vorwiegend der germanischen Rasse zugeschrieben 
werden." (So Woltmann, der in einern Nachruf des Professors Vittorio 
Macchioro auf Woltmann in der „Politfsch-anthropologischen Revue" VI, 
S. 82 beziiglich seiner italisch-germanischen Forschungcn anerkannt 
wurde.) — 

Und Frankreich. Ks wurde aus deutschem Stamme hefruchtet, 
nachdem scbon Italien der deutsch-germanischen Blutauffrischung teil- 
haft geworden war. Nach den Galliern, Chauken und Chatten usw. ware 11 
es vornehmlich die „R i p u - A r i e r" 1 ) ) Salier oder ^Franken" (die 
Freien), die sich ablosten vom deutsclien Hauptstamme, urn eine eigene 
Seitenkultur zu schafren. Man kann das anerkeimen, abcr ebenso be- 
klagen. Ludwig Woltmann hat auch in der franco sischen Kultur 
die antbropologischen Wurzeln der germanischen Rasse bloBgelegt; 
— wie Karl Schatt im „Harnmer" 1909, S. 298 f. schreibt, hat Woltmann 
gegen iooo Biographien in den Bibliothekcn von Berlin und Paris durch- 
forscht und 2000 Bande mit Bildnisscn von Pcrsonen aller Zeiten und 
Volker in ikonographischer Hinsicht studiert, urn auch die germanische 
Abstammung einer Grofizahl franzosischer Gcnies fcstzustellcn. Unter 

21. Juni 1S67 entstand der „GroBorieut von Itaheri" im Siime des „Schottischen 
Systems" als Verschmelznng des bi^herigen GroBoricnts mit dem „Supremo Con- 
siglio" (der 33er), wobei Cordova Grofimeister, Lodovico F r a p o 1 1 i zuge- 
ordiicter Gio/imeister (GroBmeister-Stellvertreter) und Giuseppe Garibaldi 
EhrengroBineistcr wurde. Frapolli inaclite die Pariser Revolution 1848 mit und 
nahm 1859 am Knegc gegen Osterreich tell; Giuseppe Garibaldi &>elbist kampfte t8G6 
gegen Osterieich. 1870/71 stritten Giuseppe Garibaldi und seine beiden Sohne 
Menotti und K i c c j o 1 1 i im Felde auf seiten Franki cichs gegen PreuBen- 
Deutschlanrl, und zwar im Einvurstandnis; mit der franzosischen GroBlogo und dem 
italienischen Groflorient wie der „Alliance Israelite"; an diesem Feldzuge gegen 
Deutschland nalim auch der nachherige italische GroBmcister Br.'. Lodovico 
Frapolli ala Oberst tell. Giuseppe Garibaldis gcgenwartige Nachkommen sahen 
wir wieder als Kricgsfreiwillige auf seiten der „groficn Republiquc" im Wcltknege 
in den Argonnen kampfen, und zwar noch bevor Italien selbst auf die Wei- 
sung der franzosisclicn Logenbrr.-. bin in den Weltstreit wider die Zentralstaaten 
eingetreten war. Eiri Br. 1 , Menotti Garibaldi kampfte als Erster fur das „un- 
erliiste Ttalit-n'' als iiredentistischer General gcgen Osterreich im jetzigen Welt- 
kricge. Ganz ztiletzt noch bildete („Stefani" vom I. Februar iqiS zufolge) ein 
Br,-. P e p i n o Garibaldi als Ko mm and ant eine Armee freiwilliger Garibaldianer 
wider die Mittelstaaten. 

Die ,,Ripu-Aricr i; tratert nach Guido v. List (,,Namen der Volkerstamme 
Gcrmaniens", S. 04/97) zuerst im funften Jahrhundert als „Provincia Ripnarorum" 
— bei Jornandes als „Riparioli f( — auf. Dem „Lex Ripuarimn" lagen die alteren 
„5allschen Gesetze*' zugrundc. Von dicsen Hpttarischen „Franken" (deren Nach- 
kommen die Franzosen sind, die sich hetite gern nls „Romanen" aufspiden, 
wahrend sie auch vom Geschichtsschreiber Joh. Kinnamos 11ms Jahr 1200 als „, Ger- 
manen" aufgcfuhrt wurdenf) wurde das ganz unarische „Gottesgnaden- 
t u m" begiiinclet, das jetzt (gegenuber Dtmtschland) sonderbarerwei.se gerarie 
von den Abkommljngen diescr Fi-anken so hef tig: verdammt worden ist. — In 
Betonung seines f ,Gottesgnadentums (( konnte man Wilhelin IF gewissermaBen 
einen „spatsalischen Kaiser'' nenncn. — Nach Shakespeare stammen die urspriing- 
lichen „Salischen Gcsetzc" aus dem deutschen Land „zwischen der Sala und 
clcr Elbe Stromcn" („K6nig Heinrich der Fiinfte", I. Akt [utiersetzt \on Schlcgel]). 



— 73 — 

andem leitete er von gcrmanischer Art ab: _I>antoi., Karl de » ™* n £ 
Lafavette Diderot, Pascal, Rousseau, Voltaire, Ampere, Lamarck, La 
plaee Re'aumur Pasteur, Becquerel, Renan, Gobineau (Graf Gobmeau 
Sbrt fand sein n Ahnherrn in dem Wiking Otar Jarl ,u. dem neunten 
ahrhundert), Lafontaine, Vietor Hugo, Moliere, Balzae, Berhoz, Chopin 
d Z U„L leanne d'Arc — Die „Kipuarier" oder Franken liaben 
Sch^Tn \£Z Lo bsung von dem andern reiner erhaltenen Arkrtume 
Deut^hlands zugleieh fuch dem Degenerationsprin.ip von a Uc„ , Anfang 
an auseeliefert so hoch ilinen auch manches anzurechnen lit, das sie als 
Kulturer ehenung in die Welt gestellt haben. Eine Lostrennung von 
seiner Familie bringt dem einzelnen Mensel.en .mmer nur em Bed.ngt- 
gZI. von ihren Familien losgeloste Em.elwesen entwickeln Indm- 
dualitat, entbehren aber des for^esetzten Kraftezustromes, der _ ihren .Fa- 
miUen cigen bleibt. In der F a m i 1 i e bleiben die Gememsamkeitskrafte 
™halten und sie schiefien immer wieder nene Safte ms B ut derer, dre 
t Familienzusammenhange bleiben, bis eines Tages d,e 1-amil.c = selber 
zu neuem Strebcn sich ansel.ickt. Das Gldehe gilt fur ganze V r M . k :v 
deren Teile - Kolonien bildend - sich aussondern bezw den ^halt 
im Mutterlande behalten. Weil Frankreich sich nun losloste vom Ur- 
IV deshalb trat es auch hereits wieder ab vou £ »^ nd « R °"f. ' " ' 
Im deutschen Vo Ike aber lebt der Gememschaftsgeist noch — 
dne lange Lit in den Untergrunden der See,en wirkend, ve. : orgen seta i- 
fend wird er — won die Zeit herangereift sein wird - trotz <les Sieges 
de frriuaurerischen Entente, hervorbreehen aus tief stem Inner,, das 
deutsche Volkstum belebend und durchkraftend, durcbge.st.gend! . 

Wir zitieren hier das Wort eines der groflten Deutschen unserer Zeit, 
dem unserc ganze Hingebung gilt : 

Der dealscke Geisi hat nichl vollitidet, 

Was er im Wtlttnlaufe schaffen soil. 

;•> lebl in Zukunflssorgen hoffttungsvoll, 

Er hofft a*f ZukuHftttatvn Ubinsvoll. 

In sunes Wesetts Tufen fuhlt er machtig 

V?rbor S enes, das noch reifend ix'trken n* 

Wie darf in Feindeswacht versldndnislos 

Der IVunsch nach seinem Sinde sich beleben. 

So lung' das Leben sich ihm olfenbart. 

Pas sich in Lehenswurseln schafiend halt." . . ■ 

England ist deshalb, weil es das 1 e t z t e Volfc Ut. .^t-arisch^ma- 
nischem Wesen entsprang, jetzt das fuhrende Volk : to : todc da «u 
Meich auch deutschen Weseus Untergang will — vor ihm .g ng das K. 
fuarier Oder Frankenvolk aus deulschem SproB hervor: es hat de>h«!b in 
z welter Linie dem Deutsehtum HaC geschworen. Zu all mwst abc 
Milderte sich das Italienertum vom deutschen Geiste ab, und nun koinmt 
f ietzt an dritter Stelle als Deutschlands Feind. So w.rken sich d e 
es jetzt an anu . rf besteheIli we ;i es s,ch mcht emseitig 

SeTe J?CS^«4 -den, scune Kr.lre jn seiner 
Volksseele zusammenhalt - und das gilt trotz de. ^rlap D«rtgch 
lands bei Ausgang des Krieges deny Deutsc «. d ™*^s Zt 
Ztl^^:^^^^^ GrnndsMze vou Wahrheir, 



r 



— 74 — 

Gerechtigkeit und Selbstbestimmung !, und legte aus diesem Glauben 
hcraus selbst die Waffen aus der Hand. Trotz aller heutigen Wirrsale 
in Deutschland und Deutseh-Osterreich wird jene Zeit kommen, wo deut- 
scher Gemeinschaftsgeist sich zu neuem Wirken im Dienste der Welt- 
kultur zusammenraffen wird. Es ist nicht moglich, daB der deutsche 
Geist der Brr . ■ . Goethe, Schiller, Leasing („Freimaurergesprache"), 
Herder, Wieland, Kant, Gellert, Fichte, Beethoven, Mozart, wie eines 
Richard Wagner, Luther, Kepler usw* und, um auch einen der letzten 
bedeutendsten Fiihrer des geistigen' Neu-Deutschlands nicht zu ver- 
gessen, der Geist eines Dr. Rud. Steiner seelenlos verhallen wird * . .! 
Denn Deutschland steht h e u t e am Wendepunkt seiner Geschichte und 
seiner Geschicke, ira Aszendenten seines zukunftigen Schicksals, das im 
Zeichen der Ich- oder Selbsterkenntnis des einzelnen Individuums stehen 
wird! Gelautert durch das Leid t das ein schwerer Kriegsausgang und 
cine bittere Revolution der Gesamtheit und dem Einzelnen brachte und 
noch bringen wird, wird erst wahr erkannt werden, was in der Lebens- 
moglichkeit des Germanen liegt, der sein „Germa" — sein Schick- 
sal — s e 1 b s t in die Hand nehmen und seine eigene Werdemoglichkeit 

ohne Einspruch eines andern bestimmen wird! Erst die frankischen 

Zeiten seit Karl dem GroiJen brachten jene personlichen Unfreiheiten, die 
die germanische Welt bitter empfinden lernte, - — denn vordem gab es 
kein erbliches „Gottesgnadentum" in deutschen Landen, und gar die 
Schuld der kapitalistischen Unordnung ist noch keine hundcrt Jahre alt. 
So wird der „Unfreie" dem wahren Freien Platz machen, und deutsche 
Wesensart wird den Weg zur Zukunft zeigen miissen, weil deutsche 
Wesensart am herbsten litt! 

An Hand eines reichen Materials wollen wir nun schen, wie in den 
einzelnen Landern, in denen die Weltloge regiert, „gearbeitet" wird und 
wurde, und wie sich die Weltloge die Kriegsziele unter der 
Vorspiegelung der Nationalitatenbefreiungen in 
Wirklichkeit denkt. Es laflt sich feststellen, welchen allgemeinen Grund- 
plan die Loge hatte, die dahinzielenden Richtlinien sind offentlich be- 
kannt Wir geben hier nur das Gesamtbild. 



Da — auBerlich betrachtet — der Krieg um und mit 

Serbien 
begann, wollen wir zuerst von diesem Lande sprechem 

Zunachst ist fcstzuhalten, daB Serbien (laut dem „Allgemeinen Hand- 
buch der Frcimaurerei", Bd. II, S. 398) seit dem 7. Dezember 1890 cine 
von Ungarn hcrubergepflanzte ,,Mutterloge" (namens ,,Probratim" 
— „Verbruderung") besitzt, die in Belgrad ihren Sitz hatte und — (nach 
der maurerischen ^Latomia" von 191 4, zitiert in den „Stimmen der Zeit" 
vom September 191 5) — von reichen und „patriotischen" Serben mit 
groflen Geldmitteln versehen war. Diese Loge war zu einem „H o c h - 
sten Rate des Schottischen Systems" mit 33 Graden er- 
hoben worden. Des weiteren arbeiteten (nach dem „Badischen Beobach- 



— 75 — 

ter" vom 16. Dezember 191 J ) in Belgrad zwei jungere Logen, die cine 
untei dem Schutzedes „G r o B o r i e n t s von Fr.ankreic h", 
die andere (unter dem Namcn „Sloga, Rad i Postojanstvo", d. h. ,,Einig- 
keit, Arbeit und Bestandigkeit") untej- dem Schutze des ,,G r o B - 
ori'ents von I tali en". Eine rein italischc Loge in Serbien war 
die M Concordia Lavoro e Constanza" in Belgrad. Ihnen schloB sich als 
letzte Griindung seit Mai 191 2 (wie C. van Dalcns Freimaurer-Kalender 
fur 1915 berichtet) der ..Supreme Conseil (eben der Hochste Rat de* 
Schottischen Rhus) von Serbien" an. Dann bestand in Serbien bekannt- 
lich noch der Geheimbund „N a r o d n a Odbrana" (^Volkswehr"), 
der wieder mit dem Geheimbund „C r n a r u k a" („Die schwarze 
Hand") *) innige Beziehungen hatte, und deren Mitglicder sich unter der 
Leitung des ^Supreme Conseil" bezw. den politischen fuhrenden Person- 
lichkeiten Br.-. Paschitsch und Dragutin Dimitrijewitsch 
zusammenfanden. Unmittelbar verbunden mit der „Narodna Odbrana' 1 
waren die ,Sokol"-Vereine und der groB-slavische Geheimbund „Om 
1 a d i n a", an desscn Spitze einst der serbische Reichstagsabgeordnetc 
M i 1 e ti s c h 2 ) gestanden hatte, und dem der von den italiemschen Frei- 
maurerlogen so besonders gefcierte Triestiner Verschworcr und Mord- 
geselle Wilhelm Oberdank einst auch angehorte (iiber Oberdank vgl. 
unter Italien"). Nach Athanasius, „Das Geheimnis der Bosheit", S. 15, 
war sowohl die von Ungarn aus begrundete serbische Freimaurerlogc 

Probratim" in Belgrad wie der Geheimbund ..Omladina" von Offmeren 
durchsetzt. Der Geheimbund „Omladina" wurde 1893 entdeckt, am 
64. Geburtstage Kaiser Franz Josephs (18. August). Tn wilder Leiden- 
schaft hat es die „Omladina" auf den schon darnals betagten oster- 
reichischen Herrschcr abgesehen. In jenem Jahre zahltc die „Omladma 
in Wicn, Bohmen, Galizicn, Kroatien usw. uber 700 

Finger" (d s Briidcr"), die immer unter cincm „Daumeii" (,,Direkior f< ) 
standen Je fiinf „Finger" bildeten eine „Hand" (eine Zweiggesellschaft). 
Die einflurireichsten Brr.-. in diesem Geheimbundc waren immer die 
Tschechen 3 ). — Im Sarajewocr HochverratsprozeB erklarten der 
Bombenwerfer Br.'. Cabrinowitsch und (zum Teil auch) der 
Morder Gabrilo P r i n c i p , daB die in das Attentat an Erzherzog Franz 
Ferdinand verwickelten fuhrenden Pc-rsonlichkeiten der „Narodna Ud- 
brana": die Serben Dr. Radoslaw Kazimirowitsch, Cubilo- 

*) Griinder und Fiihrer der , f Scbwarzen Hand" („Crna ruka'O war Oberstleut- 
nant D r a g u t i n D i 111 i t r i J e w i t s c h p der de« LogennaTnen „Apis fuhrte. Er 
wai einer der Hauptverschworcr sewesen, die den serbischen Komg Alexander jintl 
die Konigin Draga Maschin ermordetcn; zugleich ebnete cr dem je tzigen Koms 
Peter den Weg zum Throne. Die GrUndung denies Geheimbundes hatte z«m Ziele 
die territory VergroBerung Serbiens im Sinne der S rofise 5 bl ^ hc \J^tvM,Xn 
halh der „Schwarzen Hand- wurde rler groflte Ted der serbischen InteHektuellen 
und der Groiiteil der serbischen Presse organisiert, obwohl diese Kreise auch irm er- 
halb der ..Narodna Odbrana" (der .Nationals Verteidigung") Oclegenfceit zu ri- 
cher polit scher Betatigung fanden. Bei Ausbrnch des We tkneges waren die An- 
hanger des Brs.-. P a a c h i t s c h und die des Brs.-. „Apis" identisch. (Vgl. die 
w Neuen Zurcher Nachrichten" vom 4- August 1917J 

a ) Vel. Heckethorn, „Geheime Gesellschaften", S. 3»i- 

•) Vgl. Er.-. Dr. Georg Schuster, ^Geheime Gesellschaften, Orden usw. ( 
II. Band, S. 485/86. 



- ;6 - 

witsch, Grabez, Ciganowitsch unci Major Voja Tanko- 
& i t s c h (wie der erst lojahrige Attentat cr Cabrino witsch selbst) 
Freimaurcr seien ■) . Br . ■ . Major Tankositsch aber stand wieder in 
engen Bezichungen zu dem englischen Major Br.*. Susley, der in 
London-Siidend, Hamptoncourtstreet 112, ein Agitationsbureau 
leitete aus dessen reichen Geldmitteln — nach der „Hessischen Landes- 
zeitung" — die Agitationen zur Ermordung des (urn den Weltfrieden sich 
eiirig bemuhenden) franzosischen sozialistischen Brs.\ Jean Jaures 
und des lUhsischcn Ministers Grafen Witte gespeist wurden . . . Br/. 
Kazimirowitsch brachte das Geld herbei zur Ausfiihrung des Attentates 
am Thronfolger, von Br.-, Ciganowitsch erhielten die Attentater die vom 
Br.'. Tankositsch vermittellen Pistolen, Patroncn und Bomben und das 
notige Kleingeld. Und Br.-. Kazimirowitsch war nach dem Gestandms 
des Br.-. Cabrinowitsch ciner der fiihrenden Freimaurer Serbiens, wah- 
rend Br.*. Voja Tankositsch (der besonderc Freund deb s e r b i - 
schen Kronprinzen Alexander!) in der „Narodna Odbrana" eine 
besondere Stimme hatte. Br . ■ . Kazimirowitsch wieder hatte den ganzen 
europaischen Kontinent bereist, war in Belgrad wohl angesehen und die 
russischen Verbindungen liefen in seiner Hand zusarnmen, hatte er doch 
in Ruflland geistlichen Studien obgelegen". Br/. Ciganowitsch abcr 
belehrte den Br.'. Cabrinowitsch, daB die Ermordung des Erzherzogb 
Rranz Ferdinand bei den Freimaurern s c h o n 1912 bcschlossene Sache 
war 1 ), bescblossen vom „Grand Orient dc France' - in Paris! Und wirk- 
lich wurde der Gemahlin des erniordeten Thronfolgers Franz Ferdinand 
schon im September 1912 die Mahnung zuteil, dalJ der Erzherzog „ver- 
urteilt" sei und auf dem Wcge zum Throne sterbeti musse *). Aus den 
Gestandnissen der Morder Cabrinowitsch und Pnncip (zwcier Bosniaken) 
ging f erner hervor, daB die genanntcn Maurcr-Brr . ■ . Kazimirowitsch und 
Genossen das Verbrechen in alien Einzelheiten vorbedacht und langst vor 
dessen Ausfiihrung vorbereitet hattcn. P r i n c i p war noch nicb* unter 
die Brr.-. Maurcr aufgenommen worden seiner groBen Jugend wegen, er 
war noch Mittelschtiler und hatte erst die Handelsschule und die Gym- 
nasien in Tuzla (Bosnien) und in Belgrad absolviert, dann war er in die 
„Narodna Odbrana" aufgenommen worden und wurde zUletzt Komi- 
tatschi. Und nun bediente sich die Freimaurerschaft seiner zum Zwecke 
der „Hinrichtung" des , jV erurteilten f ' Thronfolgers. (Wie umfasseud die 



] ) Vsl. dazu den Wortlaut des Verhors des Angeklagten in Professor Pharos , 
Professor Dr. Kohlers „Der Prozcfl gegen die Attentater von Sarajewo", Berlin, 
Deckers Verlag, 1918. Vgh auch ..Thcologie und Glaube", 1915, Heft 8. 

3 ) In seincm kleinen Scliriftchen „Das Gehcimiiis der Bosheit" (Zuricli-Adliswil 
1915) wrist Athanasius auf S. 14 daraut hin, dafl si: lion 1912 ein gewisser Esm a 
offentlich schreiben konnte: 

.Viellcicht erklart man sich ein.es Tages den A u s s p r 11 c h eines h o h e u 
Maurers der Schweiz in Sachen des Thronfolgers: ,Kr iat ungewohnlich 
hervorxagetid ; schade, dafi er verurtcilt ist Er wird auf dem Wege 
zum Throne sterbeti!'" 

Wie wir in einem Aufsatz von Ilcrm. Gruber, S. J., im 8. Heft von ,/Tlieotogie 
und Glaube", 1915, S. 656, fmdcii, vcrbirgt sich hinter dem Pseudonym „Esina" 
cin hervorragender franzosischer Katholik, der uber diese Warnung in der 
Pariscr „Rev«e Internationale des Societes secretes" berichtett 1 . 



'i-? 



— 77 — 

Organisation der „Loge" war und wie sehr sich die ..Loge" zur Durclv 
fuhrung ihrer Absichten gerade der Mittelschiiler bediente, ging auch 
daraus hervor, daft Ende juni 1915 weitere 31 bosnische und herzego- 
winisch-scrbische Mittelschiiler des Hochverrats iiberruhrt wurden: S3 
wurde festgestellt, dafi an fast alien bosnisch-herzegowinischen Mittel- 
schulen hochverraterische geheime Vereine bestanden, die nach den 
Planen der Belgrader „Narodna", der Sarajewoer „Omladma , der 
Sarajewoer Prosojela" und der serbischen „Sokor- Vereine arbeiteten ). 
Cabrinowitsch und Princip 2 ) warcn nicht die einzigen von der Logc 
betorten s c h w e r e n Verschworer. Da sind noch zu nennen die tirr * '■ 

> Lehrer Veljko Cub r i lo w it sch, der Mitdirektor der Serbischen Bank 
in Tuzla (Bosnien) Misko J o w a n o w i t s c h und ein gewisser 1 1 1 1 s c h , 
die alle drei am 2. Februar 1915 hingerichtet wurden. Cubrilowitsch war 
Grunderprasident des „Sokol" in Priboj (Serbien), Freimaurer und ein- 
flufkeiches Mitglied der „Narodna Odbrana''; Jowanowitsch stand dem 

Sokol" in Tuzla vor und war Vertrauensmann der „Narodna Odbrana 
und Freimaurer. Oft warcn die „Sokol"-Vereine (die „Falken") nur Deck- 
vereine fur die „Narodna Odbrana", besonders in Bosnien und der Her- 
zegowina. Der serbische Sokolbund „D u s c h a n der Gewaltige 
(so benannt nach dem serbischen Zaren Stephan Duschanim 14. ^Jahr- 
hundert auch Nemanjitsch IX. geheiBen, als Gesetzgeber und Sieger 
gegen Griechcn, Turken und Ungarn bekannt) fiihrte in semen Listen die 
samtlichen bosnisch-herzegowinisch-kroatisch-dalmatischen Sokolmitghe- 

- der. In Sarajewo befand sich der Sits des Zentral-Sokolbundes von Bos- 
nien der wieder mit den „Sokols" von Prag, Agram (Kroatien) und Bel- 
grad eng verbunden war. AuBerlich gaben sich die Sokolvereme — die 
seit 1862 bestehen — als Turn- und Sportvereine aus; nach dem russischen 
neuslavischen General Kuzmin Kara wa j ew (dem Berichterstatter der 

r fruher rarenlreuen, Northclift'schen „Nowoje Wremja" und der „Nowoje 
Zweno" in Petersburg) waren die „Sokol s' f aber ein f e r 1 1 g e s M 1 - 
litar'" da^ ,Nationale Hcer der vereinigten Slaven\ das aus Zweck- 
maBigke'itsgrunden ohne Waffen und Kanonen ging'. In Bulgarian, 

; Montenegro, RuBland und den Vereinigten Staaten Nordamenkas gab es 

, : zahlreiche Jf Sokols", ja auch in Deutschland waren sie weit verbrei- 
tet. Es wird interessieren, daB am 23. Ernting (August) 1 9 1 1 m B c r - 
1 i n eine Tschechentagung stattfand xu dem Zwecke, auchdas 
Deu tscht urn in Deutschland selbst herauszuforder n ! 
Man versandte damals in ofrener Demonstration durch die Post Ansichts- 
karten, auf denen ein Falke (Sokol) den deutschen Adler erwurgte ) Die 
deutsche Michclnatur lieB da? ohne weitere Beachtung geschehenl 

M Vgl. H. Grnbcrs Aufsatz in t ,TUeologie und Glaube" 191S, Heft 8, S 654. 

2 ) Cabrinowitsch, Grabec und Princip, die wegen M. rider j ah ngkc.t nicht zum 
■ Tode verurteilt wurden, starben »m Gef.ngnis in der Featung Theresic„ s udt m 

Bohmen. Und wie ein furchtbares Strafaencht der M Nemejs (des Gorma-Karma 
nimmt cs sich aus, daB dem Morder des ErzUcrzogs Ferdinand und der Furstin 
HohSnberg Princip, die Hand, die mit den Mcrdwaffen gespiel hatte wegen 
Knochenf ralies vorlier noch abgcnommeii werden muflte (Princip starb am 
29 April 1918 an den Folgcn seiner Knocheutuberkulosc.) Der Mitvcrschworer 
Mitar Kerowihch staib in der Strafanstalt Mollersdmf. 

3 ) Die Leipziger Zeitschrift „Hcimdalt" wica in ihrcr Nummer vom I, Lindin^ 



- 7 s - 

Aiis dem im Jahre 191 1 bei dem jiidischen Br.- - Davidowitsch in Bel- 
grad gedruckten Statut der inj Jahre 1909 auf dem Petersburger „AUslavi- 
schen Kongresse" zum Zwecke der Unterminierung Osterreich -Ungarns 
ins Leben gerufenen„Narodna Odbrana" geht hervar, daft es Aufgabe die- 
ses Geheimbundes war, Freiwillige anzuwerben fiir die „Waffen- 
ajction gegen Osterreich", Gelder fiir diese Erhebung gegen Osterreich zu 
sammeln (eine Sammelstelle der , t Narodna Odbrana" befand sich u. a. 
auch in Pilsen), die osterreichischen Festungen auszuspionieren und 
Bosnien und die Herzegowina von Osterreich loszureifien, denn : r ,Bosnien 
und die Herzegowina ist serbische Erde". Der HochverratsprozeB 
von Banjaluka, der vora November 191 5 bis zum Friihjahr 19 16 dauerte, 
vereinigte 156 Angeklagte vor den Richterstuhl; darunter waren 19 ser- 
bische Geistliche (Popen), 7 Landtagsabgeordnete, 20 habere und niedere 
Beamte, 4 Professoren, 15 Lehrer, 29 Kaufleute, sowie 10 Hochschiiler. 
Zu den leitenden Personlichkeiten der ,,Narodna Odbrana" gehorten aufler 
dem serbischen Ministerprasidenten Br.*. Paschitsch, dem serbischen 
Major Tankb.sitsch, dem serbischen Kronprinzen Alexander, 
neben dem Serben Dragutin Di mitrij ewitsch und dem osterreichi- 
schen Serben Rista Radule witsch noch zahlreiche Rechtsanwalte, 
Richter, Arzte und hohere Beamte; auch zahlte jeder zweite Mittelschiiler 
zvt den Mitgliedern der „Narodna Odbrana". *) 



J9I4 darauf hin, daB die Tschechen in Krain, Karnten und Steiermark zuerst als Ar- 
beifer einwanderten, urn sich dann ansassig zu machen und — nachher 
die eingeboretien Deutschen zu verdrangen von „i h r e r s 1 a v i - 
scheti Erd e", getreu dem Liigenmotto Franz PaJackys, des tschechisch-mahri- 
schen Politikcrs und „Geschichtsforschers": ,,Wir Tschechen waren vor Osterreich 
und werden nach Osterreich sein." Slovenen wanderten tmter Karl dem Gro- 
6en in Karnten, Krain und Steiermark ein. — Aus den spateren Nachkommen all die- 
ser durch Invasion sefih'aft Gewordenen bilden sich nun die Hilfsmannschaften der 
^Entente-FicTmaurer-Bruderschaften. — In seinen zahlreichen Werken zeigte Guido 
"v. List, daB die osterreichischen Lande durchatis deutsche {germanische) Ur- 
1 a n d e sind, die scheinbar slavischen Orts-, Flur- und Familiennamen aber sind 
entweder slavisiert oder werden — weil dem heute fremdklingenden Urarischen ent- 
stammend — - falschtich als slavischer Herkunft angenomnien. So hiefi Steiermark 
ursprunglich „Styria", der Stier aber ist das deutsche Wappenzeichen von Salzburg- 
Steiermark. Die Namen Graz und G r a. t z sind verstiinimelt aus ,,Creuz" (nicht 
aus slavisch „gradez"), Ebenso weisen die Wappcn von Laibach und Krain (frii- 
her „Carni") auf urdeutschen Ursprung hin. Die „Bojer" (Rojohemen) oder „B6h- 
men" waren markomannische Deutsche (das was heute noch die „Bayern" sind). 
Im Worte ,,Mahien" spricht sich ganz deutlich der Name Markomanne (Reiter) aus. 
„P r a g" hicfi einst „Parhaag", was so vi'el wie Earadies bedcutete. Pest entstand 
aus „bas" und deutete auf die ,,Bastamer" oder Renntierhalter der glazialen, urari- 
schen Vorzeit hin. Auch „Buda" heifit nur Baute oder Baude = Riirgbau. Wien 
(von den Romern Vindobona genannt, urspriinglfch germanisch Vianiomina) ist das 
germanische Wort fur das Weide-, Gewinn-(Nutz-) und Heide-Sonnenland Wiens. 
Siebenburgen deutet hin auf das Zaubergerat der „Sibia" (Donars Gemahlin), eine 
Ableitimg ist das Wort „Sippe" fur „besprechen", hezaubem, in den Familienzau- 
ber aufnehmen {in die Sippe). Olmutz (in Mahren) hangt zusammen mit 0)fa 
{Uolfa, Wolfa oder der Wala) aus dem Woflingszauber Wuotans, dem schopferi- 
schen Tun des alten Germanengottcs, dem in Otmutz eine Priesterinnen-Heilstatte- 
{Halgadom) geweiht war. (Vgl. hierzu v. List, ,.Die Namen der Volkerstamme Ger- 
maniens", S. 60, 61, 66, 71, 78, 86, 91 , sowie v. List „Deutsch-mythoiogisehe Latid- 
schaftsbilder" II, S. 6^3.) 

4 ) Vgl. hterzu Pharos-Kohler, „Der Prozefi gegen die Attentaiter von Sara- 



— 79 



Mitte Dezember 19 12 wurde dieErmordting des Erzherzogs Franz 
Ferdinand furdas jahr 1913 von der Pariser Sibylle Madame de 
Thebes (Frau Savigny) „vorausgesag t", einer in den politischen 
Kreisen durchaus informierten und durch die Herausgahe ihres alljahr- 
lichen „Almanachs" in der ganzen Welt bekannten Dame, die mit den an- 
gese hens ten Kreisen der Ententemaurerei Fuhlung hatte und die auch 
einst dem Bulgarenfursten Ferdinand „aus der Hand" las. „Derjenige", 
so sagte dies moderne Pythia, ,,der in Osterreich zur Regierung bestimmt 
ist (eben Franz Ferdinand) wird nicht regieren ; regieren wird ein junger 
Mann, der vorlaufig zur Regierung noch nicht bestimmt ist" (dies ward 
Kaiser Karl I.). Dann, als der Mord am Thronfolger im Jahre 1913 nicht 
vallzogen wuxde, wurde die „Weissagung" fiir 1914 wiederholt, sogar mit 
der Datumangabe des 28- Juni (dem 525sten Jahre stage der Ermordung 
des turkischen Sultans Murad I., des Siegers uber Bulgarien, Thrakien und 
Kleinasien). Das Attentat wurde dann auch wirldich auf diesen Erin- 
nerungstag, an dem der serbische „Edle" Milosch Obilik den Sultan nach 
der Schlacht auf dem Kossowaer- oder Amselfelde (die am 27. Juni 1389 
gegen die ^Serben in Altserbien geschlagen wurde und die den Sultan als 
Sieger gesehen hatte) erdolchte, vollzogen. 

Zu all dem hatte der Direktor eines der groBten und einfluBreichsten 
Hberal-freimaurerischen Blatter Europas schon vori9i2 einem oster- 
reichischen Freunde des vielgenannten P. Hermann G r u b e r gegenuber 
ausgesprochen, „der Erzherzog-Thronfolger werde nie den Thron bestei- 
gen". l ) All das kommt in ein besonderes Licht, wenn man dazu das Ge- 
-standnis des serbischen Brs.*. C ab r i n o wi t s ch , der sich noch eine 
Stunde vor dem Attentat als ,,Held" mit der Bombe in der Tasclie photo- 
graphieren lie6, halt : daB das katholische Glaubensbekenntnis des Erz- 
herzogs einen der Grunde bilde, weshalb er ermordet wurde, und" — »daO 
jfder Mord in der Freimaurerei erlaubt sei*'- 2 ) 19 12 aber, als alle die wil- 
■ den Drohungen gegen den osterreichischen Thronfolger laut wurden, da 
wurde die zur Vollziehung des weltmaurerfschen Femc-Urteils aus- 
lerwahlte Bclgrader Loge als Serbische Nation all oge (die 1907 gegriindet 
S'jvorden war) in den f ,H6chsten Rat der 33 .* ." aufgenommen! Und — was 
£gar noch das Verhangnis in eine ganz unbegreifliche Beleuchtung bringt 
' und zefgt, wiefurchtbarblind die deutsche Freimaurerei allem 
zugesehen hat, das ist die andere Tatsache, daB derdcutsche Grofi- 
logenbund unter Fuhrung von Grofimeister Br. ■ . Carl K o h n 3 ) (von 



jewo", und Reichsratsmitglied Dr. Wiclitl (Wien), „Der wahre Anstifter des Welt- 
krieges", S. 26. 

2 ) Vgl. H. Grubcr in „Theologie und Glaube", 1915, S. 655/56. — In dem wort- 
lieh aufgenommenen Verhor (in Pharos 1 „Prozefi gegen die Attentater von Sara- 
jewo", S. r4) lesen wir u. a. das Gestandnis des Br,-. Cabrinowitsch: „In der Frei- 
maurerei ist es erlaubt, zu tdten. Ciganowitsch «agte mir. die Preimaurer hatten 
Franz Ferdinand schonvoreinem Jahre (also auf 1913 hin !) zum Tode ver- 
urteilt". 

») Br.-, GroBmeister Johann Gottlieb Karl Kohn wurde 1S37 als der Soh n 

des evangelischen Kaufmanns Johann Karl Gottlieb Kohn und als Enkel des Land- 

wirts Heinrich Kart Wilhelm Kohn (ebenfalts evangetisch) zu Marienburg in West- 

ipreufien geboren, woselbst auch der letztgenarmte Grofivater starb. Grofimei- 

-ster Karl Kohn selbst gehortt; lange Jahre dem Kirchenvorstande der St. Peters- 



— So — 

der Grofien Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes" in Frank- 
furt'L M.) auf dem Grofilogentag vom 31. Mai 1914 — also vier Wochen 
vor dem grausigen Attentate — die Anerkennung des sefbischen „Obersten 
Rates" aussprach, wie Nationalrat Dr. Friedrich Wichtl in Wien voll 
Verwunderung mitteitt (, t Weltfreimaurerei usw.", Munchen 1919). 

Und die Belgrader Loge, sie hielt ihre Sitzungcn im selben Hause ab, 
in dem der Gcheimbund „Narodna Odbrana" seinen Zentralsitz hatte iyvtz 
H. Gruber der deutschen Logenschrift „Latomia" vom 24. Oktober 1914 
entnimmt). 1 ) In den Tagen vom 10./23. Mai 191 2 erfolgte die feterliche 
Inauguration (Einweihung) der serbischen Brr.-.-schaft in den 33-/95. 
Grad des revolutionaren „AUen und angenommenen schottischcn 
Ritus", der 31 iiber die ganze Erde verbreitete Verbande aufweist (von 
27 Landern dicser Hochgradkette ward nun bereits gegen Deutschland/ 
Osterreich/Bulgarien/Turkei der Krieg gefuhrt!). 

Es ist auch beachtenswert, dafi gicich n a c h dem Tage der Volistrek- 
kung des maurerischen Todesurteils, am 29. juni 1914, die 27gliedrige 
„Ordensregierung" des ^GroBorients von Italien" zusammentrat, um unter 
Fiihrung ihres damaligen Groiimeisters Brs. ■ . Ettore Ferrari vom 
33-/95. Grade iiber die nun geschaffene Weltlage Rat zu halten. Zwei 
Tage spater erliefi Br. ■ . Ferrari das von uns auf S. 47 erwahnte Rund- 
schreiben an alle italienischen Logen, welches in seiner besonderen Fas- 
. sung darauf hinwies, daU alle Grotioriente der ganzen Welt „eintrachtig 
und im Einklang mit den allgemein angenommenen Prinzipien der Frei- 
maurerei" zusammenstehen werden, „um die menschliche Zivilisation . . . 
zu retten*'. 2 ) 

Zur Erganzung sei noch gesagt, dafi der serbische Major Br. ■ . 
Tahkositsch am Tage der Obergabe des Ultimatums Osterreich-Un- 
garns an Serbien (191 4) alie Korrespondenz der „Narodna Od- 
brana*' verbrannte; — dafi ferner ein serbischer Universitatsdozent 
im Jahre 1915 (bevor Konig Peters Stern ans Erbleichen gingKm serbi- 
schen Regierungsblatte „Politika" das Sarajewoer Attentat verherrlichte, 
— und dafi in Semlin ofifentlich Ansichtspostkarten des kaum ipjahrigen 
Attentaters Studenten Gabrilo Princip durch serbische Komitatschis (also 
Dienstlinge der „Narodna Odbrana") verbreitet wurden.*) 

Wenn nun H. J. Suter-Lerch in seinem Buchc „Deutschlbnd sein eige- 
ner Richter" (2. Aufl.) die „Kragujewazer Bombcri" (welche aus dem ser- 
bischen Armeedepot stammten) 4 ) und die Dokumente der „Narodna Od- 

Kirchengemeinde in Frankfurt a. Main an, war strengglaubiger Christ und von 
Beruf Ingenieur und technischer Direktor der Frankfurter Gasgesellschaft 

Nach dem „Annuaire de la Magonnerie" des Grunders der Weltfreimaurer- 
kette, Br.-. Ed. Quarticr-la-Tente in Neuchatel (Schwciz), reprasentierte Grofimei- 
ster Carl Kohn fruher innerhalb des „Eklektischen Bundes" die „GroBe Landesloge 
von Schweden". 

*) „Theologie und Glaube", 1915, S. 655/56. 

2 ) „Rivista massonica" 1914, von P. Herm. Gruber wicderholt angezogen. 

3 ) Vgl. ..Neue Zurcher Nachriehten ff Nr. 153 von igi7. 

*) Darubcr und iiber die gauze Organisation des Attentates selbst durch die 
„Narodna Odbrana" vgl. auch die ^Korrespondenz der grofibritannischen Regierung 
betr. die curopaische Krise" „im Auftrag des englischen Konigs fur das Answar- 
ttge Amt in London gedrnckt". In diesem englischen Buche (S. 5) befindet sich 
u. a, der bcachtenswerte Fassus, dafl „Serbicn am 31. Marz xgog an Osterxeich er- 



brana" nur „belastend fur einzeine Individuen" erklart, nicht aber bela- 
stend fiir die serbische Regierung, so verstehen wir das nicht. 

Noch eine andere wichtige Erganzung darf nicht ubersehen werden. 
Dr iur Brauweiler, der sich auch fiir die Aufklarung uber die Knegs- 
ursachen eingesetzt hat, grub erne fruhere Meldung des Wiener Vater- 
land (< vom 29. Oktober 1908 aus (also aus einer Zeit, die sechs 
jahrevor KriegsbeginnHegt), folgenden Inhalts: ) 

Der fserbische) gewesene Ministerprasident Swetomir Nikolai ewic, 

"Seiche GiofimeiJer der Belgrader Fmmaurerloge CProbrat^') .st hat emen 

Appell a L amt 1 i che Fr eimau r er lo gen n Eur op a genchtet, worm 

. tatiee Unterstiitzung aller maurerischen Bruder zuzuwenden . . Swetomir Niko 
Sic hat sich zunachst m die u n g a r i s c b c Hauptstadt *) begeben, um die 



1 >$& 



Uirt hatte, daB die Annektierung Bosniens durch OsterreKh-Ungam die serbischen 
Rechte nicht berUhre". - Wir konnen crganzend hinzufugen (nach Dr M. Bog- 
HtschewTtsch Xicgsursachen"), daB der serbische Geschaftstrager in 1 Wien, Si- 

S" h unt enn 1 Oktober 1908 schrieb, daB auch Uwolsky, der r u s s 1 - 
™h e Diplomat, die Ansicht hegte, daB R u B I a n d k e 1 n e n G r u n d habe, dem 
Berliner VerTrag bezuglich der osterreicbischen Recht, an B«men : Her«gow,na 
entiegenzutreten. Ebenso sagte der russische Fiirst U r « so £ f , i aktisch habe sich 
lurch die Annexion von Bosnien-Her«gowin» durch Ostcrreich-Unsarn g a 
nichts im Krafteverhaltnis auf dem Balkan g e a n d e r t Und cs 
konne der V e r z i c h t Osterreich-Ungarns auf den Sandschak fur Serbien 
eine g eauBcnlcEntschadigung fur die Annexion Bosniens und der Herze- 

^ Brauweiler Die .---Briider im Weltkrieg", S. 38/39- 

- wS«nd n t rrcich die Freimaurerei eigeutlich nicht ancrkannt war, 
hatte diefelbe in Un gar n (wie S. 46 gezeigt ist) eine ansehnhche Verb«itun«. 
ofterre cT hatte „humanitare Verein," {1908 burden 25, 191? warden 26 ge.abt, 
Svon ii als vollgfiltige Logen und 13 aU Kranzchen). Die osterreichischen Frci- 
ianrerv'ereine wurdeif z«m Toil von Ungarn her _ «i; PreBburg das jetzt tsche- 
rhisiert werden soil — geleitet, und dam t auch von dort aus pohtisiert. Denn audi 
Sie uTgarischen Logenbriider .machtcn in Politik", so viel sie nur vcrmochten. 
Of M z U 1 1 erhob aber doch die „G r o B 1 o g e v o n U n g a r n" (m Unterstutzung 
de deuschen KoBtog n) nnter Br.-. GroBmeister Arpad Bokay Protest gegen 
das Verhelten der altiierten Weltmaurerei im Wcltkriege wie der deutsche Br 
TC Schwab" in seiner 1918 erschiencnen Schrift ,.Dic NeugesUltung der Welt- 
Luie?ri duS. de„ Weltkrieg". S. 85, -chwejst, Dennoch muB festg.halten _ we - 
j Ptl Haran daB der ungarische Revolutions-Ministcrprasidcnt Br. . Orat Micnaei 
Karo yi und "ne Faiteifreunde schon v o r dem Kricge : allczeit Gesjer der 
Sn^z ehen Fo"itik 04rreich^Ungarns waren, und daB Br.-. Graf Karolyi stetB und 
hnmer g e g e n d e n Dreibund «nd fur eine Anlchnung Ungarns an 
dTLtentc Stmmung machte. Karolyi wirkte auch au£ den Sondcrfneden 
0Jter«"cnZ 8 arns™ der Entente wahrend des Krieges hin ebenso verkehrte er 
offen und frei mit Fran.nsen, unbeschadet des Kriegszustandes E.idlich war e, 
der Fre"maurer K a r o 1 y i , der die E n t c n t e t r u p p e n als „Bc reier Ungarns 
vor KrlLgsende in sein Land bcrief. Allerding, erlebte auch .r die Treulo«gkeit 
der Entente- in seiner Politik als Ministerprasident stand er bald volhg verlasseii 
von alter Weltlogenmacht da; unbekummert um den Br.; prolyl und seme 
Freunde ^rbcitcten GroBbritannien-Frankr ei ch-Amenka mit den Brrn. . Uoyd 
George Clemenceau und Wilson an der Spitze auf den volhgen innercn Zusam- 
m^bn/cli Xcht "Vr Deutsddands und Demsch-Osterreichs ^^ t ^\ r l^_ 
earns hin 1 - In wie weit die ungarische Fretmaurerei in ihrer Gcsamtbcit kriegs, 
mttXldig'sein mag im Sinne der ententistischen Weltlogenkct e das zu enthuUen 
wird noch der Zukunft iiberlassen sein. Jedenfatls war — unter Br. G. Joanno 
wi scb als GroflmeUtor - die ^Ungarische Symbol.^che GroBloge mit ihrt-ii roten 
Hocngredcn vom Schottischcn Ritus in die weltbeherrschende ..Allmachtiee 33- • 

Heisc, Enfcrtte-Freimaureref. II. " 



— 82 — 

leitenden Personlichkeiten der dortigen Freimaurcrlogen fur Serbien zu gewin- 
nen. Hierauf wird er in gleicher Mission sich nach Rom und Paris begeben, 
um die italicnischen und franzosischen Logen fiir Serbien giinstig zu stimmen/' 

Doch immer noch weiter in den Tatsachen. 

Unter den in N i s c h gefundenen Schriftstiicken des scrbischen Kron- 

prinzen fanden sich, wie es in den Blattern hieB, eine Depesche und zwei 

Briefe des Zaren Nikolaus. Darin bedeutete der Herrscher aller Reuflen 

dem Kronprinzen Alexander, dafi Serbien, wenn es seine — angeblich nach 

dem Nationalitaten-Prinzip aufgebauten — Ideale erreichen wolle, alien 

Befehlen RuSlands gehorchen miisse. Der Auf richtung Grofi- 

Serbiens dienten f olgende russische Zurechtweisungen an Serbien : 

i.Serbien darf unter keinen Umstanden die serbische Geheimloge „N a - 

rodna Odbrana" (die in Gemeinschaft mit der Freimaurerei, dem 

„Sokol"-Bund und der „Crna ruka" den Mord am osterreichischen 

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand organisiert hatte, — die Do- 

kumente iiber die Organisation dieses Mordes sind bekanntlich und vor- 

nehmlich im Tagebuch des serbischen Kundschaftsmajors Todoro- 

w i t s c h ') in Loznica gefunden worden) auflosen. 



eingcreiht warden! Vom Zentrum der Symbolischen GroBloge Ungarns in Buda- 
pest VI, Podmaniczky-Utcza 45, und von den undeutschen Logen in FreBburg und 
Agram (Zagreb) (welche Stadte die Entente sofort besetzte!) streckten die GroB- 
Schotten-Mauier ihre besondereri Fuhler durch Ungarn, wobei die Brr.\ Maurer 
Adolf o Engcl 33/, vom italienischen GroBorient, Jules Godchaux vom ,,Hohen 
Rat der 33" in Luxemburg, Charles Meslier vom f raiizosischen Groflorient, Hugh. 
R. Wallace von den britischen Schottenlogen, Charles J a n s s e n und Jos. De- 
camps von den belgischen Hohen Rats- und Groflorientslogen aus Ungarn be- 
arbeitetcn. Es kritisierte denn auch der bsterreichische Nationalrat Dr. Wichtl in 
Wien wohl nicht mit Unrecht, dafl der ungarische Br.". Maurer Bela Vas in der 
ungarischen Loge „Del" ( ausgerufen habe: „Arbeitet dahin, daB die Macht der 
arbeitsscheuen Herrscher aufhoreT Die staatliche Zersetzung in Osterreich-Un- 
gam ist ja nun wirklich nicht nur das Werk einzelner Freimaurer — ".'je der Brr. - . 
Karl Kramarsch und Masaryk — , eondern sie ist das Werk der wohlorganisierten 
Arbeit der groBen We Itkette der 3 3--., welche (nach Br.'. Dr. Georg Schu- 
ster) „auch die deutschen Grenzen iiberschrit t". Nach den r ,Neuen 
Ziircher Nachrichten" vom 25. November 1918 hatten die ungarischen Freimaurer 
noch kurz vor Einfiihrung der inzwischen wieder beseitigten ungarischen Rate- 
Regierung ein heftiges Kesseltreiben gegen den jungen Exkaiser Karl I. begonnen, 
indem sie diesert von den Jesuitcn begunstigten Monarchen des Landesver- 
rates an Ungarn beschuldigten. Seit dem 25. Januar 1919 amtete der geborene 
Wtirttemberger Schulmann und Handelsakademiker (seit 1917 Landeskohlen- 
kommissions-Direktor) Br.'. Gottlob Rau ats GroBmeister der „Symbolischen 
GroBloge von Ungarn". — Es sei noch bemerkt, daB P. Herni. Gruber, S. J., in den 
„Stimmen der Zeit", igi 7, S. 275, auch darauf hinwies, dafl im Trentino, in 
I s t r i e n und anderen osterreichischen Grenzlandern lange vor dem Kriege die 
Freimaurer (im AnschluB an italienische und andere Bruderbiinde) im Sinne irre- 
dentistischer Bestrebungen wirkten. 

Fur die politische Betatigung der ungarischen Br.-. Maurer spricht noch ein 
Satz im ungarischen Maurerblatte „Kelet" vom Jult 191 1 (zitiert von Dr. Wichtl in 
„Weltfreimaurerei" [Mtinchen 1919]) folgenden Wortlautes: „. ..Wir sind Ver- 
schworer; wir verschworen uns jeden Tag mit hciHgem Glaubcri und mit Er- 
bitterung gegen die jetzige Gesellschaftsordnung" . . . — DaB es zuletzt Br.*. Mi- 
chael Karolyi war, der den Bolschewisten in Ungarn die Macht in die 
Hande gab, bestatigt aufs neue, dafl die politischen Maurer auf alien 
geraden und krummen Wegen ihre Ziele zu vollenden suchen. 

„Neue Ziircher Nachrichten" Nr. 213 (1917). 









- 83 - 

2. Serbien mufi das Ultimatum Osterreich>Ungarns abwetsen. — Dafur halt 
3.Ru6land seine bewaffnete Macht bereit zur Unterstiitzung Serbiens und 
fordert Serbien zum Kampf bis aufs Aufierste auf. 

Dies (nach der Tagesliteratur vom 26. Januar 19 16) das Zugestandnis 
des unter dem EinfluB der Grofifursten-Loge stehenden Zaren an den ser- 
bischen Geheimbund „Narodna Odbrana" und deren oberste leitende 
Haupter Paschitsch 1 ) und Dragutin Dimitrijewitsch. 

Spitze und Fiihrer der Grofifurstenpartei war Grofliurst Nikolaus 
Nikolajewitsch, 3 ) ein Vetter des Zaren und — nach der „Mittel- 
standszeitung" vom 14. Oktober 1914 — ein ^Despot alten Schlages von 
der Art Ivans des Grausamen", Nikolaus Nikolajewitsch ist durch seine 
Ehe mit PrinzeS Stana der Schwiegersohn des Konigs Nikita von Monte- 
negro: Nikita 3 ) wieder ist (nach den Forschungen italienischer Gelehrten- 
kreise) als Nachkomme und Erbe altjvidischer Hohenpriesterwurden Trager 
judischen — wenn auch verdiinnten — Blutes, und fiihrt so wieder hiniiber 

*) Nach David Lloyd Georges Urteil (vgl. seine Rede vom 19. September 1914 
in der Queen's Hall zu London) ist Paschitsch „einer der fahigsten und geach- 
tetsten Staatsmanner Europas". Naturlich — er trieb ja Logen- Politikf 

8 ) Das bose Tun rachte sich: Mitte Mai 1918 nahmen deutsche Truppen auf der 
Krim in der Nahe von Sebastopol die von Bolschewikimatrosen bewachten GroB- 
fur&ten Nikolai Nikolajewitsch, Peter Nikolajewitsch und Alexander 
Michailowitsch sowie die Kaiserinwitwe Maria Feodorowtia gefangen! 

')' Vgl. den Semigothaischen Hofkalender, Munchen (Zechner & Co.), 1. Aufl., 
S. 24 (Ahlcilung Furstcnklasse). Zur Erganzung diene, daB Nikolaus I. (Nikita) am 
13. August 1S60 nach dem Tode des Oberpriester-Regettten Danilo Petrowitsch 
Njego^cH, den Thron der v Vladlkas" (oder Eibpriestcr) bestieg und sich .,Fu!St" 
n-iuntt. Am 28. August 1910 nahm ^r den Tite] eines t ,K6nigs" an. Das cuge Yer- 
haltnis Serbiens zum Konlg Nikita — der tibrigens als D i c h t e r die a II s e r b 1 - 
jclie Hymne schuf! — verhtnderte nicht, daB die serbische radikale Maurer- 
partei wiedtrholt gegen Nikolaus I. intrigierte. Ein arges Subjekt, der Montenegri- 
ner Andreas Radowitsch, der schon einmal seinem Wohltater Nikitanach 
dem Lcben stand, wurde gedungen, um Nikolaus nach seiner militarischen Nieder- 
lage im Weltkriege des Verrats an Serbien und seinem eigenen kleinen Land der 
schwarzen Berge zu zeihen, Der Zweck ist durchsichtig: Montenegro soil seine 
Selbstandigkeit — die ihm Osterreich gewahrleisten wollte — verlieren und s e r - 
b i s c h werden. In Pan's besteht ein Komitee unter dem Vorsitz der Gemahlin des 
Brs.-. Paschitsch, dem es obliegt, die Montenegriner unter nichtigen Vor- 
wanden von der allserbischen Propaganda einsacken zu lassen, wahrend Nikita 
seinem Vblkchen das Selbstbestimmxingsrecht (das den Groflserben dann jedesmal 
nicht paBtj wenn es ihren egoistischen Zielen zuwiderlauft) wahren will. Der 
Montenegriner Milenko Stmonowitsch in Genf macht in den „Neuen Ziircher Nach- 
richten" vom 9. November 1918, denen wir dfese Notizen entnehmen, darauf auf- 
merksam, daB die seibischen politischen Wettermacher nicht davor znruckschrecken 
werden, Revolution und Eiirgerkrieg in Montenegro zu entfesseln, um zu ihren 
Zielen zu gelangen. Unterm 24. April T919 meldete das Laibacher Korrespondenz- 
bureau: „Slovenec" berichtet aus Podgoritza: Die Nationalversammlung verkiin- 
dete am 20. April die Vereinigung Montene-gros mit dem s u d s 1 a v i- 
schen Konfgreich und enthob den K6nig Nikita seines Thrones, worauf der 
Vertreter des siidstavischen Staates, Padicic (Paschitsch ?) t die ausfiihrende Gewalt 
■iibernahm, — Wir erinnern uns hier eine? Wortes des osterreichischen Brs.'. und 
Okkultisten Lazar Hellenbach Im Kapitel „Die Elemente der Staatenbildung" In sei- 
nem ..Tagebnche eines Philosophen" (S. 57), wo er sagt: ,Je k 1 c i n cv eine Natio- 
nalitat ist f desto kindisch er, eif ersiichtiger und groBenwahnsinnigerist sie". 
Ob das fur S erbie n paBt?! Vor dem Weltkriege zalilte Serbien hloB 4^ 
Millionen Einwohner (der Krieg nahm noch die Halfte der Manner fort, 
und ebensoviel Kinder, Frauen und Greise). 



zu j e n e n Maiinern aus der Entente, die mittels der ^Alliance Israelite" ') 
und „Anglo Jewish Association" ein Band urn Serbien-RuBiand-Eng land- 
Montenegro schlingen. Dann ist der Konig von Italien, Viktor Emanuel, 
durch seine Verbindung mit Prinzen Relene ebenfalls Schwiegersohn Ni- 
kitas L Durch die weitere Verwandtschaft zum Konig Peter Karageor- 
gewitsch von Serbien, welcher Nikitas Tochter Prinzessin Zorka ehe- 
lichte, bildete sieh eine neue Kette hiniiber zur serbischen „Narodna Od- 
brana" den „Sokol"bunden und zur „Crna ruka", und dies urn so mehr, 
als auch GroBfiirst Peter Nikolajewitsch eine Tochter Nikitas (Prinzefi 
Militza) zur Gattm nahm. Alle vier Tochter Nikitas (auch die noch un- 
verheiratete Xenia, die einstigc Braut Konig Alexander Obrenuwi.ichs 
von Serbien) wie auch die Konigin- Witwe Alexandra von England 
(die Mutter Konig Georgs von England und Schwester der Kaiscrin- 
Witwe von RuBland) wie auch die Kai serin-Wit we selbst galten als 
Kriegspolitik treibende Fiirstinnen *) — im Siiinc der Entente — , d. h. 
der Logenpolitik. 

Eine Zarendcpesche an den Kronprinzen Alexander yon 

Serbien wiederzugeben sind wir im folgenden in der Lage. Sie ist datiert 

vom 27. Juli 1914, also aus unmittelbar kritischster Stunde. Das Tele- 

gramm lautet (nac'h Dr. M. Boghitschewitsch, „Knegsursachen") : 

, Euere Kbnigliche Hoheit haben, als Sie sich in eincr auflcrordcntlich sebweren 

" Minute an mich wandten, sich nicht in den Gefiihlen getauscht, die ich zu Ihnen 

hegc, und auch nicht in meiner herzlichcn Zuneigung zu dem serbischen Volke. 

Die jetzige Lage lenkt meine ernsteste Aufincrk&amkcit auf sicli und meme Ke- 

gicrung macht alle Anstrengungcn, urn die vorhandenen Schwierigkeiteu aus dem 



*) Im jetzigen Weltkricge und s ein en Folgen spiel t die „A Hi a nee Israelite" — 
, die den Zugana bis zu den machtigstcn Thronen (England!) finder und vor der 
sich in alien Entcntelandeni politische und burgerhche Behorden neigcA (vgl. die 
Allgemeine Zeitung des Judentums" vom Februar 1891) — auf der Seite der En- 
tente cine 111 aller Vorzcit nicht crrcichte Rolle, und ibre geticuen Diener salien 
und sehen wir am Ruder in Paschitsch 111 S e r bie n; Sir Cecil Rhodes, Xorthcliffe, 
Swaithling, Rothschild, Eawson, Wandsworth, Burnham, Burnay, Rufus Isaacs, 
Kienroli (Rosenbaum;, George Ernest (Seligsohn), B. L, l'utnain (Simonsohn), Sir 
Ernest Cassel (den Intimus Konig Eduards VII.: sein Reich turn soil 250 Milhonen 
Franken ubersteigen), Sir Edward Sasson (Sa&soon) (der auch Bedehungen zu 
Konig Eduard hatte) in England; Rothschild, Lavino in F r a n k r e t c h; GroJi- 
nicister Lemrai, JiistizminUter Gallo, Schatzmmistcr Luigi Luzzati, Schatznnni&tur 
Majorana, Uiiternclitsministcr Rava, AuJienmintster Sonnino, Kriegs minister Otto- 
Leughi, GroBmcistcr Kathan in Italien; Waxweiler (t) in B e 1 g 1 c n ; Roosevelt 
(Rosciifeld) Nathan Stiauli, Morgan, Bernard Baiuch (Director der saintlichen 
Kfiegsindu&tiien der Vereinigtcu Staaten und Vertretei von 26 Eiitenteregierungcn 
in den Tiansaktioncn [Vcrhandluiigen und UnterliandlungtmJ 111 alien Teilen der 
Welt) in A m er Ik a; Fonseca, Castro und Pereira in Portugal und Brasi- 
lien usw., die duichweg Brr.-. Maurer waren und sind. — In Deutschland 
hatte das Juekntum znm grofien Teil cine dcutsch-nationale Entwicklung genom- 
men im Gcgcnsatz zui cnglisch-oriuntierten in den Ententestaaten, wie der VVelt- 
krieg zeigte und die Palastmairage bcwei&t (auf wclcbe wir an andcrer S telle 
noch zu sprechen kommen). Deshalb konnte sich der verhangnisvolle Einfltifl der 
..Alliance israclite" auch nur 1 11 Gemtmschaft mit d e r Entente-Frei- 
matirerci xu seiner krassen Form auswachsen. 

8 ) Vgl. dazu „Dic Modenwelt", 1916, Heft 16. Siehe auch den ..Ziircher Tages- 
anzeigcr" Nr. i8y vom 14. August 1914: „Da^ Haupt der russischen Kriegspartei": 
dort wurde u. a, der von den „slavischeu Prinzessinncn" vor dem Verhangnis in 
Petersburg unterhaltene „Salon der panslavistischen Be^vegung'' besprochen. 






- 8 5 - 

Wege zu raumen. Ich zweifle nicht, daB Euere Hoheit und die Konisliche Re- 
giernng von dem Wunsche durchdrungen sind, diese Aufgabe urn jeden Preis 
zu erleichtern und zu eincr Losung zu kommen, die, nnter Aufrechterhaltung 
der WiirdevSerbicns, die Schrecken eines neuen Krieges verhiiten wurde. So- 
langc noch die geringste Hoffnung auf Verhtitung des BlutvergieBcns besteht, 
mussen alle unsere Bemiihungen auf dieses Ziel gerichtct sein. Sollten wir 
aber entgegen unseren aufnch tigs ten Wiinschen dann kemen Eifolg haben so 
konnen Euere Hoheit dessen sicher sein, daB RuBland in kemem Fall* dem 
Schicksal Serbiens gegeniiber gleichgiiltig bleiben wird." 
Am 29. Juli 1914 berichtete der russische Geschaf tstra- 
gerinBelgrad nach Hause (vgl. Russisches Orangebuch, S. 57) : 

Ich teilte den Text des Allerhochstcn Antworttelegramms (des Zaren) an den 

" Kronprinzen Alexander (noch dem Ministerprasidenten) Paschitac h mit, der 

nachdem er es dtirchgclesen, sich bckreuzigte und sngte: GroJJer Gott, 

groB und gnadig ist der russische Zar.' Darauf umarmte er imcn. 

Der serbische Kronprinz aber richtete unterm 29. Juli 191 4 folgendes 

Antworttelegramm an den Kaiser von RuBland: 

Tief gcruhrt durch das Telegramm, mit dem Euere Majestat mich gestem zu 

" begliicken geruht haben, beeile ich mich, Euer Majestat von ganzem Herzen 

meinen Dank auszu^rechcn. Ich bittc Euere Majestat, versichert zn sein, 

daB die herzliche Behandlung, die Enere Majestat meinem Lande zuted werden 

lassen, fur uns besonders wertvoll ist, und nnsere Seele mit der hottnung er- 

iiillt daB die Zukunft Serbiens, nachdem sie Gcg en stand der wo hi w oil en den 

Fiirsorgc Euerer Majestat geworden, geaichert ist. Die schweren Zciten musscn 

die Bande tlcfer Zuneigung festigen, die Serbien mit dem hciligen slaviachen 

Knliland verkniipfen, und die Ccfiihle tiefer Dankbarkeit fur die Hilfe und den 

Schutz Euerer Majestat wciden in den Seclen aller Scrbcn wie ein Heiligtum 

anfhewahrt werden." 

AuBer den Zaren -Dokumen tea erschloB die Uberwaltigung Serbiens 

der forschenden Welt ein weiteres wichtiges Schriftstuck. Im serbischen 

Staatsarchiv das nach Soiia vcrbracht wurde, fand sich eine Handschnft 

vom seinerzeit 111 Belgrad p 1 6 t z 1 i c h gestorbenen russischen Gesandten 

Hartwig uber das Attentat von S a r a j e w o , aus dem hcrvorgeht, daW 

man in Petersburg die Meldung von dem von der „Narodna Od- 

brana" vollbrachten Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand schon 

mehrere Tage f ruber erwartete. 1 ) Dies Manusknpt &pncht 

») DaI3 man in Petersburg das Attentat des Frincip und seines Freundes, 
des 21 jahngen Bombenwcrfers Sohriftsetzers Gabrinovic, schon cimge lage 
iruher erwartete, erklart uns, daB der Erzherzog, den dassclbe traf, vor dem An- 
tritt seiner Todesfahrt naeh Bosnien von Todesvorahniingen crful It War. ^dan- 
ken sind kbendigc Wcsenhriteu, die denjenigen auisuchen, gegen den sie genchtet 
sind Die Absichtcn nicht nur der Morder, sonde ru auch die Gedanken der 
rus-sischen treibenden Machthaber um^chwirrtcn den Erzherzog branz : Ferdinand 
mid fiofiten ihm, dem feinempfindenden Mtnschen, der nach dtiu Infantcn Uon 
Tadeo in Hermann Bahrs „Himnielfahrt- (Roman, Berlin 191% S. 3O2) schon 
zu Lcbzeiten Jaogst die Grenzen irdiacher Wirksamkcit tiberschnttcn hatte und 
schon nit cinein I-uB in dem anderen Raum des rem ge.st.gen Tuns s and ,ene 
sonderbaie Beklemmun ff ein, von der er seiner nachsten Umgcbiins auf ScliloB 
Konopischt selbst Mitteilung geniacht hatte, bevor er senn. Iteise nach bara- 
jewo antrat. Eben diese durch fenmirkende Gedankenubertrasung (Telenathie) ge- 
gebeiie Soelenveriassung des Erzherz-Ogs notigte diesen, die_ Erzhcrzogjn zu bit^ 
ten. dV .Todesreise" nicht mit ihm zu unteruehmen (docli ging Franz Ferdinands 
Gemahli; nirht aui die.e „Warnung" ein). Eine ah nlichc „\orfnhlung in Vor- 
bereitnng sich benndender Ereiguisse veranlaBte den Erzherzog noch e.n.ge Mo- 



— 86 — 

Bande, und wir brauchen der einfachen historischen Meldung dieser Tat- 
sache durch die Wiener „Neue Freie Presse" (4. August 1916) nichts hin- 
zuzuftigen. 

mente vor dem Attentat zu dem Aus^pruch (dcr im Juli 1914 durch die Blatter 
ging); „t>ie Kugel, die fur raich bestimmt ist, ist schon gegossen!" 

Erwahnt sei an dieser Stelle noch, daB auch der B i s c h o f von GroBwardein, 
Dr. Joseph von Latiyi, S. J. (der Lehrer der ungarischen Sprache beim erraor- 
deten Erzherzog), am 28. Juni 1914 morgens 5^ Uhr durch Traumgesicht 
Kunde von dem beahsichtigten Attentat erhieit (die Ermordung eriolgte 6% Stun- 
den spaterO- Dr. Lanyi traumte, daJ3 zwei junge Burschen aus der Strafienmenge 
hervorbrachen und auf die bciden Hoheiten schosscn. Der Erzherzog selbst, so 
traumte Lanyi, teilte in einem eigenhandschriftlichen BrieFe dem Dr. Lanyi mit, 
daB er „heutc mit seiner Krau in Sarajewo als Opfer eines politische^ Meuchel- 
niordei falle". Der Erzherzog bittet durch das Traumerlcbnis seinen Lehrer und 
Priester um christliche Fikbitte und McBopFer. TJnterschriehen war der ertraumte 
Brjef mit Datum und Zeitangabe deg Aufwachens dcs hclltraumenden Bischofs von 

- GroBwardein. — Auch dieses zweite „Vorgesicht" findet auf verschiedene Weise 
seine Erklarung. Eine MogJichkeit ist, daB der Seher (Bischof Lanyi), im SchlaFe 
aus seinem physischen Leibe heraustrctcnd, die Dinge schaute (die in Vor- 
bereitung waren inner h alb der Gedankenwelt der Attentate r und ihrer An s titter), 

-.welche der Erzherzog in seinem Geiste gespiegelt fand und woran sich des Erz- 
herzogs eigene Reflexionen in lehendiger Art ankniipften. Die Imagination 
des Sehers Dr. Lanyi kann genau die Form angenommen haben, wie sie im 
SeeJen- und Gedankenleben des Erzherzogs bereits Gestalt genommcn 
hatte, doch kann sie auch bei Dr. Lanyi selbst rein symbolisch sich eingestellt 
hahen oder auch direkt aus den geistig-seelischen Gedaukenquellen der Attentater 
und^ ihrer Hinterleute gespiegelt worden sein. (t)ber die Erzahlung dieses Vor- 
gesichts vgl. ,,Ba)kanstimmen" [Herausgeber P. A. Puntigam, S. J., Sarajewo], „Zen- 
tralblatt fur Okkultismus" [Leipzig, Max Altmann, April 1918] und „Neue Ziircher 
Nachrichten", Nr. 119 vom 1. Mai 1918.) 

Wir rnochten an diesen Dingen nicht vorbeigehen, ohne noch einmal an Her- 
mann Bah 1 & Roman „HimmelE^hrt" anzukntipfen. Der Dichter — ein Osterrei- 
che«* ~~ A ermag sich ungemein zart und sensitiv in die Wahrheiten geistigen Ge- 
schehens einzufuhlen. Dies zeigt er nicht nur darin, daJ3 er eincn Engtander schil- 
dert, der fest iiberzeugt davon ist, daB es eine Freimau reorganisation 
gibt, zu de'r zti eehoren, einem iiberall offene Turen und Zutritt verse hafft, — 
nein, dieser Englauder spricbt auch noch von einer vie) machtigeren Verbindung, 
die noch h i n 1 1 r den Freimaurern steht: ,,eine besser geleitete, machtigere Ver- 
bindung hoherer Art". Der Englander — „zwar nur im Roman", aber von tiber- 
zeugender Realitat — „lieB sich nicht ausreden, dai3 die Welt von einer kleincn 
Gruppe geheimer Fuhrer heherrscht wird", die die Geschjchtc im Verborgenen 
macben „und doch selhst ihren nachsten Dienern unbekannt sind" wie diese wieder 
ihnen, und daB ,,vielleicht im letzten innersten Kreise dieses verborgenen Weltgewe- 
bes Rabbiner und Monsigoori hochst eintrachtig beisammen sitzen". — Sicher ist' 
fiir jeden, der wirkjich crnst in die Welt schaut, daB es in Wahrheit so etwas wie 
eine noch viel okkultere GesellschaFt als die Freimaurer oder vielmchr m e ]i r e r c 
hochst okkulter Bruderschaften gebenmuB, nach deren Intentionen, Inspiratio- 
ncn und selbst auBerlichen Anweisungen die Dinge der sichtbaren Welt vor sich 
gehen. Viele Freimaurer wissen von solchen Geheimbrfldem, die ebenso nach 
der linken wie der rechten Selte hin wirken und auch gleichsam wie durch eine 
Parlament-Rede in die zeitiichen Geschehnisse eingreifen bezw. diese bedjngen kon- 
nen. Im guten wie auch im bosen Sinne. I in bosen Sinne durch MiBbrauch sonst 
gebeiligter Institutions. Im gutcn Sinne als t ,die Linsen Gottes" — uni mit Her- 
mann Bahrs Kelden, dem Grafen Franz (S. 226) zu reden — „die flcn schaffenden 
Geist sammeln und in die Welt streuen als die geheimen Ordner und ver- 
borgenen Konige, durch die zuletzt doch aller Wahnsinn immer wieder zu 
Vernunft, die Leidenschaft zum Schweigcn gebraclit, Zufall zur Notweudigkeit, 
Chaos zur Geptalt r Finstcrnis zur Hetligkeit gefiihrt wird . . . Wenn wir ihren Weg 
kreuzen, haben wir, oft im selben Augenblick, manchmal nach J ah re » erst, das be- 



- 87 - 

Doch nicht nur in Petersburg, sondern auch anderswo konnte man 
den Tod des herzoglichen Thronf olgerpaares nicht schnell genug bestatigi 
finden Der Moskauer „RuBkoje Slowo" enthiillte diese schreckhene ^e- 
eierde nach dem Blute des furstlichen Faares ein Jahr spater : Em groBes 
Fest fand .irgendwo" statt in einer grofien Provinzstadt. Zchntausende 
urn Zehntausende Festgaste nahmen teil. Da drangte man sich vor dem 
Telegraphcnamte: .,1st denn noch kein T e le gr a m m d a? Und 
das Telegramm kam - und meldete die Ermordung Franz Ferdinands 
und der Grafin Hohenheim ... Man war befnedigt ! \ 

Die eigentliche Ursache des serbisch-dsterreichischen Zwistes wurde ]a 
in der O k k u p a t i o n von Bosnien und der Herzegowma durch fa Do- 
nau-Monarchie gesucht, die zur ..bosnischen Krise (1908) fuhrte Da 
ist nun gewifl bezeichnend, daB der chemalige serbische ^ Geschaf tstrager 
in Berlin Dr. M. B o g h i t s c h e w i t s c h , in seinem eben erschienenen 
Buche ..Kriegsursachen" (Zurich 1919) darauf hinzuweisen fur notig fin- 
det, daB der fruhere serbische Ministerprasident Jovan R 1 s 1 1 1 s c n in sei- 

Lnk («mvon der geistigen Welt her \m Sinne jemer hohen he rech- 
U /t e „ IdeTle °n de r Richtun K eine, here c h I : i « t e n A u . i 1 1 « = 1 1 c u. zw.schen 

dfum dieTer philosophhchen DkhUmg Hermann Bahrs d.e emene.t, we e m hohes 
leherbild amulet, ander S eit S gleichs.m e.ne mahnende B«tat>gung <«"*££*£ 

unita" in Rom de^Geeinten Italien", das seine Spitze gegen Osterre.ch kehrte, d>e 
S3 nge SrinerDoIch« aber von RuBIand und England gefuhrt wufite 
Tvgl Dr Fr Wichtl, „Dcr wahre Anstifter des WdtknegcB', S. 34- 



— 88 — 

nem serbisch geschriebenen Buche „I>iplomatische Geschichte Serbiens", 
Bd. II, S. 250 fif. mitteilte, dafi ihm (Ristitsch) angesehene russische Po- 
litiker schon auf dem Berliner Kongresse (also schon 1878!) ge- 
sagt hatten, „die Okkupation von Bosnien und der Herzegowina wiirde 
hochs.tens 15 Jahre dauern, denn nachher wiirde man 
auf alle Falle mit Osterreich abrechne n". (Danach hatte 
Osterreich von Serbien bezw. dem „Balkanbund" also schon bis spatestens 
1893 mit Krieg iiberzogen werden sollen!) — Dr. Boghitschewitsch fiigt 
dem bei, dafi wahrend der „bosnischen Krise" England bereits doppel- 
ziingige Politik trieb, denn 1908 versicherte Britannia der osterrei- 
chisch-ungarischen Monarchic die voile Unterstiitzung in 
der bosnisch-herzegowinischen Angelegenheit, — im Jabre 1909 absr iiber- 
bot es sich selbst in feindlicher Hinsicht gegenuber Osterreich-Un- 
garn, indem es Serbien unterstiitzte und an Serbien alle 
osterreichischen Generalstabsplane verriet, die Eng- 
land irgendwo erfahren konnte, — vielleicht aus Rache dafiir, weil es 
Konig Eduard VII. nicht gelang, Osterreich von 
Deutschland zutrennen. 

In immcr scharferer Weise aber hebt sich die serbische Politik gegen 
die Donaustaaten noch dadurch ab, daB Br. * . P a s c h i t s c h als Chef der 
radikalen Partei Serbiens in eincr seiner Wahlreden im Jahre 1 9 1 2 6 f - 
f e n 1 1 i c h aussprach, daJ3 das Schicksal Serbiens unzer- 
trennlich mit dem Schicksal der Entente verkniipft sei 
(wie Boghitschewitsch schreibt). Dieser allmachtige Br.*. Pa- 
s c h i t s c h sagte auch im August 1913 nach Beendigung des ser- 
bisch-bulgarischen Kriegcs in Marienbad personlich zu Boghitschewitsch: 
„Ich hatte schon im ersten Balkankriege, um auch Bosnien und die Her- 
zegowina zu erwerben, es auf den europaischen Krieg ankommen lassen 
konnen; da ich aber befurchtete, daB wir dann B u 1 g a r i e n gegenuber 
in Mazedonien grofiere Konzessionen zu machen genotigt waren, wollte 
ich zunachst den Besitz Mazedoniens ftir Serbien sichern, umdannerst 
zur Erwerbung Bosniens und der Herzegowina schreiten zu konnen." 
Im gleichen Jahre auf der Bukarester Friedenskonferenz aber hatte Br.-. 
Paschitsch zu seinemgriechischen Intimus Br. ■ . Politis, diesem jovial die 
Schulter klopfend, freundschaftlich gerufen; „Die erste Partie ist gewon- 
nen t jetzt fehlt nur noch die Vorbereitung fur die zweite Partie gegen 
Osterreich !" (Vgl. Boghitschewitsch, a. a. O.) 

Bei dem gr oil en Einflufi, den Br.-. Niklaus P a s c h i t s c h auf die Entwtcklung 
der Weltpolitik seinerseits ausiibte, der so weit ging, da£S Br.-. David Lloyd 
George in seiner Rede vom 19. September 1914 in der Queen's Hall zu London 
diesen Br,-. Paschitsch als sl einen der fahigsten und geachtetsten Staatsmanner 
Europas" bezeichnete, mogen ein paar ktirze biographisclie Notizen diesen Mann 
skizzieren. Seiner Abkunft nach ist Br ,- . Paschitsch uberhaupt kein Serbe, 
sondern Bulgaro-Mazedonicr, und als soldier cigentlich ein Renegat, ein 
Abtrunniger gegenuber dem Wohle seines eigentlichcn Stammlandes. Andererseits 
lafit uns diese mazedonische Herkunft aber wieder verstehen, warum Serbien ntin 
alles daran setzte, nachdem Paschitsch docli „Serbe geworden" war, das bul- 
g a r i s c h e Mazedonien zu „serbisieren" (vgl. dariiber im Kapitel f ,Rumanien"). 
Niklaus Paschitsch stutiierte am Polytechnikum Zurich, wurde von Bemf eigent- 
lich Ingenieur, trat aber dann zur politischen Laufbahn iiber. Als Politiker stand 
er ganz auf Seite der russiscfren Interessen. In den „Neuen Ziircher Nachrichten" 
vom 5. und 19. Juni 1918 ward er geschildert als Rauber von serbischen Staats- 






geldern, wie als Oberhaupt der jugoslavischen Einbrecher-, Falscher- und Spitzel- 
zunft von Geni und als Hochverrater an Konig und Vaterland wie als Agent 
Bulgariens (t) zur Zeit des serbisch-bulgarischen Krieges 1886. Boghitscne- 
witsch schildert ihn als Aufriihrer gegen den verstorbenen Konig Milan yon 
Serbien. Nach dem Aufstande von Zajetschar und dem Attentate auf Konig Milan 
im Jahre 1889 wegen antidynastischer Umtriebe in contumaciam zum Tode ver-. 
urteilt (Br.*. Paschitsch weilte in jener Zeit in seinem dgcntlichen Vaterlande 
Bulgarien), wurde er doch spater von Milan begnadigt. Vor und nachher, und 
bis heutigen Tages, war Niklaus Paschitsch immer der Chef der serbischen radi- 
kalen Partei die er aber durchaus terroristisch-mittetalterlich bevormundete. Unter 
Konig Alexander und der Konigin Draga Maschin gelangte Paschitsch in den 
serbischen Senat; nach der Ermordung des eben genannten Konigspaares stellte 
er sich der Dynastie Peter Karageorgewitsch zur Verfiigurrg, nut der er schon 
vordem in der Schweiz — denn auch Konig Peter lebte in diesem neutralen Lande, 
bevor er die Krone ergriff — Beziehungen unterhalten hatte. Nun begann Br.'. 
Paschitsch seine grofiserbisch-russische Politik (die ihm den Alexander- Newsky- 
Orden einbrachte) und deren Spitze sich gegen Osterreich nchtete. Nach dem 
Ableben des friiheren serbischen AuBenministers, M 1 1 o w a n o w 1 1 s c n ernes 
aufrechten ehrlichen Mannes und G e g n e r s des Paschitsch, ubernahm Paschitsch 
selbst das AuBerc. Wie Said Pascha, Achmed Pascha, Baron Bruck (vgl. S. 98) 
und Almerayda (vgl. Frankreich) verschied auch Milowanowitsch eines ebenso 
plotzlichcn als unanigeklarten Todes ... . 

Es lafit sich noch beifugen, dafi Br.-. Paschitsch auch als Brautwerber fur 
den Kronprinzcn Alexander von Serbien beim Zaren auftrat, um erne Zarentochter 
auf den groBserbischen Thron zu bringen. „Ihr (der GroBfurstin) EinfluB und 
Glanz wird die ganze Balkanhalbinsel umfassen", hatte Br.- Paschitsch am 
2 Februar 1914 dem Zaren in Petersburg zugefliistcrt. Und der Zar sprach benn 
Abschied des serbischen Ministerprasidenten mit Warme: „GruBen Sie den Uerbi- 
schen) Konig, und sagen Sie ihm: Fur Serbien werdcnwir a 1 1 c stun 
wobet es sich aber nicht etwa nur um die „zukunftige Zarm Sudslaviens handeln 
sollte, sondern um die ganze politische M i s s i o n , die Br.-. Paschitsch 
beim Zaren zu erfullen gehabt hatte: um die endgtiltige Zusage des russischcn 
Kaisers in der grofiserbisch-antibsterreichischen Politik! Und nicht wemger als 
geniigend Kanonen (Haubitzen), entsprechende Munition und 120000 Gewehre 
hatte Paschitsch vom Zaren verlangt, um besser gegen Osterreich marschieren zu 
konnen. Und der Zar war einverstanden und Ssasanow bekara von Paschitsch 
den diesbezuglichen serbischen Wunschzettel (vgl. Boghitschewitsch, „Knegs- 
ursachen"). 

Eingeflochten kann werden, dafi nach den Darsteilungen Dr. Boghi- 
tschewitschs die gesamte Tripelentente auch bei den B a I k a 11 k r 1 e g e n 
die Hand im Spiele hatte, und dafi es im besonderen der damalige franzo- 
sische Aufienminister Br.-. Poincare war, der 191 2 auf Seiten der 
serbischen GroBraachtspliine stand, 

DaB S e r b i e n — wie man vielleicht meinen konnte — nicht etwa in 
R anz kulturriickstandiger Weise personliche Geheimbundelei 
trieb das geht daiaus hervor, daB Serbien zur groBen sogenannten / we 1 - 
hundertjahr-Gedcnkfcicr der F r e i m a u r er c 1 im Jum 
IQI7 (die freilich mehr nur eine Kriegskonferenz der Entente- 
Maurerei und der Freimaurer der neutralen Staaten war, und an der auch 
die Schweizer Masormisten teilnahmen) seinen Delegierten, deri ehemah- 
K cn serbischen Gesandten in W i e n , Br . • . J o w a n o w 1 1 . s c h (n 1 c h t 
den wegen schwerer Verscliworung hingerichteten Misko Jowanowitsdi 
vgl S 77) nach Paris entsandte. (Dieser Br. ■ . Jowanowitsch entscheidet 
ietzt auch im Ententekollegium mit uber die Schuld am Knege.) An 
dieser Juni-Konferenz war die Frage des Selbstbestimmungsrechts (des 



-if ' 



— 90 - 

sogenannten M Plebiszits*') der „irredenten" oder Tl unerl6sten" Gebiete 
eines der Haupt-Traktanden gewesen, die nachher zu heftigen Angriffen 
4es italienischen Volkes gegen die GroBorientloge von Italien, zum ,,bcan- 
dalo rnassonico", fuhrte. In spateren Monaten bemuhten sich die ita- 
lienischen Logenbrr.-. Sonnino, Nathan usw. wieder um die Freund- 
schaft der Jugo-Slaven, denen sie manche verlangte Konzession inachten. 
Das italienische Volk aber beruhigte man tiber den Verlust der i t a - 
lienischen Aspirationen an die Jungslaven. In Sachen tagte am 
8. April 1918 auf dem Kapitol in Rom die irredentistische Slaven- 
konferenz, zu deren Besuch wieder nur dfe R e g a 1 i e (das Ab- 
zeichen der Freimaurer) berechtigte. Nicht zugelassen wurde u. a. der 
Direktor der Zeitschrift ,JugosIavie" in Genf, Gustinicic, weil er 
nicht jm Besitz des ntitigen Maurerdiploms war. Als offizieller A^er- 
treter der serbischen Skupschtina (des serbischen Parlamentes) war da- 
gegen anwesend der eben genannte ehemalige Gesandtschaftssekretar in 
Berlin ; , jetzige serbische Gesandte in Bern, Br.-. Jowano- 
w i t s c h , der Vertreter Serbiens auf der Zw e in under tjahrfeier in Paris 
im Sommer 1917. Und die Brr. - . Bissolati und Commandini 
-sandten- Liebenswurdige Telegramme zu dieser Tagung italischer und 
sudslavischer Politiker und osterreichischer (polnischer, tschechischer, 
rumanischer) Vaterl an dsver rater . . , Von Frankreich waren an- 
wesend die Brr. - . Thomas und Franklin Bouillon; England 
hatte Wickham Steed und Seaton Watson, Amerika Nelson Gay 
delegiert. Die Genfer Zeitung „La Serbie" sandte ihren jiidischen Redak- 
tor Dr. Lazar Markowitsch. 

Man erlebt auch daraus die Wahrheit des Satzes, den der „Badische 
Beobachter" unterm 1. Juni 1917 schrieb: 

„. . . Es ergibt sich mit Notwendigkeit, dafl das Internationale Logentum auch die 
voile Verantwortung fur die Regierungsmafinahmen der regierenden Logenbrii- 
der auf sich nehmen muS, und es ist ebenso verantwortlich fur die Einkrei- 
sungspolitik (gegen DeutschUnd) wie "fur die von der Loge veranlaflte Er- 
mordung des osterrelchischen Thronfolgerpaares, fur Kriegsgrund und Kriegs- 
artlaB . . ." 

Die Wahrheit dieses Satzes erhellt umsomehr, als man sieht, daB der 
„Friede nur von Maurerbrudern diktiert wird, und daB in Serbien 
(wie anderswo in den Ententestaaten) aufs neue die B r r. ■. Mason- 
n i s t e n die Leitung der Regierung haben. Von Serbien aus wurden die 
Brr. *. Niklaus Paschitsch, Korasetsch und Dr. T r u m - 
b i t s c h als Vertreter der Jugoslaven nach Paris zum „FriedensschluB" 
entsandt (vgl. die Meldung des tschecho-slovakischen PreBbureaus vom 
17. November 1918), woselbst sie den „Pariser Vertrag" unterzeichneten, 
„der den siidslavischen Staat garantiert". Ins groBserbische Mi- 
tt i s t e r i u m aber traten ein (nach dem Laibacher Korr.-Bureau vom 
16. Dezember 191 8) die Brr.-. Nikola Paschitsch als Ministerprasi- 
dent, Korasetsch als Vizeprasident, Dr. Anton T r u m b i t s c h als 
Minister des AuBern, P r o t i t s c h fur die Finanzen usw. Br . ■ . T r u m - 
bitsch gehorte zu den „Richtem f * tiber die Mittelstaaten auf der Vor- 
friedenskonferenz in Paris. 

Was den Einmarsch Osterreichs in Serbien aber betrifift, so hatte 
— nach einer SPT.-Korrespondenz aus Genf im „Zurcher Tages-An- 



— 91 — 

zeifrer" vom 27. August 1917, die auf dem englischen ti Blaubuch" und dem 
osterrelchischen .Gelbbuch" wie auch auf Mittejlungen des <&**** 
Schriftstellers Headlam in der ..Times" und des Panser ^it arbiters des 
Journal de Geneve" basierte — , was diesen Einmarsch betnfft, so hatte 
die Wiener Regierung den Greyschen Vorschiag vom 
2Q Tuli 1014: B e 1 g r a d wohl besetzt zu halten, aber eincn we 1 1 e r e n 
Vormarsch durch Serbien vorlaufig zu unterlassen durchaus a n g e - 
no mmen; aber die hieraulbezUglichezustomende Wiener 

Antwortdepesche ist dem Konige von England nie- 
ma hausgehandigtworde,! Wo blieb sie -? Die Existenz 
dieses Wiener Einverstandnis-Telegramms zum Vorschiag Grey wurde 
erst durch den von Berlin zuruckberufenen amenkamschen ^™to- 
trlger Gerard in den Augusttagen 1917 enthuHt 1 ). Am 23. Oktober 
iqi8 aber unterbreitete der ebenfalls ermordete Graf T 1 s z a dem ungari- 
rischen Abgeordnetenhause zwei Dokumente, als Beweis dessen, dafi 
UngSn def Krieg nicht haben wollte und ihn von An fang an als Ver 
teilgungsfcrieg fuhrte. Das erste Dokument ist eine v^txauhchc schnf t- 
liche^Jnterbrefttmg an weiland Kaiser Franz Joseph, die der Redner als 
damaliger ungarischer Ministerprasident am 8. Juli 1914 machte. lisza 
stelltefm VeHaufe seiner Ausfuhrungen fest, daB in der Angelegenheit 
des Ultimatums an Serbien keinerlei Besprechungen nu t dem 
deutschen Kaiser oder mit irgend einer andern verantworthchen deut- 
schen Steile stattfanden.^) „Wir haben" fuhrte Tisza ai», „das Ulti- 
ma t u m i n W i e n b e s c h I o s s e n und semen Text m Wien 1 e m« 
gemeinsamen osterreichisch-ungarischen Minister konferenz ^stgestellt 

■ g Der ganze Trug Br.-. Sir (Vicomte) Eduard Greys in Hmsicht der 
serbischen oder belgischen Polite Englands erg! bt s^ch ]a 
ubrigens von selbst. Man muB nur wissen, was der russische Diplomat 
AN Brancaninow (der eine russische Fiirstin Gortschakow aus 
den ersten politischen Kreisen zur Frau hat) in der Nowoje Zweno 
(Das neue Glied") schrieb. Am 28. Marz 1914 (D ^ eb Brancamnow 
der treueste Freund des t s c h ec hi s c h e n Drahtziehers der 
Entente Dr. K ram arse h, „der niber die serbisch-tschechischen 
Pllne durchaus inf ormiert war" : Br . • Sir Edward Grey habe ihm ^gesagt 
daB England an dem groBen Kriege teilnehmen werde in ein paar ^ Wochen 
werde der Weltkrieg ausbrechen! ») - Die ..Nowoje Zweno erscbien das 
Tste Mai Ende Dezember 1913 « St. Petersburg unter Assistenz oder 

; ~~~) Vkl~dazu auch Nr. 481 der ^Zuricher Post" vom i 3; Oktober 1917. - Wenn 

-) Va . „N*ueFreie VolkBzeitung'', Munchen 1^18 Nr. 217. ™* R ™*%f mit ' 
glied wfchtl, „Der wahre Anstifter des Weltkncges f ' 3 Muachen 1918, S. 3^33^ 



— 92 — 

Oberleitung von Br.*. Dr. Karl Kramarsch, der selber in den Spalten 
dieses Wochenblattes die Zertrummerung Osterreichs pro- 
klamierte. Herr Brancaninow aber ist der Mann, den 
die beiden Logenheiligen Sir Edward Grey und Pre- 
sident Poincare im Marz 1914 in Audi en z cmpfingen, 
und der das Ergebnis seines Besuches dann am 28. Marz ira „Neuen 
Glied" etwa folgenderart beschrieb : „England ist bercit, an der Seite 
Rufilands und Frankreiclis zu kampfen. Der Krieg bedeutet fiir Eng- 
land einen erwiinschten Ausweg aus den jnneren Schwierigkeiten" *) 
(was so viet heiBt wie eine verkappte Revo3uti6» gegen sein eigenes „be- 
gehrliclies Yolk", die Arbeiter und , , Horn erule"- Elements [Iren] usw.). 
Brancaninow halt zwar diesen „Ausweg" fiir eine der britischen 
Heucheleien, was hier nicht unbeachtet bleiben soil ! 

Wir beschliefkn das „scrbische Kapitel" mit tin paar Worten iiber den 
serbischen Imperialismus. Die Tagesblatter vom 7. Januar 1919 ver- 
kiindeten die serbischen Kricgsziele nach der bulgarischen Seite hin 
(nach der Auskunft der Agence Bulgare) : „Der serbische offizielle ,Sama 
Up raw a' teilt mit, daB die Serben an der Friedenskonferenz die Aneignung 
der bulgarischen Stadte Vidin, Iran, Kiistendil und Strumiza verlangen 
werden, um die unzivilisierten Bulgaren zu bestrafen". Aile diese Stadte 
sind rein bulgarisch. Vidin war sogar die Hauptstadt des alten nordbul- 
garischen Staates zur Zeit des Zaren Straschimir und niemals von Serben 
beherrscht, nicht einmal zur Zeit des serbischen Duschan des Macbtigen, 
als das serbische Reich am groBten gewesen ist, Fiir die „Kulturlosig- 
keit" der Bulgaren lassen wir die offizielle Statistik sprechen : Nach diescr 
sind in der Gegend, wekhe sich die Serben an eigne n mochte, heute mehr 
Schulcn, namlich 168a, als in ganz Scrbicn, wo nur 1367 aufzuzahlen sind." 



„Man darf nicht vergessen, dafl RiiUl;mcl jetzt wie 
vor hundert Jahren fiir England nur als der un- 
geheure Ambofl noUvcrulig ist, auf dem cs seine Po- 
litik sclmiiedet. Vor hundcrt Jahren hat England auf 
unfeert:m Riicken Napoleon geachlagen. Jctzt geht 
es ans Werk, Deutschland zu schlagen mit sei- 
nem und dem franzesischen Hammer, wobei die 
ganze Lastunserer Hilfe zitfallt." 

Mentschikoff (5. Januar 1914). s ) 



Wir gehen nun zu 



Ruflland 

uber, als zu der GroBmaeht, die Serbien bei dem bosen Treiben der „Na- 
rodna Odbrana" unterstiitzte und selbst audi zuerst mobilisicrte. Rufi- 
)and anerkannte — seit der endgultigen Schlieijung der Frciinaurcrlogen 
unter Nikolaus Pawlowitsch im Jalirc 1826 — die Masonnisten nicht; 
dessenungeachtet war RuBland von einem ganzen Netz von Gcheimhiin- 
den iiberzogen und wurde vom intcrnationalen Maurerbund gelenkt. Als 
„zaristische Geheimbimdc" werden genannt das „Schwarze Hundert" und 
die }I Ochrona". Der letzte Zar Nikolaus II. selbst wurde unter die Alalthe- 



4 



') Siehe Anm. 3 auf S. 91. 



■) Vgl. ..Ziiricrjcr Post" Nr. 314 (1919). 



— 93 — 

serritter eerechnet. >) Es existicren dann — wie schon S 32 bemerkt 
warde JZ RuBland noch der Kahal (oder Cheder Hakahel, groBrus- 
sisch Kagal) und der B e t hd i n ; crsteiw war erne GroBorgan.sa on 
von^ahllosen „Munizipalre P ubliken" (wenn man so sagen durf te) , und 
ward in einer At patrizischcr Oberherrschaft geleitet. Der Bethdm wurde 
von de iristi.chen Regierung teilwcise anerkannt: man konnte .hn eine 
neuere aber ganz unarische „Feme" (Genchtshof) nennen Der Kahal 
veridgte Ub rfe rcichsten Mittel und groBe kommunale Bes.tzungen; die 
roslcie Revolution von .904/06 stand unter dem groBen EmfluB d.eser 
gehemen GeleHschaft, die schon .893 von der russ.schen Regierung ver- 
boten wurde (bis dahin war sie gesetzlich zugelassen) aber trotzdem w- 
tobertcheo blieb. Nach Kaliitd.Wol.il (z.t.ert von 1 heodor 
rfitseirnach der „Russie juive", Paris 1887) brachte der Kahal seine 
Bcamten und Agen en uberall in der Fotizeiverwaltnng und den Ger.chten 
unteT w"e ein ungeheures Netz uberzieht die Gliederung des Kahal das 
eanze' Land und legl alle Bestrebungen und MaBregeln der Behorden 
fahm" Die russiscbe Reiehsdnma zahite 19 o6 v.erzehn M.tglteder d e 
turn Kahal und Bethdm in Beziehung statute. b«w. von d.esen Gesel - 
schaften portiert (zur Wahl vorgeschlagen) worden waren. — D e : ver- 
«Wedenei russ.schen sozialistischen, anarchishschen und nihihstwchen 
Geheimblnde, die sonst noch das Land des hentigen B^hew,sm US „to- 
zogen, kommen fiir die Macht der Freunanrere. .n RuBland oft als ganz 
unbewuflte Diener der Loge in v^etracht. 

Wir lesen in der ..Ziiricher Post" Nr. 229 von, 21. September i9i 4 ,daB 
in russiscnen Zeitu. gen seit 191a offenclich zn lesen war, daC RuBland 
zwlr erst im Jahre 19 1 6 fur den Krieg vollig vorbercttet sc.n werde; daB 
ab?r ungeachtet dessen die r u s s i s c h e R e g i e r u n g s c h o n m o - 
natelang vor K r i e g s a u s b r u ch seine Truppenmacht 
mob ills fe r t e. Die S c h 1 a e h t b e i L y k am 1 . . September .914 
wareg nz nnmdg.ich gewesen, h&tte RuBland nicht schon v. el r u h e 
als am 2,. J uli 1 9M «inc drei (bei Lyk gescblagenen) s ..b. ri- 
se h en Armeekorps berdtgcstetlt gehabt. Ebenso ware die & eh 1 acl, 
bei L e mb c r g , die am 26. August 19 14 begann nndenkbar gewesen ohne 
dte langst vor Kricgsausbruch herangeschafften kaukas.schen Divi- 
■ lne„ - Nach der „K61nischen Volkszeitung" Nr. 280 vom 10 April 
1017 warden in der Gegend des Schwarzcn Meeres, im Bez.rk Jekaten- 
no faw die russischen s'oldaten sovvie Pferde und Wagen , * on m. Ma . 
ion plfitzlich ausgemustert, wobei die erteilten Lrlaubs 
cheme eingezogen und nicht wieder verausgabt warden. - Nach dem 
,Zd cher Tagcsanzeiger" vom 4. September ,9,4 wurden, w ■ c n^^ ; 
s c h e Z e i t a n ge n b e k a ., d e n , schon am 28 Jul. 1914 (• 5- J«h ™» 
sisehen Stils) die in Petersburg s.ch aufhaltenden D e atseh _e n 
zwangsweise interniert, also vicr Tage vor der lvrie S s 
e ik 1 a r u n g. Das war zur Zeit, als der Zar noch gar mchr daran dachte, 
den deutschen Kaiser tekgraphisch am seine Friedense.haltnng „zu b.t- 

_ 'l A7hanasi,.s ( Das Gcheimnis der Bosheit") sagt, daB. „nach dem Mecklen- 
burg'r LogeSl der Zar. versctiicdene <JroBfu rS te„ U nd aider* hohe Wurden- 
tniger" zur „r ussiscll en 1.0 S c" zahlen. 



_ 94 ~ 

ten"! _ Die ofnzielle franzosische Agentur „H avas" gab am 25. August 
1014 selbst bekamit, die russische Mobilisicrung habe am 25. Juli be- 
e o 11 n e 11 , also sieben Tage vor der Kriegserklarung! , und zu einer Zeit, 
als der damalige russische Kriegsminibter Suchomiinow und der Chef des 
russischen Generalstabes ehrenwortlieh (!) jede Kriegsvorbereittfng^be- 
stritten! Tatsachlich waren, wie auch die „Neue Zurcher Zeitung' in 
Nr 111 6 vom 15. September 1914 berichtet, lange Wochen vor dem 
Kriegsausbruch 24 russische Armeekorps k r i c gs f er tig , 
u m mit alien verfiigbaren Massen G a 1 i z i e n ^ gemafi dem russischen 
Angriffsplan — zu uberfluten und Lemberg zu nehmen nebst 
Przemysl und Krakau. Die „Neue Zurcher Zeitung" fiigte dicser Mel- 
dung hinzti dafl „dieser (russische) AnscMag nach franzosischer Methode 
ersonnen" war. — Am 15. November 1916 gab der damalige deutsc^e 
Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg im Reichstage erne russische Mobil- 
machungsorder, datiert 30. September bezw. 12. Oktober 1912, welche 
in deutsche Hande gefallen war, bekannt. Darin heiBt es (s c h n z we 1 
TahrevorKriegsausbruch): „Allerhochst ist befohlen, dan die 
Verkundung der Mobilisation zugleich auch die Verkundung des Krieges 
gegen Deutschland ist". Der wettere Inhalt dieser letzteren russischen 
Kundgebung war, daB der Krieg durch Polen nach Deutschland hinein- 
zutragen sei: Deutschland musse zum Kriegsschauplatz gemacht werden. 
Zur selben Zeit (24. September 19 12) fanden die groBen franzosischen 
Manover an der elsaB-lothringischen Grenze l ) statt, denen das Haupt 
der grofifiirstlichen Logenklique Nikolaus Nikolajewitsch bei- 
wohntet Zweieinhalb Monate spater verlegte die franzosische Regierung 
ihre beiden atlantischen Kriegsgesch wader nach Toulon. Am 27. Novem- 
ber 191 2 mobilisierte in Beisein des damaligen russischen Auflenmintsters 
Ssasonow Frankreich die Grenzbrigade von Arracourt (dicht an der 
deutsch-lothringischen Grenze) und an der e n g 1 i s c h e n O s t k ii s t e 
„spierten" zu allem OberfluB in den Tagen vom 20.— 25. November 191 2 
ebenfalls unter S'sasonows Teilnahme die englischen Flotten manover, Aus 
denselben Tagen stammt der oben schorl erwahnte Brief wechsel 
z w i s e h e n Br. ■. Sir Edward Grey und dem franzosischen Botschaf- 
ter in Berlin, Br. ■ . Paul C a m b o 11 , wonach England seine Flotte 
(gemafi dem im J u 1 i 1 9 1 4 wirklich zustandc kommenden russisch-eng- 
lischen Marineabkommen, welches der russische Diplomat Brancanmow 
mitgeschaffen hatte) in* der Nordsee, Frankreich die seinige ins 
Mittelmeerzu dirigieren habe, und ebenso stammt vom 29. November 

x ) Die groBen franzosischen Manover von 1912 hatte (nach dem „Nieirwe Haar- 
lems-chcn Courant") der f inhere franzosische Knegsmini-ster, der Sozialist Mil- 
ler a ii d , in einer Rede zu Versailles am 22. Oktober 1916 selbst besprochen. Darin 
sagt-i e. . 

„. . . Die franzosischen Maflnahmea warcn . . . immcr auf Bclfficn und Luxemburg 
gerichtet. Die groGcn Manover von 1912..., welche Grofitfirst Nikolajcwitbch 
besuchte, beruhten ganz und gar auf der Basis der Regan war tigen Zustande. D11: 
Generale Joffre, Michel und F a u haben daraals die kommenden Ereignisse 
genau vorausgesehen." 

Hier hekannte Br.-. M i 1 1 e r a n d , der ebenso wie Oberbefehlshaber Marschall 
Br.-. Joffre Freimaurcr i«t, was von Frankreichs „Neutralitatsprinzip" gegeniiber 
Belgien zu halten war, 



— 95 — 

io ia die chiffricrte Gehcim-lnformation des b r i t U c he n , Aus- 
wartigen Amtes m London an die englischen Konsulen im Orient ir .der 
Vorschnften fur den Kriegsausbruch gegeben und als T ^f iajnm :^^ 
fUr ■tthrimc Kriegsdepeschen das „Sub-comrte chez prodrome London 
fur g^heimt _ jv ** Angclegenheit hatte das hnttsche Auswartige 
K? auch'hon am : Febfua'r x 9 1 2 die englischen Konsulate im 
SfjtsUUKk so daB die.e ..Gehem^nformaW nur erne Erneue- 

zositl rufsSn Flotteneinheiten fur den Kriegsfall bereit seien ■ das 
tor n -Abkommen war soeben zwischen Paris und Petersburg perfekt: 

" o'lTirtiihrte Frankreich dann die dreijahrige Dieiistzeit cin uad zwar _ noch 

ssispiiiliiiB 

mmmmm 

das Abstmnnung^rgebnis dcr f ^ M J^ 1 ^ 9 N £ a ' 7 W iedcr.uriicknahme 

ton ,XS» E «« lands rr C ,n,a U re,po!itik tre.bt, sa g u d«»d. 

T, September ,870 hatte „Daily N«v S "Mie 5 en Wortoi hmzugcEugt: 
,..l-- r a„kreich begann den (i8 7 oe,) Krieg mit der «MW^» « "^J^. 

a-J.^r^.S .ocVten r^efc^r^^i^er, in ucn. ZeH) 



- 9 6 - 

viel mehr eine „au£Jerfranz6sische", sie war eine Logen- und besondere 
InteressenangelegenheiL „Es ist unerlafilich, dafi die an der Regierung 
der Staaten befindlichen Manner entweder unsere Briider sind oder ge- 
stiirzt werden", sagte der italienische Grofisekretar Br.-, votn 33. Grade 
UlisseBacci! Br.:. Poincare erhielt dafiir in Petersburg von der Grofi- 
furstenpartei und den mit ihnen zusammenhangenden „Machern" die Zu- 
sage, dafi die russischen Streitkrafte sofort an die deutsch-osterreichische 
Gren'ze dirigiert wiirden. Das gesch^h denn ja auch, derm die russische 
Mobilmachung datierte nur einen MorTat spater, wie wir schon gesehen 
haben. Dieser Mobilmachungsbefehl war inzwischen auch zwischen Lon- 
don-Paris-Petersburg auf dem Wege iiber den damaligen russischen 
AuBen minister Ssasonow ..erledigt" worden : Ssasonow war Anfang Sep- 
tember in London und Paris, und als er heimkam, crfolgte der ErlaB der 
Mobilmaclumgsorder (S. 94). DaiJ Ssasonow am 1. Oktober 1912 Ber- 
1 i n besuchte, war nur das Zwischenaktbtiick fiir alle jene, die man — hin- 
ters Licht zu fiihren gedachte . . . *) 

windigen, prahlerischen, gestikulierendcn, streitsiichtigen, 

ruhelosen und iiberemp find lie hen Frank reich (das seither, nach einem Aus- 

spruch Bismarcks votn 23. August 1870, ,aeit dritthalb Jahrhunderten mehr 

als e i 11 Dutzend Eroberungskriege gegen den Sudwesten 

von Deutschland unternommen' liatte. D. Verf.), dies dunkt raich das ver- 

heitfungsvollste politische Faktum, das in meinen Tagen sich ereignct hat" (Vgl. 

Dr. Gustav Eichhorn in den „Neuen Ziircher Nachrichten" vom 28. Februar 

1918.) 

Dessenungeachtet nennen die heutigen Entetitefreimaurer Brr.'. Van der 

Veldt, Wilson, Lloyd George, Briand, Ribot, Sonnino und wie 

sie alle heiBen, die ententcseits vollzogeno Annexion des deutsclien Wcstens 

nur eine „Befreiung" und ..Ruckerstattung", eine „D e s a nn e x 1 o n"! 

*) Zwar war bciion Bismarck zu alien Zelten gut beraten und traute Uaher 
1888 zur Zeit der Regierungsiibernahme durch Kaiser Wilhelm II. dem russischen 
Wctterwinkel nicht. Als Kaiser Wilhelm I. das Zdtliche gesegnet hatte und Konig 
Karl von Rumanien zu den Beiaetzungsfeierlicbkeitcn in Berlin weilte, da sagte Bis- 
marck zu Ki'mig Karl: 

„Moltke glaubt, dafi der Krieg in einigen Monaten ausbrechen wird. Ich bin nicht 
seiner Anbicht, aber . . . im iibrigen atimmen wir darin iiberein, daB der Krieg 
uns von Ru Bland kommeu wird, und dafi Frankreich Rufiland nicht 
alletu lassen wird im Kampfc gegen Deutschland. Deshalb beruhen denn auch 
unsere uiilitarischcn Vorbereitungen auf der Annahme der doppelten Front." (S. 
Ztn linden, „Der Weltkrieg und die Schweizer 1 '.) 
Und auch Kaiser Wilhelm II., der freiHcli fiir vieles nicht das rechte Auge 
hatte, bestatigte tloch zuweilcn einen wahren Sinn fiir die Weltlage. Der selbc 
Zui linden, der in seincm crsten Jiande „ Weltkrieg" sagt, -,es ist erne pohtisclic 
Dummheit, all das hafierfiillte Zeug, das aus Deutschland der Schweiz eingeflofit 
wird, nachzusebwatzen", beschrcibt in seinem ..Weltkneg und die Schweizer" die 
Verhattnisse zwischen Ruflland und Deutschland im Fruhjahr 1890, wie sic sich in 
seinem Weltbilde spiegclten. Bismarck war zu jener Zeit noch im Amte und i>r- 
hiclt im Marz 1890 vom duutschen Konsul Rafflaub in Kiew Benchte uber die da- 
rn als schon bedenklichen Truppenanhaufungen Rufilands an der Ostgrenze Deutsch- 
lands und Ostcrreich-Ungarus, Und es schrieb (nach Zurtinden) Kaiser Wilhelm II, 
nnterm i7- Marz an Bismarck: 

„Dio P.crichte lassen auf das Klarste erkennen, daB die Russcn in vollem strategi- 
schen Aufmarsch sind, urn zum Kriege zu schreitcn. Ich muB es sehr bedauern, 
dafi ich so wenig von den Kicwer lieiichten erhalten babe. Sie (d. 1. Bismarck) 
hatters mich schon laugst auf diese furchtbar drohende Gefabr aufmerksam ma- 
chen kounen. Es ist die hochste Zeit, die Osterrcicher zu warnen und Gegcn- 



— 97 — 

Br ■ . Poincare, aus Bar-lc-Duc (Maas-Departement), hatte allerdings 
noch eine andere gunstigc Gelegcnheit gefunden, gleichsam noch ein zwei- 
tes Sprungbrett, das ihn zu den hochsten politischen Ehren emporschnellen 
lassen sollte : e r lieB sich von der schwindelhaften S u e s - 
kanal-Gcsellschaft (der LessepsundGenossen) kaufen. 
Der Sues-{Suez-)Kanal war eigentlich eine zucrst von Barthelmy Pros- 
p e r wiedcr aufgegriffene Idee, die dann von osterreichisclier und deut- 
^cher (sachsischer) Seite mit Freuden finanziert wurde. Erbauer dieses 
Isthmuskanals wurde der Tiroler Alois N e g r e 1 1 i , Ritter von Moldelbe 
(und n i c h t ctwa Br. ■ . Ferdinand L e s s e p s , welch letztercr nur dutch 
allerschwindelhaftebte Manovcr unter der Beihilfe von \apoleon III. jdie- 
ses natiirlichen Sohnes des aus jiidischem Stamme cntsprosscnen von Lud- 
wiff Bonaparte nobiliticrten hollandischen Grafen Carel Hennk V e r - 
huel-Badinet und der Konigin H o r t e n s e - Bcauharnais] und von 
Napoleons Gattin [der Nichte des Lesseps] sein Anschen und semen Lr- 
folg erwarh, wodurch der Osterreichcr N e g r e 1 1 i freilich in der \ ersen- 
kung verschwinden muBte!)- 1 ) In dem langwierigen Prozesse der Foch- 
ter Negrellis, Marie verw. G ro i s , der noch heute gegen die apokry- 
p h e (Lesseps'sche) Sueskanal-Gesellschaft schwebt, wurde Br.-.Pom- 
c a r e zum Rechtsbeistand der r e c h t m a fl i g e n urspriinglicheti Pros- 
per - N e gr e 1 1 i - Said Pascha-Gesellschaft bestellt, welche Advokatur 
Poincare auch annahm. Dann aber liefi sich Poincare von der Lessens - 
schen Schwindelgesellschaft (die sich mit I s m a i 1 P a s c h a, dem Khe- 
dive oder Vizekonig von Agypten, und dem Triester baronisierten Bankier 
Re volt el la gegen die Interessen der Tiirkei verbunden hatte!) be- 
stechen und arbeitete nun gegen die r e c h t m a fl i g e n lntercssen- 
ten und wirklichen E r b a u e r des Sueskanals, deren Rechte zu wahren 
er ubeniommen hatte! (DaG sich Br. ■ . Fcrd. „de" L e s s c p s das M 1 t - 
giied der f r a n z 6 s i s c h e n Akademie der „Unsterbhchen [!] 
selber spatcr in der Sueskanalangelegenheit gegeniiber seinem eigenen Va- 
terlande Frankreich noch besonders alsHochverrater auszeichnete, 
indem er sich mit der agyptisch-tiirkischen Revolution verba'nd und En g- 
1 a n d den Kanal in die Pinger spielte, ist wieder ein anderes Kapitel fur 
sich Durch den damaligen britischen Ministerpiasidenten d I s r a e \i - 
Beaconsfield gelangtcn als Folge dieses Lesseps'schen Verrats im 
Tahre 1875 die Mehrzahl der Sueskanalaktien nach Verhandlungeu mrt 
I Ismail Pasclm fdem Gegner der TUrkci] in die Hande Englands. R o t h - 

■ ~n7aBre^lri zu trefTcn. Unter solcben. Umstanden ist naturlich an cine Reise 
, meitierseita nacl. Kra,noje Seto (zum Zarcn Alexander IJI.) ^ h \^nke,, 

Es stanilen also schon zu Zeiten des Vorgdngcrs d« leUten ^Xhln 
Dinge „Drnck auf Knopf, und ohne die reinsten Frledensahsichten der deutschen 
Regierung hatte die Weltloge schon 1890 und noch friiher - also vor dreu3;g Jrfi- 

ren als man die-ir e li c i 111 k a r t e in den Geliennzirkeln diskut^rtc! - veraucht, 
d!e Wcltkarte zutndern . . .; der Flan schwebte ihr. w,e die Dinge bewuaen, ja da- 

mals schon vor! (1890 lief Deutsclilands von Bismarck besorgter sogenannt.r „Ruck^ 
versicherunffsvertrag" mit RuBland ab.) . . „ lir 

* '5 D [e nhheren Ausfuhrungen fiber das Schicksal Negre lis .md semes grofienWer- 

kes finrfen sich in Enicrich Hoycr von Hcrghofs hochwicbt.ger (-cgenwartsbroschur, 
- „Wie Roincarc durch den Sueskanalschwiudcl Pras.dcnt (und varum Jaures crmor- 
det) wurde" (Hans Htibner Verlag, Hannover). 

Heise, Entente-Freimatirerei. II- / 



s child in London hatte dasu 100 Milbonen Franken wigertr«*t. , 
Wie nun rund achtzig Prozent aller franzosischen Staatsmanner darunter 
d ™B n rr° Auflenminfster D o u m e r g u e , Ministerpras.dent Viyihi, 
a flZn^Ute lonnait) in die Sueskanalaffare verwiokelt waren, so 
then auc He rrPoi" ar e der seine po.itische Laufbahn damit stutzte 

hrachte anderseits aber dem Br.- . Poincare zunachst zu den Ehren ernes 
Sen at o r s u,d dann eines FinanzminisUrs verhalf, bi» « dafur 
die Wiirden des franzosischen M i n i s t e r p r a s i d e n t e n und schheB- 
UchLdesPrasidenteriderRepublikemtauschenkonnte! Hel- 
ershefer waren ihm die Bit.-. Senator Gomot, Generalprokurato 
Bu lot und der Deputierte und spatere AuBenmimster Jonnart (der 
die Amter eines Verwaltungsrates und Vizeprasidenten der betrugenschen 
SuefkTnaLescllschaft beklddete), wie auch der Groflaktioiw dieser Ge- 
Shalt B^ - Skrupellos arbeitete diese Betrugsfirma 

und wi es schrint; mufiten unter ihrem'Drucke versch.edene ehrenhaf e 
Mn'« Plfitzlich von einem Tage auf den andern erkrankcn i und in 

den ewi/en Orient eingehen" (wie es in der Sprache der Maurer neiKt) 
UnerwX schnell sanken sie alle dahin: S a i d P a s c h a der berechtigte 
Kanal-Interessenvertreter der Turkei in Agypten (dessen Vermogen scin 
Neffe Isma if PaSia, der Feind der Turkei und Freund des Lesseps, ,n kur- 
zer Id verschwendete) ; dann A c h m e d P a s c h a und dessen Bruder, 
S£ eventuellen Anwarter auf den Khediventhron von Agypten a^s nachste 
Verwandte Said Paschas; - weitcrhm Baron von B ruck, d "™*t r 
reicrlche Handelsminister und Vertreter der Interessen der Donaumonar- 
che am Sueskanal; und endiich T . . Br.- . J e a n J a u r e s der franzos - 
sche Sozialistenfiihrer und Freund einer deutsch-franzosischcn Verstandi- 
gung ,die Hoffnung des pazifistischen Sozialistentums ', der in j bachen der 
here c h t i g t e n Said Pascha-Negrelli-Prosper-Gesellschaft (der w i r k - 
lichen Erbauer des Sueskanals) bei Br. ■ . D o u m e r g u e (dem AuBea- 
minister Frankreichs vor Ausbruch des Krieges und ^oB.nteres .enter .der 
Lesseps'schen Schattengesellschaft!) interpelhert hatte . Herrjaurus 
obwohl sdhst Br. • . Maurer, hatte die Vertretung ernes E r,ben ernes der 
ursprunglichen Mitgrunder der e c h t e n bueskanalgesellschaft 
Ubernommen. Diesem Freunde Deutschlands, diesem Forderer des Fne- 
dens und der Wahrheit wurde dafiir am 31. Juli ^ 4 «* Cafe ^ 
Paris die Kugel bestimmt — gerade im „richtigen Moment denn Jaures 
war in der Tat berufen, in reenter Weise mitzuwirken, fefi Eur op a vor 
™em schrecklichen Schicksal bewahrt werde! Semem Morder Villain 
wurde nach 4 V a iahnger Gesetzesaussetzung am 29. Man 1919 der F t ^e 1 
spruch „wegen Unzurechmmgsfahigkeit" aus Ursachen poht ischcr Auf 
regung z^kannt!*) - Denn dieser furchtbare Kneg m u fi t e 3 a nicht 
~i) Der Attentater Cotin, der auf Br.-. Clemenceau Ke.chossen hatte in Er- 
r.gungiiber dieses Mann« grtnzenloae KriogsbrutalitSt, wurde (wenn auch xjach- 



— 99 — 

nur fur die franzosischen Aspirationen urn das d e u t s c h e E 1 s a fi und 
Lothringen, sondcrn vor all em auch fur die schwmdelhaften iues- 
kanal-Privatinteressen der Brr. . Poincare und Konsorten gefuhrt wer- 
den...! 1 ) 

DaB zwischen England und RuBland eine Marine-Konvention vor Aus- 
bruch des Krieges 1914 „im Gange" war, das verriet das .Berliner Tage- 
blatt" ,chon Anfang Juni 1914. Das selbe Blatt bestatigte diese 1 atsache 
dann im Anfang des August 1914, aU der Kneg bereits Wirkhchkeit war 
Arrangiert hatte diese Abmachung der russische Botschafter m Pans, 
Graf Iswolsky, a ) der die Gelegenheit der Anwesenheit des Konigs 
Ge ore von England in Paris benutztc, „um die Sache ins Reine zu 
bringen^'. Durch den freimaurerischen .Temps" konnte Iswolsky die 
Franzosen nach seinem Sinn - der im Geiste Eduards VII. 3 ) wirkte — be- 



K-" 



her gewiaberinafien begnadigt) z u m T o d e verurteilt, obschon er Clemenceau nur 
^^Vet^UgerUch; Manip^Utionen scheinen innerhalb der romanischen 
F«imaurer C i g Ba r kei^e besonders auifallige Sache zu aein. Ini ■ -.^^tbarcn Tem- 
veV einer dcutsclien Maurer-Monatsschnft, schrcibt naml.ch der deutsche Br. , 
Leopold Wolfgang (Juliheft 1916), daB im Skandale der ..Banca Roman, der ehe- 
2 itaiien fche Grofimeiste? Br;-. Adriano L m m i derartig, bloflgestellt wurde, 
T a fl fr l\ch i ir einise Zeit zuriickzieheri mufitc. Der Grofimeister der H Symboh- 
schen Li«« Ita nf Ku tusminister (1) Nunzio Nasi, crhielt wegen falscher 

Charleston, .ffl^S.. =«). ^ ^ ^.^^ nQch keinc E nte„tekrie S5 - 

unterstutzte, in die auch Japan embe.ogen wurd Se ,t ^ k f ieges u s< 1Ty) 
(nach Nationalrat Dr. Wichtl: „Der ^ h » AjJ^r ^e 9 W «tk g 

endlich auch d i e B u n d e 5 g e n o s sen»ch a f t ? ^^^"ch, offentlich ver- 



n rh«ten Das Berliner Tageblatt", das rait den Fiihrern der deutschen 
Log n "mme aufbestem Fule stand, wuttc den Verrat an der deutschen 
Nation aus positiver Quelle", und wir diirfen wohl glauben, daB es deut- 
fche M tglied'er der Loge waren, die ein solches Jud ^1"^ liner 
dem deutLhen Volke geschehen lassen konnten und dcs^b da, Be 1 ne 
Tageblatt" beizeiten unterrichteten. Iswolsky sc ber bezel h 
netesichalsden„VaterdesWeltkrieges'' und der Londo- 
ner Labour Leader" brachte Anfangs Januar .916 gelegenthch seines 
Berichtes ubet den Pariser SozialistenkongreB eineu Ausspruch de S ermor- 
deten franzosischen Sozialisten Jaures iiber eben diesen I^y- ^ 
saete der Abgeordnete Jaures, als Iswolsky gerade zufalbg durch ei 
"Vrterimmer im franzosischen Ministerium des AuBcrn in Pans gmg in 
dem sich Jaures mit den Abgeordneten Rappaport und Mayeras eben be- 
fand „Hier geht der Schurke Iswolsky, 1 ) er hat den Kneg gcwollt und 

dUr B h em^k Z enLert ist noch ein Ausspruch Jean Jaures C^™*^ 
der „Berner Tagwacht") vom 30. J*li 19H (m desscn letztem Bnefe vor 
seiner Ermordung) : , 

Hier in Frankreich arbtiten wir mit alien Gewaltmitteln fur einen Kneg, der 
" ausg ?ochten w rLn muB. um ekelhafte Burden zu befried*en und weirdie 
Srund Londoner Borsen in Petersburg s p e k u I , e r t haben 
Wer spekuliert, das wollen wir vom friiheren Chef des Verb an des der 
« ■ " General BrV . Albert Pi k e , beantworten lassen. Da wir vordem 
fe Verebung fur diesen Hochgradbruder des ,,schottischen Systems 
der % ■ " hegten, gilt uns sein Wort aus dem Ritual des 30. Grades Ka- 
dosh 3 ') das wir im JuniMt 1917 der lf Stimmen der Zcit" hnden, um so 
mehr. Br. ■ . Tike sagt dort : 

Tn Wort und thrift, mit Einsetzung miscres ganzen offenen und gc- 

FortschrittesO) fordeni . . ." 
Die Sadie der Entente und des Sueskanals-Weltl.etruges . . .'. 

Die vorzeitige geheime Mobilmachung in Rtiflland und zwar in Rus- 
sisch-Polen wird auch von einem schweizerisehen Judenmis-s.onar (nach 
der ententeCndlichen „Neuc U Ztireher Zeitung") bezeugt. D.eser etlebte 



Review" Br.-. Karl Kramarsch vom ..Grand Orient <lc France" aber war cin 
'"f *" i^^X i"^',^ A UE us,,a R en ,o,o in den ^ieen 

Freimaurerei" und „Uber die Zusammensetzung der Hochgradmaurerei . 



If 



bereits im J u 1 i 1 9 1 4 das Vorhandensein sibirischer Truppen an 
der russischen Westgrenze; cine Herbeischaffung derselben erfordere min- 
destens sechs Wochen, „so da& die Truppen also schon im Mai 19(4 auf- 
geboten worden sein mufiten , . ." Und die Berliner „Neue politisehe Kor- 
respondenz" brachte in Erfahrung, daB im F e b r u a r 1914 von den rus- 
sischen Behorden scharfe Anweisung erging zu strengster Verschwiegen- 
heit in militarischen Dingen besonders an der russischen Westgrenze. 
Dies darum, weil Truppenbewegungen aller Art stattfanden und Reserven 
einbezogen wurden aus alien Teilen Rufllands mit Ausnahme des 
Weichselgebiets (was sonst Deutschland hatte auff alien miissen !). 
Auch die Flotte war mobilisiert worden. Diese Februarmobilisierungen 
sind dann auch durch archivarischc Entdeckungen, die die okkupierenden 
deutschen und osterreichischen Regierungen im Generalgouvernement 
Warschau und in andern Gouvernements macbten, bestatigt worden. So 
wurde auch eine geheirne Kontrolle aller in Rufiland lebenden deutschen 
und osterreichisch-ungarischen Staatsangehorigen organisiert, um bei 
Kriegsausbrueh deren Heimkehr in ihre Heimat zu verhindcrn. Nebenher 
erhielten die sich als Saisonarbeiter in Deutschland aufhaltenden russi- 
schen Heerespflkhtigcn schon im Friihjahr 1914 Befehl, Mitte Juli 
19 14 Deutschland zu vcrlassen und sich den militarischen Behorden zu 
stellen; die russischen Beamten deutscher Abstammung aber wurdenj so- 
weit sic in Grenzgebieten wohnten, ins Tnnere RuBlands versetzt, und mit 
der Abtransportierung der Wertgegenstande aus dem kaiserlichen Jagd- 
schloB Skierniewice (Westpolen) wurde — um sie vor etwaigern Kriegs- 
schaden zu bewahrcn — auch schon Ende Juni 1914 begonnen. — 
Vorausgesagt aber haite den grofien russischen Krieg der bckannte Welt- 
reisende und grundhche Kenjier Rufilands Dr. Paul Rohrbacb, — er 
wuBte sicher so gut wie der serbi^che Gesandte Boghitschewitsch r daB 
RuBland schon 1912 — vor dem Balkankriege — fiir alle Zufalligkeiten bin 
mobilisierte . . .! 

Was bedeutet nun all diesen T a t s a c li e 11 gegeniiber der von Freund 
und Feind Deutschlands s« ilber die MaGen ausgeschlachtete H o c li - 
verrats-Prozefi Suchomlinow? Er bestatigt nur, dafi die 
Herren Ssasonow, Suchomlinow, Januschkewitsch usw. monate- wenn 
nicht jahrelang — und wahrscheinlich oft h inter dem Ruck en des 
Zaren Nikolaus x ) — im Einverstandnis mit dem Botschafter der engli- 



r ) Die „NorddcLitschc A.llstninric Ztituug" veroffcutlichtc (Anfang April 1918) 
nach der Maxim .Gorkischen Zeittmg (1 N T <jvaya Shisn 1 " vom 19- Februar 1918 ei]i 
Dokument fius dtr \'orgebchichte dos Krieges, das allertlings a.ndi den Zarcn 
komprorrittit'rtc Xacli joner Mittcihuig Gorkis fand bereits iiinf Moiutcvor 
Kriegsbegitm fine Gelicimsitzung in Petersburg statt, worin dw Plan der 
Eroberung Konstantinopels und der Meerei«ren ausgearbeitet wurde Diese Ope- 
rationen sotlten 1 tn Rah men tini's a 1 1 g e in c i n e n europaisch en 
Krieges vorgenommeu werden nnd die Rolkn Strhicns, Bulgaritus, Griechen- 
lands, Runijinicns und. aiidcrer Staaten wurden dabei im vor aus vcrteilt. Der Zar 
Nikolaus II. tmterschricb (ah treiwillig oder gezwungen, bcrichtcit Gorki nicht) 
eigenhandig die Beschlus?e mit den Wort tin: ,.Dic Beschlusse der Beratung hti&c 
tch in vollem Umfange gut!" An dicser Sit?ung batten u. a. teilgenommen der 
russisChe AuBenminister Ssasonow, der Marineminister Crigorowitsch, 
der General^tabschef Shiltnaky und der dazumalige russische Botschafter in 
Konstantinopcl von Giers. 



schen Regierung, Br.-, Buchanan, und dem franzosischen Prasiden- 
ten Br- Poincare so sehr an der Arbeit gewesen waren, dafi sie in den 
Tagen vom 29. bis 31. Juli 1914 iiberhaupt nur noch for me 11 die 
langst vollzogene Mobilmachung Rufilands durch lhr 
Verhalten gegeniiber dem Zaren zu bestatigen hatten. Denn 
-3m 2o Juli 19 14, an dem Tage, an dem der ehemalige russische Stabschef 
General Januschkewitsch dem deutschen Militarattache das Ehrenwort 
£ab dafi Rufiland nochnicht mobilisiert habe, gab Ssasonow (Rufi- 
lands damaliger AuBenminister) den russischen .Geschaftstragern in Wien 
und andernorts nahere Aufklarungen iiber die bereits vol J> /^ n . e 
Mobilisation des Earenreiches (vgl. dariiber den Bericht des Chefredak- 
teurs. des Wiener „Fremdenblatt" in seiner Zeitung unterm 12. September 
1017). Und Januschkewitsch, was sagte er dem Zaren? Er sagte ihm 
afti 30. Juli 1 9 14, daJ3 400 000 - Reservist en einberufen seien, *) deren Auf- 
gebot nicht mehr riickgangig gemacht werden konne, — natiirlicherweise, 
- wenn sie wie im Falle der Anwesenheit sibirischer Truppen an der 
Westgrenze Rufilands im J u 1 i 1914, <*och schon sechs Wochen 

*) Vgl. „Zurcher Tagesanzeiger" (nach der „Nowoja Wremja") vom 1. Sep- 

Nach dem „WeiBbuch" sagte Suchomlinow am 2 7- Juli 19 14 zum deut- 
schen Militar -Attache: Noch keine Mobilmachungsorder sei ergangen; es wurden 
ledigfich VorbereitungsmaBregeln getroffen, kein Pferd sei ausgehoben, kein Re- 

SerV Was den SiKhomlinow-ProzeB betrifft, so sagt selbst Br.;. Alfred H. Fried in 
der Oktobernummer seiner sonst durch aus deli tschfeindhc hen „Fnedenswarte 
(1917) im Kapitel JT K r iegstagebuch" unterm 2. September: „Die Enthullungcn aus 
dem SuchomlinowprozeB beleuchten die dunkle Tatigkeit der russi- 
schen Kriegspartei wahrend der verhangnisvolten zwolf Tage im bommtr 
1914 Sie zeigen, wie man den Zaren iiberrumpelt, ... wie man ihn getauscht 
hat" Dem ist hinzuzufygen, was der deutschgegnerische Schweizer Suter-Lerch 
in der zweiten Auflage seines Buches ,/DeutscMand sein eigener Richter" m emer 
FuBnote bemerkt, dafl namlich von 1904 bis 1907 Kaiser Wilhelm II. ,,hartnac&ig 
bestrebt war", die russische Regierung zu einem kontmentalen Bundnis (artier- 
dings gegen England) zu bewegem welch em Vorschlage der Zar sympathised 
gegenuberstand. Im „Rjetsch" hatte — wie die ^N. Zurch. Nachr. ' unterm 15. Sep- 
tember 1917 schrieben — der erste russische Revolutions-AuBenmiruster Mil]«i- 
kow Deutsch lands Friedenswillen zu Rufiland bestatigt, indem 
er mittellte, dafi es Graf Witte gewesen sei, der den Zaren 1905 dahm beein- 
fluBte, vom AbschluB eines deutsch-russisch-franzdsischenBund- 
nisvertrages abzusehen. Miljukow sollte das allcrdings wissen. Dennoch 
kann'der Schwede Sven He din im Rechte sein, wenn er in der ..Norddeutscheu 
Allg Ztg." vom 28. Januar 1918 bekraftigt, Graf Witte sei ebenso wie Jaures 
beiseite gebracht", d. h. ein „Opfer seines FriedenswiHens geworden, 
'obschon Graf Witte dem gegen die Mittelmachte verschworenen Entente- Judentum 
durch seine Ehe mit Matilde Nurek, geschiedenen Moses Lissamewics, sozu- 
'sagen verschwagert war. 

Da uns nicht das personlkhe Inter esse, sondern das Streben 
nach Wahrheit leitet, konnen wir iibrigens bereitwillig zugunsten Suchomlinows 
von seinem Gestandnis vor semen Richtern (im Suchomlinow-Prozjefl) Erwannung 
tun- dafi er (Suchomlinow) gar nicht wufite, was er tat, als er die 
Mobilmachung befahl und den Zaren belog; „er miisse zu jener Zeit verruckt 
gewesen sein", Wir glauben an zeitweilige und dauernde Besessenheit; 
wenn aber Suchomlinow momentan das Opfer eines Eingenommenseins durch erne 
damonische Macht wirkl ich war, wie viele andere um den Kneg entschcidende 
Personlichkeiten waren und sind es dann noch — ? Ist das ganze heutige Entente- 
Freimaurertum erne ganze Gesellschaft von Besessenen ? 



— 103 — 

fruher militarisch eingezogen worden waren! Zudem hatte ja Suchom- 
linow wahrend der Wahlkampagne Br.*. Poincares als m besonderer 
Sache nach Paris entsandter Vertrauensmann der russischen Regierung 
das franzosische Volk uber die Durchschlagskraft der russischen Armeen 
zu unterrichten — und weiter hatte er im F e b r u a r 1 9 1 4 in die Pe- 
tersburger , Borsenzeitung" einen Auf satz inspinert unter der Aufschnft :^ 

Wir sind geriistet!", wie M i 1 j u k o w , der das wissen muflte, m seinem 
Zeugenverhbr gegen Suchomlinow mitteilte (vgl. die Petersburger Ha- 
vas"-Depesche vom 3. September 191 7 in den Tagesblattern). — Was 
Suchomlinow betrifft, so hatte dieser freilich (genau so wie Br.;. Pom- 
care M noch ein eigenes, ganz personliches Interesse am Kuege: er 
konnte oder hoffte wenigstens, wie der ^Berliner Lokalanzeiger" unterm 
4. September 1917 bemerkt, seine zahllosen Betriigereien dem russischen 
Staate gegeniiber um so besser zu iiben und zu verschleiern. 

Wenn Rufiland selbst o f f i z i e 1 1 den samtlichen Machten aber 
anzeigte, es habe am 29. (oder 30.) Juli n u r „infolge der vorausgegange- 
nen Mobilisation Osterreichs gegen Serbien" seine vier sudlichen 
Armeebezirke aufgerufen, so schliei3t das^ nicht aus, dafi Rufiland doch 
tatsachlich schon 1 an g e vorher seine Armeen zum Uberfali gegen Oster- 
reich und Deutschland beisammen hatte. Wenn der ehemalige Berliner 
Rechtsanwalt Dr. Richard Grelling, der Verfasser von ,J'accuse' in sei- 
nem zweiten gegen Deutschland gerichteten Buche ..Das Verbrechen 
sagt, dafi Osterreich nicht nur gegen Serbien, sondern zugleich auch gegen 
RuBland mobil gemacht und damit erst RuJ31ands. Mobilisierung „ver- 
ursacht" habe, so 1st zu entgegnen, dafi die osterreichischen Regierungs- 
polit'ker nur zu genau wufiten, welch geheime Verbindung zwischen der 
serbischen Narodna Odbrana" und den grofirussisch-pohtischen (pan- 
slavistischen) Kreisen bestand, die Osterreichs Existenz in hochstcm MaBe 
gefahrdeten. , , 

Doch horen wir noch die von Miljukow vertretenen Weltlogen^ 
Plane Wenn diese auch in manchem von den grofiserbischen, tchechi- 
schen oder anderen Entente-Politikern etwas abweichen, so dienten doch 
eben gerade diesc mancherlei Abweichungen um so besser den Interessen 
Englands, das seine besonderen Ziele desto vorteilhafter verschleiern 

Fur Rufiland forderte Miljukow u. a. Konstantinopel; aber die 
Meerengen sp rach E ng 1 and f ur sich an 1 ) (obschon die Darda- 
nellen auch auf Professor Miljukows russischem Programm standen). — Die 
iibrigen Kriegsziele Miljukows (im Jahrbuch der „Rjetsch" von 1916 
proklamiert) waren: Telle PreuBi sc h- Schl esi c n s , P o s e n , 
Weichselmundung, siidliche Halfte Ostpreufiens an^Po- 
len-Rufiland; — Agypten, Arabien, Mesopotamien „autonom ; Ar- 
menien d h. Erzerum, Wan usw, unter Protektorat RuBlands; ™ Sizi- 
lien und Syricn unter die EinfluBsphare Frankreichs, Elsafl-Lo- 
thringen an Frankreich; — Siebenbiirgen an Ru ma- 
il i e n bezw. an die russische Einflufi-Sphare; Sud-Dal- 

*) Sir Harry Johnstone vom Londoner Auswartigen Anit sagte in der Daily 
News" (21. Dezeniber 1916): Rufiland erhalt freie Fahrt durch die Dardanellen 
(also nicht deren Besitz, der bleibt England). 



-■&' 



— 104 — 

m a t i e n a n G r o fi - S e r b i en bezw. an die russischc EinfluB- 
Sphare, 1 ) LoslosungvonBohmen und Oster reichisch - 
P o 1 e n von Osterreich („unabhangig", aber unter RuBlands E i n - 
■flufi); — Trentino-Triestan 1 1 a li e n ; — Aufhebung und 



*} Miljukow sagte (nach dem ..Tempi" vom 26. Marz 1917), als er noch AuGen- 
minister war: „. . . W*r (Ruflland) werden um das ruhmreiche Serbien heruni 
einen uniibersteigbaren Wall . . . auf dem Balkan ernchten . . ." Au£ Deutsch 
heiBt das- Wir Russen errichten einen f ,gro8serbischen Phantasiestaat , m dem 
wir das Wort genau so fuhren wolten wie in Rutnanien, Polen, Armemen, 111 
Wirkhchkeit regteren w 1 r dort aber so wie in den „von uns zu befreienden, von 
Osterreich-Ungam ,unterdruck ten' Nationen*' 

Es ist hier die Gelegenheit, ein Wort mehr uber Miljukow und Serbien zu 
sagen Jm Heft 44 der „Deutschen Politik" besprach Dr. Paul Rohrbach die 

neu-serbische Frage". Diesc stutzt sich gane und gar auf Miljukow und semen 
i'angiahrigen Kreund Ssasonow, mit dem zusammen Miljukow sieben Jahre in 

auswartigen Angelegenheiten" arbeitete. Miljukow vcrtrat ganz das, was fcsiBo- 
nows^Politik war (und Ssasonow war wieder ein Busenfrcund des engliscnen 
Botschafters Buchanan in Petrograd; dies alles erklart einfach und klar, wieso 
Miljukow „von England gekauft" erscheint -^ durch das Bundms der Loge, denu 
dieses fahrt wieder hintiber zum serbischen politischen Geheimbund „Warodoa 
Odbrana"), und Miljukow selbst ist's, der s einen eigenen 1 e 1 1 a m 
Ausbruch des Weltkrieges im J916 erschienenen ,Jahrbuch seines Cyon 
ihm herausgegebenen) Blattea „Rjetsch" auf mchreren hundert Seiten b e - 
schrieb. Hier nach fnufl geradezu auf die „Loge" jene Ermorduag Konig 
Alexanders von Serbien und Dragas zuriickiallen, die 1903 dan n den Konig l^eter 
aus dem alt en dynastischen Hause der Karageorgewitsche auf Serbiens Thron 
erhob. Im selben Moment anderte sich infolge des Emgredens yon 
Br.-. Paschitsch die vorher 6 s t e r r e i c h 1 s c h g e s 1 nn t e V o 1 1 1 1 k 
Serbiens und warf sich auf die russische Seite_ hinnber! 
Konig Peter wurde nun aber bekanntlich zunachst von alien dynastischen Herr- 
scherhauseni, wenigstens aaBerlicli, /lesavouiert, der Zar aber bencf ilmbald 
nach Petersburg »ur Antrittsvisite! *Und damit setzte die groflserbische Propa- 
ganda ein mit dem Anspruch auf Bosnien, Dalmatien, KroaUen und jene oster- 
reich-ungarischeii Landesteile, in denen „Serbcn" wohnen. Jetzt sehen wir klar, 

l„iu hj::k„i,„«, «~a Ai* *neri;srh-r«sfiische Politik die Zerstornng Osterreich- 

Ungarn jedoch nicht! — offiziell 



TJngarns erstrebte (stand ja doch Osterreich - 
in grundsatzlicher Abnciguug zu aller Loge!). 

Die Au^breitung, die die Politik von Miljukow fur Serbien \erfolgte, torderU 
Serbiens Grensen hingetragen bis zur Steiermark, bis nach Durazzo und te in 
die ungarische Tiefebene, — fur RuBland selbst aber, das den Serben und Tsche- 
chen den Nacken statute, gait es, die Herrschaft zu eriangen von den Karpathen 
und vom Schwarsen Meer bis zur, Adrisr. Die Aufteilung Deutsch an d s 
aber wiirdc sich der Aufteilung Osterreichs anschlieBen. Sagte doch Milju- 
kow in seiner Dumarede im Marz 1916: „. . . Wir durfen u n s u 1 c h t 
durch die Losung cines Friedens ohne Aiincxtoncn und K o n - 
t r i b u t i o n e n irrefuliren 1 a s s e n . , . Wir haben naturhch mcht die 
\bsicht Deutschland zu veruichten p aber wir miissen e^ ,u u s c h a d 1 1 c h 
inachen . . ." — Miljukow hatte iruher zehn J;ihre in Bulganen, als Professor 
der Geschichte in Sofia, gewirkt (von 1895 bis 1905), da hatte er die „Lage son- 
dieren" konnen ... .111-1 it 

Was aber den serbischen Konigsmord an Alexander und der Draga an eclit 
— den wir eben strciften — so scheinen tiefe Ceheimmsse zu walten und die 
Geschicke zu regieren. Alexander war der zweite Obrenowitsch der als l<urst 
der Serben ermordet wurde. Fuhrte sein Tod den Karagcorgewitsch P e t e r aut 
den Thron, so ward der Karagporgewitsch T z c r n o - G ti e o r g e y als der M o r - 
der des im Jah, e 1867 crmordeten Fursten Michael Obrenowitsch angc- 
sehen. Okkultisten werden die hicrauf beziigliche kleine Geschichte : ,ltann der 
Doppelganger morden?" in H. P. Blavatskys ..HoHen-Traumen (\ erlag Max 
Altmann, Leipzig) mit vie! Interesse lesen. 



— ios — 

Verteilung der deutbehen Kolonieti. In bezug auf Pa- 
last nVs Zukunftsgeschick uberlieB Miljukow England 
dfc Entscheidung (und die Brr.-. Balfour und Lloyd George ent- 
schieden ja berrits). Miljukow betonte, dafl d 1 e s e K r 1 e g -s z 1 f A e 
it 1 i t d I c n G r un d s a t zen W i 1 s on s ub e re 1 n s 1 1 m m e n ! („Zu- 

chungen sind dann auch "vom seinerzeitigen deutschen ^-h^anzle 
M i c h a e 1 i s (nach den ihm bekannt gewordenen G e h e 1 m - A b m a 
Chung en der Entente-Machte) in der Sitzung des Hauptausschusses de 
deutschen Reichstags vom 22. August l 9 i 7 enthullt worden, Der 
Kanzler sagte damals worthch : 

Am 4. Marz 1915 stellte RuBUnd fiir den LncdensschluB folgende 
"Forderungen, denen England durch eine Note vom 12. Marz, Frank- 
reich durch eine Note vom 12. April (1915) zustimmte: 
An Rufiland sollen fallen : 
Konstantinopel mit dem europaischen Ufer, die Meerengen, 
der sudliche TeiL Thrakiens bis zur Lime Enos-Midia, 
die Inseln im Marmarameer, 

Hip Inseln Imbros und Tenedos, , 

und auf derideinasiatischen Seite die Halbinsel zw.schen dem 
Schwarzen Meer und dem Bosporus und 

vf:^:-::r::t ^ ^ s y ^ ^ a^, ******** ^ 

das nordlich gclegene Hinterland bis nach Siwas und Kharput in 
Ansnruch. 
Eng lands Anteil solltc Mcsopotamien scm. . 

Fur den Rest der Kleinasiatischen Turkei wurde erne A u f t e .lung 
in cnglische und franzosische Intcrcssen- 
e e b i e t e beschlo&sen, ... . 

uw P.HUina eine Art von Internationahsierung. Das ubrige 
'"on lurken u.d Arabern bewohute Gcbie, mit Ein.chluB des 
eigentliehen Atabien und d«t hciligen S t.tten *»!»>»"» 
sollen ein besonderer_ Staatenbund unterengliseherOber- 
h o h e i t werden ..." 
D i e s e Geheim-Abmachungen widerstreiten durchaus mcht den ur- 
spTungliehen Logenplanen des GroBorients von England; .m Gegente.1 
L be S sege.n riAu?, denn GroBbritannien bliebe aueh - wenn d.ese 
LandesveVteilung gelungen ware, d e r n n u m s ,c br a n k t H e r r d e 
sudeuropaisch-kleinasiatischenKustengebietcb. 

Hier sind nun noch folgende Feststellungen notwendigt 
SchonimletztenBalkankriegrichteteRufilandse.n 

AuVe auf Konstantinopel, indem es das siegreiche B u 1 g a - 
fien h.naerte gegen die Turkei fiber T seh a t al d s ch a vor- 
zudr ngen da nnmittelbar vor Konstantinopel l.egt. Wabrend des 



— 106 — 

Weltkrieges aber betonte das Kadettenorgan Miljukows, die „Rjetsch" 
■.■■ <I4. Oktober 1914), daBauf demBalkaneinrussischgesinn- 
: ie r B 1 o c k gegen Deutschland und Osterreich geschafien werden musse-. 
rDoch auch diese Tatsachen bezw. Kundgebungen sind nur die Folge noch 
"'' friiherer ja sehr weit zurucktiegender russischer Ansprikhe. 1877/78 war 
pw der russisch-tiirkische Krieg; er verlief ungiinstig fur die Turkei, brachte 
fe( v jedoch auch Rutland nicht an sein erwunschtes Ziel. Als geistiger Ur- 
W -heber dieses Ringens gilt auf -russischer Seite der Graf Ignatiew, 
einer der Hauptstreber des Panslavismus, der in seinen Memoiren selbst 
sagte, daB Roland als der Vertreter der Orthodoxie „die ihm vom All- 
machtigen uberwiesene SteUung wahren musse", namlich die Vorherrschaft 
Rufllands im Orient. Diese Vorherrschaft rufe aber auch RuSland zu- 
gleich zum spateren Kampf e gegen Osterreich auf, in welchem Wettstreite 
auf Leben und Tod dieosterreichischenund tiirkischen S 1 a v e n 
ebenso Rufllands Werkzeugeals Verbiindete werden miiBten . , . 
Unter diesem Gesichtswinkel wirkt (besonders wenn man die politische, 
Osterreich feindliche Tatigkeit der Brr.- . Masaryk und Kramarsch kennt) 
ein Ausspruch von Heinrich Suter-Lerch in seinem Buche „Deutschland 
sein eigener Richter" (2. Aufl., S. 74): ..Miljukows imperialistisches Stre- 
ben nach Konstantinopel sei nur die Folge der deutschen Expansionslusf , 
hochst sonderbar. Schon darum sonderbar, weil Suter-Lerch auf der glei- 
chen Seite seiner deutschfeindlichen Schrift sagt, daB Rutland 
darum Anspruch auf Konstantinopel habe, weil die „Wiege der 
Religion", die Agia Sophia (die Sophienkirche), in Konstanti- 
nopel liege, und weil Konstantinopel „ein alter Wunsch RuBlands' 
und „das Vermachtnis Peters des GroBen" sei . . . l ) Man kann 
immer nur erstaunt sein ube£ die Unverfrorenheit, mit der die 
Schleppentrager der Entente-Logenherrschaft Proselyten fur ihre hinter- 
haltige Politik zu machen suchen, urn so mehr, als die Tatsachen doch eine 
andere Sprache sprechen. In der grofi-slavischen „Wohitatigkeitsgesell- 
schaft" war zu Zeiten von Ignatiews Botschafter politik in Konstantinopel 
der Groflfurst-Thronfolger schon Mitglied gewesen, wahrend Novikow in 
Wien konspirierte. Der Zweck der ^Wohltatigkeitsgesellschaft" aber 
war nicht das Kirchen- und Schulenbauen auf dem Boden des Balkan, 
sondern die politische Propaganda fur die groB-russischen Ziele! Denn in 
den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts schon cntstanden jene Ge- 
heimbunde, die von Bukarest aus das bulgarische und ubrige balkanische 
Land in panslavistischem Sinne unterwuhlten, wahrend durch die russi- 
schen Agenten und Konsulen russische Gelder iiberall hin, nach Monte- 
negro, Serbien, Bulgarien und Bosnien, flossen (vgl. daruber besonders 
den deutschfeindlichen Autor S. Zurlinden in seinem „Welt- 
krieg" II). Aus jenen Siebziger Jahren datiert auch die Grundung der 
serbischen „Bruderschaft der Zehn" in Genf , dem der serbi- 
sche „M a r d major" Br. * . Voja Tankositsch zugehorte, der sowohl am Tode 

*) Die alte Behauphing gewisser Politiker, daB das sogenannte „Testament 
Peters des GroBen" den Anspruch RuBlands auf Konstantinopel 
bedeute, beruht auf einer groben Falschung im Interesse panslavistischer 
Bestrebungen. Dies mufite im Gegensatz auch zu Suter-Lerch hier fesfgehalteii 
werden. 



— IO7 — 

Alexanders von Serbien und der Drag a wie des Erzherzogpaares 
Franz Ferdinands mitschuldig ist. 

Doch gehcn wir in unseren Betrachtungen weiter. ^ 

Bei Beurteilutig der russischen Revolution in der „Deutschen Politik' 
(letztes Marzheh 1917) kam Dr. Paul Rohrbach, dieser Kenner 
RuBlands zu dem Schlufi, daB die Liber alen (und das smd immer 
die Getreiiesten der Weltloge) die eigentliche Kriegspartei RuBlands wa- 
ren denen zunachst der unbeugsame Wille Miljukows und Gutschkows 
vorstand. Dabei war der englische Botschafter Buchanan der Jf Haus- 
freund" dieser Blockpartei, und die Ermordung Rasputins („des 
mystischen Beraters des Zaren", der wohl zum Frieden riet) geschah mit 
Vorwissen und B 1 1 1 i g u n g E n g 1 a n d s , — als letzte Warming an 
Zar Nikolaus, daB . , . d i e L o g e allein machtig ist. 

Und wie starb Rasputin? Dr. Paul Rohrbach veroffentlichte erne Ubersetzung 
aus der Northcline-HarrasWorthschen „Daily Mail" (dem echtesten aller Logen- 
blatter Englands) vom 1. Februar 1917 tiber diesen Vorfall vom 30. December 
1916 Danach wurde Rasputin eine Zeitlang in erne Gesellschaft des Furstea 
Yusupow gelockt, die immer zur Nachtzeit zusammenkam. Nachdem man 111 
der entscheidenden Stunde den „Vertrauten des Zaren" trunken gemacht und 
scnliefllich alies aus ihm „hcrausgeholt" hatte, was den Verschworern nutzen 
konnte wurde Gregory Rasputin vor die Wall! gestellt: Selbstmord oder Totung. 
Der Mystiker" lehnte den Selbsrmord ab, kehrte aber den ihm gewaltsam in 
die Hand gedruckten Revolver gegen einen der anwesenden OroBtursten. K&s 
ist also auch hier wieder die Geheimpartei der GroBfursten, die ihi 'Spiel trieb, 
— der Zar mufi zur Einsicht gebracht werden . . .", hattc ein Offiaiier zum 
Kor'respondenten der , f Daily Mail", zu Hamilton Fife, gesagt.) ) Rasputin ver- 
fehlte aber das Ziel, Es folgte eine kurze Weile der Knebelung, und Rasputin 
war nicht mehr unter den Lebenden. Am Neujahrsdiner aber saBen im Bn- 
tischen Klub zu Pctrograd zusammen die Herren Sir George Buchanan, der 
britische Botschafter; Groflgrundbesitzer M. Rodzianko, der einstige Duma- 
gewaltige, und Sergei Ssasonow, Rufllands ehemaliger Auflenminister, urn „die 
Sachtage klar zu beleuchten". „Der Wert der Arbeit Sir Buchanans kann nicht 

*) Nehmen wir zusammen, was sich au 9 den verschiedensten Berichten der 
Tagesblatter ableiten laBt, so konnen wir als zur Groflfursten-Logenpartei "chnen 
die GroBfiirsten Nikolajewitsch, Paulowitsch, Alexander Michailowitsch Michael 
Alsxandrowitsch, Andre] Wladimirowitsch, KyriU und Boris, Furst Yusupow 
(Sassupow?), - dann Botschafter Buchanan, „der stets persona gratissima bei 
der Zarin-Mutter Maria Feodorowna war" (durch dessen MithiHe die Zann- 
Mutter ihren Liebtingssohn Michael auf den Thron zu bnngen suchte), weiterhm 
Dumaprasident Rodzianko, Generallcutnant Danilow, Generalleutnant Czartoryssk 
usw Miliukow und Rodzianko standen diesem „emgeweihten Kreise nahe und 
nahmen an t a gunge„ tell, die die Erhebting des GroBfursten Michael auf den 
erledigten Zarenthron zum Ziel gehabt zu haben schemen, wie schwedische Blatter 
unterm 13. August aus Petersburg sich berichten lkBen. All das konnte jeder 
Zeitungsleser sich aus seinem Blatte berichten lassen. - V^'p.^^H^' 
fassung.stutzt sich u. a. auf Anspielungen und )f Enthullungen des „Petit Panjien 
(durch Havas" preisgegeben), des .Berliner Lokalanzeiger , des Bureau Int. , 
der Daily Mail" und der „Vossischen Zeitung" aus den Zeiten von Anfang Januar, 
Anfang Februar, Mitte Marz und Mitte April 1917. ,,.,,. t, i 

Uber Br.-. George Buchanan sei bemerkt, dafl derselbe riclitigei ■ B a r u : h 
C h a n a a n heiBt (vgl. das Buch ft Wilhelm II." aus dem Verlag Franz Ehera Nachf. 
in Munchen). Am 3. September 1919 wurde Br.-. Sir Buchanan zum bntischen 
Gesandten i Rom ernannnt. Aus der Familie der Buchanan s.nd verschiedene 
Personlichkeiten in lei tenden Logcnstellungen, besonders auch innerhalb der 

GroBloge von Schottland. 



— io8 — 

Hoch genug geschatzt werden", schricb die „Daily Mail", „er (Buchanan) hat 
nie im entschiedenen Erfassen einer Situation versagt . . . Weil Rasputin fur 
das eintrat, was alte ,echten Russen' hassen, darum ist er genchtet worden . . . 
Seine Henker vertreten diejenigen, die das — Licht zu verbreiten streben! 
Nun kennt die Loge von Rechts wegen, da sie ja die „Konigliche 
Kunst" des Reinen Wissens pflegen sollte, wirklich ein grofles, ein klei- 
neres und fiinf noch kleinere Lichter. Das erste, groflte Licht gilt in Wahr- 
heit der hochsten Gottheit, — die Entente-Loge jedoch degradiert es im 
Selbstwahn zum Sinnbild der Tyrannei : „. . . Wir (die Weltfreimaurerei) 
haben die Praxis, die sich fiber die ganze Welt ausgedehnt 
hat . . ." (Rede des ProgroBmeisters der Vereinigten Grofiloge von Eng~ 
land Br.*. Lord Ampthill in Berlin im Juni 191a). — Der eheraa- 
lige Saratower Rechtsanwalt und erste Justizminister und nachherigc 
Kriegsminister wahrend der ersten russtschen Revolutionsregierung, Ke - 
rensky, aber ordnete die Einstellung des Untersuch- 
ungsverfahrensgegen die MdrdeyrRasputins an und be- 
rief die beiden Urheber und Tater, Grofifurst Paulo w its ch und 
F u r s t Yusupow, nach Petersburg zuruck (wie in den Mailander 
Blattern vom 19. Marz 191 7 zu lesen war). Die welschschweizerische 
Logenzeitung „Gazette de Lausanne" aber feierte unterm 5. Februar 191 7 
die Morder Rasputins als „Engel des Todes" . . . *) 

Bei Besprechung all dieser sehr wesentlichen Sachlagen durfen wir 
wohl auch noch einschalten, dafl in Petersburger Kreisen das s e 1 1 s a m e 
Verschwinden aller Originalurkunden der seit 1913 
zwischen RuBland und der Entente abgeschlossencn 
Gehei.mvertrage lebhaft erortert wurde. Diese Dokumente seien 
(so schrieb die „Schweiz. Wochenzeitung" vom 16. Juni 19 17) in der 
Amtszeit Miljukows — als er AuBenminister war! — abhanden 
gekommen, 2 ) und zwar auf dem Wege eines Ej/ibruchs in die Wohnulig 
eines Diplomaten. Russische Sozialisten batten gesagt, der Einbruch sei 
„ein Eingriff einer mit RuBland verbiindeten Grofimacht", ,,die vor nichts 
zuriickschrecke", um Rufilands erste revolutionare Regierung nicht aus 
der Verbindung mit England und Frankreich entschlupfen zu lassen, und 
sie beschuldigen ja bekanntlich auch den Professor Miljukow, dafi er sich 
an England ..verkauft" habe. Bezeichnend ist f daB den Blattermeldungen, 
wonach mit dem Ausscheiden Miljukows aus dem russlschen Auswarti- 
gen Amte die Geheimvertrage, die RuBland mit der" Entente vereinbart 
habe, nach London wanderten, niemals widersprochen wurde. 
Zweifellos betrafen sie das Geheimabkommen zwischen England-Frank- 
reich-Rufiland iiber die Verteilung Deutschlands, Osterreichs und der 

*) Wie sagte doch Miljukow iiber Kerensky nach seinem eigenen Weg- 
gang vom offiziellen Schauplatz seiner Auflenpolitik? Er sagte nach der Peters- 
burger Telegraphen-Agentur vom 6. August 1917: „Kercnsky ist die einzige 
PersonUchkeit, zu der das ganze Land Vertrauen hat ..." 

Wir ftigen hinzu: der jtidische Rechtsanwalt Kerensky vertritt die Inter- 
essen der „Gelben Internationale", — uud darunter ist die „Loge" zu verstchen! 

s ) Unter dem gemeinsamcn Wirken von Miljukow — der dem ersten Arbeitcr- 
und Soldatenrate (bezw. ihren Fiihrern Kerensky und Tereschtschenko) die „Ge- 
fahr" vorstellte, die aus einern Bekanntwerden der Geheimvertrage tntstehe — 
und Kerensky & 'Co. verschwanden diese Geheimvertrage (vgl. „Berliner Tage- 
blatt 1 ', Auslands-tfbersee-Ausgabe Nr. 49 vom 5. Dezember 1917). 



— 109 — 

Turkei unter diese drei GroBmachte. Das Licht, das der seinerzeitige 
deutsche Reichskanzler Michael is Anfang August 1917 » u * d * es€ 
Sache warf wurde daher vom franzosischen derzeitigen Ministerprasi- 
denten Ribot nicht entkraftet. Danach hatte Frankreich unter Pom- 
cares Leitung sich mit RuBland-England verstandigt daruber, wie viel es 
deutsches Westland - ElsaB-Lothringen, Rheinprovinz usw. — annekUe- 
readiirfe. Ribot £ah in der Kammersitzung vom 31. Juli 1917 O^t .^la- 
vas") zu daB Frankreich deutsches Westland zu einem autonomen Pul- 
ferstaate" machen wolle (was das n e u e W o r t fur franzosische An- 
nexionsgeliiste ist). Ribot aber 1st ebenso wie Poincare, 
Viviani, Millerand, Delcasse, C 1 e m e n c e a u usw. Frei- 
m a u r e r er muBte daher die chauvinistische Politik all dieser und der 
anderen maurerischen Staatslenker mit seiner Person deck en, und da er 
das nach den Enthiillungen des deutschen KanzLers Michaehs nicht mehr 
recht konnte, erfand er die „Autonomie" fur den von Deutschland zu rau- 
benden Westen. Wie sagte der „Badische Beobachter ' vom 1. Juni 1917? 
Er sagt : 

„Wcnn Ribot, wenn Lord Cecil, wenn W i 1 s o t, l sich uber die Kricgs- 
" ziek auflern, so sind das . . . immer nur . . . vor t a us c he n< ic K. n d - 
gebnngeA ein und desselbea i n t e t n a t ion a 1 e n Logentnms. 
Wir beschliefien das Kapitel iiber RuBland mit der Wiedergabe einer 
Nachricht der, Petersburger Telegraphenagentur vom 10. Dezember 1917, 
wonach die beiden Freunde Kerenskys, Soskisse und 
Breschke-Breschkowski, aus a m e r 1 k a n 1 s c h e n Kreisen 
2 Millionen Rubel „zu patriotischen Zwecken" erhielten. Soskisse war 
der besondere Vermittler zwischen Kerensky und den EngUndern Ls 
soil nicht vergessen werden, daB Kerensky fruher ein sehr armer Schluk- 
ker" war bei Ubergang seiner Regierung (er stand den ..rechtsstehen- 
den" Soviets der Arbeiter- und Soldatenrate, den sog> Me n s c h e w 1 k 1, 
vor) an Lenin-Trotzky (d. h. an die kommunistischen Bolschewiki) aher 
wiederholt als zweifacher Millionar bezeichnet wurde. — Im Juni-juli 
iqi8 machte Kerensky eine Rundreise durch die Ententes taaten und am 
8 Juni 1918 beschloB ein von hundert Delegierten besuchter KongreB der 
russischen Kadetten (unter Miljukow), eine Intervention der Entente 
anzustreben unter Erneuerung des Bundnisscs mit der Entente (vgl. 
(1 Neue Ziircher Nachrichten" vom 29. Juni 1918). 



.England bat von jeher die heilige Mission 
' ubernomjnen, jede Vorberrschaft irgend 
einer Macht zu verhindern." 

( (> Acacia" ( Organ der Symbolischen Grofi- 
loge von Italien, 1915, S. 242.) 

Ohne RuBland zu verlassen, wollen wir nun 

England 

naher besprechen. Die Englander fiihrten — wie sie sagen! ! — den Krieg 
aus moralischen Griinden. Ihre „moralischen Grunde" haben sie 
innerhalb von dreimal sechs Stunden entdecktl 



— no — 



I: 



Der EinrluB der englischen Logen auf, die Politik ist unbestritten. 
Def deutsche Br. • . Dr. jur J. C. Schwabe schrieb in der Fest- 
schrift des. „Unsichtbaren Tempels'', 1917: „Englands Logen, tiber die 
ganze Erde verbreitet, haben es verstanden, dem englischen Imperia- 
■ Hsmus in jeder Beziehung zu dienen. Und es haben . . . auch die 
englischen Logen sich in der Kriegszeit - anscheinend zu politischen 
Schritten entschlossen, anders kann man ihre Teilnahme an eimg*i 
politischen Kongressen romanischer Freimaurer in Rom, Paris usw. woht 
kautn auf fas sen." Dann sagte der Vorsitzende des Vereins deutscher 
Freimaurer Br. ■ . Dr. jur. B i s c h o f f (von Brauweiler zitiert nach der 
maurerischen „Latomia" l ) Nr. 9 von 1916) : „. . . Die weitverzweigte Lo- 
genarbeit hat dem englischen Geist unzahlige Freunde unter 
Intellektuellen aller Weltteile erworben . . ." Dieser Logeneinflufl wird 
dadurch noch verstarkt, dafi bei offentlichen Festlichkeiten in England 
die Wurdentrager in ihren Logengewandern korporativ teilnehmen. 2 ) 

Bei Kriegsausbruch warf die Grofiloge von England alle Briider deut- 
scher Abkunft aus ihren Reihen, weil — Deutschlands Stirn „mit dem 
Kainszeichen gezeichnet sei". Bald auch verurteilte das britische Gericht 
den deutschen Br.*. Konsul von Sunderham, einen Wurdentrager in den 
englischen Bruderkreisen, angeblich wegen Verrats, wahrscheinlich aber 
widerrechtlich, zum Tode (zitiert von Brauweiler nach der deutschen 
„Bauhtitte" Nr. 19 vom Mai 191 5). Des ferneren fanden^bevor Italien 
in den Krieg eintrat, wiederholt politische Besprechungen zwi- 
schen Grofiwiirdentragern der englischen, franzosi- 
s c h e n und italienischen Freimaurerei statt, and am 12. Fe- 
bruar 1915 ward in Paris der Kriegseintritt Italiens von der fuhrenden 
Freimaur erst haft der Entente perfekt gemacht: von da ab riihrten der 
mosaische Dichter-Freimaurer Br. • . G a $ r i e 1 e d'A nnunzio,') 



') „Latomia" von Latomus — der Steinmetz, Atr Freimaurer. 

*) Aufziige von Freimaurerif, sagt das ^Allgem. Handbuch der Freimaurerei" 
I, S. 57, haben in England, Irland und Schottland schon fruh stattgefunden und 
sind noch heutein GroBbritannien, wie in Amerika, eine sehr haufige Ers'chei- 
nung, besonders bei Getegenheit von Grundsteinlegungen, die sehr oft stattfmden, 
und zu denen die Freimaurer mit Vorliebe herangezogen werden. Die Lon- 
doner GroBIoge hat eine Reihe von Jahren bei der Einsetzung neuer GroB- 
meister grofie Aufzuge veranstaltet, indem die letztern in ihren Wohnungen 
abgeholt und nach dem Ort der Versammlung begleitet wurden. Naturlich tragen 
alle Briider dazu ihre maurerische Bekleidung. Auch der Prinz von Wales (Konig 
Eduard VII.) erschien als GroBmeister wiederholt bei diesen Aufzugen, 

3 ) Am 5. Mai 191 5 hielt „der von der Freimaurerei bestellte Redner", der seit 
Dezember 1918 zum Senator erhobene Br.-. Gabriete d'Annunzio, bei der 
Br.*. Garibaldi-Feier in Quarto bei Genua die kriegsvorbereitende Fest- 
rede. An dieser Feier am Denkmal Br.-. Garibaldis batten —■ nach dem Dekret 
des zugeordneten GroBmeisters des GroB-Orients von Italien, Br.-. Gustavo 
Canti, 33. ■. — samtliche italienische Logen teilzunehmen oder zum mmdesten 
ihre Fahnen zu schicken. Im offizicllen Rundschreiben des Ausf uhrenden 
Ausschusses der obersten italischen Ordensbehorde vom 21. April 1915 hiefl es 
u. a.: „Die GroBmeisterschaft und die hochste Ordensbehorde werden an der 
Feier teilnehmen. Die Fahnen der Logen werden sich urn das Fanier des Grofl- 
orients von Italien sammeln. Kerne Loge soil die hohe Fflicht versaumen, . . . 
indem wir in diesen Wochert langer und zitternder Erwartung (des Kneges) 
die Visionen (Garibaldis tmd seiner Keldenschar) wieder wachrufen . . ." (Vgl. 
Br.-. Dr. Ludwig Mufifelmann, „Die Italienische Freimaurerei und lhr Wirken 



der Mailander Zeitungsmann Br. * . Raffaele G a n d o 1 f o und der President 
des franzosisch-englischen Verbandes Senator Rivet die Kriegstrommel 
(vgh „Kolnische Zeitung" vom 26. Mai 1915, die sich auf die Amsterdam 
mer „Tijd" vom 22. Mai beruft). 

Wlr schicken weiter als wesentlich voraus, welche Ausdehnung das 
britische Logen turn hat, Nach v. Dalens Freimaurer-Kalender von .1908 
zahlte die >,Vereinigte Grofle Loge von England'*,, die sich 1813 aus der 
„Ehe" der jakobinischen — also politischen — Stuart- Maurerei von 
England mit der 171 7 begonnenen „0 r a n g e"-Maurerei Andersons 
gebildet hatte, in 51 GroB- und 37 Distriktslogen 2668 „Werkstatten" 
mit 152000 Brrn.*. 1913 wurden rund 3100 Logen gerechnet. Wahrend 
des Weltkrieges stieg die Zahl der Logen der „Vereinigten Grofiloge von 
England" auf rund 3160 mit mehr als 250 000 Brrn.- . *) Davon sind un- 
gef ahr 43 000 Juden, verteilt auf den „Adel", die Parlamentarier, die Presse 
(Northcliffe wuBte, daB — seine 52 politischen englischen, franzosischen, 
italienischen, russifechen und amerikanischen Blatter >f deu Krieg gemacht" 
haben), Grofi- und andere Rabbi ner, GroBfinanzielle und andere Kaufleute. 
Br. * . Alfred R o b b i n s *) betont (nach der „Neuen Zurcher Zeitung-", die 
selbst „eingeweiht" ist, vom 13. August 191 8), dafi in der Zeit des Welt- 
krieges nicht nur in GroBbritannien, sondern bis in die entferntesten Teile 
des britischen Weltreiches viele neue Logen entstanden : seit den 
Tagen der GroBmeisterschaft des Konigs Eduard VII. seien 
noch n i e m a 1 s wieder so v i c 1 e neue Logen zu g 1 ei c h e r Zeit ge- 
griindet worden — wie eben jetzt! Kein Wunder: zu keiner Zeit spielte 
die englische Politik eine so „umschlieBende ,f Rolle, wie in den Tagen 
Eduards VII. und wie heute (d. h. seit den letzten funf Jahren). GroB- 
meister istBr.-.HerzogConnaught (His Royal Hignefi The Duke 
of Connaught and Strathearn), der leibliche Bruder weiland Konig 

fur die Teilnahme Italiens am Kriege", Berlin 1915, S. 39/40.) Nach Wolffs De~ 
peschen-Bureau nahmen an der Feier vierhundert Banner teil, dazu viele russiache* 
belgische und franzosische Emissare und Politifcer. — Senator Br.-. d'Annunzio 
hielt seine grofle Sqhlachtrede aus einer besondern Gestirnkonstellation heraus. 

*) Dementsprec'hend stiegen'auch die ..Wohltatigkeiten" innerhalb der „Ver- 
einigten Grofiloge". Am Jahrestag der Grofiloge im Kriegsjahre 1918 wurden 
211338 Pfund Sterling gesammelt fur drei gesonderte Stiftungen der Grofiloge 
(gegen 99934 Pfund Sterling am Jahrestag 1914), wovon allein auf die Londoner 
Werkstatten 84 171 Pfund Sterling entfielen (also fast so viel wie 1914 auf das 
ganze vereinigte Weltkonigreicht). Neben diesen drei Stiftungen laufen aber 
noch viele andere Logenatisgaben einher. 

3 > Br.-. Alfred Robbins ist (wie H. Gruber behauptet) ein mtimer treund des 
britischen Ministerprastdenten Lloyd George. Als President des die Geschafte 
leitenden Generalrats der Vereinigten GroBIoge von England hielt er am 9.Jantiar 
1917 in der Loge „Italia" in London eine langere Rede, in der er aaf die italieni- 
schen Brr.-. Cavour, Mazzini und Garibaldi zuriickgriff und dann sagte: In letzter 
Zeit gehe eines der Ideale Mazzinis der. Verwirklicming entgegen, namlich die 
Schaffung der Vereintgten Staaten von Europa mit Rom als Metropole; 
soeben hatten sich die maBgebendsten Vertreter aller Ententemachte zu emem 
KongreB in der ewigen Stadt versammelt, und es trete die Freimaurerei der 
ganzen Welt „wie ein unerschutterlicher Fels" dafur ein, enien Fneden des inter- 
nationalen Rechts sicherzustellen u^w. (vgt. die Londoner Freimaurerzeitscnnft 
„The Freemason" vom 20. Januar 1917, angefuhrt von H. Gruber in der „Deutschen 
Rundschau" vom Dezember 1918). 



I 



Eduards VII. und O nkcl des jetzigen Koiiigs Georg \ St f v / rtT ^ cx ; 
d« GroBmcisler ist Br. ■ . Lord A m P t h i 1 1 , welcher wahrend des Wclt- 
krieees an der Westfront als Obcrst befehiigte. Zugcordneter Groflmci- 
ster 1st The Right Hon. (Baronet) Thomas Frederic H a 1 s e y. Und auch 
noch weitere GroBlogenamter sind von Lords und Baronets* besetzt (vgl. 
das Annual of Universal Masonry")- Die D i s t r i k t s 1 o g e n der 
britischen ..Vcreiniglen Groflloge" vcrteilen sich auBer auf die Insellander 
der Heimat noch auf Agypten, Argentinien, Austrahen, Chile, China In- 
dien Griechenland, Japan, Sudafrika, die europaische und asiatische lur- 
kei und auf Uruguay. igo8 wurden 152 englische Auslandslogen gezahlt 
Im Kriegsiahre 1918 zahlten London allcin rund 730 Logen die 
p r o v i n z e n etwa 1750 und das „A u s 1 a n d" (Dominions und Kolo- 
nien usw.) rund 680 Logen. Daneben besteheti noch die 1067 sogenami- 
ten Kapitel" die die untergeordneten Logen mit den hoheren Logen ver- 
binden In London allein stcllen 256 Kapitel die innere Organisation 
her Im Logenhause der Aldersgatc- Street in London arbeiten 
reichlich 20 untergeordnete Logen (darunter die Loge „ Alliance ') in der 
Cannon- Street sind etwa 17 ..Werkstatten" installiert, in der k leet- 
Street im Anderson- Logenhause 22, in den beiden Logenpalasten der 
GreatQueen- Street etwa 85 Logen, in L o n d o n - Holborn 60 Lo- 
gen in der L e a d e n h a 11 - Street 15, in der L i v c r p 00 t - Street 31, 
in der Oxford- Street 41, in London -Piccadilly rund 50, in der 
Regent- Street an die 55, in London - S t ra n d wiederum 55 Logen 
usw. M a 11 c h c s t e r hat gegen 45 Werkstatten, Newcastle mehr 
denn 20 Nottingham mindestens ein Dutzcnd Logen usw. usw. — 
Am 26 Juni 1906 wurde der Sultan von Sansibar in die Londoner 
Loge Empire" Nr. 2108 aufgenommen (v. Dalens Freimaurerkalender 
1908) "eben auch gchoren in die „Vcreimgte GroBloge von England" der 
E m i r von A f g h a n i s t a n und der Vicomte Br, . Hayasi aus Japan. 
Der Graf von Warwick spionierte in den deutschen GroBlogen 

,zu den drei Wellkugeln", „Koyal York" in Berlin und in der Landesloge 
von Deutschland, auch kundschaftete er in der GroBIoge von Schweden. 

Die „GroBe Loge von Schottland mit EinschluB des. mystischen He- 
redom-Hochgrades der Ritter von St. Winning" (Kilwinning) (mit 
Sitz in Edinburgh) wurde von Br. ■ . Hermann Merker mit 700 Logen und 
50000 Brr. ■. in 30 GroBlogen angegeben, davon 290 Logen in Agypten, 
Australien, Chile, China, Gibraltar, Indien, Japan, Kleinasien, Mauritius, 
Neufundland. Neuseeland, Peru, Syrien, Sudafrika und Uruguay. Grofi- 
meister ist Br. ■ . Sir Thorn. D. Gibson Carmichael of Skirling. GroBoffi- 
ziere sind die Brr.- . Marquis of Tullibordine, der Earl of Cassilhs, Colonel 

Hope u, a. In Aberdeen sind 10, in Edinburgh, 20, in Glasgow 38 Logen. 
41 Logen sind „Kilwinning"-Logen, *) d. h. dem „unwiderstehlichen f alles 
iiberwaltigenden heiligen Sieger" (Kadosh-Ritter) geweiht. 

" l ) Kilwinning (mit der Abtei St. Winning) ist eine Stadt in der schottischeit 
Grafschaft Ayr, sie gilt als die Wiege der schottischen, mystischen Hochgrad- 
oder Kadoshmaurerei (vgl. daruber noch an anderer Stelle). Br.-. Ednard \ 11. war 
seit 1870 Patron nic lit mi r der schottischen GroBIoge, sondern auch dieser *"Wi"- 
ning-Marienkapellen-Maurerei mid nannte sich ..erbliclier GroBmeiSter' der Kadosh- 
ritter. 



; 



\ 



— H3 — 

Die „Grofie Loge von Irland" (mit Sitz in Dublin) umfante 1908 15 
GroBlogen mit 18000 Brr. ■ . in 466 Logen, davon 34 im Ausland (Austra- 
lien, Ceylon, Gibraltar, Malta, Neuseeland, Westindien). Grofimeister 1st 
Br.'. His Grace the Duke of Abercorn; unter die GroBoffiziere zahlen 
Br!-' Viscount Templetown, Br.-. Lord Rathdonnell, Br.-. Lord Castle- 
town. Belfast allein hat 60 Logen, Dublin gegen 40 Loggien. 

Der , Supreme Council" der >f hohen 33- "V von England mit Sitz in 
London W.-Golden Square hat zu GroBkommandeuren die Earls of Dar- 
trey und of Cork. 

Der ^Supreme Council" der „Hohen 33 . ' ." von Schottland mit Sitz 
in Edinburgh untersteht dem GroBkommandeur Br.*. Comte de Kintore. 

Der , Supreme Council" der ,,33.*-" von Irland mit Sitz am gleichen 
Ort wic die GroBIoge von Irland (Molesworth Street, Dublin), wird gelei- 
tet von den GroBkommandeuren Right Hon. (Baronet) Hedges Eyre 
Chatterton und Br.'. Right Hon. Gerald Fitz Gibbon. 

Das f GroB-Kapitel der Royal Arch Maurer" l ) von England, umfas- 
send m6 Kapitel (mit Sitz im Maurerpalast derVereinigtenGroB- 
loge von England in der Great Queen-Street, London WC), wird wie 
jene geieitet vom Br. • . Herzog Connaught, dem leiblichen Bruder 
Konig Eduards VIE Auch hier ist Br. • . Baronet Fred. Halsev neben 
Br. ■ . Earl Amherst Grofibeamter. 

Die GroBIoge of Mark Master Masons (Zielmeister) von England und 
Wales und den Kolonien und Dependenzen (ebenfalls statiomert Great 

ODcreigentlicheSinnvon „Royal Arch" (konigbches Gebaude, Arche) 
ist ,Haus der Anbetung Gottes" („Haus [Dom] der Ewigkeit" = Domus aeterna). 
At.cn Haus der Liebe" und „Haus der Verschwiegenhtit" genannt, werm mjeinem 
Giebef drei symboiische Rosen angebracht waren und die Treue (drei - treu 
zur Lehre von Korper (erste Rose), Seele (zweitc Rose) und Geist (dntte Rose) 
und von der D r e i e i n i gk e i t des Gottlichcn (Vater Sohn, hi. 
Gei&t) zuglcich bekundeten (vgl. unser Wappenschild auf dem TJrnschUge des 
Buches. Die Rose ist das Sinnbild der geistigen Auferstehung der keuschen 
Schonheit der im Menschenherzen waltenden Licbe Gottes und der Verachwicgen- 
heit. Was langsam in der Seele keimt und erbluht (gemaB dem Runenspriich 
„H e r z 1 i c h ,1 n d t r e u" unter unserem Wappenbild), kanr, ntcht m \Wte ge- 
kleidct werden, das spricht still und ohne Beg.erde im Erfebenden selbst. Die 
roten Rosen am schwarzen Kreuz'reden von der Befreiung der Seele von Leiden- 
sehaft und dunkler Begierde. In der Rose niefit der Lebcnutrom keusch und rem, 
-so wird die reine Chrbtuskraft im ..von-sich-selbst-befraten" Junger des 
Rosenkreuzertums (ala des hoheren Christcnliims) die verjungende treibende Le- 
benskraft seinl Deshalb - heute freilich kaum noch verstanden -wird am 
jXnneVste der Brr.-,Maurer (am Tage Johannes de. Taufers de^ Vorl auf e rt 
des Herrn") die Loge reich mit Rosen bekranjt. In Verbmdung damit e,R 
, enfcst e" die (als alte christliche Kulthandlungen, aus der Zeit der unterifdi- 
schen Katakombenfeiern) nach Br.-. Kraus, ^Real-Enzyklopad.e der christhchcn 
Altertumer- II, S. 7O0, i. a. im 13. Jahrhundert (auBer in deutschen Orden und 
Bauhutten) aucn in Griechenland, in E p h e s u s am G r ab e ^s Evangel .sen St 
Johannes f ,don der Herr lieb hatte", fcierlich begangen wurden. D^" au ^ 
Wer die echten und pseudo - r o j c nkreuzenschen Myste-n! (^achklange m 
Deutschland die Logen >3 Zu den drei RoBcnknospen [Bochiim] Zu den dre 
Rosen" [Hamburg], jS Karl August zu den drei Rosen" m Jena, der Goethe an 
gehBrte Zu den drei Rosen am Rhein" [Ludwigshafen] usw Dem bntiBChen 
H™ dftJ Lancaster war die rote, dem Hause York die w-flc :Rj gehe.hgt. Im 
Kampf urn die englische Konigskrone wurden beide Rosen beflcckt. 

Hcise, Entente-Frflimaurtrei. IT. " 



— in - 

Queen-Street in London W.C.) mit 156 koniglichen Marine- urid 5*8 an- 
detftrt Lo^en leiten die Earls (Graf en) of Euston und of Dononghhiore. 
ketzterer bekleidet noch in der „Vexeinigten GroJ3loge von England" eine 
Charge und vertritt „dort" auch die Grofiloge von Nord-Dakota (Ver- 
eihigte Staaten von Amerika) . 

Der Great Priory of England and Wales of the united Religions and 
Military Orders of the Tempel of Jerusalem, Palestine, Rhodos and Malta 
(Tempeiherren, Johanniter und Maltheser-Ritter) mit 133 Lehrwerkstat- 
teri hat wiederum zuni Leiter den Right Hon. The EarL (den sehr ehren- 
werten Grafen) von E u s t o n. Sitz ist ebenfalls der Logenpalast in der 
GroBen Koniginstrafic der Zielmeister (Richtmeister, Mark Master) in 
London W.C. 

Das „Groflkapitel der Royal Arch-Maurer" von Schottland nut 331 
Kapiteln hat den Br. ■ . Robert King Steward of Murdostotin (der zugleich 
die amerikamsche Grofiloge New Hampshire vertritt.} *ui der Spitze. Der 
Sitz ist — wie die Schottische Grofiloge — in Edinburgh. 

Das „Groflkapitel der Royal Arch-Maurer vor It land" (mit Sitz im 
Logenpalast der „Hohen 33.', von Irland in der Molesworth Street in 
Dublin) umfafit 182 einfache Kapitel, 35 Lehrwerkstatten und 13 Kapitel 
der prinzHchcn Maurer von Irland. Drci der GroGofnziere (Logenbeam- 
ten) Brr. '. Francis Wayland, James Malcolm und Reverend Hughes, be- 
gegnen wir an fuhrender Stellc auch in der Grofiloge von Irland, dort 
zugleich wirkend fiir die amerikanischen Grofilogen Nord-Dakota und 
Tennessee und die Grofiloge von Westaustr alien. 

Nicht zu verges sen ist das „Gron-Priorat von Irland" (wieder mit Sitz 
in der Molesworth Street von Dublin) mit Leutnant-Colonel A. V. Da- 
voren als „ofr'entlichem Vertreter" in den „Geheimsaehen" des Ordens. 
Br. • . Colonel Davoren vertritt in der irlandischen Grofiloge zu- 
gleich deri spanischen Grofiorient. 

Zu all diesen vielen und bedcutenden Grofilogen und Hocligradorden 
ge sell en .sich die besonderen Grofilogen der Dominions mit zchn Grofilogen 
in K a n a d a (Alberta, Columbia, Kanada, Manitoba, Neu-Braunschweig, 
Nova Scotia, Ontario, Prinz Edwards-Inseln, Quebec, Saskatchawan) und 
insgesamt etwa 700 oder mehr Logcn mit rund 50000 Logenbrm. ■ . Es 
schliefien sich an die Grofilogen von Slid- und Westaustralien, Queensland, 
Victoria und Neu-Siid- Wales, Tasmanien und Neu- See land (a lies eng- 
lische Logen), insgesamt etwa 720 Werkstatten mit rund 48000 Brrn.- . 

Endlich aber kommt noch der *„Grofl- Orient von Agypten", der mit 
dem „Ritus von Memphis" sett 1892 verbunden ist und sich als legi timer 
Nachfolger der alten Templer-Frei maurer bezeichnet, die in Grofibritan- 
nien durch die alten Komtureien in Bath und Bristol vcrtretcn sind. x ) 
Ferner die „Groflloge von Agypten" mit Ehrengrotimeister Br.- . Hussein 
Eakhry Pascha (Ju&tizm mister) und 47 Logen mit ca. 1500 Brrn.'. 
Der „R i t u s von Memphis" (Mcnes-Ritus) hat, wie der E n g I a n d c r Char- 
les William Heckethorn in seinem moo erschienenen Buche „Gehehne Gesefl- 
schaften" isssw,, S. 422 ff., ausfOTirt, einen absoTut souveranen, atleinherrschcnden 

A ) Vgb Br.*. Dr. Georg Schuster, „Gcheime Geseltschaften, Orden us*.", Leip- 
zig 1906, Bd. II, S. 556. 



— 115 - 

und unabsetzharav Groflmeister als Oberliaupt. Dieser Maurerorden wtirde an- 
geblich von Cagliostro 1 ) n*it 95 Graden gcgriindet. Seine „ahsolmen GroB- 
meister" „maBen sich das Recht an, uber alle M au r t r 1 o g c u d tr Erdc 
zu herrsche n", meint Heckethorn. Die drei hochsten Grade werden nur den 
Obcrhauptem zutcil; der Hochste dieser Hohen ist der „Souveran der Souve- 
rane" (also der friilier erwahnte „Zar der Za r en"?). Durch diesen Misraim- oder 
Meues-Ritns (dem anclt der von tins crwabutc Br.'. Sothcran aus der ..Jintschlei- 
erten Ibis" II, 8. 388, angehbrte) sollten die clcusmischen Mystenen gewisser- 
maBen wiedcr erncuert und philosuphisch-mystisch-kabbahstische \\ eistumer ge- 
lehrt werden. So wurde im 69. Grad (Flanispharen) das Verhaltms der Men- 
sctrcn zu den AhgcTcis (Engeln) dargebotcn. Scit 1839 sclicint dieser ursprung- 
liche Mysterienhund verfalscht und total entgleist (pohtisiert?) zu sein. Hecke- 
thorn spricht ihn als G e m i s c h von Schottentum und R e s t e n alten Templer- 
tums an. Der uMprungliche mciiiphische Ritus entspneht jedenfalls nicht 
im geringsten der htili- und rachegetrankten Mcmpliis-Maurerei des heutigen 81. 
Grades der Kntentepolitiker, dejm nach H. P. Blavatsky, einem wirklich wissenden 
Maurer, war dem „Ritus von Memphis' < jcgliclic Racheubuiig verboten, was ja ■ 



!) Km paar Wortc (bkwzicrt nach der „Ncuen Metaphysischen Rundschau , 
1910 S 297 ft.) uber den Grafen Cagliostro — „den Barbier, Kammcrdiener 
Siziltaner Neapolitaner, CaTabreser, Maltheser, GroBkophten und Juden Joseph 
Bal&am'o" alk-s in einer Person, und ehenso ..CagTiostre der Quacksalber imd 
Schwindler'"'ah „Cajffliostro der Gottliche" gcnaimt — mogen hier PTatz finden. 
Seine Gonncr hielten ihn ffir einen Sohn von Emanuel von Rohan (emen Nach- 
konfmen am dem fi aiizbsisch-bretagiiesclien Ilerzogsgeschtecht der Rohan), wetchet 
68 GroBmeister der MaTtheser-Ritter gn^c^n war; seine Mutter gdt als erne tur- 
kische Dame, die von ciner Maltheser Gakare gefaiigen genommen worden war. 
Der Name Joseph Balsamo" ist ein Geheininame (wie ]'a in Freimaurcrkrcisen Ge- 
heimnamen'mmier gebiauchlich waren, fruher im ideahgcistigen Smne, hcnte — bei 
den Romancn usw. — in politischer Deutnng). Cagliostro war Kabbahst, daher sein 

Ubcrtiame" kabbalistisch gesprochen: „Rr, der gesandt wird" hciflt. Sein Fuhrer 
auf seincn Reiscti untl Initiationen in Syrien, J^ gyp ten usw. sci der okkuttistische 
Weise Althotas gewescn. Auf eine r seiner Reisen durch Westf&Ien traf Ca- 
gliostro mit dem Maurcr-OkkuTtisten Grafen St. Germain ziisammen, der den 
dstlich-geschulten jungeii Cagliostro daraiif auch in die Schrdcn des West ens 
(Rosenkreuzerei usw.) einfuhrte. 1776 schjoB ^ich "Cagliostro in London der Wei- 
maurerei an, und sein Uestreben war nun, die inzwischen bcreits recht versandete 
Masonnerie wiedcr zu ibrer gelstigen Hohe t.Eleusinisclvmcinphische Mystenen ) 
emporzuheben. In StraUbnrg kniipfte skh die ttnverganfiliche Freundschait zwi- 
schen Cagliostro und dem Prinz-Kardinal Ednard von Rohan. Cagliostro «t einer 
der schwerstheschuldigten Grtjflcn der Ei dc, doch stammt von ihm selbst das Wort: 

Ich fordere die Furstliclikeiten und Behorden und das gesamte Volk auf, zu er~ 
klaren, ob in all m einen Ilandlnngen cine ehtzige Tat mir vorgeworfeu werden 
kann als eutgegen den Gesctzen der Moralitat oder Religion." Im Diamantenhals- 
bandprozefl wurden Cagliostro wie auch Eduard Rohan freigesprochcn, Frau de la 
Motte (die Anklagerin Cngliostros) aber verschwand aus der Redie der in der Oe- 
sctiiclite Lebendcn. 1789 vcrfiel Cagliostro der Inquisition; de r Papst aber begna- 
digte ihn (wie H, P Blavalsky ir.itteilte); daraufliiu weilte der Viclbefehdete langere 
Zeit in stiller Abgeschiedenhck auf der Feste St. Leo, bis er Wiedcr in Mitau 
(RuBland) als GroBmeister der iigyptischen Maurerei sic:h zeigte. i?g5 sei cr dann 
mit dem Grafen Hahn-Hahn von Rottcnstcrn in Efcaterinoslaw zusammenBetrotie.1. 
Von hier auy ziehen ^ich wicder weitere Faden liinuber bis in die misenge Zeit und 
bis in die fiihrenden politisclien Kreise der Entente, die Cagliostrns tiefstnmg-zu- 
kunltige Sehcrveikundungen in dnseitig-verhartetcr Weise in ihre Polttk verweben. 
Karl Bleibtren — in seinen ^Vertrctcrn des 19- Jahrhunderts' ^- ncniit M. i> u [ a- 
vat sky (Fnket des Grafen JTahn-Rottensterft) gewissermaflen den ..Erben Lagho- 
s,tro^ und Swedenborgs", mid damit „d e n g to B t e n G e 1 s t d e s 1 9. J a h r h u n - 
dcrts"... Das Andenkcn Cagliostro-St. Gcrmains erhalten wach die Logen 
„S. Germain" in Selby (Yorkshire) und Fed (Isle of Man) von der , t Vercmigten 
Grofiloge" GroBbritsnniens- 



-^afgflpw^" 



ryr-j 



116 



\.i - 



r. 



attC *i aus einer der Arien in der „Zauberfi6te" des Br. : . Wolfgang Amadeus 
- itozart nervorgeht. ') , . 

" Und uber all diese GroBlogen, GroBkapitel, Royal Arch-Maurer, 
Hohe Rate der 33 . ■ ., Tempelherren und Maltheserritter gesetzt als 
GroB-Protektor, Patron oder „Zerubabel" (Prinzipal) sehen 
wir den im Jahre 1910 „in den .Ewigen Osten' eingegangenen" Br.-. 
Grofimeister Konig Eduard VII. B ), den durch seine EinkreisungspohtLk 
bertichtigt gewordenen Lenker der Weltgeschicke, der schon als 
„P r i n z Eduard Albert von Wales" mehrfacher Grofimeister 
und Heerfuhrer aller Hochgradmaurerei war. Furwahr, das Londoner 
Logenblatt „The Freemason" (191 5/16) konnte mit Recht sagen 3 ): „K6~ 
nig Eduard war der gr5fite Freimaurer der modernen Zeiten". 

Durch seine besondere Freundschaft zu Frau Annie Besant — die 
unter dem EinfluB Konig Eduards VII. in die Schottische Hoch- 
gradmaurerei aufgenommen wurde — wurde dieser Grofl- 
machtigste, Allererhabenste Maurer-Protektor - zugleich der verbor- 
gene Schutzhcrr auch der ^Universal Co-Masonry" (Maurerbund 
fur beide Geschlechter) und der „Theosophical Society", (der riber den 
ganzen Erdenrund verbreiteten „Theosophischen Gesellschaft", die unter 
der Leitung von Missis V . * . I GroBmeister Besant herabgewurdigt und 
gewissermaBen ebenfalls xu einer politischen Hilfsgesellschaft erniedrigt 
worden ist. Eduard VII. unterstiitzte damit die Bestrebungen dieser auf 
okkulten Prinzipien aufgebauten, vom Mitglied der Hochgradmaurerei 
H. P. Blavatsky begriindeten ,/Theosophical Society"). 

Im weiteren war Konig Eduard VII. noch GroBmeister der „K6- 
nigachen Archenschiffer" („Royal Ark Mariner"), die sich mit dem Myste- 



l ) Im ursprunglichen, wahren agyptischen Ritus galten ti. a. folgende 
Rcgeln: Der Neoph>t jiarf „niemals weder Rache wiinschen noch Rache suchen, 
er muB stets bereit sein, einem Bruder in der Gefahr zu heHen, selbst unter Einsatz. 
des eigenen Lebens, er tnuB , . . jene beschiitzen, die schwacher smd als er. Schhefl- 
Uch hat er stets die Stunde des Todes im Auge zu behalten und ebenso jene der 
Auferstehung in einem neuen und unverganglichen Korper." (Zitiert von H. F. 
Blavatsky in „Entschleierte Isis" II, S. 365, nach Humberto Malhandnms „K.ituale 
der Initiationen", S. 105, Venedig i6s7.) 

■) Eduard VII. bestieg den Thron der Vereinigten Komgretche im Jahre 1900; 
er regierte also rund zehn Jahre. Doch war sein Einflufl al» Prmz von Wales 
schon ein weitumfassender, obschon man sich-gerade in Deutschland viel darauf 
T zugute tat, diesen „Prinzen von Wales" gem dafiir zu verspotten, dafi er so gar 
* viel in Pariser Salons zu finden war. Aber gerade dort fand er d e n Zutntt, den 
der schlaue Politiker eben sehr berechnenderweise suchte. Daher uberraschte 
er auch nachher wiederum in Deutschland durch seine ganz unerwarteten poli- 
tischen Fahigkeiten. Seine ..Initiation" in die Freimaurerei erfolgte 1868, als 
Prinz Albert Eduard von Wales 27 Jahre alt war. Der Konig Karl XV. von 
Schweden war sein „Hierophant". Die „Mark Master Masons' machten ihn 1886 
zum wirklichen GroBmeister. Doch bekleidete er schon im zweiten Jahre seiner 
, Bruderschaft" (1869) den Platz des ..Alt-Groflmeisters" (Past Grand Master), am 
18 April 187s wurde er wirklicher GroBmeister der ,/Veremigten GroBIoge von 
Englan d". Ebensolange war er Patron der irischen GroBIoge und 
„Grand Zerubabel" (CroB-Prinzipai) des GroBkapitels der Royal- Arch- 
Maurer. (Zerubabel war ein SproB des Davidischen Hauses. Der Grofi-^eru- 
babel bestatigt den okkulten Sinn der eigentlichen Kgl. Archmaurerei.) 

») Vgl, Herm. Gruber, S. J., in der „Theologisch-praktischen Quartalschnft , 
1916, S. 671. 



— 117 — 

rium der Erretttmg Noahs befassen. (Dieser Orden ware seinem inne- 
ren okkulten Sinn nach von tiefster Bedeutung, wie aus Jennings u^sen- 
kreuzern und ihrc Mysterien" klar hervorgebt.) Damit war Eduard VIL 
GroBmeister von 33 freimaurerischen Weltorganisationen. En dhch stand 
er noch als 1 e be n s 1 an gl ich er Meister der ^Household-Brigade- 
und der Navyloge" in London vor, war President der drei grofien 
maurerischen Wohltatigkeitsanstalten in England und noch OroB- 
p a t r o n der „Koniglichen Freimaurer-Madchenschuie" und der „Komg- 
lichen Freimaurer-Knabenschule^in London- 
Die politische Bedeutung der brltischen Weltfreimaurerei moge im weiteren 
noch erhellen aus einer Aufzahlung .unachst enghscher Lpgen ^»^°"f rv z » r 
Vereinigten GroBIoge GroBbritanniens"), die alle die Nam en hervor- 
ragender britischer Politiker tragen. Die weltumschhngende Macht der 
englischen Weltfreimaurerei ergibt sich daraus von selbst Betrachten wir zn- 
^nachst den EinftuB des verblichen en Konig, Eduard VII ^cht wen* ^r als 
42 Logen verewigen seinen Namen „P r 1 nz y o n W al e s „Ed u a r d Albe r t 
(wie er sich bis 1900 nannte) oder „K6nig Eduard', Da _ ist zunachs die 
1903 in der Regent Street zu London begrundete koiughche Loge ..Konigi. 
kollegium" (.Eduard VII."). Dann ist ihm geweiht die 1899 ms Leben ge- 
rufcac *L ; Entente cordial e« im „Cafe Royal", ebenfalte m der Londoner 
Regent-Street. (Bis ins Jahr 1888 kann man die geographic Geheimkarte der 
flntente cordiale" sicher zuruckverfolgen!) Und e ine ,K o n . g -Ednjrd 
Konigin-Alexandra-Loge" wurde 1906 m Waltham Crofi (Hertshire) 
geschalen Und nun alle die andern ..Eduard VIL"- und „AIbert Edt ard - 
Loggifn n London-Regent-Strect, in London-Holborn, in London-W.mb edon 
\n Rath (Somerset), in Bradford (Yorkshire), Bury (Lane), Camberley (Surrey), 
Clare (Suff)^o'port (Hamps.), Hale, Heaton Moor (Lane), Hexham (Northumber- 
Snd/HudiSd Yorkshire), in Ipswich (Suffolk) in Jersey k » ^i«$J. » 
zwei Statten in Liverpool (eine davon ,900 gegrundet), J" LI a nelly CSud-W*lcfl) 
in Newbiggin (Northumberland, gegr. 1902), m Newcast e-on-Tyne (NorthdJ, in 
Newport Red Hill (Surrey), Southampton, Stow-in-the-Wold (Gl'oster) m 
Trinfdad in Indwe (Sudafrika/gegr. 1899, als Eduard VII. noch Pr.nz von Wales 
war? S Nor hd (gegr. 1894), n Carnarvon (Siidafrika, gegr. 1903), in Christian a 
mansvaal gegr 19^4), in Potchefstroom (Transvaal, gegr. 1903), in M«well- 
brook (Su-ludValel) in Jamieson und Maffra (Melbourne) m Perth (Wert- 
aus?ralien gegr 1904) in Brisbane (Australien) und in Auckland (Neuseeland), 

hat auch Penang ; in NiederUmdisch-Indien (und gerade in N.eder landi «h Indien 
trieben wahrend des Weltkrieges - von England geuhrt und im Inter 
case EngUndst - die Geheimbiinde „S a r i h a t D a g a n g I si am' , der J u n g - 
simatra 1 Bund" und der ,,B u d h i U t o m o" nationalist isch-antihollandische 

Geh DTn Namen der G e m a h I i n des politischen Maurerprotektors Eduard, VII. 
♦raorij. dip T o^en Konig in Alexandra" zu London-Muswell Hi 1 (gegr. 
iSSfza HomIS "(Yorkshire), » Long Sutton (Line), J.bbulpore (Indien) und zu 
Rosa'rio de Santa Fe in Argentinien (gegr 1903). cr oBmeister- 

Den Namen des Nachfolgers Konig Eduards VII. m den groBmeister 
lichen Wurd.n der ,.Royal Arch-Maurer von England" und der .^emigt"! GroB- 
Ioge von England", des Herzogs Br.-, von Co n naught 1 ), tragen die .Co n 
naught -Log en in London-Fleet Street, in London-Camberwell Eastbourne 
Sussex gegr 1897X Southport (Lancaster, gegr. 1902), in Hartlepool, Landport 
gurhS,^i^Va™tliA 1903 gegrundet) und I in = Ahmedngjar ( o-M - 
in Colombo (auf Ceylon, gegr. 1902). Herzog Arthur Wilhelni Patrick A^rt 
r onn augl)t der erste Bruder Eduards VIL, wurde 1874 durch „Hduard V a. 
«fbSt dem .ILicht : der Loge- zugefiihrt, 1886 ward Connaught Provmz.aigroBmeist.r 



4 ) Des Mittelmeerkommandanten vor Ausbruch de=j Weltkrieges. 



;;;~T^ r ^, C ' 



/ vOd Sussex und 1891 Past Grand Master. 
\- vergtx>i1>enen Eduard VII. ein. 
Y\ C- E'irie Werkstatte der „Vereinigten englischen GroBloge" zu E 
■■: : ..*v ^foflmetster-SteHvertreters Brs.;. Amp th i\) (gegr. 1893) gibt es im Distrikt 
>Cf r - ^6dtordshire, " 



Schliefllich trat er in die Warden des 
zu Ehreft des Lords 



__ DaB Lord Ampthill bis zum Kriege in der „Deutschen GroBloge 

* -V^On" Frankfurt" spionierte, set noch nebenbei erwahnt. 
,4'^v-. Die Nam en der in den Pperstand erhobenen britischen politischen Juden 
W--"~- Atnner h alb der ,/Vereinigten GroBloge" (vgh S. 33I3S) sind festgehalten in den La- 
rT-C^tomien (Logen): .Montague" (gegr, 1889) zu London-Lincoln, „Ferd. von 
*^" Roths child' in Aylesburg (Buckshire) und im Distrikt Bedshire (beide gegr, 
1892), „Wandswort h t( in London-Lavender Hill, „H e r s c h e 1 - N a p h t a 1 1" 
in Slough (Buckshire) und in Heywood (Lancaster). - Erne Baron „M onte- 
li o r e"-Loge (vgl, S. 3s) gibt es zu London in der Oxfort Street. Und eine 
Loge t ,Sir Albert S as son" 1 ) und eine Loge „Henry Bernstein" exi- 
stieren ebenfalls. Der beruhmte Peer Beaconsfield-d'Israeli (vgl. S. 31 ufld spater) 
bleibt in der Erinnerung aller Nachwelt durch die Logen „B e ac o n s f 1 e 1 d" 
in Walthams^ow (gegr. 1876) und im Distrikt Buckshire (gegr. 1901). 

„D e r w e n t w a t e r - R a d c 1 i f f e" -Logen (vgl. S. 15) gibt cs zu Hastings, 
Radcliffe und Wirkswort (Derbyshire). „G rey"- Logen zahlte man in der Regent 
Street in London und in Manchester; eine „C h ur c h il V ( - Loge existiert zu 
Oxford, eine „M ar 1 b o r on g h - C h u r c h il 1" - Loge zu Woodstook (Oxon); 
general Go'rdon"- Logen findet man .zu Bognor (Sussex), Hanley (Staf - 
fortshlre, gegr. 1886), in Stanmore (Middsex, gegr. 1904) und in Brisbane (Austra- 
lien, gegr. 188s), „E a r 1 Roberts"- Logen (des Burenkriegskommandanten, 
der'sejit Jahren die Englander gegen Deutschland zum Kriege "Q aufpeitschte) 
zahlen wir zu London (Fleet Street, gegr. 1906) und zu Somerset (Sudafrika, gegr. 
1900), und „Viscount Horatio Herbert Kitchener of K h a r t o u m" -Logen 
grundeten sich zu Greenwich (1903), Karthoum und Simla im Punjab (Indien, 1903). 
Eine „B a I f o u r"-(richtiger ,Baal'-)Loge weist Guernsey (gegr. : 000) auf; erne 
„L a n s d o w n e" - Loge besitzt Chippenham. Auch eine „A 1 f r e d M i 1 n e r" - 
Loge miiflte 1900 zu Muizenburg in Siidafrika gegriindet werden, um die Taten 
eines Lord Milner zu verherrlichen, der — laut der Julian Graude-Zurlinden-Co- 
lombi-Lupold'schen f ,Illustrierten Rundschau" vom April i?i8 — als Oberkom- 
missar von Siidafrika an Joseph Chamberlains imperialistischen Projekten (vgl. 
S, 121) beteiligt war. , r Cecil Rhodes"- Logon preisen in weite politisthe Zu- 
kunft das Wirken des Mannes, der aus der Geschichte von Transvaal und der 
Oranje-Buren-Republik nicht ausgestrichen werden kann (vsl. S. 120), eben jenes 
Mannes, der da bestimmtc; Englisch werden soil ganz Afrika, ganz 
Asien, ganz Siid- und Nordamerika . . . Solcher Br . ■ . Rhodes-Logeu 
gibt es zwei: die eine wurde 1899 zu Bulawayo in Transvaal gegriindet, und die 
z weite, „R h o d c s i a" genannt, ward 1893 z« Salisbury in Transvaal ins Leben 
gerufen. — Endlich wird die britische Politik unvergessen gemacht in zahllosen 
andern Logen. Wir nenncn nur die 1886 zu London-Strand im „Hotel Cecil' 1 
geschaffeiic Loge „Anglo American", — die „C ceil" -Loge in Hitchm 
(Hertshirc), — die „U 1 s t e r"- Loge (gegr. 1903) in London-Strand, — die beiden 
„N e I s o n - T r a f a 1 g a r" - Logen (zur Erinnerung an den Seesieg Nelsons vom 
22. Qktober 1805 iiber die franzosisch-spanische Flotte) zu Batley (Yorkshire) und 
Plumstcad- London, — die „D o ugl a s"- Loge in Maidstone (Kent), (zur Eiimic- 
rung an das durch vielfache politische Verschworungen beriihint gewordene schot- 
tische Geschlecht der Douglas), — die ..Benjamin Frankl i n" - Logen zu 
Boston und Windsorton (Siidafrika), — die „H a 111 i 1 1 0/1" - Loge in Alford 
(Lincolnshire), — die „M i 1 1 o n u - Loge in Ashton-under-Linc (Lane) (zur Lr- 

*) Br.-. Sir Eduard Sasson, der englischc Parlamentaricr, auch ein Intimus 
Br ■ Eduards VII. (vgl. S. 84), war verhciratet mit einer Freiin Alice Karoline 
von Rothschild; sein Yater Br.>. Sir Albert Abdallah David Sasson 
— dessen Namen die genannte Loge „verherrlicht" — war Opium handler 
(„Volksvergifter") und Mitglied des gesetzgebenden Rates in Bombay, wurde 
1872 zum „ eflglischen Ritter" geschlagen. (Vgl. „Semi-Gotha", Kyffhauserverlag 
[Zechncr & Co., Munclicn], 1912, S. S05.) , ,. , v „ 

2 ) Vgl. Stl -Vara, h En^lischj Staatamanner" (Ullstein A erlag), S. 98. 



— 119 — 

iimerung an den bekannten politisch.religiosen Dkhter John Milton, der _ unter 
cfomwell Geheims^kretar des Staatsrats und Verteidiger der politischM Hin- 
richtung Karls 1 von GroBhritanni«n — 3Q- Januar 1649 enthauptet -- waf), tt flie 

wiling ton" -Loaen in Carlshalton, Deal, Rye (Sussex) und in London- 
Cannon-Street (geweiht d>m Andenken des britischen Staatsmannes Au tT^ 
sS? und Feldherni, der N^poleop L bei WaterloQ schlug) - un4 end^h die 

Stuart" Logen von London -Qxfqrd- Street und Bedford. 1 ) - Von A me r t k a 
aus (vgl dor!) haben die ..Pilgn'ae" das gtqBte UnheU ujer die grde bnngen 
hdfen- (ohM das Eingre en der amerikanischen „Pilgrime" hatte England den 
Krieg wede^wagen nod z u seinen Gunsten zu Ende fuhren konnen); e n g 1 s c h e 

PiTgrim"-Lo^n gibt es in London in der Great Queen Street und in London- 
SoutwaTk und fn Glastonbury (Somerset). Eine ,Gre„ e l 1 "'^? ^"^S" 
fells gehoren zu den ^Pilgrimen") wurde 1904 in Taplow (R ^ c ^ h j r ^L S olfnrri 
EndlicV diirtcen nqcb die Koriigin „V 1 If :t o r 1 a"- Logen von ^London- -Q^qrd 
ftreet, London-Leadenhall, Windsor, Eccles (Lane), Manchester, Accra Coast, Rag- 
goon (ia Burma) und ' Brisbane (Austral.en) usw. die K o nig £udo -f - 
Loge von Wolvchampton und die „K6nig v o n 1 « a nno v _er" - Loge (4) von 
Twickenham (Middlesex) Erwahnung verdienen. Neben al dicsen Logen gehen 
einher noch zahlreichc den Buckinghams, Clarences, Hastings, Ui.^r, Pem- 
broke Somersets Warwicks, Yorks usw. gewidmete Loggien, die ihrerseits wieder 
' an die KiS der „roten und weiBen Rose" um die Konigskronen des Insel andes 
1 aLan^ die Politische Vergangenheit der Yorks und Lancaster - ennnom 

(VSl So weit haben wir nur der politischen ,,Werkstatten" der „V e r e i n i g t e p 
GroBloge von England" gedacht. Es lassen sich nun auch noch erne Aq- 
«ah l poHtfsch klingender Logen anfzahlen, die in der „Schot 1 1 s e he n G rofl - 
l OK " organisiert sind. Da sind vor allem zu nennen die 41 .Ailwinninj 
Lofen welche die Verwandlung des rein okkultistischen Hmtergrundes 3 ) 
dS?«Vott? B ch«!n Hochgradmaurerei in einen okkult-politischeu vobo^haWi: 
zunach.t die Mutter-Kil winning-loge" m Kilwinning selbst, und dann 
d ie KilwinninE-Latomien von Bathgate, Beith Blantyre, Dalkeith Da mellmgton, 
lieghon ! pumtries, Edinburgh, Forfar, Glasgow, Greenock Haddington, Hamil- 
ton Invent, Kilmarnock, Kirkintilloch, Kirkwall, Langho m, Largs, Morose 

zwei Kihvinninglogen), Newmilns, Paisley, Peebles, Port G ascow (z>e, Loge n), 
Sarqnhar, Saltcoats, Skelmorlie, Stanraer Tarbolton, ^'^ fn S "^7. 
frmer die Kilwinuiglogen in Dunedin (Neuseeland, zwei Logen) in Port Uiarl- 
mS ^(NeusrelanXpor^belloCNeuseeland), Fremantle (Westaustrahen), Cap Town 
S5 SimoiS Town (in der Kapkolonie) und in Benoni und Johannesburg in Trans- 
vaal - Wir tonen noch die „B al f o u r" - Logen Methwen und Markmch die 

Ha m i Mo n" - Loge in £urat (Indien), vier „T r a f a 1 g a r<\- Logen in Trafalgar 
nnH Fdinburgh und dann im Goldfeld von Westaustralien wie in Durban (Natal). 
Zwei General Gordon" -Logen sind in Buckie (Banffshire) und Johannesburg 
(TransvaaO, eine Loge der „PiIgrimc" in Lydenburg (Transvaal) und erne Ba- 

^T^lhTstuartlogeu - und die „Vereinigte Grofiloge von England^' v er- 
Rrhmolz «ich ia mit den Stuartlogen — waren immer nur pol tisch. Karl J^d 
wa d^Stuarrilog'n nach dem einstigen GroBmeister Br.-. Karl Edward Stuart 
' Sbt ei e'nfalTs g Der deutsche zugeordnete Gro^meister Br v Dr Ludwig Keller 
behandelt die Politik der Stuartlogen u. a. in seiner Comenius-Schrift „Die Tempei 
'"T St' ^^^KX^A^^rt eine Bezichung zum Sieg 
des esofe isSen'christentums, wie dieser auch vom echten ^"kr™^^^ 

m^rm^nd^Am^ 

von Eschenbach (der ein Templcse war) und spater RlC J a ^ n ^fXi k t daB Br 
haben, in mehr als einem Zuge erinnert/ ' - Wenn ^ a " ^^^ war begreift 
Eduard VII. „erblicher Groflmefeter" des »Heredoms vonKdjmmj« war begrei 
man schon die politische Luft, die nun auch durch d.esc mehr als VI erz ( g (.em 
mals tiefmystisch gedachten) Logen weht. 



rsa^rjpjs^ 




#'"-*" 



— 120 — 

ronet „M ontcfiore"- Loge zu Glasgow (Schottland). Den Namen des ftihren- 
den Brs.-. Robert King Steward of Mourdostoun vom Groflkapitel der Royal Arch- 
Kfaurer Schottlands (S. 1 14) verkbrpert die „R o b e r t K i ri g S t e w a r d" - Loge in 
Holytown, Ntcht zu vergessen die beiden „Eduard VU."(„P rinz Wale s")- 
Logen von Renfrew in Schottland und in Alexandria (Agypten). 

Nocb manchen vielredenden Namen wird die Weltlogenpolitik in ihren Welt- 
registern eingetragen finden, den wir nicht auffuhren konnten, es genugen die ge- 
gebenen Beispiele, um zu zeigen, wie tief eingreifend und fest verankert im weiten 
Erdenrund Britanniens welthegemonistische Wirksamkeit ist. 

Nun zur Sache selbst. — 

Hochst bezeichnend ist der Satz, den det zu Upham geborene britische 
Dichter und Pfarrer Edward Young schuf : Jf T e i I e der Welt sind f iir 
den Kaiser, — fur Britannien ist das Ganze!" Dieser Satz hat 
auch noch heute Geltung, indent das Testament des bekannten Cecil 
Rhodes, 1 ) des ehemaiigen Prasidenten der Kapkolome und noch fru- 
heren englischen Finanzm misters, noch besteht, „der sein Vermogen einer 
geheimen Ges'ellschaft b^stimmte mit dem Ziele, die englische' 
Herrschaft iiber die ganze Erde zu tragen", Englisch soil we r den (so 
bestimmte dieser „Bruder") : gan^ Afrika, das „Heilige Land", das 
Euphrattal, Kreta, gans Sudamenka, die gesamten Inseln im Stillen 
Ozean, Hollandisch-Indien, die Malayen, die Ktisten von China und Ja- 
pan, und endlich noch — die Vereinigten Staaten von Nordamerika. 
)t Durch diese englische Weltvereinigung sollen dann alle Kriege aus der 
Welt verschwinden", 2 ) * 

Nun muB ja dieser Plan nicht auBerlichso realistisch-wirklich wer- 
den, wie er da ausgesprochen ist, wenn er nur dem i n n e r e n Wesen, der 
inneren Struktur nach Realitat wird. DaB er das wirkt, beweist der Aus- 
gang des Weltkrieges. 

Beachtet man die mannigfachen Ausspruche von Londons ^Freemason 
Chronicle" in den Jahren 1889 bis 1906 (angezogen von P. H. Gruber in 
einem langeren Aufsatz iiber angels achsische, romanische und germani- 
sche Freimaurerei in der L i n z e r „Quartalschrift" 1916, S. 671), wonach 
„dre Freimaurerei England bei seiner auswartigen und 
internationalen Politik die aUerwertvollsten Dienste leistet" 
und dafl „die Grdfie des britischen Weltreiches das Werk der Frei- 
maurerei" ist, dann wird einem erst klar, was Leute vom Schlage eines 
Br, ■ . Cecil Rhodes fur die englische Weltpolitik bedeuten. — 



*) Das „Historisch-genealogische Taschenbuch" des Kyffhauserverlags (Miin- 
chen 23, Zechner & Co,, 1912, S. 236, 272, und 493) weist darauf hin, dafl Br.-. 
Cecil Rhodes, der ehemalige englische Bischof und Miturheber des Buren- 
krieges, mit dem israelitisch-englischen G e 1 d e des 1906 verstorbenen Sir Alfred 
B e i t h und dem des Barons Sir Julius Wetnher assoziiert war. Alfred Beith 
CBiamanten-Beith"), de r den Jameson-Raid 1895 in Transvaal anstiftete, 
war Chef der Goldminenfirma Wernher. Beith & Co. in London und Johannesburg, 
wahrend der 1895 baronisierte Wernher (President der „ Company de Beers") als 
der reichste Judenassocie Europas den Beinamen ^Diamantenkonig" 
fuhrt. (Vgl. auch die Neuauflage des „Hist.-gen. Taschenbuchs" [Miinchen 
23], S, 494/95.) 

s ) Vgl. Dr. Wilh. Dibelius (Hamburg): „Von der Macht des englischen Impe- 
rialismus" (in der „Dcutschcn Politik", 1916, S, 1862 ff.). 



1895 ubernahm Br.-. Joseph Chamberlain 1 ) (der Sohn ernes 
Schusters und spatere Groflkapitalist, ehedem Pionier des fortgeschritten- 
sten Liber alismus und dann argster Revolutionar der konservativen Rich- 
tung) die Leitung der britischen Kolonialpolitik. Am 31. Dezember 1895 
kam dann der Jameson-EinfaU in die Transvaat-Republik, der von Br.-. 
Cecil Rhodes und Joseph Chamberlain durchaus gebilligt und begiinstigt 
wurde. Chamberlain untersttitzte ganz die Tendenzen des Br. ■ . Cecil 
Rhodes und sprach selbst das ktihne Wort : 

, Dieses stolze, ausdauernde. entBchlossene Volk der Angelsachseft, das kein Wech- 
' sel des Klimas und der Lebensbedingungen in seinem Wesen verwandeln kann, 
1st bestimmt, d i e herrschende Rasse in der zukunftigen Geschichte der Zivtlisa- 
tion und der Welt zu sein." 

Was A f r i k a betrifft, so ist der Plan des Br. ■ . Cecil Rhodes beziig- 
lich der Einverleibung des Sudan und der Buren-Repu- 
b liken in den- englischen Weltstaat bereits 1902 vollzogen wordem 
Notwendig war nun vor allem die Eroberung der groBen deutschen Ko- 
lonien in diesem schwarzen Erdteil, und in dieser Hinsicht tat England 
im jetzigen Kriege sein Moglichstes. Unter cnglischer Fiihrung wurde 
schon 191 1 und 1913 afrikanisches und europaisches Tiirkengebiet „auf- 
geteilt". Nun wollte sich England in A s i e n (durch weitere Aufteitung 
der Tiirkei) ein zusammeuhangendes Kolonialreich schaffen, .reichend von 
Kairo bis Kalkutta (mit EinschluB von Syrien, Arabien, Mesopotamien 
und Siidpersien), — Was dann noch iibrig blieb, war England bereit, grofi- 
miitig den Russen und Franzosen — seinen Satrapen im Weltlogenreiche 

zu iiberlassen. Diesem Zwecke gait auch der zu schafiende ..Balkan* 

bund", der die Aufteitung dereuropaischen Tiirkei zum Ziele hatte, 
um England im weiten Orient freie Hand — ohne europaischen Einspruch 
— zu schaffen. „Seit 1890 dient die britische Politik in Per- 
sien, Arabien und K I e i n a s i e n dem von Lord Curzon auf- 
gestellten Ziel ; Kairo-Kalkutta", sagtc Dr. Ludwig Que s sel im 
ersten Dezemberheft der „Deutschen Politik*' von 1916, Und dieses 
„Ziel" soil nach Franke („Deutschland und China vor 5 in und nach dem 
Kriege", S. 12 ff.. 1915) seitens Englands noch bis ins chinesische 
Yangtsetal weitergetragen werden. — Die Kriegserklarung Chinas 
bestatigte auch diese Politik des englischen Willens. — 

Die alte englische Logen-Forderung „Ganz Afrika" und „Kairo bis 
Kalkutta" fur GroBbritannien hatte Ende Juni 19 17 gelegentlich der Be- 
sprechung der Friedensziele der deutschen und russischen Sozialdemokra- 
ten („Frieden ohne Annexionen") auch der jetzige GroBsprecher der bri- 
tischen Loge Lloyd George bestatigt. Er forderte ausdrttcklich die A n - 
nexion Mesopotamiens, Armeniens und^ wie wir bereits 
. aus den Reden von General Smuts 2 ) wissen, der deutschen Kolo- 
nien durch England. Und als im Dezember 1917 die Engender unter 
General Allenby das „heilige Land" mit EinschluB von Jerusalem besetz- 

*> Sil-Vara r „Englische Staatsmanner", S. 65 ff-, sowie Zurlindcn> „Weltkrieg' : , 

" s ) Auch Superintendent Frank Weston, der Bischof von Sausibar, der Fuhrer 
der Trager des Generals Smuts im deutsch-ostafrikanischen Knege forderte offent- 
lich die Yertreibung der Deutschen aus Ostafrika um des englischen Welthandels 
im Osten, in Indien und im Suesgebiet willen. 



ten ^gagte Lloyd Geoff e im englischen Uftterhause (nach der ftavas- 
Depesclie vom 21. December 1917, deren Inhalt der Nortlicliffeschen *) 
„ Daily Mail" entnommen war), dafl die Englander die heiligen Grte Pala- 
stinas nie mehr zuriickgeben werden. Man erinnert sich da einer fruhe- 
ren Bemerkutig der „K61nischen Zeitung" : Der englische Premierminister 
g-ibt offen zu, dafl England einen Raub- und Eroberungskrieg fuhrt . . .! 

Lloyd George seinerseits hat aber nur wieder Sir Harry Johnstone 
(vom Londoner Auswartigen Amte) bestatigt. Johnston hatte in der 
Daily News" Ende Dezember 1916 riir England die Smaihalb- 
i'nsel, das Euphrattal bis Bagdad, die Oberaufsicht 
uber Persien (vOrlaufig a 1 1 e r d 1 n g s „gemeinsam mit Rufiland") 
und die Aufrechterhaltung; des status quo ante in Agypten (d. h. den 
Anschlufl Agyptens an England) gefordert. Einige Abschattierungen in 
der Betonung einzelner Kriegsziele und selbst gelegentliche gegenseitiffe Be- 
fehdungen der Logenpoliiiker in den Parlamenten, in denen a u f d ; e 
StraBc hinaus geredet wird, haben iibrigens gar nichts zu sagen, die 
scheinbaren Abweichungen dienen nur dazu, nichteingeweihte Kreise zu ver- 
wirren mid die wirklichen Grundziele der Weltloge fiir , ,Unberufene" zu 
verschteieni-) 

Man begreift, da die englische Politik unter der Fuhrung von mehr als 
einem vollen Dutzend jiidischer Lords segelt, recht gut, daB das Entente- 
Judentum nach der Besetzung Palastinas durcli England 
sofort jubeltc und Palastina sclion als .Judischen Natjonalstaat unter dem 
SchuUe GroBbritanniens" betrachtete. a ) In der „ Opera" zu London fand 
auch dchon v o r der Besetzung Palastinas durcli englische Truppen ein 
Ricsenmecting der englischen Israeliten unter dem Vorsitz von Lord Ferd. 
de Rothschild statt, in dem der englischen Regierung der Dank des 
judischen Volkes ausgesprochen wurde fiir deren Bestreben, Palastina den 
Juden zu uberweisen (Inf.-Korrcspondenz vom 7. Dezember 1917)- Bevor 
noch England Palastina erobert liatte, hatte sowieso schon Britan- 
niens Auslandsminister Lord James Balfour of Bur- 
lei g h in cinem fiir die VerorTentlichung bestimmten Bricfe an Lord Roth- 

*) DaB Lloyd George gartz d a s W c r k z e u g v o ti Br . ■ . Lord No r t h - 
cl i f f e (Harmsworth-Stern) ist, ist viel in der politischen Literatiir, iu a. von Wil- 
helm DibeliuR, lietont worden- Aiiffallis ist, dafi die „Ti^es", dieses cinfluBreichc 
Blatt Northcliffes damals, als Lloyd George zum britischeu Reidiskanzler erwahlt 
wurde, schricb: „Kein besscrer Mann konnte gefundeu werden." In der Tat ist 
Lloyd George in seiner Individualist langst verholzt mid ohne jeghebe wirklich 
person] iche Karbung. Darum sagt auch der Chefrcdaktor der „Dady News ^Gar- 
diner, der Schwerpunktin derLloydGeorgescbetiPol i 1 1 k 1 1 e g e 
nicht In dessen KecVn, die er im „Debattierkhib" (britischen Unterhaus) halte son- 
dern in der Schriftleitung der Kortlicliffe-Blattcr (vgl. „Neue 
Zfircher Nachrichten'" iqi7j Kr- 345). ..,.,,. ,-- , 

2 ) Wie sich die jetzige Bevolkcruug Palastinas zur judisch-treimaureri&cli- 
ententisch-englischen Keherrschung stellcn mag, wird die Zukuuft lehreru Da* 
Setbstbestimmungsrccht wird i linen schwerlich zugesprochen werden. 1910 z *hlte 
Palastina nur 80000 Jiidcn bei 538000 arabiscben Moliammedanern und 92000 Chri- 
sten (davqn 40 coo gricchischen Orthodoxen). Schon bcschweite sich auf der Inter - 
nationaleii Sozialistenkonferenz in Bern am 10. Marz 1919 der niusclmannischc 
Scheik Emir Arsan, Deptitierter von Damaskus, daruber, daB 300 Millionen Musel- 
manen von der Entente nicht urn ihre Selbstbestimmung befragt werden. 



— 123 — 

•child d e n J u d e 11 der alliierten Welt das palastinisch e L and 
zugesprochen und die Finanzierung des „jtidischen Staates" durch 
die Vereinigten Staaten von Amerika in Aussicht gestellt (vgl. „Neue 
Zurcher Nachrichten" vom 1. Dezember 191 7). Zum Dank begluck- 

wiinschtc (nach einer „Reuter' £ -Meldung vom 14. Dezember 191 7) der 
Grofirabbiner der hebraischen Vereine Britanniens den Konig Georg so- 
wohl als den General Atlenby zu dessen Einnahme von Jerusalem. Die 
englische Presse war einstimmig begeistert fur die Schatfung des Juden- 
staates und ,/The Near East" schrieb am 16, November 1917: 
, f Das judische Gemeinwesen kann nur existieren unter dem ProtektQrat eines star- 
" ken Staates". (Gemeint ist England),*) 

„Daily Telegraph" vom 11. Dezember 1917 schrieb: 
Es ist klar, dafl die Zionisten die... judische Restauration im heiligen Lande mi- 
" t e r b r 1 1 i s c h e m Protektorat bewjllkommnen". ) 

Die Jewish World" (das Organ der „ Alliance israelite uniyerselle", 
der „Anglo Jewish Association", der „Jewish Congregation Union" und 
der ,','Agndas Jisrocl", der vier judischen Weltbiinde) meldete : 
Der Fall von Jerusalem und die Rcgierungsdeklaration (Lord Balf ours) haben 
" England 2ur groflten judischen Macht auf der Erde gestaltet," ) 

JiidischcStaatsmanner in England : Br.-. Earl of Rea- 
ding (Rufus Isaacs), Sir Herbert Samuel, seit etwa 1909 Lordmayor 
von London Verwandter des cnglisch-australischen Justizmimsters bir 
Saul Samuel, Br.-. Lord Montague (Montag) begriiSten neben Br.-. 
Lord Robert Cecil, neben dem Viscount Bryce, neben Br. ■ . Lord 
L a n s d o w n e und Lord S h e f f i e 1 d die palastinische Judenrepublik 
unter Englands Oberhoheit; Br.'. Lord Northcliffe (Harmsworth- 
Stern), Mitglied der ..Alliance israelite", telegraphiertc an das .Jewish 

i) VgL Dr. plul. Lazar Mix P U k « s : „Vou der Gnindune des Jiidenstaates <\ 
Zurich mifi - Ks ist an dieter Stclle viellcicht angebracht, an cine fruhere Mittei- 
Itmg der Berliner ,.Vossischen Zeitung" zu criimcrn, wouach die englische 
Konigsf ainilU (tmd and: die jctzige britische Konigin Mane ihrerscits) ver- 
meint, israditischen Stammes zu scin. Die alte KoniRin Viktona, die GroBmii Ui 
Konia Gecn-Ks V verwahrtc Uikunden daruber, die sic besonders heilig nielt. Ua- 
nach wurde cine Tochter des israelitischen Fiirsten Zcdekias die Gemahlin ernes in- 
sdien Sigs. tJbcr den Schottenkonig Kenneth Mac Alp.n (834 n. Chr.) seUt sich 
Si Vcrcibuneslinie - wie anacnommen wird - ?m Konig Jakob I. von England 

ort bis Lchllfoiicli Eduard VII. und Georg V. und der etztge IW vnn .Wales > a, 

lie etztcn Sprfaminge zv* davidischem Gebchlechte gclten Sowohl Eduard \ IL 
.s der jetziKC Prinz > on Wales batten dcBhalb als e.nen ihrcr \oraatnen den N a - 
meu David - Vielleicht in T-ezichung zu diescr Annahme steht (lie fatsacUe, dafl 
hi keincin Laude als in England die J u d e n so in allcriiitimsteii 1 Beziehungen zur 
Krone sehe, u'd daB es «,« vide judischcPecrs (rciclisstandischc Adclsperso- 
ncn u FnKlaml) ftibt, worauf sicli dann wieder Englands besonderer Vortrilt fui 

" judis fen NatlonaUta.ts-Tntere^en gnindct Der engste persmihche Freund 
GroBmcistcr-nr.'. Kdiurds VII. soil Sir Ernst Cass el (der einst a us De« hth- 

and m los nach England kam, dort abcr-seine Karnere m ^f^^:.^ 1 ^ 1 ^ r 
japanischen und englisch-igjptischcn politischen und handelswirtai ha hcl.en An 
ueleacnbeitcn machte) gevesni scin. Als zweiter Intimns Konig Eduards VII. salt 
Tr tu Abraham Sasson (ein Abkommling jener Sassons, die unter Lord Pal- 
mlrston den Opiumhandel im groBen betrieben). Die Sa«on S g e ten als indisc Me 
PhilanthropciL (Vgl. ..Historisch-gcnealog.sches Ta«l.cnbuch de Kyffhau^rver 
lags, 1912, S. 295/96, 505/06 und „Senu-Tmpcrator Wilhelm IL , branz Ehcrs Wactit-, 
Mii neben.) 



124 — 

Morning Journal" in Neuyork: „Ich sympatbisiere mit der Wicderherstel- 
lung des altjudischen Vaterlandes." Abet schon im Januar i 915 hatte 
Englands damaliger AuBenminister Br.-.SirEdwardGrey (Grau?) ») 
ofTentlich erklart, dafi er die Grundung des Judenstaates mcht fur aus- 
geschlossen balte. 3 ) 

All diese Kundgebungen finden auch in den weiteren fuhrcnden Krei- 
sen des Judentums der Alliierten Widerhali. Der Ftihrer der aktiyisti- 
schen Zionisten, Vladimir Jabotinsky, stellte sich neben Colonel 
Patterson an die Spitze des neugebildeten en gl 1 s c h- judischen 
Regiments in Palastina; 3 ) die schweizerische Landesorgamsation der 
Aeudasjisroel" (^Israels Verband", die neben der Alliance Israe- 
lite'' bestehende ^gesetzestreue", thora [tauroh] 1 i e b e n d e Welt- 
organisation) bewillkommnete auf ihrer Delegiertentagung vom 27. Januar 
3018 in Olten die durch England gestarkten „Hofrnungen hinstchthch 
Falastinas" 4 ) und es adoptierten, gelobten und erweiterten die leitenden 
Juden der Ententestaaten das von Theodor H e r z 1 auf dem 4. Ziomsten- 
kongrefi in London am 13. August 1900 g e s p r o c h e n e W o r t : 

. Das machtige England, das mit seinem BHck die Welt umspannt, wird . . unsere 

"Aspirations (auf Palastina) verstehen. Mit England ^ Ausgangspunkt ^konnen 

wir sicher sein, daB die zionistische Idee machtiger und hoher steigen wird ala je 

zuvor/' 3 ) : , 

In mancher Beziehung wertvoll ist das Bekenntnis der pohtisierenden 

Ententejuden : sie wollen durchaus n i c h t Israels voile Selbstandigkeit I 

Sie wollen nur ihre eigenen Sondervorteile. Es genugt diesen Grofl- 

machtspolitikern lediglich daran, das Judentum unter das Frotektorat 

einer starken kolonisatorisch befahigten Macht" (unter die ihnen person- 

Hch niitzende Macht Englands) zu bringen, denn : 

„Tief in die Seelen der Juden gcbrannt 1st der SaU der russi.chen (!) Zionisten 

daB... die Interessen der jiidischen Nation 1 de nt 1 sc h s.nd 

mit denen des -britischen Volkes Im Rahrnen des britischen 

Reichsverbandes sehen (so gibt es Felix Pink us wieder) Milhonen von Juden 

das Maximum nationaler Sicherheit". s ) 

Aus den mcht englischen Ententestaaten wurden die judisch-engli- 

schen Aspirationen gestiitzt durch mancherlei Kundgebungen, Wir geben 

nur einige wieder. Nach der Berliner „Germania" vom 26. Jul! 1917 hatte 

President Br ■, Woodrow W 7 i 1 s o n schon Mitte 1916 eine aus ehcmali- 

gen amerikanischen Botschaftern judischen Blutes - Morgenthau und 

Eckstein und Professor Frankfurter — zusammengesetzte Palastinakom- 

mission zu einer Rundfahrt zu den Ententeregierungen beordert im Sinne 

zionistischer (Logen)-Politik. In Verfolg der englisch-amerikamschen 

Balfour-Wilson-Kundgebungen betreffend Palastina veranstalteten die 

amerikanischen Juden auf den 18. November 1917 einen R 1 e s e n - 

l ) Ob Sir Fraudel-Grey (Grau) (mosaischen Glaubens, wahrscheinlich von Ko- 
nig Eduard VIL geadelt) mit Sir (dtm jetzigen Viscount) Edward Grey in ver- 
wandtschaftlichen Beziehungen steht, konnten wir mcht feststellen. 

a ) Siehe Arnn. 1 S. 123, t~\u ar 

8 ) Pinkus Von der Grundung des Judenstaates". - Dr. Pinkus war f ruber 
Deutscher doch hielt er von der Schweiz aus zur Entente und befurwortete auch 
den wirtschaf tlichen AnschluB der Schweiz an die Alliierten. 

*) Vgl. „Neuc Zurcher Nachrichten" Nr. 40 vom n. Februar 1918 bezw. vom 
ig. November 1917, 



— 125 — 

Kongrefi,zu dem (nach der „Neuen Zurcher Zeitung" vom 17. Novem- 
ber) mehr als 400 000 Zionisten ihre demonstrative Mitwirkung zugesagt 
hatten, dar unter die groflten Namen der judisch-amerikanischen Hoch- 
finanz.' Damit sollte die voile Obereinstimmung der amerikanischen Ju- 
den mit der Sache der Alliierten ausgesprochen werden. Wiederum am 
24 IXzember 1917 fand (nach einer „Reuter"-Depesche) in der Car- 
negie - Hall ^ zu Neuyork eine Massenversammlung der amerikani- 
schen Zionisten statt, in der nochmals mit Begeisterung die E r k 1 a r u n g 
der britischen Regierung zugunsten der Re chte der 
Juden auf Palastina begriifit wurdei Stephen Wise freute sich 
in seiner Rede uber den e n g 1 i s c h e n V e r t r a g , und Br •• N a than 
Straufi sagte, England habe alle Wiinsche des judischen Volkes erfUlltl 

Langst vor diesen Massenversammlungen — im Januar 1 9 1 7 -— 
forderte Wilsons Vorgangcr auf dem amerikanischen Frasidentensessel, 
Br • William T a f t , in einem Vortrage in Washington die Aufrollung 
des judischen Problems fur die Tagesordnung des kommenden Fnedens- 
kontrresses. Und die englische Zeitschrift ^Weekly Dispatch schneb mi 
April 1917 dafi beinahe alle Staatsmanncr der Ver- 
einigten Staaten Palastina wieder als judischen. 
Staat herstellen wollen, wahrend die „New York Evening 
Post" unterm it. Dezember 1917 sagte, daB die Zionisten emig 
seien.dafidcrJudenstaatunterbritischesProtekto- 
r a t k o m m e. 2 ) In F r a n k r e i c h , dem Satrapenstaat Englands, trat 
Br - Gustav H e r v e s „ Victoire" bedingungslosfur Balfours Re- 
oierungserklarung zugunsten des zu griindenden Judenstaates em, und der 
Religionsprofessor Maurice Vernesvon der Pariser Sorbonne begrufltc 
in der Presse sociale" vom 18. Dezember 191 7 „die Wiederauf- 
stehungder judischen Nation... unter dem Protekto- 
ratGroflbritanniens, Frankreichs und der ubrigen Alliierten. ) 
Frankreichs AuBenminister Br. ■ . P i c h o n erganzte am 9. Februar 191 K 
gegenuber dem Vertreter der Zionisten, Nahum S o k o I o w , dafl , f vollige 
linigkcit zwischen der englischen und franzosischen Regie- 
rung beziiglich Palastinas" herrscbe. 3 ) Vorher — zu Zeiten von R u B - 
lands erster Revolution in diesem Kriege, im Januar 191 7 — trat im 
Jahrbuch der „Rjetsch" auch M i 1 j u kow fur ein judischcs Palastina em, 
ein gleiches taten Fiirst L w w und K e r e n s k y , 4 ) die Verbundeten 
der englischen Logenpolitik. # , * + : m ^ 

Wahrend England die Zionisten als e 1 n z 1 g 1 e gi 1 1 m e 
Staatenbildner in Vorderasien b e ha n d e 1 1 sagten 
D e u t s c h 1 a n d und die T u r k e i mit Recht, dafi die ziomstischcn Ver- 
eine garni cht als die wirkli chen Vertreter aller Juden 

" Und „Pilger" und „Pliilanthrop" Carnegie -- der bekaimtc » Pazifi ^" 7" 
»t MitgSed des cnglisch-amerikanischcn Geldtrustea der Firmen Morgan & Co. in 
London und Neuyork. 

2 ) Vgl Pinkus, „Vo& der Grundung des Judenstaates . 

a ) Vgl „Neue Zurcher Nachrichten" Nr. 42 vom 12. Februar 191H. . 

*) In er Kundgebung des verfloaaenen Bolschewiki-Aufienininisters Terest- 
vhenko wurde Kerensky in Gemeinsamkeit mit den ..Kadetten'' als Komplize der 
Korr^lowlchr^ ; En^uteverschworung g.gcn das jet.ige Regiment RuUlands 
entlarvt. („Neue Zurcher Nachrichten" 1917, ^ r - 340.) 



n M o r K e n t h a u ist jetzt amerikanischcr Botschafter in ^\ t 
nnt dim Re^ktor Stephan Lanzaune vom ireimaurenschen „Mat.n . 
») Von vefschiedcner Seite wird allcrdtngi 



— 126 — 

geUen konnen! England beaw. di* Ententestaaten unterhandelten ei^ig 
usw usw)\vL end DeuLchUnd «nd die Turkei geltend maehten, dafl » 

H n n r k e g-es-en die neuen Noraauscnen i iduc u« 

"en kan,pfte g Neben diesem ..Engeren AMon.kom.tee" standen d* 

Phalanx eetreti die bisher im besonderen von E nffl and nnanzierre 
HSn^e *) Fi wurdc in den „Neuen Zdreher Naebnehten betont, 

mid befreundct 
uen BrleE an die dcutsdle., 1' rearer Jt, "^ ^j? „ n d amerikanischa Grun- 

des V^T^ 1 '" ™™f ?t^ cUese frfihCr nicht a J S 

I a n d s * el t h e g e m o n i b t .u ^^l™e in Verbindong zur „Anglo 

swlche empftinden. Ur . '. terd. du K ^o ths cnua u * .\ Co lonial Trust") rat e nem 
Jewish Association" die Z i o n i s t e u b a n k W^ 5 ! 1 TolSterbank die ..Aiislo 
Lpital von 50 Million*^ ■> ^kej ^^ *^^Lg Patina. 
Palestina Company lienor. JJiese 1 ! et " eTL „ "'- pl . 1llTe heauEtrast d e finanziellen 
dnrcb GroBbritannien von der englischcn g^™™ S^ a zu iber.chmcn 
Operation En glands nnd die der Mditar be orde " \V a ' w ; r fugen hinzu, dafi, 

dert ju disc he T< i n n n z l e r s das § e saini^ reiC hsten 

Juden Europas zngle ch E n g 1 a 11 d e r. ^^'^ \XTch igt ist, darauf hin- 
land auch in alle Zokunft spid en wird ndw leso m ?» £[ . h J GraBe heini! j chl 
zuweisen, dafi im Entente- Judentum » z . ahI1 ° sc n Jf T\ ttS samtnche Zahne sich 
aber sicher incinandergre.fen, und so » m ..^%iwi.ike l uiZ das Zusainmen- 

wirken der e n t e n t i b 1 1 s c h e n Zi°n. B teii e J^^™^, anch auE das Pro^ 



— 127 — 

daB die etwa d r c i M i 11 i o n e n zalilenden Juden in den Mittelstaaten 
in ihrer groBen Melirheit die Annexion Palastinas „durch England fur die 
Juden" durchaus nicht billigten, urn so niehr, als die Juden der Zentrab 
staaten fiirchten, daB England als „Turhuter und ^chltisselbewalirer fur 
Agypten und Indien" die Juden Palastinas zu unaufhBrlichen Kriegen fur 
Englands Interessen zwingen wiirden. 

Doch gehen wir weiter. 

Was Niederlandisch-Indien betrifft, so plantc England dessen Auftei- 
lung unter England, Frankreich und Japan, und zwar — wie ein hollan- 
discber Kenner der betreffenden Verhaltnisse Mittc Februar 1917 in der 
„K61nischen Zcitung" erzahlte — auf Grund eines Geheimvcrtra- 
ge s , der zwischen den genannten drei Staaten abgeschlossen worden war. 
Sumatra und Java soil ten zu England, Borneoan Japan, die iibri- 
gen Inseln teils an Japan, teils an Frankreich fallen. Zur Inszemerung 
-dieses Planes sei Hollandisch-Indien von englischen, franzosischen und 
japanischen Agenten und Spionen ganz uberschweinmt worden, und auch 
den niederlandischen Behorden sei dieses Treiben bekannt geworden. x ) 

All den englischen Weltmachtzielen stand nun einzig Deutschland 
entgegen, und deshalb mufite sich aller Zorn der englischen „geheiincn 
Gesellschaft' c auf Deutschland ausgiefien- Unter dem Feldgeschrei : „Fur 
die Demokratisieruug der Welt, fur die Nationalisierung der Volker!" er- 
hob die fuhrende Logcnmacht England ihr chimarisches Banner, ihrcn 
Vasallcristaaten (Frankreich, Ruflland, Italien, Portugal, Serbien nsw. und 
den tschcchischen Hoclwerratern) die buntfarlngsten Hoffnungen ma- 



diese dentsclie Orlcutbalm bedroht in Indien, Per&ieti und Agypten und der Sues- 
kanal den Br ■ Lord d'tsraeli in englische Hand brachte, schien durch die Bag- 
dadhahn entwertet. 1902/03 bekampften die „Tiines" wie audi Br.'. Lwd Bj » " 
lour, der An wait der englischen Ziomsten, mit alien Mitteln der Beredsamkcit 
diese Bagdadbalm: aufier England durfe idem and am Persischen GoHt SchiHahrts- 
odur-Eisenbahiistationeu errichten. - Es kaim bemerkt wcrden, dalJ der cigcndichc 
Name von Balfour Baal ist. . 

!) Man k6nnte einwenden, es sei ganz unmoghch, dafi gewisse As en ten in so 
weitgehendcn> MaBe die Gcsehafte ihrer Anftraggeber besorgen komiten Da «. 
ein kleines Bei.piel angefuhrt, das einst in Z. spieltc. Unser G^ahr smann 1st se Jbst 
em Mitbenachteiligter aus jener Z.it. Es war 187 A als das IufalbbdiUts- oder In- 
fehlbarkeitsdogma in vieler Monde war. (W i e man sdbst uber dieses Dogma denkt 
daranf kommt e, nicht an, sondem darauf allein kommt es an, wie e. ; -^maeht 
wird!) Da ^urdc in einem ganz kleinen Kre^sc von Fre.maurern der hetreffendeu 
Stadt - von nur etwa sechs oder acbt Personen - beschlossen die Anhanger 
des Infallibibtatsdognias kurzweg zu entrecliten. Die Logengc wait, gen oidne en 
. k ire he fur die „Romi schen" baldinoglichst einzuleiten 



dnstweden auf sicli beruhen. Ein Jahr darauf kam die Entrechtuna dcr rbimsch-Glau- 
bigen abe doch .u.tande: cs wurde ein CemeindcbeschldB herbegefuhrt, wonach die 
Anhanger des Un fc Mb ark eits dogmas aus der . . kirche aus gew.esen wurden. Erne 
geheime Propaganda unter ortsansassigen stimmf ahigeii Italicncrn brachte - inden 
man sic in gewisser Weise zuglcich ..traktierte" - die Ausweisung der >miBch e n 
Tus der Kirchengcmcinde zuwege. Seit 1873 ist nun die _vom.aU rom.sch-kathoh- 
sche '.kirche ..altkatholisch". - Warum solltc nicht cine „besondere We>se e £ 
^iistande brinaen. dafi Hollandisch- Indien euglisch wurde . . .t 



IF' 



- ; 2 8 - 



%& ; ■ ■ 







ehend. Bei intimer Wurdigung ^1g£Ss 11) S-"o KT- 
^ zu -JBhrcn w.e s.* d^ fuhrende Lo^ Behandlung Ir- 

t .i s i e r u n g p r a k t . sc b ' «""^™, Dekret ube r die beiden Buren- 

staaten, die soph.stisc h / 5 "Sudafri k * nl £ ^ ihnen jegliche.Un- 

den. I^e n bedeuteted.e» g ^cheRe^er g ^^^^^ . 

abhangigkeitspropagandan^tnurden V ^^ ^ ^ 

chenen Deutsch-Sudwestafnka kosten ^ B urenataaten sich 

Selbstverwaltung": England w « d JL .^' UI1 terordnen — diese 
nicht ganz und gar der e^hen MachUnrfai ung u 
Staaten einfach von Lo n don aus seller g ^^ 

der „Vossischen Zeitung-' aus de a. H ^aag vom I j v, 
sich Louis Botha, Engl andt reu«int « he „ wir 

-Von einzelnen deut .^ f «^Ser Elands Methode Gesagte hier 

fende Telegram me " n ' " " B \™ ' sge b«hren erhoben worden 
mungsorte beforderte, obschon d« BesMgung g ^ Afgen . 

ware! Es handeltes.ch um telegraph^ ZaM^ ^ ^ 

tinischen Bank an Berliner B .^Vtte Februar in der „Taglichen 
IQ i 2) • Professor F 1 a r m legte Mitt * eD ™ mit den V e r e i n i g - 
Zdschau" dar, daB England -"J^? wekhe zu einem Ab- 
ten Staaten S™*™*™*™*' *™™Z e £ m hochkirchlich-maure- 
kommen zwischen dem bigotten A«^°»«« Warnend erhob, wie 
rischen Britannien gegen Df^'^^L^eister vor. Philadelphia, 
Prof. Flarm bemerkte, damals der ^rb^n, Schi ff a hrtskon g reB 

Blankenburg, seine St.mme au£ de* .nt^ ona ^ ^ ^ ^ 

m ^^e^hie^e|ige ^f^^To^* 
einflechten, die wir noch nieht naher ™r^ rt ' a ^ esagt wurd e, die Supre- 
fluchtig gestreift haben. England begehrt^ ge ag^ ^.^ 

mtde tiber den ndrdl ich en ***«*£** f™ bald nach Kriegsausbtuch 
Kontments. Im Echo de to «£™f Durchfah rt zur Ostsee - «n- 

spiegeln in dem, was Br.-. C ha m b ei lall J | h ^ Einwohner nach funf Jah- 

T fn vaal musse jedem fremden (d. h. en ^'scnenij Einwanderer in 

« i n England ^„f "^'i t S« ndr wiedere i n Be.sp.el vom 
SStSSlfSfSS SSSu^fflS die Wen Na««.n .W-ltl 



I2Q — 

I i 5 c h e F 1 o 1 1 c und fur die mit dieser verbiindete franzosische Flotte 
unbedineteeoffnet werden miisse, selbst wenn Danemark dam t 
seine NeutraHtft opfere (!). Und die Neue Zurcher Zdtung^ die as 
„ S chwcizeri S ches Logenblatt" 1 ) sich in Dm^en der Entente ja immer als 
gut beraten zeigte, wies in ihrer Nr. 1331 vom 19. | e Pl e ^ b ^/^4 dar- 
luf hin da8 Englands damaliger AuBenmimster Br. ■ Sir Edward G r e y ) 
recht fein unterscheide" zwischen Danemark und Schweden und Nor- 
wegen denn wohl sei Schwedens und Norwegens Neutrahtat von Eng- 
land und Frankreich seit r8 S 5 garantiert, n i c h t aber die U n v e r 1 e t z - 
lichkeit Danemarks! 

ewigen" englischeti Weltherrschaft. ) 

" Und was f r d e r t e E n g 1 a n d weiter fiir sich, urn auf dem euro- 
oaischen Kontincnt „seine teste Stutze" und noch mehr Brucken- 
pfe ler "u finden? Zuuachst wollte es, nachdem es in Bdgien »ch em 
plar Bruckenkopfe" zur Einmischung in die Interesseu des Festlandes 
^ haffen hatte, in Helgoland sich einen festen Stu^P-k\e = n 
(den vor Tahren gegen Sansibar verloren zu haben, es bitter bereute) 
ind dann — in Fortsetzung zu dem alten Logenplan nach der von tins 
Zlmllte" Geheimkarte! - als unmittelbaren AnschluB die pachtwe.se 
CSS der «thLndischen Inseln Dago und OhI*] I wte auch ganz 
EsthUnds sXr erzwingen, ebenso wie der rusaischen Alandsmseln zwi- 
scher rStsee und Bottnischem Busen. (Wie sich die Dmge dann infolge 
^Tl^rPradikat Logenblatf, angewandt auf die „Neue Zurcher ZeitunB", linden 

dU mi. &nd verbundene ^ssische Nordarmee 8 in B ,n uber R„sl 

Heise, Entcntc«Frejmaurcrei. II. ^ 



— 130 — 

der Besetzung der Alandsinseln dutch die Deutschen in Obereinstimmung 
SS dS tlnnischen Oberstkommandierenden General Mannerheim gestal- 
™en kommt nicht wetter in Betracht; hier sollte nur estgclcgt werder, 
welche Plane England bezw. die britischen Hochgradschot ten im 
Schilde f iUirten ! Tatsachlich hatte Deutschland in den mittleren Oktober- 
tagen iW die beiden Inseln Osel and Dago, die nach der enghsch-russi- 

tande'n, crJbert und damit den ™^™^f"^$Xtt™te 
kreuztn Die beztiglichen „P acht- V er ha n dlu nge n hatte der 
Se Bo schaftef B u c h a n a n ') in Petersburg bereUsdurchgefuhrt! 
Slier britische Geschakstrager hatte auch im Auftr age Jng andsjdc 
englischen GroBloge) das libera e (d. h. maurensch mfizierte) Eleme ^* 
RuBlands zur Revolution (zur sogenannten , f b 1 a u e n Revolu 
fion" ubergeleitet^) G,blaue" Revolution vielleicht darum genannt, 
veil nicht nur die .grauen" und orangefarbenen" Hochgrad-au- 
rer, sondern auch die „blauen Brr.-." der unteren Logen i vom ersten brs 
dri ten Grade, den Johannes- oder „b 1 a u e n Graden, den Krieg 
arramrierten") Die Abtretung russischen und esthmschen Gebietes an 
ESwure motiviert mit Rufllands Kriegsschuld an England . . . Man 
darf abet nkht auBer acht lassen, daB England durch seme maurensche 
Northclif f e-Presse in Petersburg, die „Nowj>]e W rem J a 1 
langst f ,sanierende" britische Untcrnehmer-Politik bemeb« hatte. Und 
noch a Is de r Z a r N i ko 1 a u s a m R u d e r war, verlangte England ) 
von Rufiland eine innere Politik nach den WUnschen GroBbntaniuens und 
dfe Verwendung des englischen Kriegsfonds an Rufiland unter der Kon- 
trolle Englands^ Noch vor Ausbruch der russischen Revolution pro- 
SieVte dlher die Petersburger „Birshewija Wjedomostt gegen ^ , ejg 
lische Einmischung in russische innere Angelegenheiten, und crklarte daB 
die BeschHisse der Petersburger Konferenz ledighch den enghschen Inter- 
essen dienen! Das aktive Regiment Britanniens wah- 
rend der re volution arcnSzenen in Peter sburg wurde ja 
hinlanglich iliustriert durch das ofFentliche Applaudieren Bu c h an an s 
vor und in der englischen Botschaft am is. Marz 1917 und durch das Ab- 
Iwn der enelischen Konigshymne ebendaselbst „durch mehrere hundert 

Petersburg aus unter Fuhrung des Dumaprasidenten Rods 1 n k o , des 
Fiirsten Lwow (des ehemaligen Prasidenten der Semstwos) des Ka- 
detten-Anfiihrers Miljukow, des sozialen ** w ^«**l- 
rensky des Generals Gutschkowuod anderer, dem sich die Abdan- 
kung des Zaren anschloB, wobei sich Miljukow im besonderen ruhmte, 
den Zaren verdrangt zu haben. 

>) Nach Mitteilungen ernes Mitgliedes des fruheren (revolutionaren) ™*?™hen 
AuBenminLrUmfrm schwedischen „Nya Daglight Allehanda" vom Aprd 19*7, 
^"1^ den. Sprachrohr des entente hen 

Kadetten'uhrers Miljukow, der langere Zdt russischer ^CLTkoT,'^ von 

■) Nach Stockholmer Blattermeldungen uber die Petersburger Konterenz von 
Teilnehmem an derselben (Januar/Februar I9i7). 

4 ) Vsl. „Vossische Zeitung" vom 16. Marz 191?. 



— 131 — 

Aus eigener Initiative (d. h. auf Anstiften von Englands Logcndekret) 
hatte Miljukow (so schrieb Prof, Dr. Schiemann in der vierten Marz- 
nummer der „Deutschen Politik" 1917) die Abdankung des Zaren und die 
Thronbesteigung Alexej Nikolajewitschs unter der Rcgentschaft des Grofi- 
fursten Michail Alexandrowitsch proklamiert. Ein improvisicrter „VVohI- 
fahrtsausschufi" und ein ebenfalls improvisiertes ^Ministerium'' unter- 
stiitzten den Gewaltakt. In Verbindung damit wurde Groflfurst Nikolai 
Nikolajewitsch aufs neue (wenn auch nur zeitweise) Oberkommandiercn- 
der aller russischen Truppen. Spaterhin gab ein einflufireicher Bankier in 
Neuyork, wie wir einer j,Havas"-Nachricht vom 15. April 1917 entnah- 
men, dem russischen Finanzdelegierten Schatoky, der nach Ncuyork ent- 
sandt worden war, die Zusicherung, daB die Miljukow-Regierung 
zur Aufrechterhaltung ihrer Entente-Stratcgie in erster Linie 
ausdenVcreinigtenStaatcn von Amerika, Kriegskapital 
erwarten diirfe. — So greift ein Rad immer in das andere ein . . . In- 
zwischen fuhrte Miljukow seine Hintertreppenpolitik weitcr, J ) obschon er 
sein Portefeuille an die Bolschewiki abgeben mufite, und intrigierte in 
Sac hen Bundesrat Hoffmann auch gegen die S c h w c i z , indem er dem 
Minister Tscheretelli von irgendwelchen ,,Beweisen" sprach, wonach der 
iSchweizer Sozialist Grimm von Bern in Rufiland deutsche Politik ge- 
tricben habe. Grimm ist aber eher alles andere, denn ein Freund Deutsch- 
lands. Mit hinterlistiger Politik hoftte man die Schweiz der Loge nach 
Kraften gefiigig zu machen — und manches wurde ja auch erreicht, — 
Interessant war das Bekenntnis des liberal-demokratisch-maurerischen 
Mailander „Secolo" vom 20. Juni 1917, daB die Entente in Bern einen 
vollkommenen Informationsdienst eingerichtet hatte. 2 ) Englischerseits 
spielte in diesem Informationsdienst der bekannte Publizist Julian 
Grande eine bedeutende Rolle. 

Bei Gelegenheit der Besprechung der ersten oder „blauen" russischen 
Revolution sind noch folgende „Kleinigkeiten" beachtenswert. Nach Mel- 
dung finnischer Blatter (uber Kopenhagen mitgeteilt) fand am Revolu- 
tionssonntag (1 1 . Marz 1917) auf der englischen Botschaft in Peters- 
burg ein F e s t m a h 1 des liberalen Blocks statt, wobei Botschafter Bu- 
chanan narnens seiner Regierung die Versicherung abgab, daB den Ur- 
hebern der Revolution ,,niemals ein Haar gekriimmt" werde; miBglucke 
die Revolution, so werde Englands Flotte die Arrangeure nach England 



v ) „Corrierc della Sera" vom 22, Juni itjr? uber die Ausweisung Grimms aus 
Rufiland. 

s ) „IIavas" berichtete erganz:end unterm 2. Januar 1918 aus London, daJ3 f 
,,Datly News" zufolge, auch Amerika einen Informations- und Propaganda- 
dienst gegenuljer Dtntschland in der Schwciz crrichtetc. Als erster Vcrtreter 
der Vereinigten Staaten war Norman Withehonse berufen, dem noch andere 
folgen sollten. (Nach den „N. Zurch. Nachr." vom 25. Januar 1918 soil diese 
amerikanische Propagandakommission „mit iH Millionen Dollars auf die Schweiz 
losgelassen" worden sein!) (Die amerikanische Gesandtschaft dementierte [nach 
dem „Schwciz. Schiitzenfreund" vom 9. Februar 1918] diese .Jlavas'^-Meldung: 
„Norman Withehouse sei nur nach der Schweiz, nach Frankrelch und England 
beordert, urn, die ,Frauenfrage' in diesen Landen zu sttidiercn . . ." Mr. Withe- 
house unterhalt in Bern ein standiges Bureau, von welchem aus er die Schweizer- 
presse fortgesetzt mit amerikanischen, sehr* umfangreichen Aufsatzen und In- 
formationcn versorgt. 



-:- i3 2 — 

nungoer cugiw Het Vlaamsche Nieuws' (Holland) 

•Presse!), dan di e . r U ? S ' 5 ^olchaC Buchanan') ™d Lord 

S hmitz du'Kloulin, Leipzig r 9 o 4 S. ctfioi ^etzen da B fe^Eng* nd« 

sXieb " 80 fnach seineVpalLSse, dan die E nglander sich be- 
mlhet die Armenier aufzureizen, urn ta, Saltan » stnrzen . taj 

SlgentUenier se,bst nicM von der ™«J»gXS von 

m « a i ' Weil Miljukow ein Trager des englisctamenkanischen Logen- 
gedankens "irt. darum erhob cr dies KriegszieL, das ,a cne_ engl -he t or- 
^nn.fitr seir ieher ist Und Mil ukow war in fruheren lagen dctot ci 
rZpS'uieb, wie vielc andcre von der Jetzigen revc , nt.onaren 
Schutztr U pp C England,, .in russischer Fluehtl.ng auf dem Balkan... 

In einem auBerst mittelmachtefeindHchen Buche „Die Turkenherr- 
scharV'Tncht ein englandtreuer Beduine, Faiz El-Ghasse.n - ^Sohn : em 

(„Europa nach dem Knege ). Hirtcnbrief e an die 

f e i n d 1 i c h e Werk von S. Zurhndcn, „Der Wdtkrieg 11/. 



— 133 — 

die Turken all ein verantwortlich zu machen fiir alles, was in Armenien 
zum Schaden seiner Einwohner geschdien ist. Da der Verfasser selbst aber 
beschuldigt war, Dclegierter ciner geheimen Gesellschaft ') zu sein, die irn 
Lib anon sich gebildet habe behufs „Befreiung Armeniens von der Turken- 

herrschaft" unler der Mithilfe von England und Frankreich (was er nicht 
verneint), da cr ferner aus der Gefangenschaft (in Diarbekir, der ehemali- 
gen Hauptstadt des vorchristliclien armenischen Konigtums) nach Basso- 
rah und Bombay, also in cnglisches Bereich, entflohen ist, so ist sein 
Zeugnis fragwiirdig. Fragwiirdig ist es auch, weil cs durch englische 
Mithilfe veroffenthcht wird. Schcik Faiz El-Ghassein tischt das Marchen 
auf, Deutschland habe die Turken zur Niedermetzelung der Armenier 
gez'wungen, — andernfalls namlich Deutschland das Biindnis mit der 
Tiirkei abgclehnt hatte . . . t wie Deutschland auch die Vcrfolgung der 
Araber durch Djemal Pascha gefordert habe. 

(Djemal Pascha im besnnderen wird der sogenannten Armeiiiergreuel be- 
schuldigt. Docb bestrcitet dieser, dafi er und seine Freunde Talaat und Enver, 
die ihr Leben dem Gliick und der Wohlfahrt der Turkei widmeten, irgendwelche 
Armenierverfolgungen gefordert hatten: das ganzc Gcgenteil sei wahr, wie An- 
gaben von zablreicben Armenicrn, Schweizern, Englandern, Amenkanern und 
Franz ^en, du- M t h wiii rend des Krlt^e^ in Synen. Beirut und im Libamm auf- 
gehalten haben, beweisen konnten. Djemal Pascha gerade bcruft sich anf die 
von Dr. Johannes Lepsius — seinem Gegner — veroffentlichten diplomatischen 
Akten Nr. 23, 24, 25, 34, 107, 135, 193. 2 °9, 210, 226, 233, 256, 263, 270, 327 und 
360, die unwidcrlcglich seine und seiner Freunde Unsclmld darlegten.) 

') Ein alter Gehciinbund ^ on llystikeru in den Einsamkeiten des Libanon 
und der feist gen Hochcbene Hauran war immer bekannt. Von pro fane r Seite wur- 
den diese abgeschiedcneti Menschen die Drusen genannt (nach dem Magier Mo- 
hammed ed Derczi odcr Daresi, dem ETklarcr und Erlauterer ibrer Uberhefe- 
rungen). Man nannte sie auch Ismacliten. Sie sind teds Nachkommen der 
Sufis die hauptsachlich aus Pcrsern und SyHern yimammengesetzt waren, sie 
sollen aber auch cine Abzweiguns der alten r ,Ophiten ft und der ..Nazaraner" und 
attch u nter dem Nam en „ lunger Johannes des Taufers" (arabisch; el-Mogtasila — 

Mandaer") bekannt sein, und viderlci sind die Nationalitatcn, aus dencn aie heute 
bestehen (wie H. P. BUvatsky in der Jsis entschlciert" II, S. 291 und 306 ff. aus- 
fuhrt). Man sagt auch, dai) sic 80000 Krieger zahlen, zer^treut von Damaskus 
"bis zur WestkuWt-, und darstellend eine Mischung von Kurdcru Mardi-Arabern 
und an der en halbzivilisicrten Stammen. Eingcweiht in ibrcn Or den wurde der 
amerikanisclic Wcltreiscndp und Kimstler Prof. A. L. Rawson (aus Ncuyork), 
was eine der alleiseitensten Auszeichnungen fiir tinen Wcstlander beddutete. 
Nach Colonel ChurehiU heiratcn diese Okhals (oder Drusen) nur mnerhaHi 
ihrer eigenen ,.Ras*e". Ihre Mutterlogc befinde sicli — nach Blavatsky — im 
sudlichen Dekkan Indien^ Obwohl in llirem cigcnUichen Wesen rein myst.sch 
(sie glauben audi uti die Wirderverkdrpcrung abgesdiiedeuer Seden, und el ll.a- 
kimbeamrihi, d. u der Ewig Erhabene Gott, leitet dtesdben), ist es doch mogbch, 
daB Angehorige von iliricn ins politische Leben hiniibergretfcn und sich miH- 
liebig machen. Wahrscheiiilich ist, dafi solche „Drusen" den hier gemeintcn 
politischen Gdieuubuud vom Libauon mit-darstellen. Der mystiacbe Gehcim- 
bund der Dritsen 1st die .Gesellschaft der Akkals" (zu der die Scbcichs und 
audi die meisten dniidisdien Fraiten gehbren); sie zerfallt in mehrere Grade Em 

Akk.il" ist ein Wissender, ein Eingeweihter. Ihm gegenuber steht der Uscnoiiai, 
der Unwissende, der rdigios Indiflfercnte. Da die Akkals Lieder von der „fc.r- 
obcrung des Erdkreises" besitzen, die zweifellos rem mystisch gememt sind 
(denu die Akkals sind 7,11 strengster Heiligung des Eebens verrflicbtet), muJJ mail 
^ begrdten lerncn, daB in manchen Gemiitem r]e r Drusen diese Gesange poll- 
t i s c h cbenaoentzunden, wie die absichtlidi politisch apostrophierten Ge- 
heimlehren der freimaurerischen Hochgradschottcn. 



— 134 — 

Nun mufi man aber wissen, daB, wie sich die in R u B 1 a n d lebenden 
Armenier zu einer ruBlandfeindlichen Gehe.mgesellschaft verbanden 
08 8 8) dafl sich ebenso in der T ii r k e i nicht wen.ger a s s e c hs ar - 
£ e ni s c h e G e h e i m b ii n d e bildeten, die gegen die Turke. merten 
und mit Kricgsausbruch die Revolution und Ubertntt zum Feinde prokla- 
m"emn wahfend die Armenier in Musch dringend die Autonomic for- 
derten Ita wichtigstes politisches Ziel war und ist die politische Un- 
,KV,wi^trit rfU Armenier unter del „Aufsicht der europaischen GroB- 
£3? Da de nun A h6eh"e GroBmacht'im Vdlkerkcn.ert GroBbritannien 
war und ist England aber nacbgewiesenermaflen die armemschen Ver- 
Ichworungen leifete, so bedeutet diese „Aufsieht" einfach nur England* 
SouverLlatswillen'uber Armenien! Daher der Ententelogenplan, ver- 
fochten von den Brrn. • . Buchanan me Lloyd George M.ljukow und 
Wilson usw.: Vertreibung der Tiirken aus Armenien! Die Turken be- 
haupteten daB die armenischen Geheimbiinde auch im jetztgen Knegc 
wieder Verrat an der Tiirkei iibten, indem sie den Russen Beistand lei- 
Tteten; Inch batten sie Attentate gegen die fahrenden .urkischen Manner 
Enver Bey GroBvesir Talaat Pascha usw. geplant. In den Stimmen der 
Ze"I" September ioi S , lesen wir: „Hinsichtlich des Br.- . Kitchener (des 
fn den Seekainpfen zwischen England und Deutschland untergegangener. 
englischen Kriegsministers und ehemaligen Erwiirgersder Burenstaaten) 
wurde in einem (gegen Armenier gefulirten) V e r s c h w o r u n g s p r - 
7t B festgestellt, dafi er fur die Ermordung des turk,schen ***««£*" 
Bey einen Preis von 20 000 Pfund Sterling = 5°4 000 Franken ausgesetzt 
habe." 1 ) Br.-. Kitchener gehorte der „Vereinigten GroBloge von GroB- 

britannien" an. — „ , • , 

Ein ursprungliches Verschwdrerprogramm wurde 18 9 6 — vv le cier 
Englander Hcckethorn („Geheime Gcsellschaftcn", S 385) nut** - 
zu Kara Hissar Charki entdeckt. Ein gehcimer ZentralausschuB leitetc 
d"e saTtlichen Unternehmungen dieser Biinde. 1S9S fand die allgemein 
bekannfe groBe Demonstration vor der Hohen Pforte dnrch den Geheim- 
bund ,Hu g ntschak" (= „Alarm") statt; diese Gesellschaft hat es ,m be- 
sondcren auf innere Revolten abgesehen^ sie unterlue t » London und 
Paris ihre Komitecs. Der Geheimbund „Frochak" („Flagge ) unternahm 
rr 2 6. August ^6 den ebenf.ll. allgemein bekannten Oberfall auf die 
Ottomanische Bank, die Demonstrate, entflohen nach London. Das 
iibrige tun der „Abdag" (..Blasebalg"), der Taschnaksit der Ge ag 
( Donnerschlag") und der „Wotschintschak" (..Zerstorving ). Der Artikel 
14 des im Jahre 1896 aufgefundenen Gehcimbund-Programmes forderte die 
Entfuhrung ottomanischer Beamter behufs Auskundschaftung der turh- 
fchen Staafsgeheimnisse; der Art. 15 verlangte die Ausraubung ottomam- 



lischen Politik bczcichnct wurde. 



— 135 — 

scher Postwagen... Der Englander E. J. D i 1 1 o n aber arbeitete mit 
106 hervorragenden und mit England im Einvernehmen stehenden tin- 
wohnern des armenischen Distrikts Khnufi zusammen, wahrend in 
Konstantinopel schon 1895 der damali^e franzosische Botschafter am 
tiirkischen Hofe Br.'. Paul Cambon (der jetzige leitende Mann in El- 
saB-Lothringen) in Gemeinschaft mit dem dama hgen franzosischeti Aufien- 
minister Br .Hanotauxund mit dem Englander Br. ■ . James B ryce 
die ^armenischen, Reformen" im englisch-franzosischen Sinne bei der Hohen 

Pf0 Neben tr diesen armenischen Geheimfcunden arbeiteten an der Zersetzung 
der Tiirkei aber noch der „GroB-Orient von Ffankreteh" (seit 1900) der 
GroB-Orient von Italien und der , .Supreme Conseil (Hohe Rat der 33. .J 
vom Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, die samthch m turki- 
sehen Gebicten installiert waren. Armenier, Gnechen un* Juden bil- 
deten die GroBzahl der in djesen Logcn vereinten Brr.- . Auch Fmanzmini- 
ster Mehmed D j avid Bey, ein Freund Deutsch ands im M- 
kriese war Br.-. Maurer, was ihm damit vergolten wurde, daB ihn nach 
verlorenem Kriege das turkische Kriegsgericht im Juli 19 19 unter dem Brack 
der Entente in contumatiam zu 15 Jahren Zwangsarbeitverurteilte (Talaat 
Bey, Enver Pascha und Djemal Pascha wur den vom selbcn Gericht, eben- 
falls in contumatiam, zum Tode verurteilt). 

Im besonderen intrigierte der President des Balkanbundes der Frei- 
maurer Noel B u x t o n t ein britischer Agent, seit Jahren wider die ^ Turkey 
und sorgte dafur, dafi durch die etwa 50 tiirkischen Logen vom Ottomani- 
schen Grofl-Orient" (unter Br." . GroBmeister Mahomed Orphi P^fcha, .der 
vielleicht ebenso wie die deutschen Brr.-. Maurer >nters Licht gefuhrt 
wurde) die mazedonischen Regimenter in ihren Oifizierkorps ganz von 
maurcrischen Verschworern durchsetzt und Enver Pascha - nach den 
eigenen Mitteilungen von Br. ■ . Noel Buxton — von der Loge verfolgt wurde. 
Die Schindludcrei" trieb man so wcit, daB ein aus der Turkei vordem aus- 
gewiesener Journalist, Br.-. Ahmet R i z a , an die Spitze des turkisehen 
Abgeordnetenhauses berufen ward. In Saloniki trieben die griechische Loge 
Philippos ( ', die italienische Loge „Arbeit und Licht", die franzosische Loge 
l\Valirheit- und die von dem italischen Jtiden Emanuel C a r a s s geleitete 
Loge „Mazcdonicn ft antiturkische Balkan-Politik. 

Doch gehen wir wieder zuruck auf die Expansionsplane Englands, die 
diese sowohl gegeniiber seinen eigenen Verbundeten als auch sonst auf 
dem europaischen Kontinent im Sinn hatte. 

Da berichtctc das Stockholmer „Aftonbladet", daB England mit . vier- 
tausend Mann den Hafen und die Stadt A r ch an gel sk im sudhchen 
Eismeer also den russischen Haupthafen, sowie die Halbinsel Kola 
(deren nordlichc Kiistc das Murman^Gebiet ist) J ) besetzt haltc und nach 
Verstarkung dieser Besatzung die O k k u p i e r u n g d e s g a n z e n O c - 
biete.zwi.cheuArchangelsk und /eters urg ^f sich " 
tiee ( Inf."-Korrespondcnz vom 22. Mai und 11. August 19W ■ bs 
wUrde dies ganz gut zu den vorerwahnten cslhlandischen Annekhonen 



') Man vcrgl. liierzu no 



ch unsere dic^bciugHehcn spate-ret] Aiisfiihrunsen. 



- 1 36 - 

durch England passen...! (Anderseits batten die japaner inzwischen 
nach Charbin noch Sibirien besetzt.) Es heifit auch, dafi n e b e n Pe- 
tersburg die russischen Stadte Moskau, Kiew, Odessa und 
andere an England iiir Kriegsschulden verpfandet wer- 
den sollten (vgl. „Helsingfors Dagblad" und „Inf."-Bericht aus dem 
„Aftonbladet" unterm 12. August 191 7). Inzwischen waren die Ereig- 
nisse weitergeschritten, und die ^Frankfurter Zeitung" berichtete unterm 
4. Marx 191 8 aus Stockholm, daB England die nordwestsibirische Repu- 
blik Archangelsk ins Leben rufe, <und dafi es dort oben mehrere Kriegs- 
schifYe vcrankert liegen habe : „Die englischen Plane auf das Protek- 
.to rat der kunftigen karelischen 1 ) und Murman-Republik 
bilden nach Ansicht finnischer Politiker die Erklarung dafiir, war urn 
England. ..Finnland (trotz friiherer angeblicher , ? Sympathien" 
fur dasselbe !) nichtancrkannt e." 

England plante nun aber nicht nur bei seinen russischen Freunden 
sicfh „auf ewige Zeiten" „unentbehrlich ( ' zu machen, sondern — wie wir 
ja auch schon andeuteten — audi bei seinen franzosischen und belgischen 
Brudern, und wenn irgend moglich, auch in Holland. So wurde aus 
Rotterdam unterm 12, Marz berichtet, dafi England mit Zustimmung 
Frankreichs „langst beschlossen" habe, bei Friedensschlufl das G e- 
biet an der belgischen Kiiste zu behalten, welches Ost- 
ende, Blankenberghe, Zeebriigge, Heyst und Knocke umfafit. Die 
„Times" a ) (die es wissen mufi) mcldete Anfang August 1916, daB die 
Normandie und die P i c a r d i c (das ware der ganze Norden 
von Frankreich) bestandig englisiert wird, und dies 
durch die Hciraten englischer Soldatcn mit franzosischen Frauen, Auch 
berichtete die Presse schon bald nach der Besetzung der franzosischen 
Stadte durch England, dafl die in Frankreich gelandeten englischen Trup- 
pen und Offiziere sich derart heimisch machten auf dem also „friedlich 
okkupierten" Boden, daB sie StraBen und Platze ihrer franzosischen Na- 
men vollig entkleideten und dafiir englische Namen einfuhrten. Die fran- 
zosische Sprache sei iiberhaupt bereits ganz durch die englische ersetzt 
worden. Das war schon 191 5. Und nun erganzte dies die stets gut orien- 
tierte „Inf."-Depeschenagentur unterm 5. Juni 1917 dahin, daB die Eng- 
ender in Calais und Umgebung in allergroBtem U m - 
fange Pachtvertrage auf Grund und Boden auf die Dauer 
von99Jahrenabgeschlossen hatten! Damit ware der schonste 
Traum der Loge erf iillt : Englands Stiitzpunkt auf dem europaischen Kon- 
tinent gesichert, die Welthegemonie dieses Kapitalstaatswesens auch 
fur Frankreich (und Beigien) besiegelt und Br.-. Lord Kitcheners Aus- 
spruch erf iil It ; 

„Die Grenze des englischen Reiches in Europa ist n i c h t der Pas 
deCalais, sondern die Maaslinie." 3 ) 

Erganzend schreibt der „Zurcher Tagesanzeiger" vom 31. Januar 1918 
iiber Rotterdam, daB „die schon fruher aufgestellte Behauptung", daB 



*) Man vergl. hierzti tioch unsere dicsbezuglichen spateren Au^fiihr unpen. 
9 ) Sie gehort scit 190S zu den Blattern des Northcliffe-Harmsworth-Syndikats, 
3 ) Francis Delaisi (Gnstave Herve), „La guerre qui vient?", Paris 191 1 (zitiert 
in den „Neuen Zurcher Nachrichten", 13. Jabrsang, Nr. 4). 



— 1 37 — 



England mit Frankreich einen Vertrag auf Pachtung von Calais usw. auf 
99 Jahre abgeschlossen habe, definitivbestiitigt werde. Calais 
sei auf der Land- und Seeseite votlkommen zum englischen Ha- 
fen ausgebaut worden. 

Zu weiterer lllustrierung der Sachlagc berichteten die „Ncucn Zurcher Nachrich- 
ten" in ihrer 1S1. 76 vom Marz 1917 iiber em Gesnrach, das em englischcr hoher 
Offizier mit eineni in England geiangen gehaitenen deutscheu Hauptmann hatte. 
Der deutbche Hauptmann fragte: ^Calais werden Sie doch behalten?" 
Der englische Ofrizter antwortcte: .,() j a — und audi Le Havre!" Da Frank- 
reich selber England ei n 1 u d , Calais zu besetzeii, Wcrdeu die Englander urn so 
wenigcr Luut emphndeu, es wieder preibzugeben, um so mehr als sie ein altes 
Anrecht daran haben; von 1347 bis 155^ war Calais schon cinmal in brttischem Be- 
sitz. Desiialb lasen wir auch nicht mit Verwundc rung -die Satze, die dem J( Gior- 
natc d'ltalia'' entnomraen sind: „Wer heute nach Calais kouimt, fuhlt sich wie 
in England. Es sieht aus, als ob die Stadt immer englisch gewesen sei, ein Stiitz- 
punkt Grofibritanniens an der franzosischen Kiiste, der vorgestreckte Arm 
eines Volkes, das es nicht mehr leiden mag, ausschlieBlich 
Seemachtzu s e i n. Die Englander haben auf die ganze Stadt Ecschlag gclegt. 
Mit dem Hafen fingen sie an, dann bemachtigten sie sich der Magazine, erbauten 
selbst Getreidespeicher und errichteten einc Militarstadt neben der atten Stadt. 
Heute ist ganz Calais in den Handen der Englander; n i e m a 11 d kommt mehr 
hinein auUer in it ihrer Zustimmung../' 

Und nun, da England Calais hat, wird mit allem Eifer die Cnter tun- 
nel ung des Armelkanals Dover-Calais geplant, mit welcher Idee es fruher 
gar nicht vorwarts gehen wolltc. Stadtpfarrer Edmund Kreusch in OfTen- 
burg (Baden) schrieb iiber Gibraltar und Calais und die Geschichte der 
beiden beruhmten Hafen. Er sagte: „Mitte Mai 1916 befragte der Ab- 
geordnete von Calais den (damaligen franzosischen) Ministerprasidenten 
Briand, ob die Regierung zuverlassige Vertragspfander dafur in der 
Hand habe, dafi seine Heimat von 'den Briten nach dem Friedcnsschlussc 
auch geraumt werde. Die verlegene Ant wort lautete, der eng- 
lische Gescliaftstrager habe geaufiert, „die britische Re- 
gierung sei zurzeit nicht in der Lage, bindende Er- 
klarungen iiber die nach dem Kriege notwendigen 
MaBnahmen abzugeben; der Fall sei denkbar, daw 
England genotigt sein konne, seine Truppen solange 
auf dem Festland zu belassen, bis samtliche euro- 
paischen Fragen gelost seien, und bis keine Moglich- 
keit mehr bestehe, dan Calais zur Stutze eines An- 
griffes gegen Grofibritannien gemacht werd e." . - . 
Auch hatte Br . • . Balfour zu Br.'. Churchill gesagt : 3,Solange wir 
Calais behalten, ist das verlorene Antwerpen cntbehrlich." 2 ) ■ — Da Eng- 
land Calais inzwischen ^gepachtet" hat, wird sich niemand mehr zu sor- 
gen haben, wie es sich davon wieder zuriickzieht ... 

Hat aber Frankreich selber England ins Land gerufen (unter dem brii- 
derlichen Druck seiner Logengewaltigen), so konntc es ebenso die Ame- 
rikaner hereinrufen. Diese sind ja ebensogutc Logenbriider, wie wir an 
anderer Stelle zeigen. Die Zurcher Zeitungen vom 3. April 1917 schrie- 
ben ; Pariser Blattern zufolge forderten die Abgeordneten von Brest 
die Regierung auf, den Hafen von Brest (am Nordwestzipfel Frankreichs) 



J ) ..Deutsche Politik", 1. Jahrgang, S. 693 ff. 



- i3» - 

als Uberscehafen und Flottenstutzpunkt fiir die 
Amerikancr auszubauen; ein Konsortium amerikanischer Fi- 
, nanzleute sei bereit, die Kredite dafiir zu gewahren. Der „Matin", das 
^ Pariser Logenblatt, aber erfuhr unterm 23. April 1917 aus Bordeaux: 
„Die Stadtverwaltung nahm eine Tagesordnung an, in der die Regierung 
auf gefordert wird, den Vereinigten Staaten den Hafen von 
Bordeaux samt Vorhafen anzubieten, damit sie . . . in Frank- 
reich eine gebiihrende Basis besitzen. Das Departement G i r o n d e , im 
Einvernehmen mit der Handelskammer und den Stadtbehorden von Bor- 
deaux, verspricht den Amerikanern ausgedehnte, bequeme und unabhan- 
gige Einrichtungcn." l ) 

Fur den Verlust Nord- und Westfrankreichs an England bezw. Ame- 
rika bot die Loge dann Frankreich den deutschen Westen als Gegenwert 
an (wie die Reicbskanzler-Enthiillungen — vgl. S. 109 — bereits bestatig- 
ten!) und dazu mindestens die West schweiz s ), wie unsere Geheimkarte 

In Bordeaux leben nach der Easier , ? Nationalztg." vom 1, Dezember 1918 
150 goo Amerikaner. Amerikanisch sei sogar die Straflenpoiizei. Ihre >3 Erkenntlich- 
keit" haben die Amerikaner — nach dem „Oeuvre' f , wie „Inf." unterm 4- Oktober 
1917 berichtcte — damit gezeigt, daB sie in den Stadten der Normandie, wo sie 
auftreten, sich als die „eigentliclien Herren" aufspielen, die iiber alles gebieten und 
hcrrschcn und keine Einsprache der franzosischen Burger be- 
ach t e n. Bahnhof, StraBen, Wirtschaften, Autos, die Felder, ,ja selbst die — 
Frauen gehorcn ihnen", und in allem herrschen sie unumschrankt. „Der grGBte 
Traum aber der franzosischen Madchen ist, einen Englander oder Amerikaner zum 
Manne zu kriegen . . :" Bereits ist auch die Errichtung eincr atnerikaniscben 
Universitat in FrankreicR* fiir 4000 amerikaiiische Studenten (laut „Ma- 
tln", dem Blatte der Masonnisten!) eine von den Vereinigten Staaten beschlossene 

*)Da die ganze West- und italische Sudschweiz im Winde der franzosisch- 
'italischen Manierei segelt — und die Schweiz beschickte ja auch die Kriegstagun- 
gen der Entente! ogen! — , so wtirde der Anschlufl der West- und Siidschweiz an die 
Ententc-Koalition gar keine Verwunderung auslusen. Im Marz 1918 schickte sich 
die romanische Schweiz bereits an, den Wirtschaftskrieg gegen Deutschland und 
Osterreich zu beginnen. Zu diesem Zwecke wurden fiitif Komitees gegrundet: das 
„Comite de patronage Suisse Entente" (mit Exministcr Herriot von Lyon, dem 
I'rasidcnten der waadtlimdischen Handelskammer Failtetaz und dem Neuenburger 
Handelskammcrsckretar Prof. A, Mercicr an deT Spitze); die „Ligue nationale 
Suisse d'acheteuses Suisse"; das ..International office"; die „Union confederate 
Suisse" und der „Mercure, Indicateur commercial". Und dann fiihlt ja auch der 
dcrzeitige schweizerische liberal-demokratische, 74jahrige Bundesprasident, Herr 
Gustave A dor, als Ritter der franzosischen Ehrcnlegion und korrespondieren- 
des Mitglied der franzosischen Akademie der ,/Unsterblichcn", wie als korrespon- 
dierendes Mitglied der „Academie des Sciences morales et p o 1 i t i q u e s" in Paris 
gauz franzosiscli, woraus er auch kein Geheunnis macht. Und er besuchte ja auch 
wicderholt die lieben Brr.-. Poincare, Wilson usw. in Paris. Und dann tat er 
(nach dem „Bcrliner Lokalanzeiger" vom 13. Oktober 1917) den Ausspruch, daB 
Europa erst dann Fricdeu haben werde, „wenn ein Friede des Rechts und der Ge- 
rechtigkeit moglich sei", das heifit: „wenn Deutschland Belgieri vollstandig ent- 
scbadigt habe", obschon die Tatsaclicp Belgiens Mltschuld am 
Kriege dargclegt haben (was auch der Antwerpeuer Richter Albert 
van Steenberglie in seiuen in Genf und Bern gehaUencn Vortragen im 
August 1917 bestatigte, dafl namlich Geheimabmachungen zwi- 
schen Belgien und England durchaus bestanden hatten), Zu allem i e i - 
erte Bundesprasident Ad or am 21. Dezember 1918 in Genf offentlich den 
Siegder Entente! 

Den westschweizerischen Eutentisten sekundieren die t e s s i n i s c h e n, Be- 



139 — 



zeigt Aufierst bczeichnend fiir Frankreich und fur das allein den letzten 
Tribut einnehmende E n g 1 a n d ist hier und mufi hier f estgehalten werden 
der Ausspruch des franzosischen Oberstleutnants E. P r i s im 



sonders bekannt in die&er Beziehung machte sich der Mitredaktor der mit Kriegs- 
ende „un_iotig gewordenen" ententistischen Ziircher ,,Illu5tnerten Rundschau 4 ', 
Emilio Colorabi in Bern (der zugleich im Belenzer „Dovere" und der „Gazette 
de Lausanne"' leitartikelt und im „Dovere" wie in der Mailander „Perseveranza'' 
die ltaliener zu ihren irredentistischen Absichten auf den Tessin inspinert, 
vgl. die „lnl7 : -Korr. vom 30. April 1918), wahrend b.eine Tochter in der Redaktion 
der irredentistischen Zeitung „Adula" safl und dort das ihre tat. 

Da.1111 sind es ja aber auch eine ganze Rcihe von Deutschschweizern, 
die sehr crnstlich rein-ententistischc Politik treiben. Da war der Basel-Berner 
Furspiech, alt-Artilleriehauptmann, alt-Nationalrat und S o z i al d e ni o k r a t (1) 
Dr. Alfred Brustlein, der gemeinsam mit dem franzosischen Graf en und 
GroBindustriellen (!) Maurice Mougeot und andern Franzosen und 
Schweizern Spionage zugunsten Frankreichs trieb, die Mougeotsche 
Grundung der von Deutschenhafi triefenden „Freien Zeitung" unterstiitztc 
und forderte, und gemeinsam mit den Ententeleuten Streikplane in Chippis for- 
cierte. Als Verteidiger Brustlcins im Spionageprozefi, der zur Verurteilung 
Brustleins fuhrte, fnngierte der welsche Advokat L ache n a I der Jungere, der be- 
kaunte Sohn des ehemaligen beriihinten Rechtsanwalts, Bundesprasidenten und 
Genfer Standerats Adrien Lachenal von Genf. Lachenal-Vater war ein bekannter 
Freund der Entente und nach dem „Catalogue des Francs-Macons Suisses 1910/11" 
(Verbg William M. Vogt in Genf) tin bedeutendes Glied inncrhalb der Schweizer 
Groflloge „Alpina f: (deren Mitglieder zum grofien Tcil entschieden ententepoliti- 
schen Bekenntnisses sind). Lachenal-Vater (t) war neben seinem Genfer hohen 
Logenrange zugleich EhrenmRglied der Basler Freimaurerloge; auch vertrat er die 
„Grofilogc von Columbia" — die ebenfalis ententistisch fiihlt — innerhalb des 
scliweizerischen Maurertttnis. (Brustlein entpuppte sich nebenher noch als Hasard- 
spieler [N. Z. Nachr. Nr. 147, 191 8].) Als Erganzung sei hier hinzugefugt, 
dafi Fiirsprcch Dr. Brustlein nunmehr nach Trankreich, in das Land seiner politi- 
schen Ideale tibersiedelte, um dortselbst seinen in der Schweiz kompromit- 
tierten Anwaltsberuf weiter aus-zuuben und jenseits der weifi-roten Grenzpfahle 
,,dic franzosisch-schweizerischen Intercs?en zu vertreten 1 ' (vgl. „N. Ziircli. Nachr." 
vom 31. Juli 1918). Dies bedeutet wieder emen Gewinn fiir die dortige Grand 
Orient- W eltherrschaft . . , 

Da ist weiter cler bei den Deutschen cinst beliebte Berner Professor Dr. Ot- 
fried N i p p o 1 d , der das Vorwort schrieb zu Ftirst Lichnowskys deutsch- 
vaterhind=verraterischer Broschure „Meine Londoner Mission", und der — nach der 
„lntern. Rundsclsau" — in seinem Buche „Die Gestaltung des Volkerrechts nach 
dem Kriege" der Entente den Handelskrieg gegen die Mittelmachte erlaubte, da- 
fiir aber den militarischen Krieg, den Deutschland zu seiner Selbsterhaltungr fuhrte, 
aufs heftigste verdammte. Dieser Hcrr Nippold befurwortete den Serkneg gt-gen da>i 
Privateigentum, Lefuiw ortete auch die Verscharfung des Seekricges durch die wirt- 
schaftliche Blockade, durch Seerninen und ausgedehnte Konterbandeerldamng (wie- 
dei-um die Wafifen der Entente), wahrend er die Unterseeboote, den Luftkrieg und 
die Wiedeivergeltung (ReprcssaHen), dcrcn sich die Mittelmachte bedienten, einsei- 
tig verurteiltc. Damit \erneinte Nippold zugleich die Meeresfreiheit; denn die Zu- 
lassung des Seebeutcrechts, der Blockade und die Erweiterung der Kontcrbande- 
begriffs bei Ausschlufi der Unterseeboote macht die Freiheit der Meere illusorisch. 
Auf diesc Weise begunstigtc der „neutralc tf Nippold die Vormacht der Entente... 

Dann aber spiegelte sich die auBcrordentlich starke Geltendmacbung des En- 
tcntc-Logcn-Einflus&es auch darin, daB der die britischen Interessen fordernde 
Berner Journalist C. A. Loosli in seiner antideutschen Flugschrift „Auslandische 
Einfliisse in der Schweiz" im Kapitel , f Die wirtschaftliche Zwangsjacke" die „In- 
ternationaliserung" des Rheins forderte (was ja gleichbedeutend mit de r Abtretung 
der deutschen Westlande an Deutschlands Feiade ware), — wahrend der neue 
Rektor der Universitat Neuenburg, Philippe Godet, in seiner Festrede gelegent- 
lich des Stiftungstages der Universitat am 25. Oktober 1917 die „franzosische Li- 



— 1 40 — 

freimaurerischen ..Radical": „Englands erste kontinentale Verteidigungs- 
linie liegt am Rhein und nirgends anders. Das mull unse r e (franzo- 
sischc') Losung sein!" Also den Rhein (bis Basel und Schafiliausen) de s - 
h a 1 ban Frankreich, damit Englandim tiefsten Herzen Europas seme 
letzten und monumentalstcn Briickenkopfe erstelle zur emzigen britischen 
Weltherrscbaft I 1 ) Dcr verflosscne franzosische Mimsterprasident 
Br. • Briaud forderte (vgl. die Genfcr „Suisse" vom 10. Juni 1917) un- 
ter dem Beifall des GroMeils der zur Geheimsitzung versaminclten Katn- 
mcr zwar noch nicht die Schweiz, aber doch von Deutschland d e n Li- 
sa J3 dasvergroBcrteLothringen.dasSaarbeckcnund 
dieRheingrenze.. 2 ) Und auf einen Zuruf crganzte er sich — nut 
einem Seitcnblick auf die deutsche Bagdadbahn ? - : f Und auch 
Svrien'" Nun Syrieu hat ja nichl nur Herr Miljukow den Franzosen 
ztigesagt, sondern auch der „Zar aller Zaren" selbst, namlich die hochste 
Weltlogenleitung. . , 

Das zaristische Rufiland aber anerkannte (laut Note seines Auslands- 
ministers vom 14. Februar 1917 an den franzosischen Botschafter in Pe^ 
tersburg) 3 ) diesen Logen-Plan *) vollkommen; RuBland sttmmte zu, dan 

teratur als die Verkiindigcnii dcr Wabrhcit" feicrte (wie wir in der „Schwc[zcri- 

"^Sb^r'deTirrnY^^sirdtftn noch ein paar k.rze Worte ,zu s. 8 en sein. 
Mit dem im englischen Solde stehenden Briten Julian Grande trieb , er eine ge- 
meinfam, England- und Ententepolitik in der Schweiz (Grande war Herausgeber 
dner umfangreichen Kriegstiteratur und ist Mharbeiter venjchiedeiier f ° fl £ *£ 
tenteblatter) -So batten beide denn auch in einem Pamphlet gegen den Berner 
Bund" dieses Blatt vcrbliimt beschuldigt, jahrlich 40000 P hind fur deutsche 
Militar- und Kriegspropaganda angenommen zu haben, emc f*^* 1 ^"*!* 1 * 
der „Buud< zurfickwies und gerichtliclien Austrag wcgen Verleumdung e .nle lt c e 
Die Zurcher Post" Nr. 520 vom 5- November 1917 hielt es fur >,tieftrauug , daJi 
Herr J Loosli sfch „nkht schamt", .seine Hande in Hnem «hm«tzjg^ Verlwm- 
dungsfeldzug zu haben", der von dem ..erwiesenermaflen ausUndiachcii Hctzagen- 
ten Julian Grande" in der Schweiz geffihrt wird. Uber den Pub hz.sten Julian 
Grande ist zu bemerken, daB er und seine Ehcfrau C?" 8 ?^^ 110 ^^™^ 
vom schweizerischen Bundesrat v e r w a r n t warden, zugk.ch nyt dcr Androhung 
der Ausweisung, wei] beide in auslandischcn Zeitungen schw^zenschc . V« ha - 
nisse und Vorko'mmnisse in so unwahrer Weisc darstellten dafi ***™^™** 
eine feindselige Stimmung gegeu die Schweiz geltend machtc (vgl >eue Zurche, 
Nachrichten" vom 3. Dezember 1917). Die A u J w c :i s u n g Julian Grandes u n - 
terblieb, weil „ein machtiger Arm eingegriffen batte welcher von der e n g - 
lischen (0 Gesandtschaft nach dem Bundcspalais &n Bern) ubergnff <„Nciie 
Zurcher Nachrichten" vom 26. Juni 1919). Nebenbei: Herr Grande war - w.c 
tnanch anderer Schlcppentrager dcr Entente gal.zischer J u d und liefl 
sJch aus gutem Gmndc, in dem jitdisch-enghschen Logenstaate naturahsiereti. Als 
solcber Neu-Englander batte gerade er das zweifelhaftc iournaUstischc -.vorreclit , 
die keltiwh-irischen Unabhangigkeitsbestrcbungen ganz im Smne dcr bnti- 
schen Logenge^-altigen zu diskreditiercn und die irischen „Smn-Feiners m den 
Augen dcr Welt herabzuwurdigent . 

*) VkI den „Badiscben Beobacbter", Nr. 249 vom 1. Juni 107. _ 

2 ) Dies sind jene Telle Deutscblands, die der friibere Mimsterprasidcnt Br.-. 
Ribot als franzosischen „Pufferstaat" maskicrte. . 

3 ) Bezw. laut einer Note Pokrovskys an das Mimstcrium des AuBern in i"ans 

vom 12. Februar 1917. , , , . t .. i .- i-„ r^„„,?. a i 

8 ) DaB es sich in allem urn I.ogtnplane handelt, bestatwen die franzosi- 

w.hcn Masonnisten selber. Im A 11 f r u f d e r o b e r s t c n B c li o r d e d e r 1 r a in . - 

zo^ifechenFreimaurcrei (vcrdffentlicht vom Bureau „Havas unterm 19. Dc- 



— 141 — 

neben der Zuriickgabe Elsafi-Lothringens an Frankreich der ganze 
Eisenbezirk des ehemaligen Lothringischen Herzogtums und der Saar- 
kohlenbezirk franzosisch werde, wahrend die ,, link en Rheinufergebiete 
solange von franzosischen Truppen zu besetzen sind, bis die Mittelmachte 
alle im Friedensvertrag von der Entente geforderten Bedingungen crfullt 
haben" (vgl. die diesbezuglichen Mitteilungen des ^Manchester Guardian" 
in der ^Frankfurter Zeitung"). 

Erganzen lafit sich hier, was Raoul Stoecklin in seiner kleinen Bro- 
schiire „Elsa6-Lothringen deutsch oder franzosisch" S. 10 scbrieb : 
,.Das Erzbecketiwestlich Mctz und das Kohlenrevier der Rhein- 
provinzbei Saarbriicken sind wirtschaf tlich aufeinander angewicsen . - . 
Des h alb fordern die franzosischen Annexionisten das Saarbriicker Kohlen- 
1 cvier, weil ohne dieses die e lsassiscli-1 otliringisclie Indu- 
strie (welche die Fabrikation von Eisen, Leder und Textilwaren usw. umf aflt) 
gar nicht denkbar ist." 
Frankreich mochte auch seine Eisenhiitlenwerke von Verdun 1 ), 
Nancy 2 ) und Epinal 3 ) mit Saarbruckener Kohle bequem versorgen. 

Diesen in unserer ersten Auflage veroffentlichten Aufierungen lassen 
sich heute noch einige weitere anfiigen. Sowold Br. ■ . Franklin B o u i 1 - 
1 o n (im franzosischen KammerausschuB ftir aitfiere Angelegenheiten) als 
auch die „New York Tribune" verktindeten, dafl die E i n v e r 1 e i b u 11 g 
des Saarbeckens in Frankreich zu den Minimal forderun- 
gen der territorialen Anspruchc Frankreichs gehort (vgl die Tagesblatter 
vom 26. Februar 1919). A m 1 1 i c h forderte die Pariser Regierung un- 
term 29. November 1918 das Saarbecken. Lloyd George sagte 
im cngHschen Unterhause am 13. Februar 1919, daB bezuglich der Be- 
handlung des seitherigen deutschen Westens unter den Alliierten 
vollige Ubereinstimmung errcicht werde. In Koblenz (Rheinprovinz) 
erklarte der dortige Oberburgermeister Dr. Clostermann (nach dem „Lan- 
deshutcr Stadtblatt" vom 12. Dezember 191 8) in einer Sitzung des Arbei- 
terrates, „Frankreich ziele auf Einverleibung des gan- 
zen Rhein landes hin, und die B e 1 g i e r und I t a 1 i e n e r unter- 
stiitzen diese Absicht". Die militarische Besetzungvon Saarbriicken 
und Saarlouis und deren Einbeziehung in elsan-lothringisch-franzosi-sches 
Gebiet erfolgte durch Marschall Foch — einem Jesuitenzogling'— An- 
fang Dezember 1918. Nach den Beschliissen des „Vierer-Rates" auf der 
interalliierten Vorfriedenskonferenz in Paris vom 29. Marz 1919 darf 
Deutschland das linke Rheinufcr nicht befestigen und keine strategischen 
Eisenbahnen dorthin legen. Nach dem „Aussiger Volksrecht" vom 12. Fe- 
"bruar 1912 verlangt Frankreich (aufier den von der Gesamtentente be- 
gehrten i m B a u befindlichen deutschen Handelsschiffen) noch die 
Auslieferung allerRheinschiffe. Der Franzose Pertinax verlangte 
ein Biindnis Frankreichs mit Belgicn, England und den Vereinigten Staa- 

& member 1917) hieB es: ^Frankreich . . .blutct fiir die Befreiung aller Volker, auch 
* der feindlichen. Die Forderung nach Elsafl-Lothringeii ist (danim) eine Fordemng 

des vergewaltigten und verletzten Rechtes . . . EIsaB-Lothringens Desannexion ist 

ein Symbol der Garantie und des Heiles." 

*) In ehemala deutscher Zeit Wirten geheiflcn. 

2 ) Eigentlich Nanzig. 

3 ) V o r der Verwelscbung Spieneln genanut. 



— 142 — 

ten zur Sichcrung der franzosisehen Rhcinlinie. Dies Biindnis wurdege- 
schlossen mit AusschluB Belgiens. Und die p f a 1 z i s c h e n Z e it u n - 
gen wurden von den franzosisehen Besatzungsbefehbhabern gezwun- 
| e n Auf satze zu verotfentlichen, die den Anschlufl der deutschen Pfalz 
an Frankreich propagieren (vgl die ag.-Korrespondenz vora 31. Januar 
1019 aus Ludwigshafen). So werden die Einwohner von Saarbrucken 
wohl vergeblich an Dr. Woodrow Wilson (auf den alle Glaubcnsnaiven 
ja so viel unbegrundete Hoffnung setzten) dahin appelliert haben, daB sie 
deutschbleiben wollen (vgl. „Zurcher Post" vom 25. Februar 1919). 
Urn so mehr, als Frankreich das Saargebiet als Ausfallstor gegen 
Deutschland beansprucht, und — well die deutschen Kohlengruben 
dieses Gelandes ein .fetter Bissen" sihd fiir die Entente, die Deutschland 
uberall verarmt und frierend sehen und den deutschen Auslandshandel 
auch in Kohlcn usw. erdrosseln will. Daher auch der Anspruch 
i-rankreichs auf die Gniben- und Huttenwcrkc von p f a 1 z 1 s c h St. 

Tngbert. , 

Nach den Havas-Depeschen vom 13. und 14- April 1919 wurde auf der 
Pariser Alliierten - Vorf riedenskonf erenz die „Saarbeckenfrage 
endgiiltiggeregelt" nach den Wiinschen, wie sie durch Br. * . Mi- 
nisterprasident Clemenceau dem radikalen Sozialistenfuhrer Br.-. Re- 
tt a u d e 1 bestatigt wurden. „Der Besitz der Bergwerke unter franzosi- 
schen Gesetzen wurde Frankreich auf ewige Zeiten (!) gesichert. Frank- 
reich wird das Polizeireeht ausubeii. Die V e r w a 1 1 u n g des Landes 
ubernehmen ein Franzose, ein Bewohner des Saarbeckens und drei 
vom Volkerbundzu ernennende Pcrsoncn. Nach 1 5 bczw. 50 Jahren 
1 fiir fen die Einwohner des Saargebiets auf den Vorschlag des hochedeln Brs.- . 
Wilson abstimmen, oh sie bei Frankreich bleiben oder zu Deutschland zu- 
ruckkehren wollen, Tm letzteren Falle muR Deutschland die Berg- 
werke zuruckkaufen, die Frankreich jetzt als v o 1 1 e s E i g e 11- 
t u m zugesprochen crhalt." ,, Dieser ,Riickkauf wird jedoch damit v e r_- 
h i n d e r t , daB Deutschland zur selbeti Stunde zu einer Gesamtentschadi- 
gung in Hohe von zunachst 125 Milliarden (weitere 50 oder 100 Mill tar den 
werden noch verlangt) 1 ) (zahlbar in Gold, auslandischen Wertcn, Roh- 
s t o f f e n und Krcditen) vom Viererrat (mit Br.- . Woodrow Wilson an 
der Spitze!) verurteilt wird, von wclcher Sumrne drei Fiinfte] 
Frankreichzugesprochen sind!" Zu bemerken ist, dafi Deutsch- 

r ) Br,-. Lloyd George forderte in seiner groflen Rede in Bristol am r2. Decem- 
ber 1918 — laut Renter und nach der „Friedenswarte" vom Februar 1919 — niclit 
weniger als das ganze deutsche Eigentum als Kriegsentschadigung fur die Alliier- 
ten wobei er besonders noch hervorzuheben fur nbtig f and, da8 aber England 
(urn seine Wcltstellung auch den andern Sicgern bei gelegener Zeit gegenuber gel- 
tend zu macheni D. Vcrf.) seine W e 1 1 f 1 o 1 1 e niclit vermin dern werde! 
Dann sagte er mit Bezug auf Deutschland: „Sle — die Deutschen — sollen bis zum 
letzten Heller bezahlen, und zu diesem Zwccke werden wir ihnen die Taschen 
durchsuchenr In Erwartung dieser brfidcrlichcn Rechtsgcltung wurde denn 
auch (laut ^Berliner Borsenkurier" vom 8. Dezember 1918) England von der Vor- 
friedenskonEerenz herein cine Entschadigung von 160 Milliarden Mark Kriegsent- 
schadigung zugesprocben. England 160 und Frankreich 125—150—200 Milliarden, 
das macht schon uber 100 Milliarden aus ohne die anderen Staaten, so werden die 
500 Milliarden, die Lloyd George am 12. Dezember als Kriegsentschadigung ,,111 An- 
satz brachte", bald — vcrteilt sein. 



— 143 ~ 

land aus dem Saargebiet jahrlich 3 — 4 Millionen Tonnen Roheisen, 
aus Lothringens Boden jahrlich 21 Millionen Tonnen Roheisen ge- 
wann. Das ganze iibrige Deutschland gibt nur noch 3—4 Millionen 
Tonnen Roheisen her. 

Am gleichen Tage (14. April) erhob die deutsche Regierung beini 
Oberkommandanten der Entente, Foch, Einsprucb gcgen die Besetzung 
von badisch Griesheim am Rhein, die den Zwcck habc, auch die deut- 
schen ehemischen Fabriken von Griesheim in die Hand 
Frankreichs zu bringen . , . 



Wahrcnd der Vorbereitung der Drucklegung dieser zweiten Auflage unseres 
Buchcs sind die „Friedensbedingungen" den nach dem Trianonpalast nach 
Versailles eingeladenen deutschen Delegierten vorgelegt worden. Am Verhand- 
lungstische saflen die Vertreter von 29 deutschfeindlichen Staaten, in den 
fuhrenden Pcrsonhchkeitcn durchaus Err.'. Freimaurer, und die andern wohl sogcu. 
Brr.\ „ohne Schurz und Kelle". „Havas" nannte: Brr.-. Clemenceau als Vorsit- 
zenden, ihm zur Rechten Woodrow Wilson, zur Linken Lloyd George ; dann 
Balfour, Bonar Law. Barnes, Sir Joseph Ward (fiir England), Lansing, White- 
House (fur Amerika), Pichon, Klotz, Tardieu, Cambon (fur Frankreich), Sonnino 
und Crespi (fur Italien), Venizelos (fiir Griechenland) usw. (Weitere b r i t i s c h e 
Friedenskonferenziers waren vorher schon die Brr.*. Montagu, Chamberlain, Lord 
Milner, Churchill, Rufus Isaacs-Reading.) 

Als deutschfeindliche Machte geHen Belgian, Bolivia, Brasilien, China, Cuba, 
Ecuador, Griechenland, Guatemala, Haiti, Hedschas, Honduras, Liberia, Nicaragua, 
Panama, Peru, Polen T Portugal, Rumanien, Serbien, Kroatien, Slowenieu, Si am, die 
T&checho-Slowakei und Uruguay neben England, Frankreich, Italien, Japan und 
den Vereinigten Staaten von Amerika. Bei Beginn des Warrens t ill standes hatte 
diese Entente — nach Clemenceaus Worten vom 26. Januar 1919 — 12 Millionen 
Mann gegen Deutschland unteT Waffen. 

Es sollen Deutschland folgcnde Bediiigungen aufgezwungen werden (die deut- 
lich zeigen, wie die Entente nach den mehr denn dreifiigjiihrigen Vertilgungapla- 
nen, die unscrc Karte darlegt, das Deutsche Reich weltpolitisch zertritmmert 
und bis zu cineni gewissen Grade auch wirklich „aufteilt"): 

Deutschland soil verlieren: 

an Belgien: Eupen und Malmedy* 

an Frankreich: ElsaB-Lothringen und das Saarrevier; ^ 

an Polen bezw. an die Tschecho-Slowakei : 2 ) ganz Ostschlesien (oat- 
lich Ncustadt und Falkenberg), Nordsclilesien von der Bartsch an (mit 
Guhrau, Konradswaldau, GroB-Tschirnau. Militsch, Freihan, Bartnig usw., r e i 11 - 
deutsche Gebiete!), die ganze Provinz Poseu mit Ausnahme von Kraustadt; 
aber mit dem deutschen Lissa f dem deutschen Leipe, mit dem vorwiegend deut- 
schen Kopnitz und vorwiegend deutschen Bentschen und dem deutschen Romst, 
mit Ausnahme zwar von Schwerin, aber mit EinschluB des deutschen Birnbaum; 
nordwestlich bleibt Filehne und Schonlanke deutsch, aber alles Land ostlich von 
Filehne soil an Polen veHoren gehen; ebenso das reindeutsche Schneidcmuhl und 
alle Gcbictc acht Kilometer westlicb der Eiscnbahnlinie Schneidcmuhl-Konitz, 
wotnit fast die ganze Provinz W e s t p r e \\ B e n den Polen zufielo & ), Danzig 



*) Auf dem Internationalen FrauenkongreB in Zurich gciBelte 
am 13. Mai die e n g 1 i s c h e Frau S 11 o w d e n die Pariser Friedensbedingungen 
aufs heftigste. ,.Vor alien Dingen", sagte sie, „wird das Selbstbestimmungsrecht 
der Volkcr mit Fiifien getretcn. Die Abtretung des Saarbeckens auf 15 Jahre 
an Frankreich ist S c h w i n d e 1 und bedeutet nichts als eine A n 11 e x i o 11 . . ." 

2 ) Das tschecho-slowakische Pi eflbureau begruflte am 12. Mai die Zuweismig 
deutsch schlesischer Landesteile, welche nunmehr 130000 Quadrat- 
kilometer mit IS Millionen Einwohnern umfasge. 

?) Die Berliner Blatter vom 19. Mai 1919 teilen folgende Ergebni&se der 



— 144 — 

"^-fet damit den Deutsche!! genomracu und ebenso Elbing, Marienwerder Graudenz, 
^ SchweTz usw. Von Pommern soil der Teil 6btlicli von Laueuburg den 

-■ :■ ^Os^oTeullen, soweit es nicht an Litauen aufgeteilt wird (M .e m e 1 usw. 

--' sind bereSs verloren , soil v 6 11 i g i s o 1 i c r t Wen, so daB m alle Zukunf : erne 

:•-. Vereinigung dieses Landrestes mit dem ubrigen Deutschland unmcgl.ch und die 

: : - Aufsaugunl ganz Ostprcuilens durch die Feinde Deutschlands endhch ermog- 

■;. hcht wirdl Hohcitsrecht fiber Preufiisch-Morcsriet und uber Eupen 

. zuKcsprochcn- Luxemburg muB M s dem deutschen Zollverem aujscheiden. 

■ mSaa geb i e t verliert Deutschland Lauterbach, Saarloms, Saarbrucken Mah 

Utt St~ Johann, Ottweiler, Neunkirchen, St. Ingbert usw und Telle der Kre.se 
St Wendei, Homburg und Zweibriicken (161 ooo Hektar Land mit 647 ooo Ein- 
wohnern) unter Abtretung aller Mincn usw an F r a n k r e ■ c h , das dort die f raa- 
2>si«he Sprache zwangsweise einfuhrt. Nach 15 Jjhren durfen die Bewohner 
einzelner Saargebiete befragt werden, ob sie w.eder deut.cheUntertanen werden 
wollen (nachdem sie inzwischen durch harten Druck franzosis^rt jind) 0» " 
reich darf sich an Deutschland nrcht angliedern. Auf das Baltische Meer hat 
DeutAfand keinen Anspruch mehr. Die Sudbezirke O s t p r £ u e :„ s werden 
zwangsweise befragt, ob sie Polen werden wollen Ein paar Weststre.fen Ost- 
pleufiens will man den Deutschen lassen mit Elbing unter M.tbenutzung der 
Nogat Die Hauptteile von OstpreuSen soil Deutschland einbufkn Dan* ig 
■oil Frcic Stadt - unter Garantie dcs Yolkerbundes _ zur besonderen Nutz- 
nieBung Polens werden. Dabei soil Danzig in die 2ollgreaze |P°l«iy fallen und 
von den Pdlen verwaltet werden, ebenso soil die Wcichsd den Polengehoren. 
Sch swg, zu groflem Teil reindeutsches Land, soil von Huanm Schleswiff 
und den Inseln Siideroog-Sand, Sudfall und Nordstrand an von Deutschland abge- 
16&t und Danemark angegliedert werden ')- 

Alle deutschen Vertrage von Brest-Litowsk (mit RuBland) werden aufgehoben, 
dafur bat Deutschland die Entente fur den Krieg mit RuBland zu «ts«:»iadiBc^ 
Die deutschen Kolonien fallen an die Entente, und zwar nach dem Plane yom 
6 Mai in folgender Verteilung: S u d o s t a f r i k a kommt zu England bud - 
west afrika zur Siidafrikanisch-eiiglischen Kolonie, Samoa usw. an brit.sch- 
Neuseeland, die deutschen Inseln im P a z i i i a c h e n O z e a n fallen an bnt.sch- 



letzten deutschen Volkszahlung im „zu befreienden deutschen Polen mit m Ge- 
bieten also, die o h n e V o 1 k s a b s t i m m u n g (!) durch das Dekret der Entente- 
frcimaurer an Polen abgctreten werden sollen: Provinz Posen: Kreis Lissa 27450 
Deutsche, 16650 Polen; Kreis Czamikau 30000 Deutsche 12 ooo Polen; Stadt 
Bromberg 46700 Deutsche, 9350 Polen; Landkreis Bromberg s88oo Deutsch^ 
27050 Polen; Kreis Kolmar 61890 Deutsche, 13 950 Polen; Kreis Fraustadt 20 000 
Deutsche, 9000 Polen. Provinz Schlesien; Kreise Guhrau und Mditsch ganz 
deutsch; Kreis Leobschiitz 39 900 Deutsche, 5200 Polen, 6300 Tschechen, Kreis 
Neustadt 51500 Deutsche, 43800 Polen; Gleiwitz 94 550 Deutsche, 9850 Polen; 
Kattowitz 36900 Deutsche 5800 Polen; Stadt Beuthen 41 160 Deutsche, 22400 
Polen; Stadt Oppeln 27100 Deutsche, S 400 Polen; Stadt Ratibor 22900 Deutsche 
ir 500 Polen; Stadt Kbnigshutte 39 30O Deutsche, 24700 Polen Wes^reuflen. 
Stadt Danzig 164 350 Deutsche, 3500 Polen; Danziger Niederung 36000 Deutsche, 
300 Polen; Danziger Hohe 47 400 Deutsche, 57oo Polen; Dirachau 27900 Deutsche, 
12 goo Polen; Stadt Thorn 30000 Deutsche, 1490 Polen; Stadt Graudenz 34 300 
Deutsche, 5300 Polen; Landkreis Graudenz 28200 Deutsche, 19 ISO Polen; Flatow 
50650 Deutsche, 17000 Polen. . . 

*) Der schleswigsche Politiker Hanfien, der die Danen Schleswigs im Ueut- 
schen Reichstagc friiher vertrat, 1st selbst erstaunt iiber den Gebietszuwachs an 
Danemark mit 400000 Menschen, von denen nur 120000 daniscn sprechen. 
Nicbt nur die Zone, die 1567 (!) einmal danisch war, soil wieder zu Danemark ge- 
schlagen werden, sondern auch rein-deutsches Land, das die Danen g a r 
nichtbegehrt haben! Hanfien sagte (nach der „Pohtiken vom 10. Mai 19x9): 
M Dieser Volkszuwachs ware ein n a t i n a 1 e s U n S 1 d c k hir unser Land . . .1 



— 145 — 

Australien und Japan; uber Togo 1 ) werden sich Frankreich und England noch 
eimgen. Kamerun wird an Frankreich und England aufgeteilt. Italien <rhalt 
cine Art Konypensationsrecht in den deutschen Kolonien entsprechend dem Ge- 
htjmverfrag vom 26. April 19 15. Belgien, das bei dem Verschachern der deutschen 
Kolonien leer ausging, Dcutsch-Ostafrika aber beansprucbt, ist erzurnt. Kiau- 
tschou ist selbstverstandlich verloren, wie Deutschland auch auf alle errungenen 
Jieziehungen zu China, Siam und Liberia und Marokko zu vcrzichten hat. Dafur 
wird Frankreich den marokkanischen Staat einstecken, und Agypten den Ens- 
landern zufallen (als aogenannte „Protektorate"). Zur Turkei und zu Bulgarien 
dar£ Deutschland keine freiheitlichen Beziehungen behalten. Die deutschen Rechte 
tn Schantuug gehen an Japan uber. Deutschland darf kein Militar und keinc 
militarische Luftschiffahrt halten; einzig eine Polizeimacht von 100 000 Mann 
darf ihm zustehen s ), Alles Kriegsmaterial ist an die Entente auszuliefern, ebenso 
die Militarflotte, sofern sie sechs Panzer, sechs leichte Kreuzer und ein paar 
Torpedoboote iibersteigt. Selbst Handeh tauchboote darf Deutschland nicht 
mehr besitzen! Eiir die Marine werden nur 15 000 Mann zugebilligt. Kaiser 
Wilhelm ist auszuliefern. Unzahh'ge Tausende Lokomotiven und noch mehr 
Eisenbahnwaggons und fiir 100 Millionen Frankcn landwirtschaftliche Maschinen 
ruuflte Deutschland bereits .ausliefern. Viele Hunderttausende Stuck Groflvieh 
aller Arten werden dazu verlangt, und zwar nicht weniger als 140000 Stuck 
deutschei Milchkiihe: fiir dieee letzteren (die die Nahrmutter von Mil- 
lionen deutschen Familien sind) werden als Gegenleistung der Entente ein paar 
tausend Buchsen kondensierter Milch (ein jammerlich Surrogat fiir die lebendige 
Milch!) versprochen ... Die Gesamtheit der deutschen Besitztumer soil in den 
Bcsitz der Entente libergehen, — an Produktionsgebieten von KartofFeln 
und Getreide foTdert die Entente so viel deutsches Land, daB jahrlich zwanzig 
Froze nt der deutschen Ernte verloren gehen. Und schon bis j'etzt starben 
erne Million deutscher Greise, Frauen und Kinder den Hungertod infolge der 
lluingerblockade! Weiter sieht der Friedensvertrag den Verluat von weit iiber 
e i n e m D r i 1 1 e 1 der deutschen Kohlenproduktion vor, dazu den Ver- 
iest von drei Viertel der deutschen E i s e n e r z produktiop und drei Funf- 
te] der deutschen Z 1 nk produktion, — all das will der unersattliche Rachen der 
Entente verschlingen. (Fiir das hierin einbegriffene Saarbecken bedeutct dies 
ziiricm noch den Verlust von einer halben Million kerndeutscher Einwohner, die 
gewaltsam franzbsisiert werden spllen.) 

Die erste Kriegsentschadigung wurde auf 120 Milliarden") 



r ) Eine Illustration zmn Kapitel , r Britische Demokratie" ist es t daB die Eng- 
ender in Deutsch-Togo eine Volksabstimmung unter den Eingeborenen ver- 
^ustaltet batten, nach welcher sie sich entweder fur die deutsche oder die engliache 
Schutzherrschaft erklaren sollten. Die Volksabstimmung ergab eine iiberwiegend 
deutsche Mehrheit. Daraufhin deportierten die Briten alle fiir Deutschland 
*titnmendeu Hauptlinge zu Zwangsarbeit. („N. Ziirch. Nachr." vom 21. Sep- 
tember igiK.) Es kann hier an einen Ausspruch von t Br.-. Theod. Roosevelt 
crinnert werden, den dieser noch im Jahre 1 9 1 tat: „EngIander und Deutsche 
verrichten in Afrika ein Werk, das der ganzen Welt zugute 
kommt; es ist Raum genug fur beide!" (Vgl. , t Neue Zurch. Nachr." vom 
4, Juni ipi9-) 

a ) Eine solche Polizeimacht geniigt nicht einmal, die Ordnung im Lande auf- 
recht zu erhaltcn, Dabei billigte die Vorfriedenskonfcrenz dem neuen p o 1 n i - 
sehen Staate eine Friedensarmee von 300 000 Mann zu, die Tschecho-Slo- 
w a k e n stellen ein Friedensheer von 257 000 Mann auf die Beine, Frankreich 
sctztc den normaten- Armeeprasenzstand auf 500 000 Mann an und England 
will gar 900000 Mann Trttppen durch alien Frieden der Zukunft dnrchschleppen! 
(Vgl die „Friederiswartc" vom April 1919, die „N. Zurch. Nachr." vom 18. Mai 
1919 und die Rede Br,*. Winston Churchills im Londoner Mansionhouse vom 
20, J-"ebruar 1919^* . „ , . 

3 ) Das ehemalige Konipcreich Sachs en fiir sich allem soil jahrlich x»oo 
Millionen Mark Gewaltfriedens-Entschadigung an die Entente leisten: das 1st 
dreimal mehr als der sachsische Etat iiberhaupt betragt; dann aber muG Sach«en 
auBerdem doch auch seine elgenen Bedurftiisse nncli deckeu, 

Heise, ^iitente-Frcimaurcrcr If. in 



— 146 — 

in purem Gold und Goldeswert angesetzt (zahlbar innerhalb zwei Jahren 1), wobei 
zu bedenken ist, daB die englische^ Demokraten selbst sagten, daB Deutschland 
allerhochstens 75 Milliarden zu zahlen vermoge. Und alle diese Bedingungen 
wurden nicht etwa von den „demokratischen Volkern" aufgestellt, sondern von 
drei in ihren Seelen alten, abgelebten Mannern (dem sogenannten „Dreier-Rat" 
Wilson, Lloyd George und Clemenceau), die keinen Sinn mehr fur 
das wirkhche Leben aufzubringen vemibgen, dafiir aber „im Namen des Rechts 
und der Gerechtigkeit" selbstherrlich „einen Frieden dahin schlieBen, dafi es in 
alle Zukunft keinen Friedeti mehr gibf'l Zu alldem soil Deutschland seine samt- 
lichen Guthaben in RuBland, China, Osterreich-Ungarn, Bulgarien und der 
Turkei an die Entente abtreten. In Zoll, Transit, wie zur See fordert die Entente 
von Deutschland das Meistbegunstigungsrecht (was der schwersten Schadigung 
der Neutralen entspricht). Auch darf sich Deutschland nicht wehren gegeniiber 
Entente-Patenten, die in Deutschland zur Geltung gelangen; be-ssere deutsche 
Erfindungen gelten als „unlautere Konkurrenz". Die Entente darf Deutschland 
mit ihren Luftschiffen beliebig iiberfliegen. Auch beansprucht die Entente zoll- 
freie Durchfuhr in ganz Deutschland. Uber die Elbe, Oder, den Nieraen, 
die Donau und den Rhein verliert Deutschland jegliches Verfiigungsrecht; 
ebenso auf den Nordostseekanal. Das Mitspracherecht auf die Gott- 
hardbahn fallt fur Deutschland dahin. Der Rhein bleibt von den Alliierten 
besetzt; je nach dem Verhalten Deutschlands soil Kbln, Koblenz, Mainz, Kehl usw. 
von den Ententctruppen besetzt bleiben; Mainz und Kehl konnen vielleicht in 
15 Jahren (!) „entsetzt" werden. An die Entente darf Deutschland keinerlei Geld- 
forderungen stellen . . . 

In besonderem Hinweis auf die Deutschland aufzuerlegende Kriegsent- 
schadigung sagte Br.*. Finanzminister L.-L. Klotz in der franzdsischen 
Kammer am 6. September 1919 (laut_ JHavas"): „Deutschland wird insgesamt 375 
Milliarden bezahlen und sich seiner Schuld in einem Zeitraum von 36 Jah- 
ren entledigen konnen. Wahrend der beiden ersten Jalire wird es 100 
Milliarden ausrichten, nachher 13600 Millionen mit 5% i g e r Verzinsung 
(in jedem Jahre). Die von Deutschland auszurichtende Totalsumme wird sich 
so nach 36 Jahren auf 463 Milliarden belaufen." v 

Bei Nichterfiillung der „Friedensbedingungen" proklamiert die -Entente die 
Besetzung weiteren deutschen Landes. Unterm 18. Mai 191 9 bedrohte die 
Tschecho-Slowakei bereits die bayrischen Landschaften mit dem 
Efrimarsch ih'rer Truppen, urn die von ihr langst begehrten rein-deut- 
schen weiten Gegenden von Eurth (welit westlich von Passau), 
Eisenstein im „Bbhmerwald" usw. zu annektieren. Von Taus in Bohmen aus 
wollen sie weit uber den „Bayrischen Wald" vordringen in der Richtung Regens- 
burg-Straubing-Landshut (in Bayern) . . . 

Bei alledem aber darf nicht ubersehen werden, dafi Deutschland von 
rutid 500 geschlagenen Schlachten nicht einmal 1 % verlor, 
und daB es all em auf die Wilsonschen verheiBungsvollen ,,14 Punkte" 
hin f r e i w il 1 i g sich , in die es zerschmetternden Waffenstillstandsbedin- 
gungen ergab . . .! 

Als weitere kurze Erlauterung der Friedensbedingungen des Versailler Rates 
an Deutschland kann noch das Folgende angefiigt werden (der Originalabdruck 
der Forderungen der Entente kann von der „Deutschen Liga fur Vblkerbund" in 
Berlin-Unter den Linden 78 bezogen werden): 

Deutschland hat seine rnilitarische Atisrustung auf eine Ilochstzahl von 7 In- 
fanteriedivisionen, 3 Kavalleriedivisionen und 2 Armeekorpsstabe zu umgrenzen. 
Eine Infanteriedivision darf nur haben 410 Offiziere und 10 830 Mann; eine Kaval- 
leriedivision 275 Offiziere und 5250 Mann. Die allgemeine Wehrpfiicht wird ver- 
hindert auch dadurch, daB em jeder Offizier auf 25 aufeinanderfolgende Dienst- 
jahre sich verpflichten mu6. An militarischer Ausrustung darf Deutschland haben 
nur noch 84000 Gewehre, 18000 Karabiner, 792 schwere und 1134^ leichte Ma- 
schtnengewehre, 252 Minenwerfer, 204 Geschiitze 7,7 cm und 84 Haubitzen 10,5 cm. 
Die Hochstzahl der zugelassenen Schuflzahl betragt fur die Gewehre 40800000 
(400 Schufl pro Gewehr), 15 408 000 fur die Maschinengewehre (pro Gewehr 8000 
SchuB), 176400 Fur die Minenwerfer, und 371200 fur die Geschiitze und Haubitzen. 
Nur noch sechs Schlachtschiffe, sechs kleine Kreuzer, 12 Zerstorer und 12 Torpedo- 



— 147 - 

boote diirfen gehalten werden; Unterseeboote zu besitzen ist untersagt. Acht 
Schlachtschiffe, acht kleine Krcuzcr, 42 moderne Zerstorer und alle Untersee- 
boote gehen in die Hande. der Alliierten iiber. Desarmiert werden 32 deutsche 
Kriegsschiff e, Ersatzschiffe durf en nur eine ma6ige Wasserverdrangung 
haben; ioooo Tonnen fitr Schlachtschiffe,. 6000 Tonnen fur Kreuzer, 800 Tonnen, 
fur Zerstorer und 200 Tonnen fur Torpedoboote. Deutschland mufl ferner aus- 
liefer n: an Frankieich 500 Zuchthengste und 30 000 Stutenfullen, 2000 
Stiere, ooooo Milchkiihe, 1000 Schafbbcke, 100000 Schafe, 10 000 Ziegen; an Bel- 
gien: 200 Zuchthengste, 5000 Stuten, 5000 Stntenfullen, 2000 Stiere, 50000 Milc'i- 
ktihe, 40000 Stuck Jung-Rindvieh, 200 Schafbocke und 15000 Mutterschweinc 
Trotz des Verlustes zahlloser Gruben an seine Feinde hat Deutschland folgende 
Kohlenlieferungen zu machen; an Frankreich 210 Millionen Tonnen, an 
B e 1 g i e n 80 Millionen Tonnen, an 1 1 a 1 i e n 77 Millionen Tonnen und an 
Luxemburg die fruher gelieferte Menge. Ausliefern muB Deutschland u. a. 
auch den Original -K o r an des Kalifen Osman, den die Tiirken Kaiser Wilhelm 
iiberreicht hatten, sowie den Schadel des Sultans Makaua . . . Den Koran bc- 
kommt der Vasall Englands, der Konig der Hedschas, den Schadel wird England 
selbst „heilig halten". — 

(Die Verteilung der seitherigen deutschen Flotte erfolgt in dem Sinne, daB 
F r a n k r e i c h 230 000 Tonnen, Belgien 12 000 Tonnen, 1 1 a 1 i e n 6oao Tonnen 
zugefcprochen eihielten, — die iibrigen Schifle gehen zu drei Viertel auf Eng- 
land und zu einem Viertel auf die Vereinigten Staaten. Die neue pol- 
nische Kriegsmarine aber wird Deutschland gar schnell iiberragen: als erste 
Anschaffung wird Polen vier grofle Kreuzer und 16 Torpedoboote mit 3750 Mann 
Besatzung erh alten.) 

Die Elbe („Lava") und die Oder („Odra"> werden in Zukunft von Eng- 
land, Frankreich, Italien, Tschechien, Befgien, Polen, Danen und Schweden 
verwalteE werden; bei der Elbe darf Deutschland vier Mitsprecher haben, bei der 
Oder nur einen. Auch die Memel kommt unter die Hand der Entente. Der 
Rhein und die Mosel sind sowieso als deutsche Strome so gut wie ver- 
loren Das , t Mannheimer Abkommen" unterstellt diese beiden Fltisse GroB- 
britannien (2 Vertret,er), Frankreich (4 Vertreter und den Frasidenten 
der Verwaltnng), Belgien, den Niederlanden, Italien und der 
S c h w e i z (je 2 Vertreter). Vier deutsche Mitsprecher werden von 14 nicht- 
deutschen Vertietern jederzeit iiberstimmt. Den Tschechen hat Deutschland 
in Hamburg und Stettin Freizoncn auf 99 Jahre zu iiberlassen; Eng- 
land hat das Mitbestimmungsrecht dabei, ist also der eigentliche 
Herr auch in Hamburg und Stettin gemaB dem Geheimplan der 
Loge und unseren Ausfiihrungen (S. 39). 

Der Schmachfrieden wurde den Deutschen aufgedrungen auBer von Br.*; 
David Lloyd George (England), Wilson (Amerika), Br.' H Clemcnceau 
(Frankreich) von den folgenden Entente-Delegierten: 

England: Grofisiegelbewahrer Br,f. Andrew Bonar Law, Kolonial- 
sekretar Br.*. Viscount Milner, Auslandssekretar Br.'. Arthur James Bal- 
four Minister Br.-. George Nicoll Barnes; Vereinigte S t a a t e n : Staats- 
-sekretar Br.'. Rob. Lansing, Botschafter Henry White, M. HoasfjKa- 
n a d a: Ministerprasident Br.-. Sir Robert Laird Borden, Handelsmmister George 
Eulas Foster; Australien: Br.*. Ministerprasident und Justizmmister 
William Morris Hughes, Marineminister Sir Joseph Cook; Siidafrika: 
Ministerprasident General Louis B o t h a (t), Vertekligungsminister General leu tn ant 
Br • Jan Christian Smuts; Neuseeland: Ministerprasident W. M. M as s e y; 
Indien- Staatssekretar Br.'. Edwin Samuel Montagu, Maharadscha von 
Bikaner; Frankreich; Auslandsminister Br.'. Pic h on, Finanzminister 
Br,- L.-L. Klotz, Kriegs-Generalkommissar Br. '. Andre Tardicu ), Botschat- 



*) Br • Tardieu war einer der wiitendsten Hetzer gegen eine in weiter 
Zukunft vielleicht mdgliche AnscliIieBung Deutsch-Osierreichs an das Deutsche 
Reich Tardieu crreichte vom „Obersten Rate" das formtlle Verbotan Deutsch- 
land und Deutsch-Osterreich, sich jemals zusammenzuschliefien, yerbunden mit der 
Forderung an Deutschland, den § 61 seiner neuen Verfassung, der den Deutschen 



148 



ter Br.-. Jules Cambon; Italien; Ministerprasident Br.-. V. E. Orlando, 
Auslandsiiiimster Br.*. Baron Sidney Sonnino, Senator Br.-, Marquis G, F. 
Salvago Raggi, Minister und Abgeordnetcr Br.-. A. Salaiidra, Minister 
und Abgeordneter Br.-. S. Barzilai (Burzel); Belgjen: Auslandsminister 
Br.-. Huysmans, Staatsminister Br.-, van denHcuvel, Justizminister Br.'. 
Van der Velde; Criechcnland: Ministerprasident Br.-. Eleftherios Ve- 
nizelos, Auslandsminister Br. 1 . Nicolas Politis; Rumanien: Ministerpra- 
sident Auslandsminister Br, - . Jean J. C. Bratianu, General Br.*. Constanttn 
Coanda; Portugal Ministerprasident Br.'. Dr. Alfonso Costa, Auslands- 
minister Bi.-, Augusto Soares; Serbien: Ministerprasident Br.*. Nicolas P. 
Paschitsch, Auslandsminister Br,*. Ante Trumbitsch, Minister Milenko 
R, Wes nit sell; Tschecho-Slowakei: Ministerprasident Br.*, Karl 
Kramarsch, Auslandsminister Br,-, Eduard Benes; Polen: Nationatkomi- 
teeprasident Roman Drnowski, Ministerprasident Br.'. Ignace Paderewski; 
Brasilien: Staatsprasident Senator Epitacio P e s s o a , Finanzminister Pandia 
Calogeras, Raul Fernandas; Bolivien: Gesandter Tsirrael Montes; 
Liberia; Br.-. Staatssekretar C. D. B. King; Panama: Gesandter Minister 
Antonio Burgos; Nicaragua; Kammerprasident Salvador Charaorro; 
Honduras: Staatsprasident a. D-, Gesandter Dr, Policarpo Bonilla; Haiti: 
Gesandter Minister Tertullien Guilbaud; Guatemala: Staatsminister Ge- 
sandter Joaquin Meridez; Ecuador: Minister Enrique Dorny de Alsua; 
Kuba; President fiir Vdlkerrechtsforschung Antonio Sanchez de Busta- 
mante; Peru; Minister Carlos G. Gandamo; Uruguay: Br.-. Juan An- 
tonio Buero; Siam: Minister Prinz Charoon, Untcrstaatssekretar des Aus- 
wartigen Prinz Traidos Prabandhu; Hedschas: Rustem H a id a r , Abdul 
Hadi Aoutii; China: Auslandsminister Lou Tseng-Tsiang, Ackerbau- 
minister Chengting Thomas Wang, und Japan: Botschafter K. Matsui, Mini- 
ster Viscount C h i n d a , Auslandsminister Baron Makino, Ministerprasident 
Marquis S a lo n z i und Botschafter H, J j u i n, 

Mit diesen Bedingungen ist die vollige Erdrosselung Deutschlands bezweckt. 
und es bleibt dem deutscheu Volke nur noch moglich, eine Involution ins 
Geistige anzustreben, Derm im Sinne materiell-praktischer Lebcnsbetatigung 
sind diese Friedensbedingungen das Todesurteil gegenuber dem gesamten deut- 
schen Volke! — — 

Zu diesen „Friedensbedingungen" schrieb die stets sehr ententefreundliche 
Wiener „Arbeiterzettung'-(unterm 9. Mai I9 r 9): „Alles ist vergessen, was Wilson 
feierlich versprach, alles ist verraten, verlcugnet, was er ah Sinn der kiinftigen 
Weltordnung proklamierte." Ihre Besitznahme von Wilna, das die Deutscheu 
einst befreit. naben die Polen gleicb damit gefeiert, dafi sie Pogrom e gegen die 
dortigen Juden eroffneten, zabllose Juden massakrierten und melirere Tausende 
Juden in Gefangenschaft setzten (vgl. „N. Ziirch. Naclir." vom 10. Mai 1919). 
England-Amerika-Krankreich aber setztcn dem „Frieden" die Krone damit auf, 
da8 sie sofort einen neuen aggressiven Dreibund — gegen den geplanten „V6lker- 
bund" — inauguncrten, unter der besonderen Zustimmung des „groBen" Brs.-. 
Dr, Woodrow Wilson ... 

Unsere zweite geographisclie Karte ,,\Vie wir Deutschland h c u t c sehen" 
(aufgenommen im August 1919) zeigt u. a. auch die bciden deutschen Kreise 
Eupcn und Malmedy, in denen die Entente die Volksabstimmutig vorgeschric- 
ben bat, ob diese Gebietc bei Deutschland bleiben oder belgisch werden wollen. 
Hier iibt nun Belgien bereits einen Terror ohneglcichen: cs verlangt (laut Ber- 
liner ..Vorwarts") eine namentlichcoff entliclie Einschreibung der Stiftim- 
berechtigten in vorgclcgte Listen. Dabei -vvurde angedroht, dafi, wer sich fur 
Deutschland entscheidet, mit alien Familienglicdern ansgewiesen wird! 
Wer aber keine Entsclteidung trilft. urn seine Gesinnung nicht offenkuudig zu 
machen, gilt ohnc weiteres nls ,,f u r Belgien stimmend"! 

Indem wir diepc Schmaeh, die Belgien ubt, registrieren, erinnern wir uns 
cities Aussprucbes, den cin Kriegsteilnehmer, der in Belgien stand, uns gegemiber 
geltend machte. Dieser Mann vries darauf bin, dafi der b e 1 g i s c h c Truppcn- 

Osterreiciis da? — Selbstbcslimnuingsrcelit gewiihrt, auf/nhcbcii. — Die Nicht- 
anfgabe des § 61 hedrohten die Brr.-. mit neuen umfangreichen Bcsrtzungen. 



— 149 — 

it b u n g s p I a t z Bevti'Ioo (in der Provinz Limburg), der sogenannte „Camp 
de Beverloo", „an sich sclion beweise, daB es der groflte Unfug ist, von einer ,beU 
gischen Neutrality t' reden zu wollen. Dieser Truppemibungsplatz ist der 
grofitp seinesgteichen in ganz Europa, auf dem deshalb auch die Deutschen 
iliren Millkmenheeren die Endausbildung gaben. Wozu braucht", so sagte unser 
Kriegsmann, „cin ,11 e u t rales Belgien' einen solchen Truppemibungsplatz? — " 
Nun, Belgien blinzelt ja langst groBmachtlustern auch nach Holland . . , 



Wic aus dem am 22. August 1917 vom Reichskanzler Michaelis vei- 
orTentlichten Geheim-Abkommcn zwischen GroBbritan- 
nieii, RuBland und Frankreich hervorging (und unsere w. ht- 
ser fuiden cs auf S, 108/09 angedeutet), hatteEngland — und man lese 
fur England immer „Schottenloge der grauen und Orange-Briider" — 
den Geheimvertrag, der den Raub des deutschen Westens billigt, 
uuterra 12. Marz 1 9 1 7 r a t i f i z i e r t ! — In der „Gazette de 
Lausanne*' sprach Maurice Muret die Echtheit der crsten, den West en 
Deutschlands betreffenden Enthullungen des Kanzlers aus; nach einem 
Aufsatz des Schweizers Rudolf Hurbin (Aarau) in der ^Deutschen Po- 
litik" Nr. 34, 1917, aber sagte der friihere franzdsische Ministerprasident 
Br. ■ . Charles Dupuy : „Ich f ordere^ daB die franzbsischen Grenzen bis zum 
Rhein und an die Mosel gehen, und dafi, wir einen Prafekten der Republik 
in Koblenz amtieren sehen!", und der franzosische Abgeordnete Fernand 
Engerand tat einen im Prinzip gleichen Ausspruch, wahrend Rene B a - 
zin dozierte: „Wenn uns das Elsafi und Lothringen von Natur gehorcn, 
so sind wir auch zum Besitz der Pfalz berechtigt...!" 
Der maurerische „Temps" vom 31. Juli 1917 aber bestatigte den Kanzler 
rtwa mit den Worten : 

„Dieser Veitrag siclierte Frankreich seine im Anschlufl an friihere Eroberungs- 
" kriege (!) ') gezogenen Grenzen vom Jahrc 1790 zu, also Elsafi-Lothrin- 



') Eine kurze Dbersicht mogc darstellcn, wie Elsafl (das helle Licht-Land 
der (H)e lsassen, der das geist-gottliche Erbe der Vorvater im Geheimen fort- 
erhaltenden [„helendcn"] Nachkommen der „A 1 t - A s e n") und Lothringen 
(Lotharingen) „\v e 1 s c h" wurden. In alemannischer Zeit waren MoseJ- und mitt- 
leres Rhein-Maingebiet mit Luxemburg (Luxemburg) frankisch (ripu-arisch), 
jedoch niemals etwas anderes alsdeutsch. Strafiburg und Basel waren aleman- 
nisch-deutsch. Die Freigrafscbaft Lotharingen, die noch licute — widerrecht- 
licht — franzosisch ist, war sozusagen ursprunglich alemannisch-burgundisch- 
chattisch; salische Franken und Wcstgothen zogen dann nach dem Westen hin. 
Erstmals war das Elsafi (der Sundgau) 536 an die Franken (Ripu-Arier) gefallen. 
870 kamen die Freigrafscbait Lotharingen und die Westschweiz an das gallische 
l-Vankr eich und bildetcn Ost franken, doch gehbrte dieses Ostfrankenreich 
(das Mittelreich Lothars IL t des Enkels Ludwigs des Frommen) zu Deutsch- 
land. Bis um goo ist das gallische Frankenrdch ein im wesentlichen rein deut- 
scher Staat Trotz aller Belagerungen 1365, 1445 und 1551 hlieb ganz Lo- 
thringen doch auch noch bis 1648 tmunterbrochen beim Deutschen Reiche; 
1535 war Genf noch deutsch. Als im westfalischen Frieden 1648 Frankreich das 
elsaB-lothringische Land zum zweitcn Male annektierte (das erste Mai geschah 
die Annexion durch Frankreich im Jahre 1551/52), blieb doch der grofite Teil des 
' elsafl-lothringischen Reiches territorial noch welter beim Deutsche^ Reiche und 
der Beherrscher von EIsaC-Lothringen wurde (als franzosischer Konig) gewisser- 
mafien deutscher Reichsfurst. 1680/81 nahm der „allercbristlichste Konig", Lud- 
wig XIV., durch willkurlichcn BeschluB der Reunionskammer Strafiburg, Laksem- 
burg und andere deutschc Stadte im Wege des Raubes rundweg an sich, als 



— ISO — 

gen, dazu das S a a r b e c k e n und weitgehende Gebieteveratide- 
. rvsngen am 1 i n k e n Rheinufer, ganz nach Gutdttnken Frankreichs"- ) 

Man darf hicr wohl noch einschalten, dafi auch schon der franzosischc 
Senator Br. • . VictorHugo (er wurde 1875 in die Loge aufgenommen 
und verschiedene internationals Latomien tragen semen Namen) das 
linkeRheinufer und selbst d i e P f a 1 z fur Frankreich begehrte. 2 ) 
Damit wurde dieser vielgefeierte Dichter zum politischen Vorbilde dcr 
Brr.-. Lloyd George, Marschall JofTre, General Petain und des Jesuiten- 
zoglings Foch, die jetzt den Frieden diktieren und (nach dem „Echo dc 
Paris'' vom 10. April 1919) energisch das linke Rheinufer fur die Entente 
fordern. Dabci sollen, wie schon gezeigt ist, die Saargruben von Frank- 
reich im Sinne einer internationalen und politischen Verwaltungsordnung 
Ubernommen werden, wobei die Grenzen des Saargebietes (laut „Echo dc 
Paris'') sehr weit nach Norden vorzuschieben und die Eiscnbahnlinien uber 
die Briicken von Landau und Kaiserslautern unter franzosischen EinfiuS 
zu stellen sind . . , 

Von Interesse ist das G e s t a n d n i s des Pariser Professors Charles 
Gide (vgl. „Internat. Rundschau", Marz 1918), nach welchem die fran- 
zosischen Volkswirte (Nationalokonomen) sich deutschesEisen aus 
den Saarbecken und deutschen Hopfen aus dem Elsafi „kostenLos holen" 
wollen, „sobald diese Landesteile franzosisch sind". 

Auch der ehemalige „grofie Antirailitarist" Br, * . Gustav Herve gelit 
iangst auf den Wegen seiner Logenbruder Briand, Dupuy usw., indem er 

Dcutschland mit der Turkei in Konflikten lag. Durch allerlei Drangsalc, die 
unter Ludwig XIV. uber Lothririgcn verhangt wurden, wanderten garae Ort- 
schaiten nach Schwabcn aus. Siebzehn. Jahre spatcr fuhrte dcr Rywiker Frieden 
das geraubte Land wieder zu Deutschland. Bis 1801 durch den Frieden von Lune- 
vilte dieses deutsche Gebiet abermals franzosisch gemacht" wurde, Der Wiener 
Frieden 1815 gab cs aber wieder an Deutschland zuruck. Als 1871 Deutschland 
EIsaB-Lothringen znriiekeroberte, belicB cs doch die ehemals deutschen Lande des 
iibrigen Lotliringen in den Handen der „Grande Nation"; dieses „franzosische 
Lothringen" ist nun reiclilich zwei Jahrhunderte in staatlich-franzosischcm Besitz, 
Das a 1 t c deutsche ElsaB-Lothringen umf afite auBer den schon ge- 
nannten Landesteilcn von Nanzig (Nancy) und Wirten (Verdun) auch B e r g i r i e <1 
(Belfort), Bom tint (Beaumont), St. Did el (St. Die), Ebertshofen (Avri- 
court), Lienhardsstadt (Luncville), Marbodsbrtinn (Marbotte), Mosel- 
b r{ick en (Font a Mousson), Neuenburg (Neufchateau), Tull (Tout) usw. 
usw. (Vgl. hierzu u. a. Adolf Reinecke, ^Deutsche Wicdergeburt", Lindau 1901, 
S. 102/103 und Raoul Stoecklin, „EJsaB-Lothringen deutsch oder franzosisch?", 
Zurich 1918, Or ell FuBli.) 

*■) Vgl. Rudolf Ilurbin, „Deutschlands diplomatische Offensive gegen Frank- 
reich" in der „Deutschen Politik", 2. Jahrg. 

2 ) Wenn aber (nach Leo Tolstoj: „Bete und arbeite") Br.'. Victor Hugo 
gesagt hat: „Wenn Tot en Siinde ist, so kann Tdten en masse (KriegBhren) doch 
unmdglich ein mildernder Umstand ^ein, — und wenn S t e hi en sehandbar ist, so 
kann Weguahme einer Provinz (also Annexion!) doch kein Ruhm sein!'_ 
wenti Victor Hugo also geredet hat, dann verstchen wir nicht, daD dieser selbc 
Victor Hugo cs fertig bringen konnte zu sagen: „D a s linke Rheinufer ge- 
hort zu Frankreich! Mochte man dieses (Frankreich) doch zufrieden stel- 
len! Europa hat keine Ruhe, solange Frankreich nicht zufriedengestellt ist!" (Nach 
Ed. WechBler: „Dic Franzosen und Wir", S. 16 fordertc Victor Hugo fur Frank- 
reich noch diebayerische P f a 1 z.) — „V i c t o r Hugo-Logen" gibt es 
in Paris (Rue Herran 12), in Solola (Guatemala) und in Rio IV und Tncurnan (in 
Argentinien). 



„ 151 — 

schreibt („Victoire" vom 12, April 1917): „Zum Gluck sind noch Eng- 
land, Italien und Araerika da, welche noch die Mittel- 
machte zwingen werden, Polen und ElsaB-Lothrin- 
gen, S i e b enbiir gen , Triest, das Trentino, Serbien 
u n dA r m e n it; n a b z u t r e t e n" (vgl. Nr. 4* des christlkh-soz. „Ge- 
werkscha£ter'\ Winterthur 191 7), wahrend Lloyd George, Asquith, der 
Konig Viktor Emanuel von Italien und Ri b o t — nach des letztererrRede 
in der franzosischen Kammer am 13. Oktober 19 17, mitgeteilt von „Havas" 
— nach wie vor unter Aufrechterhaltung aller seitherigen Kriegsziele der 
Entente ElsaB-Lothringen ohne Plebiszit, ohne Volks- 
ab&timmung des beteiligten elsafi-lothringischen Volkes 1 ), itir Frankreich 
fordern ! Der Ehrenprasident der Nationalunion der reformierten Kirche 
Frankreichs, Charles Wagner (dieser Mann mit deutschem Namen), 
weist Ende August 1917 im maurerischen „Matin" jegliches Selbstbestim- 
mungsrecht der ElsaB-Lothringer ab : er fordert denzwangsweisen 
AnschluB dieses deutschen Westlandes an dieRepu- 
b 1 i k. Br. • . B r i a n d aber fugte, indem er den maurerischen Botschaf- 
tern Cambon, Jusserand und (dem von uns an anderer Stclle noch genann- 
ten) Br.*. Barreres das hochste Lob fur deren geleistete Kriegs-Diplo- 
matie aussprach, den 1917 in der franzosischen Kammer gehaltenen Reden 
von Georges Leygues und Br.-. Ribot iiber die Annexion ElsaB-Lothrin- 
gens hinzu ^.Deutschland und das deutsche Volk ist dem 
Tode geweiht!" 1 ) Dieser Briandsche Ausspruch war eine Variante 
zum kurz vorher vom maurerischen Mailander „Secolo (I verbrochenen 
Satze : „Solange ein Osterreich existiert, wird es nie einen dauerhaften 
Frieden geben!" 1 ) 



») Man darf hier wohl einschalten, da8 Fiankreich, das (wie England) so gern 
das grofle Wort vom Selbstbestimmungsrecht der V6!ker im Munde fiihrt, sehr 
wohl weifi, weshalb es das „Plebiszit" fur den zu raubenden Westen Deutschlands 
(mit EinschluB des Saarbeckens und der Pfalz!) nicht ancrkennen will. Denn schon 
1871 zahlte das rein-franzosische Sprachgebiet Lothringens nur 28,84% franzosisch 
sprechende Einwohner, wahrend das OberelsaB gar nur 3$% und das TJnterelsafi 
3 84% franzosisch redende Bewohner aufwies. Vom Rechte der „Option 1 ', d. h. 
Franzosen zu bleiben, macliten 1871 von IS70 474 ElsaD-Lothringern nur 39 900 
rcchtsgultigen Gebrauch, — das waren nur %Y\% der ganzen Bevolkerung (vgl. „Int. 
Rundfech.", Januar 1918). Durch den deutschen Impuls wahrend 43 Jahren hat sich 
das Verhaltnis noch mehr auungunstcn Frankreichs verschoben. Das macht ver- 
stiiiidlich dafl Munitionsminister Br.-. Albert Thomas, wie auch dcr ehemalige 
Walliser Advokat Br.*. Lloyd George und der englische Arbeiterfuhrer Hen- 
derson Frankreich dahin sekundieren, daS bezuglich ElsaB-Lothringens kein 
Plebiszit (kein Selbstbestimmungsrecht der Beteiligten ube r die Zugehorigkeit zu 
Deutschland oder Frankreich) zuzulassen sei. (Br.-. Thomas forderte im Londo- 
ner „Daily Chronicle" [wie Lloyd George] fiir die Negerstaaten Deutschlands ein 
Selbstbestimmungsrecht, das er fur die ElsaB-Lothringer aber nicht fur notig halt!) 
(vgl. die „Irif."-Korr, vom 19. Januar 1918 aus Rotterdam). Ebensowemg erlaubt 
England den Agyptern das Recht der Selbstbestimmung und erlcbt Aufstande uber 
Aufstande am Nil und bei den Fellachen; aber die Brr.-. Balfour und Bonar 
Law erklaren, daB Agypten ohne wciteres fur alle Zeiten von England besetzt 
bleiben wird (vgl. die Protest-Rede des tiirkischen Abgeordneten von Haurau, 
Schekib Bay, in der tiirkischen Kammer vom 2. April 191SX — Das Saar- 
becken ist ethnographisch rein deutsch. 

s ) Pariser „Havas"-Depesche vom 13, Oktober 1917. 

3 ) Vgl die Inf,"-Korrespondenz in den Tagesblattern vom 18. August 19 17. 



— l$2 — 

Erganzend kann man auch noch anfugen, was tier serbUchc Geschafts- 
trager Gruitsch in London unterm 8. September 191 1 an den ver- 
storbenen serbischen Ministerprasidenten Milowauowitsch (der 
s. Zt. beinahe Laureat der Nobel-Friedensprcisstiftung geworden ware; 
schrieb ; „daB der W e 1 1 k r i e g nach der Meinung der Alliierten 
1 9 1 4/1 5 stattfinden werde, ein friiherer Krieg der Alliierten gegen 
Deutschland sei unmoglich wegen der Organ is ierung des Ober- 
kommandos, die 191 1 noch nichtbeendetwa r". 

Es ist auch an dieser Stelle angezeigt, in der neuen Auflage dieses 
Buches noch einige weitere Einschaltungen zu machen, die den deutschen 
Westen betreffen. Kin fast beispielloses Exempel von „Gesinnungstreue" 
zeigte der jiidische „Deputierte" von Elsafl-Lothringen, Dr. George 
Weill, der bis zur Annexion dieser alten Asenlande durch die Republik 
Poincares Mitglied des deutschen Reichstages war. Dr. Weill will die 
„ Reorganisation Elsafi-Lothrmgens" (It. Artikel im „Petit Parisien" 
vom 26. November 1918) damit erreichen, daB in Elsafi-Lothringen j e n c r 
Z u s t a n d wieder hergestellt werde, der v r 1 8 7 1 bestand: es miisse 
..jegliche Spur deutschen Einflusses der vergangenen 45 Jahre aui>- 
geloscht" werden. Dr. (Br.* .?) Weill wurde 1 8 8 2 in StraBburg geboren, 
gehorte der sozialdemokratischen Schriftstellerei an und schrieb vor dem 
Kriege fur deutsche und franzosische Blatter Aufsatze uber eine deutsch- 
franzosische Verstandigung (1). 1912 lieB er sich mit Hilfe der All- 
deutschen gegen den elsaB-lothrtngisch -nationalistischen 
Kandidaten in den deutschen Reichstag wahlen! Heute ist er Haupt- 
trompeter fur die bedingungslose Angliederung der bisherigen Reichs- 
lande an Frankreich *). Einen vortreff lichen Gesinnungsgenossen hat Dr. 
Weill in dem Sozialdemokraten S. Grumbach, der — ebenfalls ein 
Elsasser — auf dem internationalen KongreU der Sozialdemokratie in 
Bern 1919 gleichfalls fur den bedingungslosen Anschlufl der Reichslande 
an Frankreich sprach. S. Grumbach war (nach den „Neuen Zurcher Nach- 
richten" vom 1. Februar 1919) wahrend des Krieges ein ebenso eifriger 
Propagandist fur die Entente vvie Dr. Weill, welch letzterer bei Beginn 
des Krieges nach Frankreich ging ... 

Es gibt noch einen dritten solehen Gesinnungsheldcn : den deutschen So- 
zialdemokraten und Juden Peirotes, der die siegreichen Franzosen so- 
fort freudig als Herren von Elsafi-Lothringen begriiflte und dafur — O b e r - 
bur germeister von StraBburg wurde... 

Wie es den deutschen Reichslanden unter der neuen ^demokratischen" 
Herrschaft Br.-. Poincares und unter der Diktatur des verflossenen fran- 
zosischen Kriegsministers, des sozialdemokratischen Brs.-. Millcraud 
(der nun Generalkommissar fur Elsafi-Lothringen ist), gehen mag, davon gibt 
es schon Beispiele. „Die deutsche Sprachc ist in Elsafi-Lothringen abge- 
schafft/' 3 ) In den Schulen werden die deutschen Lehrmethoden aufgehoben 
die Schulc wird zwangsweise franzosisiert. Und weil die Lohne der elsafi- 
lothnngischen Eisenbahnbeamten „zu hoch" seien, miinten sie herabgesetzt 
werden! Per Eisenbahndirektionsprasident von Saarbrucken aber wurde 

*) VgL „Neue Ziirch. Nachr." Nr. 10 C1919). 
• 4 \ V e!v>Friedcnswarte' f tg1 ^ Febru ar heft. — Diese Sprachen- Diktatur lieB sich 
;edoch noch nicht voll durchfuhren und wurde deshalb neuerdings etwas gemildert 



- 153 - 

von dem franzosischen Besatzungskommandanten zu acht Tagen Stuben- 
arrest verurteilt, weil er — nach franzosisch-demokratischer Meinung! — 
nicht entschieden genug die Eisenbahnarbeiter zur z e h n stiindigen Ar- 
beitszeit antrieb (die Deutschen hatten vorher den Acht stundentag ein- 
gefuhrt!) Reichsminister Erzberger machte hiervon in der deutschen Na- 
tion alversam ml ung in Weimar am 20. Februar 19 19 die gebtihrende Mit- 
teilung. 

Die vielgeruhmte franzosische „Ritterlichkeit" moge cndlich noch illu- 
striert sein durch die Art, wie die Deutschen von ihren Belagerern und 
Besiegern behandelt werden. Bei der Uberschreitung der franzosischen 
Besatzungsgrenze in Offenburg (badisches Gebiet in der Nahe Strafiburgs) 
muBten nach einer Mitteilung des deutschen Fliichtlingsausschusses <ag.~ 
Korrespondenz vom 3. Februar 1919) die deutschen Frauen sich vor den 
franzosischen Soldaten entkleiden. Nach der „Vossischen Zeitung" vom 
30. Marz 1919 belastigen belgische Kongoneger jene deutschen 
Frauen, welchc gezwungen sind, die von den Alliierten besetzte Rhein- 
brucke *) zwischen Oberursel und Dusseldorf zu passieren. Und bei dem 
Austritt der Reichsdeutschen aits den ehemaligen Reichslanden zwangen 
die Franzosen die von ihnen Ausgewicsenen (und jeder Reichsdeutsche 
wird ausgewiesen), ihre ganze Habe in Elsafi-Lothringen zu lasscn. Ntir 
2000 Mark fur die Erwachsenen und je 500 Mark fur ein Kind durften mit- 
genommen werden. Alles iibrige beschlagnahmt die maurerische Regie- 
rung Frankreichs „als Fonds fiir die Anspruche Elsafi-Lothringens an 
Deutschland !" (vgl. die „ Zurcher Post" Nr. 147 von 1919). 

Allzu gesegnet scheuit ElsaB-Lothringeu unter der Eutente-Logenregierung 
iiberhaupt mcht zu werden. Das geht aus den Bestrebttngen der elsafl-lotliringi- 
schen Autonomisten und N ational is ten hervor, die ilir Land f r e i 
vom .jGefilerhut" des Brs.*. Milleiand (des in Straflburg stationierten General- 
Kommissars) wissen und sich als Alt-Elsasser imd Alt-Lothringer sclbst regicren 
wollen. Sie sagen, daB die ..franzosische Frerndherrschaft in Triimmer ge- 
schlagen werde". Sie verlangen, da8 kein Franzose ans Ruder diirfe, daB ein 
strenger XJntersc-bied gernacht werde zwischen franzosischer und elsafl-lothrJngi- 
scher Staatsangehorigkeit, daB ihre Landsgenosscn in der franzosischen Armec 
kcinen Dienst tun diirfen und eine elsaB-lothringische Miliz gebildet werde, daB 
ElsaB-Lothringeu ein eigenes Ministerium erhaltc und eigene bevollmachtigte Ce- 
sandtschaften unterhalte; sie fordern ein eigenes Staatsoberhaupt und endlich die 
ganzliche Abweisung der Mittragung an den Kriegsschulden Frankreichs und 
Deutschlands. 

Beachienswert ist, daB der von uns erwahnte friihere elsassische Abgeordnete 
im deutschen Reichstag, Grumbach, der auf dem Berner Sozialistentag nach 
Kriegsende Deutschland noch genugsam beschimpfte, sich gedrungen sicht (wie 
der Berliner ..Vorwarts" am 11. September 1919 schrieb), gegen die franzosische 
Elsasserpolitik, die franzosische Zensur und den B el agerungszu stand usw. zu pro- 
testiereu. Auf scinen Antrag hin nahm die unterelsassische Sozialistenkonferenz 

') Nach Br.-. Kriegsminister Winston Churchills Mitteilung im britischen Un- 
terhaus vom 7. Marz 1919 wollen die Alliierten eine Besatzungsarmee von 430000 
Mann am Rhein dauernd behalten! Diese werden vorlaufig besonders aus S e - 
negalnegern und Marokkanem bestehen (,,Europapress" vom 17. Okto- 
ber 1919). — Etwa 2 f A Milliarden Mark j a. h r 1 i c h wird die Besetzung des 
Rlieingebietes von Deutschland erfordern! — Nach der in Kubletiz er?cheinenden 
amerikanischen (!) Zeitung „Amarow" vom 9. September 1919 wird vom 
linken Rheinufer Koblenz, Trier usw. unter amerikanische Militar- 
und Zivilverwil tiing (also anglo-amerikanische Freimaurergewaltl) 
kommen. 



- 154 - 

cinen Widerspruch an gegen die fortgesetzte franzosische Sabel-Dik- 
tatur im UtiterelsaB undin Lothringen und forderte u, a. die Wieder- 
herstellung der burgerlichen Rechte. — lis kann angefugt werden, daB die 
- franzosische Militarbehorde in Elsafl-Lothringen bereits zwei Jahrgange ein- 
beiufen hat, und daB bereits viele sozialistische und andere Protestversammlungen 
gegen die rohe Willkur der „neuen Herren" entweder noch vor der Abhaltung 
v«rboten oder mit Militar auseinandergesprengt wurden (vgl. Berliner „Vorwarts" 
vom 18. September 1919). 

Die Dinge mbgen in Elsafi-Lothringen und in der „Saarpfalz" wie auch in den 
„halbannektierten" Rheinlanden zunachst gehen wie sie wollen. Frankreich mag 
seine Gewaitpolitik fortsetzen. Es wird doch wieder anders komraen. Frankreich 
wird den Gewinn seines Raubes n i c h t genieBen. Dafur sorgt das Malthussche 
Zweikindersystem, das Frankreich keine Zukunft sichert! Aber man kann auch 
noch an einen anderen MiBerfolg Frankreichs denken, der kommen wird. Frankreich 
bildet ein zum Materialismus fiihrendes Denketi und Fuhlen aus, das wird ihm — 
im Gegensatz zu dem nach Verinnerlichung strebenrien Deutschtum — zulerzt zum 
unabsehbaren Schaden werden und ihm den Erfolg seiner rauberischen Logen- 
politik in den Wind schlagen. Dann werden sich die annektierten Provinzen auf 
sich selbst stellen, und zwar auch dann, wenn etwa heute {was zu erwarten ist) die 
Antonomisten in die Gefangnisse werden wandern mussen und die grausamste 
Diktatur aufgerichtet wird. 

Wie sich nun die franzosischen logenbriiderlichen Minister, Deputier- 
ten, Journalisten und Sozialisten unter dem Beifall ihrer englischen Bru- 
der Maurer die Zerstorung Deutschlands denken, das kann man in einem 
franzosischen Buche lesen: „Die Aufteilung Deutschlands". Das Buch 
spricht (nach dem Ziircher „Tages-Anzeiger" vom 16, September 19 14) von 
der Annexion der deutschen Gebiete am Mittel- und 
Oberrhein, ferner samtlicher deutscher Gebiete siidlich von 
Koln, mit EinschluB von Wurttemberg und Teilen Bay- 
er n s mit Wiirzburg, — alles dieses soil Frankreich haben ! 
En glands Plan, den deutschen Norden einzustecken, aber 
bestatigtc die Forderung, Oldenburg, ') das vom rheinisch-west- 
falischenlndustriegebietbis hinaus zur Nordsee reicht, s a m t 
diesem Industriegebiet an GroBbritannien anzugliedern ! I m 
Osten babe Rufiland vorzudringen bis zur Elbe, um mit Stettin, Ber- 
lin und Magdeburg den ganzen deutschen Osten slavisch zu machen. 



In einer auf Gcscbichtsverfalschung basierten Broschiire „Le Spectre de l'An- 
cienne Slavic occidentale" von Savitar (herausgegeben von der polnischen P r o- 

*) Tatsachlich ist auch das oldenburgische FUrstentum Birkenfeld von 

den Franzosen besetzt worden (laut den Waffenstillstandsvcrhandlungeii vom 
27* Januar 1919). Birkcnfeld im Hundsriick, in urdeutschem Lande, war vor 1801 
bis 1814 gewaltsam an Frankreich angegliedert, und hierauf grunden nun Frank- 
leich-England ihr Besetzungsrecht! - 

In Birkenfeld, dem deutschen Nibelungen-Gcbiet, eitist Sit; der Pfalzgra- 
fen, loste der franzosische Kominandant Major Bastiani am 31. August ^1919 
den oldenburgischen LandesausschuB auf und setzte die rechtmaflige Regierung ab, 
weil diese die deutsche Verfassung in Birkenfeld nicht preisgeben wollte. (Der 
ursprunglichste Gedanke der „englischsprechenden Geheimlogen" sucht sich hier 
durchzusctzen: Oldenburg, von Neuenkirchen ab — oberhalb Osnabruck — , 
unter br i t i sc h e n EinfluB von der Nordsee her, und als scheinbaren „Gegen- 
wert" (I) an Frankreich den Ted von Oldenburg, der (als ehemaliges Fiirsten- 
tum Birkenfeld) am Ilunsriick und der Rhein-Nahe-Bahn liegt. Bereits wurde 
von der franzosischen Besatzung die Bildung der „Republik Birkenfeld" erzwungen 
und eine „genehme" Regierung mit „Prasident" Zeller an der Spitze, eingesetzt. 



155 



paganda in Lausanne, 1919) wird der Anspruch der Pol en auf Deutschland 
(mittirlicli mit Einschlut) von Danzig) bis heran nach Magdeburg, Ham- 
burg und bis zur Saale geltend gemacht Weil angeblich die Slaven im 
9, Jahrhundert sich bis zur Saale ausgebreitet haben sollen (an der Elbe hatten 
die slavischen Obotriten, Lutiten und Veleten gewohnV das Konigreicli 
Sachsen sei von den slavischen Lausitzern und S c h 1 e s 1 e r n , die obere 
Elbe von den Tschechen, die Gegenden der Warthe, Weichsel und Elbe [Pom- 
mern] von Polen bewohnt und Hamburg sei cine urspriinglicli polnisclie Stadt ge~ 
wesen, in Thuringen, an der Saale und Elbe hatten die Lusaceschen „Serben" oder 
Wenden ihre Kulturarbeit geleistet, Magdeburg habe als ein slavischer Marktflecken 
Geltung gehabt und auch die Mark Brandenburg mit Berlin sei rein slavisch ge- 
wesen), deshalb gelten auch heute — nach tausend Jabrenl — noch die deutschen 
Anspruche auf deutsciies Land, wo deutsch gesprochen wird, als frechc AnmaJiung! 
Nur Slavien hat Weltberechtigung! Leider muB man sagen, daB die in genannter 
Schrift geltend gemachten groiipolnisch-slavischen Anspruche (Magdeburg, Merse- 
burg, Hamburg, Bremen, Liibeck, Stettin, Berlin, Dresden, Bautzen, Breslau, Wien, 
Graz, alles selen slavische Stadte und hatten keine Berechtigung dazu, als deutsch 
gelten zu diirfen!) geschiitzt werden durch erne auch von deutscher Geschichts- 
schreibung bewirkte falsche Darstellung der Vorzeit. Eine wirklich einwandfreie 
Geschichte der deutschen Vorzeit gibt es allerdings nicht und die Kirchen- 
geschichte, auf die meist abgestellt wird, erweist sich sehr oft als unzuverlassig, 
wenn nicht als absichtlich irrefiihrendl Die Ableitung^ zahlloser Worte in slavi- 
schen Gegenden aus der ariogermanischen Ursprache (einem wirklichen „Devana- 
giri", d. h. der geoffenbarten Weltsprache des Abendlandes und uber seine Grenzcn. 
hinaus) hat zu der irrigen Meinung gefiihrt, als seien sehr viele reindeutsche Erd- 
teile einst von Slaven bewohnt gewesen. Das Studium der Guido Listschen .Ur- 
sprache der Ariogermanen" und sein fruheres Werk „Die Namen der Volkerstamme 
Gcrmaniens und deren Deutung" fiihren aber endlich zur wirklichen Wahrheit uber 
die Ureinwohner Europas zuruck. Die besagtcn „Obotriten f ' diirfteu gar kein 
„Volksstamm" sem, sondern nur „die Oberen" heiBen = die Fuhrenden; die „Luti- 
ten" (wahrachcinlich von hlut, liut und lauten abgeleitet), werden als Lautenspieler 
oder Bardensangcr zu gelten haben, und die „ Veleten" (von vel und fel = Vliefi) 
kann man als Eingeweihte'entsprcchend jenen vom „Goldenen Lammfell" bezeich- 
nen, deren es nicht nur in der Heimat Jasons gab. Sehr oft sind namlich die alt- 
arischen Namen gar nicht Stammebezeichnungen, sondern Symbole fiir Eigen- 
schaften cinzclner, fuhrender „Salmanen' f (Anfuhrer). So sind 
auch die Serker (Berserker) urspriinglich cine Art Magier oder Eingeweihte der 
germanischen Vorzeit, und Worte wie ,,Serben" und „seren" (versehren) und „Se- 
raph" (seraf) und , f Seele Cf hangen alle innig miteinander zusammen im Sinne von 
Himmelsfeucr, ^rleuchtung, Sehertum u. dgl. Der Berserker (oder „Wissende") 
tragt den „Serker" oder das Weihekleid (den Mantel) seines Priestertums. Mit 
Bezug auf einzelne Orte und Landschaften (z. B. Berlin, das slavisch von „Vogel- 
brutplatz" abgeleitet wird, wahrend es doch den Bar [= Barlin!] im Wappen 
fiihrt, wns mit Berserker sich verbinden laBt), die in S a v i t a r s j.Gespenst des alten 
Slavien" einen Anspruch auf die h e u t i g e n polnischen und jugoslavischen Forde- 
rungen bekraftigen sollen, geben wir noch die folgenden Andeutungen. In der 
Gegend von Stettin, an der Ostsee, wohnten die germanischen L i d i 11 i e r und die 
Riigener (Rugicleinen) (daher der Name Rugen), an der Weichsel und in 
Danzig lebten die Ulmerugi (ebenfalls Riigener) und Go then („Gothunni'\ 
was wieder dem Irrtum rief, als seicn die Gothen halbe Hunnen gewesen!) und die 
Vistilif ari (die Weichselfahrer und Weichselfischcrleute)._ Schitomir in Wol- 
hynicn, das die Polen Zytomierz nennen, war nicht eine slavische Stadt f sondern 
bedeutet „das Skytcnmeer", wobei die „Skyten ,f als Sakuten oder sachsische 
Pferdeztichter zu betrachtcn sind, die auf dem Boden des urspriinglichen Meeres- 
grundes lebten. Ihre Eingeweihten waren die „Sudini", die Feuer- oder Sonnen- 
walter (Vcrkiinder der Lichtlehre). Die Stadt Chark<\w lenkt den Blick auch 
nicht. nach Slavien, sondern nach Germanien, denn „carcoke" ist der von Wallen 
beschtitzte Ort, und Tobolsk (tobolask) ist jene Statte, wo Wuotans Feuer- 
brand „tobte". Die „S \ 1 i s i e r" (Schlesier) in der hier behandelten Schrift zum 
FriedcnskongreB zugunsten der Polen sind ebenfalls keine Slaven, sondern 
„Sonneneingcweihte" („SilingeH f O, die sich vielleicht schon seit mehr denn tausend 



- i$6 - 

Jahren gegen die sie bedrohende Verslavung wehren* Da auch die Wandalen 
in der angezogenen Schrift „Ge3penst des alten Slavien" eine Rolle spielen, sei 
bemerkt, dali sie am rechten Oderuter und im Riesengebirge (also in von den 
Slaven unserer Tage beanspruchten Gebieten) seflhaft waren, und dafl sie wie die 
„Latiten" und „Lugier" Ostschwaben waren (Uandalen uder Anadalen ge- 
nannt, von M Uandalan" oder „Wuotan dem Wandler" abgelcitetj. Das mittel- 
landische Meer (Uandalenmeer) war von ihnen beherrscht. (Daher Andalusien 
— Wandalenland). 

Die Thuringer und Lausitzer odcr „lusacischen" „S e r b e n" (Serbjo, Serbia, 
Zorben oder Sorben oder „Wenden" [henthen]) sind ein durchaus germanisch- 
markomannisches Urvolk und stehen in gar keiner Beziehung zu dem ihnen an- 
gedichteten slavischen Blute. Wenn Savitar in seiner Schnft ^Das Gespenst des 
alten Slavien" darauf hinweist, daB der deutsche Konig Heinrich der Vogelsteller 
im Jahre 919 bei ..Lusace" gegen die an den Ufern der Saale und Elbe wohnenden 
thiiringischen Scrben und Lusacer in unberechtigter blutiger Fehde gelegen unci 
diese „Slaven" unterdriickt habe, so kann entgegnet werden, dali diese „Lusaeer" 
(Lausitzer) als Markomannen schon im zweiten Jahrhundert dem romischen Kaiser 
Marc Aurel schwere Tage berejteten (dieser Kaiser Antonius starb am 17. Marz 
180 im Feldzuge gegen die Markomannen bei Vindobona [Wien]). Sorben oder 
„Trotzige" konnten sich diese Markomannen wohl nennen, weil sie sich sowoM 
dem Christentum als Heinrich dem Finkler gegemiber nicht geneigt zeigten. 
„Wenden" aber steht mit,„SchicksaIswendung" in Verbindung und bedeutet die 
Auflehnung gegen ein ihnen Drohendes. Im iibrigen ist auch Wuotan der Schick- 
salswender, der Schicksalswandler (Uandale), Man sieht, alle diese alten Namen 
haben weit mehr geistig-scelische Bedeutung als den lieute behanpteten Wort- 
sinn fiir „Stamm" und „Volk". 

Was die Warthegegenden betrifft, die die Polen heute beanspruchen, so ist 
zu erwidern, da£ es der deutsche Konig Friedrich der Grofie war, der dort aus 
unwirtlichen fruchtbare Lande machte. 

Das Kdnigreich Bohmen aber, das die jetzigen Tschechen den Deutschen 
absprechen, gehorte den Bojera oder Bajuwaren (^Bojovari"), die von Aquita- 
nien (der Gegend von Biscaya usw.) ursprungtich gekommen waren. Dem Orakel- 
spruch folgend, der sie aussandte, fremdes Land zu kolonisieren, folgten sie dem 
Winde (,»Bo\ der „B6e") und nannten sich desbalb „Bojer". Auch sie warcn 
Germanen una niemals Slaven, ansonst auch die Burgunden und Normannen zu 
den Slaven gerechnet werden muflten. Vielleicht wurde auch das von den Polen 
fur Allslavien beanspruchte Graz von ihnen begrundet. Das lateinisierte „Graia- 
cum" ist — nach List — abzuleiten von „Krajan", dem altdeutschen Alarmwort 
zur Herbeirufung der Freunde gegen die Uberfalle der zu erwartenden Fcinde. 
Es muB somit gesagt werden, dafl es blinder Wahn ist, aus den Kultur- 
begriffen der heutigen Zeit die Nichtberechtigung von allcrhand Fehden vor 
tausend Jahren (unter Heinrich I., Otto I., Karl dem Grofien) abzuleiten und die 
Kampfe des Deutschordens (urn 1228, als Danzig im Streite wider die germanisch- 
heidnischen Preuflen und Litauer den Deutschherren verfiel) zur Besudelung des 
deutschen Wesens zu mi 8 branch en. 



Die Kriegszielforderungen der einzelnen Sprecher und Schreiber wei- 
chen immer etwas voneinander ab, — anf diese Weise verbergen sich die 
wirklicheii treibenden Krafte am besten gegeniiber. denen, die am bun ten 
Theater der offentlichen Buhne genug Gefallen finden und gar nicht wissen 
wollcn, wie man hinter den Flitterwanden die eigentlichen Kulisseti- 
geschafte macht . . , Darum findet nur selten jemand etwas daran, wenn 
zum Beispiel eine nackte Statistik klarlegt, dau Frankreich und RuBlaud 
im Jahre 1907 zusammen 470 Millionen mehr Riistungsausgaben 
hatten als die Zentralmachte 1 ) f oder daB das Budget fur die Kriegs- 

') Aber weidlich gegen Deutschland ausgebeutet wird dafiir ein Ausspruch 
des verstorbenen Generalstabschefs Moltkc, den derselbc gelegentlich eines 



- 157 - 

ausgaben Frankreichs und Rulilands fiir 1 9 1 4 (das sind sieben Jahre 
spatcr, aber doch vor dem Kriege) auf ] 447 Millionen fiber das 
Knegsbudget der als „m i 1 i t a r i s t i s c h" geschmahten 
Zentralmachte h i 11 a u.s veranschlagt vvorden war ! 1) Oder wie 
solltc cs audi den gemiitlichen Folitiker interessieren, dafi z. B. die B a n k 
yon Frankreich in ihrem eigenen Jahresberichte (fiir 1914) besta- 
tigte, da3 Frankreich ,,s e i t 1 a n g c m methodisch das ganze Gcld^ 
wesen Frankreichs mobilisiert" hatte. Oder daB ein St. Agener Ortsvor- 
Ptand beim franzosischen Unterrichtsminister den Antrag (der dann im 
Panser Logenblatte „Matin" veroffentlicht wurde) stelltc 2 ), „dan alles Ge- 
cignete geschehe, urn im Geist und Herzen der franzosi- 
schen Kmder den Abscheu gegen Deutschland zu 
crzeugen und zu vertiefen", nachdem dieser Abscheu seit rnehr denn 
vierzig Jahren (wie die „Schweizerische Lehrerzeitung 4 ' schrieb) schon 
aus den Schullesebuchern heraus in die Seelen der Kleinen und Kleinsten 
emgetraufelt war , . . All solchen und tausend andern ^Kleinigkeiten" 
zum Trotz kann aber in einem Buche wie Samuel Zurlindens „Weltkrieg 
und die Schweizer" gelesen werden: 

,,Auch der a a s s cap r oc h e n a te E r o b e r u n g s k r i e g (Deutschlands) muD 
igon dcutscher Seitc) vor der Offeutlichkeit in einen gerechtcn und heiligen 
Knegumgebgen werden, und das geschieht oft mit cincr Kasuistik, bei 
der die alten Moralisten des Jesuitenordens noch in .die Schule gehen 
konnten ..." 6 

Zum Gluck stellcn aber noch andcre Leute Dinge fest, die die Entente- 
pojitiker allerdings nicht gern wieder horen. So gab Professor Charles 
G i d e (Paris) einen der wirklichen Kri egsgriinde der Loge da- 
mit an, daf3 er (in der „Internat. Rundschau", Marz 19 18) feststellte daB 
DeutschlandsAufienhandel sich von 1880 bis 1913 v e r v i e r - 
f a c h t hatte, wogegen sich der franzosisch engHsche Aufienhandel nur 
verdoppelte. Da Plutokratie und Welt-Logen die Haupttrager des 
Entente-Welthandels sind, wird die Verbitterung gegen Deutschlands so 
sichtbaren Aufstieg, der sich n i c h t auf die Loge stutzt, begreiflich. 

Wir sprachen von der Auf teilung Deutschlands, Wie weit 
da wohl der Wunsch der Vater des Gedankens war, als 1912 der franzo- 
sische Militarschriftstcller Major de Civrieux sein Buch „Der Unter- 
gang des Deutschen Reicbes, die Schlacht auf dem Birkenfelde*' schrieb. 

Diners am 6. November 1913 zu seincm Tischnachbarn, dem belgischen Militar- 
attache, tat: „Der Kneg mit Frankreich ist unvermeidlich, und 2 war binnen kurzer 
/cit . . . Als ob Deutschland immer im Sclilummer liegen bleiben und nicht 
mcrken durfte, was rimdum vorging — ! 

') Eincr andem Statistik zufolge, die der Herausgeber der Zeitpchiift „Die 
Ocisteswisscriirhjuten" Dr. Pauj Her re in seiner Broschure „An die Neutral en" 
Uunch, Orell fuBli) verorTenllichte, kamen in den einzelnen Landern auf den 
Kopf der Bevolkeruug folgende Rustungsausgabcu: England ^ Mk (Heer 
1J.50, Marine 20.50 Mk.), Krankrcich 2g.?o Mk. (Heer 19.30, Marine 10.40 Mk ) 
Deutschland 22 Mk. (Ueer 15, Marine y Mk.), das sind ji Mk. weniger als 
England und g.70 Mk. weniger als Frankreich! Auf Ruflland mit seiner Rie 5 en- 
emwohncrzahl entfielen pro Kopf der Bevolkerung 11. 10 Mk. Riistungsaiisgabeii 
■die auch m der TEanptsache wieder durch die franzosischen Anleihen ge- 
■deckt worden sand. 

2 ) Wiedergeseben in dor „G»2ctte des Ardennes". 



— i 5 8 — 

De Civrieux verkiindete damals Deutschlands volligen Untergang durch 
die vereinten Machte von Frankreich und England unter Zuhilfeziehung 
von 50 000 Afrikanern und unter Mitwirkting auch Belgiens 
(und sogar Hollands), und dies „unter der Regierung des dritten und 
l?tzten Hohenzollernkaisers"', anderthalb Menschenaltcr nach Begrundung 
des neuen Deutschland. Im freimaurerischen ,, Matin" vom 23. August 
1914 wurde die Birkenbaumsage ebenfalls dem Leserkreise vorgesetzt und 
dann so bearbeitet, dafi Deutschlands Untergang in der siebenten Gene- 
ration nach Begriindung Preufiens (1713 -f 7 mal 30 Jahre = 1 893 b i s 
1923) durch die Englander, Franzosen, Belgier, Hol- 
lander, Russen, Japaner und S e r b e n vollzogen werde. Wir 
haben aber das Gefiihl, dafi die Birkenbaumschlacht (sie wird auch nach 
dem 3t Matin" im .Westfalenlande ausgetragen), die das erste mal im Jahre 
1701 als Sage in K 6 1 n nachweisbar L ) ist, gerade vom Maurertum nicht 
chauvinistisch benutzt werden diirfte, wie dies besonders durch das ge- 
nannte Pariser Logenblatt geschieht, das mit dieter Prophezeiung ^Stim- 
mung" machen will. Uns scheint, die p o 1 i t i s c h e n Maurer schlach- 
teten eine rein geistige Seherwahrheit so aus, bis sie ihren Zweckcn dientc, 
weshalb man auch die Belgier und Hollander (die die Loge ja benotigt!) 
mit einbezog — de Civrieux tat das schon 1912! denn Belgien-Holland ist 
ja das Land, auf das die englische Groflloge zielt, urn Europas Kusten- 
gebiet in seine Macht zu bekommen, wobei Frankreich Vasallendienste 
leistet (indem es ja tatsachlich die Briten nach Calais und Brest be- 
r i e f !). Uns schwant, die Schlacht am Birkenbaume 2 ) lenke die denken- 
den Geister und die suchenden Seelen hin auf die geweissagte Wiederkunft 
des Cbristus, den wir dann allerdings nicht in der von Annie Besant (der 
Logenschwester vom Schottengrad und Protektorin und Leiterin der 
Adyarloge, des Sterns vom Osten und Universal Co-Freemasonry) belieb- 
ten betriigerischen Aufmachung erwarten dtirfen. Es wird vielmehr eine 
innerliche Erleuchtung durch die Mensehheit gehen, wodurch 
sie das hohe Christuswesen seinshaft erfaflt, — doch nicht in physischer 
Wiederkehr. Dafl dies nach einer furchtbaren „Schlacht" geschieht, 
kann allerdings auf den gegenwartigen Weltkrieg mit bezogen werden', 
weil durch denselben eine gewaltige Seelenerschiitterung bei alien Volkern 
ausgelost wird, die an sich wieder zum Sehertum in die geistigen Wei ten 
fiihren wird. Nach un sere r Meinung ware es die eigentliche Pflicht der 
Loge gewesen und hatte ihrem eigentlichen Sinne entsprochen, der dahin 
geht, die Volker auf diesen moglichen Aufstieg der Menschenseele zur 
Christuspersonlichkeit hinzulenken : dann wiirde der Christus seine Wie- 
derkun ft" im einzelnen Menschen-Ich finden 8 ). Eine solche Erwartung 

x ) Vgl. Prof. Dr. Friedr. Zurbonsen, n Die Volkersclilacht der Zukunft am 
Birkenbaume", 1910, S. 7. 

-) Vgh auch Dr. F.'Rohr, „Die Prophezeiung von der Entscheldungsschlacht 
des europaischen Krieges am Birkenbaum", Neue Beitrage (Bocholt i. W., J & A 
Temming), em Buch, das wir wegen seiner besonderen Ablehnung alles Okkulten 
und wegen seiner real en Umwertnng alter Schlachtsagen ganz besonders zum 
Mudrum empfchlen! 

3 ) s Jst Christus tausendmal in Bethlehem geboren, 

Und nicht in dir, so bist du ewig doch verloren!" 
spncht Angel us Silcsiu? (Joli. Scheftler, 1624—1677, de r furstbischbfliche 
Ar2t, Rat und Dichter von Breslau), in selnem „Cherubinischen Wandersmann" 



— 159 — 

hatte man um so mehr hegen diirf en, als der englische Bn ■ . G. Oliver 
schon 1846 die Freimaurer als „Magd der christlichen Religion" erklart 
und gesagt hatte, daB die Masonnerie „in alien ihren Graden und beinahe 
in jedem Teile eines jeden Grades auf einen gekreuzigten Erloser hin- 
weise" und die freimaurerische Hiram-Legende •) den Freimaurer 

*) Der „allerehrwurdigste Ritus" ist der des „II i r a m Abiff", oder des 

„S o h n e s der Witw e", von dem weder die offizielle Kirche noch die Wissen- 

schaft noch die entgleiste (politische) Freimaurerei etwas weiB, „obwohl gerade 

dieser Ritus die Kirche zu dem groflten ihrer christlichen Mysterien gefuhrt hat"> 

wie H. P. Blavatsky in „Esoterik" auf S. 276 sagt. t ,K6nig Hiram von Tyrus" 

ist der „Freund Davids und Salomos": aus Davids Stamme erbluhte der wahre 

Heliandder Welt, der Erloser der Menschheit (eben t] Hiram Abit-Adoniram", 

der in inniger Verbindung ist „Adonai der Herr", der „Vermittler zwischen 

der Menschheit und dem Ungeoffenbarten"). Hiram Abift bringt das „verlorene 

Meisterwoit" der Mysterien und der Freimaurerei zuriick . . . Und Hiram Abtff 

gab dem Salumo das ? ,Bauholz" fur den Tempelbau, in welchem das Heiligste 

^(die Lebens- und Todesmysterien) aufbewahrt werden sollen . . . Und wieder 

"wachst aus Hi rams Grabe ein Akazienbaum. Whkliche Okkultisten wis sen, 

daB dieser Akazien- oder „Lebensbaum" nur in der geistigen oder atheiischen 

Welt zu finden 1st, und dafi „Adoniram' c selbst dieses Leben ist... Deshalb mufi 

, in der ..Hlramitischen Maurerei" der „Akazienbruder" von der Hochgradmaurerei 

; auch den „alten Eid nachsprechen" und „mit einem Ku6 auf das Evangelium be- 

"Siegeln". Auch „sollten nur Eekenner der Lehre Jesu Christ! in die Hirams- 

matirerei aufgenommen werden"! So viel Worte, so viel ..Geheimnisse", die mit 

, „Aarons Stab" oder Aarons Rute (dem bedeutungsvollen Symbol der Royal Arch- 

"({aurerei) „aus dem Stein (Lapis laziorum) geklopft" werden . . .! 

Unter der „Witwe" ist dann auch nicht nur, wie viele Maurer meinen, 
!: die Loge zu verstehen, und als der „S o h n" („Hiram") kann daher nicht nui- 
der „Brnder Maurer" gemeint sein, obschon der Br : *. ein „Kind der Erde und des 
Lichtes" sein soil. „Die .Witwe' (,Isia'> ist die Loge als Symbol der 
: Erde, die vom hoheren Fuhrcr sich verlassen fuhlt." Diesen Fuhrer muB die 
■ Loge wieder finden, — und der kann niemand anders als der „Bruder Baumeiste r " 
- selbst sein, der „im Urbeginn" als „schbpfemchcs Wort" „uber den Wassem" 
. schwebte, Jf durch welches Wort alle Dinge gemacht sind" (r. Mose 1, 2; r. Konige 
'5, J5ff.; Ev. Joh. 1, 3). „Denn das geheime Werk des Chjram oder Konigs Hiram, 
: , ,Eins dem Wcsen nnch, aber Drei im A'fepekt', ist das Universale Agens oder Lapit, 
' philosophonim" (Blavatsky, t ,Anthropogenesis", S. no). Alle Mysteriemihung 
-von Anbe?;irin und dnmit auch alles wahrc Logentum war und 1st in seincn. 
' tiefsten ..Gelieimnissen" somit immer das Erlebnis des Christus in der 
: eigeuen Seele. (Vgl. hierzu wie zm Erklarun^ u. a. Dr. Rud. Steiners , t Die Ge- 
; heimwissenschaft im Umri8" 4. Ann., 1913, S. 240, 245/48, 255/60, 266/67, 279/Sr 
, bezw. die entsprechenden Seiten der neuesten Auflage von 19x9.) Br.'. Dr. J. C. 
• Buck, 32. ■„ (Cincinnati) ist ganz unserer Meinung, obwohl wir noch wetter gehen 
:als er (denn Br**. Buck bleibt • — wie auch Br.-. Albert Pike, 33.'. — bei einem 
) nur f ,5ymbolischen" Christus stehen, wahrend wir den wirklichen Christus 
' Jesus damit in Zusammenhang bringen). „?Iiram" "oder , t Khurum" ist die Pc- 
:; sonifikation des Lichtes und der Sonne, und „Abin" (falschlich „Abiff") gilt als 
„ „des Vaters (Gottes) Diener" oder Vermittlcr, Daher steigt .,Hiram Abiff" auch 
i nach seiner ,,Ermordung" durch die beiden „Geister des tJbels" (wir konnten sie 
^■mit der persisch-hebraischen Legende auch „Ahriman" und „Luzifer" nenneu) 
t.V. wieder empor ,,als der Eroberer und Auferstandene" dessen Symbol um die sicht- 
^Jbare Sonne ist, die, je weiter sic nach Westcn geht, ,,niedergeworfcn wird von den 
^ilordern' Tod unci Finstcrnis". Der tiefe Gehalt der Hiram-Legende ergibt sich 
^Tauch darans, daB Hiram gerade in dem Moment sein Leben verliert, als ,,der 
rTempel seiner Vollendung nahe ist", und doch arbeitet Hiram nach der Voll- 
) endung des Tempels daran, einen Palast fur eitten Konig ?u konstruiercn und 
; auszuschmiicken , . . Und eben dazu wachst der „Akazienbaum" (das Baubofz 
, fur den Palast) aus dem Grabe (Tode) Hirams empor. Der Palast ist fiir den 
Wissenden zu finden in der geistigen (atherischen) Welt, in welche der Maurer 






— i6o — 

lehre, „sich in diescm Leben auf die ewige Seligkeit in einer andern Welt 
vorzubereiten" (vgl. Linzer ^Quartalsschrift", 19 16, S T 663). Gerade die- 
sen Hinweis zu geben, ware um so mehr Pflicht der Freimaurer gewesen, 
als der ^Meister vom Stuhl'* symboiisch die aufgehende „Sonne" vertritt x ) 
und der Christus gerade d i e Sonne i s t , die allem Leben zugrunde'liegt 
und ihm erst Wert und Sinn verleiht („in Ihm ist das Leben und Sein 
Leben ist das Licht der Menschen", Ev. Joh. 1, 4) und alles wahrc 
Maurertum ein Abglanz der uralten„Sonnen-Oraker' ist, welche 
Dr. Rud. S t e i n e r in seiner „Geheimwissenschaft im Umrifl" (Kapitel 
„Weltentwicklung und Mensch") in so ergreifender Weise schildert. Erst 
wenn man weifi, daB aller Schutz der Seelen von jenem hohen Christus- 
wesen schon in undenklichen Vorzeiten ausging und heute noch ausgeht, 
begreift man den wirklichen Geistgehalt des reinen Maurertums, den zu 
verkunden Pflicbt des wirklichen ^Stuhlmeisters" ist, der allein zu 
diesem Zwecke Hammer und Svastika fiihren sollte s ). Statt dessen 



(oder Mensch) „schauend hineinwachsen" mu&, wenn er „mit Hiram Abiff z u - 
kunf tig" sein will . . .! Und eben darum sind Hiram und Christus Eins, als 
Hoehstgeborcner im Fleisch ist Christus-Hiram der Vollender der physischen 
Form (des leiblichen H^empels) und als Auferstandener in der Welt des Lebens- 
geistes ist er der Erbauer des Palastes fur den „Sohn (K6nig) zur Rechten des 
Vaters", dessen „Diener" („Abm"-Abiff) oder „Haiidwerker" er ist (als Vermittler 
zwischen Allvater-Weltengeist und Menschheit-Maurertum). „Hier liegt die 
wahre Bedeutung von ,AbifF, die da heiBt; ,von meinem Vater (gesandt)', und 
von tHiram' (oder ( Cbn&tus'), der da ist , Kins' m i t dem Vater, der ihn ge- 
sandt . . ." <Vgl. Br.-. Buck, „Mystische Maurerei", S. 68, 70/71, 98 und 245) 

Im wiTkliciien Verstehen der Hiram-Legende gelangen wir auch zum Erlebnis 
des „Akazienrneisters^ (jenes hohen „SchoUengrades", den freilich die Tausende 
von Maurera, die in ^Akazieu'VLogen organisiert sind und „Acacia*'-Maurer- 
zeitschriften redigieren und lesen, iiberhaupt nicht mehr erfassen, weil der Geist 
aus der Form gewichen ist!). Die Akazie ist der „Baura des Wardens", da= 
Symbolum der Geburt im Geiste und in der Kraft und Macht (Magie) im Gott- 
4ichen. Glekhsam wie einen bitteren Hohn muB man es daher empfinden, wenn 
nun. im besonderen es Entente-Lander sind, in denen sich- die „Hiram"- Logen 
noch heute vorfinden. „HiranV-Logen gibt es in London-Tottenham und Londou- 
Gre;it Queen Street; in Rueil, La Fointe-a-Fitre und Melun (in Frankreich, ge- 
grundet 1824 bezw. 1836 und 1842); in Bombay (Indien); in Sidney (Australien); 
in Dayierford (Melbourne, Victoria); in Burin Bay (Neufundland); in Brisbane 
(Queensland); in der Stadt Guatemala, in Sao Paolo, Minas (zwei Logen), Rio 
de Janeiro und Rio Grande do Sul (zwei Logen) in Brasilien; ferner in Buenos 
Ayres, Rio Gallegos, Mendoza und Tres Arroyos (in Argentinien). Eine Abiff- 
Loge hat Saxmundham in Groflbritannien, Auch gibt es einen bespnderen Schot- 
ten~Hochgrad „Sohn des Hiram" (was eigentHch ,Junger Christi" heiBen mtifltel 

*) Vgl. H. F. Blavatsky, „Esoterik", S. 287. Ein Beispiel dazu bieten die ger- 
maniac h-keltisch en Mysterien: Der Erzdruide reprasentierte die Sonne, wahrend 
die beiden nachsthohen Initiierten den Mond (wonmter man ,Jehovah-Javeh- 
Kiafte" versteht) symbolisierte. — Erst die Kenntnis solcher Tatsachen laflt dann 
das weitere Verstandnis dafiir aufkommen, dafi in Alt-Indien wie Agypten ein 
Sonnen- und Mondkultus existierte, daB von „Sonnen- und Mond-Dynastien" die 
Rede war, und daB z. B. der Buddha Gautama aus dem Stamme des 
Ikshvaku, als des „Begriinders der Sonnendynastie" entsprossen sei (Th. 
Schttltze, „Buddhas Leben und Wirken", S. 16 und 285). Die ,Javeh"-Kr af t e 
waren nicht nur dem eingeweihten alten .,Israelitertum" bekannt. 

2 ) 3 ,Der Svastika ist der ,Hamnier des Arbeiters' . , ., .welcher Funken 
schlagt aus dem Feueratcine' (dem Raume), welche Funken zu Weiten werden. 
Er 1st Thors Hammer (Miolnir) . . . ,von Zwergen geschmiedet gegen die Riesen 
oder titanischen Krafte der Natur' (und die Leidenschatten) ... So bezieht sich 



— I6l — 

treiben^ die ententistischen Logenblatter chauvinistische Politik mit den 
erwahnten tiefsinnigen „Propiiezeiungen"! — 

Die ursprungliche und anscheinend auch von Nostradamus schon 
gekannte und sogar gewissen alten christlich -hellenischen Sibyllinen J ) 
mcht fremde Birkenbaumsage entbalt nichts von einem Siege bestimmt 
aufgefuhrter Entente-Nationen, und ist daher das, was de Civrieux und 
4er t , Matin" dahingehend sagen, eine gesuchte und tendenziose Zurecht- 
stutzung tiefsinnigst-geistiger Andeutungen. Und wenn nach der reinen 
Birkenbaumsage ein kommender Konig-Kaiser in weifier KLeidung auf 
schneeweiBem RoB erwartet wird 1 ), der als Heilskonig uber die Erde 
schreitet, so ist dies ganz gewifl kein Weltlogen-Zar im Sinne des „schotti- 
schen Ritus", sondern das in die Seele nach langer Gotterdammerung 
scheinende neue Glaubenslicht, das von Christus ausgeht, der von der 
Men schen seele Besitz nimmt, und von dem man in den letzten Mysterien 
Germaniens ganz sicher unter dem Symbolum der Wiederkehr Baldurs und 
, Widars — des „Wiederkehrenden' c — eine tiefe Ahnung besafi B ). DaB 



H der ,Sch6pfuugshainmer' mit seinen vier rechtwinklig gebogenen Armen 

a-.if die bestandige Bewegung und Umwalzung des unsichtbaren Kosmos deK 

Krafte . . . Die zwei Linien, welche den Svastika bilden, bedettten Geist 



?y 



und Materie, die vier Haken weisen auf die Bewegung in den umlaufen- 

yklew hin. Angewendet auf den Mikrokosmos, den Menschen, zeigt 

ihn als ein Bindeglied zwischen Himmel und Erde , . , Es ist nieht 



zu viel gesagt> daB die zusammengesetzte Symbolik dieses universalen und bedeut- 

samsten Zeichens den Schliissel zu den grofien Geheimnissen des Kosmos ent- 

halt , . , Das Licht^ welches unter dem gottlichen Hammer hervorscheint, welcher 

_ jelzt zu dem Hammer der Stuhlmeister der Freimaurerlogen verkleinert 

%r vkt, gemigt, das Dunkel Irgendwekher menschlicher Systeme oder Einbildungen 

|rzu zerstreuen." (H. P. Blavatsky, „Anthropogenesis", S. 104/105.) Der Svastika 

erpcheint in den Handen von Vishnu, und stellt die welterhaltende Kraft dar, 

welche Vishnu besitzt. Die urarischen Worte „thu" und „ask" bezeugen als' 

„thnask" (oder in der Ableitung swask und „Svastika f ') das Werdende: „es 

werde" oder „entstehe". Der Svastika ist eines der bedeutsamsten Kultursigiile 

des Ariertums und findet sich in zahllosen Wappenschilden (Kreuz, eisernes Kreuz, 

Schweizerkreuz usw. in „verhe]ter", d. h. verborgener Form) vor. (Vgl. hierzu 

auch Guido v. List, „Bilderschrift der Ariogermaneu", S. 43 und 230, und List, 

„Ursprachc der Ariogermanen", S. 166/67.) 

! ) Vgh Zurbonsen, „Volkerschlacht dcr Zukunft", S. 89. 
-) Vfih d?.zu die , f Offenbarung Johannes" 19, V. 11—16. 

3 ) Widar, einer der wenigen Asen, die den ^Surtursbrand", d. i. den Welt- 
untergang, oder die Weltumwandlung, uberleben. Widar, sinnbildlich „ein Sohn 
„Odhin-Wuotans" (d. i. das hohe Geistwesen, das eine ganz neue Kulturentwick- 
lung inauguriert), „bewohnt mit Baldur und den Sbhnen des Thor die neuverjungte 
Erde" (wie es bei Dr. \V. Vollmer, „Mythologie aller Nationen", Stuttgart 1836^ 
noch ganz verschleiert heiBt). Erganzend sei angefiigt, daB auch die alte per- 
s 1 s c h e Mysterienkhre ueben dem Zarathustrischen Hinweis auf den Ahura Maz- - 
dao (Christus) die Eingeweihten darauf hinweist, daji. einst der „Erl6ser_der Men- 
schen": Sosioh, auf weifiem Fferde kommen werde, begleitet von einer Armee 
von Genien auf mikhweiBen Stuten. — Dann aber hatte Altgermanicns „Edda" in 
- der sogen. „V61u-spd fi („Der Wala Offenbarung") den Hinweis auf den „S 1 a r k e n 
von o b e n", „der kommen wird": 

,>Zur Gotterberatung reitet der Machtige, 

Der Hochste \on oben, der alles beherrsclit; 

Er schlichtet Zwiste und sichert Urteif 

Nach ewiger Satzung." — — „\Vahren wird ewig, was ER gebeut!" 

(In den tbcrsetzungen von Friedrich Fischbach tmd Hans von Wolzogen.) 

Heise, Entente-Freimaurerei. It. n 



— l62 — 

die „Schlacht am Birkenbaum" aber ins Westfalenland gehort, also gewis- 
sermaflen an die franzosisch-belgische Grenze, das hat ganz andere Ur- 
sachen als chauvmistisch zurechtgemachte , } Hellseherei". Bezeichnend ist 
da das W o 1 k e n g e w o g e , d. h. die Wolkenphanomene, die von man- 
cher dazu pradestinierten, zartbesaiteten Sehernatur wahrgenommen wer- 
den, Diese Wolkenbilder Hegen weit iaber Westfalens Landschaft und 
hangen eng ratt der Volksseele zusammen und mit dem, was in den Umer- 
grunden der Seelen noch chaotisch ringt. Der Dichter Friedrich Wilhelm 
Weber von Dreizehnlinden und die westfalische Dichterin Annette von 
Droste-HulshofT besafien beide die Gabe des „zweiten Gesichts" Wenn 
die „Gotterdammerung", die noch immer tiber der Menschheit Hegt 
sich wird em wemg wieder gelichtet haben, also daB der „Widar" ] j 

») Wie sreheimnisvolle Zeichen einer erneut sich ktinden wollendea Manifesta- 
tmn allerh^hst-hchger Mysterien der Erde und gleichsam &te&n\£nnBdt*?[$l 
nschen oder „Welt-Ostara-Fest*s" — dessen Beginn Guido von Lis ftr die left um 

ergebmsse, 19 17 S 134—138) bezw. als AbschluB der hoffnung srcichen 
Zeit des h Michael, die (nach A. W. Sellins ..GeUteswissen JiJ/alche Be" 
deutung des Sohar") 1953 «i Ende geht - und wie em magiscbes Ausdr "cksmittd 
allerhedigster Wdtengeheimnisse mutet es an, wenn inmiUen von in iPuWeXmpt 
und Fcuerbrand des Kneges hegender Ortschaften (oder auch von ErdbebS . he?m 

lift, e BoSf ^ daS St ^ dbild dCS " SUrkeri VOn oben'^Ters £ bTeJbt' 
Be i der Bombardier ung von O s t e n d e in de r Nacht vom 1 zum 2 Ok to her tot,." 
S^hT X lcr . Z ™«'i"bo«ib e n verheerend nieder in die scMaCdTltadt E me der 
schW % ? em If,? 3 - 5 Bur£aU dnes F^chexporteurs Namens W Jem „n 
w« H? w- 1 "? "u nd . kl ^'. Im ersten Stockwerk des Hauses, das tota 1 «rsSrt 

Da ist a » J£ em kle '- Cr K r in . erhaUen > auf de ™ *» Chrisr^bid stand 
„iJas 1st all es, was von meinem Geschaft iibrig geblieben ist" saste narhX : 
„N«ien Zurcher Ztg." der Haiwherr. „Seit dreiflig Jahren steh SfsetfChristS 

preuciscfien Urt Widmmnen heimsuchten, blieb der Altar der Kirch? mit dnm 

w -V- « v" - V* in \ E »d Nr. 3 vom 10. Marz 1915). Das slovenische BlaS 
«n°, V e lK b ««* ttte ,,<?™* Ldem ..Zurcher Tagesanz « vom 16 " Ju i 19T5) wi< der 
ganze Kalvanenberg" bei Podgora unweit von Gorz von den Ita lenem fn 
Lh U " Krl AsChc Sde ? WUrde: aber die drel Kre ^e, die dem Berge den NamS 
g-en"' blieb ? n - u ™sehrt Emrnal Sc hon war das Christusbild aZmmiZ 
Derknn J°? £ci " d ich f. n Schfasaen ,u Boden geworfen worden. Da sprang au S 
Ra«rh« , 5 Dalmatmer hervor und befestigte trot, des holhschen Feuers des 
Ranches und des Hagels von Schrapnellen die Statue des Heilandes wieSr -fn 
der vongen 3tt\U Und Gott selbst verherrlichte diese mutige Tat Tem Dal 
matincr geschVh nichtj." Und wieder leucht.te weithin an der S Jr'afle zwische n 
lit. rV-^ 11 ^- Brt ! derdorf vom Saarburger Schlachtfelde her die frdstehende 
wahrend *£»' ^ ^ *"* ^ AugUSt ^ dem Schlachtendonner w derstand 

storten. Hanse em unversehrtes Kru Z ifix („Welt im Bild" Nr. 2 v om 10 Ma r f 101 
W.eder lag de r g an,e Ort A i 1 1 e s in Tninrmern, aber k^ne (Sanatf haUe'd'ie 



- 163 - 

sichtbar wird, dann wird das Geheinmis des Birkenbaumes *) sich 
enthiillen ..,, cs wird dann enthiillt sein. Aber wie gesagt, gar nicht 
im Sinne des „Matin", der seine Leser mit seibstgeformten Fabeln be- 
- nebeit, — wahrend doch die hinter seinen Redakteuren stchcnden „drei 
Punkte-Manner der hochsten Grade" das „Zeug dazu" haben konnt'en, 
aufklarend zu wirken. Die Moglichkeit, geistige Erkenntnis zu gewin- 
nen, sollte ja doch gerade im Reichc des Maurertupvobenan zu finden 
sein . . . Aber man begniigt sich in j e n e n LogenkreWn mit allgemcinen 
Schonreden tiber Zivilisation, Fortschritt, Kultur, Toleranz und Gewis- 
sensfreiheit, an die man selbst uni so weniger glaubt, als man von ihnen 
redet, — der Nichteingeweihte merkt dann nicht, „wo es hinaus will". . . 
Und so erleben wir taglich die Folgen davon, dafi das hehre „Meisterwort" 
der Menschheit verloren ging, und dab" des leider selbst zum politisierenden 
.Maurer herabgesunkenen Albert Pike Worte nur zu wahr bleiben: 
„, . . Denken Sie daran, dafi die Unterweismigen uud Zeremonien di'cser Grade 
(der blaue n und graven Logen) sich durch Verstummelungen und Herabsinken 

dortige Kirche beruhrt. Und im ganz und gar zerschossenen Dorfe Avocourt 
blieb erhalten der Christusbrunnen mit dem Christus am Kreuze (vgl. den „K r iegs- 
kurier rc vom 21. Mai 1916), wie auch das Christuskreuz an der Kirche von Fro- 
m e 1 1 c s inmitten all sonstiger Zerstbrung wie cin lebendiges, unangreifbares 
Wahrzcichcn stehen blieb („Welt im Bild" Nr. 19 vom 30. Jimi 1915). In Russisch- 
Polen hat das Artilleriefeuer eine Kapellc wie* vom Erdboden weggefegt, — doch 
wunderbar erhalten blieb das Mutter-Gottes-Gemalde dieser Heilsstatte („Das Illu- 
strierte Blatt" Nr. r, Januar IgiC). In Befiarabien vermochte das russische 
Kriegsfeuer nicht, sich dem herrlichen Altarbitd und dem davorstehenden Kreuze 
' des Erlosers 7\\ nahen, obschoa die betreffende Kirche vollig im Schutte lag 
C.Kriegrikurier" vom 6. Februar 1016). An der osterreichischen Front zerschossen 
die Ttaliener eiuc Kirche, doch reicliten ihre Kriegswerkzeuge nicht hin/ urn die 
■ zwei int ere ss ante n Freskogemalde dieser Kirche aus dem 18- Jahrhundert zu ver- 
nichten: die r ,Geburt Jlsu" mit dem von Gott-Vater herabgesandten Geiste Christi, 
wie die „Anbctung des Jesuskindlcins" blieben erhalten („Schweizer Illustr. Ztg." 
vom 27. Mai 1916). Auch in. einer zerstorten Kirche vor Verdun fand man in 
liohem gotischen Bogen eine unberiihrte Christusstatue (vgl. das Frankfurter 
„Tllustr. , Blatt" Nr. 22, 1916), uud von einer kriegszerschllssenert grofien modernen 
Kirche von Al bert an der britischen Front, gegeniiber der Ilindenburg-Siegfried- 
linie, berichtet Tony Borel in der „Neuen Zurcher Ztg." vom 31. Miirz 1918, daB 
das bronzeuc Standbiid der Jungfrau, das den Kirchturm kronte, dem Geschiitz- 
donncr widerstand. Wohl ward das Gnadenbild vom Granatenregcn umgestiirzt, aber 
„vom Postament gehalten, hangt die hi. Jungfrau hoch am Turm, mit erdwarts 
gewandtem Antlitz im Ratnne schwebend, das Jcsuskindlein in den iiber ihrem 
Haupt gereckten Armen — ein fast iibernaturlicher Anblick". 

Aber nicht nur der Krieg ruft die Seelen zum Aufmerken. Bei den Erdbeben 
in C i t e r n a (Perugia in Italien), das am 26. April 1917 s e c h s monumentale und 
zugleich kunsthistorische Kirchen dort niederlegte, blieb uuerschtittert und un- 
beschadigt jene wertvollste auch den Okkultisten heilige und dem groBen Fran- 
z i s k n s (GiovanniBernardone von Assisi) geweihte Kirche . . . Jindlich verschonte 
das „Schicksar* bei dem furclitbaren Erdbeben von Avezzano am 13. Januar 1915 
die Wallfahmkirche der Madonna von Pietraquare auf dem Monte Salviano mit 
dem mehrhundertjahrigcn Gnadenbilde, wahrend das Beben sonst alles rundum dem 
Erdboden gleich gemacht hatte (vgl. „Z\ircher Wochenchronik", 191 5, Nr. n). — 
Das alles sind Tatsachen, die man wohl beachten darf, aber sic reden eine andere 
Sprachc als alle Ententelogenpolitik. 

Die B irk e ist das Sinnbild-des noch-eingcschlossenen, noch-nicht-quellenden 
Lebens und gehorte zu den neun Altarholzern der alten Germanen, aus denen der 
Feueraltar wie das Brandbett (bei Totenverbrenntmgen) h^rgcstellt wurden. Aus 
dem Tode (der ^Schlachtung" dus niederen Menschen) quillt ^magisch" das geist- 
gottlichc Lebcn .... 



&■•■■ 
P 



— 164 — 

zum Gemeinplatz mit der Zcit immer mehr und mehr dcm oft b esc h rank ten 
Verstand und der (beschrankten; Eahigkeit des Mcisturs und Instrukteurs, wie 
dein Intellckt und dem Bedtirfnis des Schultrrs angepafit haben, ...und dafi 
diese Mten und einfachen Grade jetzt wie die zerhrochenen Saulen ernes gewolbe- 
losen Druiden temp els . . . dastehen, . . . durch moderne Erganzungeu und absurde 
interpretationen verunstaltet . . ." („Moral und Dogma", S. 106). 
Wenn ein GroBmeister wie Bi\*. Pike selbst das „Meisterwort" nicht 
mehr besitzt, dam/^Jann wohl niemand mehr im Ernst dariiber crstaunt 
sein, wenn jetzt nW noch die aus den alten Mysterien gestohlenen 
Losungsworte (die „Schibolets") in den Ententelogen eine nur a u B e r - 
1 i c h e Geltung haben ... K a u m ein Bruder Maurer a h n t heute auch 
nur einen letzten Sinn darin, dafl die Johannes-Grade der Masonne- 
rie dera Evangelisten Johannes (wie Br. • . Dr. Buck auf S. 68 
seiner „Mystischen Maurerei" sagt) zugeeignet sind, dem groflen Seher 
von Patmos, dem Schopfer des vierten Evangeliums und der Apokalypse.- 
Aber auch jene Entente-Logen, die sich auf. Johannes den Taufer 
als ihren Patron berufen, auch sie sind sich nicht bewuBt, wessen Weg der 
Sohn des Zacharias zu bereiten kam . . ., wie wiirden sie sonst die Friedens- 
kundgebung-en des Papstes Benedikt^ („des Segnenden") abgelehnt haben, 
wie es seitens der Maurer-Bruder Amerikas, Frankreichs und Englands 
(anlafilich der papstHchen Marientaga-Proklamation vom 15. August 1917 
und gelegentlich der bewirkten Ausschlieflung des heil. Stuhles bei den 
Fnedensverhandlungen nach der Geheimklausel des Art. 35 des Garantie- 
vertrages zwischen Italien und der Entente) gescliehen ist. — Br. ' . Lord 
Cecil gestand die Echtheit des AusschluSvertrages gegentiber dem Frie- 
denspapst, den die russischen Bolschewiki in der „Prawda" unterm 28. No- 
vember 191 7 veroftentlicht hatten, langst vor FriedensscliluB ein (vgl. die 
„Inf. (< -Korr. vom 18. Februar 1918 und die „Neuen Zurcher Nachrichten" 
vom 7. Dezember 191 7). 

Der Trager franzosisch-maurerischer Politik und jetzige wiitende 
Kriegshetzer (der fruhere Antimilitarist) und f> Sozialanarchist" Br. ■ . Gu- 
Stav Herve nannte die Friedensnote des Papstes ,,das papsthche 
B 1 6 k e n" und fugte in bezug auf Deutschland und Osterreich-Ungam 
hinzu : ,,Solange der Dieb und der M 6 r d e r nicht um G n a d e gefleht 
oder die Waffe weggelegt oder solange sie ihre Hande nicht den Hand- 
schellen der oftentlichen Gewalt hingestreckt haben, kann von einer Ver- 
sohnung keine Rede sein." Der Washingtoner Mitarbeiter des „Petit 
Parisien" fand den papstHchen Friedensvorschlag „lacherlich ( \ (Vgl. 
die Pariser „lnf."-Depeschen vom 20. August 1917.) Tatsachlich hat man 
dem P a p s t so wenig wit den Neutralen, trotz des Wilsonschen 
Besuches im Vatikan, ein Mitspracherecht bei den Fricdensverhandlungen 
gestattet. Und <fer Frieden ist ein Ge wait frieden, wie ihn nur der grau- 
samste Terror ersinnen kann ! 

Natiirlicherweise — auch eine papstliche Fricdcnshilfe muB so lange 
tjlacherlich" empfunden werden, als die GroBlogenziele unerreicht sind, die 
Br. • . Lord Winston Churchill und andere dahin ausdriicken, dafi sie sagen, 
erst wenn Deutschlands Welthahdelshoffnungen vollig und fur immer zer- 
stort sind, dann sei es Zeit, Frieden zu machen; das sei der Hauptbeschluii 
der Pariser Entente-Konfcrenz gewesen (Churchills Rede vom Herbs t 191 J 
zu Dundee nach der ,, Information"). 



- 165 - 

In der Besprechung der englischen Expansion sgeliiste liefle sich wohl 

noch vieles anfugen. Wir aber wollen in allem moglichst kurz und knapp 

riein. Noch halten wir unter besonderer Erinnerung an Englands B e - 

1 setzung der Murraankiiste (vgl. S. 135) auch Englands hollan- 

E; dische und skandinavische Politik der Erwahnung wert. So auflerte der 

ft friihere hollandische Ministerprasident Kuy per im Okteber 1917 seine 

*'"' groSe Besorgnis dariiber, dafi England in Gcmeinschaft mit Amerika 

einen Angrif f auf Deutschlandim Frtihjahr igiSdurch nie- 

derlandisches Gebiet geplant habe (vgl. „Neue Zurcher Nach- 

richten" vom 24. Oktober 1917). V nd das hollandische Blatt „Het Volk f * 

hielt trotz alter offiziellen Dementis der franzosischen Regierung an der 

Behauptung fest, daB im russisch-franzosischen (von England genehmig- 

ten) Geheimab'kommen die Lostrennung niederlandischer Gebietsteile und 

der en AnschluB an belgisches Inter essengebiet enthalten gewesen sei (vgl. 

^Frankfurter Zeitung" Nr. 354 vom 23. Dezember 1917). Und dies wird 

ja durch die Forderungen des belgisch-sozialistischen Brs. ' . Huysmans auf 

der Vorfriedenskonferenst (vgl. S. 58) bestiitigt, Kuyper sagte daher 

mit vollem Recht im „Slandaard" : 

„Die Offnung der fatalen Papie rscliachtcln 1 ) in Petersburg uberraschte 

nicht nur ganz Europa, sondeni vcrwundertc es audi furchtbar. Wie grofi mart 

: " auch die Raubsucht der V e r b ii n d e t e 11 (d. i. der Ententcmaurerei !) stch 

vorstellte, niemand konntc auch nur von feme ahnen, daB bereita za einer Z*it, wo 

man den deutachen Kaiser in London und Petersburg auf die freundschafthchste 

Weise empfing, Frankreich, England, RuBland und Italien hinter seincm Ruck en 

im wahrsten Sinne des Wortes eine Verschworung gegen ihn und sein Land an- 

zettelten" 2 ) („Inf. : '-Korresp. vom 6. Dezember 1917). 

Aber die Zukunft wird noch mehr die Schuld der Entente-Frei- 

maurerei enthullen. Der ehemalige serbische Geschaftstrager in Berlin, 

L Dr. M. Boghitschewitsch, spricht in seinem 1919 in Ziirich er^ 

schienencn Werke „KriegSursachem f : 

■ *) Nach einer JniV'-Korrespondenz vom 28. November 191^ war die LeninsChe 
Revolutionsregierung bis zu diesem Termine in den Besitz von elf Geheimvertragen 
und etvva. sechzig Geheim-Noten gelangt, die von der vordem zanstischen Regie- 
rung mit den andem vcrbundcten Staateu abgeschlossen bezw. gewechselt wor- 
den waren. , 

England vcrauchle auch, Holland dadurch gefugig zu machen, daB es ■- 

entgegen dem Art. 3 des Achten Haager Traktats — die Scheldemiindung mit Mi- 

».■ n en belegte, um ant dicsc Weise die Schiffahrt der Niedertande solange zu schadi- 

i gen, bis Holland seine Ncutralitat zugnnsteii der Entente preisgebe (vgl.- den Be- 

licht iiber die Sitzung der 7. we it en hollandischen Karamer vom 26. April 1918). 
-,.'■' 2 ) Weni geht da nicht ein Licht auf uber den inneren Sinn der Kaiser W i 1 - 
|t-.heIm-Redti am 15. Juni 1918 (nach der Hiudenburganspracbe an den Kaiser zu 

-dessen 30jahrigcr Regierungsieier). Der Kaiser sagte u. a.: 

_..;. „Das deutsche VoJk i*t bcim Ausbruch des Krieges sich nicht daruber 

i-.klargcweseu, was dieser Krieg bedeuten wird, Ichwufitecs...; deswegen 

hat mich auch der erste Au«brucli der Begeisterung nicht getausclit . . . Ich wuBte 

,,,um was es sich handelte, denn der Beitritt Englands bedeutetc einen Welt- 

kampf ... E s handelte sich nm den Kampf von zwei Welt- 

ansch annngen. Etitwcder soil die prcuBisch-deutsch-gcnnaniscbe Welt- 

J- anschauung, Recht, Freiheit, Ehre und Sitte, in Ehren bleiben, oder die angel- 

P'-sachsische, das bedeutet, dcm Gotzendienste des Geldes verfallen. Die Volker der 

W Welt arbeiten als Sklaven iiir die augelsachsiche Hcrrcnrassc, die sie unter jocht. 

m. Die beiden Anschauungen ringen miteinander, und da mnfl die eine unbedingt uber- 

" ":- wunden we r den." 



— \66 — 

..Abgesehen voir, verhangiiisvollen Kriigertelegramm .. . darf man benaupten, da6 

ftVX^ ^'l-V/ 1 ' «V? T e J Anilkherui,g an England... ei- 

_ strebt hat. Konig Eduard VII. dagegen hat niclit nur cine personliche Ab- 
n e i ,g u n s gegen Kaiser Wilhelm empf undni, sondern bei jeder Gelegenheit seine 
untreundliche Gesinnung dem neuen Dcutschen Reiclic 
S e g enub e r hervorgekehrt. Die Einkreisungspolitik Konig Eduards war, auch 
££> Wl w ? Gcschichte erweisen, niclit ein Phantom, nicht einc Ausgeburt dent- 
scher Phantasie, wie es jetzt nut Vorliebe hingestellt wild, sondern ein groB- 
angelegter Plan, dcrvonErfolggekro.it worden ist." 

Gelangen diese beiden Raubplane der Ententepolitik seither nicht so 
gelang doch wenigstens auf Anstiften GroBbritanniens *) die A n n e x i'o n 
hoilandischen Schif f sraumes zugunsten der „AlliierteiT 
Allein in der Nacht zum 22. Marz 191S beschlagnahmte die Regierung 
der Verekjigten Staaten von Amerika 38 hollandische Schiflf e mit 600 000 
lonnen Frachtraum. Nach Haager Meldungen vom 20. Marz 1918 hatte 
der enghsche derzeitige Aufienminister die Absicht der Entente ausgespro- 
chen, d ie gesamte hollandische Flotte (r Million Tonnen), 
die sich auBerhalb der niederlandischcn Hafen befinde, zwangsweise in 
den Dienst der Ententelander zu stellen, 

_ Bezuglich Schwedens berichteten „Aftonbladet" mid „Allehanda« 
«n JuU 1917 von einer ausgedehnten S p i o n a g e , die tiber das ganze 
schwedische Land verbreitet sei, und der Berner „Bund" vom 12 Marz 
1917 kennzeichnete die Maclit Englands im s c h we di s'chen 
Reichstag dahin „dafi Englands Gesandter in der Kammer 
die Majontat habe ! 0as Londoner Wochenblatt .Truth" aber schrieb 
(emer „In*. '-Korrespondenz vom 18. Juli 1918 zufolge), dafi England die 
norwegiscne Ktiste als Basis seiner Angriffe auf die deutsche Kuste drin- 
gend benotigte. Dieser englische Logenplan hatte sich dann seiner Er- 
fullung zu nahern versucht insofcrn, als E 11 g 1 a u d auf die Lofoten und 
den Varanger Fjord (also auf uorwegisches Gebiet) durch den 
bntischen Gesandten in Christiama, F i n d 1 a y , die Hand legen wollte 
indem es an diesen semen Ageotcn die Weisung erteilte, „keine Geldmittel 
zu scheuen" (vgl. die Rotterdamer Meldung der „Vossischen Zeitung" vom 
18. Juni J918 und die „Neuen Ztircher Nachrichten" vom 14 Juni 1 018) 
Dicse letztere Tatsache einer beabsichtfgten VergewaltigSne 
der europaischen Nordstaaten seitcns Englands fiihrt uns noch 
einrnal zuruck auf die schon S. i 3 si3^ besprochene Besetzung der finnischen 
Murmankuste durch die groflte Logenmacht der Welt, durch England 
£>ejt Ungero hatte sich GroBbritannien zum Herrn von NordruMand und 
mxm Herrn der Hafen am Weifien Meer gemacht; die Bahnen der Murman- 
Eisenbahn wcrden von englischen Offiziercn bewacht, der gesamte Mur- 
mankustenverkehr und Murmankustenhandcl ist in englischer Hand und 
der enghsche Kommandant hat sein Hauptquartier inAlexandrowsk 
aufgesclilagen (vgl. das Wolff-Telegram m vom 19. Juni 1918 mit dem 
diesbezughchen Bencht des Haager „Standaard"). Das „Hufvudstad s - 
■Bladet^in Helsingfors protestierte bereits vor einem Jabre gegen dieses 

;„ ri ! 'l" f/ * ^ er l cl ^ tcte " 11 term 23. April 19:8 (nach der^Dva DagMght All eh and a" 

und f ? T n z 6 S sT 7 h ?" Mp? schci ? Schiffc > " f das ******* ^ * n g lis c ben 
una tranzosischen Militarkonimission cntschlossen babe. 



— 167 — 

Auitreten der Englander im Murmangebiet, das England unter der Mit- 
hilfe russischer „Patrioten" ») (sicherlich aus dem Kreise des Buchanan- 
Miljukow-Einflusses) in seine Machtsphare einbeschlossen hat und das die 
eingeborenen Vulker — Finnen und Russen — an der Obernahme der 
Selbstverwaltung ihrer Lander hindert (vgl. die „Hufvudstads-Bladet"- 
Wolffdepcsche aus Kopenhagen vom 18. Juni 1918). Gegen das eng- 
lische Gebaren im ehemaligen Zarenreiche hatte (Moskau-Petersburger 
Zeitungen zufolge) bereits die Bolschewiki-Regierung durch ihren Aus- 

i landskommissar T s c-h i t s c h e r i n bei den britischen, franzosischen und 
amerikanischen Geschaftstragern in Moskau Protest eingelegt (vgl. die 
Wolffschen Depeschen vom 20. und 30. Juni 1918), Mit der Besetzung 
des WeiBen Meeres durchschneiden die Englander tatsiichlich den russi- 
schen Volkern ihren wichtigen Verkehrsweg Moskau-Archangelsk. Nach 
einer Meldung der Schweizerblatter vom 26-/27, Mai J 9 J ^ war en englische 
Truppen bereits im Friihling des selben Jahres bis Kandalaks (Kan- 

-dalakskaja-Bai) und bis Kjem Sarosk am Golfe von Onega vorgescho- 
ben worden 2 ), welche Tatsache L e n i n in der Bolschewiki-Sovjet-Regie- 
rung unterm 14. Mai zur Kenntnis brachte unter dem gleichzeitigen Be- 
dauern, daJ3 die russische Regierung sich aufierstande sahe, hiergegen ein- 
zttschreiten, weil ihr die militarische Kraft dazu fehle. Nach dem finn- 
landischen „Hufvudstadsbladet f( (vom 13. Juni 1918) bemuhen sich die 
Englander die Halbinsel Kola (vgl. £. 135/36), wie auch Russisch- 
K a r e 1 i e n 8 ) (siehe ebenda) und das Gouvernement O 1 o n e z derart in 
, ; selbstandige fi Staaten umzuwandeln, daB siewirtschaftlich mit 
England verbunden und also zu den festesten Stiitzpunkten Eng- 
lands in unmittelbarer Nachbarschaft St. Petersburgs warden . Und wo hi 
nicht mit Unrecht befiirchtete sogar die ententefreundliche Haager 
„Tijd*', daB England und Amerika durch die Besetzung des M u r m a n - 
g e b i e t e s und des Varanger Fjords an der Nordkuste Norwe- 
gens (vgl. S. 166) die iiberseeische Ausfuhr der kleinen 
Neutralstaaten sich unterordnen wie uberhaupt „die ge- 
samte Welt der Entente sich unter werf en*' werden ! (Diese Unter- 
werfung ist ia nun inzwischen vollige Tatsache geworden.) Die 
..Xeuen Ziirch. Nachr." vom 14. Juni 1918, denen wir diese Befiirchtung 
der „Tijd" entnahmen, schrieben damals : 

„Selbst was das extremste Alldeutschtnm, freilich nutzlos, anstrebt, ist eigentlich 
eine B aga t ell c gegen die neucWeltherrschaft Englands, an 

J ) Es ware vielleicht auch nicht ohne Interesse, einmal zu erfahren, welcherlei 
ru&sische „Patrioten" sich unter dem Namen der Geheimgesellschaft der „Pcrsonen 
der Spharen" verbergen, um politisch sich zu betatigen. 

4 ) Nach dem „S v e 11 s k a D a g b 1 a d" Iagen im Sommer v. Js. in den M u r - 
man hafen 2 englische und 2 franzosische Kricgsschiffe, in der Fetschenga- 
bucht 1 franzosisches Kriegsschiff. In Kandalaks traf ein Paazerzug mit 
engHsch-franzoRiRch-serbisch-russischen Ententesoldaten ein. Kjem wurde in eine 
englische Festungsgarnison umgewandclt. (Vgl. „Landeshuter Stadtblatt" vom 
4. Juli 1918.) Nach der Wiener „Neuen Freien Presse" vom 5- Juli 1918 Iagen 
auch japanische Kricgsschiffe und Truppen Em Murmangebiet. 

3 ) Das Volk der Karelier bewohnt die weiten Gegenden RitBIands zwischen 
dem Waldaigcbirge-Wologda einer- und den Stadten Rybitisk-Jaroslawl-Moskau 
anderseits; Englands Weltherrenplane zielen hicr also auf das Innere Gro8- 
RuBlandsf 



^ 



— i6S — 

deren Einiichtung die englischen Politiker mit uberlegeacr Berechnung und gro- 
Qtva Erfolg arbeiten, so dafl zur Stunde vorlaufig England, wenn auch nicht 
Sieger, so doch der groBe Ge winner auf dem Weltplane ist, trotz aller 
Niederlagen in Frankreich." 

Wir konnen imraer nur betonen, da6 das, was England tut, 
nur jenem Grundplane entspricht, den es seit mehr dcnn dreifiig 
J a h r e n systematisch — wenn auch mit oberflachlichen Abanderungen — 
verfolgt. Mehr denn 20 jahre ist das Weltherrschafts-Testament des Br. ■ . 
Cecil Rhodes (vgl. S. 120) alt, — und seit 1870/71 verkiiudeten die franzosi- 
schen Brr, * . Ernest Renan und Cremieux (der erstere in idealen For- 
men, der zweite in von Hafl getragenen Gefiihlen) die Absicht der Logen, 
Deutschland zu vernichten... 

Und so sehen wir in dem vorhirt Gesagten auch nur den groflen briti- 
schen Logenplan, den gesamten Norden Europas bis weit in a 1 1 e M i t - 
t e 1 1 a n d e hinein unter die englische Weltftagge zu bringen, bestatigt. 
Bezuglich Skandinaviens umso mehr, als die zum englischen North- 
clifife-Logenkonzern gehorige ,,Nowoje \Vremja" 1 ) Anfang 1917, aller- 
dings in versteckter Absicht „andersherum" f in das gleiche Horn blies. Sie 
sagte, daft es ein „Vorteil fur die Entente" sei, wenn Schweden und Nor- 
wegen sich Deutschland anschlieflen wurden; — „das wurde den Krieg 
abkiirzen . . ," Nun, der Krieg- wiirde damit vielleicht nicht rascher be- 
endigt worden sein, aber die Besetzung der skandinavischen Kiiste ware 
fur das fiihrende England erleichtert worden, — AufJerdem plant England 
die Grundung eines ^Nordischen Bundes" unter briti- 
scher Fiihrung. Besondere Sympatbien gewann es fur diese Idee 
wohl damit, dafi es wahrend des Kriegszustandes Mhien an die neutrale 
schwedische Kiiste legte (vgl. Stockholmer Telegramme von Mitte Mai 
191 8). Und die englischen Spione in Skandinavien tun auch sonst ihre 
Schuldigkeit : im Oktober 1917 wurden diesbeziiglich kompromittiert der 
Militarattache der britischen Gesandtschaft in Kopenhagen, Oberstleut- 
nant Wade, sowie vier englische Konsuln in den nordi schen Or ten 
Kopenhagen, Aarhuus, Odense und Fredericia (vgl. die „K61nische Zei- 
tung" vom 3. Oktober 191 7), 

Es bedeutet deshalb gar nicht s zur moral ischen Entlastung England s oder 
seiner Logen meister, wenn der norwegische Ministerprasident Knudsen die 
HofTnung erhebt, dafi seinem Lande von den „AUiierten" Spitzbergeu 
und die Murmankiiste als zukiinftiger „Besitz" zugesprochen werden 
wiirde (Woltf-Depesche aus Kopenhagen vom 14. Oktober 19 19). England, 
das soeben die welfische.Bewegung zur Lostrennung Hannover s 
von Deutschland in Szene setzt, urn die „M onarchie Hannover" mit 
einem Kronpratendenten vom Hause Cumberland auszurufen (,,Kon- 

*) Dieselbe „Nowoje Wremja" schrieb (nach Prof. Dr. Schiemann, „Streiilichter 
zur Weltlage", Mai 1917), dafi Deutschland aulter Elsafl-Lothringeu auch Schles- 
wig-Holstein herausgeben rmisse ... Da England bekanntlich schon vor 100 
Jahren einmal mitten in Friedenszeiten die danischc Flotte stillgelegt hattc, fcanti 
es keinem Zwcifcl unterhegen, wem Schleswig-Holstein „von Rechts wegen" gc- 
hort. Da nun aber England im Augenblick nicht selbst Schleswig ein&acken kann, 
arrangiert es durch seine Agenten die Loslosungsbewegung Schleswig-IIolsteins 
von Deutschland und AnschluB desselben an Danemark, welches nur „portugalisiert f ' 
zu werden braucht. 



v — If j9 — 

stanzer Nadir."' Nr. 259, 1919), wcifi auch, was es tut, wenn es den Nor- 

wegern „G eschenke' 1 verheifitl 

Damit das englische Mafi voll werde, wurden cndlich nodi C„Inf." ua- 

term 29. April 191 8 zufolge) englische Umtriebe auf Island J ) gemeldet. 

In Danemark befurchtete man, dafi sich Island von Danemark losreifien 

und zur Republikunter englischem Banner erklaren werde. 

Der englische EinfluB auf Island sei auflerordentlieh stark, und alles Da- 

nische werde dort von den Englandern systematisch ausgerottet. Mit sehr 
: viel Geld werde auf Island fur England die beste Stimmung ge- 

madit. Der eigentliche Herrscher auf Island sei der englische Konsul, 

Dafur wurde auch gegeniiber Danemark „der Schutz kleiner Nationen" 
'. seitens der englischen Logen macht wahrend des Krieges so gehandhabt, 

da6 England dem Staate Danemark die Zufuhren abschnitt . . . 2 ) 

Es mag zum UberfluB noch Englands schon fruher befriedigter Lander- 
hunger 3 ) mit einigen Strichen skizziert sein; Grofibritannien besetzt ja be- 
; kanntlich sehr gern „nutzbares Land". Seit 1874 — das ist also so etwa 
; im Laufe der letzten vierzig Jahre — besetzte England ,,zur Wahrung des 
politischen Gleichgewichts unter den Nationen" : 1874 Lahedsch in 
Arabien und die F i d s c hi - Inseln, 1875 Mohammereh an der 
,-Euphrat- Mundung (persisches Gebiet), 1877 K e 1 1 a in Beludschistan, 
r und damals schon einmal Transvaal, 1878 Cypern, 1881 B a - 
sutoland und Rotumah bei den Fidscm-Inseln, 1882 Agypten 
mit dem Sueskanal, 1886 B i r m a , 1890 groBe Teile O s t a f r i k a s , 1890 
bis 1894 Uganda, Matabele-Land usw., und 1899/1902 Transvaal 
(zum zweiten Male) und den Oranje-Staat In den letzten vierzig 
Jahren wuchs Englands Weltflachenraum urn weit iiber fiinf Millionen 
englischcr Quadratmeilen 4 ). — Kein Wunder, daB bei der fortwahrenden 

J ) Island ist die alt-urheilige Statte wuotanistiBch-germanischen ifysteriendien- 
stes; nach Island wurden 874, zur Zeit des Konigs Harald Harfagr von Norwegen, 
die uralt-heiligen Lieder der „Edda" hinubcrgepflanzt, uni der Nachwelt erhalten 
zu bleiben, da sie damals auf dem Festlande dem Untergang geweiht worden wa- 
ren. 1843 entdeckte der islandische Bischof Brynjolf Sveinsson von Skalholt den 

- auf Pergatnent geschriebenen Sagenschatz gcrmanisch-deutscher Epen. — In be- 
sonderer Weise haben sich, ncben Dr. Rud. S t e i n e r , noch E. Wolfram und 
Guido v o n L i s t urn das wirkliche Versteheu der „Edda" verdient gemacht (vgL 
dazu E Wolfram, „Die germ an ischen Heldensagen als Entwicklungsgeschichte der 
Rasse" [Leipzig, Max Altmann] und die gesamtc „Guido List-Bibhothek' der Guido 
List-Gesellschaft, Wien VI, Webgasse 2$). , . 

*) Vgl den Bericht des Voraitzenden des danischen Industrterates in der 

■ Kopenhagener ..National-Tidcnde" (nach einem Privattelegramm der ..Neuen 

■- Ziirch, Nachr." vom 3. Juni 1918). , 

3 ) Dieser britische Landerhiuiger bringt uns jene eigenartige Stellc in de r 
,Geheimlehre" in Erinneruiig, nach welcher in England sehr vicle alte Romer 

'wiedcrverkorpert aeien, wahrend in detitschen Leibern vielc einstige 
Gricchenseelen ueu ins Erdenleben traten und treten. Da besonders die 

" englischen Hochgradmaurcr sehr vertraut mit der Reinkar nation si ehrii sind so 
glauben sie vielleicht gerade aus ihr die Berechtigung zur britischen Weltherrschatt 
abzuleiten. Denn audi die alten Romer warfen alles unter ihrc huBe, was sie 
vermochten, Dagegcn pflegten die alten Gricchen die Philosophic Kunste und 
Wissenschaften, und ein gleiches Bestreben mull man den teilweise stark 

.'mystischen Deutschen zugestehen. . 

4 ) Vgl. „Dcr Hammer", 1909. S. 132. — Es ist angesichts dieser engl. Aimexio- 



Verschiebung der Grofimachtverhaltnisse Br. • . Churchill im Marz 
i 9 i 3 im englischcn Parlament die Bewaffnung der Handels^ 
s c h i f f e mit Kanonen fordertc . . . ! 

Wenn also Rudolph Said-Ruete r ) in der Ziircher entcntistisclien Zeit- 
schnft „Wissen und Leben" (Redaktor; Prof. Ernst Bovet- David) vom 
15. Februar 19 16 Englands Kriegsschuld zu entkraftcn versucht, so ge- 
lingt ihm das angesichts der Tatsachen doch recht sclilecht. Kannte doch 
auch schon Jules Verne die Englander nur zu gut. Im ersten Bande 
seiner f ,E is sphinx" (deutsch bei Adolf Schumann, Leipzig, S. 144/45) 
spricht Verne von dem „landefgierigen, gewissenloscn Grofibritannien", 
„das kanadische Franzosen und Spanier, die im 18. Jahrhundert auf dem 
Falklands- und Malouinen-Archipel gelandet waren, urn die Frucht ihrer 
Kolonisation brachte. Seit 1833 sind diese .Landcrrauber' nun die alleini- 
gen Herren dicser lnselgruppc von hundert Eilanden". Dann spricht 
Verne S. 171 des gleichen Buchcs davon, dafi, als der Franzose Barbe die 
Insel St. Pierre 55° 7' stidlich entdeckt hatte, es sich der Brite Cook nicht 

lie n nattirlich citle Sophistcrei, weim der anon y me Verfasser des Buchcs Eng- 
and in Kriegszeiteii" sagt, daG es „krassc Uwahrheit" und „gedankenIose Be- 
hauptuns sei, England des Lander hungers nacli den deutsch en Kolonieu zu 
bez,chhgen. Die Tatsache ist vielmehr die, dafl England, wie es seine Redner 
ja selbst augdprtchen, alles dantn gelegen ist, maritim, strategist und wirt- 
achaftlich allein und unums-chrankt in der Welt zu herrscheiL Dabei fragt 
Englands Logenregierung durchaus nicht damacli, ob auf sokhem Kolonialbesitz 
zwei oder noch wemger Menscheu pro Quadratmeile wohncn, wenn sie dies en 
Kolonialbesitz nur ihren Flanen dienstbar macht - Auch wirklich hatte es Eng- 
land ja schon wall rend der Marokkovcrhandlungen auf die Bcsetziing der died em 
7 + , ki ^ ol *? ,e Kiautschoit abgesehen, worauf wir im Juliheft 1912 des 
^entralblattes fur Okkultismu.f (Leipzig, Max Altmann) hinwiesen. (Danials kam 
die bcschichte durch Flaudereten angeheirerttr britischer Offiziere tieraus ) 
T A- " A. „ l ? _i l uote ist verwandt mit dem englisclisn Kabinettsmitglietl 
Lordchiet Sir Ruins Isaacs. Fran Rud. Said-Ruete ist die Base des Geheimen 
britischen Staatsrates, Alkahiabrikanten und Pari amen tsmitgliedcs fur Swansea 
Sir Alfred Montz M n d. Sir Alfr. Mond ist zugleich Haupteigentiimer de^ 
,,V\e S tiii>nstcr Gazette- u„d I n t i in u s des englischen Premicrmjnistcrs David 
7 °J Jr?° r T s e * Der Scliwiegervater aber von Motids T o c h t e r ist wie- 
der S ir Rufus Isaacs! (Der G r o fi v a t e T Mond stammtc a US Cassel, wo er 
em klemes Geschalt betneb.) Lloyd Georges Bezie-huugen fiihren zu den Lords 
of NorthcUffe (\ater und Sohn Alfred; der Vater brachte es zum 
Rechtsanwalt, der Sohn zum - Friedensrichter; Alfred j u n. heiratetc eine 
w uli'" * ! n B ° S l* z £ r n V on niindes tens vier Dutzend p o 1 i t i s c h e n 
Weltblattern au dem weiten Erdcnrund, - Northcliffe jun. ist der beruch- 
C1 £ te . ■'P ra ?,? 8 j!." ende Prop agandam mister wahrend des Weltkrieges und der 
..Mcigbugel fur Lloyd George. Lloyd George leitet hlnuber zu ' den Opitim- 
handlcrn, englischen Rittern und Ratgebem der britischen Krone: zu den 
Sassoons, und weite, ■ zu den Rosebery s, die wieder mit den britischen 
Peers Brrn.-. Rothschild verslppt sind, wahrend die Rothschilds mit den 
t °i l ^ e , 10re S M 35) 1 Urch Abraha '" Francis Montefiore verschwagert wurden. 
•bl Dalmeny of R o s e b c r y war weltbekannt als der grotfte politische Rheto- 
nker Englands: Jugendcraiehung und Frenndschaft fuhrtcn Dalmeny Rosebery 
zu C h urchill und Balfour. (Lord Rosebery ehelichte Hanna Treim v. Roth- 
schild, audi vcraiilaflte cr die Adelserliebung von W ands wo r th - Stem [vgt 
hr.™ Z ?$ T d Ba i f 0Ur ENachkomme der „Baal"] den Lord Michel- 
ham- Stern [S. 33] zum Peer crheben lieB.) 

Die Folgerungen aus dem GesaRten crgeben sich von selhst. (Vg| hierzu 
auch den ^Senngotha", 2. Aufl., Kyffhauscrverlag, Minichen 23, 1913 S 367 



— 171 — . 

nelimen lieB, diese lnsel nach dem englischen Konig G e o r g in Neu- 
Georgia umzutaufen. Trotz der traditionellen mehrhundertjahrigen 
AnmaBung Britannias, die immer mit Landraub Hand in Hand geht, will 
aber Said-Ruete hochstens zugeben, daB Br.'. Viscount Gfey im Welt- 
kriege allenfails franzosischen Einfliissen unterlegen sei, und dafl die eng- 
lische Politik im Hochstfalle Jt Mangel an Widerstandskraft gegen Ein- 
fliis&e der Entente" gezeigt habe (vgl. ,/Wissen und Leben", 9. Jahrgang, 
Heft 10, S. 421). 

Wir bekraftigen unsere Betrachtungen iiber GroBbritannien mit den 
vielsagenden Aussprtichen zweier englischer leitender Manner. Der Re- 
organisator der englischen Kriegsmarine und fruhere erste Seelord 
Fisher sagte 1899 auf der ersten Haager Friedenskonferenz :,,... Wenn 
unser Wohl es verlangt, werden wir uns keinen Augenblick um volker- 
rechtliche Vereinbarungen kiimmern!" J ) Und der Generalissimus der briti- 



») Zitiert von Dr. Gust. Eichhorn in „Die Freiheit der Mcere tf in den „N. Ztirch. 
Nachr." vom 13. August 191 7. . 

Wahrend wir die Korrektur dieses Druckbogens tesen, gibt die , h Zuncher Post - 
Nr. 493 Mitteihmg von Lord Fishers eigenen ..Memoiren", aus denen soeben 
Ausziige in Gardiners „Daily News" veroffentlicht worden sind. Denselben ist zu 
entnehmen, daB dieser Erste britische Seelord (und jetzige Priisident des eng- 
lischen Unterrichtsamtes) schon zehn Jahre vor dem Weltkriege die Absicht hegte, 
die gesamte deutsche Flotte „zu kopenhagenisieren", das hciBt: sic so zu bc- 
handeln, wie England die danische Flotte in den Tagen vom 2. zum 5. Septcmber 
1807 behandelt hatte! England hatte damals — um cine danische maritime Gcl- 
tung von allem Anfang an zu crsticken — Kopenhagen mitten im Frieden bom- 
bardier^ die danische Flotte umzingclt und — nach Britannien entfuhrt . . . 
(siehe unsere Andeutungen S. 16S). In seinen Memoiren bestatigt Fisher ruck- 
haltlos, dafl cr selbst tatsachlich im Jahre 1905 und dann wiedtir 1908 den 
Kbnig Eduard VII. zu dieser Handlungsweise drangtel Der vom Konig Edward 
gluhend bewundertc Scehar verlaiigte schon damals (unsere Gcheimkarte besta- 
tigend!) die Landung von 100000 Mann britischer Truppen an der pommer- 
schen Kuste (!) zu einem Zuge gegen — Berlin! Und nun ist sehr wichtig die 
Fcststellung der Tatsache, dafi Kaiser Wilhelm II. sogar die Knegshst 
kannte, nach welchcr England in Schlcswig- Holstein landen und 
damit den Angriff auf Pommern verdecken sollte . . . Der deutsche Kaiser sprach 
sich uber Fishers Plane schon 1905 gegeniiber dem britisch-siidafnkanischen 
„Diaiiianten.Beith" (vgl. S. 120) aus. Ebenso wuflte der „russische Nager" 
Fiirst Iswolsky (vgl. S. 99/100), dor damals Minister des Answartigen in ^Peters- 
burg war, um diese Uberrumpelung der deutschen Seemacht. Zu wissen ist end- 
lich noch nbtig, dafl, als der jetzt viel befehdetc deutsche GroBadmiral Tirpitz 
1912 in vertraulicher Weise an England den Vorschlag gelangen lieB, es mochte 
hritisch-deutscherseits eine gemeinsame Verstandigung iiber die von beiden Staa- 
tcn fortan zu erb'auenden Dreadnoughts und iiber ihre Geschiitzstellung gefunden 
Wfcideu, Lord Fisher antworten lieB: „Sagen Sie Tirpitz, daB ich ilm eher zui 
Holle fahren schen mochte (statt mit ihm zu verhandeln)", Im Januar 1912 schrieb 
Fisher von Ncapel aus: , J e 1 1 i c o c wird Admiralissimus sein (er wur<te es 
ja dann auch!) wenn der grotJe Krieg kommt, um den sich alles dreht, was 
jctzt geschieht, o h ti e daB es jemand sie lit! Wenn der Krieg vor 
1914 ausbricht, wird Admiral Jcllicoc siegen wie Nelson bei St. Vincent (Nelsons 
Seesicg iiber die Spanier); wenn aber erst im Jahre 1914, dann wie Nelson bei 
Trafalgar (wo dieser Viscount Horatio die spanisch-franzosische Flotte sclilug, 
selbst aber fiel)." „Es scheint mir einfach eine gescheidte Handlungsweise seiten^ 
Englands", sagt Fisher selbst, „die deutsche Flotte (mitten im Frieden, ,wenn sic 
keinen Wider stand entgegensetzen kbnne!') zu pack en und wegzunehmen, wenn 
es ganz leicht und fast ohne Blutvergieflen geschchen kann!" — Trotz dieses 
Sclhstgestandnisses des gravamen britischen Ironisten wird die Logenwelt auch 



— 172 — 

schen Armeeii, French, sprach an der Flandern front das strenge Wort : 
„Wahrend des Krieges gibt es fur uns Engender kem Volkerrecht!" 1 ) Im 
weiteren Jiegt em englisches Bekenntnis dafiir vor, dafi 191 2 (also zwei Jalire 
vor dem Kriege), als Lord Haldane die () V e r s t a n d i gun g" zwi- 
schen England und Deutschland „vorzubereiten bemiiht" war, dieser Lord 
Haldane doch „in Wirklichkeit nichts anderes trieb als Spi'onage" 1 ); 
denn auf seinen Berliner Besuch folgte unmittelbar die JErhohung 
des englischeu Flottenbudgets von 36 auf 50 Millionen Pfund Sterling. — 
Erganzend moge angefiigt sein : daB einer der andern „Befurworter" der 
englisch-deutsehen „Verstandigung" (auf der Grundlage der e n g I i - 
schen FIottenvergroBerung!) der ehemalige Privatsekretar 
Br.-. GroBmeister Konig Eduarda VII., Sir W. Tyre 11 war, der vor 
seiner „Verstandigungspolitik" ebenso a n t i d e u t s c he" Propaganda 
tneb, wie er ein F r e u n d E d u a r d G r e y s war. Er ist Unterstaats- 
sekretar im britischen Innenrmnisterium. 

Gleich „unschuldig" zeigte sich England gegeniiber Deutschland schon 
im Jahre 1907; damals — auf der zweiten Haager Fried enskonf ere nz — 
beantragte es die Abrustung, nachdem es kurz zuvor selber eine umfas- 

weiterhin in die Welt hinausltigcn, daB Deutschland den Krieg- g e w o 1 1 1 

nnd — von tangcr Hand vor.bereitet habe! 

, v .. '? Wiedcrgegebcii von Dr. Taul Ilcrre in seiner Schrift .,An die Neittralen" 
(Zurich 1918). 

2 ) Vgl. Pi of. Theodor Schiemann in der fJ Deutscheu Politik", 1917, S 1133 — 
Ob eswohlwic eine vorweg zu gebende „Entschuldigung" klingen soli dafur, daB 
iir.-. Lord Haldanesich nur in Dingen der S p i o n a g e in Deutschland hcrum- 
trieb, wenn er in seiner Ecstrede iiber „DeutscIiland und GroBbritannicn" an der 
Oxfordxiniversitat am 3- August 191 1 sagte, daB ..Deutschland cin Land 3 ei das 
lur uns Briten sehr schwer zit versteheu ist", und „dessen Clenerale aufgchoit 
hat ten zu denken und sich begniigten, UbefEeferungen Fncdrichs des Groflcn 
lange Ze,t blind zu befolgen", das aber i n den Wisscnschaften „tiichtiger als je" 
wtirde, „am tuch tigs ten aber in der Fahigkeit koinmerzieller 
(konkurncrender!) Organisatio n. u Dieses Deutsche Reich fordcrtc den Neid 
des Bnten Haldane heraus, weil sich , .Deutschland in der Erzielmng in der 
ra 1 1 1 t a r 1 s e h e 11 Ausbildung und in der Armengesetzgebung 
u b e r d 1 c anderen N a t i o 11 e n z 11 erheben b e g a n n" und „in der 
& c h u 1 or g a n i is a 1 1 o n ein e n Vorsprung gegeniiber England" vollzogen 
hatte. Ein solches Land (Deutschland J), „in dem die Demokratie mit Riesen- 
schntten vorwarts drangte", „in dem die Arbeiter A n t e i 1 v e r 1 a n g t e n 
am Prmleg der obcren KlassenO)", in welchem „soziale Problems immer mehr 
Anziehungskraft gewannen", ein solches Deutsches Reich, „das hinsic'htlich der 
Lyrik keinen Rivalen hat" und f] dcm Shakespeare und Skott beinahe so vertraut 
sind wie uns fcngKndern", und wo „auf eiuen Briten, der Deutsch kann, f- >n f 
Deutsche kommen, die Englisch konnen", und dabei die in der deutschen Sprachc 
liegendc Fahigkeit mcht schatzen*), - ein niches Land und Volk kann nur durch 
wSV1"h S % U1 ld Sewaltsame Plane vom Wettbewerb in der allgeiuc-ine,, . 
JSS-^w" Men *chh«t ausgeschattet werden... (Vgl. hierzu Lordkanzler 
■ . u, g ■ ^ or L°" raW e Viscount Haldane, ir Eine Stitdie iiber nationale Eigcu- 
tumhchkeiten'*, Zurich, Orell Fuflli). 

*) Das mochten wir hier in Erganzung zu Lord Haldane bemerken, daB nacli 
Unmms Lautgesetz die eng I i s c h e J5 p r ac li e eine z u r ii c k g e b 1 i e b e n e , 
tucht fortzuentivickelnde Sprache ist. Folglich sind'alle der engliachen Logen- 
macht sich unterordnenden Volker anch geistig nicht fortentwickliingafahig, denn 
nach dem anglo-amenkamschen Br.-. Leadbcater soil „Englisch" die Sprache der 
Zukunftskultur werden. 



— 173 — 

sende Flottenriistung vorgenommen hatte . . . 1907 wollte England nichts 
wciter, geuau wie mit der „Verstandigung" im Jahre 1912, als Deutsch- 
land als Sccmacht „auf idealem Wege" zertrummern! Trotz solch 
augenfalligcn Verbal tens wundern sich aber noch i miner die Entente- 
manner von Schurz und Kelle, wenn das Deutsche Reich die angelsach- 
sischen ,,Briider" nach eben dem Werte einschatzte, den diese verdienten, 
und sie wundern sich (wie Samuel Zurlinden in seinem Buche „Der Welt- 
krieg und die Schweizer") noch heute, da6 der Ftihrer der deutschen De- 
legation auf der Haager Konferenz von 1899, Graf Miiiister, kein Hehl 
daraus machte, daB er „die ganze Haager Idee als Schwindel und Humbug 
betrachtete . . ." Doch lassen wir das. )T Das englische Den. ken 
ist im Verlaufe der letzten Jahrzehnte eben das Menschheitsden- 
ken gewesen, so wie aufterlich England die weltbeherr schen dc GroB- 
macht war: und dieses englische Denken hatte seine Mission . . , aber diese 
Mission ist nun erfiillt, und hat in der Zukunft keine Existenz- 
berechtigung mehr!" 1 ) Mogen sich daher immerhin diejenigen in 
diesem englischen Denken sonnen, die selber darin befangen sind und 
': dariiber nicht hinaus konnen ... 

Wir wollen dem Ende des Kapitels ^England" zustreben mit einem 

Satz des Eiirsten Lichnowsky, des ehemaligen deutschen Botschaf- 

ters in London, des Freundes der Brr. • . Grey, Asquith, Haldane usw., der 

in seiner Schrift „Meine Londoner Mission" (Mai 1918) die sehr zu be- 

\ denkenden Worte priigte: 

■' ^Welches Ergebnis des Vblkerringens haben wir zu gewartigen? Die Vereinigten 
Staaten von Afrika werden britisch sein, wie die von Amerika (I), Australien und 
Ozeanien. Und die lateinischen Staaten Europas werden . .*. in dasselbe VerhSlt- 
nis zu dem Vereinigten Konigreich (GroBbritannien) geraten, wie die lateinischen 
Schwestern Amerikas zu den Vereinigten Staaten. Der Angelsachse wird sie be- 
herrschen. Das durch den Krieg erschopf te Frankreich wird sich nur noch 
enger an G r oJi b r i t a n n i e n anschlicBen. Auf die Dancr wird audi S p a 11 i e ti 
nicht widerstehen. Und in Asien wird der Russe und der Japaner sich aus- 
breiten mit seinen Grenzen und Sitten und der Siiden wird den Briten bleiben. 
Die Welt wird den Angelsachsen, Russen und Japanem gehbren, und der 
- Deutsche allein bleiben mit Osterreich und Ungarn... Denn wir 
(Deutschen) werden die S6hne Jabwes (d. i. die englisch-jiidlsche Entente- 
Logen-Macht! D. Vert.) nicht verdrangen, das Programm des grofien Rhodes 
(vgl. S. 120 dieses Buchcs) wird sich erfiillen^ der in der Ausbreitung des Briten- 
tums im britischen Imperialismns das Heil der Menschheit erblickte . . ." 

Der ImperialismusEn glands wird iibrigens illustricrt dadurch, 

dafl dieses Weltrcich bcreits vor dem Weltkriege 25 Prozent der ge- 

samten Oberflache der Erde (5V2 Millionen km 2 ) inne hatte und — die 

Weltmeere inbegrirTen — iiber vier Ffinftel der Gesamt-Erde hetrschte, 

Dazu genommen alle britischen E i n f 1 u B spharen, ist England der Welt- 

: hcrr iiber 8 o P r o z e n t der Erde ! Acht Zehntel der Menschheit sind ihm 

untertan. Dem gegenuber beschuldigt die britische Weltloge — und die 

.Menschheit glaubt ihr ! — die D c u t s c h e 11 , die nur wenig mehr als e i n 

: h a 1 b Prozent der Erde besafien, daB diese die Welthcrrschaf t an- 

. streben . . .! (Deutschland hatte bei Kriegsausbruch nur ei.11 Vi e r t e 1 so 

iTviel Kolonialland alsFrankreic h.) (Vgl. ,,Keue Ziirch. Nachr." vom 

7 28. Mai und 4. September 1918). 

J ) Vgl. H, Wohlbold im „Reich' ( I, 19 17. 



__ J 74 _ 

Schon Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hatle 
Deutschlands Wettbewerb auf dem Weltmarkt die britische , .Saturday 
Review" so erztirnt, dafi sie schrieb : „Wenn Deutschiand heute vernichtet 
wird, so gibt es keinen Englander, der dadurch morgen nicht urn so vie! 
reichcr geworden ware! Sollten Volker nicht Krieg fuhren urn einen 
Handel von ^lilliarden? Aus tausend Eifersiichteleien wird sich ein 
ungeheurer Krieg cntzunden, und das Ende wird die Niederlage 
Deutschlands sein . . . Dann werden wir (Englander) die Volker 
Europas einladen : ,da liegl Deutschiand, kommt, n e h m t euch jeder 
einStuckdavon!'" Dies frivole Wort wurde geschrieben 1897! 2 ) 

Das BcwuBtsein von Englands endgiiltiger und absoluter Herrschaft iibei 
Deutschiand — infolge seines Logensiegesl — erhartet sich noch aus folgenrten 
wenigen (von vielen) Tatsachcn: 

Nach der NorthcHffescheu „Daily Mail" vom 25. September 1919 wird (dank 
der Zerruttung der inneren Front Deutschlands) das gesamte "deutsche Wirt- 
schaftsleben unter Kontrolle Grofibritanniens gestellt. Dabei ubernimmt England- 
auch iiber alle Lebensmittelamter in Deutschiand die Oberaufskht. Als Folge 
davon darf in alle Zukunft Deutschiand weder irgendwelche War en noch Lcbens.- 
und GenuBmittel ein- oder ausfiihren, wcmi es dazu nicht die besondere Erlaubnis 
GroBbritannicns eingeholt hat, Zugleich erstrebt Britannia die besondere Aufsicht 
iiber die deutscbe Elbeschiffahrt und damit auch iiber den gesamten 
Nor den Deutschlands (einschliefilich Hamburgs usw.) f wahrend die Vereinig- 
ten Staaten die Kontrolle der Oderschiffahrt iibernehmen sollen (vgl. die 
^Deutsche Allgcmeine Zeitung ff von Mitte September 1919)- Dank den North- 
cliffe- und Morgan-Konsortien rollt dabei das etwa benotigte Kapital immer durch 
die glelchen anglo-amc r ikanischen Hande . , . Nebenher plant England durch 
die ^British Empire Union" die Durchfuhrung „weifler Listen'', auf denen alle jene 
Hotels, Restaurants, Theater usw. vermerkt sind, die fortan deutsches und o&ter- 
reichisches Angestelltenpersonal in ihren Betrieben ausschlieflenl (vgl. ..Ziiricher 
Post" vom [I. September 19 19). Diese „rosigen Aussichtcn" fur das zu Boden 
geknechtete deutsche Volk, dem die Regierung Lloyd Georges niclit nur den 
gewollten „Genicksclilag" versetzte, sondern auch noch w e i t e r'h i n die Er- 
drosselungssclilinge urn den Hals wirft, werden jedoch noch damit vermehrt, da3 
England sich ausbedingt, alle etwaigen Einfuhrzolle, die es viellcicht doch noch 
au Deutschiand zahlen miisse, nicht in Gold zu erlegen, wahrend Deutschiand 
doch auf alle nur erdcnkliche Weise seines Goldbesltzcs durch die Weltlogen- 
wachter beraubt wird! Auf diese Weise macht David Lloyd George (eigentlicli 
David Levi-Lowit) wahr, was er schon wahrend des Weltkrieges dem deutschen Volkc- 
zudiktierte: jedem einzelnen Deutschen die Taschen bis auf den letzten Rappen 
auszuplumJerri . . .! Und diese Reraubung der deutschen Taschen wird wicder da- 
mit besonders gefordert, dafi England-Frankreich ini besetzten deutbehef* Westen 
nicht nur lauter britisch-frankische Banken errichtet, sondern vor allcfn eine offene 
Tut schuf, durch welche die Entente alle jene Waren, mit denen sie Deutschiand 
ohne Zahlung von Einfuhrzollen ubcrschwemmen will, bis in den hintersten Whi- 



*) Vgl. Dr. Paul Rohrbaclb „Warmn es der Deutsche Krieg istf, 1914,. 
S. io/ti. — Urn diesen Krieg in Szene zu setzen, gab England von seinon 
Staatseintiahmen 39,4% allein fur Rustungszwecke aus; das machte von 1905—1914 
33,i Milliarden Mark aus fur Englands Heer und Flotte oder 305 Mk. pro Kopf 
(fiir das Johr 1913 pro Knpf 33,05 Mk.). — Deutschiand gab (in Erwartong 
des ihm stuts angedrohten Krieges) von 1905 — 1914 nur 21,9 Milliarden Mark fur 
Rustungen aus (pro Kopf 202 Mk., bezw. 21,86 Mk. auf das Jahr igi3). Das sind 
nur 15,6% seiner Staatseinnahmen ! — Frankreich, das eine erheblkh kleitiere 
Einwohnerzahl als Deutschiand hat, verausgabte in dem gleichen Zeitraum 
29,7. Milliarden Mark oder pro Kopf seiner Bevblkerung 259 Mk, — Fiir Riistungea 
verausgabte im letzten Fricdcnaetat die Entente 5,76 Milliarden Mark, 
die Mittelmachte aber nur 3,1 Milliarden Mark. — (Von 1700—1914 ftihrte Eng- 
land 49 Kiiege, Frankreich 35 Kriege und PreuBen nur 13 Feldzuge.) 



kel Deutschlands hereinzwiugt, zugleich aber die deutschen Waren, die sie haben 
i V - l] L' fu , r .. Deutschiand ungeschiitzt urn billiges Geld in ihrc Alliiertenstaaten ab- 
flieBen lafit, wodurch das Deutsche Reich sclilieBHch vollig ausgekauft und geldlich 
entnervt wird. Der deutsche Valutasturz, der das gesamte deutsche Wirt- 
schattsleben zu vermchten droht, ist das Werk der politisch-wirtschaftlichen Tak- 
tik der Ejitentc-Weltlogen-Machthaber. Selbst Reichsfinanzministcr Matthias E r z - 
berger, desstin sonderbarer Geschaftseifer der Entente alle deutschen Pforten 
schon offnete, als das Deutsche Reich den Krieg noch hattc gewinnen konnen, gab 
am 2, Oktober 1919 in der,, deutschen Nationalversammlung zu, dafi die imperalisti- 
schen wcsthchen Staaten nur auf den Zeitpunkt warten, an dem Deutschiand 
aus Mangel an Zahlungsmitteln alle seine WirtschaftsqueHen an die Entente ver- 
pfandct.., (Von besonderer Seite wird Hcrrn Erzberger all er dings der Vorwurf 
gemacht, dafi er zwischen Lege und jesuitischer Gesinming bedenklich schaukele, 
und dafi man dafur keine andere Erklarnng zu finden vermogc, als die, dafi er diese 
seme Tendenz von seinem Grofivater, einem Viehhandler namens Herzberger, als 
erbhche Bclastung iibernommen haben musse . . .) J ) 

Wahrend der D ruckle gun g der zwciten Auflage un seres Buches haben 

sich noch einigc beach tenswerte Ereignisse am politischen Himmel voll- 

zogen, die wir nicht unbeachtet lasscn mochten, weil sie geeignet sind, das 

von tins iiber die englische Loge Gesagte noch mehr zu er bar ten. Und auch 

H son st ergabtn sich uns noch einige wert voile Feststellungen aus der Inzwi- 

" schen uns vorgelegenen Literatur. 

. _ Zunachst die Ausbreitung der englischen Welthegemonie im Norden! 
I" Die Ostscc-Kommission der alliierten Machte bearbeitet — laut Stock- 
h hoimer NachrichterTvom 27. Juli 1919 -^ die Neutralisierung der 
Aalands-Inseln „ unter der Garantie des Volkerbundes", auf deutsch 
|; unter der Herrschaft Englands. Die schwediscben Blatter beklagen sich 
■■; ttber diese Plane, die der Selbstbestimmung -der Volker aufs neue die Faust 
; ins Gesicht werfen. Denn die B e v 6 1 k e r u 11 g der Aalandsinseln will zu 
P^Schweden, — wofur aber Britannia kein Ohr zn horen hat . . . Zugleich plant 
I' England aber — wie der esthnische Minister des Auswartigen dem schwedi- 
| ; schen ^ (> HufvudstatsbIadet'* un terra 5. September 1919 andeutetc — auf 
J esthnischem Boden die Anlage eines groBen Durchfuhrhafens fur den Ver- 
kehr mit RuBland. Und in Litauen organisiert England seine besonde- 
ren Indnstrien und Handelsgeschafte unter der Leitung des britischen 
Hauptrnanns Brodie in Kowno. So „portugalisiert ( ' Britannia die Welt J 
Erne weitere Bestatigung der gewollten Alleinherrschaft Englands lieferte 
das Tagebuch des zur Notlandung „auf feindlichem Gebiet" gezwtmgenen 
britischen Militargouverneurs von Libau, Oberstleutnant Robinson (vgl. 
„Europaprefi" vom 22, September 1919). Ihm war die Sorge iiber tragen| 
f zu verhindern, dafi die f r a 11 z 6 s i s ch e (!) Militarmission (deren 
f : Zentrale Warschau ist) i h r en E i n f I u B auf die nordlichen 
Randstaaten geltend machen konne, auch solle Robinson das briti- 
sche Spionagenctzin diesen Randstaaten fest in der Hand 
p behalten, darn it a 1 1 e Fa den in englischer Gewalt zusammenlaufen. Neben- 
bei miisse Robinson alle deutsche Ausfuhr nach Litauen und dem Bal- 
tikum zugunsten des englischen Handels unterbinden. 

Man sieht, die „NationalitatenpoIitik" ist nur cine Sache des a n g 1 i kanischen 
Unternehmerrmges — ! 

« v .„ ^ Nacn T dem ^usammenbrnch Deutschlands scheint uns der etuzig gangbare 

|»- Weg zum \V i e d e r a 11 f b a u dieser so uotwendigen Bnicke zwischen dem Ostcn 

und Westen Europas geketinzeichnet in dem tiefgrundigen Werk „Kernpunkte 

der sozialen Frage" von Dr. R u d. Steiner (Stuttgart, „Bund fur Drci- 

gliederung des sozialen Organismus", Champignistr. 17). 



— iy6 — 

Irn Londoner Unlerhaus aber ktindet am 16. Juli Cecil Harms worth- 
Stern (tier Staatssekretar im britischen Auswartigen Amte) an, da 8 England 
beabsichtigc, zur Propagierung der britischen Intercssen in der Schweiz, in 
Italien, Spamen, Portugal, Belgien mid Holland bcsondere Vertreter ein- 
zusetzen . . . Wahrend sich aber England liberal! ausbreitet und liberal I das 
Wort fuhrt — die Polen befiirchten bereits, da8 die deutschen Stadte 
Danzig und Memel in Wirklichkeit englische Staatsgebilde werden, 
wodurch England dann die Kusten Polens, Litauens und Preuflens be- 
herrschen werde 1 ) — bringen die britischen Logenbriider ein Gesetz ein, 
das die Deutschen fur die naebsten sieben Jahre ganz von der Nieder- 
lassung aiif den Inseln jenseits des Kanals ausschlieBt und ihnen jeglichen 
Dienst auf englibchen Schiffen utitersagt. In einem Atemzuge hiermit for- 
dcrt die freirnaurerische ,/Times" mehrere hundert M i I I i o n e n 
Pfund Sterling Kredit fur die britischen Ban ken, die in den von der 
Entente besetzten Gebieten einztirichten sind ! ") 

Inzwischen bringt der „Daily Herald'' am 7. Juli 1919 heraus, da8 
Viscount Br.-, Edward Grey mit einem einnuBreichen agyptischen Ko- 
mitee cinen Ceheimvertrag ausgemacht hatte, durch den die Un- 
abhMngigkeit Agyptens, Syriens, Mesopotamiens und Arabiens verhiitet 
werden soil! Das Bestehen dieses Vertrages brachtc es zusrande, dafl die 
Stamme dieser Gebiete sich im Kriege den Tiirken nichtanschlossen. 
Als nun vor einiger Zeit in Agypten Unruhen ausbrachen, wurde eine An- 
zahl Mitglieder dieses nordafrikanischen Geheimkomitees zur Rechenschaft 
gezogen. — Londoner Telegram me vom 5. August besagen, daB die agypti- 
sche Bevolkerung erneut in bedrohliche Haltung zu dem verhaBten England 
tntt, nachdem es der agyptischen Delegation nicht gelun- 
gen war, bei den in Paris die Welt verteilcnden Entente-Logcnpolitikern 
die Selbstverwaltung Agyptens durchzusetzen. 

Man kann an dicscr S telle gcrade die wuudtir voile Erganzung mac hen, dafl 
es den logenbruderhchen Staatslenkern von England, Frankreich, Amerika (Wil- 
son) ,md Italien mit kemem ehrlichen Gedanken in den Sinn gekommen ist, den 
yon ihncn regierten Vol kern die Friedensvertragc mit Deutschland, Deutsche 
osterreich usw, e i n s c li e 11 zu lassen. Kein britisch-franzosisch-amerikanisch- 
italischer ..Demokrat hatte Kcnntnis von dem, was in den Friedensdiktateu 
stand! Deshalb schneb „The Nation" am 5. Juli 1919, , r daB die Volker eineu 
solchen Vertrag nie aubgearbeitet batten". Wo aber die Loge spricht, haben 
cue V olker ait — schweigen! Die britische Regiernng ging denn auch so weit, 
aucn die Vcroffentlichuug der Gegenreden Rrockdorff-Rantzaus, Eberts, Scheide- 
ir aims usw'. wider diese Friedensdiktate zu verbicten. Da eiinnert man sich 
unwillkiirlich an den eh em ah gen Premier und Lordkanzlcr unte r Konig Heiii- 
nch VHI von England, an den Kingewcihten einer wirklich liolieren menschlichen 
lugend 1 ho mas Morus (More), der in seinem Roman ..Utopia'**) die Vor- 
vater der lu-utigcn britischen Politiker als Spitzbuben schlimmstcr Sorte schildert, 

r } Untenn 19. juli 1919 fordert die Broinberger „Polni<=ch/zeitimg" bereits 
zum tfoykott gcge-n das — verbundcte England auf, das nur >,Po!ens Handel 
schlucken ivollef 

2 ) Vgl. „Zurichcr Post" vom 37. August 1919. 

") Auch Thomas More gehbrte dem okkulton Eingeweihtentuuic an Wegexi 
Verweigerung rles. Supremateidcs (den Helnricli VIII einfuhrte und der der Krone 
die oberste Kirchengewalt zusprach) wurde More am 6. Juli 1535 enthauptet Lc- 
sensw-ert 1st die klemc Schnft , .Utopia" a us dem ..Dreilandcrrerlag" (Munch ea 
1919;, dit eme Auswali] der Moreschen Gedankcn gibt. 



™ 177 - - 

die — schon damals die gleichen Raubgesinnungeti wic ihrc heutigen Nachkommen 
hegend — das breite Volk urn ihrcn ganzen Landbcsitz betrogen... 

Heute betriigt die angel sachsische \Velt die ganzc Menschheit! Die 
„SiIberkugeln Lloyd Georges'* rollen, und die Goldbarren pflastern den Bo- 
den, auf dem Britannia seinen Siegeswagcn vorschiebt. Die ganze Welt 
wird zur angelsachsischen Provinz. Die Kommission in Versailles, die die 
deutschen Kolonien „zu vergeben" hatte, bestimmte am 20. Juli 1919. da6 
Belgien einen Teil Deutsch-Ostafrikas erhalte, aber dafiir einen gruUeren 
Teil derKongo-EiscnbahnanEnglandabtreten musse, f ,Die 
Englander erobern sich damit den (von Br.-. Cecil Rhodes fiir die Briten 
geforderten) Weg K a p— K a i r und Rhodesia— Uganda und setzen sich zu- 
gleich in den Besitz des Katangagebietes." } ) Frankreich aber wird 
fiir die Vorherrschaft Englands in S y r i e n *) mit einem Stuck von Deutsch- 
Kameruxi „befriedigt t- und allenfalls nocb mit einem Stuck von Deutsche 
Togo. Das iibrige Kamerun fallt — laut „Petit Parisien" vom 18. Mai 1919 
— an Englan d. Und von Belgien bekommt England noch besetztes 
bishcrig clcutscli-afrikanisches Laud hinzu: ,.jenes Gebiet, das nicht an den 
Tanganjika grenzt". J ) Und das ubrige in der Welt besorgen — die briti- 
schen Banken. Und die gehoren den Rrr. ■ . Maurern. 3 ) 

Nur cinigc BeLspicle: Die London City and Midland Bank (mit einem 
Aktienkapital von 224 Millionen und einem Reservekapital von 22s Millionen Fr„ 
mit 1549 Filiaien und groGen Hauptgeschaften in den 6 bedeutendsten Stadten 
Frankreichs/in Brussel und Antwerpen, mit Kapital-Invcstienmgen auch in Ita- 
lien und neuerdings noch die Nationalbank of Scotland durch Fusion 
verschlingend) neigt sich nun gutigst auch liber die Schweiz und iiber die von der 
Entente besetzten Gebiete Deutschlands, alliiberall ihre Geldschranke aufstellend . . . 
Und was von der London City Bank nicht vollendet wird, daruber macht sich 
die National Provincial and Union Bank in London (die soehen 
die Sheffield Bank in sich aufgesogen hat) her. Sie verfugt uber mehr denn 240 
Millionen Pfund Sterling an Depositen. Die beiden Banken werden naturlich 
mittun, um It alien die socben benotigten 10 Millionen Pfund Sterling aus- 
zuhandigen, urn dann uber das Land Dantes em neues Vetorecht mitzuvcrhangeiu .. 
Ein weiteres aber besorgen der Karon Cunlife (Kohnleben) als Direktor der 
Eiiglischen Bank und die Londoner Rothschilds. Wahrend des Krie- 
ges muBte nlles fur England geforderte Gold von den Minengesellschaften an 
die Englische Bank abgeliefert werden, jetzt sind die Rothschilds zu den Ver- 
kau is agent en fur das a us der Erde gewonnene Gold ernannt word en, und ihre erstc 
Tat war ein gcwaltiger Goidvcrkauf an die Vereinigten Staatcn mit einem Mehr- 
erlos \on uber 15% gegenuber dem scitherigen Goldwerte, Durch dicse Tram.- 
aktion liiert sich naturlich das englische Kapital erneut mit dem amerikaniachen 
des Morgan-Trusts (von dem wir weiter hint en spree hen). Und wieder ist es 
britisches Bankcnkapital. das die grofie ungarische Waff en- und Munitionsfabrik 
Manfred Weifl in englische Hande uberfuhrte, wic es britisches Geld war, das die 
dentsche Front zu Wasser und 2u Lande zerstdren half (eine der an die deutschen 



') Vgl. dazu auch den Amstcrdamer „Telegraaf" vom iy. Juni 1919. 

2 ) In den Vcreinbarungen zwischen England und Frankreich von 1916 wurde 
Syrien dem franzosischen Einflufi unterhtcllt Tatsachlich aber spricht dort Eng- 
land durch sdne britischen Kolonialbeamten und Besatzungstnippen das 
Machtwort. Die eingeborcne Bevolkerung aber wird iibcrhaupt nicht befragt, 
was sieselb&t ctwa zu wiinfechcu hatte . . . Dafiir hatte England m Syrien aber 
noch den fianzoseufreundticb.cn Emir Said gefangen gesetzt — . 

*) Und allenfalls noch den Jcsuitcii, wic schon Hermann Ahlwardt in sei- 
ner Schrift „Mfhr Licht" (Leipzig, Verlag Rudolph & Co.) vor dem Kriege dar- 
zulcgen suchte. Jcsuiten und Freimaurer — aufierlich Feindc — reichen sich „ata 
Internationale Eine Partei f ' nur zu oft die „bruderliche Rcchte". 

Hcise, Entcji(e-FreimaurereL II, t^ 



178 



Arbeit erf iihrer ausgezahlten Summen von 20000 Mark iibergab ein Havelock 
Wilson fiir den Syndikalistischen Seemannsbund laut Mitteilung des Fachblattes 
des deutschenTransportarbeiterverband.es; das Geld wurde in London abgehoben). 
(Schier zahllos sind die Wilsons, die in den britischen, schottischen und irischen 
GroBlogen wirkcn.) Britisches Bankenkapital hat auch dalnn gewirkt, daB — 
wahrend Deutschland in argste Baumwollnot geraten mufJte — die englischen 
Baumwollspiutiereien 23, 25, 30, 40, 80 und 120% Divideuden auszahlen und 
neue Aktien verschenk e'11 konnten. 

Dafi England neuerdings 35 Milliarden Franken fiir Heer, Flotte und 
L-uftstreitkrafte ins laufende Budget einstellte, daB es d r e i 6 i g modern- 
ste Krtegsschirfe im Bau hat, und gemeinsam mit den Franzosen Waffen nach 
den deutsch-uberschlesischen Aufstandsgcbieten einschmuggeln IieS, um 
schliefilich ganz Oberschlesien (soweit das iiberhaupt noch moglich ist) an 
die Polen ausliefern zu konnen, will nur beilaufig fcstgchaltcn scin. Doch 
die Polen mogen nur immerzu ^herrschen", das ficht ja Britannia nicht an T 
wie bei Danzig und Alerael usw. eben gezeigt wurde. Wahrend England 
die Polen auch dort mhig gewahren lafit, wo diese, wie in den von ihnen 
besetzten Gebieten Litauens, in edit „demokratischer" Art die B a u e r n - 
iron wicdereinfiihren 1 ) (der zufolge die Bauern zwei Tage in der 
Woche ohne Entgelt fur die GroBgrundbesitzcr „schanzen" miissen), macht 
sich England uber die ganzen Donaugcbiete her. Ein britisches Kon- 
sortium verhandelt dartiber, wie cs die gesamte SchifFahrt, die bisher von 
Osterreichern, Wngarn, Suddeutschc-n und Serben auf der Donau und den 
Binnen-Seen betrieben wurde, in seine Gewalt bringt . . . Die Donau-Zuflusse 
(Theifi) reichen ja bis ins Polnische hinauf . . . 2 ) 

Zwei Satze fallen tins noch ein, die der Schlepptrager der britischen Lo- 
genpolitik Samuel Zurlinden in Zurich unbedachterweise in den 3. Band 
seines „Weltkrieges" („in neutraler Beleuchtung"!) schrieb: 
1874 fand in Brussel eine Internationale Konferenz statt, um die Gcsctze und 
Gebrauchc des Landkrieges allgemein zu regeln und eine 
allgemeine Friedensverstandigung der Staaten zu schaffen. Da- 
mals verhielt sich England ablehnend, die englischen Delegierten nah- 
men nur als H6rer teil. Lord Derby (ein Br.*. Maurer, 'dessen Namen die 
„Derby ,( -Loge zu Manchester der Nachwelt erhalt, gegrundet 1865) telegraphierte 
am 4. Juli 1874 an den britischen Gesandten in Petersburg, dafi England fest 
entschlossen sei, nicht teilzuueb men an eine r Beratung 
der Volkerrechtsfragen, welche die Beziehungen der 
Kriegfuhrenden beruhren konnten. Und die Vereinigten Staaten 
lehnten die Einladung zur Konferenz iiberhaupt abl 
Dies der e i n e Satz, der mehr sagt, als sein Zitator wunschen konnte. Und 
nun der nveite Satz, der zeigt, daS selbst die Manner der auBersten Lin- 
ken in Deutschland England zu durchschauen begannen: 
„Niemand hat arger gespottet iiber die Einladung zur ersten Ilaager Konferenz 
als die deutscben Sozialdemokraten, deren wissenschaftliche Revue, die 
,Neue Zcit', rliese Einladung einen Mumpitz nannte, welchcn nur eine dege- 
nerierte und In ihrem Denken vollig verblodete Bourgeoisie ... ernst nehmen 
konne". 

Wir haben den beiden Satzen nichts hinzLizufugen. — 

L ) Vgh das „Zurcher Tagblatt" vom 6. September 1919. 

s ) Man mochte sich Hans Falstaffs in „Kdnig Heinrich IV." erinnern, dem 
Shakespeare die Worte in den Mund legte: ,,Es ist bestandig der Trick unserer eng- 
lischen Nation gewesen, wenn sie was Gutes hat {was Ehrliches tun konnte), es 
z u g c m e i n zu raachen". 



179 — 

„Rom verbriidert tuid erzieht zur Zivili- 
sation und macht alle Volker, auf die es 
seine Ilerrschaft cr^treckt, seines Rech- 
tes tcilhaftig, ohne dcrdi Gewissen zu 
bedrucken." 

CAcacla", Rom, 191 5, S. 16s.) 



Wir konnen nun zu 



Italien 

tibereeben das am alleroffensictatlichsten die Logenpolitik zur Schau tragt. 
In echt maurcrischer Tradition legte denn auch President Dr. Woodrow 
Wilson gelegentlich seiner Italienfalirt am 6. Januar 1919 vor dem 
Denkmal des Hocbgradmaurers 33.-. Br.-. Giuseppe M a z z 1 n 1 in 
Genua (auf dem Piazzo Corvetto) einen Kranz nieder. Dabci sagte Wil- 
son (nach der Stefani-Agentur), daB er stolz sci, „dem groBen Denker und 
Apostel des Humanitatsideals (1) Mazzini seine Ehre erweiscn zu konnen. 

Vor Kriegsausbruch, das ist im Fruhjahr 1914. als das Kabinett Sa- 
landra gebildct wurde, zaliltc das italienische Ministcnum sechs An- 
^ehoriee der Freimaurerci. Die aus dcutschen und ostcrreichischen 
Brrn.'. bcstehetide I.oge .Humanitas" zu Mailand wurde sevens des 
Grofiorients von Italien" mit Anfang September 1914 aufgehoben und 
alien Logenmitgliedern, die volkisch zu den Mittelmachten zahlten, jeg- 
liche weitere Teilnahme an den Arbeiten in italiemschen Werkstatten un- 
tersagt Dafiir hielten, wie der deutsche Br. • . Wolfgang mitteilte, in gro^ 
flcn Volksversammlungen die italienischen Brr. • . Grofimcister Ernesto 
Nathan (der fruhere Stadtrat und Burgcrmeister von Rom) und der 
zugeordnete GroBmeister Gustavo C a n t i und der aus Tncst gefluchtele 
osterreichisch^irrcdentistische Abgeordnete B a 1 1 i s t i n i Brandreden zu- 
gunsten der Kriegsbeteiligung Italiens wider Osterreich-Ungarn. .Nach 
der Kriegserklarung Italiens an Osterreich trat der GroBredner vom 
Grand Orient von Italien", der unabhanglge radikale judische Abgeord- 
nete Br ' B a r z i 1 a i , ins italienische Ministermm em. ^ Uer ft Grand 
Orient von Italien" aber erliefi im F e b r u a r 1 9 1 5 ein Rundsclhreiben 
an seine untergeordneten Logen (das unterm 15. April 1915 vom Freund- 
schaftsbiirgen [!] der deutschen GroBlogen von Hamburg und i'rankturt 
a M " Br * VizcgroBmeister C a n t i 33 . ■ .', erneuert wurde), in welchem 
zur Bildung besonderer politischer Komitees und zur Spionage in alien 
zuganglichen Angelegenheiten in Feindesland wie in Agypten, Rumanien, 
der Turkei, wo italische Logen sind, „mit genauer Angabe aller Ereigmsse 
von Wichtigkeit" aufgefordert wurde. Darin heifit es: 2 ) 
„Der ausfuhrendc Ausschufl der obersten Ordensbehorde sandte in Vor -anj sich t 
der Teilnahme Italiens am europaischen Volkerknege an alle Logen der italie- 
~ nischen Geineinschaft das nachstehendc Rundschreiben . . . Dicjemgen (Logen), 

^T\Vic der deutsche Br.-. Leopold Wolfgang weifi, ist Barzilai geborener 
' Triestcr md heiflt mit semem wirklichen Namen B ii r 7. e 1 Als Rcucgat uber- 
nanm er die Fhhrung der Irredenta und wurde datur be, . K"^«^ «m 
Minister tur die zu befreienden Gebiete" gemacht. Er vertrat Itahen auch aut der 
Vorfriedenskonfere^ ^ ^ maasonica » wiedergegeben vo.n 

deutschen Br. . Dr. Ludwig Muffelmann in seiner „Handschnft fur Freimaurcr 
(veriest 1915 bei Br.-. AUr. linger, Berlin). 



— 18a — 

die tiber den 5. Mai (den Tag der Garibaklifeier in Quarto) hiiiaus zogern (es zu 
beantworten), werden eine riringende Mahmuig von seiten des GroBmeisteis 
erhalten. VVenn irgeud eine Loge wider Envarten nicht atitwortcu . . . sollte, 
. . , so werden ernste MaBregHn (gegen dieselbe) angewandt warden." — 
Nun fordert Br.', zug. GroBrncister Canti 33.'. namens der Ordensoberbehbrde 
auf, „d a s so langc sen on herbeigesehnte E r t i g n i s" der Kriegs- 
beteiligung Italiens nach Kraften zu fordern. Die Logcn sollen pro fane Ver- 
c inigungeii g r u 11 d e n zur Unter stiitzung des Knegswillens: „f ii r d e r e n 
E r r i c ht u n g batten wir (so heiSt es wortlich) un&eren lokalen Arbcitsaus- 
schussen schon im Februar (1 9 1 5) die nbtigen Weisungen erteilt". 1 ; 
Zum SchluB fordert das Rundschreiben nach der gultigen Ordens- 
r e gel „unverbruchlichen Gehorsam (!)": „Diesen bewuflten Gchorsam sollen die 
Stuhlmeister von den Logen verlangen, genau wie wir (die Ordcnsbehorde.) 
ihn aufs streugstc von den S t u h 1 m e i s t e r n fordern werde u." 
Wichtig scheint uns, gleich eingangs — bci der Oberlcitung von Eng- 
land zu Italien — festzuhalten, was der italienische, kriegsgegncrische 
„Avanti" anfangs Mai 1915 (zitiert nach der ,,K6Inisclicn Volkszeitung" 
vom 10. Mai selbigen Jahres) schrieb : 

„. . . Das Land (Italien) soil es nicht wissen, yver es ist, der das Rad des ,patrio- 
tischen f Narrenkarrens schmiert und dreht . . . Die italienische Kreimaurerei 
stimmt fiir den Krieg. . . Das Volk ist fur die O 1 i g a r c li i e der grunen 
Sekte s ) nichts anderes, als cin Werkzeug, das den Planen der Anfuhrer zu 
dicnen hat ... Es geschieht dies, urn die politische Kraft der Arbeiterschaft zu 
unterjochen ... In dies em Augenblick wappnet und verschwort sich die Frei- 
maurerei fiir — den Kb nig von England,.. Die etiglibchen und franzo- 
sischen Logen uben auf die italieiiisclicn Logen chien ungeheuren Druck aus . . . 
Von den Logen gehen kategorisehe Befehle aus und Verweise an die Manner, 
die offentliche Aintcr bekleiden, oder die auf Organisationen und Parteieu zu 
wirken fiir einfluBreich gehalteu werden... Von der Loge . .. werden die yiclen 
,uiiabhangigeii' Blatter inspiriert , . " " 

Es ist zu unterscheiden zwischen dem „Grofi-Orieiit von Ita- 
lien", der „G rofllogevomSymbolischenRitus v o n Ita- 
lien" (bcidc mit Sitz im Palazzo Giustiniani in der Via Dogana Vecchia 
in Rom) und dem ^Supreme Conseil von Italic n". Der „GroB- 
Orient' f (gcgriindet i86r), der 1908 mit 286 Logen und 57 Triangcls (oder 
Kranzcheil) rund 3800 Brr. ■ . zahlte und jetzt 500 Werkstatten umfaBt, 
eine Zeitlang unter Br.-. Ettore Ferrari stand und von diesem noch 
bis 1 91 7 geleitet wurde, hat jetzt wieder den vormaligen alt-GroBmeister 
Br.-. Ernesto Nathan zum hochsten ihrer Wiirdentrager. Die ^Sym- 
bol isctie GroBlogc" stchl unter Grofimeister Br.-. Edoardo Frosini; ihr 
Eogenorgan ist die „ Acacia'.'. Dem „Hochgradsystem der 33.' ." (Supreme 
Conseil, gegr. 1805) gehorten 1908 14 Rate vom Kadoshgrad an und 82 
Kapitel mit 104 Schottenlogen. Aufierdem arbeiteten — nach v. Dalens 
Freimaurerkalendcr von 1915 — 52 italienische Maurer-Werkstatten im 
Auslande (in Agypten, Argentinien, Brasilien, Erythrea, Kapland, Para- 
guay, Peru, Rumanien, Serb 1 en , in der Turkei [wahr&cheinlich wahrend 
des Kricges aufgelost, nachdem die HofFnung der tiirkischeii Brr. * . auf 
ein friedliches Einvernehmen mit italien nach dem Tripoliskriege sich 

*) Es kann hier bemerkt werden, daO audi die Schu 1 j ugcud im Sinne der 
Logenpropaganda organisicrt wurde. So hattc die Mailkndcr Logenschaft eine 
Jugeridsoktion von 16000 Schulkindern geschaffen, um den Hal3 gegen die Mittcl- 
staaten zu schiiren. 

B ) Das_J5t die Hocligradmaurerei vom Alten und Angenoinmencn achottisclien 
Ritus, die in den Farbcn Rot, Griin, Grati, Orange usw. schillert. 



— 181 — 

nicht crfullt hatte], und in Uruguay). Als dcr eigentliche Reorganisator 
der italicnischen Freimaurerei gilt der chemahge romische Bankier ttr. .- 
GroBmei^ter Adriano Lemmi, der wicder Mitglied der „Hohen 33 . ' . 
ist und cin personlicher Freund des f Rcvolutionars und Groflmeisters 
Br • Giuseppe Mazzini war, und mit Bildhauer Ettore Ferrari und Ernesto 
Nathan (beide ebenfalls vom Hohen Rat der 33.'.) wechselweise die Ge- 
schicke des italienischen , proponents'' leitete. Br. ■ .-GroBmcister Ernesto 
Nathan wurde erneut am 2;. November 191;, in Gememschaft mit dem 
Grofimeistcr-Adjunkten Br.'. Mar ensi, in sein hohes Amt eingesetz . 
Obschon'drei Geheimbunde gezahlt werden miissen, erstrcckt sich _ doch 
das eigentliche Herrschergebiet Nathans uber alle italienischen Logen 
und Grade (uber 475 oder mehr Loggien insgesamt), denn die irneren 
Zwiespaltigkeiten zwischen dem vcrstorbenen Br.-.GroBkommandeur 
Pfarrer F e r a und dem Groflorient sind durch die gemeinsamen Welt- 
logen-Kriegsziele beigclegt worden. 1896 wurde Br.- . Nathan das erste 
Mai an Stcllc von Br.-. Lemmi auf den GroBmeistcrstuhl der dreigc- 
nannten Geheimbiinde berufeu. Seit dem 26. Juni 1900 besteht zwischen 
dem Mailandcr GroBoricnt, dem Neapler SuprcmoConsiglio 
und dem Sublime Gran Consiglio Generale des Memphisritus m 
Palermo ein V e r c i 11 i g u 11 gs v e r t r a g. Gesprochen wird davon, 
" daB der ,Ordensrat fiir alle inatirerischen Systeme in Italien* aus 
T20 Mitgliedcrn bestehe; dabei setze sich der Engere Rat, eine Art frei- 
maurerischer RegierungsausschuB, aus 21 Mitgliedern zusammen : diescr 
wahlt den Ausfuhrenden AusschuB aus seiner Mitte. Der Orient-GroB- 
meister hat sowohl dem Ordensrat als dem engeren Rat und dem Exc- 
"' kativ-AusschuB zu prasidicren. Jede Wocbe finden Tagungen statt. ) 
Ordens-Bureauchef war vor und wahrend des Kneges Br.-. UlMhe 
Racci in Rom (uns bekannt von S. ( 6 5 ), dcr zugleich Direktor des GroB- 
' orieiu-MauiTiblattes ,Rivisla della Massorcria Italiana 1st. Ulisse Bacci 
. vertritt in Italien zugleich die GroBlogen von Portugal, Luxemburg, Neu- 
■ sudwales und Venezuela. Departement-GroBmeister war (1908) ae r< Ab- 
geordnete \dolfo En gel, der damals auch dem „Symbolischen Ritus 
prasidierte. Ernesto N a t li a n reprasentiert nebenher die GroBlogen von 
Spanien, Georgia und Mexiko. Der vor zwei Jahren ermordete Groflkom- 
mandeur des Supreme Conseil", Gemeinderat und Protessor Br. ■ . Achillc 
B a 1 1 o r i kundschaftele fiir den Hohcn Rat und Groflonent in der Ber- 
liner GroBloge zu den drei Weltkugeln" ; im weiteren unternchtete er 
sich uber die Yerhaltnisse in Neuseeland, Tasmanien und Victoria (also 
iibcr die englische Wcltlogenpolitik). Das Mitglied dcr Ersten italieni- 
schen Kammer Br.-. A. C I a 1 y reprascntierte in seinem hohen mauren- 
schen Amt vor dem Kriegc die schweizerischc GroBloge ^Alpina" und die 
■ GroBlogen Jnteressen von Guatemala. Das Mitglied der Ersten itahem- 
' schen Kammer Professor Br. ■ . Achille d e G i v a n n i war delegicrt fur 
den f r a n z 6 s i s c h e n G r o B o r i e n t in Italien, wahrend ExgroBmei- 
ster Br Ettore Ferrari die Beziehungen zur franzosischen 
GroBloge sowie mit Neu-Braunschweig, Montana, Haiti unterhielt. 

A ) VgLhierzu Hcrm. Giuber in den . t Stimmen der Zcit'", 19 15, S. 5^. dei ^ich 
auf die „Rivi S ta mas £ onica f, r 1914, bezicht. sowic das ..Handbuch der Freimaurcic. , 
1910, I, S. 497- 



— 182 — 

Dann prasidierte Br.- . Ettore Ferrari als Stuhlmeister noch aufierdem die 
Loge ^Propaganda Massonica" in Rom. Professor Br. v Luigi 
L u c i a n i , ebenfalls Mitglied der Ersten Kammer, kundschaftete fur sei- 
nen italienischen Orient in Irland. Der Abgeordnete Br. ■ . Giovanni C a - 
m e r a hielt sich auf dem laufenden iiber Columbia. Und das Mitglied 
der Ersten Kammer, der Radikale Br. ■ . Malacchia de Cristoforis 
unterrichtete sich iiber deutsche Verhaltnissc durch seine Verbindungen 
zum „Eklektischen Freimaurerbund" in Frankfurt am Main. 

Wahrenddem wir dieses Kapitel dem Druck ubergeben, kanrfidicrten 
zu den italischen Kammerwahlen u. a. aufs neue auch die Br r. * . Freimaurer 
FederzonP) als Erwahlter der Nationalisten und Sozialist Musso- 
lini als Hauptvertreter des „Fascio". 

Das politische Logentum Italiens ist schon rein auflerlich gekennzeichnet 
durch das Vorhandensein von acht ..Giuseppe M a z z i n i" - Logen in Rom, Mes- 
sina, Livorno (unter Giovanni Giglmcci), in Partanna, San Terenzo, San Remo, 
Trapan^ Kairo und Tunis. „G a r i b a 1 d i" - Logen sind etwa em Dutzend zu zah- 
len m Rom Ancona, Civita vecchia, Livorno (zwei Garbaldilogen), in Maddalena 
in Messina, Neapel (Meister Prof. Frandella), in Novarra, Porto Maurizio und Spc- 
zia. Line Loge .Jropaganda" besteht in Cuneo-Turin, eine Loge „R i v o ~ 
1 u z i o lie" gibt e3 in Livorno, drei Logen „Pr ogresso S o z i a 1 e" verzeich- 
net der Weltfrcimaurer-Kalender in Mazerata (unter Paolo Pizzarcllo), in Ivrca 
(Turin) und in Treja (Mazerata), eine Loge „L u c e e P r o g r e s s o" ist in Ptsa. 
..Giordano B r u no"- Logen werden zu Marsala (Stuhlmeister Ambrogio Sar- 
tono}, zu Messina, Tunn-Pinerolo und Alcxandrien in Agypten gezahlt; die poli- 
tische Tatigkeit der Brnnologen in Italien ist ebenso uubestrltten, wie die Politik 
~ er >'£. ] ls , »ien-Dante"-Logen, deren es mindestens vier gibt: in Castig- 
Iione rmella (Araeo), Palermo, Ravenna und Turin. In Ravenna spielte wahrend 
des gegenwartigen Weltkrieges der Br.-.-Deputierte pirolini eine groBe Rolle. 
Der auf S. m genannte italienische Politiker Br.-. Rafaele Gandolfo leitet die 
Lose .Giovanni Battista" in Mailand, Eine „C a v o u r" - Loge ist auch in Tu- 
rin (Cavour, Graf Camillo Benso, bcriihmter Staatsmaim und Leite r des italieni- 
schen Kabmctts, schloB i8ss die AIHanz Italiens mit den Westmachteu und voll- 
zog mit Napoleon III. eine Verabredung wegen des Krieges gegen Osterreich- 
kurz vor seinem Tode bewirkte Cavour die Prokfamieriing Viktor Emanuels II' 
zum Komg von Itahen.). Eine .Francesco Crispi"- Loge besteht in Callao 
(Fern) und zwei „G i o s u e C a r d u c c i" - Logen sind in Narni (Perugia) unter Dr, 
Luig, Bel I o so no, und ]n Conversano (Bad) tatig. Ebenso halt die Loge , Lucifer" 
zu JMorenz das Andenkeu des „Satans-Hymne"-Dicliters Carducci wach Ein A 1 - 
bertoni - Kranzchen arbeitet in Corregio und in Reggio d'Emilia. Zwei 
..Aurelio Saff: -Logen (vgl. S. 41) bestehen in Barcelona in der Provinz 
Messina und in F0H1, und eine politische „G a 1 il e i" - Loge wirkt in Molfetta 

Fohtiache Pragung tragen auch die Logen If Mentana" 11. Mai" 
" ! V ™ p -i e n \ b e . r " und " 3 a S e p t c m b e r". Die Loge zu Marsala neiint sich 
„i i.Mai und ermnert an die Landung von Br.*. GroBmeister Garibaldi auf 
bizihen am 11 Mai i860 und an seinen am 7. September darauf erfolgtcn Ein- 
zug als Diktator in Ncapel. Das Italienische Nation alfest zum 
Andenken nu die Besetzung der ewigen Stadtf Rom durch die Italiener am 
20. September 1870 (als AnschluB an die am 11. September 1870 erfolgte Be- 
setzung des Kirch ens ta ate s, de r dann am 2./8. Oktoter dem Konigrcich 
Itahen 1 emverleibt wurde) verberrlichen die Logen ,,20, September" zu Rom, 
Marietta, Horcnz, Fondi (Caserta), Spezia und Vendicio-Formia (Caserta). Uber 
die Besetziing des Kirchenstaates trmmphiert noch heute die Loge „n. September^ 
von Citta di Castel (Perugia). Dem Kirchcnfeind Br.*. Garibaldi huldigt die Loge 

*) In einer stijrmischen Sitznng der italienischen Kammer (vom 10. Tuli 1919) 
m Rom nannte der soziahstische Abgeordnete Ferri den Nationalisten Br - 
i^ederzoni emen „dunklen Geschaftsmann" (vgl. „Ziiricher Post" vom n, Juli 



- ^83 - 

.Montana" zu Rom-Frosinoue (im Jahre 1S67 stand Garibaldi auf se inem Kriegs- 
zuge nach Mentana bereits vor den Toren Roms, urn den Papst des Kircnen-^ 
staates zu berauben). Am 6. September 1914 nun erlieB GroBmeister Br .-. ler- 
rari einen GeheimerlaB an siimtliche italische Logen mit der Aufforderung, den 
20. September als NationaUert in alien Werkstatten feier hcY 1 zu begehen rnit Bezug 
auf die Kri.gshoffnung Italiens im Weltkonflikt. (Vgl Br .-. Dr. Muffelmanns 
besondere „Handschnft" an Brr.-. Freimaurer, S. 13— 19) . 

Das italienische Kriegspropaganda-Komitee leitete Min.s erBr- Co m man- 
dii.i' er wurde unterstutzt von den Brn.-. Lrn. Nathan Salvatore Barzdai (Bur- 
zel) die die Mitgrunder des irredentischen Sprachvereins^Dante Ahgh.en sind, aus 
welch letzterem wieder der Freimaurerbund „Trento e Trieste- der Neue Bund 
(Patto Nuovo) mit seinen drei Dutzend Sektiouen und die ,,Giorna|e Italia als 
Verein der Schulkinder hervorging. (Siehe auch „Neue Zurcher Nachr. i\r. 237 
vom 28. August 1918.) 

Wir schicken zunachst noch das Folgende voraus, wobei wir tins im 
wesentlichen an die Ausfiihrungen hallcn, die der deutsche Br ■ . Leopold 
W o 1 f g a n g im Juliheft 1916 des dcutsch-maurerischen „Unsichtbaren 
Tempels" niedergelegt hat, und erganzen dies noch urn eimges. Nicht alle 
Mitglieder der italienischen Freimaurerschaft waren Gegner des ehemali- 
gen Dreibundes Deutschland-Osterreich-Italien. 1 ) Trotzdem stellte sich 
das o f f i z i e 1 1 e Logentum des Grand Orient von Itahen in Gememschaft 
mit dem Sprachvcrein M Dante Aligbicri" mit Abschlufi des Dreibundes 
(1882) v o 11 n e u e m auf die Seite der I r r e d e n t a, 2 ), welche — 187** 
gegrundet — anfangs auBer Trient und Triest, Gorz, Sudtirol, Dalmatierj 
luch den schweizerischen Kanton Tessin, fcrner von Frankreich Nizza und 
Korsika und von GroBbritannien Malta begehrte, seit der englisch-franzo- 
sisch-italienischen Logenverbruderung aber ganz und gar auf den Besitz 
von Nizza-Korsika-Malta vergessen hat 3 ) . Auch die Brr. • . C r 1 s p 1 -und 
Z a n a r d e 11 i (Angehorigc der Hoben 33 . ■ .) waren anfangs Gegner des 
Dreibundes gewesen; doch traten beide dann der Dreibundpolitik bei. 
Crispi bildctc das sogenannte ..Kabinett der 33er", das dem Dreibund die 
Treue hielt, 

*) Bevor noch der Dreibund entstand, nahmen (wie der Sekretar des frei- 
maurerischeu Arbeitsamtes in Deutschland, Br.-. Dr. J. C Schwabe, im Unsicht- 
Saren Tempe", Jubilaumsheft ,917. S. 502 mitteilt) die beidja italienischen 
Orient^GroBmeister Brr.-. Frapolli und Mazzini Deutschland gegenuber 
eine sympathise Stellung ein. Doch hatte Groflme.ster Br •_. Lodovico Fra- 
polli 1 1870 als Oberst unter Garibaldi gegen Deutschland gekampft, wie wir an 
anderer Stelle sagten und wie Br.-. Wolfgang im „Unsichtbaren Tempel ^ipiO, 

S ' 3a V'Seit "e'me-- Re i lie von Jahren war der inzwischen als itallenischer Minis ter- 
prasident wieder erledigte Sozialist Br.'. Resell i der Pras, dent des SPjach- 
vere ns ^Dante Alighieri", wie (zum weitereu Verstandnis der Dinge) der deutsche 
Br ■. Wolfgang ift der ..Bauhiitte" Nr. 34 vom 21. August 191s sdireibt _ und 
Dr' Brauweiler kopiert („.-.-Bnider", S. 22), existierte m der venctiamsch-friaii- 
nschS ; Stadt Udine ciue Loge ..Alpi Giulie", deren Mitgheder ^nahmslos 
bsterrekhische Irredeatisten waren. Stuhlmeister derselben war der Kechts- 
anwalt Br.-. Felice V e n e z i a 11 aus Triest, ein Mitglied des „G.and Orient von 

IUi TFreilicli hatten nicht alle Malteser-Brr.'. auf die Wiederabtrennung M alt as 
vnn England Ver^iclit geleiatet. Aber als „furwitz]ge Sprcchcr flogen sie dafur 
a^"s <fem, Grand Orient von Italien" hinaus (vgl. die Wiener „Rei C h*post" p W5, 
Nr. 234). 



— 184 — 

.Br.'. Ciispj, der in seiner Jugcnd D o m b e n gegen Konig Ferdinand II. von 
Neapel auiertigte, wai tin „GaribaIdianer", hatte mit Grofimcister Garibaldi i860 
„den Zug der Tausend" nacli Marsala zur Gewinnung der Provinz Trapani fur das 
Konigreich ltalien mitgemacht und hatte dann den Thron der Bourbonen mit 
sturzen helfen. GroBmeister Garibaldi wieder war zugleich Zugehoriger zum 
politisch maureriscben Geheimbund „Carbonaria" gewesen, wclcher Bund vier 
Grade und an der Spitze den „Groflmcister der Grofi-Erwahlten" batte. Auch in 
der Schweiz und in Deutschland gab es — aufler in England und Frankreich — 
,,Carbonari-Logcn"; Zweck war auch schon damals die . . . Weltrcvolntion, die sich 
in Deutschland (1847/49) der carbonansclie „Totenbund" zum Ziele setzte. 
Garibaldi sclbst fluchtete — um seiner zeitweiligen Verfolgung als Carbonarier ') 
zu entgehen — nach Amerika. 

In heftiger Fchde kampfte der italienische „Gro6-Orient" unter den 
drei Brrn. • , Groflmeister Adrianb Lemmi (der vermoge seiner Abstam- 
mung . in geheimer Beziehung zur ententistischen Organisation der 
„Alliance Israelite" steht), Attilio Luzzato und Frederico F a b b r i 
gegen Br. ■ . Crispi und dessen Vorganger im Amt, den italienischen Mini- 
sterprasidenten Br. - . Agostino Depretis, wegen deren Dreibund- 
politik, die die Loge als einen Verrat an der italienisch-franz6sis<tfien Ver- 
bruderung schilderte. — Ebenso hatte i88r der damalige GroBsekretar des 
italienischen Groflorients, Br.-. Luigi Castellazzo, Mitglied der 
23 . • ., fur die Verbriiderung Italiens mit England und Frankreich und 
gegen alle Dreibundpolitik (Deutschland-Osterreidh -ltalien) Gegnerschaft 
crgxiffen (vgl. „Stimmen der Zeit", 45. Jahrgang, S. 543). 

Als Br. ■ , Z a n a r d e H i bei der Thronbesteigung des jetzigen Konigs 
Viktor Emanuel (1902) an die Spitze der italienischen Regierung kam, lieB 
er — ein Gunstling der Logef — sogleich eine wesentliche Abanderung 
des Dreibundvertrages vornehmen, wodurch eine Annaherung Italiens 
an Frankreich und Abmachungen mit Rutland beziiglich des Balkans zu- 
stande kamen. Diese Annaherung war — von franzosischer Seite her — 
das Werk des franzosischen Botschafters in Rom, Br. ■ . Barrere, und 
des franzosischen Ministers Br. ■ . Delcasse, der nun in der franzosi- 
schen Karrfmer jubeln konnte, dafi Italien Frankreich niemals angreifen 
werde. Und Delcasse muBte das als Freund des „groBen Bruders", des 
Maurer-Protektors Konig E d u a r d VII. von Groflbritannien und Irland, 
durchaus wissen. 

Deutschfreundlich waren vor Ausbruch des jetzigen Weltkrieges auch 
noch die inzwischen verstorbenen Brr. ■ . Guido B a cc e 1 1 i und Camillo 
Finochiari Aprile, sowie der Neapeler Professor und Schottischc Grofi- 
rat der 33.-. Br.-. Ricciardi, aber sie galten innerhalb der Logen- 
kreise kaum mehr denn als Verrater am Logentume (etwa wfe der fried- 
liebende Br. ■ . Jaures, den die MordwafFe traf, oder wie der Englander 
Br.*. John Burns, der mit Kriegsbeginn vom politischen Schauplatz zu- 
riicktrat). 

J ) ..Carbonarier" oder „K6hler", die sich in Waldeni verborgen hielten und, 
zur Irr.efuhrung der Nichteingeweihten, Holzkohle brannten. — Ein anderer 
bedeutender Carbotiaro war noch der Advokat und Revolutionar Br.-. Giuseppe 
P e t r o n i von Bologna, der auch der Gebeimverbindung Mazzinis , Jung Italien" 
angehorte. Achtzehn Jahre lang brachte Petroni in der Gefangenachaft des 
Papstes zu, bis zur Einnahme Roms am 20. September 1870. Darauf wurde 
Petroni President der italischen Advokaten und (nacli M a z z i n i s Tode) 
Groom eister des GroBoHcnts von Italien, 



- 185 - 

Italiens dauerhaftester Minister 1st der 1849 geborene semitische Frei- 
raaurer, Spiritist 1 ), vormalige Ministerprasident und mehrjahrige ita- 
lienische Minister des Auswartigen Br.-.Sidney Sonnino. Derselbe 
gehorte seit dem November 191 4 der italienischen Regierung an und 
gab der aufleren Politik Italiens die Pragung. Stadtrat Ferdinand 
Gruner (Trautenau) sagt in seiner Schrift „Der Treubruch Italiens" 
(S. 25) : „Von dem Augenblick an, da Baron Sonnino das Mimstenum 
des AuBern ubernahm, kam ein entschieden unfreundlicher Ton in 
die Bezichungen (zwischen Osterreich-Ungarn und Italien)'*. Die , ; Neue 
Ziircher Zeitung'* nannte Sonnino am 8. November 1914 eincn „eigenl- 
lichen Finanzpolitikcr". Die „Neuen Zurchcr Nachricbten'' meldeten in 
ihrer Nr. 340 vom Dezember 1915, daB man in Rom sage, Sonnino habe 
sich M als kaltsprechender, hartnackiger Englander bewahrt". Sonnino 
gilt als naturalisierter Englander. 2 ) Er arbeitet mit Vorliebe dem Br. • . 
Lloyd George in die Hande, mit dem gemeinsam er auch Anfang August 
1918 in einer Queenshall-Vcrsammlung in London fiir die englischen und 
italienischen Kriegszielesprach. Deshalb hat auch,, seine RTede einenglisches 
Geprage und weifi im Kleide kiihler Sachlichkeit die Wahrheit zu uuler- 
driicken und das Gegenteil im rechten Augenblick aufzutischen. Seit sei- 
nem Eintritt ins Ministerium wissen die denkenden Italiener, daB sie vollig 
an England ausgeliefert sind, ausgeliefert von Sidney Sonnino. Man hort 
immer wieder in romischen Cafes sagen : ,Er ist eben ein Englander', und 
zwar gilt dies als Entschuldigung und als Anklage ... Die N a t i o n a - 

*) „Inf." berichtet unterm 7. Mai 1918, daB innerhalb der hohen Aristokratic 
Italiens - prasidiert von einem General - dem Pseudo-Okkultismus der 
rollendcn und tanzenden Tiscbe" (dem niederen Spiritismus) gehuldigt wird I, „«m 
militarische und politische Ereignisse der Zukunft zu ergrunden Im Mittel- 
punkt dieses Beginnens stand, wie „Inf." dem Avariti entnahm, 
Br ■ Sonnino, der, was reale Fahigkeit nicht vermag, von den klugen Klopf- 
gci'st'ern" erwartete. - Damit wird die Tataache, daB Matirerei und Okkultismus 
(selbst wenn es sich um Pseudo-Maurerei und Pseudo-Okkultismus handelt) noch 
immer in engen Beziebungen zu einander stehen, aich sogar gegcnseitig bedingen, 

a ) l Bei dem allgewaltigen Einftutt der italischen Freimaurerschaft sind noch 
folgende Br.-. Sidney Sonnino betreffende nahere Beziehungen btachtenswert 
. Ursprunglich stammt die Familie Sonnino aus dem italischen Rauberort 
Sonnino, von dem sie ihren Namen ableitete. Der Vater des jetzigen Auslands- 
ministers war der Livomoer Bankier Isacco Sonnino, der S1 ch und seine Khidcr 
proteatantisch taufen lieB, um sich und den Seinen die Karnere zu ermoglichen. 
Er nannte sich nun Sidney. Wirklich wurde er Minister und Ward m daserb- 
liche Baronat eingesetzt. Der jetzige Minister des Auswartigen m Itahcn 
(der Sohn des Ebengenannten) ist ins of eru Halbenglander, als seme Mutter aus 
GroSbritannien stammt;' sie ist eine Jiidin Georgine Terry. Sidney Sonnino 11. 
(der gewesene einfluBreiche Minister des Auswartigen) wurde in Agypten geborcr, 
wo sein Vater englischen Intercssen zuganglich war, studierte in Pisa, Berlin und 
Wien (wo er sich seine Elnblicke als Sozialpolitiker holtc), wurde dann 1SS0 lta- 
lisches Parlamcntsmitglied, 1889 Unterstaatssekretar im Schatzamt, i«93 
Finanzminister, 1906 Ministerprasident, dann Auslandsmimster durch den ganzen 
' Krieg hindurcb. Seine Geschwister sind: der Senator Georg.o Sonnino (ver- 
' heiratet mit Comtesse Elena della Rocca), M a r g o t Sonnmo (die der Herzog von 
Somma chelichte), Alice Sonnino (Gattin dea italischen Generals GibcwO, 
-Edi ta Sonnino (Gattin des italischen Botschafters in London, Barons de Benzs- 
Montanaro), E m m e 1 i n a Sonnino (Gattin des + Herzog Colonna). (Siehe „Semi~ 
Gotba", Munchen [Zechner & CoJ 1913, S. 421/22.) 



len, als deren Haupt sich (dieser Englander) Sonnitio auf spielt, verktm- 
den (mit Sonninos Eintritt ins Auswartige) den bevorstehenden Krieg mit 
Deutschland . . .** i ) 

Sonnino war zunachst nicht beliebt. Nach seiner Berufung an 
exponierteste Stelle — am 2. Dezember 1914 — kam es im romischen 
Parlament zu larmenden Kundgebungen gegen ihn seitens eines 
gewissen Teils linksstehender Sozialisten, die da riefen; >T Du (Sonnino) 
bist der Verrater des Landes!", ,,Du hast Italien verkauft". T ) Und das 
„PopoIo Romano" hatte vor dem offiziellen Anschlufi ltaliens an die 
Entente fiir Sonnino nur das Urteit, daB er die Zukunft ltaliens der 
Roulette, dem Cliicksspiel, anvertraue. Sonnino trieb seine offizielle und 
inoffizielle Logenpolitik durch das von ihm begriindete „Giornale d'ltalia", 
durch die „Nuova Antologia" und ,,Rassegna Settimariale". 

Aus dem osterreichiscben ^Rotbuch" ging 1 hervor — so berichteten 
die Blatter unterm 13. Juli 191 5 (nach dem Bescheid des osterreichisch- 
ungarischen Botschafters Freiherrn Macchio) — , „dafi Sonnino sowohl 
den Konig von Italien wie seine meisten Ministerkollegen iiber Osterreich- 
Ungarns Angebote (beziiglich der freiwilligen Grenzreguiierungen) an 
Italien und audi iiber die Stimmung im Lande false hlich infor- 
m i e r t e", lag ihm doch daran, „die nie bezahmte Seele der Irredenta' 1 
— vgl. seine Kammerrede vom 23. Februar 1918 — aufzustaclieln. In 
der falschcn Information des Konigs sekundierte ihm eifrig der damaligc 
Kolonialminister Br.. Martini, die Hauptstiitze der italienischen 
Kriegspartci. In seiner Politik ging Sonnino so weit, daB der dctn Mini- 
ster Br. ' . Bissolati naheslehende masonnistische „Popolo d'ltalia" und 
der maurerische „Secolo" im Juni 1917 schrieben, Sonnino sci als AuBen- 
minister der Diktator ltaliens geworden. Aber das ist cs gerade, 
daB die Loge durch ihre Vertrau ens manner (Sonnino und Genossen) die 
ganze Weltpolitik „diktiert" — , nur wissen die weniger achtsamen Leser 
mcht, was cs fiir die Internationale Verstandigung der „eingeweihten 
. • .-Bruder" auf sich hat, wenn hie und da in den offentlichen Logenjour- 
nalen solche ganz bestimmten Kundgebungen erfolgen, — Zum Minister- 
kollegen hatte, Sonnino langertfZeit „seinen person li che n Freiind" Br.- . S a- 
1 a n d r a , den die freimaurerische 3 ,Neue Zurcher Zeitung" am 8. Novem- 

J ) Vgl, „Neue Zuich. Nachr/' Nr. 340, 1915. — Die f ,Concordia" in Rom hatte 
Anfang Mai 1915 (vor dem offiziellen AnschluB ltaliens an die Entente) Sonnino als 
einen ,,Halbttaliener" und „Halbenglander" ausgerufen. 

Wie weit sich in Verbindung mit diesem englischen Einflufl das (nach der 
,.Itif."-Korrespondenz vom 19. November 1916) in Italien , f anhaltend verbreitete 
<^erucht": die Insel Sizilien sei an England verpfandet worden, aufrecht erhalten 
lafil, wird hoffentlich noch ebenso offenbar werden wie der Inhalt so manclier 
Geheimyertrage, die noch nicht verofTentlicht wurden. Im Flan der Weltloge lag 
die Absicht, den Sudcn ltaliens fiir Englands Iuteressen atifzuopf crn, 
dafur solltc Italien ja in Dalmatien, Triest, Kleinasien usw. und — im Tessin 
entschadigt wcrden , . . Anfang Marz 1918 tcilte ein GroBindustritdler der „Solo- 
thurner Z<iitun£ fC mis Mailand mit, daB England sich vor der wciteren Unter- 
stutzung ltaliens mit Frachtraum, Kohle und Kriegsmaterial einen Flottensttitz- 
punkt auf Sardinien habe einraumen lassen, und laut Mailander pv.-Korrespondenz 
der „Ne t ien Zurch. Nachr " vom I. April 1919 wurde in der italischen Presse der 
Anspruch Englands auf Schiffahrtskonzessionen im Hafen von Fiume in kritischer 
Weise lebhaft besprochen, denn England -vvolle die italischen A 11 s p r u c h e 
auf Fiume verhindern, 



_ 187 - 

ber 1 014 noch einen „kleinen Autokraten" - einen kkinen Selbst- 
herrscher - nanntel (Also einen getreuen D iener der Loge die unmer 
von „D e m o k r a t i e und W e 1 1 r e P u b 1 Ik" s eh w arm t und dabe, 
lar stisch diktiert!) Salandra wurde Anfang Dezember 1914 
von u r Slampa" al 5 der Mann genannt, der Monate lang n.ehts getan 
habe um die von Giolitti eingeleitete Heeresorgamsat.on zu toden. 
(Giolitti der nieht Maurer ist, trat bekanntlieh bet ltaliens Knegs- 
elntritt aus dem italiehisehen Ministerium aus); statt dessen haben aber 
dk Brr Salndra und Sonnino lange Wochen vor ItaUens E.ntntt ,n 
den Krieg gegen Burgsehaften zahlreicl.es Kriegsmaterial aus Frankre.ch 
bezogen. . 

t\ u- nr , K r ■ Qaii.irli-i als von eineffl ..Autokraten" die Rede ist, kann ein- 

If ^eX MaurcvbrudVs, tier so m it d,-r e.gentliche - u n sek r o n . el - 
Konig des Latides ist, 

Br ■ Salandra hatte im September/Oktober 1914 durch das „Gior- 
nale d'ltalia" den Sturz des damaligen Kriegsmimsters Generals Gran d 1 1, 
der seitMitte November i 9 i 7 wieder in aktiven Dienst gerufen wurde, 
herbe gefhl rt Damit erhielt General C a d o r n a _ w>e die ,^eue Zu - 
cher Sug" am 1 V Oktober 1914 sehrieb - in Generalmajor Z u p e 111 
den (K Grandi) Kdegsminister wurde, eine ^befreurjdete Kraft als ze,t- 
weil^e Stlitze Im Giornale d'ltalia" hatte auch der italiemsche Ab- 
ge C Xete Barone auf den Krieg hingearbeitet wahrend ^^d« 
Deoutierte Br. • .Arturo L a b r i o 1 a im maurenschen „Mesaggero besorgt 
ha«e Labriola suchte im „Me»ggero" den Lesern einaireden daB 
Pol en von den Italienern wieder aufgebaut zu wcrden wunsche 
Li im Icorriera del.a Sera" Nr. 87, W. ™ ■««» ^ar) - In semer 
«o6en Februar-Kammerredc (1918) ^er sagte Baron Sonnino, daB 
dber P on" nur die Intervention der E n t e n t e entscheiden werde, 
• wie anderseits die Unabhangigkeit der U k r a i n e und ihr mit den Zen- 
rimachten ab geschlossene? Fn F de von der Entente n.cht anerkannt 

WU Br- Salandra. Verbalten ist Nichteingeweibten lange Zeit . re cht . uu- 
klar erschienen. Obschon „Autokrat", kannte ihn die ganze Welt doch 
n hr als den Mann der sanfteren Tonart, wie solche unter dem Schotten- 
ritus der iV des GroBchefs Br.-. Saveno Fera Geltung z u haben 
.chien Auch hatte Salandra anfangs die ..Neutralist ltaliens' prokla- 
nnert ') Aber das war nnr die ..Mission", die die Logengewalhge, 
H tThpr Polen vgl. weiter hinten in besondcrcm Kapitel. — Br/, La- 



dem Br • . erne Zcitlang aufgetragen batten. In Wirklichkeit hattc die 
Neutrahtat Jtahens; ganz andere Ursachen. Und erst, wenn diese 
Ursachen oftenbar smd, dann verbreitet sich zugleich Liclit auch iiber 
^en Sinn jenes Gelicinierla^es, den der damalige Grofimeister 
: KH„i 0re Perrari ™ 6. September 1914 _ also kurz nach 
Kriegsbegmn - an seme Getreuen zur Versendung brachtc. Damals 
also as Italicn noch selber neutral war, schrieb die.er Lenker der ita- 
lienischen Logenpolitik, dafi ein Verzweiflimgskarapf entbrannt sei 
„zwischen einem nach Eroberungen und Vorherrschaft strebenden Im- 
pcrialismus und denen, die die Unabhangigkeit der Volker, des Nationali- 
latsgedankens und die hochsten Rechtsgrundsiitze verteidigen" Lebens- 
Jiiteressen Itahctis seien schwer bedroht, und Italien „sor|e sclilecht fur 

Pri JX ?Yh T rahan S"»"°»«n Begebnissen fern bleiben wollte". 

dfr? < w a^ U ^ UDd ldeale GrUnde wirken in ™«*« Augen 
darau : bin, dafi Itaben in virohlerwogcner Entscheidung Gefahfen 
-und Opfer auf s lc h nehmen mult, um in dieser Stunde seiner 

IZTr I V? alS -- * at!on Und seiner gewhichtlichcn Sendung, 
f^ \° ik ™ wur r dl 8T ^u win. Seien Sie" die Ersten, wenn 
de Stunde fur die opferfreudige Tat .gekommen sein wird > Zu 
gleichcr Zeit d, h. am 5 . September 19:4, ais Br.-. Ferrari vom 
£ .' . ?5 Rundschreiben erliefl, „stellte der (damalige) Grofi- 
^S? a "?p r ^ &chot . tlS 1 che ° Hochgradfreimaurerei in Italien (also der 

milden Fera-Maurerei, der Salandra angehorte), Br. ■ . B a 1 1 o r i « ■ 
fest dafi in alien Tcilen Jtaliens die freimaurerische Agitation ' des 
GroBmeisters Ferrari sich umsichtigster und wirksamster Weise 'aus- 

krieg", S. 49 ft.) ' ' 59 d Dr ' Jur ' ^""we-ilcr in ^-.Briider im Welt- 

Eine.1 kleincn Einblick in die Macht eines I.ogeiibr ■ firoflmeiitPr F+* n 



— 189 — 

breite." *) Also vollstandige Obcreiustimmung der gesamten italienischen 
Freimaurerscbaf t ! — Grofiwiirdentrager Deputierter Br. ■ . B a 1 1 o r i , 

■ Generaldirektor der Spitaler in Rom (und Nachfolger im Amte des 1916 
verstorbenen- Grofikommandcurs und protest. Pfarrers Fera) wurde 
schlicfllich das Opfer seiner scliadlichen Landes- und Logenpolitik: er 
wurde von Gegnern seiner Politik Anfang November 1917 ermordet. 
Durch' seine Hand flofl viel franzosisch-englisches Logen-Geld in die 

. Kriegs-Propagandafonds Jtaliens. Seine Ermordung hatte zur Folge, 
dafi die Bewachung der verschicdenen Palaste der italienischen Logen- 
briider notwendig wurde. 

Br.*. Dr. Achille I> a 1 1 0* i war neben seinem hohen Amt in Fc r a & Schotten- 
Groflloge bis zum Kriege zugleich noch Kundschafter in den Berliner „drei Welt- 
kugeln" und .,F reuudschaitsbiirge der drei al tpreuiiiscli en 

.-Grofllogen beim Groflorient von Italic n* £ > womit sich scm weit- 
gehender Einflufl und obendrein noch die Emfuhrung in die liebe deutsche Einfalt 
verband. In cineir Rundschreiben vom 30. Oktober 1908 an alle Hochgradverbande 
der Wett (aus dem Gruber nach der „Rivista massonica" von 1908 ziticrt) war es 
diescr selbe Ballori gewesen, der den in jenen Vorkriegs-jahren eingehaltenen (poli- 
tischen) Kurs der italienischen l-reimaurerci als identisch erklarte mit dem schon 
1865 geltenden Kurs, wclchen der Revolutionar Br.'. Giuseppe Mazzini ein- 
hiclt jencr Griinder des Gclieimbundes ,Jung Italicn" (Giovine Italia) und Mit- 
glied der 7 ,Carbonaria", dem 1882 zu Genua ein Dcnkmal erriclitet wurde, an dem 
Br.'. Wilson semen Kranz der Huldtgung niederlegte. 2 ) — Wahrend aber GroB- 
kommandeur Fera (der mit Ballori wohl hin und wieder semen Chefsitz wech- 
selte) setber als „Manti der sanften Politik" sich vom , t H6chsten Rat der Schotten 
33 • :t in Paris unterm 25. Mai 191s dafiir begliickwiinschen liefl, daB — nach 
Auigabc' der Neutralist — Italien nun „Kratt seiner glorreichen Vergangenhcit 
eincn Ehrenposten in der europaischen Volkcrarmee einnehme' f , „um den Unter- 
gang der deutschen Barbarei herbeizufuhren", forderte Fera (wie Gruber untcr 
Benutzung fa* Neapler „Gtorno" vom 3. Juli 1915 in den „Stimmen der Zeit , 
45. Jahrg., S. 539 mitteileu kann) seinerseits die Brr.'. von Trient und Triest 
auf eutgegen dem „6aterreichisch-deutschen Iniperialismus (( , die Hand ?u reichen 
zur' ,/Verbruderung aller Menschen und Volker" — in der f reimaurerifcchen Welten- 
Dctnokratie ... 

Was war aber nun der Sinn der Salandraschen „Neutralitat"? Nun 
audi das hat Hermann Gruber, S. J., in Erfahrung gebracht. Gruber sagt 

in den „Stimmen der Zeit u t 1915, S. 532, dafi der mafigebendste freimaure- 
rische Tublizist der „Acacia", Br.'-. Romolo Galanti (em Pseudo- 
nym?), sclirieb: ,,. . . Der enorme Mangel an Kriegsbereitschaft in finan- 
jjieller und militarischer Hinsicht offenbarte sich mir in den drei Monaten 
(seit Kriegsbeginn) in seinem ganzen schauderhaften Umfang; er zeigte 
mir, dafi die" Neutralitatserklarung keine geniale Er- 
findung ... war, sondern 'der einzige Ausweg..., welchen 
die Notwendigkeit uns aufcrlegte." (..Acacia", Rom, N o v e m - 
b e r 1 9 1 4.) „Das also ist ties Pudels Kern!" 

Und nictit nur Salandra war logengetreuer Diener schon in jenen 
Tagen, sondern auch dessen Vorgangcr im Auslandsministerium, der 

1_ ) Von Gruber zitiert nach der „Rivista massonicti", 1914- 

*) Es ist inehrfach bestritten worden, daB Prasident Wilson Frumiaurcr set. 
Seiuen Rcden, Kundgebungen und Handlungcu nach ist er aber Maurer, zum m 1 n - 
d e s t e n , oh ne Schuiz und Kelle". Seine samtlichen Kundgebungen bewegen sich 
in Form und Inhalt in den Traditionen der p o 1 i t i s c h e 11 Freimaurerei Manch^ 
mal ist auch ein masonmsHsches ..Inkognito" von besouderem Vorteil und verbirgt 
manchcs, das im Schatten der Inoffiziellitat 11m so besser gedeiht. 



M 



— lyO — 

verstorbene albanesische Markgraf Br.-, di San Giuliano, war 
schon ganz und gar einverstanden gewesen mit dem Logenbeschlui : den 
Krieg gegen Osterreich ins Werk zu setzen. Dies ergibt sich auch aus 
Stadtrat Ferd. Gruners Schrift ,,Der Treubruch Italiens' f (Munchen, 1916, 
S. 2oJ2i), in der di Giulianos unredliche Haltung gegeniiber Osterreich 
wahrend Italiens Kriegfiihrung gegen Lybien, in die sich Osterreich 
n i c h t gemischt hatte, zura Ausdruck kam. Im lybischen Krieg schon 
scbickte sich Italien an, die Zertriimmerung der Tiirkei herbeizufiihren. 
Marquis di San Giuliano war Freimaurer in der Loge „Universo ft zu 
Rom seit dem 22. Juni 1893, und ,,Rivi"sta massonica" nannte ihn 
wahrend seiner Kriegs-Ministerprasidentschaft einen ,,ausgezcichneten 
Mann'* und „treuen Gesinnungsgenossen", der ganz mit dem politischen 
Zukunftsprogramm der Loge ubereinstimmte („Stimmen der Zeit" 191^, 
S. 532)- 

Als .die Kundmachung des italischen Grofimeisters Brs.'. Ettore 
Ferrari vom 6. September 19 14 bekannt geworden war, wandte sich an 
Stelle des kurz vorher verstorbenen gescbaftsfuhrenden Grofimeisters 
Br. ■ . Karl Kohn 1 ) der nunmebrige zugeordnete GroBmeister Br. ■ . 
G o 1 1 h o 1 d" namens* des Deutsche n GroBIogenbundes an 
den Grofiorient von Italien und bat urn A u s k u n f t iiber die Echt- 
h e it des eben besprochenen Geheimerlasses des Brs. ■ . Ettore 
Ferrari. In ausweichendem Sinne beantwortete am 12. Oktober 1914 
der GroBsekretar des Groflorients von Italien, Br. ■ . Berlenda, diese An- 
frage. In einem zweiten Schreiben vom 5. November 1914 aber luftete 
Br. ' . Grofimeister Ferrari selbst den Schleier und bestatigte (auf 
nochmalige Bitte der deutschen Grofllogen), da6 der italische 
Groitoricnt seiner. Mitgliedern das Eintrcten in den Krieg empfohlen 
hatte, unterzeichnet mit den „herzlichsten und bruderlichsten GruBen" (!). 
Jetzt begann das deutsche Maurertum zu ahnen, daB die internationale 
Weltlogenkette sich gegen Deutschland und das deutsche Logentum 
verschworen hatte. (Dafi das schon seit 30 Jahren beschlossene Sache 
war, wissen noch heute nur wenige der deutschen Maurerbrud'erl) 

DaB Italien zu keiner Stunde durch seine regierenden Manner neutral 
geleitet wurde, sondern standig und immer im Sinne der Weltloge, erhellt 
aus_ verschiedencm, und nicht nur daraus, dafi, als Med a ins Mini- 
sterium eintrat, M nach allgemeiner Auffassung acht seiner Ministcr- 
kollegen notorische Freimaurer" waren. 2 ) 

Zunachst aus den Kundmachungen der italischen GroBIoge selbst 
Unterm 3 1. J u 1 i 1 9 1 4 — das ist ein Tag v r Kriegsausbruch, und 
ubrigens ein Zeichen fur die ganz grandiose Organisation des Weltlogen- 
bundnisses! — erlieB Ex-GroBmeister . • .-Bruder Ferrari 33.-. bereits 
ein Geheimdekret an alle italien ischen Logen, wonach „die Ordens- 
regierung mit alien nur irgendwie moglichen Anstrengungen sich he- 
rn uhen wird, darauf hmzuwirken, dafi die Aktion aller Grofloriente 

4 ) Die GroBe Mutterloge des „Eklektischen Bn tides" hatte bei Kriegsbeginn 
die Gcschafisfuhrung im „D e u t s c h e n Grofllogen-Rund" nine, und Br.-. 
Kohn stand infolgedessen in diesem Moment an der Spitze der deutschen Maurer- 
schaft. 

8 ) „Ncue Zurcher Nachrichten" NY, 298, 1916. 



— 191 - 

(d. h. aller GroBvcrbande der ganz en Welt!) sich eintrachtig und 
im Einklang mit den allgemein angenommenen Prinzipien der Frei- 
maurerei vollziehe ..." („Bad. Beob.", Nr. 247, 1917). Hier zeigt 
sich ohne Umschweife, da6 der ganze Wcltkricg von der Weltloge in 
Bausch und Bogen fertig vorbereitet vorlag und daB alle Spiegel- 
fechtereien gegen Kaiser Wilhelm II. nur „Blcndwerk" sind. Die Ah- 
sicht der Zertrummerung richtete sich nicht gegen den Kaiser (den hatte 
man auch auf andere Weise ails der Weltgeschichte ausschalten konnen), 
sondern gegen das deutsche Volk selbst. Es 1st daher auch der Nachsatz 
dieses Rundschreibens nur Blendwedc, und fiir die berechnet, die etwa 
zufalltg die Kundgebung der GroBIoge lesen sollten, aber eigentlich doch 
nicht kennen diirfen. Br.-. Ferrari schlieiJt: „um so die menschliche 
Zivilisation vor der GeiBel zu bewahren, oder um doch wenigstens die 
Folgen des iiber sie hereinbrechenden Unheils zu mildern." 

Ein Weiteres. Am 13. September 1914 fanden nach dem freimaureri- 
schen ,,Corriere della Sera" auf dem Platze vor dem Quirinal und im 
Cafe Aragno in Rom Kundgebungen gegen (das nicht-maurerische) Oster- 
reich und zugunsten der Abtrennung von Trient und Triest von Oster- 
reich-Ungarn nebst Sympathiekundgebungen fiir das atheistisch-mau- 
rerische Frankreich statt. Der Redakteur des ,,Corriere" '), Br.*. Guelfo 
C i v i n i 11 i , hielt vor dem koniglichen Palaste die aufreizende Rede. 

Ein Drittes. Als in der Kammersitzung am 3. Dezcmber"i9i4 Br.-. 
S a 1 a n d r a davon sprach, daB 1 1 a 1 i e n bei der Umgestaltung des alten 
Kontinents gewichtige Anspriiche zu bekraftigen habe, da rief 
der damals noch republikanisehe masonnistische Abgeordnete und jetzige 
Minister Br. ■ . Commandini unter dem rauschenden Beifall der Lin- 
ken und Radikalen: „Bevor wir auseinandergehen, senden wir (die damals 
doch — fJ neutralen" Italiener!) dem heroischen Volke Belgiens unsere 
GriiBe. Br.-. Commandini hielt auch in der franzosischen Sorbonne am 
18. November 1916, wie „Havas" mitteilte, eine grofie Brandrede gegen 
Deutschland und feierte dort — • in echter Logenverbundenheit! — Eng- 
land als den „eifersuchtigen Hiiter der F r e i h e i t". In 
suditalischen Kreisen gilt Commandini als besonderer Freund der Folitik 
des franzosischen Botschafters Br. * . Camille Barrere in Rom, der 
|L in der italienischen Masonnerie das gewichtige Wort spricht. 

l^ber Herrn Barrere urteilte die „Neue Zurcher Z e i t u n g" vor sechs Jahren, be- 
vor sie das Lob der Kutentc-Matirerei zu singen hatte, wie folgt: „Herr Bar- 
rere meistert . . . die Beeinflussung der italienischen Prefimeinung in so vollende- 
I" ter . , , Weise, wie es bisher kaum je audi nur dem gerissensten Diplomaten 
gelungen ist.' Dabei zielt die grofiartige PlanmaBigkeit ... auf die Sprengung des- 
Dreibundci; tmd ein freiwilliges Vasal lentum Italiens gegeniiber den Franzosen 
ab . . ." Carnille Barrere wtirdc im November 1898 nach Rom entsandt, um die 
bis dahin \erlorene italienische Sympathie fur Frankreich zurtickzuerobern. Dies 
geiang Barrere durch das Geld und die ubrigen Machtmittel der Loge vollkom- 
men. Die Restcchvmgcn solJen cuorme gewesen sein. s ) — Wie sagt doch Br.'. 

') Der „Corriere" 1st das Orakel des , : gemaBigten Liheralismus von Nord- 
italien" und „eine solide Stiitze der kapitalistischen und reaktionaren Bourgeoisie'', 
sagt die „Inteni. Rundschau", Zurich 1917, Heft 6. — Der „Corriere" hat das Obcr- 
kommando in der italienischen Freimaurereit t 

S J Vgl. „Neuc Zurcher Nachr" 1916, Nr. 138, und igi7, Nr. 219. — In der deut- 
schen Zeitschrift „Die Tat" sagte im Juli 1915 ein Einsender aus Italien, dafi 



— IQ2 



Pike vom 33. Grade: „Mit unserer B 6 r s e wollen wir die Sac he 
des mensch lichen Fortschrittes f or dern,..!" 

Ein Viertes. Der Mailander „Popolo d'ltalia" — dem man nachsagt, 
dafi er eine Sprache im Sinne des beruchtigten Revolutkmars Marat 
fiihre — , der seit Anfang des Krieges erscheint ') und „d e s s e n Be- 
sitzer niemand kennf (wie es in der „ Vittoria", die wohl einen 
Blick hinter die Th eater wiinde tat, hiefi), dieser „Popolo d 'Italia" liefi seit 
Kriegsbeginn keinen Tag verstreichen, ohne das italienische Volk zum 
Krieg aufzurufen. Anfang Januar 1915 schrieb er (laut Ziircher 
„Tages-Anzeiger" vom 12. Januar J915): „Die Intervention Italiens ist 
beschlosscne Sache. Alles ist bereit, W'i r werden iiber 1 y 2 Millio- 
nen Soldaten verfugen. Rumanien (das war also Anfang Januar 191 5 
auch schon ,,beschlo5sene Sache" der ententistischen „drei Punkte-Brti- 
der if ) wird V2 Million ins Feld stellen. Wird dann im April ein neues 
englisches , Millionenheer auf dem Kontinent landen, so wird sich der 



franzdsisch.es Geld zur politischen Propaganda in die italienischen Logen 
flofl. Die „B e tliuer Zeitung am Mittag" schrieb am 28. Mai 1915: f7 Belgier, Franzo- 
seu uud Irredentistca aus dem Trentino hielten in ganz Italien haBerfCillte Reden 
gegcn den Dreibund, ungeheure Summen wurden fiir Presse und Agitations- 
schriftcn aufgewendet und durch jedes Mittel brachte man die 
schwankenden Politiker auf seine Seitc." In Ferd. Gruners „Treubruch Italiens" 
(S. 23) heiBt es: „Der englische Rotschafter Rodd hatte das fuhrende romische 
Blatt Tribuna gewonnen; der franzosische Botschafter (Br.*.) Barrere 
schmierte die Blatter des ,Secolo'-Trust£, zu dem der romische ,Mes:.ggero', der 
,Corriere del Mattino' in Bologna und die ,Ora ( in Palermo gehorteu. Daneben 
wirktc die Mailander GroBbauk Societa Baticaria, die mit franzosischem Kapital 
arbeitete. Sie grundete im Somnier 19 14 das Kriegshetzblatt ,L'Idea Nazio- 
nale', Der ,Bancaria ( unterlag auch der Mailander .Corriere della Sera', der (vor- 
dem) lange Zeit dc-n Dreibund unterstiitzt hatte." Diese Dinge wurden durch die 
in London crscheinende ^Independance Beige" selbst festgestellt, welche die Ko- 
sten dieses Kriegspressefeldzuges gegen die Mittelstaaten auf achtzig M i 1 1 1 o - 
uen Franken bezifferte! Als besonders begabt fiir diesen Pressedienst an- 
gesehen wurden Br.*. Gabriele d'Annunzio, „dessen Beziehungen zu den kleri- 
kalen Kreisen viele Vorteilc ergaben", und der belgische Gesandte.am Vatikan 
(B.*.?;J Van den H e u v c 1 (der von Belgien auch zu den Friedensverbandlungen 
nach Paris delegicrt worden war). — Soweit Br.-, Barrere in Betracht kommt, 
kann nach Gruntr noch angefugt werden, dafi er schon 190S dem russisclien AuBen- 
ministerialbeamten G. N. Trubertkoi gegeniibcr erklarte: „ttalien hat endgiiltig 
begriffen, da£ die Ententepolitik auch ihm angepaBt sei." Die „ Internal ion ale 
Rundschau" (Zurich) benchtete in ilirer Novembernummer von 1917: „Am 19. Ok- 
tober d. J. konnte im italienischen Parlament ohne Widerspruch die Re- 
hauptung durch den Sozialisten Bentini aufgestellt und vom Beifall gro- 
Ber Farteien begleitet werden, dafl die fraiiziisische Propa- 
ganda schon vor dem Kriege fur die italienische Presse funfund- 
z w a n 7. i g Millionen ausga b." — Desgleichen flossen. — wie die „Kblnische 
Zeitung" 1915, Kr. 563, mitteilte — schon zu Zeiten der Crispischeti Minister- 
prasidentschaft erkleckliche Summen franzosischeu Logengeldes in die W ani- 
le a s s e der italienischen Masonnisten, 

*) Der „Popolo d'ltalia" ist auch in der Siidschweiz verbreitet und vergiftet dort 
die tessinisch-itahemsche Bevolkerung . . ., vielleicht urn vorzubereiten, daB die 
mehrere Jahre vor dem Kriege schon hergesteilte geographische Karte, die den 
schweizerischen Sudkanton als zu Italien zugehorig zeigt, doch noch wahr 
wird . . . Was dabei abcr etwa dem ,,Popolo" allein noch nicht gelingen mochte, 
das erreicht Italiens Logenpolitik vielleicht durch den sudschweizerischen „Cor- 
riere del Ticino" in Lugano, der durch zwei italienische Staatsangeho- 
rigc, Frigerio und Maraja, redigiert wird. 



- 193 ^ 

Ring urn die deutsche Bande schlieBen ... Der Kttnig will den Krieg, 
Salandra ist fur den Krieg und auch Sonnino, wie Martini (der Koloniai- 

minister, das Haupt der Kriegspartei) . . ." l ) Man kann annehmcti, dafl 
der interventionistische Sozialist und Masonniat Br ■ . M u s s o 1 1 n 1 dies 
schrieb, denn er Ut (nach E. Tscharsky in der „Int. Rundschau 191 7, 
S 26$ bei Begrundung des „Popoio d'Itaha ,( dessen geistiger Later ge- 
wesenund de? „Po P olo" „tragt das Geprage semes heftigen und fanati- 
schen Geistes". (Dem „Popolo d'ltalia" steht auch der intervcntiomsti- 
; he Sozialist und italienische Minister Br.-. Bissolati) nahe und 
Bissolati gehort mit Bonomi, Minister Br. . Cbmmandim Canepa 
und dem Logenbr. ■ . im Parlament Abg. de Fehce zu den Vertrauten 
des franzosischen Botschafters in Rom.) 7^-*, lt1( r" 

Nach der .Frankfurter Zeitung- und der Easier , ? National-Zeitung 
Nr 207 (i9H, 5- September) hatte ubrigens die radikale italienische 

Vita" bereits E n d c A u g u s t 1 9 1 4 durch besonderes Rundschreiben 
die \bgcordneten des romischen Farlaments aufgefordert, durch Re- 
ferendum den Krieg schon 1 9 1 4 zn e r z w 1 n g e n — Nach 
der ..Neuen Ziircher Ztg." vom 29. November 1914 war die Jit als 

radikalcs Freimaurerblatt" vordem das Sprachorgan Ernesto Nathans 
des ehcmaligen Biirgermeisters von Rom (des Vertreters des Grand 
Orient" von Italien auf der letzten Fariser Grofllogen-Jubilaums-Knegs- 
konferenz). 

Kuf diesein Kriegs-JubilaumskongreB aller Ententefreimaurer der Welt hndt 

TMmiQivih Paris waren - laut Schweizer „Thurgau e r Zeitung" - auch Abge- 

>r Xee l7 d NeitrSstaaten Spanien, Schweiz und Argentjn.en jn- 
orantre u . Taeung war die Begriindung etner „Veremigung 

ttfiuhrten Entciitc-KriedeitabedingiinKeti: Annexion EUaB-Loth- 
' dnrch Frankrdch, Errichtung ein« von F re ,... . ^ n r z S , - 
teiiPolnischen Staates und emer von Freimaurcrn geleitcten 
"chechi'chcn Republik nntcr sleichzeitiger rtstlowr Zerstuckdnns 
Osterreich-Unsani'..) j„„_ 

Be, Erwahnung des Konigs ist es vielleicht noch bca chtens w ert daran 
zu erinner,, daB im ..Berliner Tageblatt" dessen Chefredakteur Theodor 
Wolff nach dem Beitritt Italiens zu den kriegfiihrenden Ententc^chten 
darauf hinwies, dafi schon i 908 der fruhere deutsche Botscha ter G r f 
Monls in Rom voraussagte, wie alles m 1 1 Hal ien ge- 
k on, men i s t =) und dafl Viktor Emanuel durchaus f u r d,e Kneg- 
fiihrtuig gewescn sei. 

') Kdn.E Viktor Emanuel von Italian war ein Gegner Kaiser Wilhclms II., wie 
■n cirjewelhten pofit.schen Kreisen flekann. war. ^' V^^»-d »l«Jzten 

i MM. vemaglich (!) verpflich.et B e*eaen « MP D«n** Und und S t« 
'-S,^ b d S r Sffc7 h . D "^Su"<r Sr ^iriU-fe^Hkanlsckcr Lei- 

H else, Entente Freimanrerei. U. I 3 



— 194 — 

Des ferneren ist zu wissen notig, daB am 10. Marz 1915 — als dem 
Todestage M a z z i 11 i s , des Erz-R evolution ars und Logenbruders der 
Hohen 33. ■ . — der italienischeJProfessor Br. ■ . Nunzio Vaccaluzzo (von 
der Loge „Catania") eine grofie Rede fur den Krieg und gegen den 
; ,deutschosterreichischen Block" hielt, mit dem Hinweise auf Mazzini: 

„. . . Der gesamte . .. Irredentismus ist in Gamng. . .und verlangt eine Revision der 
Landkarte Europas gemaB dem Nationalitatenprinzip. Wir nehmen das Pro- 
blem an dem Pnnkte wieder auf, an welchem Mazzini dasselbe hinterlieB. Das 
letzte Wort <im Weltkrieg) gehort Mazzini . . . Die groBe italienische Tradition 
ist — Cavour, Garibaldi und Mazzini zufolge — interventionistisch . . . Der gor- 
dische Knoten der europaischen- Politik ist noch immer Wien..., und der Krieg 
gegen Wien mufl wieder aufgenommen werden gemaB... dem Plan, welchen im 
Mai 1866.. .Mazzini verzeichnete: ,Unser Krieg, ... der letzte Krieg, auf welchcn 
der itnmerwalircnde Friede folgen soil, der groBe unsrer wtirdige Krieg, der 
tins (Italiener) an die Spitze der Allianz der Volker und eines neuen Zivilisa- 
tionszeitalters bringen soil,, mufi aut dem Weg uber Udinc und Laibach nach 
Wien ausgefochten werden mit Hilfe der aufgewiegelten Magyaren, Ruma- 
n e n und Slaven... Ich versichere Euch, daB Ihr von der adriatischen Kuste 
bis Polen Bundesgenossen haben wcrdet.' Jetzt ist nnser Tag gekommen, der 
Tag der heiligen Rache> der Tag, welcher der Seele Mazziuis Rube bringen 
soil..." 5 ) 



tung steht) betrifft, so spielte dieselbe schon am 2. August 1882 in Triest ihre 
besondere Rolle, indem damals seitens der Irredenta ein Attentat auf den 
Bruder des Kaisers Franz Joseph — den Erzherzog Karl Ltidwig — geplant 
wurde, das aber fehlschlug, well Karl Ludwig zur gegebenen Stunde noch nicht 
in Triest zugegen war. Ein zweites Attentat plante ein gewisser Wilhelm 
Oberdank (ein Triester Deserteur, der sich dann der italienischen Irredenta 
angeschlossen hatte) auf Kaiser Fran? Joseph selbst, als dieser Triest 
besuchte. Die Hinrichtung Oberdanks — der doch gar kein Italiener war — feier- 
ten die Irredentisten und der italienische Groflorient dann als Martyrertod fur 
national e t)berzeugung. Die damalige Steflung Italiens zu den Mittelmachten ver- 
hindertc zjx jener Zeit eine offene Billigung der Irredenta durch die italienische 
Regicrung; im Verlaufe der sich entwickelnden erschutternden Weltereignisse lie- 
Ben die italienischen offiziellen Politiker aber alte fruhereu Schleier fallen und 
traten often fur alle irredentistischeu Bestrebungen ein. Und damit kam das 
Wort des „Dichterpatrioten" Br.-. 33.'. Carducci zu Ehren: „Oberdank starb 
mit dem Ausruf: Istrien gehort Itdlien! Unsere Antwort ist: Wir nehmen an auf 
Tod und Lebcn!" — - Die Irredenta wird verherrlicbt durch die schon genannte frei- 
maurerische Loge ,,G i o s u e Carducci" in Narni. 

Der verstorbene italische Nationaldichter, Senator und Professor der itafi- 
schen Liter atur zu Bologna Br.-. Carducci gilt semen landsmiinnischen Mitbrii- 
dern in der Frcimaurerei als ,>einer der grofltcn Bannertrager der Zivilisation der 
Zukunft". Seine „S a t a n s h y m n e", die zur italischen Maurerbundshymne ge- 
worden ist und offene Rebellion predigt (Satan wurde auf die Logenbanner ge- 
sticktl), wirkt insofern todlich vergiftend, als sie nicht im Geiste Nietzsches das 
i d e a 1 e t geheiligte individuelle Ubermenschentum predigt, sondern den ge- 
waltsamen Umsturz, die offene Rebellion, den Weltkrieg, den Sturz der Altare und 
Dynastien und die rohe Gewalt einer neuen Autokratie an Stelle der zu sttirzenden 
will: 

,,Hervorbrichts unbandig; — Von Gestad zu Gestade 

Rufts mit Donnerstimme — Die Volker zum Aufruhr. 

Heil dir, o Satan, — o Rebellion! 

Geliibde und Rauchopfer (Krieg) — Seien dir geweiht! . . ." 

(Nach H. G r u b e r.) 

Man tnochte mcinen, der von vielen Okkultisten behauptete mogliche Verkehr 

der Lebenden mit den Abgeschiedenen erfuhre durch Br.-. Vaccaluzzo seine Be- 

statigung , . . Urn so mehr als Vaccaluzzo noch alle die Seelen der bereits friiher 

gegen Osterreich gefallenen Italiener beschwort, daJJ sie den heutigen Geschlech- 



— 195 — 

In der gleichen Rede, die aucu vom deutschen Br. . Alfred Ung« 
aus der Rivista" vom April 1915 iibersctzt und von Br.'. Dr. Ludw. 
Mu/etmam zu Handen der deutschen Brr. ■ . Maurer in einer besonderen 
r^kum"nten S ammlung veroffentlicht wurde, sagta Prof. Vaccaluzzo u. a. 

welter: . 

vi- Am V^^rei diese alteate Internationale, den Kneg nicht ver- 

■^iSp^srssiSS si: 

der Strafie. Dcnn w c nn e ne arofle A « und diese 

Volkes ...im Verglimmen ist . . . ' • , - + 

In weiterer Betrachtung der italienischen politischen ^$>f£»££ 

r q ?ran"I"splze des'sYanes dieSeslatigung z u obiger Rede brach£, 

("eimaure ilhe So ^Irip^aner^ sei (seine geistige Sttee ha, der 
f Wo" in dev Mailande P r Hetzloge ..Vis Nova"), watacUe - 

N a z i o „ a 1 c« ,. g -vissenlose„ Ag.tatoren. ^ ^ Blatte^ abe, 

A-1L Blatter und nach dem „Avanti" (Oktober 1916) auch die „Idea De- 
mo«ato" sind Lo g e n b .'a 1 1 e r , wobei wohl zu beachten ..t. was 

«„~lt*c« .aruta.: „Wohl.n Ihr Dnidcr, dercn Wjege ^»f un^eren Gebeinen 
&ei U c„,r^ i S\"rP. d H b :r^ h ^ 

») Chefredaktor des ,.S ecol o -nar der am 10. 1 ""-udr -iv Kampfen 

des alien GroBraeisters Br.-. Ganbaldi als Oltizier »' cn Nobel-Frled.ns- 

^e^Trf^" h l Ci, aScn "^SLV; »** f ^vdhaftca Raub,u B es 
Kens ge B c„ Lybien (vgl. *««!*"•*%■*£ 'A\ t9.8 «E«n schweren 
KTi ^^^V£J^r^^^"s^s^ n„l ..Natb.nabs, Pa- 

t0t ^ed G airde S ,,Me, i a^c r „ ? dM i ^^^^ 

(vgl. ^.Kolnische Volkszeitung", 19-5, Nr. 193>- 



— 196 — 

der „Ba<i. Beob." schrieb, daB es e i n e groBe Z a h 1 von „B r ii d e r 11 
o h n c SchurzfeU" gibl, die aus i h r e n amtlichen S t e 1 - 
\ e n heraus wie in Vereinen und im oft'entlichen und privatcn Leben 
die ldeen der intcrnationalen Logen vcrbreiten und 
sich dabei der ihnengenehmen Presse bedienen. „Dieses ist 
die Arl und Weise, wie die Freimaurerei auf die Auflenwelt'einwirkt" 
Bei dieser Gelegenheit wird dann a lies Moglichc zusammcnerzahlt, und 
mcht selten bekampfen die Logenblatter einander sogar selber, urn so 
besser den I.esern Sand in die Augen werfen zu konnen. Darum sagt 
auch Sil-Vara von der NorthcHf f e-Presse, zu der der „Cor- 
riere del la Sera" in maurerischer Bundestreuc sowohl wie als 
finanziell festeingcfiigtes Glied >) gchort: „Northdiffe weifl, dafi die 
Menschen em kurzes Gedachtnis haben" 2 ). Also kann man hier das 
dort jenes schreiben, wenii Ietzten Endes nur „das Ziel erreicht" wird' 
— - Auch das tagliche „G i o r n a 1 e d'l t a 1 i a" 3 ) ist ein freimaurerisches 
Kainpfblatt und sem Direktor Br. ' . P a r g a mi n i stellt die Spalten des- 
sclben gern seinem besonderen Freunde Br.'. Sidney Sonnino zur 
Vcrfugung. 

_ .Man konnte liicr wiederholen und erganzen, daB den freimaurcrischen 
italienischen Dante AHghieri- und Gioidano-Bruno-Gesellschaften und 
der mit diesen luerten Studentcngesellschaft und ferner dem Cercle 
Bcrtolo" und dem Verbande der „Cercles Civ{qucs".cin Hauptteil Kriegs- 
schuld zufallt. Nicht venyunderfich fur denjenigen, der weifl" ist da- 
hcr die Tatsache, daB der italienischen „Civilta Cattolica" in ziemlich 
rascher Folge 1915 sechzehn Seiten von der Zensur gestrichen wurden 
weil sich dieses Blatt gegen die Diklatur der Loge wehrte. Kein einziger 
Artikcl konnte in itahenischen Blattern veroffentlicht werden, der das zur 
Kntik herausfordcnide Verhalten der Loge besprach. Wir haben daher 
auch nichrm Erfahrung bringen konnen, was der itaUenisclie Minister 
des Innern auf die im Oktober r 9 r 5 vom unabhangigen Sozialisten Ab- 
geordnctcn Mazzoni erhobene Anfrage: „ob die Freimaurerei seit Krie ff s- 
ausbruch zur staatlichen Institution erhoben worden sei, nachdem die 
freimaurcrischen Kriegshetzer fern vom Kriegsschauplatz in Staatsamtern 
sitzen gcantworter hat. Dafur hatte aber die Pariser Ausgabe des 
New \ork Herald noch vor der Kriegserklarung Italiens an Gsterreich- 
Ungarn (am 22. Mai 1915) geschneben : 

It Kr e iet e ? i h t p ritt Hi in diE E S te ? C War Sch0tl bei Ausbruch de S deutsch-franzosischen 
Kneges beschlossene Sache. • Der Vorvertrag, der einen voll standi jreii RfirV 
versKlieruiwertras Italien, darstellte, war schon im Marz % 4 bd ££ 
der groflen russischen Probemobilmachung von Tittoni (den, fruhercn Ttahschen 
Minister des Auawartigen)*. angeregt und am 3- April 1914 von San G uW 

fenT^T" Y^t lSev Salandras und Sonninos) und den StaTtsmannem 
Englands und Frankreichs unterzekhnet worden. oiddtsmannern 

Das ist mehr als man verlangen kann; aber der unlangst verblichene 
amenkanische „Pilg er " Br.-. James Gordon Bennett (der anti- 



255- 



') 3r Neue Ziirclicr Nachr.", 1915, Kr 
s ) „Englisclic' Staatsmanner" S. 243. 
s ) Vgl. Nene Ziirch. Nachr." von" 10 Juni iyi8. 
«; et V ° r 1 AnSer Botsch aiterTittonik seit 21. Juni 1919 italischcr Mi 



— 197 — 

deutsche Kriegshotzcr und Bubitzer des „New York Herald" und Kriegs- 
munitionslieferant der Entente) mufitc cs ja wissen, schon darum, weil der 
englisch-amcrikanisch-franzosische ^Herald" cnge Fuhlung mit der fran- 
zosischen freimaurerischen Regierung und ein Ahlegerblatt in Paris hat. 
Es ist zuglcich die Bestatigung fiir die kriegerische Gesinnuiig 
auch eincs Br. ■ . San Giuliano, den man irrtumlich immer fur 
einen Miltelmachte-Freursd eingeschatzt hatte... 

\m 11 April 191 5 gab die italische Regierung die Anspruche Italians 
an Osterrcicli-Ungam nach der Londoner Geheimabmachung zwischen 
England, Frankreich, RuSiand und Italien vom 26, April 1915 im all- 
gemeinen UmriB bekannt. Dieser Gcheimvertrag, der selbst erst in sei- 
nem wirklichen Wortlaut Uurch die bolschcwistische „Frawda (l vom 
28 November 1 9 1 7 offentlich bekannt wurdc, war vereinbart worden 
durch die Bcvollmiichtigten Marquis lmpcriali (italienischer Bot- 
schafter in London), Sir Edward Grey (England* St aats minister) Paul 
Cambon (franzosischer Botschafter in London) und Graf B e n c k e 11 - 
dorff (russischer Botschafter in London). Erst am 14. Februar 1918 
wurde das ganze Geheimabkommen vom Deputierten B e v 1 o 11 e in der 
italienischen Kammer dem italienischen Volke zur Kenntms gcbracht, und 
zwar erst als Folge der Veroffentliehung durch die russische Rcvolutions- 
regiefung. Der Originaltext wurde kurglich in^deutscher Sprache vom 
ehemaligen serbischen Geschaftstrager Dr. Boghitschewitsch in seinem 
' von uns mehrfach benutzten Buche „Kriegsursachen << verofYenthcht. Wir 
geben einige Satze daraus wieder : 

Artikcl IV- Bei den* kommendcn l-'ricdensschlufl soil Italien erhalten: Das Ge- 
" biet des-Trentino, ganz SudtiroL bis zum Brenner, Stadt und Gebiet von Triest, 
die Grafschaften Goiz und Gradisca, ganz Istrien bis ztim Quarnero mit Jim- 
schlufl Voloska^ und den istrischen lnseln Chcrso und Lussm und sleichfalls 
den kleincreii Inscln Plavnica, Un'ic, Canidolc, Palazzoli sowie den lnseln bt. 
Peter von Nembi, A^IneUo und Gruica nehst-den benachhartcn lnseln. Die 
Grenze soil gezogen werden: Von dem Gipfel des Uinbrail in nordlicher Rich- 
tung bis zum StiHwr Joch und auf der Wasswscheide der Ratischen Alpen bis 
7U den Quellen der fliissc Etsch und Eisack, darnach uber die Resell enscheideck, 
den Brenner mid .lie Otzt^ler und Zillevtalcr Alpen. Danach soil die Grenzlmic 
sich nach Siiden wenden, das Gebirge von Toblach schneiden und bis zur jetzigen 
Grenze von Krain gfclien, die sich auf den Alpen hinzieht, dieser iolgend, wird 
sie his zu den Bergen von Tarvis geben, dann auf der W^ersche.de der juh- 
schen Alpen iiber die llohe Predil, den Berg Mangart, die Bergyruppc Tnglav 
und die Passe von Podbrda, Podlancskan und Idna verlaufen. Von dort : setzt 
sich die Grenze in sudcstlicher Richtung zum Schnceberg fort \ pm Scliucebeig 
zieht sich die Grenzlinie zyr Kiiste hin, indent. s«e Castiia, Matuglie u,id \ oloska 
in die italienischen Besitzungen einschlieflt. _ 

Artikcl V In gleicher Weise erhalt Italien die Provinz Dalmatien in ihrer jetzigen 
Gestelt'mit EinscIiluB von Lissarik und Trebinjc und alien Bcsitzungen bis zu 
cincr von der Kuste bei Kap Planka nach Osteii gezogenen Lmie ™ Suden so 
dafi auf diese 'Weise alle an dem Lanf der bei Sebenico munde nden taw je 
; Cikola. Kerka und Budisnica mit alien jhren Quell flu ss en Sjlegenen " T km m 
den italienischen Besitz fallen. In gleicher We.se werden Itaben alle nordlich 
und westlich der dalmatischen Kiiste gelesenen lnseln zugesprochen, begmneud 
S den lnseln Premuda. Selve, Ulbo, Skerda Maon Pago und Punta dura u w, 
im Norden bis Meleda, im Siiden iinter Hmzufuguns der lnseln St. Andrea, Busi, 
Lissa, Lcsina, Torkola, Curzola, Cazza und Lagosta mit alien ,u .hnen gehore h 
den Klippen und Eilanden, sowie Pelagosa, aber oh 110 die lnseln Grofl- und 
Klein-Zbona, Bua, Solta und Brazza. 






— 193 — 

Art VI. Italien erhalt zu vollem Eigentum Valona, die Ins el Sasseno und tin 
geniigend umfangreiches Gebiet, urn es in militlrischer Hinsicht zu sichern . . . 

Art- VII. . . . Italien wird das Recht in Aussicht gestcllt, die aufleren Beziehungen 
AJbauiens zu leiten . . . 

Art. VIII.*" Italien erhalt zu vollem Eigentum alle von ihm jetzt besetzten Inseln 
des Dpdekanes. 

Endlich waren Italien nodi Koinpensationen in Aussicbt gestellt in Form 
einer Ausdehnung seines Besitzes in Erythrea, Somaliland und Lybien. 

In Beriicksichtigung dieser Geheirnabmachungen zwischen den En- 
ten temiichten kann deroffene Protest Italiens gegen seine 
Mitalliierten, welche Italien jetzt den erhofften Besitz von Fiume 
verweigern, nicht uberraschen. Der offenen Obstruktion Italiens gegen 
seine bisherigen Freunde England-Frankreich-Amerika ging ja schon 
manche Verstimmung voraus, so auf der Pariser Jubilaumstagung 
der Weltfreimaurerei in Paris im Juni 1917, auf der schon die 
italischen und grofiserbischen Kriegsziele beztiglich Triests und Dalma- 
tiens behandelt wurden und gar nicht zusammenklingen wollten, so daB 
die italischen GroBorientsdelegierten nach der KongreBrede des bekannten 
franzosischen Masonnisten Brs. ■ . Andreas L e b e y in bedenkliche Ver- 
legenheit gerieten, und Br,-. Groflmeister Ferrari seinen Rucktritt von 
der italienischen Logenleitung nahm *). Wiederum Anfang August 1918 
hieB es, da£ Br. - . Sidney S o n n i n o in Kollisionen mit Lloyd George, 
Br.*. Bonar Law und Br.*. Clemenceau wegen von London und 'Paris 
begunstigter groftserbischer Anspruche des Br.-. Paschitsch gekpmmen sei. 
Die gegen Br. ■ . Sonnitio eingesetzte Verstimmung datiert ebenfalls seit 
dem Weitlogen-Jubilaums-KongreB 191 7 in der Rue Cadet 16 zu Paris, 
an dem sich die italienischen Logenfuhrer Brr. .Ferrari und Nathan 
dem eriglisch-franzosischen Logenbefehl fugten und in den „ Vertrag von 
Korfu" am 20. Juli 1917 unterzeichnend einwilligten, der die Bildung des 

*) In weittrer Entwickhmg der Ereignisse gab Italien (nach einer , Inf/'-Korre- 
Bpondenz ,vom 7- September 1917) nach dem Pariser 200-Jahrfeier-Ententekongrefl 
im bommer 1917, zu dem die italischen Grofiwiirdentrager Err.-. Ernesto Na- 
than, Ettore Ferrari Minister Bissolati usw. sich im Sinne des grotfserbischen 
Br.-. Jowanowitsch fur eine jugoslavische Politik verpflichtet hatten, seine grund- 
satzhcht Zustimmung zur Befolgung einer italisch-siidslavischen Politik im Sinne 
der Grundung ernes siidslavisch-groflserbikchen Staates unter dem 
^epter des Hauses. Karageorgewitsch. Wie weit sich als Folge der neuen sud- 
slavischen Logeopolit.k die WCinsche und Hoffnungen Italiens etwa schon ver- 
schieben muflten (insofern als die Jugoslaven jetzt Dalmatian, Istrien, Triest, Udine 
tur sich haben mdchten), kann nicht Zweck unserer Untersuchung sein- wir stel- 
ien nur die ursprunghchen Huchplane der Weltloge vur den Leser hin. 

»* '-P jen " s chrieb der russische Publicist Wodowesow (nach einer Stockhol- 
der Meldung der „N. Ziireh. Nachr." vom 12. Juni 1917), dafl die Entente Ita- 
lien neben Sudtirol nut Tnent, dem ganzen Kiistenland, Dalinatien mit Zara und 
Spalato Mittelalbanien mit Valona und die Agaischen Inseln langs der Kleinasiati- 
schen Kuste, so wie vorteilhafte Eisenbahn-Konzessionen in der Kleinasiatischeu 
Turkei zugesichert habe. Italien erhalte damit laut Vertrag Landbesitz mit einer 
Million Einwohnern, die ihm in ethnographischer und religioser Eeziehung vbllig 
tremd sind. — Dalmatiens Bevdlkerung zahlte 1910 neben 610669 Serben 
nnr 18028 It aliener, also 97% SJaven und kaum $% Italiener; in den Ku- 
stenlandern, die Italien von Osterrejch fordert, wohnten 1910 neben 437385 Sud- 
slaven nur 356495 Itahener („N. Z. Nachr." vom 14. April 1917). In Gorz und 
Gradisca wurden im Jahre 1900 81036 Italiencr und 1^0582 Slovenen gezahlt 
L.Ireubnich Italiens', S. 10). 



~ 199 — 

Zwolf-Millionen-Siidslavenstaates unter Fiihrung der Karageorgewitsche 
festlegte und auch den Besitz Triests einem Plebiszit zugunsten Serbiens 
unterwirft (um Triest und dessen Hinterland dem grofiserbischen Politi- 
ker Br.-. Paschitsch als Angebinde fur seine Englandtreue in die Finger 
zu spielen — denn Br. ■ . Paschitsch ist nach Lloyd George „einer der f ahig- 
sten und geachtetsten Staatsmanner Europas")- Br.-. Sonnino wehrte 
sich schon damals fur Triest und Dalmatien, fur Istrien und selbst einen 
Grofiteil des italienischen F r i a u I — , denn all diese Lande wurden im 
Einverstandnis mit den italienischen Logcnbrrn.-. Nathan und 
Ferrari (!) von den englisch-franzosischen Maurern im Hochsommer 191 7 
den — Panserbisten zugesprochen *), obschon Italien einzig und allein um 
diesen zu erhoft'enden Besitz sich von der italienischen Logenleitung in den 
Krteg schleifen lieB. Jetzt nun geht es noch um den Besitz von Fiume, 
und scharf, wie zu neuem Kriege bereit, klangen die Worte, die Mini- 
sterprasident Orlando unter dem stiirmischen Applaus Von mehr denn 
hundert Senatoren und dreihundert Deputierten und zahlreicher Minister, 
Staatssekretare, Provinzialrate, Gemeindevorstande und Offiziere und 
einem breiten Volke am 26. April 1919 (als dem Erinnerungs- 
t a g e der britisch-franzosisch-russisch-italischen Geheirnabmachungen) 
ausrief, als er (m Gemeinschaft mit den Brr.-. Maurern Diaz und Bar- 
zilai, von Paris kommend), in Mailand eintraf: „Nach vier Jahren un- 
beschreiblicher Opfer urid Entbehrungen", sagte er, „i n diesem 
AugenblickeistltalienzuneuenOpfernundEntbeh- 
rungen bereit; es ist grofier als im Mai 191 5-" Die B ^- 
wegung in Italien wurde noch starker, als Br. ■ . S o n n i n o am 27. April 
in R o m eintraf und von der Menge ins Staatsgebaude getragen wurde 2 ), 
Diese Erregung in Italien kann man um so mehr verstehen, wenn man noch 
weifl, dafi es der britische Ministerprasident Br. ■ . Asquith gewesen 
war, 'der im April 1916 gelegentlich seines Besuches in Rom in der Con- 
sult^ auf dem Kapitoi und im Hotel Exzelstor vor aller Welt feierlich 
deklamiert hatte, da6 England und Italien seit mehr als fiinfzig 
Jahren „auf Grund gleicher Grundsatze gleich^ 
arti-ge politische Interesscn hatte n", weil „vom zivilisatori- 
schen Genius Roms das Geseta der Nationen ausgegangen" sei. In der 
Tat sei das nationale Leben Italiens und Englands grofienteils aus den 
gleichen Quellen der lateinischen Zivilisation gespeist und vom selben 
Geist beseelt 3 ). Anderseits hatte der italische Senator Br. -*. Crespi 

Vgh die diesbeziigl. Nachricht des Bureaus „Information" vum 3. Septbr. 
1918, die auf den italienischen Rechtsanwalt Callegari in Rom als Gewahrs- 
mann zuruckgreift. Dieser Pakt vqn Korfu hebt den Londoner Geheim- 
vertrag mit Italien vom 26. April 1915 auf, welcher das Trentino, 
Tirol, Gorz, Istrien, Dalmatien, die Inseln des Dodekan usw. d en 
Italic nern zugesprochen hatte. Man kann die Verstimmung des „bru- 
derlich gesinnten" italischen Auslandsminiatcrs und seiner Freunde ob solchen 
Logen-Verrats begreifent . 

*) Um die „T r e u e" auf Seiten der Entente ist es schon eine eigene bacrte. 
Wer die Kursberichte der Schweizer Eorsen^ verfolgte, konnte es erleben, daB 
Italien plotzlich am 26. Marz 1919 aus dem bljlierigen Devisenverbande zwischen 
England, Frankieicb und Italien ausgeschaltct wurde. wodurch die italiemschc 
Valuta sofort um 20 Funkte sank. — 

8 ) Nach dem Mailander maurischen „S(2Coio" vom 1., 2. und 3. April 1916 tind 



-^ .sik** 11 am 2 °- J u '* I 9 I 5 * n ^ er »Ait^ Internazionale if festgestellt, daB 
3£ flgland den italischen Revolutionar Mazzini als einen Heili- 
; ; ..' : -jg- e n / eitien Etbiker, einen Propheten der Menschheit betrachte; ja ein 
"f,Vo Englander habe sogar gesagt : M C h r i s t u*s und Mazzini sind mir 
: ij£'r Gott und Prophet!" — Angesichts wohl all dieser britiachen Auf- 
munterungen konnte Br. ■ . Gabriele d'A nnunzio dem romischen Be- 
richterstatter des ungarischen „Az Est" mit gutem Gewissen im Marz 
v. Js. versichern, „daB It alien niemals au£ dalmati'sches 
Gebietverzichtenkonn e", und dafl er (d'Annunzio) selbst „s e i n 
Lebengeben wiirde fur jedenStein dieser jlateinischen' Provinz", 
Deshalb halte er auch etnen kommenden italischen Krieg um Dalmatian 
(mit Fiume) fiir sehr moglich! (Vgl. „Neue Zurcher Zeitung" vom 
15. Marz 1919). — Wenn aber gerade Woodrow Wilson es ist, der 
Italien Fiume zugunsten der Slaven aberkennen mochte (die 
amerikaniscben Freimaurer Nelson Page und Senator Lodge unter- 
sttitzen Br.- . Orlando und Bf. * . Sonninoin den Forderungen Italiens be- 
treffs Fiume), so mull man wissen, daB „BIut dicker ist als Wasser" : Herr 
Wilson ist engverwandt mit dem Vollbluttschechen Professor 
K u b e 1 k a in Boston, der die Schwester von Frau Woodrow Wil- 
son zur Frau hat. Unter diesen Umstanden mufl es Wilson, der Trager 
hoher Ideale, mit den — Slaven halten...' Und in Chicago allein 
sitzen 153000 Tschechen und singen dem „Meister vom Weiflen Hause" 
die allslavischen Wiinsche ins Ohr, — 

Br.-. d'A nnunzio (sein wirklicher Name ist Rapatiietta) war es, der den 
(vom katholischcn Kammerabgeordneten S'jttderini gutgeheifieuen) Gewalt- 
streich auf Fiume ausfuhrte und Fiume t> fur Italien eroberte". Denn in Italien sind 
durchaus nicht a lie Brr.-. Iyfaurer den Jugoslaven hold. Der „P.opolo d'ltalia" 
vom 2. Oktober 1918 veroffentlichte darum auch einen heftigen Artikel von Br.-. 
M u s s o I i n i .geg-en den jetzigen italischen Ministerprasidenten Nitti, in dem 
Nitti als unheilvoller /und niedertrachtiger Handler gebrandmarkt wird. Nach der 
ag.-Korrespondenz fordert Br.-- Mussolini die Ausubung der Lynchjustiz an Nftti; 
„LaBt uns den gemeinen Minister in den Tiber werfen!" Entgegen Br.*. Rapanietta 
sagte der Stellvertreter des sudslavischen Ministerprasidenten, Dr. Kotosetscli, 
(der das serboslavische Reich gem auf zirka 15 Millionen Einwohner steigern 
rfrbchte), dafi „weder I s t r i e n , noch Fi u m e , noch Triest, noch G 6 r z unter 
fremde (italische) Herrschaft kommen" diirie: ^wir werden fur das letzte sud- 
slavische Dorf wie Lowen einstehen" (ag.-Korr. vom 14. Jantiar 1919). Stein 
"Wunder, dafl es heifit, die Brr. ■ . Orlando (Italien) und Bratianu (Rumanien) 
h^tten bereits ein Biindnis gegen Serbien geschlossen. 

Um der Jugo slaven politik Italiens will en kam es schon im Vor- 
jahre in der fiihrenden Kriegspartei Italiens, dem „F a s c i o Roman o", 
zu den heftigsten Zwistigkeiten. Dank der zablreichen Beamtenstimmen 
aus den Ministerien siegten jedoch die Brr. 1 . Freimaurer im Sinne des 
Jugoslaventums („Inf." vom 14. August 1918 aus Rom). Auch wurde 
nach einer am 6. Oktober 191 8 angenommenen Taggsordnung des „Fas- 
cio" der erneute Friedensakt Deutschlands unter dem a c h t e n deut- 
schen Reichskanzler als ,,feindliches Manover" hingestellt, der Italien um 
seine Siegesfrtichte bringen wolle, — Wenn also ein Volk wie das italische 
ktinstlich s o in seinem Imperial ism us bestarkt wird, wie wir es gezeigt 



der „Rivista massonica Italiana f ' 1917, S. 42, wiedergegeben von H. Gruber 
der „Deutschen Rundschau", 1918, S. 342. 



"haben, dann muBte es - wie in Paris geschehen - wiederUbgen in den 
> lekhtentziindlichen Seelen dieses heifiblutigen sudlichen Volkes 
1 ^Be Lprechung der ZugesUndnis se ^^J^^^*** -r 
i nicht vergesscn werden, wu d.c „Schw e« Leh«r «* tun* ™ * ^^h 

': im Februar 1919 - schr eb. Wir ^_? "g che ^ eckt dern Brenner und dem 
I Tiro is) die Grenze bi> hmaiif J^"^^ ^utsche Volksangehbrige aus der^ 
' Toblacher Feld jiS 000 geschlolBen w ol ^n ende d« « tsc anderer deut ^ 

HeimatW.Ukrsvon rVo «Y ; Ladinis(: be Tiroler kamen 

^cher ^'^^^^^^^Jil^^^n wehrt sich die University Inns- 
damit unter itahemsche Oberhoherf. ^agegen 1 w d m che Sz enen, 

bruck (Innsbruck wurde ubngenj , von der tahenern f J««gt e g r) in der Schrift 

von den ItaliMernveybt ginsenim April igQ iete B Q z e n 

- M L'Unite du T ^ ^ r ^ e de ^ d ns e t U un S d C wii^hSt nachweUen." - Das ange- ■ 
J ,und Me ran in Sprache, Kunst una v% ia 6 Itatiener gegenuber 

zogene Schriftchen zahlt, wie wir anfugen ko ^ en ' ™ ' "; b % t (Ampezzo) neben 

. ded Nationalbewuiltseins der Volker?!") ■ u„u^„ 

* £ von italischen, Imperialism's gegenuber b.sher osterreKh schen 

' Landen dfe Rede ist, mochten wir nicht verschwe.gen dafi es Jet ehe 

* osterrei^che ^«^ff^%' ^^^^S 

(MitgHed des „Grand Orient in Hnsj w ^ hdmen Zusamraen- 

l.a.sobiszumEmtnttItahensinde n K^g ,n ^ehe ^ 

kiinften mit dem italischen Konsn »ahetta gegen g 

konspirierte. Kramarsch war es auch te«l.e e,wn S 

bUtSibt ,"T^S S wrt rnh e traeht solcher Ver- 
w i e s, well er den Krieg Italiens wolite in Nunzio 

riiterei m«B man rich nicht wundern, w enn d«t ahs he B. ^ ^^ 
V a c c a 1 u ?, z o m seiner * estrede aut aen r.ri B.; Catania 
Mazzinis (io : Marz .915) «» T ^ ^^-"geld wi« das 

•^.""Trirn" an.S'b. e t fn^en^t Ut°0.^«icb), das ist 
B 1 s t u m T r 1 e n t a n z u D. «"«,„., Die Ita ' Ue ner haben denn 

i den Gebrauch ihrer Muttersprafhe als Umgangsspraehe verboten. ) 
" T)^ „ ist die Hdlat Walthcr, von der Yoge.wride, wlh-end B r i x e „ 

-«^fer Z oWae«^ 



% 



Man kann an dieser Stelle wohl noch emschalten, was der ,,Popolo 
Romano" unterm 16. Sept. 1914 zu wissen gab; dafl es fur ( ,Itah'en 
ein besonderer Gltickszufall war, wegen des englischen Eingreifens 
in den Weltkrieg ( — vorlaufig noch — ) neutral zu bleiben", welchen 
Hinweis ein gewisser Athanasius umwertete zu dem Ausspruche, da8 
der „Popolo Romano" die italische politisphe Horigkeit gegeniiber 
England wahrlich nicht besser hatte dokumentteren konnen ! x ) Hin- 
zufugend fiihrte Athanasius ai*s t „da8 die italienische Frei- 
maurerei ebenso wie die spanische und portugiesische 
ein Ableger der franzosischen ist und ganz unter dem Banne und der 
Botmafiigkeit derselben steht. Und die franzosische Maurerel ist 
hinwiederura eine Horige der englischen Loge." 1 ) Nun, 
. uber die englische Logenpolitik weifi man, dan" sie so gefiihrt wird von 
ihrer Grofi-Leitung, als ob die romanischen Volker jetzt in der Dekadenz 
stehen, und dafl in der historischen Fortentwicklung der Menschheit die 
englisch-orientierten Volker die Berufung.haben, an der Spitze aller Kul- 
tur zu marschieren . . . Kein Wunder, wenn auch „Athanasius" uber den 
?) groflten Freimaurer der modernen Zeiten", den Einkreisungskonig 
Eduard VII., das Urteil fallte : 

„AHe Mittcl hat er sich dienlich gemacht, und hatte er seine Plane rechtzeitig 
so weit reifen gesehen, so ware er sicherlich auch vor dem Weltkriege nicht 
zuruckgeschreckt. Urn Deutschland zu isolieren, suchte er personlich die 
Staatenlenker fiir sich zu gewinnen. Wo er nicht sicher ist> lafit er vorher durch 
gute Freunde das Terrain sondieren. Wenn er den AugenbHck gekommen 
glaubt, spricht er selber vor. Sind die Souverane noch nicht ganz willig, so 
weckt er ihre Eegehrlichkeit mit Eroberungsmoglichkeiten (Tripolis [fcir Italien], 
die Agai&chen Inseln [z. B. Imbros und Tenedos an RuBland, vgV S. 105], 
Marokko [fiir Frankreich]) oder front ihrem Ehrgeiz. Fiigen sie sich nicht, 
so zaubert er Aufstande und nationalistische Bewegungen hervor oder sucht 
mit Hilfe von Revolutionen sich eine gefugrgere Regierung zu schaffen (vgl 
Portugal s ) S. tii in unserem Buche, D. Verf.), wobei ihm die Loge die denk- 

bar besten Dienste leistet Soviel konnen wir fcststellen: Was Napoleon mit 

, dem Schwerte zu erreichen suchte, das hat Eduard mit den modernen Kampf- 
mitteln der Sekte (Loge), durch Biindmsse, Revolutionen, diplomatische . Ver- 
handlungen, Presse, Geld usw. erreicht." — 

Der EinfluB der Loge in Italien, und zwar wiederum mit einem 
judischen Akzent, 3 ) wurde — wie eine Unterstiitzung der Ernesto * 
Nathanschen und Sonninoschen Bestrebungen — noch bestarkt durch 
den ejiemaligen Erzieher des Kdnigs Viktor Emanuel, Giuseppe 
.Ottolenghi, der wahrend des Weltkrieges Kriegsminister wurde. 
Ottolenghi ist ein Nachkomme der Ottenheimer, wurde vom verstorbenen 
K6nig Humbert von Italien gegraft und 1890 Kommandarit von Turin. 
(Kohut fiihrte in seinem Buche „Beruhmte judische Manner und Frauen" 
diesen heute so einflufireichen Mann mit auf.) 

Ein fernerer Beweis fiir die Macht-Geluste der Freimaurer in Italien 
liegt auch darin, da6 die italienische Loge — nach „Inf."-Korrespondenz 
vom 28. Oktober 1916 — gegen die Ubersiedlung des Munchener Nuntius, 

*) Vgl. die klcine Schrift „Das Geheimnis der Bosheit" aus dem Vcrlage von 
Jakob Vogt, Adliswil-Zurich (im Sood Nr. 267). 

3 ) Athanashi? halt auch den Aufstand der Bondelzwarts und Hereros in 
DeutschsUdwestafrika 1904 fur ein Werk der Loge GroBbritanniens. 

3 ) Auch Gabriele d'A nnunzto ist Jude. 



20j 

Kardinals Dr. Frlihwirth nach Rom, die Ende .916 gepUnt war (wir 
wissen nicht, ob sie zur Ausfuhrung gelangen koiuite), eifngeo Protest 
Trhot, Dri Friihwirth war vom Papste Benedikt al 5 neues Mitghed in 
Has Kardinalkollegium berufen worden. 
• Endlich ist festzustellen, daB der Vertreter von Raven n a I m der 

Hchen Bern^un, die Herbeifuhrung des Fried™. 1^ ™ * £ 

rat f n e jr^ nti ifhrt: dr ^^ t^^L 

Fro^ldaterverteiit wurde. Die „Neuen Zrircher Nachr." gaben daraus 
am 2. TuH 1018 die folgende Stelle wieder: 

^ eHi Xr^sS der^rui Sȣ 

kommeti lassen. N u " h ?' . er /™ f i'i' „, g . "i Wissen der italischen Regicrong 
erfolgte (!), dd3 ^ber F rankre^h darauf drang 0, da B Ital > J Abfa „. Expor . 
A«lubr untersag.e. Doeh verstand Utfe^ert« tacta R«' Ausf ? hning „och recht- 

^^Sh^o^^^TS^ B„ M,„ be- 
kannt. 



— 204 — 

wig-Holsteins, Preuflisch-Polens und seiner Kolonien usw., dazu Ver- 
urteilung Deutschlands zu einer Kriegsentschadigung bis zu funfhundert 
MiUiarden (bei Lloyd George ist dies der Dank dafiir, daB Lloyd George 
' T° n ^ er u deutsche11 GroB-Stadten, die er einst studienhalber besuchte 
freundhchst in die Organisation dcutscher Verwaltungs- und Finanz- 
techmk — die dieser englische Staatsmann dann auf England uber- 
trug! - emgefuhrt wurde). Diese Beraubung Deutschlands hoffte Lloyd 
George damit zu erreichen, dafi England „Deutschknd den G e n i c k - 
schlag versetzt" (was ja vollig gelang!) und daB Deutschlaiid „einc 
Lehre bekommt, wie sie Napoleon 1. wurde; und diese Lehre muiS in i t 
gluhendem Eisen in das Gedachtnis eines jeden 
P r e u B e n emgezeiclmet werden, bevor dieser Krieg zu Endc- 
ist . . Gegenuber der gemeinsamen Stellung der Regierungen Englands 
Frankreichs und Italiens im Verhaltnis zu Osterreich-Ungarn/Deutsch- 
hmd aber hat man sich der Worte Br. ■ . Ernesto N a th a n s an den Inter- 
viewer vom itahenischen Blatte „Epoc a" zu erinnern : 
„Man braucht sich nur an die freimaurerisehe Propaganda lib Tricst utid 
l^VnL^ni*) KrCim — Ci h ^ *« Krieg aiI der Seitc der 
Dann gab es in der Groflorientssitzung vom 17. Septbr, 1978 im Logen- 
palast in Rom abermals eine Verherrlichung des Krieges gegen Ostcr- 
reicb, an der waederum Groflmeister Br.-. Nathan die Brandrede hielt 
(vgl. Ir \, Z. Nachr." Nr. 278, 1918). Und es verbffentlichtc die ita- 
hemsche fremiaurerische „Idea Democratia" am 16. Septbr. 1918 das 
Baksirmle eines Briefes, den der osterreichische Irredentist 
Br.- Cesarc Battisti von Trient an die Freimaurerloge , Giosue 
Garducci von Corato (Siiditalien) geschrieben hatte, worin es beiBt : 
,, -Viel, acLr viel ist es der Freimaurerei zu danken, wenn die Sachc 
Tr ernVTrieats Anhanpr in Italien hat{!) und wenn der Irredentismns 
sich so stolz erhoben hat... (Vgl. „N. Zdrch. Nachr." vom 8. Oktbr. iyi8) 
Das Trciben der italienischen Loge illustriert auch die wilde Hetz- 
propaganda der italienischen Logenbrr. • . Zandrino, Borea R i c e i 
und Fausto F e r r a ro wider den B i s c h o f Angelo C a m b i a s o von 
Albenga wegen dessen angeblichen deutschfreundlichen Verhaltens. Der 
Prozefl, den die drei in hohcrn An^hen stehenden Logenbrr.- wider den 
romischen Priester Catnbiaso in den Weg leiteten, endete nach dreitamger 
Verhandlung am ji. April 1918 mit der volien Freisprechung des 
bchwerbeschuldigten, dem ein glanzendes Zeugenmatcrial zur Seitc 
stand. ) Der hohe Einflufi der Anklager ergibt sich aus ihren offentlichen 
Mellungen, Br.-, Zandrino ist Gymnasialprofessor in Genua - 
Br.-, fausto F e r r a r o ist Unterrichtsdirektor, Gymnasialprofessor und 
Mitghed der „Hohen 33.-/' und zugleich Meister vom Stuhl in der Loge 
„Tnonfo Ligurc". Der eigentliche Denunziant Br. . Borea Ricci 
gehort als Admiral (wie die Mehrzahl der italienischen Marineoffiziere) 
ciner der Logen des Kriegshafens Spezia an. Weiters hatte auch der 
andere Wurdentrager der Genueser Loge 7J Trionfo Ligurc", Br.-. Pro- 

*) „Inf. K -Korrcf;poiidenz vom 28. Mai 1918. 
Caff!- ^" h diC " N ' Zdrdl ' Nachr " voni 24 ' A P r " 19,S nach dtni Genueser Watte 



— 205 — 

feasor Luigi Eossi, seine Hand im schlimmen Spiele. Prof. Bossi war 
Mhelied der hitcrventionistisch-sozialistischen Partei, Parlamentsabge- 
ordneter fiir Varcsc und erstcr President der Genueser „Antideutschen 
Liga" *) und Prof Zandrino wirkte als zwciter Prases dieses Verems zur 
Frzeugung des Dcutschenhasses! Endlich trat ein funfter Logenbr • . 
in diesem i'rozeB wider den Bischof von Albenga auf, namheh der 
Staatsanwalt Lavagna von der Loge „Sabazia" in bavona : vor dem 
ligunschen Gericht von Finalborgo beantragte er die Verurteilung des 
Pnestcrs zu 2 Jahren Zuchthaus! (Als Stuhlmeister der Loge Sabazia 
nennt der Weltfrcimaurer-Kalender den Professor Ugo Vianelh.) 

\ufzuiuhren 1st auch das Gebaren des in Deutschland stets so gc- 
^hiitytrn italienischen Sangers Enrico Caruso, der in Neuyork eine 
derartigc Kriegshetzrcde hielt, daO daraufhin — wie Bruno G oe t z in 
der ,lnternat Rundschau", Mai 1918, mitteiUc — zahlreiche deutschc 
Mubiker interniert wurden. # 

Da 1st endlich zu gedenken jener italienischen Freimaurerpres^, die 
die turkischc- Regierung der Wahrhcit zuivider beschuldigte, 
den i J atriarchen von Jerusalem, Msgr. Camassai, gewaltsam an der Kuck- 
kehr in seine Residenz gehindert zu haben, als der Patriarch im Franzis- 
kanerklobtcr zu Nazareth Aufenthalt nahm und vorher emeu Stellver- 
treter in Jerusalem einsetzte. (,Jnf. ( '-Korresp. aus Rom vom 13. be- 

bfU Zu gedenken ibt der Tatsache, dafi es wiederum die Freimaurerpressc 
von Italien war, die begierig die gefalsehte Tendenzmeldung auf nahm, 
der Bischof von Laibach (Osterreich) babe Men der anti-osterreichibchen 
Propaganda schuldig gemacht. — So geht die Logenhetze hin und her, 
bis _ die gauze Welt auch dort unterwuhlt ist, wo etwa vordem nocli 
keine Mincn lagen. . . 

Wir fordern unsere Betrachtungen uber das besondere itahemsche 
Logengetricbc mit einigen Beurteilungen desselbcn aus maBgebendem 
Munde Da schrieb der Vorsitzende des Vereuis dcutscher Freimaurer 
Br.-. Dr. Dietrich Bischoff in den „Blattern fiir zwischenstaathchc 
Organisation", 191 5, S. 248: 

Im geweiiwartiKcn Kriegc liaben wir ^s erlebt, dab die Organisation des roma- 

" mschen LoRenwesen, ihren ganzen Einflufi ge Itend machte, nc ut ra le SU a- 

ten zur Ki iee^rklaruns an die Zcntralmachte zu Uestimmen. In Italien ist 

die dortist lWaurcrel geradczu ah eigentliche Eannertragerm der ganzen 



biachte es diewr ^rge Kriegslietzer auf der andere 11 Seite seiner 
dahin, daB ihn (laut „N. Zurch. Nachr/' vom 29 Jul, ^ 

von fceauvwegen ad m , n i s t r ;a f :. v «r A e r B eh ™J"^^ 



] ) Dahir 
Wirk^amkeit 

N?cM^ug m-rd^lur^icmsche'Logc^^altige nicht auflp^wfihnhcUcn 
T-'tlLhc ( gl. die FuJinotc ST 99), endete d.s I^hcn Lmg. Mjna liossi, .11 ti a S .- 
J f vJ Vm hcleidiffter Eh eg at te namcns Viktor Sacuto er^cht D den 
n^s , t,^/,£ar.^m dossen gynakologischcm Hwmjit .n Jtcte 
1-n, 1 die WaHe RCKen «cinc ciReiK-, von Bossi verunchite I rau mid toU'te /.«ktzt 
i ih siL So baichtctc dor frcimaurcrischc ..Sccolc" nachdem schon 

der \vant?' k. Br ■■ Bos.i als scblimmsten Don Juan und Bitruger entlarv 
ate Br . Rossi hatte ,in Buch gcschricbfcn Der deuhche Anti-Mensch 
rmerfsch, ITiume): die Judin Annie Vivanti (erne N.chte des ^DcutSLhen 



P a id" ' L i' nd 'a 11) h atte ih n "im D c u t s ch e uh afl be a tjii 
Tagesan7.' f \om 10. Tehr. 1919O 



kt. (Vgl. auch den T ,Zurcher 



206 — 

politischen Kriegsbewegung hervorgetretcn. . . (Im Gegensatz dazu) hat flic 
deutsche Frehuaurerei auf die Entwicklung dc r Kriegsentschtiefiung in un- 
serm '(deutschen) Staatswesen keinerlei Einflufl ausgeiibt . . ." 
Das unpolitischedeutsche Maurertum sprach sich aufs neue 
aus in einer Entschliefiung, welche im Gegensatz zur Entente- Maurerei 
ein in Berlin im Sommer 191 8 tagender Grofimeister- und Wiirdentrager- 
kongrefl der GrofHogen der Zcntralmachte faflte : 
„Die freimaurerischen Kdrperschaften der vier \erbundeten Volker erblicken in 
der Veredclung und sittlichen Vervolikommnung des Menschen die wcsentliche 
Aufgabc der Freimanrerei. Mit Genugtuung sind sie sich dessen bewuBt, vor 
und im Kri«ge von aller politischen, zura Kriege fuhrenden, den 
Krieg scburendci] und die Volker verhctzenden Propaganda sich fern 
gehaltcn zu haber>. Sie sind en tsc hi 03 sen, ihren Cbertieferungen audi ferner 
treu zu bleiben.-.fiir die Anfrichtiing des geistigen Tempelbaues der Menach- 
hcit... (f C„Die Menschheit", Bern, 11. Aug. 1918.) 
Vordem hatte man von den tsc her maurerischer Seite bekannt: 
, t Dieser Krieg bat uns gelehrt, dafi diellaurerti ntir nocli dtutscli sein 
und ein deutsches Kleid tragen kann unci 'deutsches Wcsen 
erhaltcn m u fi!" 
Ein solches Bekcnntnis istkeineUberhebung deshalb, weil die 
deutsche Maurerei nur reine Hutnanitatsiibung anerkennt 
und auch in der neucsten „Handschrift nur fur Brr. ■ . Freimaurer" 
von Br. * . J, C. Schwabe den Br. ■ . Otto Philipp Neumann sagen laJBt : 
„Wenn es in Zukwift gelingcn solUc, den Geist der alt en Pflichteu, 
uamlich der echt en, unverf alsch ten Maurerei auch der auBerdcutschen 
Maurerei der uns feindlichen Lander einzuimpfeu, dann kdnnte in der Tat 
von einer Wettmaurcrei deshalb gesprocben werden, wed der Geist, der die 
deutsche Maurerei beherrscht, in Wahrheit der Geist der Maurerei 
schlechthin ist." — Davon entfernt 1st die italische Frcimaurerei aber 
heute h i m me] w e i t! 
Br.-. Dr. Miiffelmann schrieb in den ^Bausteinen", Juni 1915, 
und in seiner Schrift : „Die italienische Freimaurcrci und ihr Wirken am 
Kriege": 

„(Der italienische Freimaurerbund) ist in erster Litiic . . . auf das politische Getriebe 
eingestellt, wic denn auch bei dem ,GroBorient von Italien' eine besondere Kom- 
mission fur politische Angelegenheiten besteht . . Auch einem Bruder, der auf 
Grund seiner Zugehorigkcit zuru GroBorient recht hoch auf der politischen Lei- 
ter des Staatslebens steigen durfte, kann es . . . sehr, sehr schlimm gehen im 
Leben, weun er sich beikommen lassen wollte . . . einc andere Meinung zu haben, 
andcre Wegc zu wandeln, sein Staatsumt oder sein Abgeordiietenmandat anders 
ausuben 711 wolten, als man im ... GroBorient von Italien fur richtig findet . . . 
Man sagt nicht zu viel . . . die italienische Freimaurerei bildet tatsachlich einen 
Staat im Staate . . . Unter den Schiirern des Krieges konnte natiirlich Ernesto 
Nathan nicht fehten, . . . derselbe, der (lurch seine .Beziehungen' die viclbegehrte- 
Stelle des Koniglichen Kommissars fur die Weltausstellung in San Franzisko 
erhielt, die cr dann wieder . . . zugtmsten seiner Freunde und Macher ausniitzte . , ." 
Und welter horen wir den ofter genannten Br.*. Wolfgang: 

Wer wotltc <in Italien) den Krieg? Nur eine kleine Miiioritat, bestehend aus 

Nationalisten, den regularen und irregularen Freimaurerlogen, ein Teil der 
Staatsbeamten und Intellektuellen. Dieses kleine Volk war dank seiner Organi- 
sation iiber das ganze Land verbreitet und besaB reiche Mittel, Demonstrationen 
zu veranstalten und die StiaBen mobil zu machen . . . Alle grofleren Zeitungen 
waren auf ihrer Seite." An anderer Stelle („Der unsichtbare Ternpel", 1916, 
S. 306 ff.): ,,So werden z. B. (auch) vom Palazzo Giustiniani (Grand Orient) in 
Rom aus die Kommunalwahlen in alien Stadten Italiens beeinfluBt . , . Es ist zu- 



— 207 — 

weden ein ergotzliches Schau.pieL wen. die h N-- -/^S 5 S 
Loge in zwei feindlichen Listen s.ch S efien " be [ r s ^ e f die m B %der, welche auf der 
das Wort des GroBmeisters vernehmen i ; er ^ rt s ^ he B n ^ r 'v^rkappte Kleri- 
Liste der kon.crv.tiv und ge maflig libera en Par t stehc n rtei( dem 

kale, und fordert alle echten ^?^ ^TjXj Z J «ben . . . Die Bruder, welche 
radikalen Block (Demokrahe und a f^ e f ^ s ^ J^,,^ lassen , werd en als 
5 ich in der von ^m GroBo ent bekamptten ; ausgeat oficn... 

Abtrunnige bezeiclinet und mast aus ner r 1 e x a m e n s zu 

Bei einer N e u a u f n a h ,m e ha der ^^ nde ^ Btilow im November 
gewartigen hin^htlicj .to .^f ^sche^ Srreich und Italien, um . . . den 
1934 . . • Verhandlungen anbahnte ™« n ™ t ■ n an diese a b t r e t e n zu 

(nach dcr ..Kobiischen Volkszeitung" vom 6. Marz 1915), ""1 aas w 
nnch v o r dem italienischen Kticgseintntte : 

Auflosung des Staatsgedankens zu ar J i f ten ' e S^ n W Krtefo von der ^teimaurerei 

N ,-Bruder und der Weltkrieg", S. 67) : 

T"MZ ™« nations Charaktcr ,u f ben .ucfct ^. . , „ r 

ist. als jeglicher Nationahsmus Der s N^nal«mm ^a ljsmus (sQ besondCT6 

\ -3^? ^~^ -> ™-S £ST- Volk "" d s ' aat ' ~ z " 

; ve „nftct s ,e„ Cc E e, 1 war, S er S chc,„u„«e„ g.fuhrt ''^> (Festnummer 

Dies ergiiiizt der deutsche Br. . Dr. ).*-.- 3 . c '' V + . v 
des .Unsiehtbaren Tempels", 19.7. S. 494 ff-) wie folgt. 

D ie ro m a nis che„ I^cimaare, . machen ... Uuen Log.,, ««Jf'^=h V°U _ 
■ ■" tisehe Klnbs. die sjeh in W»Wfragen em ,ns ehen ^f ^ bstv - er9t5 „d- 
z e n und bilden helfen ... I n 1 1 a I 1 e n is t e _a^a n | Brtd(5ll dea Wah l. 
1 i c h d a 8 die Frcimaurerei so vorgeht und die < L*M* "",„ Iclmaur erci 
LetteHn die Hand drdckt . . . D.e K™""/ 1 "^ ^((toch rein hnxnanisti- 
pclitiseh ^ z *-'"? = Vfra'eT6 > In Italien. ..wurde die Freimau- 

sche) F'-^e .w« e.ne Martttrege Iomu ^ , itischer Agita.ionen gem.B- 

halb wohl selbst als Br. ■ . Maurer) : 

„Die K 1 e r i k a 1 e „ haben sieber Grund ^-^j^&V d^^cger'Sig^mch: 

^d- h F rtm L aur b erei u ^r ^f eg i n^iu s se a imdUent- 

; "i^f^t'L^'-i aCISnen au" ateVn . . . Herr Natban «brt 



— 208 — 

fort, das p c r s o n 1 1 e h e Gehcimnis zu vcrteidigen, das die heutige Freimau- 
rerei umgibt, obwold cs zu vie| AnlaB zum Verdachte bietet und mehr 
die per son lichen Vorteile der (Logen-)Mitgheder als die Riicksichten 
der Gercclitigkcit aussclilaggebend scten." 1 ) 

Und Br.- . R ib o 1 i , einer der 33. ■ ., und zugleich GroBkommandeur 
des Turiner „hohen Rates", schrieb gar schon im Jahre 1884 an den be- 
ruhmten „Maurerpapst" Br,-. Pike in Charleston-U.S.A. : „Der 
(romische) Groflorient wird ganz von profanen Interessen ' be- 
herrscht." „Diese Leute (die Brr. ■ . Adriano Lemmi, Crispi usw.) sind 
voll Windbeutelei, Immoralitat und Frechheit. Nur Intriganten, Ehr- 
geizige, Unsittliche und Geldsiichtige schiiren die Zwietracht (in Tta- 
iien)". 1 ) Im Jahre 1886 hatte sich diese Profanation der Loge nicht 
gebessert, denn Br. ■ . R i b o U 33. ■ . schrieb welter an Br. ■ . Pike 35..: 
,,Was sie (die Lemmi und Kon&orten) am Lebcn erhait, sind die unsitt- 
lichen Mittel, durch welche sie Anstellungen, Dekorationen, Amter, 
Titel und geheime Zuschusse fur sich zu erlangen wissen." *) Trotz 
diescr Erfahrung blieb Br.-. Riboli GroBkommandeur des ^Supreme 
Conscil" von Italien n e b e 11 Br.-. Adriano Lemmi, der als „S o u - 
v e r a n c r GroBkommandeur" des selben „liohen Rates der " 33. ■ ." 
amtete — — ! Der deutsche Br. ■ . Dr. Ernst H o r n e f f e r zieht das 
psycho-physiologische Ergcbnis aus den gegebenen Tatsachen mit den 
Worten: „Es hegt eben eine Erkrankung des gesam- 
t e n romanischenVolkesvor. Die romanischen Volker konnen 
sich nicht mehr regieren . . ." -) 

Wie hcschlicflen das Kapitel „Italien" mit ein paar kurzen NoUzen. 
die festzuhalten uns von Wert erscheint. 

Fiir den 24. Kebruar 1919 war eine grofle „Balustre" 3 ) der Logen- 
b ruder von ganz Italien nach Rom zusammenberufen worden, die 
sich mit dem ,,kathoIiscbcn Erwachen" befassen sollte. — 

Schon am 28. Mai 19T6 hatte in Genf ein „G e h e i m c s L o g e n - 
Konventikel" gegen die Friedensbemiihungcn des Tapstes Bene- 
dikt XV. 4 ") stattgefunden. Als Leiter desselben fungicrte der bekannfe Grofi- 
meister der ,, Grand Orient Lusitanian Union", Br.-. Dr. Sebastiano do 
M a g a 1 h f\ e s Lima von Lissabon, der ivied er holt portugiesischer Mini- 
ster war. Dieser Gelieimkonvent sollte urspriinglich in R m tagen, wurde 
dann aber — der „KoInischen Volkszeitiing" nach — in die neutrale 
Schwdz (!) vcrlegt'. Delegicrt dazu waren u. a. der von uns vie] genannte 
cnghsch e Gronmeister Herzog von Con naught und der franzosische 

2 Vgl. H. Gruber, „PaItadismusroman" II F 1898 S. 263/65 

) vgl. „Der unsicbtbare Tempe!" I, S. 324, 

3 ) Balustrc" (wortlich „Gelandcisaijlu") 1st in dtu romanischen Logen der 
m « & r C1 " e eroBere ' » im hdhercn Grade" tagende, Protokoll-Sitzung 

) Der gegenwartige Trager der romischen Tiara gehort einem der verschic 
denen Ordcri v«n ,,Ma]tesci-Ritterii" an. Im Jahre 1740 bekampfte zu Malta die- 
ser papstlichc Order, bereits die dortige echte Malteser-Mamerci (vgl. Blavatsky 
Is.s entschleicrt' II, S 3S3). Richard Woof, F. S. A., Kominaiuteiir des Ordeiis 
der inaiirenschen Tenipelritfft-. sagt. nach Blavatsky, i„ ..Aakctch of the Kniirht 
remplers and the Kni R lit of St. Johns of Jerusalem", dali die papstlichen Malteser- 
iiitter keme 1 reimatirer seien. Rs gibt eben verschiedene Ordenseememschaften 
dieses Namens (vgl. z. B. S. 2 und S. 114). 



— 209 — 
General Br Perin. Neben der anUpapstlichen PoHtik pflegTe das Kon- 
-l^d^rtJe^^^ 

^tX ^^l^^n, Be lg ien voUe Genug.mng 

erbielten und bis Elsafi-I othringen *«^»^ ^ } tagtc weiters an, 

Nach der ^Stampa" ( f ,Inf . -Korr. vom 30. Mat 19 7) *« 

iibereinstimmen 41 . ^ + 

Die Zentralbibliothek des „Ri S or f ime„to" j." ^"^^^S 
Archiv im Victor Emanue.-Denkmal ,,t von d ta msche, Reg^g 
of f iziell dem F r e i im u r e r - K o m . t e « "°«"rag , 

S / tZe p diC ,rB r« ufSh S -aT^T<^9 erschien ,n der 

Offers, um von den Ita henern ^ ford *U a ^ H »^ Herrschaft .„ 
iibernehmen, d,c zum Tell ^""°.* e t r .,?™ ch Wien gebracht worden 
Neapel (zu Begiwi des 18 J^ rhund "*'-' ^v.,^'^^ der Ausfol- 

cure de France sogar u c " - Werke von C r a n a c h und 

Stuttgarter Galerie und der Altottinger Sammlung. 

Fur den Prasidentenstuhl des italienischen „Roten Kreuzes" kandi^ 
dierte im Herbst 1918 Br. ■ . Giovanni C 1 r a o 1 o. 

Heise, Entente-F«iniaurer*l. II. 



„I tali en ist das Gehirn der Latim- 
tat, Frankreich der starke 
Arm, die reclite Hand und die erst- 
geborene Tochter derselben." 

(„Acacia", Rom, 1915, iibersetzt von 
H. Gruber.) 

Wer in England, Italien, RuBland, Serbien und Belgien regiert, wissen 
wir nun, und man konnte die aufgfefuhrten Tatsachen noch urn ein 
beliebigfes vermehren. Auch von 

Frankreich 

laBt sich manches berichten, das Licht wirft auf die Dinge, die ihre Ent- 
scheidungen durch die Wairen forderten. Wir schicken auch hier vor- 
aus, welche Verbreitung die blau-, grau-, grim- und orangefarbenen Lo- 
gen, die auch hier nur rein politische Ziele verfolgen, haben. 

Frankreich hat drei bezw. fiinf Grofilogen mit etwa 600 „Werkstat- 
ten" und rund 40000 Mitgliedern. Da ist zunachst der ,,Grand 
Orient de France" mit Rosenkreuzerkapiteln und Kadosh-Conseils 
und mit einem Ordensrat von 33 Mitgliedern unter seinem „Prasidenten" 
Er. ' . C o r n e a u (die GroBmeisterwiirde wurde 187 1 unter GroBmeister 
Br. • . Advokat Labaud-Baribiere aufgehoben) bet rund 470 Lo- 
gen mit 33 000 Brrn.- . (26 Logen in Algier und Tunis, 17 Werkstiitten in 
den franzosischen Kolonien und 30 Logen mit 7 Kapiteln und drei 
„Hohen Raten" in Agypten [3 Logen], Amerika, Argentinien, Chile, 
England [2 Logen], Griechenland [2 L.], Kanada, Mauritius [4 L.], 
Mexiko, Neusceland, Paraguay, den Philippinen, Rumamen [5 L.], der 
Schweiz [2 L.], der Turkei und Uruguay [3 L.] bei ig — 20000 Aus- 
kndsbrudern). Der Ordensrat des „Grofi-Orients von Frankreich" stellt 
eine Oligarchic (die Herrschaft weniger Leute) dar und ist rein aristo- 
kratisch und durch indirekte Wahl als permanenter AusschuB gebildet 
(wie Wilhelm Ohr in seinem Buche „Der franzosische Geist und die 
Freimaurerei" fS. 76/77] ausfiihrt). Dieser Ordensrat verleiht den 33. 
Schottengrad (Hochgrad) und erganzt sich selber aus diesen selbst- 
ernannten Hochgradmaurern, wobei die niederen oder Johannesgrade 
— alle Demokratie belachelnd — weder EinfluB noch Einspracherecht ha- 
ben. Damit erweitert sich der GroBorient zu seiner zweiten und uber- 
geordneten GroBloge, zum „Kollegium des GroBen Ritus". Die GroBoffi- 
ziere vom Grand Orient sind zum Teil auch hier als Groflbeamte tatig. 
Dieser aristokratisch organisierte ^Supreme Conscil des GroB- 
orients von Frankreich", seit 1841 mit dem oligarchisch geleiteten 
Jt Grofi-Orient" verbunden r umfaBte 1908 60 Kapitel (davon 40 in Frank- 
reich, 7 in Algerien und Tunis, 6 in den ubrigen Kolonien und 7 im wei- 
teren Auslande), sowie 24 Konsistorien (15 in Frankreich, 4 in Algier- 
Tunis^ 2 in den Kolonien und 3 im sonstigen Auslande). ' Der „Grand 
Orient" anerkannte den „Franz6sischen modernen Ritus" mit Rosen- 
kreuzgraden, den „Ritus von Heredom", die schottischen Hochgrade der 
33.-., den ,, Ritus von Kilwinning", den phitosophischen Ritus und das 
revidierte System. 



Die GrofleLoge von Frankreich" unter Br. • . Gk*"^ 
Gene al P e ig n e umfafit etwa i S3 Logen (« Logen in den *«"«*!?« 
Kolonfen einschliefiliehTunis-Algier und 13 Logen im Auslande) ; fur M 
IS.010H1C11 rwiiitiirte Br - Tean B o u r r a t in der deutschcn OrOH- 

?° n,P1 ££S York It Freundschift" von Preufien. Mit der „GroSloge 

silverteilen sich auf Europa, Afrika und Amer.ka. Erne „We t-Konfe- 
Zz« Z er ,H6eh"ten Rate" war fur 19.7 in L«»?»W^^ 
• Krieg verhinderte ihre Abhaltung. Bereits im September 1^5 £tte in 
T a u s a 11 n e in der S c h w e i z im Namen des „Baume.sters aller Wei 
W' elneTagung der „S e hott i . ehe n Bundesrate vom 4. b 1 » 
3 3. G r a d e" stattgefunden. 

Das Prinzip der franzosischen Maurerei ist die Revolution. Daher 
auch die vollkommene Ubereinstimmung Frankreichs im Weltkriege m.t 
dem England das 1908 in Gemeinschaft mit dem portugies.schen GroB- 
meiTter Br M a g a 1 h . e s L i m a 33. ■ . die Revolution ,n Portugal, und 
to Fcbruar .917 durch seinen Botschafter Sir B u ch an an die Revolu- 
™n in RuBland 7 arrangierte. Schon dem Br,. GroBmeisterE g a n te, , 
Herzog Ludwig Josef Philip? von Orleans-Chartres, dem spate en Ko 
nig Ludwig Philipp, Inhaber des Ritter Kadosh-Grades 30. . ), war es 
vorbehalten eewesen innerhaib des franzosischen GroBonents 1798 in 
SmeinschafS seinem Vater eine besondere revolution^ Rolle zu uber- 

~^ut^l.t«l^ 

aen von GroBbritann.en herubergelot ten 33. .-Schott^Mtua 3 ^ 

mit sie nicht h.nter Jas Treiben der W ^ « e^ er 3, ^ ^ m ^ 

Buchc ..Geheime G«e l>chaf en 190 S ' ^ ^ge" r P^ ^^ y ^ 
spater auch wicder em Attentat 1 8 e P lant -J ^f" « „ °: r c a u ver eitelt. Wohl als 
eines der mitvcrschworenen Logenbrr.'., namens. Boircau, 
FoTgedavon wurde „Brv. E g alit6" setbst Gegner der Logen. 



nehmen. Audi die ubrigen groBeu Enzykiopadisten und Revolution arc von 1798 
warcn Freimaurer: Jean d'Alembert (Enzyklopadist) ; — Anton Pierre 
Josef Marie Bar nave (1793 guillotiniert), — Graf Francois Antoinc 
Boissy d'A nglas, — Jean Baptiste Carricre (einer der blutdiir- 
stigsten Revolutionary, nach Robcspierres Sturz selbst dem FallbeiL 1794 
verf alien), — • Marquis Jean Antoine Nicolas Condorcet (1794 im Vcr- 
haft plotzlich gestorben), — Georges Danton 1 ) (nach der Erstiirmung 
der Tuilerien Begrunder des Revolutions tribunals, das Tauscnde auf bio- 
Ben Verdacht hinrichten liefi; Urheber der sogcn. Scptcmbergreuel, spa- 
ter ebenfalls enthauptet), — Dupont de Nemours (Sekretar und 
Staatsrat), — Enzyklopadist Denis Diderot, Eischof Henri G re- 
go ire (spater von Napoleon I. gegraft), — Enzyklopadist Claude Adrien 
Helvetius, — Alexander Graf von L a m e t h , — Jean Paul M a - 
rat (1791 ermordet), — Graf Honore Gabriel Viktor Riquetti Graf von 
Mirabeau (President des Jakobinerklubs, wurde 1 776 in die Loge auf- 
genommen), — Baron Charles de Montesquieu (Parlamentsprasi- 
dent) , — Pierre Joseph Proud h on (f ranzosischer Anarchist, in Eesan- 
con der Loge zugefiibrt), — Maxim. Marie Isidore Robespierre 
'(eifrigster Jakobiner, betrieb die Hinrichtung des Konigs Ludwig XVI. , 
ward Schreckensdiktator und schlieBlich selhst hingcrichtet) 3 , — Emanuel 
Josef Sieves (der Generalvikar des Bischofs von Cbartres, der dann 
1799 den Staatsstreich Napoleons unterstiitztc), — Jerome Petion de 
VilUneuve (President des Revolutionstribunals, Maire von Paris, 
gchcimnisvoll gestorben), — endlich auch Francois Voltaire^) (der 
eigcutliche „Vater der Revolution"), — und sie alle, diese grofien Um- 
stiirzler, sie gehorten der Loge „Les amis rSunis" in Paris an. • 

Eine grofle Anzahl franzosischer Freimaurcrlogen ist schon durch die 
Wahl Hirer Namen als politisch apostrophiert. Wir geben nachfolgend 
eine Aufzahlung (unter Mitbenutzung des offiziellen Weltfreimaurer- 
Kalenders des Reprasentanten des Internationalen Freimaurer-Bureaus 
Brs. •. Ed. Quartier-la-Tente von Neuenburg), Innerhalb des 
GroBorients griindete sich 1764 zu St. Jean d'Angely die „Egalite 
regene>ee", 1833 entstand zu Paris die „Fratermte du Feuple", im Re- 
volution sjahr 1848 zu Pontoise die Loge „Les Amis du Peuple", 1869 

J ) Nach Br.-. Wilhelm Ohr, „Der fraitzosischc Gcist und "die Kreimaurerei", 
S. 164, sollen hincrhalb der franziisischen Nation Danton wic Diderot und 
Napoleon und die Jungfrau von Ortcans „atle mit dem gleiclien Enthusiasmus als 
Rtthm und Glanz und Herri ichkeit von Frankreich umfaDt" werden ... Napo- 
leon I. und Napoleon III. waren beide Freimaurer, der erstere crhiclt in 
Bonifacio (Korsika) und abermals 1798 in Malta die Eimveilmng, Napoleon III. 
wnrde in der Scliweiz in die Loge aufscenonimeu und gcihortc sogar zu den „Car- 
bonaris" des bcriichtigt-beriihmtcn Brs.-. Mazzuii. In ihrcr Bliitezeit zaMten die 
Carbonari 300 000 ,,Fin^ewei]itc". 

3 ) Nach dem ..Berliner Ta&eblatt" (Ausslandsausgabe vom 8. Mai 1918) spracli 
Lloyd George zu Clemenceau stinc besondere Verchrung gegeniiber dem 
Tyrannen Br.-, Robespierre aus! 

Auch die Jakobiner sind eine Art letzter Ausstrahluug aus okkiiltcn 
Logen. Die bci ihncn beliebte ,Jakobinermutze" entspricht noch den Kopf- 
bedeckungen der alten wirkliclicn Eingeweihten! — 

3 ) Voltaire wurde schon in jiyigeti Jaliren in London eingeweiht und im hohen 
Alter zu einer besonderen VViirde in der Loge „Les neufs feoeurs" in Paris erhoben. 



— - 213 — 

iolffte die Bildung der „ Democratic maconnique". Dann wurde 1872 — 
als politischer Protest gegen die Angliederung von ElsaB-Lothnngen an 
Deutschland - in Paris die Loge , Alsace-Lorraine = ins Leben gerufen 
(sie wandelte in den Bahnen des Begriinders der ..Alliance Israelite uiu- 
verselle", de. ehcmaligen franzosischen Justizmimstcrs Brs. -Isaac Lre- 
mieux der Deutschland den Sieg von 1870/71 nie verz.ehen hat) Weiter- 
Wn entstanden zu Paris (immer als Zwcige des GroBorients) neben vielen 
anderen politischen Logen die Werkstatten Emancipation (^75). „Vol- 
taire" (1890), ..L'Aurore sociaie" (1900), „L'Ecole mutuelle et 1 Atelier 
socialises^ (1897), „Le Niveau social" (1897), ..Philosophie positive 
(X, (im Sinne der" sozialistisch-materialistischen Schule Comtes), .Vic- 
tor Hugo'', „L'Action socialist^ (1901), ^Action" (1903), „LTiconomie 
sociaie" (1904), „L'Expansion franchise" (1904), „Labxance Socialise 
S, .Travailleur, .ocialistes de France" (1904), ,/Travarict sohdaritc 

1904 L'Evolution socialc" (1905), .^Evolution economique (1006), 
von welchen nicht wemger als zwOlf Logen ,hren Site ™ G™*™*%- 
Logenpalast in der Rue Cadet Nr. 16 zu Pans haben. Lbenfal s ^ ne ^ lb 
des franzosischen Grofiorients entstanden: 1881 in bedan die Loge Ega- 
Ttt Tustice Procres" 1884 in Foix die in der Rue Theophile Delcasse 
todXjJnnte laUne", 1887 in Mantes die Freiheit du«h ArbeiV' 
aS par le travail) und in Nizza die Loge France democrat! que 
890 in Ain-Temouchent (Algier) , s La Revanche^ 1895 in Vendome d,e 
■ Evolution socialc", 1900 in Philippcville die Kampfloge „Kind« des 
Mars" (Les Enfants de 'Mars), 190a in Beziers die ,JJteUon sociaie m 
Draguignau die ..Egalit^" und in Verdun die Loge Democratic : 1903 
£ Bergfcrac die Log" „La Democratic^ in Perpignan chc Loge ^ Athenee 
social" in Saint Pons die Loge „Avemv social", in Toulouse L Harmome 
o dale'' , 19 o4 in Angonlcme die Loge ); Deniocratie^ m Rochcto« 
die Loge Democratic", in Saint-Pierre d'Oleron die Loge „Le Progres 
social" in Tarascon die Loge „Aurore sociaie", in Thouars die „Eman- 
cipaton", 1905 in Blida (Algier) die Loge , ^'Education sociaie 1906 m 
Bordeaux die „Egalite" undiin Grasse die ..Evolution sociaie 1907 in 
MontreuH-sur me? die Loge .Arbeit und Fortschritt" (Travail et Pro^ 
grL) usw. usw. - Innerhalb der Gr 06 loge von Frankre.ch bez *. des 
Supreme Conseil vom angenommenen Schottenntus" (beide mit dem Sitz 
im Lo^enpalast in Paris TX, 4^ rue Rochechouart) bildeten sich: m Pans die 
i Sch politiscb akzemuiertcn Logen .Garibaldi (t 9 o 4 gegr undct und 
vorwiegend aus Italienem bestchend) Ho.pitahers sociahstes ,M^ 
Examen" (1870), .Arbeit und Licht" (Travail et Lumiere) (x88 3 ) und 

La Republique' 1 1907), in Avignon 1899 die Loge „Le Contrat socia 
in Caho?, 1903 die .soziale Morgcnrote" („L'Aurore sociaie du Qnercy 
n Cateau 1889 die Loge .Travail et Progres^ in Chalor > sur Saone schon 
i872 die LoJ Fortschritt und Gleichheit" Progres et Egalite), in Douai 
^96 und i/Rodez 1904 die Loge, „Reveil» (Erwachen!), ,n Lyon-Mon- 
chat die Loge , f Solidarite", in Saumur die Loge „Socialc usw. 

K Lc/e .Garibaldi" zuParis tauschte im M a r, 19 16 mit dem 
j t a 1 i e n i s c ii e n G r o 6 o r i e n t (unter dessen Br. ■ GroUsekretar Carlo 
Berbenda «.-.) gegenscitig Sympathie- imd Gluckwunsclitele- 
grLiL de, Unzertrennlichen Solidarity der lateinischen VolW aus, 



— 214 — 

„vertrauend auf den definitiven Triumph des Rechts der lateinischen 
Zivilisation". 

Nachdem der grofie Gedanke einer „Freiheit, Gleichheit und Briider- 
lichkeit unter der Menschheit" in erhabcnster Weise innerhalb des reinen 
Maurertums aufgeblitzt war — gleichsam als zundender Funke aus eincr 
geistigen, hoheren Welt von einem neuen Prometheus gebracht *) — , da 
erstarrte diese wun der bare Formel doch schon in dcm Momente, als die 
franzosische Masonnerie sie wie in herostratischer Art hinemwarf in den 
Strudel der Politik und an ihr die grofie Revolution des 18. Jahrhunderts 
auflodern lieB. Als die Log*e vergafi, daB F r e i h c i t nur durch innere 
Entwicklungf der Seelenkrafte, nur im innere n Erleben ; 
daB G 1 e i c h h e i t nur in der Erringung der hochsten gottlich-gei- 
s t i g e n Erkenntnisse (die immer die gemeinsamen und gleichen sein 
werden), moglich sei, Bruderlichkeit aber auf dem Plane gegen- 
seitiger Achtung und wirtschaftljcher, physischer Hilfeleistung gesucht 
werden solle, — als die Loge „Freiheit" £tir jeden dnreifen, in den Skla- 
venketten seiner Leidenschaft festgehaltenen Revolutionar forderte 2 ) und 
Jt allgemeinc Gleichheit" (Egalite) trotz den so ungleich vorhandenen 
Graden 8 ) realer Menschenkenntnis allenthaiben gelten lassen wollte, da 
sank das franzosische Maurertum (das nun kein Templeisentum wie 
das eines Gralsritters Chretiens de Troves 4 ) mehr sein konnte) in Hoch- 
mut zu jenem Tiefstande herab, der in den zahllosen Ausspriichen fran- 
zosischer Grofiredner und lateinischer schriftstellernder Brr. \ in 'so be- 
denklicher Weise charakterisiert erscheint. Br. ■ . Dr. E n c a u s e (Papns) 
von der martinistischen Bruderschaft, einer der hervorragendsten 
Okkultisten Frankreichs, f 1918, konnte die „Freiheit, Gleichheit und 
Bruderlichkeit" der franzosischen Maurer im wahren Lichte zeigen. Er 
sagte: „Der Grofiorient von Frankreich ist, seltene Ausnahmen abgerech- 
net, "erne Vereinigung von atheistischen Materialisteri, fur welch e 
jeder, der an irgend eine geistige Kraft glaubt, ein 
Feind ist, der zertreten werden muB!" B ) 

*) Freiherr Alexander von Bemus sagt im Januarheft 1919 des ,,Reich" 
(Dreilanderverlag MunChcn): „Das Verstandnis fur Gleichheit, Freiheit, Bruder- 
lichkeit ist in vollem Umfang nur aus der grundlegenden Lehre von Reinkarnation 
(wiederholten Erdcnlcben) und Karma (der ausgleichenden kosmischen Gerechtig- 
keit) zu gewinnen", — einer Lehre, die dem ech'ten Maurertum immer zugehort 
und selbst von "vielen „Pseudomaurcrn" (Groflmeister Annie Besant usw.) fort- 
wahrend im Munde gefulirt wird ! 

3 ) „Sie streiten sich, so heiBt's, urn Frciheitsrechte; 
Genau beseh'n, sind's Kncchte gegen Knechte!" 

(Mephisto in Br. 1 . Goethes „Faust" II) 

3 ) ..AUes MenschHche muB erst werden und wachsen und reifen, 
Und von Gestalt zu Gestalt fuhrt es die bildende Zejt." 

(Schiller.) 

*) Audi die franzosische Stadt Troves besitzt seit 1850 ihre politische GroB- 
orientloge „Zur sozialcn Morgenrote" (Aurore sociale). 

a ) Fapus, „Der Teufct und der Okkultismus", 1895, S. 31 ff. 

Br.-: Louis Claude de St. Martin (t 13. Okt. 1803) (vgl. S. 19) gehorte 
zu den letzten groflen rosenkreuzerischen Eingeweihten des geistig utitergebenden 
Frankreich; er wuBte schon — im Zeitalter der „gro6cn Revolution" stehend - , 
daB die Losung der sozialen Probleme einzig durch die neue Entbindung spirituel- 
ler Krafte moghch wird, wie dies in unseren Tagen vor allem von Dr. Rud. 



— 2I.S — 

Im Nachfolgenden gdben wir ein paar Wortpragungen J^nzosischer 
Brr ■ wieder, die zum Teil auch dem Rechenschaftsbencht des „Groii- . 
orients von Frankreich" (aus der Zeit vom Oktober bis Dezember 1913) 
entnommen sind und wie sie der kricgsgefallene ehemahge Stad tkomnian- 
dant von St. Quentin, der deutsche Br.-. Stuhimeister Wilhelm Ohr in 
seinem 1916 im Feldlazarett Peronne verfafiten Buchc , f Der franzosische 
Gdst und die Freimaurerei" festhielt. Die kleine Blutenlese aus fran^ 
zosischen Qucllen bestatigt das republikanisch-revolutionare Wesen der 
franzosischen Freimaurerei. 

So sorach Br ■. Desmo ns auf dem Pariser international en l 7 ^^ 3 ^^^ 

W ans: ,Die Erklarung der Menschen- und Burgerrechte ™™*% t A ^"l?£ 

ka^i als die Magna Cbarta (d. i. die Grundlage der Verfajsung) mcht nur Frank 

reichs 5 ondem aller VM* [^^^^^\^i otl der die ^ 

D ^:^^J£^^^ ist es, die ,n ihren Versa^hmgen deren 

Formen mid Tendenzen bewahrf sie 1st es, von der d« s o- ^| in^e^ wir "J- 

gehen mussen, die der Republik folgen wird, wenn die alte Welt, m der wir 

sticken, endlich vcrschwunden sein wird. (Ohr, 5. ,JS ^ . VerfaSsunK v0n 

Tir ■ Bftna'rdiii sast- „I>ie Freimaurerei gab Frankreicn die v enassujiis vuii 

" I79 ^ (Ohr , S. 34 zitiert nach H. Gruber aus der Geschichte der Fre.maurerei 

DeTfranzbslsche Ordensrat selbst bckennt: Die Freimaurerei war ts, die unaere 
Revolution vorbereitet hat... der Freimaurerei kommt die «ha en Ehre zj, 
di^em unvergefllichen Ereignis die Formel gel.efert zu haben, in der .hre Grund- 

A^t^^wtd^r^^^^ 

sprach der Rcdner des Grofioncnts von Frankreich Br .. ^ n J ^c t or 
Meunier.von der una ^brlkhen ^«*"J^ e ^£Sgi ^^1 ^ 
S^l^VcSaSn ^™ 3Et ^Revolutiorgerulcht haben. Wir werden 
rwcrk^o^ 

Vortrag iibcr den „Kampf fur die Republik . c ^,^ a * P t a n r o 1 e s 

Z* Freimaurerei ist „das Werk der Revolution zu retten". (Ohr, S. 12^) 

w!< Ndtc PflicM irfuilt h.1, wenn man rich zufrieden V bt, e.nen Abg,ord- 
neten Oder Jlinister zu sturzen." (Ohr. S. 141 J . .,. 

Block der republikanlschen Streitkrafte crnchten . (Ohr b. H9J 
)t lilock / p e f „ r l P " ,A, te fais Vertreter des Ordensrates) das Sonnenwendfest der 

frohen St. Martin. - tber St. M "'»' 6 = hr i e „ b , 1 ,° lr g t b t e r r ,ui natiirliche Vcrhaltnis 



■ M 



1, 



— 216 — 

und die Religionen zu&ammenstiirzen . . . Das, ist der Tag, den wir erwarten . . ." 
(Ohr, S. 1S0.) 
Endlich sagt die Logenverfassung des franzosischcn „Grand Orient": ,, Dieses 
Gesetz . . . vcrwirklicht den Typus, den unsere Vatcr (die Revolutionare) von 
1789 in ihrcr Frklarung der Rcchtc aufgestellt haben." (Ohr, S. 68,) 
Und bei der Einweihung der Grabessaule fur den Br.-. B&ioit Malon zu 
Paris — einer rein maurerischen Feier, an der auch der Bi", *. Jaures und der 
belgischc Minister-Sozialist P>r.-. Van der Veldc teilnahmen — fcierte der GroJJ- 
redner Hr.-. Lebey namens des GroUorients den Verstorbencu als echten 
Sozialisten und Maurer: „Die Freimaurerci", so sagte Lebey, „verfolgt mit 
Leidenschaft und bereitet fiir die Kampfe . .. feurige ... Charaktere vor." 
(Ohr, S. 119.) 
Der Deutsche Br.-. Albin Freiherr van R c i t 2 e n s t e i n (Groflarchivar der 
Mutterloge zu den drei Weltkugeln) aber fugt all dem hinzu: „Die Geschichtc 
der Freimaurerci in Frankreich ist . . . eine krasse MiBregierung der . . . Grofl- 
meister, die der WMlkiir den groflten Spielraum gewahrte; alsdann Revo- 
lution und An archie, zuletzt Diktatur." (Vgl. S. 71 seiner Shrift 
.jDie Freimaurerci in Frankreich".) 
Es durfte hier der Ort sein, das politische Wirken der franzosischen 
Maurerei mit ein paar Natnen zu belegen von Masonnisten, die in neuerer 
und neuester Zeit hohe politische Fiihrerstellen beklei- 
deten. Sagte doch Br.- . von Reitzenstein lange vor dem Kriege; „Fast 
samtliche Manner -.des offentlichen Lebens in Frankreich waren und sind 
Mitglieder des Freimaurerbundes. Aber die meisten von ibnen haben sich 
mehf aus politischen Grunden als aus Herzensdrang zum Eintritt 
in denselben bewegen lassen." Es sind dies: der jetzige Prasident 
der Republik Br. * . Poincare, dann seine Vorganger 3r. * . S a d i 
Carnot (dieser stattete am 30. Oktober 1904 einer Logendeputation 
unter Fuhrung des Vizeprasidenten des Vollzugsausschusses der radikal- 
sozialistischen Partei und Mitgliedes des Groflrats des Grand Orients von 
Frankreich Br. ■ . D e b i e r r e seinen Dank ab fiir die Dienste, die die 
Freimaurerei der Republik erwiesen habe. Vgl. Ohr, S. 69), — Pra- 
s i d e n t Br. ■ . Francois Felix Faure (in Havre 1867 zum Mei- 
ster geweiht; dieser grofie Freund Englands erklarte als Mitglied der 
Loge .jAmenite", dafl er die Gesinnungen der Maurer [politisch] zu 
schatzen wisse), *) — Prasident Br. ■ . Jules Grevy (1885 zuletzt 
wieder gewahlt), — Prasident Br,-. Loubet (ihm zu Ehren land 
1904 gelcgentlich seines politischen Besuches in Rom im GroBorient- 
Palais Giustiniani daselbst grower Empfang mit Damen statt). Des wei- 
teren konnen einige von den GroBpolitikern Frankreichs hier genannt wer- 
den, die mehr oder weniger hervortraten, oder im Schofle des GroB- 
orients Ordensrates einfluflreiche Stellen einnahmen bezw. noch inne- 
haben : Zunachst Kriegsminister Br. ■ . Andre (dieser setzte ein 
grandioses Spitzelsystem innerhalb des franzosischen Heeres durch; ein 
gauzes Netz von Verrat uber Heeresangehorige und Beamte wurde vom 
„Grand Orient de France" gesponnen und nicht weniger als 18818 An 
gebezettel 2 ) iiber die politischen und ktrchlichen Gesinnungen der 

*) Vgl. „K61nischc Zeitung", 1897, Nr. 870, zitiert von Brauweiler: „.-.-Brudcr If , 
S. 17. 

2 ) Sclion unterm 5- Februar igos sagte der Schriftfuhrer der GroBloge von 
Frankreich, Br.'. Oswald Wirth: „Hier On Frankreich) geht es gut und 
•=clilecht. Schlecht wegen des Skandals von der Angeberei und dem Trick- 
trarkspiel des Grand Orient!' 1 



— 217 — 
Ofti/.iere warden dem Kriegantaitterium ^/V^^^.P^l'L^LtS! 

Pseudo-Sueskanalgesellschaft A y n a r d , enter um u g ^ ih ^ na . er 

i„« Mitglied des Ordensrats Felicien Court Darboux , GroB 
orden S rUprfsidcnt Debierre, Professor an der ^orbonne E . ,t 
Denis'); Prasident des GroBorieut-Ordensrates De sm o .is Marine 
Sinister D o u m c r , Seuatspriisid. Ant. D „ bos Ordensr t D u p r e 
Ministerprasident D»p«y Dut.lloy EMn n e , J* »^ 

r » m be tt a C dem Stnrz Napoleons III. judischer Diktator und - 
^ebe„ den; a Ss de erwahnten ^Souveranen «otn- > n deur de 

feille ",ium Licht" der Loge gefuhrt, in dem er b,s zum 33 . Grade st.eg), 

" ^gT. d,e Angabcn Dr. n»a«ll«T. in ,,-Bruder". S 19I20. und Br.-. WUh. 

Ohr. ,, Der Fran.osiwhc Gei ? t und d,e hrc.manr.rc. , S ^ d=nz vo , n 10 . Uai 

') Maurice Bsrre- ^ erst.es sic h <i,ac h e nr , 1 nt. ^? h J, j,,^^ all „ gro . 

- l 9l8) Z udcrBcmcrk U ,. g ,daB dicGemc.nhe.tdasCnaa f ^ ^ ^^ 

E Ha ™"T"™Sli-"* Eintre.cn. iur n die Sach= der 
kratie und zum boziansmus wn beschleunigen" . . ■ „ . 

t^,^'^)g£!hEk^^^ " te d ™ 

,09) war cs der Khrcndoktor der twheehachen Unners ■'*' £ £ c £ m Natio i e „.', 
Mitbegrdndcr der 1,08 m Frag «eb,ldeten j-J-'Ba f r "^ 1 i e f e r t e n „G ol d - 
^.l^'ata ^d^h^ln-^Ma^r^abneferte. zur Auhvie^nn, der 

slawiscUcn Nationalitatcti in Osterrcich. 



— 218 — 

Senator Gomont, Groflredner der Loge G o n n a r d , l ) Unterstaats- 
sekretar Abrami, Fo r«d y c e (eigentlich Aaronssohn, Mitarbeiter am 
„Oeuvre"), Louis Forest (richtiger Guggenheim, Mitarbeiter des 
..Matin"), Louis Harnet, Rene Henry (propagierte schon 1902 das 
franzosisch-italienische Biindnis, intimer Freund des tschechischen Poli- 
tikers Br. - . Karl Abramowitsch Kramarsch), der Deputierte fur 
Pontoise Hubbard, Prof. Hutecour (der franzosiche Propagandist, 
der im Schofie der schweizerischen „Vereinigung der Freunde Frank- 
reichs" — die weit iiber 500 Mitglieder zahlt — am 25. November 1917 
zu CMasso iiber „Frankreich und das National! tatenprinzip" sprach), 
Marcel H u t i n (eigentlich Moritz Hirsch, Redaktor am ( ,Echo de 
Paris"), Urtterstaatssekretar I g n a c e , SchirTsbau-Ingenieur Janet (ein 
besonderer Freund Englands), de Saint-Jean (President des Ordens- 
rates votn „Grand Orient" von Frankreich, beteiligte sich an der Juli- 
Revolution 1830), Minister jeannere y (Freund Br. ■ . George Cle- 
menceaus), Ernest la Jeunesse (eigentlich Colin), der Deputierte 
Jonnart,*) der Deputierte L a b r o u e (der jegliches Inbeziehung- 
tretcn zum Papst wahrend der Kriegszeit unter' Strafgesetz stellen 
wollte !), Senator Lafontaine, Unterrichtsminister L a f f e r e (Br. ■ . 
Briands Freund), Lebey (der Schriftfiihrer des Grofiorients-Ordens- 
rates), s ) Emile Lemaire, Jules L e r m i n a , Emile L i 1 1 r e (mit 
Jules Ferry gemeinsam, unter Leon Gambetta, im Jahre 1875 in Paris 
eingeweiht), Paul Louib Levy (vom „Petit Parisien"), Finanzagent 
Einst Mallet (der 191 5 nach Amerika ging, urn Frankreichs Kriegs- 
Finanzpolitik dem englisch-amerikamschen Trust Morgan, Grenfell & Co. 
in London und Neuyork zu uberantworten), M a n d e 1 (nach der 
„Zuricher Post" beruchtigter Kabinettschef Clemcnceaus), Julien M a u - 
veaux, Minister M e 1 i n e (Loge Travail), der sozialdemokratische 
Kriegsminister M il 1 e r a n d (jetzige Generalkommissar der franzo- 
sischen Regierung fur Elsafi-Lothringen, und vordem Aufsichtsrat von 



') Br.-. Groflredner Goiiuard, der laut Linzer „GuartalsschrifE lf , 1916, III, 
die Einheit (die „Eine Partei") der internationalen Maurerei betonte! 

8 ) Jonnart wurde laut „N. Zurch. Nachr." vom 14. Mai 1918 durch den 
ehemaligen rassischen Revolutionsminister Kerensky der Falschung geziehen. 
Dieser selbe Br.' Jonnart (verwickelt auch in den Sueskanalbetrug [vgl. S. 97]) 
erzwang im Junt 1917 In Athen in seiner Eigenschaft als Ober-Kommissar von 
Frankreich und England, unterstiitzt von Armee und Flotte, den RUcktritt des 
rechtmafligen Souverans von Griechenland, des ESnigs Konstantin, und setzte 
drei Tage spater unter der Gewalt der gleichen maritimen und militarjschen 
Streitkraftc (welche Athen und Piraus besetzten) den Landesverrater Br.*-. Veni- 
zelos Uber das entrechtete Volk der Hellenen, ohne „Plebiszit", d. h. ohne Ke~ 
fragen an die griechische Bevollcentng, ob diese auch die neue Regierungs- 
form billigt oder nicht! (Vgl. den Presse-Protest der „Union der Hellenen in der 
Schweiz" gegen die venizelistische Gesandtscliaft in Bern vOrn 17. April 1918, 
gezeichnet A, Cartali und P. Papadopoulos.) Heute ist Jonnart franzosischer 
Gouverneur fur Elsafl-Lothringen, wo er die deutsche Sprache abschafft. 

3 ) Der bedeutendc franzdsische Masonnist Andreas Lebey (Mitglied der 
„Friedenskommission" von Versailles) wies im Jahre 1913 — das war allerdings 
noch vor dem Kriege — in einer seiner Logenreden zu Vernon darauf hin, „daB 
der franzosische Geist nicht genugend bemuh.t ist, die Ge- 
danken der Zeit mit selbstandigem Urteil zu ergriinden". 
(Vgl. Ohr r „Der franzosische Geist und die Freimaurerei", S. 92.) 



— 219 — 

vielen Aktiengesellschaftenl), Moynier, "Noziere- Weill (vom 
Temps"), Ministerprasident Painleve, Camille Pelletan (etwa 
40 Jahre lang Freimaurer), Ordensrat Perrin, Minister des Auflern 
und Publizist Stephen Pichon, Sozialdemokrat Quesde, SoziaF 
demokrat und Hetzredner gegen Deutschland R e n a u d e t , Volker- 
rechtblehrcr Prof. Louis Renault (Trager des Nobe prejses von 
1007, bis zu seinem am 8. Februar 1918 eingetretenen Tode Rechtsbeirat 
des Ministeriums des Auflern, Lehrer des gegenwartigen deutschfeindhch- 
venizeloistischen Auflenminfeters Prof. Br.-. Politis von Gnechen- 
land) der President der Armeekommission in der Kammer und Grob- 
orient&rediier Rene Renoult, Ministerprasident Prof. Th. Ribot 
(s ZL in Gemeinschaft mit dem Spiritualisten Ch, R 1 c h e t President 
des vierten Kongresses fur Psychologie zu Paris), Freiherr v. Roth- 
schild 1 ), Gabriel S e a i 1 1 e s , Sozialdemokrat Minister Marcel S e m - 
bat Si bard, der Sozialist Munitions-Minister Albert Thomas 
Ministerprasident W a 1 d e ck - Ro u s s e a u a ), Adrien Vely (Levy) 
vom ..Gaulois". ... . 

Prof Dr Schiemann (^Deutsche Politik", 2. Jahrg, S. 594) f ugt den von 
uns hier genannten politischen Logenbrudem nbch hinzu den sozialdemokrati- 
schen fruheren Ministerprasidenten Br. ■ . V i v i a n i 3 ), dann den derzej- 
tfgen nun achtzigj ah ri gen Ministerprasidenten Br.-. Clemenceau 
(den die *ussischen Bolschewisten den „franz6sischen Kornilow nennenj ) 

Welcher der vielen Pariser Rothschilds in Betra.ht kommt oder ob 
mehrere, HeB sich nicht feststellen. Nach dem deutschen Br/. Prof. Di ■ D'rektor 
W. Begemann spiclen aber die judischen Brr.-. m allgemeinen em groBe Rolle 
in den Entente-Hocbgraden - und diese Brr.-. der hohen 33.-. haben ausnahms- 
los die politische Macht im Auge. ,. . 

•) Das Ministerium Waldeck-Roussean war das auBere Zeichen de -mi -dem 
Freimaurertum arbeitenden finaiuiellen Oligarch 1 e brankreichs, Khrtibt 
Dr M Sbelhor in seiner Broschure .Frankreichs finan.ielle Ol.gardue Doch 
■ ?chi,n nntcr Walaeck-RouBseau nnd Jules Ferry fast eine politische Annaherung 
an Deutschland moglich (WechBler, „Die Fran^osen und Wir >h i»;. 
an *) B r . viviani HcB in seiner Eigenschaft als Justizmmistcr em Knegs- 
hilhlazarett schlieflcn, in welchem siebzig Kriegsverwundete kostenlos verpHegt 
worden wVren Ein Freimaurer hatte namlich dagegen Protest erhoben 
Sk thoiscl Schwestcrn und ein (kath.) Arzt dieses Asyl le.teten! Jjach 
der Information-' vom fci. Februar 1917 erhob ein Mr A. Moiuot in dei -Libre 
Paro e^ E nspruch gegen diesen freimaurerischen Anschlag gegen vr 1 r k 1 1 c h c - 
Humanit&t tm 1 Chriftenliebe. (B.kanntlich triefen die Entcntemaurer von 
Human tftsphrasenDabei haben sic aber ein steinem He«. w.e der gaii« 
K r cfis«S Nacli dor Schweiz. Lchrerzeitung [1919I besolden die 

p A3, ihre Volksschullehrer immer noch mit H .1 ng e r 1 o h n e n J e t z 
vohen s.> laut Kamvnervorlagen die Schulmeister ..aufbessem": untere Lehrer ao£ 
3000 FrVPrimar- und Fortbildungsbhr^r von 3 5oolr. an, V.kar « 40 F r. 
Im Jahre W4 HeB der Pariser GroBori.nt seine el gen en Handclshochschu - 
I ,?«r oekuniar "rkumniern..-, so ist das gaiize Logenpathos ohne Liebcl) 

% In Sr Rede Tm Tag der Roteu Garde" (1. Juli 1918 im. Volkshaus zu 
Petersburg) Ste der "volksb^auf tragte . russische Sovietgardist Smowjew: „A» 
Ruder in Frankreich steht der franzosische Kornilow - C I e m en cea u 
Ai-mn dem der Wille der Eankiers G e & e t z 1 a t . .., er 1st in aer 



ferner den Politiker Br. - . Hanotaux 1 ), „aus deren Chor man 
deutlich die Stimme des , Grand Orient de France' hort, dessen Mit- 
glieder in hoheren oder niederen Wiirden sie sind". Dann sind (nach 
Schiemann) noch weiter folgende politische Brr.-. aufzufiihren; von der 
s> alten Garde der groflen journalisten" 4 ) d e Mun, Henry B e r e n g e r 
(sie sind Leitartikler der Logenblatter „Matin", „Petit Parisien", .Jour- 
nal", „Temps" usw.), wie der an anderer Stelle noch genannte Botschaf- 
ter in Rom Br. ■ , Barr^ere, dann Minister Br. • . Sarraut (der In- 
spirator der „Depeche de Toulouse") 3 ) und der fruhcre beriiclitigte 
Anarchist und jetzige Cberpatriot" Br, - . Gustave Herve (der den Papst 
Benedikt absetzen will und den belgischen Kardmal Mercier zum Gegen- 
papst aiisruft). 

Von der ententistischen Weltfreimaurerei rnit dem ^Kainsmal" ge- 



und ainer Horde englischer, franzosischer und russischer Kapitalisten befinden . . . 
Sagte doch Balfour: Das russische Volk muB begreifen, d a fi 
e s i n„s e i n e m eigencn Intercssc sei, ihm das Land bis Irkutsk 
abzunchmcn," (Vgh G. Sinowjew, „Die Rote Garde", S. 46, 47, *so.) 

J ) 1888 wurden die ers>ten rnssiscben Gelder in Frank re ich aufgenommen; am 
27. August 1891 snrach der franzbsische Ministerprasident Br.-, de Freycinet 
von dem definitrvcn „Entente-Abkommen" Frankreichs mit RuBland; am 10. Juni 
1895 pragte Br.-. Hanotaux in der franzosischen Kammer das Wort von der 
h&ligcn „ Alliance" mit Ruflland, die (nach Br.-. Ministerprasident Ribot) 1891 
und 1892 „untcrzeichntt" wurde. Xachher fiihrte Ministerprasident Br,'. Delcasse 
die russisch-cnglische Poiitik von Br.-. II a 11 o t a u x weiter. 1902 folgte das 
englisch-japanische Biindnis, 1903 schjossen sicli die Gescnseitigkeitsbesuche 
zwisehen den Bn*.\ Konig Eduard VII. und President Loubet an, worauf unter 
Mithilfe von Minister Br.-, Chamberlain die ^Entente cordials" (das „herzliche 
Einvernehnicn") und dieser folgend der Schiedsgcrichtsvertrag zwischen England 
und Frank re ich zustande kamen. Der 4. April 1904 brachte die Unterfertigtmg des 
englisch-franzosischen Kiindnisses. (Vgl. Zurlindcn, .AVtdtkrieg" II, S. 259 272 
279—281, 288.) 

s ) In der ersten AtiOage unsercs Buehcs hattcn wir an dieser Stelle unter 
Bezugnahme auf Professor Dr. Schiemann audi Herrn Alt-Chefredakteur Ernest 
Judet (vom „Pctit Journal" und ^Fclair'O in irrtiimlicher Weise als Freimaurer 
und Altgardisten genannt. Unter m 4. April 1919 — datiert von Gimten in der 
Schweiz — ■ teilte uns nun Herr Judet mit, dafl seine gauze PubHzistcnlaufbalm, 
wie alle seine Ge dank en und Oberzeugungen unserer fruh^ren Mitteilung zuwidcr- 
Iaufen, Wir nehmen sclbb t vers t and] ich gem von dieser seiner Berichtigung 
Notiz ,und habeu Hcrrn Judet nicht wieder in die Aufzahlung der Br.-. Maurer 
aufgeiaommen. 

Heute wird Ernst Judet von de r franzosischen Regierung des „Kinverstand- 
msses mit dem Feinde" (Deutschiand) beschuldigt, weil er (als Journalist) wahrend 
der Kricgskatastrophe die Schweiz gegen die rohen Verdachtigungen der Ieitenden 
franzosischen (Maurer-)Politiker mit seltener Gerechtigkeitsliebc verteidigtc. Auch 
zweifclte Judet die „Neutralitat Belgiens" im ,,Eclair" an, was zitr Folge hatte, da6 
das Weitererscheinen dieses Blattes amtlich verboten wurde. Heute tritt 
Judet gegen die Teilnahme der Schweiz am „V61kcrbund" tiin, — er hat dafiir 
seine Grunde, eine in Paris gewonneue reichc joumalistische Er fanning trenut 
inn schon viele Jahre tang von der Poiitik Br,-. Clemenceaiis. 

. . 3 ) Die „Depeehc de Toulouse" schlug im Februar Marz 1916 vor, die fran- 
zosischen KrregPwaisenkinder unter den EinfluA der Loge zu bringen, urn sie 

tr\ • * h ° lizismns zu entziehe »- — Gegen die Religion schreiben noch 
.,Victoire und ^Humanite'' de? Gustave Herve nnd die ..Lantenie", drei Blatter 
der frnnzosischen Loge. 



zeichncl wurden die franzosischen Brr. ■ . B o I o P a s c h a ») (der untei 
der Kriegsdespotie Clemenceaus zum Tode verurteilt und liingenchtet 
ward), d!r Mthere MimsterprasMent Br.-. Caillaux, der Journahst . 
Br ■ Almercyda, ivie die italienischen Brr.-. C a v a 1 1 1 n 1 f Kic- 
ciitrdi Paler mi und Dini (welch letzterc vier, obwohl gern^rn- 
safrfhochste Beamte des Obersten Rates der 33.- — nach der .Jnf./Kor- 
«lpondenz vom 21. Januar 1918 - mit dem fl hochverratcnschen Cail- 
laux n Verbindung staiiden). Caillaux selbst gehorte dem .Corr.ere 
d^talia" Z ufolge, entweder dem Symbolischen Ritus odcr dem Schot t- 
schen Svsteman; wie das „Inf. "-Bureau unterm 6. Februar 1918 mil- 
teilt mochte der Symbolische Ritus den ..Geachteten" dem Scho ten- 
ritus uberweisen, die „scliottischen Brudcr (33- •) ^ T t ^ n ' ^l!^ 
zahlte zu den f ,Symbolikern". Unterm 21. Januar 1918 fuhrtc £**-*?> 
Caillaux habe zum Schottischen GroB-Orient Beztehungen gehabt. Cai 1- 
faux (f ruber «n Intimus Clemenceaus, Jetrt heftigcr Gegner Clemenceaus 
und Poincares), wird beschuldigt, ein Pro ckt zur Los trennung , Frank - 
reichs und Italicns von England ausgearbdtet eine Verstandigung zwt- 
schen Frankrcich und Deutschiand angestrebt 2 ) und in Verbmdung da- 
,, rnit einen Sonderfrieden auf Hasten Englands in die Wege zu leiten ver- 
^ V ™cht zu haben; auch babe er - was fur politische Logenbruder e 
Hauptverbrechen ist - gute Bexiehungcn zwischen den ^-rungeu 
von Frankreich und italicn einerseits und dem Heiligen Stuhle ander- 
seits wiedet anbahnen und endlich bewerkstelhgen wollen, daR die heute 
noch auBerhalb der Grenzen Frankrcichs ^ enden . Pr %«"^ f ™^ r 
in Frankreich regierenden Dynastien nach der „groBen Repuh lik he im- 
kehren durfen. Was aber wohl das Allerschlimmste 1st, Caillaux habe 111 

n Bolo Pascha der seinen Titel vom Khediven Abbas Hilmi von Agypten 
emofingen hat war - dem ..Avanti" wifolge - im Jahre 1913 m der Lose zu 

L^on ifden Freimaurerbund'der GroBen Republik aufgenommen worden („Inf. - 

KOr ^sTho R nTm V sTreifuTMaroL IW /n - in dem ^ der ehemalige Hazard- 
S'T WS ^o!^' V^teV^^ 

Wir" S 7.) D^ Kabinett Caillaux wurde jedoch am 10, Januar 191a S« jtu«t. 
Am [2 Januar darauf wurde Poincare an Stelle von Caillaux zum Minis er- 

Irft dem franzosisch-cnglUchen Abkommen vom 8 April I9 04 a „ n E"/ 1 ^* 

feVoV^' ,s ( cha 1Z U T .er ,„d Si, ^^^ * ^^g^ 
^ te dc" n G^m^ S teri^ 1 'B?iVan , rs e ^° lol^r \t M ™„ho-.c sabel- 

Siel^.ui.n,.™: „Die national, Kh™ ^^J^'^^J^^, 

„„(„», fbritischen) nternationalen H a n d e 1 s ist Keme i arrenrasc s 
^und er trat tchon damals fur den engli.ch-franzosischen Krieg gegen Deutsch- 
land ein. 



w 



den Vereinigten Staatcn Fricdensstimmung erzeugt und mit dem nicht 
ententefreundhcheu Herausgeber des ,,Mattino" in Neapel , s defaitistischc 
Umtriebe" gepfiogen. Bei all diesen „staatsverbrecherischen" Handlun- 
gen Caillaux' hatten sich die Brr. ■ . Bolo Pascha, Almereyda und Caval- 
lini als Helfershelfer schuldig gemacht. — Almereyda starb att(,._un- 
aufgeklarte Weise, Cavallini wurde vom franzosischen Gerichte in con- 
-tumatiam zum Tode verurteilt. — Ein weiterer Kampfer fur die Wahrheit, 
der Journalist Lenoir, wurde Anfang November 1919 auf das Drangen 
des Br.-. Clemenceau ; ,ohne Aufschub" hingerichtet, obschon sein ,,Fall" 
nicht aufgeklart, und „der Tater" infolge schwerer Krankheit kaum trans- 
portfahig war . . . 

Als a u B e r ententistischc Maurer verdienten im besonderen naturlich 
die deutschen Maurer das Kainsraal. Unterm 13. Dezember 1914 
erklarte der Rat des franzosischen GroBorients durch „Kundgebung" (un- 
terfertigt vom Ordensprasidenten Br. ■ , C, Carneau) an die GroBlogen 
und GroBoriente der Alliierten, 

„dafl die deutschen Frei maurer (durch ihre Sinnesart) die schdiie 
Einrichtung der Kreimaurer entehren, und dafl ihre (die 
deutschc) Kultur sic als M c i n c i d i g e an den heiligen Prinzlpien der Frei- 
maurerei erscbeincn laBt". l ) 

Damit wurde endlich den deutschen Briidern 2 ), deren Idealis- 
mus den Trug der Ententebriider nie vorher zu begreifen vermochte; die 



') Vgl. die romische Logenzeitschrift „Acacia" vom Oktober 1914 und dert 
„Lyon Republicain" vom n. Januar 1915, nach denen H. Grubcr zitiert, und 
Dr. Ludwig Miifielmaiins ^Handschrift fur Freimaurcr" (Berlin 1915) iiber Ita- 
liens Teilnahme am Kriege. 

s ) Wir miisscn doch einmal Gelegenheit nehmen, die Bezeichnung „drei 
Punkte-Briider" (.-.-Brr.) zu erklaren, damit nicht angenommen wird, wir gingen 
mit jenen Logengegnerti einig, die diesen Ausdruck stcts in urrfreund- 
lichem oder sogar spottischem Shine anwenden. Wir beniitzen diese Be- 
zeichnung nur, weil sie ursprunglich durch den am 3, Marz 1907 verstorbenen 
bertihmt-beHJchtigten Leo Taxil (Gabriel Jogand-Pages von Sceaux bei Paris) 
als Buchtite] in die Literatur eingefuhrt worden war und durch Dr. Brauweilcr 
erneut als Buchaufschrift benutzt worden ist. In Wirklichkeit wollen in den 
drei Punkten „die hochsten Gelieimnisse inneren Erlebens" aus- 
gesprochen werden. Die wirkliche Freimaurerei baut deshalb ihr System 
und ihre Symbolik auf der drei fachen Offenbarung des Logos (Christus) auf, 
welche „drei Saulen" als Welsh eit ((£ Chthon), Schonheit (0 Zeus) und 
Starke (Will, ft Kronos) die Vorbcdingung alien Erdenwerdens (Gaa, Geo- 
metrie) sind. Schon Pherekydes von Syros (6. Jahrh. vor Chr.) lehrte; Es liegt 
dem, was man in der Welt sieht, ein Dreifaches zugrunde: Kronos, Zeus,. 
Chthon..., mit dem, was aus diesen drei Elementen hervorgeht, kommt eine 
Art: „Sch]angenwesenheit" in Streit: Ophioneus. (Ophioneus ist in anderer Aus- 
drucksart Luzifer.) (Vgl. Dr. Rud, Steiner, Vortrage uber das Markus-Evangelium 
in Basel, 7- Vortrag, 21. September 1912, S. 13.) — In linealcr Verbindung zueinan- 
der ergeben die drei Punkte (.-.) das Winkelmafi oder den Zirkel, die wichtigsten 
(a\ Werkzeuge des Baumeisters (Meisters vom Stuhl) und der Werkleute (Stein- 
\/V metzen, Fossoren) (der Stetlvertreter des Weltenbaumeisters), die den Jem- 
pel" (die Loge [Latomia], das s i c h t b a r e Zeichen des geistigen Lebens und 
Erlebens) bauen. Nach Archivrat Br.-. Dr. Ludwig Keller (Charlottenburg) 
war das Dreieck (die drei .-.) ein Lebrzeichen der friiheren christlichen Symbolik 
und erst Augustinus polemislerte im vierten Jahrhundert gcgen dieses „gnostisclie' f 
Symbol, das sich nach Br,*. F. X. Kraus in vielen christlichen Altertumem vor- 
fand. In der Ilcraldik zeigt sich selir oft die Dreizahl (Dreifaltigkeit) (drei Lilien, 



— 22 3 — 

Binde von den Augen genommen, die sie jahrelang getragen hatten. 
Hochstseltsamerweise hatten die deutschen Brr, * . Maurer nie ernst ge- 
nommen oder in Verblendung absichtlich vergessen wollen, was den 
Deutschen der franzosische Br. ■ . Maurer Ernest R e n a n schon 1870 in 
1 seinem „Offenen Brief e an David Friedrich Strau6' f aus seiner wirk- 
lichen Kenntnis der Sachlage heraus zugerufen hatte : 

Es gibt in Frankreich zwei Stromungen der Mcinung Die eineu urteilen (gegen- 
"uber Deutschland) so: ... HaB auf den Tod, Vorbereitungen ohne Raat, 
Allianz mit wem es sich trifft, unb e gr e n z t e Nac | big- 
keit gegen a lie russischen Anmaflungen: ein emzigea Zieh eine 
einzige Triebfeder fttr das Leben: Vectilgungskampf gegen die germamsche 
R aB8 e. Andere sagen: Entwickeln wir die konsUtutionellen Emnchtungen, 
machen wir unsere Fehlcr gut, nicht indem wir . R / ch % t ^" men !]r f p u n r 
einen Krieg, indem wir die ungerechte,, A n g r e 1 f e r (1870) war en, 
soudern indem wir mit Deutschland und England em Bundms 
schliefien . . ." l ) 
Seltsamcrweise verklangen diese Worte des franzosischen Bruders bei 
den deutschen Brr.'. Maurern ganz, — obschon Frankreich nicht mit 
Deutschland, sondern mit R u B 1 a n d das Biindnis schloB und da- 
mit nicht die Friedens-, sondern die HaB- und fr Re v a n c h e' -A 1 - 
1 i a n c e zustande kam. 

Im Jahre 1915 wares die franzosische GroBloge die in Ver- 
bindung mit dembelgischen GroBorient (!) (siehe S. 54^) ein 
Rundschreiben an die a m e r i k a n i s c h e n Logen erhetf, worm die Brr.- . 
Maurer jenseits des Ozeans aufgefordert wurden, den Fnedcnsbcstrebungen 
der amerikanischen Pazifisten entgegenzuarbeiten (vgl. ..Badischen Beobach- 
ter" 1Q17 Nr. 249). Und im Sommer 1918 forderten die i ranzosi- 
s c h e n und b r 1 1 i s c h e n Chauvinisten, daB die Deutschen als kriegs- 
gefangene Sklaven (!) wie einst im alten Griechcnland (nach dortigen 
Wen) im Lande der Sieger in Knechtschaft dienen sollen (vgl- das 
Kapitel „Staatslehre, Philosophic und Padagogik in der alten^Zeit m 
Privatdozent Robert Seidels ..Staatsbiirgerliche Erziehung [Zurich]). 

Eine letzte grofie K r i e g s t a g u n g der Entente-Freimaurerei, an 
'der besonders die sozialistischen und radikalsozialistischen Abgeordneten 
teilnahmen s fand in der dritten Septemberwochc : 1918 i n P a r 1 s statt. Es 
fanden sich der Konvent des franzosischen GroBorients wie die 
Grofiioge von Frankreich zusammen. Vom Groflonent waren 300 
Logen vertreten. Nach dem .Badischen Beobachter" vorn 26 September 
fanden sich zum Kongrefi zusammen auch der bekannte GroBmeister der 
Vereinigten britischen GroBloge und der RoyaL Arch-Maum von England 
Br • Herzog C o n n a u g h t , der franzosische Br. • . General GroBmeister 
Perin wie auch der portugiesische Minister GroBmeister Br. ■ . M a g a 1 - 
h ac s' L i m a. Zur selben Stundc fand i n R o m im Palast Giustiniam 

H „i c tPrn I r i re i ctilisiei te rote Rosen [vom Rosenkreuz] wie auch in der Anord- 
nung der^Vappe eldTr . Vgl. hiezu Ludw. Keller, ,,Die heiligen Zah en und d,e 
Symbolik der P Kat a komben" (1906), und Guide v. List, j. A fXhSSu e B rhn" 
glyphik" (1910, Listgesellschaft [Frasident: Philipp Staitff, Groflhchterfelde-Jierlin, 

Moltkcstn 46^]).^ st ^ M ^ jpGedanken W ahrend des Krieg^", 191S, S. 27. 



— 224 — 

eine Festsitzung des Groflorients von ltalien statt, an der der franzosische 
sozialdemokratische Dcputierte Br/.Cachin teilnahm und an der aut 
die groflen Hoffnungen der Entente toastiert wurde. In Pans „ward den 
Alliiertcn die tiefe Ehrerbietung, Dankbarkeit und Bewunderung bekun- 
det, dicGewiflheitdes Triumphes zum Ausdruck gebracht und 
der* Wunsch ausgesprochen, daB die alliierten Regierungen unterBr.-. 
Wilsons Agide neben einem Kriegsrat einen dauernden 
Rat schaflfen mogen, der die Einrichtungen einer Gesellschaft der Natio- 
nen ausarbeiten soil." Die Ausarbeittmg der Grundlagcn fur einen Bund 
der Nationen, dem nach dem Programm des angehachsischen Logenzans- 
mus nur von Freimaurern geleitete Staaten heitreten dUrfen, war schon 
vorhcr durch die „Kommission fur das Auswartige" des franzosischen 
Parlaments dem Abgeordneten Br.-. Lcbey (dem Schriftfuhrer des 
GroBoricnts von Krankreich) iibertragen worden, dessen Plan vorlag. 

Die besondere Zusammenkunft der Brr. ■ . Grofimeister Connaught- 
Lima-Perin hatte zum Zweck, „zu vcrhindern, dafi der Papst eine erfolg- 
reiche Frledensvermittlung einleite". Vorbereitet wurde sogleich (nach 
dem , Petit Journal") cin i n P a r i s statt zufindender KongreB der entente- 
freundlichen Nationen Osterreichs nach dem Vorbild des siidslaviscben 
Kongresses in Rom, Alle an dieser Tagung teilnehmenden Nationalitaten 
wurden von den Entente-Logenmachten als „Kriegfuhrende" anerkannt! 

Es kann noch bemcrkt werden, da8 die mit der Ententemaurerei 
liierte „Alliance Israelite Universale" im Jahre 1915 von Paris aus 
verlangte, daB sicli das gesamte Judentum der Welt gegen 
Deutschland erklare: dies sei der einzige Weg zur „Befreiung Israels aus 
seinem Kneehttum". 1 ) + 

Hier nun auch ein paar Worte iiber die „R h c i n i s c h e 
Re^publik". 

Mit franzosischen Bajonetten 1st die ..Rheimsche Repu- 
blik" als AnschluBstaat an Frankrdch zu crrichten versucht worden, — 
um noch mehr, als die anglikanische Geheimkarte vorsieht, zur Wirklich- 
keit werden zu lassen! Mactit Britannia Nordwest-Frankreich bis Paris 2 ) 
zum englischen Bruckenkopf, so mutf anders die „Grofie Republik" in 
ihrem Osten entschadigt werden durch Ausruf der „Rheinischen Republik" 
mit dem Stichwort 5) Los vom Deutschen Reich!" 

Sofort drohte der franzosische Oberst P i n o t den rheinischen Stadten, 
die sich der Grundung der Rheinrepublik zu widcrsetzen wagten, erneut 
die Aushungerung an. Unti "Senegalneger halten die Wacht der Alliierten 
in diesen besetzten Landcn ! Der Gewehrkolben — den man den Deut- 
schen so verargte — bestimmt hier das „Selbstbestimmungsrecht der freien 
Volker". Der deutsche (bayerische) Regierungsprasident — v. Winter- 

*) „Von der Vergiftung des deutschen Votkes". Vier Aufsatze. (Berlin 19 19, 
Dcutscher Proviiiz-Verlag.) 

3 > „Die Sonnenstadt Paris wird cin London auf dem Kontmentl sagen 
die „Neuen Zurchcr Nachrichten" am 12. Juni 1919. „Die Verehrer der altfranzo- 
sischen Kultur klagcn daruber, dafl man in den Pariser Salons mehr E n g - 
lisch hort als Franzosisch. In alien StraBen von Paris wird Englisch ge- 
sprochen und in englischer Sprache Theater gespielt." 



, teill _ wild von den fremden Machthaben. aus d« i Rheinpfalz au S |evvie- 

mit den Worten : \ 

„ Ein auK.hdb drr freshen H^mof ; aj-™.!^ deu^cho^St^t,^ 

m i t F r a u k r c , I c li i n It c z « ll « >> E ' *£ » ^ J e r p o 1 i t i s c h c S i n n 

tf: r : .• i ■. . "'« ^s^tfx™™*}* . E r ..... s . «.« <***■ 

Alliiertengrundutig ein. Km Dr. U o r X t r n wu Instruk- 

^dtsamo. Republik beiufen (am 10. A "S US ' ^'^ ^ , ^elrcren fran- 
tionen in Pari,), und es wurde Am ""Y^Tann erhftht werden sol- 
TOsischen Offizitren und 30 Mann (die auf ™ ™ eI " ersuehte 

Deutsche da Z u .^g^e^den rra -- »™ ^ Rechenschaft ge ,„- 

helfeo, sie wurden von den «es,atzung.u v erkniipft s ch das 

stutaoi die Separationstesttebung en abcr dai ^*=M «_» ' „ , an( i. Amerika 
puis hinuber nach dem Wes en strcbt feen 1 ^™ « zum Grabe 
und hinuber ,.WiHo», der in taw ^^S" ™ to Rom „die Pan- 
Br.' . M a z z i n is pilgerte, Mmdern auch ^.f^^^^u" Qirter- 
toffeln kuflte"!), wird vieUc.bg bezeug t , W -»t. chaf d ch « ^" 8 
joehung und Umnaehtung d e r Geisteskbltur d sn h^a ^.^ 

i) Vgl. die l-'uBnote S. 154- 

Hef^c, Entente- Fr« 1 maurerei". U. 



— 226 — 

eel S em bat (vgk S. 219), der im „Heure" offen ausspricht, dafl es die 
franzosischen und a 1 1 i i e r t e n Besatzungsbehorden waren, die 
die Ausrufung der Rheinrepublik vollzogen haben (vgl. „Zuricher Post" 
vom 5. Juni 1919); er wendet sich zwar gegen d i e s e Art der Schaftung 
einer neuen Republik, wiinscht aber gleichwohl, dafi die samtlichen 
R H e i n 1 a n d e franzosisch und das Konigreich Hannover 
(fur Britannia?, unter Rikkgriff auf Konig Jakob I.?) neu errichtet 
werdc, „um Deutschland ganzlich aufzulosen". Erneute Putschversuche, 
zum Zweckc, die franzosisch-englische Macht im ganzen deutschen We- 
sten endgultig aufzurichten, sind daher nicht selten und immer aufs 
neue zu ciwarten. In Ludwigshafen am Rhein wurde im August 
rgi9 einc erneute Erhebung der Bevolkerung unter Ausrufung der ,,Repu- 
blik Rheir.pfalz" von franzosischen Zivilisten ins Werk 
gesetzt. Bereits auch werden die Ubungen der deutschen Folizeitruppe 

- von D a r m s t a^d t durch die franzosischen Militars kontrolliert, wie 
Reichswehrminister N o s k e („EuropapreB" zufolge) Actang September 
1 91 9 verlauten lieB. Und um die in Paris noch fehlendeu Kohlen aus 
Deutschland herauszupressen, will die Entente auch das deutsche 
Ruhrgebiet beherrschen, „die Plane seien bereits fertig" (vgl. den 
>( Nieuwe Courant", Haag, 11. September 1919). Unter diesen Ausblicken 
auf Gegenwart und Zukunft begreift man freilich, wenn der zum briti- 
schen Feldmarschall ernannte Jesuit F o c h im „Rate der Fiinf" (den 
Brrn. ■ . Clemenceau, Lloyd George usw.) darauf dringt, dafi die B e - 
satzungsarmee in den Rheinlanden 150000 Mann um- 
fassen musse, die in der Hauptsache neben britischen und a m e - 
rikanischen Truppen l ) von F r a n k r e i c h zu stcllen sind („New 
York Herald", zitiert am 28, Juli 1919 von der ag.-Korrespondenz der 

■Schweiz. Depeschenagentur). Und der britische Konig, Br.-. Georg V., 
betonte in seiner Thronrede vom 12. Februar 1919 (laut Rcutcr), „dafl 
England eine , hinreichende Armee' unterhalten werdc, um a 1 1 e 
Friichte des Sieges zu gewinne n". Schon haben die Brr, * , 
Churchill, Asquith und LloydGeorge Koln inspiziert und am 
17. August 1 91 9 groflc britische Truppenparaden abgenornmen, sowie 
durch die Alliiertenkommission die Oberprasidialgebaude in Koblenz be- 
schlagnahmen lassen. Bereits sind auch die Besatzungskommandanturen 
fieiBig an der „Siegesarbeit". Nach den ^Frankfurter Nachrichten" vom 
22. April 1 919 verurteilte das franzosische Obcrgericht in Wies- 
baden einen Buchhandler, der in seinem Erker eine Landkarte (etwa 
die „Geheimkarte" unseres Buches erster Auflage?) mit einem nicht der 
Zensur aufgelegten Aufdr'uck ausgelegt hatte, zu 3000 Fr. Geldstrafe 
oder einem Jahre Gefangnis. Arme deutsche Frauen, die fur die franzo- 
sischen Soldaten Wasche gewaschen und Lebensmittel dafiir entgegen- 
genommen batten, wurden zu schweren Geldbuflen verurteilt. Dreizehn 
junge deutsche Manner aus Mainz und Mombach erhielten v i e 1 j a h - 
rige Gefangnisstrafen durch das Kriegsgcricht des 10. franzo- 
sischen Armeekorps in Mainz zudiktiert, weil sie gegen junge Madchen 

') Auch General Foch kopicrt das Wort: „Dcr Rhein ist die nattirliche Schutz- 
grenze (Barriered der ZiviHsation". Folglich sind und bleiben die Deutschen eine 
Rasse von— Barbaren. 



— 227 — 

tatlich geworden waren, die sich mit franzosischen Soldaten ein- 
gel ass ea hatten (^Frankfurter Ztg." vom n. August 1919) usw. ^ 

Anfane September hat auch Marcellin sich 111 der Panser ..Liberte 
fur eine FfalzischeRepublik,die eine Politik zugunsten Frank- 
reichs zu erfullen habe, ausgesprochen. Und auch sonst marschiert die 
interalliierte Invasion. Ein iranzosisches Konsortium versucht, den gan- 
zen Kurbetrieb von Wiesbaden in seine Hande zu bekommen, und das 
bisher deutsche Mannergesangvereins-Haus „zur Wartburg" in der selben 
Stadt wird nun zu einer franzosischen Operettenbiihne gemacht, „um mit 
den eermanischen Sitten aufzuraumen". Bereits auch sind die Gelsen- 
kirchener Bcrgwerke — auf demlinken Rheinufer in. die Hande eines 
franko-bclgisch-luxemburgischen Konsortiums iibergegangen, das ein 100 
Millionenkapital franzosisch-belgischer Wcrte dortselbst investieren wird. 
Und daneben her weisen der franzosische Generalkomnussar Br.*. Mil- 
ler a n d und seine Freunde Tausende und Tausende volkswirtschafthch 
und alteingescssener Elsasser aus Strafiburg, Metz und K 6 1 n (!) aus well 
diese deutsch denken oder deutsche Frauen haben. Das 1st die eine Seite, 
die den materiellen Zusammenbruch Deutschlands zugunsten der 
westlichen „Demokratien" will. Auf der anderen Seite aber wird scitens 
Frankreichs eine planmaBigc Erdrosselung alien deutschen beistes- 
lebens versucht. Was die leichtfertige franzosische Oper mcht voll- 
brineen mag soil durch die katholische Kurie erreicht werden. Der 
Protestantisms wird „als Religion der Bodies'* im Saargebiet im 
ElsaB und den von der Entente besetzten Rheingebieten bis aufs Messer 
bekampft und alle — gleichviel wie geartete - protestantische Ver- 
einstatigkeit untersagt. Und es ist bezeichnend, daB die Franzosen 
als Besatzungstruppen mehr gefurchtct werden als die — Neger die 
von Logentum und jesuitismus noch nicht die ;J richtige Vorstellung 
zu haben scheinen. Denn den katholischen Priestern wird von den 
Franzosen a 1 1 e s erlaubt, wahrend die evangelischen Gemeinden mit 
alien Mitteln von ihren rechtsrheinischen Kirchen abgetrennt werden. 
Hier reichen sich jesuitische und logenbruderliche Gesinnung die Hand. 
Dabei darf man nicht vergessen, was der „Ziegelbrenner" aus Munchen 
meldete und was uns aus anderen deutschen Gegenden benchtet wor- 
den isf daB im neuen Lande der Frauenrechte (Deutschland) die 
Frauen von den katholischen Priestern zur Wahlurne get neb en 
werden, wo sie ihre Stimmen abgeben, ,ohnc zu wissen, zu weichem 
Zwecke' ". So ctwas erlebt man im Lande Goethes, woselbst der Weg zur 
freien Geistesbildung durch die staatliche Volkserziehung 
seitvierhundert Jahren angebahnt ist (wahrend Frankreich 
- erst seit der dritten Republik die obligatorische Schule hat; in England 
wurde die Volkserziehung im Jahre 1876 in allerbcscheidenstem Umfange 
begonnen; die Schweiz fiihrte 1S32 den allgemeinefl Schulzwang ein) Im 
ElsaJ3 aber ist es, dank der Regentschaft der Logenbriider Miller and und 
Komp., heute so weit, da6 sogar der erbittertste Gegner des fruheren deut- 
schen Systems in den „Reichslanden", der Abbe Wetterle, am 3. Oktober 
lorn in der Zeitung „Le Rhin francais" schrieb: „Man spiomert uns aus, 
' man drangsaliert uns. Unter der deutschen Herrschaft 
waren wir vielgliicklicr^er. Wir haben es jetzt satt . . ." 



— 228 — 

Der Betrag, den Deutschiand zur Deckung der Kosten der Besatzung 
allcin des linker. Rheirmfers bczahlen mufl, soil 24oMillionenGold- 
mark jahrlich betragen ! Angesiclits der ganz unmensch lichen Frie- 
densbedingungen darf abcr Deutschiand „nicht mucksen". Als der Frie- 
densvertrag der dcutschen Nation alversam ml ung zur Ratifizierung vor- 
lag und der ententefreundlichc Abg. S chucking (Dem.) unter dem 
B e i f a 1 I der Versammelten die Unannehmbarkeit der von der Entente 
iiberreichten Bedingungen darlegte, verbot der Prasident Fehrenbach 
jcde Zustimmung mit den Worten : ,,lch mache wie der holt darauf auf- 
merksam, daB auch die Angehorigen des Hauses nicht in die Hande klat- 
schen diirfen!" (,, Wolff' '-Bericht vom 9. Juli 19x9). — Es gab eine Zeit, 
in der die Entente-Logengewaltigen allci Welt — eingeschlossen das 
deutschc Volk! — die F r e i h e i t bringen ,,wollte". So sieht nun 
empfangene deuts.che Freiheit unter der Suprematie der Loge aus! — 

Wie die Brr.-. AUiierten writer gewirtsehaitet haben mochten, wenn 
Deutschiand das grausamc Friedensdiktat am 28. Juni 19 r 9 nicht unter- 
schrieben hatte, erhellt wohl daraus, daB der Entente-Marschall F o c h 
die Zeit nicht abwarten konnte, fur die Brr. - . Weltfreimaurer weiteres 
deutscbes Gebiet zu annektieren. Noch vor Ablauf des gestellten 
Termins marschierten die Franzosen eines Frubmorgens kriegsbereit mit 
Tanks, schwerer Artillerie, Infanterie und Flugzeuggeschwadern gen 
Frankfurt am Main, und sie zogen erst wieder ab, als sie die 
Rodelheimer Weinkeller gepliindert hatten (vgl. den Berliner „Typo- 
graph" Nr. 26 vom 27. Juni 1919)- 

Noch ware es wert, zu wissen, ob der Vorsitzende des Rhcinlandbundes, 
der ehemalige unabhangige Sozialist Mets, der mit Hochdruck die Hin- 
zu-Frankrcich-Bewegung leitet, zur Loge zahlt oder jenen zugehort, deren 
beseligende HofiFnung der dunklen Zaubcrmacht des Krummstabes gilt . . . 



Doch zuriick zu Frankreich selbst. 

Nicht maureriscli offiziell, aber nicht minder maurerisch verlief die 
Feierdes franzosischen Nationalfestes in Paris im Juli 
1 9 17. „Havas" berichtete unterm 14. Juli, daB der maurerische Prasident 
der italienischen Abteilung des interalltierten Parlamentes, Br.-. Luz- 
z a 1 1 i , an den maurerischen Prasideiiten der franzosischen Sektiou 
dieses Parlamentes, Br. ■ . Clemen ceau, eine Depesche sandte, darin 
er Frankreich als „Fuhrer und Hoffnung der freien Volker" feierte und 
daran erinnerte, daB Frankreich der Menschhcit das Licht und die Warme 
der Revolution brachte. — Die inborn am 14. Juli 1918 stattgehabte 
Feier des franzosischen Nationalfestes fiihrte zu einer Kundgebung vor der 
rieuaufgestellten Statue Br. - . Victor Hugos 1 ) in der italienischen 
Hauptstadt. Dabei sprachen die Brr. ■ . Ernea C a v a I i e r i und Abge- 
ordneter Cappa, dann antwortete Br. ■ . Professor Mignon namens 

*) Auch innerlialb des „GroBoricnts von Italicn". in Urbino, gibt es cine 
,, Victor Hugo-Logc". — lir.'. Victor Hugo stand dur 3. Fried enskonferenz 1849 
als Prasident vor. Das hindertc ihti nicht, zcitk-bens in den Reihen der Brr.-. 
Maurer gegen DeuUchland zu intrigicrcn, 



— 229 — 

Frankreichs und namens des franzosischen Botsehaftcrs Br.' Bar- 
■ r e r e Nachher dankte Br. ■ . Barrere selbst noch vom Palazzo Farnese 
ius fur die grandiose Kundgebung und vcrlieh der Oberzeugung Aus- 
druck, daB die AUiierten „dcn gemeinsamen Feind" hesiegen werden 
^lofani-Korr. vom iv Juli 1918). . 

Hicr noch sehr vicl mehr auf die franzosische Logenpolitik einzu- 
gehen erubrigt sicli fast; wir konnten das Wesenthchste schon im Zu- 
. Lmmenhange mil der russisclvenglischen ^zv- belgischen ™£ k «" 
ortern. Die Skrupellosigkeit der franzosischen Maurerci laBt sich aber 
vielleicl.t am bestcn dadurch erklaren, daS der Grofioncnt von Frank- 
reich" dem Atheismus gewissermafieii noch stalker verf alien ™>™ 
anderc ..Oricnlc", entfernte er doch durch Zwe.drittel-Mehrhexts-BeschluB 
vom 10. September 1877 die Bestimmung aus seiner Verfassung ; die den 
Gottesglauben und die Unstcrblichkeit der menschhehen Seele als Grund- 
lage dir Masonnerie erklarte. *) So wurdc der GroBonent von Frank, 
reich ,der Bannertrager des ganzen linken, radikalcren l^lugels der Frei- 
maurerei aller Lander" (was ihn dafur urn so besser zum Werkzcug der 
englischcn GroBwiirdcntrager im Mamertum bestimmtc), und „es wett- 
ciferte mit ihm in ziclbcwufiter revolutionarer Betaiigung bewndcrs der 
Grofioricnt von Italien" (.Stimmen der Zcit", 47. .J* h *JS->. S ; 2 ^°' 27 ^. 
. Und dabei helfen auch die franzosischen F r a it e n eif rig imt, indem sic sich 
unter der Fuhrung des Senators Brs. ■ . Georges Martin unterm 4. April 
i8qt bczw 12 lanuar 1895 zur revolutionary und matcnalistischen i^orm 
der Menschenrechte- bekannten und + Schw. ■ . Maria D e r a 1 s m e s 
und Schw < Marie Martin, letztcre als Prasidentm, an die Spitze ibrer 
Gemischten GroBloge" (Grand Logc Mixte) fiir Frauen und 
Manner bcricfen B ). - Dr. iur. Heinz Bmuweiler sagt in seiner tsclintt 
Dei"tsche and romanische Freimaurerei^ daB im l8 . Jahrhundert die 
franzosischen Briider den Sieg der ausgesprochen repubhkamschen und 
antikirchlichen Richtung vorbereiteten, die nach 1870 zu «ncr c 1 n - 
flufireichen politischen Gruppe der dntten Repubhk wurde und 
mit der finanziellcn Oligarchic (d. i. der klemen Obersehicht von Herr- 
schendeii) in antikirchlichem Sinne zusammentrat. (Wcr erinnert sich 
da nicht jener noch nicht lange zuriicklicgcnden Zeit in der in geradezu 
fanatischer Wcisc von Br,. Gomte gegen Kirche und Papsttum gewutet 
wurde, tinbekummcrt urn Recht und Gerechtigkeit, und zwar teilweise 
unter Fuhrung auch namhaftcr franzosisclicr Spmtisten, die darmt ihre 
innige Zusammengehorigkeit zur Masonnerie bcstatigtcn. Als Folgc da- 
von kam 1906 das Gesetz in Frankreich auf, das Staat und Kirche _ von- 
einander trennte. Gcrade diescr Zusammcnklang von Spintuahsnius 
und Masonnerie [den wir ja auch bei Minister Br.', Sonmno kennen aber 
ist es gerade wieder, der die Entgleisung des Maurertums .zum inken 
Ffad hinab" S o furcbtbar beklagenswert macht!) Der schone und ur 
sprungliche Bcruf der Masonnerie, den wir immer wieder betoner, moch- 
ten, hatte e in st wirklich nichts mit dem gemein, was Brauwciler heute 

~'"»Vv7l~hi l T7ii »r • Ohr ,Dcr franzosische Geist und die rrchnaurerci", S. 18; 
T!r,DrK;cX;,e Gese11,ch a ft«n, Ordeii" TI, S 32, „Handb,lch der 
Freimaurcret" I, S. 253 tmd 3^- 

*) Vgl. G ruber, ..Paladtsmus-Koman II, ^- 35-' 53- 



**■ 



— 230 — 

„die eigentliche freimaurerische Gefahr" nennt, die skh „in den gehei- 
men, jedem po4itischen und personlkhen Ziel dienstbar zu machenden Zu- 
sammenhangen zwischen den einzelnen Logenorganisationen und den 
einzelnen Mitgliedern" auslebt und eine gewisse internationale Solidari- 
tat der GroBlogen praktisch durchfuhrt. > 

Wir beschlieBen das Kapitel ^Frankreich" mit ein paar beachtens- 
werten Reminiszenzen. 

Uber jenen Br. ■ . Jules Carabon, der eine Zeitlang franzosischer 
Gesandter in Berlin war, urteilte der belgische Gesandte Greindl (vgl. 
Sam. Zurlinden, „Weltkrieg" III) im Jahre 1908: 

„Fur die Verbesserung der Beziehungen zu Frankreich hatte man (in Berlin) grofie 
Hoffrtungen (!) auf Herrn Cambon gesetzt, dem nach Berlin der Ruf der Ma6i- 
gung vorangegangen war ... Er zeigte sich aber im Gegenteil argwohnisch, mifl- 
trauisch, wittert iiberall Hintergedanken tmd ist schlecht informiert, 
wie iibrigeiis allc Diplomatcn, die Spionage benutzen..." 

Der selbe Greindl schrieb am 8. April 1907 an semen Chef in der 
Angelegenheit der Bagdadbahn: 

„Wic Sie sehen, Herr Baron, mafit sich Frankreich ebenso wie 1870 ein Rccht der 
Eininischung in Angelegenheiten an, die es ganz und gar nichts angehen, und bil- 
det sich ein, ein Vetorecht gegen Abmachungen zu besitzen, die zwischea „un- 
abhangigen Staaten (hier zwischen Deutschland und der Turkei) getroffen wor- 
den sind . . . Jedesmal, wenn Frankreich sich im Laufe der Geschichte stark 
genttg fiihlte, versuchte es, sich die Vorherrschaftuber die ganze 

. Weltanzumaflen. Jetzt gibt ihm die Entente cordiale das notige Selbst- 
vertratien dazu. Frankreich mischte sich ein gegen den Bau der Bagdadbahn. . ." 

Im Jahre 1912 war es der franzosische Politiker Br.-. Dr. Andre 
Cheradame, der gegen die Ausschliefiung Oster reich - 
Ungarns vom franzosischen G e I'd m a r k t e plaidierte. Da- 
bei verbreitete Br. - . Cheradame die grobe Unwahrheit (die von dem von 
uns mehrfach angeftihrten Dr. Boghitschewitsch widerlegt wird), Oster- 
reich wolle in semen GroBmachtsplanen Saloniki zu seinem balka- 
nischen Endziel machen. In Wirklichkeit batten sich Deutschland und 
Osterreich als vollig „n i c h t - interessiert" gegeniiber Saloniki erklart, 
ob nun Saloniki tiirkisch, griechisch, serbisch oder bulgarisch sei, und 
ebenso uninteressiert dariiber, ob Konstantinopel 191 2 von den 
Bulgaren besetzt werde oder nicht. Wir konnen erganzen, daB die 
deutschen Regierungskreise dem Fiirsten W i c d abrieten, die 
albanische Krone afjzunelimen, weil sie Kriegsgefahr als Folge 
davon befurchteten, iind dafi den Deutschen inOsterreich ihrer 
ganzen Veranlagung nach jeglicher imperialistische Impuls 
abgeht (einzig die vom Pariser Groflorientsmitglied, Jungtschechen 
Br. ■ . Kramarsch gefuhrten tschcchischen Nationalisten trie- 
ben in Osterreich weltf reitnaurerische Politik). 

Endlich sei noch angefuhrt, da6 am 29. Novbr. 191S der britische 
Konig Georg V. gelegentHch seines Besuches in Paris im Elysee die 
Br, ■ . Freimaurer Clemenceau, Poincare, Deschanel, Pichon *) f Dou- 

*) Ira Jahre 1913 hielt es Br.-. Minister Pichon fur besonders notig, die Gc- 
danketi der Franzosen darauf zu lenken, dafi die Franzosischen Theater ziun 
Kricge aufrcizende Stiicke gaben. 



— 231 — 

mergue, Hannotaux, Dubost, Briand, Joffre Leon Bourgeois Pa« 
und Se Selves um sich scharte und sie in besonderer Rede besonders 
a^zeichnetc Br ■ Poincare aber hatte in der Begrufiungsansprache 
11 den K6nig der England* das i« jahre 1908 zwischen Frank- 
reich und GroBbritannien abgeschlossene Abkommen gegen 
Deutschland gefeiert! 

Wir mochten nun kurz das Trcibcn der Loge in 

Portugal und Spanien 
streifen Portugal umfaflt im , f Vcrcinigten GroBorient von Lusite- 

schandlichsten Sklaverei versetze. ^J"^^^^^^ 
selbst kommt, einen Ausspruch von Jose Orte y Oasset . W eu w r 

eiesen nun cinmal Sklaven Englands sind, gibt es fur uns nur erne mog 

mmmmm 

Unterm 13. Drzember 1914 begruBte „Havas jenes erste *"<«* ™ !nl 
sterium dL den Stur* des k r i e g s g e g n e _r , 5 c V, , e n G<^™ * Piment ° 
Canro durch engli.che Goldkugeln herbeifuhrte, m,t den Wort™ 

Gelegentlicb der Umformung der portugies.schen Regierung im 
Mai 1918 scbrieb „Inf." unterm 22. Mai: 

reich und Deutschland; Dcutscli- 

„...Der Fri.de han S t „ ie h | jv o n « ,n >. • ranzo^n rt ;• ■ Selbrt »«n ^ ^ 

land bereit ware, uns das El 5a B abzutretcn und w m^ u schlic Bcn, so wiir- 

■ wI ,i«d J n^nt»i«Mf«^; l ^^Xl hl i efcll .., da sic die 

leiden. Es ist die W a h r h c 1 1 . . . Wir si n a n wjrhabcnnic h t 

„= S ^hT^o^S^-S SSJ.?^««b.„' Sic g und H^ ■ ■ ." 



— 232 — 

r> Da die neuc portugiesische Regicrnng befriedigendc Erklarun&en itbcr dire 
Kriegspolitik abgegeben hat, so toird sic von England (auch diesmal wiedcr,) 
anerkannt wcrdcn. Atich Frankreich wirtl Portugal gcg amber die gleiche f fal- 
tung einnetimen." 

Nach mehrfachem Wechsel des Ministerkollegiums trat endlich ein 
solches mit einem k 1 e r i k a 1 e n Minibterprasidenten an die Spitze des 
Landes. Ihm war ein tragisches Ende beschieden. Untcnn 17. Dezember 
1 91 8 schricb „Havas" (i), dafi es Freiraaurer und Demokraten (ein- 
begriffen die ^eptembristen", der Anhanger der portugiesischen demo- 
kratischen Konstitution vom 27, September 1822, wie auch der 'Mit- 
glieder des „Freiea Gedankens" und des Geheimbundes „Weifie Ameise" 
[„Formiga bianca'']) waren, die Mitte Dezember v. Js. den mil 
diktatorischer Gewalt ausgestatteten klerikalen portugiesischen Prasiden- 
den Sidonio Paes, der im Dezember 191 7 Machado gesturzt hatte, 
durch drei Revolverschiisse bei zugleich versuchter neuerlicher Staats- 
umwalzung auf die Seite brachten. Die maurerische t ,Latomia" berich- 
tetc, dafi Br. ■ . MagalhjTes Lima, der beruchtigte GroSmeister des 
portugiesischen ;t Gro8orients", wegen angeblicher BeteiHgung an der 
Krmordung des Prasidenten Paes verhaftet worden sei! Zugleich habe 
der Lissaboncr Pobel das Bundeshaus des Groftorients von Lusitanieu 
gcsttirml und gepliindert. Das „Bundesblatt" Nr. 5 der Grofien National- 
Muttcrlogc „zu den drei Weltkugeln" (191 9) bemerkt dazu, daft die inter- 
na tionale Maurerei daraufhin so fort zu einer „i n t e r 11 a t i n a 1 e 11 A k - 
hon" zugunstcn des Mordgesetlen (vgl. S. 61) MagalhSes 
Lima ausholte. — Neuer Prasident der Portugiesen seit 17. De- 
cember 19 18 wiederum ein Castro: Admiral Canto y Castro. M Havas" 
.schrieb am 15. Januar 1919, dafi diese Revolution den Zweck hatte, die 
(frei maurerische) M a e h a d o - Partei wiederum ans Ruder zu bringen! 
Ware diese Revolution gelungen, dann ware Portugal wicder ein Konig- 
tum und der einst von Magalliacs Lima davongejagte Manuel ivarc, 
als Konig zuruekberufen, nur zur Schachfigur der Loge gc worden, um 
so mehr, als Magalhaes Lima selbbt ins monarchische Revolution smimstc- 
rium eingetreten war. 

Auch in Portugal rollt das englisehe Logengeld. El. Privaz sagt: 
^England wollte die Einfaltigen glauben machen — und sie bilden die 
Alehrzahl der Gesellschaft — , dafi ein Sieg Deutschlands das Ende der 
Freiheit bedeute. ... 25 Millionen wurden nach Herrn Jean Bon dafiir 
ausgeworfen . . . Das Geld vermag alles iiber die ofTentliche Meinung, 
denn die offentliche Meinung ist die Presse und die Presse ist kauflich , . *' 
El. Privaz meint jedoch, dafi Englands Goldkugeln in alien Landen 
rollcn. *) 



*■) Dem „I\ T icu\ve Arnhcmschcn Courant" wurde — nach ciucr Wolff-Mel dung 
voin 4. August igj? — a us Amsterdam berichtet, daB die A m ^ t c r d ;i m e r Zei- 
tung* „Telegraaf" von der e n g 1 i s c h t n Regierung 25000 Pt'tmd Sterling — 
625000 Prnnkeii erhielt, um Englands Politik in den Nicderlandcn zu treiben. - 
Das in Genf crsclietnende, der siidslavisclien Bcwegnng dienende JJlatt ,Jougo- 
slavie" Nr. 34 planderte aus, dafi vor alien am englisehe Stipendien sincl, die 
dazu dicnen, der in Genf stationierten groBserbischen Propaganda beizustenurn 
(vgl. die „N. Zurch. Nachr." Nr. 284, Oktober 1917). Nach der Rede des franzo- 
,<;fschcn Minderheitssozialisten L n g it c t auf der englischen Sozialistenkonferenz 



In Portugal ist, wie gesagt, Advokat und Senator Dr. Sebastiano 
d « M again -l c s L i m a der GroSmeister des „Grand Orient Lus.tamen 
Uni" und zugleich hochster Wurdentrager des portugiesischen „Honen 
Rates der «.•■" (welchem ..Supreme Conseil" funf Areopage und 
« [Pseudo-lRosenkreuzerkapitel angelioren). Nach dem .wdten JArj 
gtng des „Wel1freimaurerkalendcrs" fM«i«ten »ls Groflme, ter -Adjunkt 
Br Francisco Gomes da Silva, und als GroBau seher die Brr. . Dr Gre 
gono Raphael Silva e Almeida und Dr. A«t»~io B«ro» P^ra-V cto 
rino Eine weitverzweigte Versippung der Costas Castros Fonsecas 
Pweiras Ferrciras und Teixeiras umschlingt durch das Band der Loge 
Ld die ..Alian" Israelite universale" das portugiesische Vo^c dessen 
Whrende und eben genannte Gcschlechter we.thm interna lona hsiert und 
1 „ England Italien, Holland, Spanien, Nord- und Siidamcnka emfluBreich 
' sind Oder von jenen Landern aus auf ihr lusitamsches Stammknd w.rken 
ein C a s t r ist Prasident der Republik Venezuela; und H c r m , s 
da V n s e c a ist seit 1909 Prasident von B r a s 1 1 1 c n , das den Mittel- 
- mlchten den K egs-Pehdehandschuh hingeworfen hat). Gemeinsam ».t 
Sr Magaihaes Lima arbeitetcn fur den Ansch lu 6 Portugals an d,e 
kriegfiihrende Ententepartei die dernokratiscben 1 uhrer Brr Unter 
rlchtsniinister Alfredo M a ga 1 h a e s , A f f o n s o C o , t a (der 
Fuhrer der portugiesischen Demokraten, proklam.erte am ; ? J"™^ 1 * 
den AnschluB der portugiesischen NaUonjlpo htik an d.e Entente), 
Arbeitsminister Jose F cl i c 1 a n d a C o s t a (vgl. S 46) ) «°* ** 
prasident Bernardino Machado sow.e der von XnTstero aTdent 
Geener Senator Freira niedergeschossenc fruhere Mmisterprasident 
Br C h aga s Die politischen Gegenseitigkeitsinteressen zwischen 
Ua,ien C und a |o a rtu g a, beg'unstigt durch den Vereinigten por^e^n 
GroBoricnt Br. . Dr. Jose de Castro. Br.-, .lose B. 

ciano da C o s t a an Ac* ^ atikji. ^f ^J™^^^ Sinne g cantwortet. Das 
blik zuzula&scn. Der HI Vater na ^ '" ' ,, ■ un mittelbarster Beziehtmg 

kann der Loge nur genehm s em E.ncn dtr Ihr en n ^ ^ ^ ^ 

zum Papste zu wissen, den zu sturzeii *"»«*« Jjjg Jg 1 ' Spionag e zu treiben! 
zendes „Agremenf ' (erne Lrwuns-chtf Annehml ichke U J _ .Brudcr" S. 70, 

..Vor a.,e m ma ««n vvb.ndt .««n Kraitcn dan.ch ^eben, <&<&*&£»£ 

musscn dm Papst . . nach e.ner de. nahen odcr W'tens" « c . u n . 

*^, D *""i« .'^""^"l^ucW auf ihrc Re gi e r u„ g cn 

nii^iibcn - . ." 



W-: 



— 234 — 

besorgte die Beziehungen zwischen den Grofiorienten von Portugal und 
Holland. Und Br. •-: Aug. L. Ferreira de Castro sorgte dafiir, 
daB die belgisch-portugiesischen Beziehungen „ins richtige Lot" kamen. 
Ein General Gomes da Costa fiihrte die portugiesischen Truppen 
an der Westfront von Frankreich-England gegen die Deutschen. Ein 
Br. ■ . A. Joao d e Castro versah zu Grandola den Stuhl des w Ehr- 
wiirdigen Meisters". Aus den logenverbriiderten Familien der Gomez 
de la Penha testierte ein Dr. da Costa Gomez de la Fefiha 
bedeutende Summen fur portugiesische offentliche Interessen (vgh das 
,,Genealogische Taschenbuch des Miinchner Kyffhauserverlags" [Zechner 
& Co.] , S. 297/98, 1912) ; ein Baron Teixeira de Souca war (nach 
eben diesem „Taschenbuch", S. 229) Finanzminister des 1910 gesttirzten 
Konigs Manuel, „den er verriet". Im Einverstandnis mit den Revo- 
lutionaren (unter Br.-. Magalhaes Lima, welcher Vortrage uber die Er- 
richtung einer Republik hielt) und dem brasilianischen Prasidenten 
Marschall Br. • . Hermes da Fonseca wurde die portugiesische Revolution 
von 1910 „arrangiert" x ) (vgl. S. 61). Auf listige Weise ward der junge 
Konig fur ein Diner zu Ehren Fonsecas gewonnen; wahrend der ver- 
gniigten Stunden brach dann die wohlvorbereitete Staatsumwalzung aus, 
anlafilich deren Admiral Candido d a 1 R e i s (der Vetter des brasilia- 
nischen Eisenbahndirektors Aaron Reis) die Flotte ins republikanische 
Lager iiberleitete, wahrend Kardinal Salomon N e 1 1 o *), der selt- 
*>ame Erzbischof von Lissabon, dank intimster Beziehungen zur , .Alliance 
Israelite" das Ubrige zur Revolutionierung beitrug. Vorher — seit 
1900 — hatte schon der in Portugal naturalisierte Englander 
Burn ay gegen den 1908 crmordeten Konig Carlos, der ihn gegraft 
hatte (!), und gegen den Kronprinzen konspiriert und so seinerseits die 
zwei Jahre darauffolgendc Revolution mit vorbereiten helfen. Gleichfalls 
in die portugiesisch-politische Vorgeschichte eingegriffen hatte der 
Bankier S. Weifi (de Valbranca) (welcher ebenso von Konig Carlos 
gegraft worden war), dessen Tochtcr Contessa WeiB den italienischen 
Prinzen Ludwig Alfons heiratete. Wir sehen, weitverzweigt und ver- 
wickelt sind alle die polittsch-maurerischen Biindnisse, deren tragischstes 
Pr odukt — beginnend mit dem Konigsmord an Dom Carlos und sich fort- 

*) Das )f Berliner Tageblatt" schrieb damals (1910, Nr. 514): „Die brasilianische 
Revolution, die . . . den Marschall Deodoro da Fonseca ans Ruder brachtc 
(den Minister des 1889 vertriebenen Kaisers Pedro II. und zugleich Fuhrcr der 
Revolution), . . . war von den Freimaurerlogen orffanisiert. Die neue portugie- 
sische Revolution weist genau die gleichen Zuge auf und ist von Frei- 
inaurern und , . . Jimgern Auguste Comtes gemacht... Wahrend in Deutsch- 
1 a n d das Freimaurertum sich in die Handel diescr Welt 11 i c h t miscbt, ist es 
dort unten (in den romanischen Landen) cine tnachtvolle Kampfgcnossenschaft, < 
und es hat in P a r i s und Rio de Janeiro, in Madrid und Lissabon mit- 
gewirkt und in S a I o n i k i die Verfassung redigiert . . ." (Bemerkt sei hier, daB die 
Fonsecas in Brasilien: Prasident Br.-. Deodoro, sowohl als sein Neffe, der heu- 
tige Prasident Br.\ Hermes, aus Spanien stammen. Die Fonsecas kauften 
[als Spanierj ihren Adel 1664 zu Vcnedig, bis zu welcher Zeit sie den poetischen 
Nam en Wagenseil gefuhrt hatten. Vgl. das „Geneal. Taschenbuch" des Kyff- 
hauserverlags, [Mtinchen 23], 1912, S. 325.) 

a ) Wir glauben, daB Dr. Arnold Netter in Paris, das Mitglied des Zentral- 
komitees der „ Alliance Israelite", mit dem spaterhin aus Portugal ausgewiesenen 
Kardinal N e 1 1 o verwandt ist. 



— 235 — 

setzend zur portugiesischen Revolution und zu den Aufstanden im letz- 
ten Jahre — die Teilnahme Portugals am Weltkrieg auf Seite Englands 
war . . . Minister Br. ■ . Magalhaes Lima war und ist aber immer die 
Seele der portugiesischen Revolutions- und Kriegspolitik, und die posjti- 
vistisclv(materialistisch-)sozialistischen Maurer-Philosophen der Schule von 
Br.- Auguste Comtes halfcn ihm. Dafiir hat dann das „demokrati- 
sche England" den 1910 verabschiedeten Konig Manuel aus dem 
Hause Braganza „bereitwillig aufgenommen", als dieser sein Land flucht- 
artig veriassen mufite. Und die englische GroBloge bereitete dem An- 
stifter der Revolution, Magalhaes Lima, anlafilich seiner Anwesenheit in 
London im September 1909 als Wortfuhrer aller freimaurerisch-politi- 
schen Journalisten beim Pressekongrefl; feierlichsten Empfang, welche 
Gelegenheit Lima beniitzte, zu verkiinden, daB „die freimaurenschen 
Journalisten die wahren Gesandten und Botschafter der Nationen" sind 
(vgl H. Gruber in Jf Stimmen der Zeit", 1915, S. 525). Der naive Zeitungs- 
leser weiB natiirlich von all dem nichts und fallt nur auf die groflspreche- 
rische Machc der ententistischen Logen-Publizisten hinein, die Englands 
t demokratischen Geist" in alle Winde rufen l ), obschon es gerade Eng- 
i'a n d seit Dezcnnien ist, das die Zustande in der Welt mit Hilfe seiner 
internationalen Satrapen untergrabt. Was aber die portugiesische Re- 
volution betrifft, so wurde diese im besonderen gerade von dem b e 1 g 1 - 
schen GroBorient (der schon damals unter englischem EinfluB arbeitete) 
in seiner Fcstsitzuttg vom 12. Februar 191 1 mit den grofien Worten des 
belgischen Grofiredners Br.-. Furnemont gefeiert : 

„Erinnem Sie sich der tiefen Empfindung des Stolzes, die wir alle hatten, als wir 

die Nachricht von der Revolution in Portugal erhielten... Es war wie em 

Blitzstrahl fur die n i c h t u 11 1 e r r i c h t e t e Offentlichkeit. Aber wir, meme 

Br- wir .kannten die bewunderungswiirdige Organisation unserer lusitam- 

schen Bruder ..,wir kannten das Geheimnis dieses glorreichen Ereig- 

nisses. , ." ! ) 

Was Wunder, da 6 Magalhaes Lima — der audi viel in Spanien her- 

umreiste, urn noch dieses Land zur Abdankung seines Konigs aufzurufen 

— auf der Freimaurerkonferenz zu Lissabon am 13. Mai 191 7 noch 

stolzere Worte atisricf : , f Der Sieg der Alliierten (im Weltkriege) mufi der 

Triumph der freimaureri schen Grundsatze werden! ita ) 

Nicht minder gut wie in Britannien, Spanien und Belgien (I) war 
Br.'. Magalhaes Lima audi in Ungarn angesehen, dem Lande des „Auch- 
Bolscheuiken" (!) Brs.-. Grafen Michael Karolyi (vgl. S. 8182). Die Unga- 
rische GroBloge, die immer unter Michael Karolyis EinfluB stand, verschneb sicli 
den mit Gewalt und Dolch wohlvcrtrauten Lima kurz nach dem portugieMSchen 
Konigsmord nach Budapest zu einer schwungvollen Programmrede. -- (Datur 
verschrieb Mch nun wicder Br.'. Karolyi den Bolschewisten gegen die Lrlaubms, 
seine in seiner kurzen Revolutionsrcgierungszeit erngeheimsten Millionen nacn 
Ostrrreirh und Holland in Sichcrheit zu bringen, wie sich Br.-. Karolyi auch die 
Dbcrgabe der Regicnnig :m ,.Bcla K u n" [Kohnh Bela Lmder [semen eige- 

») England ist der klassisdic Boden der Frciheit und der Gerechtig- 
keit" ruft die r Acacia", das Organ der Symbolisdicn GroBloge yon Italien im 
Jahre 1915 nu«. Und alle Maurer mit und ohne Schurz wiedcrliallcn den selben 
Sang ... 

a ) Vgl. Brauweilcr, „. •.-Brudej*' , ( S. 15. 

B ) Vgl. r .Ncne Zurchcr Naclir/' 1917. Nr. 206. 



— 236 — 

ji e » k o ra m u n i s t i s c li c 11 Krieesm mister!], ,, Julius A 1 p a r y" [alias Mosci 
Adler] und die iibrigen Bolschewiken mit iioooo Franken franzbsischer Wiihrung 
zahlen 1io8 ... Es wurdc interessant scin, zu erfahren, ob der geistige Ur- 
heber des Mordes am etnstigen bsterrcich-ungarischen Ministerprasidenten Grafen 
Tisza, Joseph Pogany, etwa auch auf Logenpfadcti wancklte . . .? Demi Tisza 
und Karolyi warcn nicht die besten Frcundc! Und Tisza stand ja dcrn „Ur.". 
Michael" im "Wegc . . .) 

Der Sturz des Konigshauses Braganza (1910, nach dem 
freimaurerischen Berliner „ Herold" herbeigefiihrt von den bedeutendsten 
politischen Mannern Portugals, die fast alle zur Loge gehor- 
t e n), brachte den Freimaurer Br. ■ . Theophil R r a g a auf den Prasiden- 
tensessel; dafiir organisierte Braga die Lissaboncr franzosenfreundlichen 
Demonstrationen im August 1914, und seine Neuwahl zum Prasidenten 
erfolgte nach eincm mit Hilfc Englands und dcr Freimaurerverbindung 
fJ Formiga bianca" in Szenc gesetzten erneuten Auf stand im Mai 1915, der 
diesmal allcrdings nicht gegen einen Kooig, wohl aber gcgen den, Eng- 
land und dcr Loge diesmal nicht genehmen, General Pimento Ca- 
stro gcrichtcFwar. ') 

President der portugiesischen Republik ist scit 7. August 191 9 An- 
tonio Almeida, Auch die Almeidas sind Logenbruder innerhalb des 
„Grand Orient Lusitanien Uni du Portugal". Erster GroBlogen-Aufseher 
war seithcr Br. • . Dr. Grcgorio Raphael Silva e Almeida. Unter ihm 
und GroBmeisicr Magalhaes Lima bliihten alle die politiSchcn Logen von 
Portugal, die sich der nachfolgenden Namen bedienten : ., Garibaldi", „Ca- 
vour", ,,Giordano Bruno", „Carnot" (zwei dieses Namens), „Prudhou" r 
„ Victor Hugo" (drei dieses Namens), „Dante", „Robespierre", ^Napo- 
leon", „Marat", „Guilhcrme Braga", j.Desmoulins" (zwei dieses Namens), 
„Gambctta", t ,D. Jofio de Castro" usw. 



Und nun S p a n i e 11. Der Jt GroB-Orient" dieses romanischen Landes 
zahlt rund 5200 Mitglieder, verteilt auf 25 Kapitcl und etwa 120 Logen, 
— auBerdem bestehen noch in Marokko 4, auf den Kanarischen Inseln 2, 
auf den Philippinen 3, in Buenos Ayres bezw. Argentinien 15, in Porto- 
rico 7, in Philadelphia (Vcreinigte Staaten) 16 spanische „Werkstatten" 
und in der Republik Domingo 1 spanische Loge. Auch dem ,,Spanischen 
Grofiorient" iibergeordnct ist ein „Suprerne Conseil" (Hoher Rat dcr 
33.-.) mit teilweise gleichem Beamtenkorper (GroBoffizieren), wie sie der 
„Orient" hat. Die zweitc Ausgabe des „Annuairc dela maconnerie" zahlte 
drei Ritter-Kadosh-Kapitcl aUf. 

t Neben diesem „S p a n i s c li c 11 GroBorienf wei^t die Pyreniiisdie 
Halbinsel noch einen ^National en Grofiorient von Spanien" (Grofi- 
meister Pantoja) auf, ferncr einen tJ Grofien Generalrat von Iberien", 
eine „S y m b o 1 i s c h c Grofiloge E s p a n o 1 a", einen ,,I b e r i s c h e n 
GroBorient" und endlich noch die Symbolise he Grofiloge ., Regio- 
nal Catalana-Balear" in Rarzelona. 



*) Vgl, .jSiiddoutscht Korrc^poudenx 1 ' vom 1. T>r<iehmotiat 1915. 



— 237 — 

Zwar is,t cs den Friedcnselementen moglich gewesen, das Kriegsunheil 
von Spanien fernzuhalten, aber das Treiben der Loge hatte deshalb dort 
doch wiederholt ganz erheblich eingesetzt. Zunachst forderte dcrspa- 
n i s c h e GroBorient" selbst durch Rundschreiben zur Aufgabe der 
paniA'n'Neutrahtat auf (vgl. die Koh. Volksztg. « vom 29 Oktober 
1014). Untcrm 28. August 1917 benchtete das Inf -Bureau von 

'chwercnUnruhen.die von „Havas" dalnngehend bestatigt war- 
den daB es «, Madrid, Barzelona, Bilbao und Nerva etwa 400 Opfer an 
TotVn infolge der Aufstande gab. Wie die Tagesblatter schneben , sagte 
die Humanity, daB an der Agitation „gerade die besten 
F e u n d e de Entente" tcilnahmcn. Die Rcvolutionarc for- 
derten den Stutz der Monarchic (wie 1910 in Portugal) und die 
Prok 1 la m a t i o n d e r R e p u b 1 i k (weil Konig Alphons S1 ch nicht 
zum Kriegseintritt an der Seite der Entente bequemte) '). Schon auf der 
freimaurerischen international*! Zusammenkunft im Juli 189 hatte de 
Groflmeister des s p a n i s c h e n G r o B o r 1 e n t s , der repubhkan.scl e 
DeSVe der Cortes Br. ■ . Prof. Dr. Miguel Morayta^) der mehr als 
« Jahre lane von weitreichendem politischen EinHusse als Trager der spa- 
nisihen Grofmeisterwurde ist), zu Madrid gesagt : Das Volk ,st nnmer 
der Politik der Komge gefolgt. Diese Zeit 1st vojbei . . . DieRe^bhk 
in Spanien ist ein notwendiger und nahe hevorstehender Fortsdint 
Und auf der Jahresversammlung des f ran zo s 1 sch e n GtoBoncnts 
fuhrte der selbe Br.-. GroBmeister (und Freund Groflmeister Br.-. Na- 

- bans in Rom) aus: ff W i r Repnblikaner i n S p am e n^ . standen m.t 
den franzbsischen R e p u b 1 1 k a n e r n in V e r b 1 n d u n g a I s 
diese noch nicht am Ruder w a re n ; au S d«s«r V erbmdung 
sind sehr wichtige Beziehungen entstanden Ich hoffe, da6 dies J 
niscbe Republik bald die franzosische Republik wird begruflcn 
kBnnen . . ifh war Deputierter des Landes in dem A ugenbhek 
alsSpaniendieUrsache der Ausrufung der Republik 
in E r a n k r c i c h w a r." *) . rr^„ a 

■Eines der Haupter der spanischen Logen ist der aus Spanien als Folge 
seiner Umtriebe niichtige, in Paris lebendc Abgeordnete von Baraelon^ 
Br.-. Alexander Lerroux, das Haupt der ^Ferrer-Gesdlschaft , der 

n~\in 31 ira! 190s war es dcr Anarchist Morral, der - ein Freund d« 
Frcimwcrs irs- Enrico Ferrer - ein Bomb.n attentat auf Alphons XIII. und 

Maconnique" vom Jamiar 1906 benchten konnte American" vom 

Der aK-Korrespondcii7, zufolge (die sich auf den rv New York American %om 

schen Groliloge von Chile, welchc etwa em Dutzend Logen m.t nbsr SOO Mitgl.e 
d %ton H D™%»uw^V.*ader^. S. ,7. xitiert nach dem _B.ll.tin ««- 
milC "n ranwdkt Vend,. S vW. nach dcr „K61„ischcn Vo!k S zeitu„ B " vom 
4. April 1901. 



- 238 ~ 

(nach eincr „Havas f< -Nachricht v om 30. januar 191 7) Frankreich an- 
fangs 1917 bereiste urid dort erklarte, dan" er selbst seit Kriegsausbruch 
fur einen Eintritt Spaniens in den Krieg auf Seiten der Entente immor 
pladiert babe. — ■ In Ferrol (Nordwestspanische Kiiste) batte schon im 
September des ersten Kriegsjahres Dr. I g 1 e s i a s gleicbfalls fur den 
AnschluB Spaniens an die Entente gesprochen, wie die ,, Frankfurter 
Zeitung" vom iS. September 1914 meldettrr- Vor allem aber bot der 
spaniscbe Ministerprasident Br. • . Romanones jederzeit all seincn 
Einflufi auf, urn Spanien in den Krieg zu verwickeln. So stand er auch 
hinter den revolutionaren -Ereignissen der Sozialisten und 
Gewerkschaften vom August T917 1 > J nachdem im Juli vorber (einer „Ha- 
vas"-Depesche vom 6. Heumonat zufolge) neunundzwanzig liberale 
Deputierte und Senatoren sich in einer Adresse zugunsten der vom Gra- 
fen Romanones befolgten Politik ausgesprochen batten. Romanones war 
der Vater des , ; Cartagena-Abkommens" vom Oktober 191 3, das Spanien 
an der Seite Englands und Frankreicbs in das gegen Deutschland ge- 
ncbtete Einkreisungssystem einbeziehen sollte a ), wie er auch hinter dem 
^Cortina-Vertrag" stand, der die spanische Handelsflotte in den Dienst 
Englands stellen wolltc (wobei Marquis dc Cortina die Verhandlungen 
in London leiten muflte). Das vorzeitige Bekanntwerden der Verhand- 
lungen soil den Sturz des spater aber wiedcrberufenen Ministerprasiden- 
ten Br.-. Romanones Ende April 1917 herbcigefuhrt haben. Durch den 
Augustaufstand versuchte man dann aber, Romanones wieder zu Amt 
und Ehren zu bringen, nachdem die Ministerien Da to und Garcia 
P r i e t o ihn (Romanones) abgelost batten 3 ), Eine letzte. „Neuorientie- 
rung" Spaniens versuchte Br.'. Romanones im Dezember 1918, als er nach 
Paris zum Besuche Wilsons, Lloyd Georges und Orlandos reiste und da- 
bei den franzosischen Eotschafter in Madrid interviewte, zugleich aber da- 
bin wirkte, daB die deutsche Botschaft mit Prinz Ratibor usw. heimreisen 
mufite, also ihr Ansehen in Spanien verlor. Romanones bediente sich zu 
seinen Zwecken der spanischen freimaurerischen Zeitung „Diario Univer- 
sal", die den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten s. Zt. in augenfalliger 



') Mft dieser revolutionaren Veranstaltung befaCte sich in den Tagen. vom 
28.— 30. Marz 1918 in Madrid der spanische Lehrcrverein (Asociacion nacional 
del magisterio pritnario) unter der Ehren-Leitung des Exministers fur oITentliche 
Arbeiten Rafael Gas set, der jetzt radikaler Dcputicrter ist. Gassct forderte 
die Amne&tie der Lehrer, die sich von der Propaganda der Romanones-Partei 
zur Beteiligung an diesen August-Unruhen hatten verleiten lasscn. Unterrichts- 
minister Alba versprach, sich fur die Amnestie der Lehrer einzusetzen. 

2 ) In der Enlenteliteratur wird nicht selten bestritten, dafl seit Jahrcn eine 
j.Einkreisungspolitik" gegen Deutschland seitens der „Alliierten" geiibt wurde. 
Mit Riicksicht daraiif diirfte hier ein Satz aus der Warschauer „Gazeta Poranna", 
der aus der ^Fortnightly Review" entnommen und der Feder des Englanders 
E. L. Dillon entflossen war (nach der tlbersetzung in der t) Deutschen Politik" vom 
24. August igi7), erwalmenswert sein: 

t ,Solai*ge der Geist des deutschen Volkes die Demokratien des Westens 

bedroht, muB Deutschland von . . . Konig Eduards VII. Isoliertmgspolitik 

umgebcn scin . . ." 
DaB der deutsche Geist den ,,deniokratischen Westcn" jemals bedroht hatte, ist 
der alte und ewig neue Ententcbetrug! 

8 ) Vgl. „K61nische Zeitung" \om 19. Dezbr. 191 7, 



— 239 — 

Weise feierte. Nach der spanischen „Tribuna" vom Anfang Mai 1917 
, nannte der konservative spanische Fuhrer Maura den Ministerprasiden- 
4 ten Romanones schlankweg cinen Verrater Spaniens. Zum guten Gluck 
t fur Spanien zogen sich damals die vornehmstcn Mitarbeiter des Grafen 
K noch rcchtzeitig von ihm zuriick, daB er (im April 1917) als Premier zu- 
J riicktreten muflte. Romanones wurde in seiner Entente-Politik auch nach 
-seinem Rucklritt als Lenker der spanischen Angelegenheiten noch im- 
Ljncr von der „entschieden-linksrepublikanischen Union", seiner „Refornii- 
stenpartei", tuiterstiitzt, die Ende April 1917 ein langes Manifest zugun- 
sten des Bruches mit Deutschland erliefi. Unter Pricto (der mzwischen 
wieder abtrat und Maura Platz machte) trat Romanones erstmalig wie- 
derum ins Ministerium ein, Ministerprasident Garcia P r i e t o , Marquis 
von Alhucemas, ist als gematiigt-libcraler Dissident zum mindesten der 
Loge zugeneigt, wenn nicht angehorig; aiich arbeitete er als Aufienmini- 
ster fruher mit Romanones zusammen, und in der Marokkopolitik war er den 
Westmachten (England-Frankreich) zugetan (vgl. dazu die „Basler Nach- 
richten" Nr. 22^ des 37. Jahrgangcs). Der Madrider ^Correspondent der 
Londoner tT Times <( vcrsicherte, dai3 Spaniens Annaherung an die West- 
machte trotz des Ministerwechsels sich nicht aufhalten lasse. Ganz im 
Sinne der Loge und des politischen Anschlusses Spaniens an England- 
Frankreich und deren Verbundete und des Abbruches der Bcziehungen zu 
' Deutschland hatten am 31. Oktober 1916 zu-Lissabon und am 27. Mai 
1917 im Stierzirkus in Madrid grofie Versammlungen stattgefunden, in 
der Melquiadez Alvar-ez und der schon genannte LogengroBmei- 
"ster Br.'. Alexander Lerroux (der „K61n. Volksztg." und dem „Havas"- 
Bureau zufolge) das kriegsderbe Wort fiibrten. Lctzterer sagte in der Mai- 
versammlung u. a., die demokratische Idee streifend: „Wir stehen vor einem 
Problem zwischen Monarchic und Rcpublik, wie dies die russische Revo- 
lution gezeigt hat. Die Intervention der Vereinigten Staaten hat der 
Welt das hochste Beispiel des Idealismus gegeben." Br. - . Lerroux fiigte 
binzu, daB er seine Kampagne zugunsten der Entente entschieden fort- 
setzen werde. Dieser letzteren M Inf. ,( -Korrespondenz aus Paris mochten 
wir noch die andcre desselben Bureaus anfugen (vom 13. Juli 1917), dafl 
Mr. B a 1 1 o m 1 e in seinem Blatte , John Bull" propbezeite, dafi die 
Tage des Konigs Alphons als Herrscher von Spanien gezahlt seien. 
Solche englische Ausspriiche sind nicht verwunderlicb, wenn man die 
AuBerung der „Rheinisch-Westfalischen Zeitung" (vom 15. April 191 5) 
dazu halt, ,,daB in Spanien der Louisd'or ebenso rollt wiein 
I t a 1 i e n'"." Die GroBlogen der Entente schauen dem spanischen Konige 
jedenfalls auf die Finger, nachdem sie fruher schon die portugiesische 
Dynastie und dann den Zaren Nikolaus beseitigten J ), den Monarcben 

x ) Mit dieser „Beseitigung" ist aber nur die Entthronung, nicht aber 
die Ermordung des Zaren Nikolaus gemeint. Denn lctztcrc geschah ja von 
bolschewhtischer Scite, und zwar, wie es heilit, wed Nikolaus II. gegeti- 
revolutionarer Politik beschuldigt wurde. Das finnische Blatt ..Newer lag 
( 3 Unsi Pasipsc'') schricb — nach den „N. Zurch. Nachr.' vom 26 Juh 1918 — . 
daB eine Verschworung entdeckt word en aci, die den Exzarcn den Tscbecho- 
Slowakcn (also der Gesen revolution) ausliefern wolltc. Daraufhin aei Nikolaus II. 
(entgegen den Weisunsen des russischen Bolachcwiki-Mmistera I r o t z k 1 - 
Braunstein) von den Bolschewisten (una der eigencn Sicherheit der Bolsche- 



— 240 — 

Konstantin der Griechen unicr der Mitwirkung des griechischen Lander 
verraters Br.-. Venizelos vom Throne stieBen, und selbst die Konige von 
Serbien und Montenegro „ka1t stellten", indem sie dieselben ins Exil 
schickten. 

Das Ministcrium Maura bot insofern die Hoffnung Spaniens, daii die 
Loge in ihren diniklen Absichten unterliegen konnte, weil Maura selbst 
nicbt Maurer ist, und weil er neben seiner Friedenspolitik eine gesunde 
Gibraltarpolitik treibt — er hatte wiederholt und letzthin im Juni 19 18 
in der Cortes Spaniens historische Anspriiche auf Gibraltar 
(das England im Jahre 1704 im spanischen Erfolgekrieg den Spaniern 
abnahm) geltend gemaeht. Auch redcte er durch sein Blatt ^Action" 
einer neuen Marokko-Verstandigung, die Spanien zugute kame, das Wort. 
Im letztern Tun hatte er den allzeit kampflustigen Br. ■ . Romanones 
gegen sich, der durch das „Diario Universal" eine Mcugestaltung 
der Marokko-Politik von der Freundschaft der West- 
m acht e (England, Frankreich!) abhangig machte (vgl. „Ncue Ziirch. 
Nachr." vom 7. Juni 1918). 

In Erganzung sei bemerkt, daB der deutsche Archivrat Br. - . Dr. Georg 
Schuster schon ra.06 darauf hinwies, daB die spanischen Freimaurer unter 
dem Verdachte standen, den seinerzeitigen Aufstand auf den 
Philippinenund aufKuba angezettelt zu haben... 1 ) 
Das sincl aber nur die selben Maurerbrr. * ., die („Inf." vom 9. August 191 8 
zufolge) als radikal-repubiikanische Partei Spaniens im „Echo de Paris" 
„an das siegreicbe Frankreich" eine Huldigungsadresse richteten, worin 
sie die Hoffnung aussprachen, „den Tag des Friedens mit dem Triumph 
der Weltdemokratie (der Logensuprematic !) erwarten zu kon- 
nen". 

Die spanische Politik erfahrt ihre Billigung von den spanischen 
F r a u e n , die im „Adoptions- und Frauenritus des National- 
GroBorients von Spanien" seit dem 25. Marz 1891 organisiert 
sind. — „Schwestern, welche ohne genugende Entschuldigung die Logen- 
sitzung vcrsaumen, werden best raft I" Also lautete am 30. Marz 1891 

wisten willen) von den Maximal is ten „hingerichter' wordem — Astrologen 
wird es interessieren, weim hier erinnert wird an das Horoskop, das der ver- 
storbene bekannte englische Astrolog Gcorg Wilde sclion im jahre 1894 ver- 
offentlichtc und das im III. Band, Heft 7 des Jahrganges 1900 der „Neuen Metu- 
physischen Rundschau" wiedergegeben wurde. Wilde deutete die Stellung des 
Saturn auf innere Unruhen und Revolutionen: „der Stern der Romanows ist am 
Absteigen", ,,Der Rat eines ,Freundes' (Buchanan? Suchomlinow? GroBfurst 
Nikolajewitsch?) brtngt unersetzlichcu Verlust und Schaden." Seit 19 is erwartete 
den Zaren — nach Georg Wilde — der Verlust der Krone und seiner 
Macht: „ein falschcr Freund wird inn (den Zaren) drangen zu dem, was seinen 
Fall herbeifiihren wird ; oolite ein Freund EirtflttB uber den Zaren gewinnen, so ist 
Nikolaus vcrloren und sein Scliicksal unabwendbar, denn — die Sterne kampfen 
gegen ihn . . ." 

*) „Geheime Gesellschaftcn, Orden usw." II, S. 81. 

Gcfangen gesetzt wurden dam als unter dem Verdachte der Aufwiegelung 
der GroBmcister Er.-. Panto j a und sein Groflschriftfuhrcr Br.-, de Puga 
vom „N a t i o n a 1 c 11" Orient, sowie sechs Grofibeamte des i? S p a n i s c h e n" 
Orients mit desseu GroBmeister Untversitatsproiessor fir.*. Morayta an der 
Spitze (vgl. „Enzyk!opadie der Freimaurerei" II, S. 4^3). 



— 241 — 

: die Amtliche Logenkundgebung im Offiziellen Bulletin des spanischen 

-GroBorients . . .*) 

" In Angliederung an die spanischen Freimaurer „werden noch in unse- ^ 
ren Tagen die volkreichen Stadte Spaniens von den geheimen Gesell- 
schaften — den „Cumuneros" oder „S6hnen des Padilla" (die es unter 
ihrem , Gran Castellano" bis zu einer Mitgliederschar von 60 000 im vori- 
gen Jahrhundert gebracht hatten) und den „Landaburianas" und „Cumu- 
neros Constitucionales" — insteterUnruhe gehalten." 2 ) 



Und nun wollen wir 



„Die Masken fallen, geht heim, das Spiel ist 
aus", heiflt es im „Bajazzo". 

Griechenland 

besprechen. Der neue Griechenkonig Alexander ^ der seinem von 
der Entente-Maurerschaft abgesetzten Vater Konstantin in der Regierung 
folgte — muBte sich bei seiner Thronbesteigung und Eidesleistung vom 
Hochverrater Br/. Venizelos sagen lassen, daB eine der ersten Auf- 
gaben der von Br.-. Venizelos anerkannten griechischen Re- 
eierung die Revision der Rechte der Krone s e 1. B ) Komg 
Alexander muBte daraufhin auch die Bcziehungen zu den Mittelmachten 
iosen und trat damit zugleich auf die Seite der 27 Volker (auBer Tschc- 
chien und Polen), die an Deutschland den Krieg erklart oder docn die 
Beziehungen zu ihm abgebrochen hatten. 

i Nach den „Mimchener Neuesten Nachrichten" vom 28. Juni 1917 sollte — trotz 

Konig Alexanders Einverstandniserklarung mit der Entente! — bereits ein eng- 
lischer Prinz im Hintemrunde bereit gehalten worden sein fur den eventuell 
«rncut „vakant werdenden" Griechenthron. Wcnigstens habe der Prasident : der 
anglo-hellcnischcn Liga, Burrows, erne dahinzielende Aufierung (hollandi- 
schen Meldungen zufolge) getan. Sollte England sich wirkhch m«t Gedanken ge- 
Sen haben ein dem cnglischen GroBorient und Schott.schen Ritus genehmes 
Mifglied des englischen Komgahauses auf den Thron der Hdlenen zu brmgen, so 
ware dies nur aufzufassen als ein weiteres Dokument fur den durch mehrdenn 
drei Jahrzehnte lang gehegten Logenplan, allea curopaische Kustenland auf 
irgend eine Weiae „englisch zu machen". Und so gar unglaubhaft war erne 
britische Kaudidatur Br den griechischen Konigsthron durchaus mcht T geht 
doch laiigst auch das Gerucht herum, dafi Herzog Br.*. Connaug h t , der der- 
zeitige GroBfiirst alter britischen Maurerei, fur den t s c h ec h 1 s c h c n wie auch 

"fur den uugarischen Konigsthron erlesen sei. — 

Jedenfalls ist aber schon die Rolle, die der neue „Kbnig" der Hellenen 

' zu spielen hat nicht wiirdig eines Nachkommen der Helden von Troja, — 
Konig Alexander ist mchts weiter als die von England beliebig hin und 
her zu schiebende Schachfigur auf dem „schwarzweif3en Brett" der ^eng- 
lischen" Erdkugel 4 ). Sagte doch 1909 schon — wie wir S. 61 zeigten — 

') H. Gruber, „FaHadismus.roman" II, S. 251/52. 

*) Vgl. Br.'. Dr. Georg Schuster, „Geheime Gesellschaften, Verbuidungen 
und Orden" II, S. 386. . 

3 ) Nach dem M F.cho de Pans' vom 3- Juh 1917. , 

*) Der Weltiogenstaat England, der vor dem Knege ein Viertel der 
Erde und ein Viertel der Menschheit umfafite, beherrscht heute m 
Gemeinschaft mit dem Tochterland Vereinigte Staaten von Nordamenka uber 

Heise, Entente F«imaurerei. II. ■" 



— 242 — 

Dr. Hans Heidericli, dan" Griechenland damals schon ,, unter britischem 
Protektorat" seiti unfreies Dasein fristete. Und „M6rderhande wurden 
zweimal gedungen, urn das (rechtmaflige) erlauchte Staatsoberhaupt Grie- 
chenlands (den im Auftrage der englisch-franzosischen Abmachung mit 
dem Verrater Br, ■ . Venizelos entsetzten Konig Konstantin) zu 
beseitigen, das wie durch ein W under den zwei Anschlagen knapp ent- 
rann". ') Dazu ist zu bemerken, dafi Konig Konstantin der Loge 
ebensowenig dienstbar war als den Interessen der rbmischen 
K u r i e. 

„Logenma6ig betrachtet", hangen verschiedene griechische Frei- 
maurerkreise von En glands „Groflloge" (z. B. die Loge in 
Z a n t e) bezw. von F r a n k r e i c h s „G r o fi o r i e n t" (inKorfu) ab 
(daher auch die aus Serbien wahrend des Krieges entwichene Br. ■ . P a - 
s c h i t s c h - Regierung nirgends gunstiger als in K o r f u untergebracht 
werden konnte), wahrend der „GroBorient von Griechen- 
land" in Athen mit seinen etwa zwolf oder mehr Einzellogen eine 
Schopfung des in englisch-franzosischem Solde und Fahrwasser segelnden 
„italienischen Groflorients" ist, der auch die Freimaurer von Saloniki 
uberschattet. AuBerdem besteht noch der „H6chste Rat von Griechen- 
land" mit vier Kapiteln, als eine Art Dependenz des franzosischen „Su- 
preme Conseil". Venizelos und seine Genossen sind Freimaurer. 
(Dem GroBorient von Griechenland gehorten unter dem Prinzen Rhodo- 
kanakis zwei Bischofe, viele Priester und Monche an.) 

Das stets boswillige Verhalten des Br.-, Venizelos seinem eigenen 
Lande gegeniiber fiihrte dazu, daB ein Grofiteil der orthodoxen Bischofe 
Griechenlands ihr Anathema (d. i. die Verdammung) iiber den sun- 
digen Br.-. Maurer verhangten. Der allzeit diktatorische Venizelos hat 
denn — als er abermals Ministerprasident geworden — nicht gezogert, 
sich an seinen bischoflichen Gegnern bitter zu rachen, wobei ihm sein 
getreuer Schildknappe, der neue Metropolit von Griechenland, Mele- 
tios (der von Venizelos eingesetzt wurde), hilfreiche Hand leistete. 
Nach der „Europapress" vom 18. August 1919 hat Br.-. Venizelos 
auBerdem noch an die 2000 Offiziere in den Kerker werfen bezw. er- 
schieBen lassen, weil sie mit seiner Poiitik nicht einig gingen. 

Von griechischen Zeitungsherausgebern und Redakteuren schmachten 
— als Folge ihrer anti-venizelistischen Gesinnung — im Zuchthause 
Petros Yannaros, Chaleocondilis, Eustrathiades, Theodorides, Ecelpides, 
Pezopoulos, A. Kampanis und andere, alles Manner der altesten und an- 
gesehensten Zeitungen von Athen. Lebenslanglicher Kerker oder Hin- 
richtung smd fast alltagliche Strafen fiir die Angehorigen der Presse, die 
sich des „ Mangels an Wohlwollen gegenuber dem beutigen Regime'' 
sclmldig g emacht haben. LebenslangHch eingesperrt sind auch die einst 
|U Drittel der Welt, und ist damit der Weltzwingvogt alien Lebens auf 

tt ■ ^ V — * " Dl< ' Trag ° die und die Zukunft Griechenlands" von einem griechischen 
UniversitataprofesBor (Verlag Borsig, Zurich 8). Am 11. Juni . . . iiberreichte der 
tranzQ&iBche Resident Br.-. Jonnart dem griechischen Mmisterprasidenten 
£aimis das Ultimatum England- Frankreichs auf sofortige Abdankung Konig 
Konitantins und drohte im Falle der Ablehnung, Athen in eincn Trummerhaufen 
zu verwandeln, Athen zusammenzuschiefien. 



— 243 — 

volksliimlich geworden en siegreichen Generate des Balkankrieges von 
1972, und nicht weniger als 2500 Offiziere wurden aus dem griechischen 
Heere ausgestofien. In Haft gesetzt oder in contumatiam verurteilt wur- 
den die fruheren Ministerprasidenten und angesehenen Politiker Skuludis, 
Rallis, Dragumis, Gunaris, Dusmanis, Genadis usw. usw. Zuin Tode ver- 
urteilt wurde auch der cinstige President der hellcnischen Kammer Esslin 
und der Biirgermeister von Athen, Merkuris. Hunderte von einst f r e i e n 
Hellenen starben den Heldentod Andreas Hofers als Tribut an die „neue 
. Demokratie". Viele der Hingerichteten mufiten ihre Sarge selbst zur 
Richtstatte tragen ... So lauten die letzten Nachrichten aus Athen 
(vom 14. November 1919)! 

Schon im Winter 1914 war es Venizelos gewesen, der die Einbe- 
ziehung Griechenlands in den Krieg an Seite der Entente betrieben hatte. 
Am 22. November 1914 versprachen die Gesandten Englands, Frankreichs 
und RuBlands der griechischen Regierung den sudHchen Teil Albaniens 
fiir den Fall der sofortigen Hilfe gegenuber Serbien. Am 12. Januar 
1915 sicherte der englische Gesandte Griechenland wichtige territoriale 
Erwcrbungen an der Kuste Kleinasiens zu, wenn Griechenland den serbi- 
schen Staat im Eelde unterstiitze. Wieder am 30. Marz 191 5 versuchten 
die Regierungen von England, Frankreich und Rufiland, Griechenland in 
den Krieg zu pressen, diesmal gegen die Turkei unter Anpreisung des 
Vilajets Aidin als Blutpreis 1 ). Und am 7. Oktober 1914 bot England 
den Giiechen die Insel Cyperu an, falls Griechenland seine gesamte 
Armee fiir Serbien einsetze 2 ). 

*) Vgl. die Vcioffentlichungen der russisch-bolschewistischen Regierung, 
wiedergegeben in Nr. 50 C1917) der Auslaudsausgabe des „Berliner Tageblatt". 

2 ) Siehe die weitcren, Griechenland betreffenden Geheimdokumente, veroffent- 
licht aus bolschewistischer Quelle durch „Havas" unterni 8, Dezember 1917. — 
Die Besetzung der Inseln Cypern durch England war eine Folge des fur die 
Turkei rmgunsLigen Ausganges des russisch-ttirkischen Kricges, Cypern, grofi- 
tenteils von Griechen bewolmt, war seit 1571 in tiirkischem Besitz. Der den 
Turken nicht gunstige Ausgang des russisch-ttirkischen Krieges sicherte — zum 
Nachteile Frankreichs, Italiens und RuBlands (!) — England die Vorherr- 
schaft im Mittellandischen Meere; denn der Berliner KongreB von 1878 setzte 
(untcrm 4. Juni) England zum Verwalter iiber Cypern ein. Wohl versprach Eng- 
land der Turkei, ihr dafik die fernere Unverletzbarkeit (Intcgritat) zu sichern; 
doch h'ielt schan damals England nicht Wort. So kam es zur Teilung der 
Turkei, und da die Hohe Pfoite sich auBerstande sah, Kriegskosten an RuBland 
zu zahlen, so nahm sich RuBland ohne den Einsprnch Englands die 
kleinflsiatischen Landesstrecken von Ardahan, Kars, Batum, Bajazed und zum 
Saganluggebirge einfach weg, womit Ru&land den Praliminarfrieden von San 
Stefano vom 3, Marz 1878 (trotz des ihn abandernden Berliner Kongresses) in 
ganz unberechtigtcr Weise „wieder in Kraft erklarte". Im jetzigen Welt- 
kriege hatte nach dem Friedcn von Brest-Litowsk die Turkei ihre Anspruche auf 
Kars, Ardahan, Batum, Georgicn wieder geltend gemacht. Das Plebiszit (die 
Volks-Abstimmung uber die freiwillige Zugehorigkeit zur Turkei) erfolgte im 
Juii 1918 und ergab in Ardahan, Kars und Batum 83 000 Stimmen iiir und nur 
2000 Stinmen gegen die Angliederung an die Turkei. Georgian erklarte sich als 
selbstandigcs republikanisches Staatswesen. — Was Cypern betrifft, so erhob 
'schon im Jahre 1867 Lord Beacon sfield (d'Israeli) auf diese Insel namens 
Englands Anspruch. Damals schrieb d'Israeli: „Die Englander . . . bedurfen eines 
Absatzgebiete? fiir ihre Baumwolle. Sie werden nicht eher zufrieden sein, bis die 
Bewuhner von Jerusalem — auf dem Wege iiber die Besitznahme von Cypern — 



— 244 " 

Im Laufe der Vorfriedensvcrhandlungen, an dencn Br.-. Venizelos 
als Vertrctcr Griechenlands teilnahm, forderte Venizelos fur Griechen- 
land: Nordepirus, Thrakieu, Klcinasicn, eine Anzahl lnseln im ostlichcn 
Mittelmccr und — Konstantinopel. DieUrr/. Maurer Jule:, 
Cambon (Paris) und Robert Borden (der kanadische l'remicr) wurden 
mit der Prufung der venizeloistischen Anspruche betrautl In der Schweiz 
agitierte fur den Anschlufi Koustantinopels an Griechenland der 
Direktor der , t Agence Helleniquc", Prof. Dr. K. D. S p h y r i s von der 
Venizelospartei, Konstantinopel sei „das Symbol des griechischen Irre- 
dentismus" (vgl. das Buch „V61kerbund und Balkanbund"). 

Wie aus Rotterdam vom 23. Februar 19 19 den Sehweizerblattern ge- 
meldet wird, steht die ganze engHsche (Freimaurer-)Presbe geschlosscn 
auf dem Standpunkt, Cypern nicht an das ,,strategisch schwach? 
Griechenland" auszuliefern. Und sonderbar : Br.-. Venizelos hat eben- 
falls Cypern wie veigessen . . .! 

Was Br.-. Eleftherios Venizelos nocli weiter betrifft, so war er 
schon vor 1910, als er von Kreta kam, der Urheber. cines k ret ens i- 
schen Aufstandes gewesen, den er aus Ehrgeiz in Szene gesetzt 
hatte. Die seit 1916 in A t h e 11 eingesetzte englische Polizei 
unter Mackenzie hatte e r ins Land gerufen und die Besetzung der grie- 
chischen lnseln durch den franzosischen Admiral Dartige du Fournet 
(vor der Uberantwortung Griechenlands an Br.-. Jonnart) war Venizelos' 
Werk. Auf sein Konto gesetzt wird der Bomben-Anschlag eines notori- 
schen Verbrechers, des Maltesers Samut, auf die bulgarische 
Gesandtschaft in Athen (der festgeiionimene Samut trug einen 
Stheck von 20000 Fr. bei sich). Nur mit Venizelos' politischem Einver- 
standnis und unter Beihilfe seiner Freunde war cs moglich, den konig- 
lichen Wald von Tatoi, in dem sich Konig Konstantin damals befand, 
einzuiischern, — der Konig konnte nur gerettet werden dadureh, dati 
zwanzig Griechen sich fur ihn opferten, in dem sie ibn auf dem einge- 
ascherten Gutshofe suchten . . . Das ,,erfolgreichste Kleeblatt" im Verrat 
Griechenlands an die Entente waren Venizelos, sein Stellvcrtreter General 
K o r a k a s , Admiral Kunduriotis und General D a n g I i s. Ohne 
alle die griechischen Ententisten ware auch eine Bombardierung 
Athens nach photographischen Planen fremder Aviatiker durch die 
franzosische Flotte unmoglich gewesen 1 ). 

Am Jahrestag der venizeloistischen Diktatur, den 28. Juni 191S, emp- 
fing die Pariser Gemeindebehdrde die griechische Kolonic in feierlicher 

TurhariL \on K;i]ikot (ails leinwandartig gewebttr BaunuvoHe) trafien." Jctzt 
scheint fur tSiitannien die Zeit gckommen, urn Jerusalem selbst „zu nehmen", 
wie es vordem Cypern einsteckte; Cypern konnte es dabei wohl wieder an einen 
ihm untertaneu Zwingvogt (Venizelos) „verschenken f ', wenn cs dafiir ganz Grie- 
chenland M poitugalisiert"! Und ware Cypern im Jahre 1878 nicht von England 
besetzt worden, dann h?ite es auch niemals eine Besetzung Bosniens durch 
Osterreich-Ungarn gegeben. Eosnien, das schlicfilich lur Serbien „Kriegsgru]id'' 
wurde, kam Osterrcich zu als naturliche Folge des- Berliner Vertrages von 1878. 
Cbrigcns wurde die angeblich „in Aussicht gestellte" Zuruckgabe Cypcrns langfat 
wieder dementi ert. 

*) Vgl. „Die Tragodif Griechenlands" (Bdrsig, Zurich) S. 24, 28, 29, 31, 50, 52, 
55, 57^ 



— 245 — 

Weise Die f ranzosischen Brr. ■ . Minister Pi'cho.1, Jeanncrey und 
St eg begruBten in Vertrclung ihres Mitlogenbruders, des Mimsterprasi- 
■^enten Clemenceau, die griechischen Eundesgenossen. Der Gncche . R c , - 
' m a n o g antwortete im Namen des Er,.'. Venizelos „dafi sein mit den 
Verbiindelen gemeinsame Sache machendes Land (das heute uber erne 
Arneevon 200000 Mann verfuge) den gleichen Glaubcn ( ) und 
die g I e i c h c ,1 H o f f n u n g e n ( !) teile wie diese Verbundeten (vgl. 
die ,Havas"-Dcpcschc vom Tage der Jahresfcier) . 

Es sei noch zugefiigt, daB der schon genanntc Br. ■ . Nicolas I o 1 1 1 1 s 
von Venizelos erwahlter Vertreter fur Griechenland, auf der Vorfriedcns- 
IZZTnTL Paris war in der Kommi«ion jur Aburte^ung Deut, c h- 
lands und Osterreich-Ungarns uber die „Schuld" am Knege - N«=We» 
nun der Fricde" geschlossen 1st und der neue Dreibund der Logcn- 
machte England-Amerika-Frankreich die Menschheit gewisscrmaflen auf 
neue Kriege vorbereitet, hat Frankreich durch seine Logenfuhrer auch 
noch erne Militar-Allianz mit GriechenUnd und Jugoslavia 
(laut Agentur Volta) zustande gebracht — 

Ein paar Worte uber 

Rumanien 

sind auch am Platze. Dieses Land spiclte wahrend des Weltkrieges unlcr 
dem iungen" Jean J. C. B r a t i a n u erne kauni weniger klaghche Rolle 
wie unter der Ministcrprasidentschaft seines Vaters Bratianu im russ 1S eh- 
turkischen Kriege. Im Vertrage vom 16. April 1877 g^tattete Bratianu- 
" Vater den Russen den freien Durchmarsch durch Rumanien in dem 
Sinne, darJ Rumanien auch noch die russischen Armeen mit semen eigencn 
rumanischen Mitteln frci befordern und verpflegen mufite. As Dank 
crhielt Rumanien seine J( UnabhaDgigkcit", die es mit dem Verlust des 
rumanischen Bessarabien an Rufiland bczahllc r ) P^JJ^ 3 "" 

Rumanien im Frieden von San Stefano aui RuBlands GroBmut h , 

■ mmderwertiges Dobrudschagebiet. Im jetzigen Kneg e war es Bratianu 
der Sohn der sich an Rutland und England wcgvvarf fur die bntischen 
Grofilogenziele, und sein ^grofier General" Averescu war es, der 

■ aufs neue auf das von Bratianu dem Alteren preisgegebcne Bessarabien 
Verzicht leisten wollte, obwohl Bessarabien selbst rumanisch werden 

Wll WaB die ,National-GroBloge von Rumanien" betrifft, 

^ ,0 wurde diese !&8o gegrundet. Sie zahlte im Jahre 191 1 bcreits 25 

Werkstatten" unter dem GroBmeistcr Br/ Kapitan ^stantm M ■ 

oiu, der nebenbei noch der Lege ^Memphis" zuBukarest -or.tand 

; und auBerdcm bei der pl GroflIoge von Frankreich' akkrcd.tier 0>^- 

bigt) war. Zwei rumanische Logen wirkten m Bulganen iind drei ruma- 

.. nlfche Logen arbeiteten in Amerika. Der bekannte republikan che Ab- 

'- geordnete der spanischem Cortes, GroBmeistcr Br.-. Dr. Miguel M o- 

f ay t a, den wir an anderer Stelle (S. 237) erwalmten, reprasent.ert die 

- _ :] ^%^%^^^ )™W* A, B llkareS t , ber Mimhilo- 
, mans Ansprache auf die rumanische Friedcns-lhronrtde. 



— 246 — 

rumanische Gronloge beim „GroBorient von Spanien". Neue weitere 
rumanische Logen arbeiteten schon 1880 unter dem ^GroBorient von 
Frankreich" und zehn Logen wirkten unter dem „GroBorient von Ita- 
lien" *). Seit 1881 waren auch der ^Supreme Conseil des Ritus 
von Memphis" und der „Supreme Conseil des schotti- 
schen R i t u s" in Rumanien installiert, welche beiden sich 1886 zu 
einem Hohen Rate der 33. -., dem ententi^tisch gefarbten ^Supreme 
Conseil von Rumanien" (mit einem Areopag, zwei Kapiteln und 
mehr denn 200 im Lande hochangesehenen, einftufireichen Mitgliedern!} 
vereinigten 2 ). 1882 wurde in Rumanien dann noch ein ,,R o y a 1 Arch- 
G r o J3 - K a p i t e I" geschaften und 1883 die „Grofiloge vom Swe- 
denborg-Ritus" hinzugefugt. Die portugiesischen Frei- 
maurer arbeiieten noch auBerdem in drei rumanischen Logen. So war 
also auch ganz Rumanien von einem freimaurerisch-politischen Netz 
vollig umstrickt. — 

Die verstorbenc Konigin Elisabeth von Rumanien (Carmen S y I v a) ge- 
horte dem „Vereinigten Alten Orden der Druiden" (United Ancient Order of 
Druids) an, dessen Alter bis ins 8. Jahrhundert unserer Zeit hinaufreicht. Der 
Druidenordcn war 1833 reorganisiert worden, und bestand aus den drei Graden der 
Barden B ) (Sanger, Dichter, Kalander vgl. S, 2), Druiden und Ovaten (oder 
„Seher 4 '); hochster Beamter ist der Hoch-Edel-GrotS-Erz(-Druide). (Dieser Orden 
diente der Rechtsiibung und der veredelten Kunst; er zahlte vor etwa 12 Jahren 
in England 6000a „Druiden" [Logenbr.-. und -Schwestern], der amerikanische 
Gro6-Hain [= Groiiloge] verpttanzte seine „druidisthen Eichen" weit iiber die 
Welt.)*) Auch der „Unabhangige Orden B'nai-Brith" („Sbhne des Enndes") 
(U. O. B..B., vgl. S. 126) ist in Rumanien heimisch a ). 

Die politiscli sicb orientierenden Logen t ,P r o g r e s u 1" (Redner : 
Br. \ Anastesco) und „Le Travail" wurden erst im Juni 1913 
unter franzdsischen Auspizien ins Leben gerufen. Bei der Eroffnung der 
Arbeiten wies GroBredner Br. • . Cesarjojiescu auf die „groi3e Rolle" 

l ) Wir ne nner. die rumanisch-italischen Logen ,,Ah" Amicizia" in Mihaleni, 
M Coioai]E Romauici" in Bukarest, „Sapientia" in Bakau, ,,Unirea" in Focsani, 
„Viitorul" in Botosani und „Virtutea" in Focsani. 

*) Die Bebprechurig der rumanischen Logenverhaltnisse crinnert an die seiner- 
zeitigen Verhaltnisse in Alb a ni en, in welchem Landchen Fiirst Wilhelm 
W i e d eine kurze Spanne Zeit „regierte", bis auch ihn die Loge beseitigte (wie 
wir bei dem mehrfach zitierten Athanasius, „Geheimtiis der Boshcit" S. 27—29 
lesen). Die Loge wollte den Prinzen Viktor Napoleon auf den albanisch^n Thron 
bringen, — da muBte Fiirst Wied weichen; denn dieser war ja ein „Deutscher". 
Deshalb crhoben audi England und Frankreich (letzteres in Vasallenschaft 
zu England) sofort Protest, ats in Rumanien sich ein fiir Albanien bestimm- 
tes Freiwilligenkorps bilden wollte, Der Tragcr aber der Wilhelm Wiedschen 
Politik, der hoilandische Oberst Thomson, ward ernes Tages erschossen aufgc- 
funden . . , 

a ) Noch heute luhren die Iren (als druidische Nachkommlinge) eine Harfe 
als Bard en symbol in ihrem Wappen. 

4 ) Vgl. Br.-. Archivrat Dr, Georg Schuster, „Die Geheimen Gesellschaften, 
Verbindungen und Orden", II, S. i77ff. — Auch nach Deutschland wurde von 
Amerika aus ein „Reichs-GroBhain" verpflanzt, welcher im Jahrc 1906 5 Distrikts- 
und Si untergeordnete Haine (Logen) zahlte. 

5 ) Auf deulschcm Uoden arbeitet dieser judische Orden, der sich nicht dem 
englischen Ptogramm ausgeliefert haben will, in etwa 50 Logen mit rund 
Sooo Mitgliedern. (Vgl. Biv. Dr. Schuster, „Geheime Gesellschaften" II, S. 516). 
Auch in Osterreich-Ungarn ist der U. O. B. B. installiert. 



— 247 — 

k bin, welche die Freimaurerei in Rumanien zu erfullen habe im Sinne des 
Iwahlspruchs der franzdsischen Masonnene: „brei- 
? -licit Gleichheit, Bruderlichkeit", der noch nicht durchgesetzt 
h&i Die beiden Logen wurden mit Hilfc der Loge M Unirca" begrvmdet, 
fund' diese Loge „Unirea" veroffentlichte dann nach Ausbruch des 
/ ' Weltkrieges einen deutschfeindlichen Aufruf des Panser Groli- 
torients in den rumanischen ententistischea r ag c s- 
feblattetn. In einem von HaB triefenden Vorwort zu dieser Kund 
feebunff des , Orient France" wurde Deutschland der Irrefuhrung der 
idffentlichen Memung in den neutralen Staaten beschuldigt, und behaup- 
tet Deutschland erfinde, liige und falschc und zwinge alte seine An stalten 
t dazu ebenfalls zu erfinden, zu lugen und zu falschen, „um die Verant- 
I'wortung die es mit seinen ,wurdigen' Verbiindeten, den Osterreichern 
W und Ungarn, tragt, auf diejenigen Volker abzuwalzen, .Twrfche die Zivili- 
tsation mit so viel Tapferkeit verteidigen'." Zugleich wurden die deut- 
I'schen Logenbruder in Rumanien der Mitwirkung an der Vorbereitung 
^der ^deutschen Hignerischen" Sache geziehen, der sie stch in Gemein- 
schaft mit dem deutschen Gesandten in Bukarest, v o a d e m B u s s c he , 
■sclmldig gemacht hatten . . . Infolge des feindhchen Benehmens des 
franzosischen Grofiorients gegenuber den deutschen Freimaurern wah- 
>-Tend des Weltkrieges loste sich am 18. Marz 1915 die bis her unter dem 
Protektorat des Pariser Grofiorients wirkende Loge „Le Travail in Buka- 
rest (Stuhlmeister Br.-. Theodor Rogalsky) vom Grand Orient de 
France" ah und stellte sich — unter gleichzeitiger Umanderung ihres 
Namens in „Zur Arbeit" — unter deutschen maurenschen Schutz ). _ 

Vom politischen Gesichtspunkte aus 1st zu sagen, dafi die jetzige 
rumanische Konigin als englische Prinzessin als die eigenthche Knegs- 
schiirerin am Bukarester Konigshofe gait. Nach der Londoner , Times 
stand derChefderfranzosischenMilitarmission (welche 
"' nach der militarischen Niederlage Rumaniens u. a. auch beim rumanischen 
Konigspaar in Jassy weilte), Br.-. General B erth e 1 ot , bei der ruma- 
nischen Konigin in besonderer Gunst 2 ). Auch der schweizensche Bun-, 
desprasident A d o r zeigte sich als ein besonderer Verehrer dieser „an- 
gebcteten Frau". Auch Herr Ador ist Br/. Freimaurer! 

Am 28 Juni 1918 stimmte die rumanische Kammer in J assy dem 
: Friedensvertragc des damaligen Ministerprasidenten M a r g h 1 1 o m an 
mit den Zentralmachten zu ; g e g e n den Friedensvcrtrag sprachrn die 
Abgeordr^ten Troncu, Vagcunesca, Codrucu Z , Corecnu, Cuza und Gene- 
ral Averescu. Wie weit diese Gegner der Mittelmachte Logenbrr - . sind 
oder der Loge nahe stehen (Brr. ■ . ohne Schurz und Kelle sind), wird 
die spatere Ge.chichtsschreibung vielleicht zu untersuchen Gelcgenheit 

nehmen. ,, - , , * a^ 

Zu beraerken ist, da0 schon die e r s t e M a 1 n u m m e r ip 1 4 der 

Zeitschrift „Heimdall" eine Rede des rumanischen Generals L o a n <i a 



») Die hier gemachten Angaben entsprecheu dem 'A^VV^oTrs* 1 Dei 



sonry", dem „Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei 
i-franzosischc Geist und die Freimaurerei", S. 8, 83/84 una , L ^ ] 
2 ) „Inf."-K^orrespondenz vom 6. Mai 19 18. 
Generalgottverneur des franzosisch gewOTdencn Meti. 



General Berth elot ist jetzt 



— 248 — 

{gegeniiber einem Mitarbeiter des Pester Blattes „A Nap") wiedergab, 
nach welcher das vom damaligen — und jetzigen — griechischen Minister- 
prasidenten Br.-. Venizelos und dem damaligen rumanischen Mi- 
nisterprasidenten Majorescu schon im Ernting 1913 gemeiti- 
sam vorbereitete griechisch-rumanisch-serbische. Bundnis sich gegen 
die Donau-Doppel- Monarchic richtete. Kommandieren- 
der General, Fliigeladjutant und einstiger Ministerprasident Co an da 
sagte zu An fang 1914: 

„Rum&men hat bereitt die nStigen Schri** unternommen, um . . . die rumanischen 
und serbischen Geschtttzfc nach Ungarn zu bring en und j e 11 e u (uugari- 
schen) Landesteil (Siebenburgen), ,der seit Jahrhuuderteii der unsere isi\ 
sich einzuvcrleibe n." 

Schon im Mai 19 14 also warnte ^HeimdaU" die Staatsmanner der 
Mittelstaaten vor diesem vom griechischen Diktator Br. ■ . Venizelos 
und dem Fliigeladjutanten des Rumanenkonigs abgekarteten Spiele. Die 
Mittelstaaten horten nicht! Sie achteten auch nicht auf die russische 
„Nowoje Wremja" vom Februar 1914, in welcher die Liquidierung 
der Monarchic Habsburg gewetssagt wurde : „Die Stunde fiir Buka- 
rest muB bald schlagen, der Sieg der rumanischen nationalen Idee scheint 
uns gewiB zu sein, falls die Rumanen sich eng den Slaven anschlieBcn." l ) 

Es darf endlich noch darauf hingewiescn werden, dafi der rumanischc 
Minister Br. -.Take Jonescu (einer der Haupttrager der rumanischen 
Kriegsfackel in die Lande der Mittelstaaten und besondcrs Vertrauter des 
deutschen Bolschafters in London Fiirsten Lichnowsky [!]) die 
rumanischen Anspriiche auf Mazedonien in seiner besonderen Weise gel- 
tend machte. Entgegen der Wahrheit behauptete er auf dem Londoner 
Friedenskongrefi 1913, daB in Mazedonien 400 000 ,,A r o m u n e n" — 
das sind Mazedo-Rumanen — wohnen, welche Ziffer der rumanischc 
Ackerbau minister F i 1 i p e s c o dann auf 500 000 erhohte, um Rumanien^ 
,,Aspirationen" auf mazedonische Gebiete decken zu konnen. 

Im gesamiert Mazedonien gibt es gegenwartig in Wirklichkeit — nach den 
Feststellungen des Mazedonien-Reisenden S i s („Mazedonien fi , Zurich, S. 81 nnd 
88) s ) — jedoch nur 58000 Mazedo-Rumanen (neben 996000 Eulgarcn, 
481 000 Tiirken, 333 400 Griechen, 130 000 Albanerh und etwa rSooooGemischt- 
volkischen, unter welch letzteren wierter zahllose „si«rbisicrte" Rulgaro- 
M a 2 e d o i] i s r , die durch die auch in Mazedonien betriebene jugoslavische Po 
litik fur die Intcressen Grofl-Serbieris fiir cine Zeitlang gewonnen wttrdcii). . 

*) Vgl, auch die „Zuricher Pof>f vom io. Juli 1919, Abcndausgabe: ,,Dcs Knc- 
ges schuldig?" 

*) Nach Sis, ..Mazedonien",, S. 72/73, „serbisierten" die Serben seit'1904 unter 
der Mithilfe der turkischen Regieruiig (I) und der russischen Konsulats 
behorden die in a 2 e d on i s c h e n Gebiete mit Hochdruck, Sic errichteten set- 
bische Schtden doFt, wo gar keine Serb en wohnten, und licferten den Kindern, 
die diese Schulen dann wirklich besuchten, kostenlos die diesen notwendige Nah- 
rung. Auch sonst wurde Propaganda mit den groflten Gcldmittcln betrieben, Die 
I*olgc war, dafi, wahrend es im Jahre 1900 nur 5000 „Serbo-Mazedoiiier" gab, man 
zehn Jahte s pater in Mazedonien schon 90000 serbisiorte „S e r - 
ben" (dank der eigenen Hilfe der turkischen Regierung!) zahien koimtc! 

Da wir hier noch einmal auf die groflserbische Propaganda gclenkt 
werden, durfen wir wiederholcn, dafl die sildslaviache GroBmachtsbewegung ein 
Werk der englischen Logenpolittk ist, geschehen zu dem Zwecke, die Russcn 
im Siiden Euro pas z\\ fcsscln (deshalb wurde Rutland die* OberherrschaTt 



— 249 - - 

Im Vordtjrgrunde der ramanischen Politik sahen wir allezeit die 
cntente-ergebenen Minister Jonel Bratianu Vintila Brat.anu, ™£» *»- 
tonescu Emil Konstantii.es.cu, Alexander Konstautinescu Dr. Anghelescu 
ffi£» und T a k e J o u e s c u. Take Joneseu besonders wurde 
im Z jS 1918 von den franzosischen staatsmannischen Logenbrudern 
P^incarV Clemenceau und Pichon in Audienz empfangen; 
nachher reisle er L^h i London weiter. Der liberale Minster Marzeseu 
"owe der f uVere Polizeiebef von Jassy wurden sdbst dutch , Havas - 
(r*/(6. August 19.8) der Annahtne von ..Sehmiergeldern von der bntenle 

als solches ist es J a auch n ' c h t , das sich m „iia 1 1 o Bukowina, 

mit dem Konig und ™.t B'atianul %'-,!„ G eheimv"tr ag vom August 
I4 . Februrrr 19 }9-) ^"^Knri^d utd RuBland Mbereits die Annexion de S g c - 
, 9 IS .wischen hran kreich England . » nd ^ stoBc „d=n Gebiete 

fiber daslndslavcntun, »g«.proctan). «m es v» ^n^^^**"--^ 
Perrien u S w.») ab ? nienken. In As.cn muflia Jf^ d Br Lord Curzona (vgl. 
nien S nach d«».™»« J^.^ ^'eSi^ I in Ma"edome„ (vgl. S. 13a) und in 
S. ISO) verwirklichenl bo scnurte aenn iiiuji . ^ d; G cw ahrung der 

Armenien (v«l. cbenda) und verlangt % \°" R ™*™ Ua£ ™ schon ein.russl- 
Suprematie auf dem li a Ik ar uj R^ « .Bland e,t ^ da2u g w) ohQe 

sche PoHtik nach den Wunsche„L.ng| ^.^ ^ Arme _ 

RuBlands 7-ustimmnng kann « i ja kern eflgl. scn« Afghanistan geben, 

nien-Mesopotam,en, Synen, Arabian bis ^alKUita, Gro6 fursten und M.t- 

33W d E "nfM^kSur h grrg^» ^.Brsten und 

ande'^e hohe Wu, dentrager" aur r .... « ^n?" na d, einem Aufsatz des Kopen- 
hage^Safder^kT^^ 

&£- "SnS^- *- V&S? bitten"^! nd "^f^.and eugleieb die 
mmSiseh? "SStaun. Perrien, (uud Afghanistans) bcchlossen. 



— 25° — 

dem selbst Br,', Take Jonescu den Konig mit recht pariamentariscber Liebens- 
wurdigkeit in offentlicher Versarnmlung einen „Affen und Lumpen" genannt, und 
mit Br.-. Averescu gemeinsam in dcr ,,Ligue constitutionelle" in „ccht bruderlicher 
Trcue" mif den Sturz dcr Dyiiastie hinstrcbt , . . 

Bemerkenswert ist noch, dafi die Begehrlichkeit der rumanischen 
Maurerpolitiker vonUngarn allein 26 Komitate fordert (wie der 
Ungar Dr. J. K o 1 1 a r i t s in Davos-Platz schreibt), darunter Bekes, 
wonur6oooRumanen, wohl abcr 2i900o(Jngarn leben ! Die 
begehrten rumanischen Komitate umfassen zusammen 2V2 M i 1 1 i o n e n 
Ungar n bei nur 43 % Rumanen gegen 57% Nicht-Ruminen. Des 
weiteren f order t das auch jetzt mit der Besetzung Budapests wieder 
billige Lorbeeren pflikkende Rumanien (laut „EuropapreB" vom 
9. August 1919) durch General Mardarescu ; Die Halfte des ungarischen 
Eisenbahnmaterials, dazu 200 Personen- und 400 Lastautos, $0% der un- 
garischen Maschinen und 30% des ungarischen Viehstandes, und die 
Halfte der ungarischen Schiffe, Ferner soil Ungarn an Rumanien ab- 
treten : 20000 Eisenbahnwagen voll Weizen, 5000 Waggons Gerste und 
Hafer und 10 000 Waggons Mais. Hatte das im Weltkriege doch ge- 
schlagcne Rumanien nicht noch mehr verdicnt — ?! 



Das engliscli orientierte Weltfreimaurcrtum konnte naturlich auch 
nicht an 

Bulgarien 

vortibergehen, ohnc dort affizierend zu wirken. In Bulgarien wird 
es jedoch erst infolge der Niederlage der Mittelmachte die Interessen der 
Entente voll zu wahrcn vennogen. 1898 bestand in Warna eine bulga- 
rische GroBloge mit acht Tochterlogen. 1882 und 1884 entstanden in 
Warna und Rustinck Tochterlogen des Rumanischen GroBorients; 18S3 
schuf der Italienische Groftorient die Loge in Rubtschuck, Portugiesische 
Orientlogen hatte Sofia und Rustschuck seit 1883. 

Die l'olitik des friiheren und vor Kriegsende erncut berufenen bulga- 
rischen Ministerprasidenten Malinow vom Januar 1908 bis Miirz 191 1 
wurde vom sclilesischen „Landeshuter Stadtblatt" als eine klassischc 
bezeichnet; erst unter MaKnows erstmaligem Nachfolger Geschow 1 ) 
seien die Bulgaren eine Zeitlang auf den Holzweg gefuhrt und in die 
Abhangigkeit der russischen Balkanpolitik 2 ), die Herr von Hartwig in 



*) Ex-Ministerprasident Geschow wie audi der bekannte butaarische Poh- 
tiker Dr. Da new waren besmulere Freunde des beruchtigten Brs/ . Karl Kr.i.- 
marsch, — Ivan. St Geschow ist mm seit Mitte August 1919 bulgarischer 
G e s a 11 d t e r iti der Schweiz, 

s ) 1909 wurde die „G r ii n d u n g" des seit dreiflig Jalircu \nn England ini 
Geheimen vorbcreitctcn ^Balkanbundes." offentheh „in Anssicht gonommen", und 
^war unter Fuhrung von Br.'. Karl Adamowitech Kramar.sch, Br.-. I _s w o 1 - 
sky und Stolypin; am 13. Marz 1912 wurde dieser Bund „verwirklicht fl . 
Kramarsch Maml in trnutem Verkehr mit deni Treimaurcrkonig Eduard V1L 
sowie mit Br,-. Sir Edw. Grey und in enger Beziehung zur maurcrischen North- 
cliffeschen Londoner „Timr_s'\ Und Sir Edward (Viscount) Grey war os r der 
Hcrni Kramarsch erklarte, „daB England an dem groflen Kricgc tdtnehmen 
werde" wic wir bereits S. 91 gezeigt hahen, 



— 25L — 
Belgrad vertrat (vgl. S. 85), gebracht worden. Die von ^^"^^ 

'"£ wird Minister R-adoslawow heute mitsamt der Mchrzahl seine, 
Kibinenc me dem Uruck der Entente ztir Aburte lung gebracht (sane 
unKcr Minister Veihaltung wurde bercite «rfugt, W .c ..TIavas am 

8 ' IZtl In'd^'proiete, wdcher infoi.e des vcrsucbten Attentates 
a u£ das Leben de S KMgs Ferdinand von Bulgarien in der Hauptstadt Sofia 

Sp, W<aBatairicn vor dem Weltkriege und wahrend desselben sich dcr 
Weltloee nkht gefugi? Z eigte, war B c i n U n t e r g a n g im Prograu.m 

gari^Ur I9 Bul g V ns ^chb^rnttrteilen. =) Dcnseiben P!an begte 
auch d" russische Minister Br.-. I B wolsky schon 1908 «1. er den 
serb '.cheu Ge«ndten Mil. Wesnittch (und Wes.itseh gehorte witde. 
zu d™ ulchtern i.ber die Mittelstaaten auf der Entente-.,* nedenskonfe 
renz" in Taris) gegenuber auflertc : 
..Wir (RaGland, wunsch™ nicht mdjr eia ^J^^^^t!^- 

tgi^r^T^T^ ssssr^-ch™ nic ht ****** 

getragen hat," 3 ; 
Der Zusammcnbruch Bulgariens wurdo letzterdiragsJoch auch den 
l«n genannten Miahstcrprasidenten Mal.now mrt in d.e Schuhc ge.choben. 

Erzhcrzog Franz Ferdinand und Koma Ferdinand, 
iqog in Di. Boghttichewitschs „Krtegsursachen . 



— 252 — 

„Die Umstande lassen vermuten", schrieben die „N. Zch. Nachr." am 
4. November 1918, „dafi 2wischen Malinow und der Entente es ohne 
Mitwisscn des Konigs Ferdinand zu Vereinbarungen kam", deren 
Ittzte Auswirkung, das Nachsuchen urn den bulgarischen Waffenstill- 
stand, nur noch die ,Dekoration' bildete . . ." 

Die dem bulgaiischen Konigreiche aufgezwnngenen „Friedensbedingungen" 
unterstellen Bulgarien vollstandig der Kontrolle der Entente, und damit auch der 
Kontrolle iiber die Erhebung von Stcuern und sonstigen Einkunftcn des Staates. 
Auflerdem hat Bulgarien eine Kriegsentschadigung von iVk Milliarden Fr. zu 
zahlen; diese Schuld mufJ bis zum 1. Januar 1958 begllchcn sein. Dazu kommen 
'die territorialen Verluste unter Einbufle auch der fiir Bulgarien unersetzlichen 
Tabakgebiete in Thrakien und Mazedonien und die Auslieferung einer groBen 
Zahl Viehherden sowie von 250000 Tonnen Kohlen an die Serben. Die inter- 
ailiierte Kontrollkommission, bestehend aus g r o fl b r 1 1 a rut i s c h e 11, franzo- 
sischen und italienischen Delegierten, wird in der Haupt&tadt Sofia installitrt 
Bulgarien darf zu den Sitzungen derselben einen Kommissar stellen, der „a»f 
Einladung hin" an den Sitzungen teilnehmen „kann" ( dort aber schweigen muB 
und nur auf Fr agen antworten wjrd . , . Zur ,,Aufrediterhaltung der Ordnung" 
wird Bulgarien hinfort eine Polizeitruppe von 20000 Mann — anstelle des bis- 
herigen obligatonschen Militardienstes — erlaubt. 

S o lebt sich auch hier wieder „das Recht der freien Kationen" unter dem 
allerheiligsten Sigill der Eingeweihten t dem „Siegel Salomos" (%£), aus — — . 



Polen. 

Bedeutsam ist die BUdung des Polen-Reiches, welche den Zweck hat, 
Deutschland durch ein mit seinen Fuhrem (wie dem Fretmaurcr Br.*. 
Ignacc Paderewski, jet2igen Prasidenten des Polniscben Minister- 
rats und polnischen Ministers der Auswartigen Angelegenheiten) der 
Entente ergebenes, von der Loge beherrschtes Land wie durch einen 
hohen Wall von Rutland abzutrennen und femzuhalten. Das ist konse- 
quent gehandelt, denn der Grundsatz der anglo-amerikanischen 
okkulten Fiihrung lautet : 

In RuBIand muB, damit das russische Volk sich entwickeln kann, der russische 
Staat verschwinden, denn in Ruflland mtissen sozialistische Experimente voll- 
ffihrt werden, die niemals in westlichen Landern vollfuhrt werden konnen. 

Diese sozialistischen Experimente — d. h. der Bolschewismus! -~ 
gehen unter der geheimen Leitung der englisch-amerikanischen Logon vor 
sich x ) (das wird veranschauUcht dttrch den Gebrauchfreimaure- * 



*) Eine der ratselhaftesten Personlichkeiten ist — nach den „Konstanzer Nach- 
richten" vom 8. September 1919 — der amerikaniscbe Millionar John de Kay, 
ein Vertreter der internationalen Hochfinanz. „Bald nach Anfang des Krieges 
Hefi er sich im SchloB Steitihof zu Luzern nicder. Obgleich ei- noch 1914 auf 
die groBartigste Weise in Kriegsmimition hatideitc, ist er . . . der Patron 
des internationalen Sozialisten-Kongresses geworden und hat 
Bucher geschrieben, in denen er die Hochfinanz mit flammendcr .Wut, aber Icidcr 
nur in Allgemeinheiten, angreift ..." — Der hier gemeinte Bcrucr Sozialiflten- 
KongreB wuBte nicht gcmig gegen die dcutsche Kricgfuhrung zu sagen (audi 
von deut&cher Seite her: so vom tschechisch-mosaischen Kautsky, der erst 
nach der deutschen November-Revolution 1918 „Deutscher" wurde und nun im 
detitschen Ministcrium sitzt und die Anklagefuhrung wider die kaiserlicb-deutsche 
Regierung leitet (I), wie vom elsassischen Reichstagsabgeordneten Grumbach 



— 253 - 

rischer Zeicbeu und Siegel im Bolschewismus, vie 
ihn der Schriftsteller Alfons Paquet [der Journalist der 1« rank :f utter 
Nachrichtcn"], der in RuBland wahrend des Kneges war, fcststellte.) ) 

„ aj" obsehon aber vcrbcliiedene seiner Delegierten durch una in Besitz unscre* 
AnkligeSerials wid.r die Weltireimaurerei gesetzt wcjden war,, beruhrte 

veiwaiideln .... enh von Loge> G roBkapitali & mus und Bolschewismus 

bezcSS auc do "o obc r in Berlin erfolgte Verhaftung des Morgja- 
Wrfters MoTchel Die bei diesem vorgefundenen Papiere besagen daB .Mo- 

dcsh™dcr toll unb q«cme neue deutsche Regierung zu - sturzen. B* 1 >t de„„ 

SS«k^9£ SHE 

si^T«* h ^gs- :? ■ .w^^a^,;*^ sj^Sn'T.s:"? 

5t e h"n- n p C ri'od a . ? "h a^»«n w"c die Ta^r^ci. usw .ie hr™orbr«ht«». 
Dic4 Schcusalc batten alles, was nicht ibrer Art svar, auf d.c Li.te der auf- 
^r 5 :Jfdn«o,n g eci sV ese, Z td ar „n t „a r 

nillBbcre.tvv.llig *." *: e h ^* d %^ humane ™in den Gemeindehausern gefu.lden . . .) 

W "t"n, V Z sc"tl Hum "vASn™ 3.1 h«r vo,.ct™cnen SoUtiKhen Za,™- 

, K nh™«*lW die Tatsaehc, daC der Bolschewismus .lurehaus k e , n e v,irk- 

che Volk bSngi.riK ist, sondcro nur vnn w e n , g e n getragen wird, d.c aber 

l!,,it ihrer Mcthodfn - allcs mit sich rciflcn. Im „Ncuen Lurpp.. (Zar.ch, 

Ok ui « -No nd'er S woist Rod. Schick aui die A nrffi htungen .fa»J*» 

Iswestija- vom 25. Marz »') hi'., yvonac h das e.genthehc & o» ,t •-R^» la - n ° 

,r ,m ogo bolschewistisehe P a r t e i mltslicder zahlte, was cinem F rozc.nto.iU vor. 

dtr h7bze°h„tel" bei .70 Millionen Einw,l,,.e,n 1eicl.ko.nm c. ' j;^"^ 

gibt es iiberhaupt nur etwa 314 000 emgeschnebenc rvommunisten in alien Landern 

*" S "ZcTnliilosophisch fiihrt der Bolschewismus sich au'f britische Gedanke,.- 

riru.1 zuruck insofern als die Idecnkompkxionen des gana und sar pngl.sch- 

mer.nni'scl. onenticrtc, Lenin (Ulianow-Zedeu.boom ist sen, w.rkl.cher 

Kan e) aus d r Newton-Darwin-Huxleyschen Weltanschauung urid au S dem kom- 



254 



Ein nur durch Deutschland moglicher, nichtmarxistisch-ortho- 
doxer, sondern lebendig weiter entwickelter gesunder Sozialis- 
mus soli nicht aufRuBland tibergreifen, — er darf es nicht, 
im Interessc der Log-en! Ruflland aber kann nur dann der Loge dauernd 
dienstbar werden, wenn das besonders geartete, der Welt-Loge nicht 
ergebene deutsche Volk zuvor erdruckt worden isti Und deshalb die 
seit vielen Jahren von England-Frankreich-RuBland betriebeneri Riistun- 
gen, denen die deutschen Riistungen notwendig folgen inufiten. Nur 
grobste Boswilligkeit oder einfaltigste Dummheit konnen sagen, dafi 
Deutschland rait den Riistungen begonnen habe; seit Freihcrr v. Stein 
fiihlte sich FreuBen-Deutschland immer in der Defensive, und noch 
r 9 i 3 war es der deutsche Kriegsminister v. Heeringen, der von der 
damaligen Webrvorlage drei Armeekorps strich und vor dem 
Reichstag behauptete, die also von ihm gekurzte Wehrvorlage geniige — 
trotz der damals drohenden Weltlage . . . 

Es Jassen sich hier noch einige weitere Feststellungcn festhalten. So 
wurde von interessierter Seite tendenzios in die Welt posaunt, dafi am 
5. Juli 1914 in Potsdam ein , r Kronrat t( getagt hatte, der den K r i e g 
beschlossen gehabt habe. Es haben jedoch gerade sole he Persdniich- 
keiten, die so foigenschwere Beschliisse hatten fassen konnen, an diesem 
„Kronrat" iiberhaupt nicht teilgenommen ! Das die Beschliisse 
des „Kronrats" wider besseres Wissen behauptende Extrablatt er- 
schiitterte zuerst in Petersburg, wohin sein Tnhalt schleunigst von inter- 
essierten Leuten telegraphiert worden war. Man wird diese Volker- 
vergifter wohl auch in den Reihen der Bruder der Weltloge, deren Tatig- 
keit sich ja gerade auf Geheimdiplomatie bezieht, zu suchen haben (man 
denke nur an Br.-. Jules Cambon, der ausdriicklich zum Zwecke der 
Auskundschaftung Deutschlands von Paris nach Berlin geschickt worden 
war!). Als dann diese Falschmeldung deutscherseits amtlich widerlegt 
worden war, da hatten es die Drahtzieher der Weltloge allerdings nicht 
eilig mit einem Dementi. Unbekannte Grofien vermochten es, zustande 
zu bringen, daB das offizielle Widerlegungs-Telegramm der deutschen 
Regieruug sechs Stunden in Berlin zuriickgehalten wurde, 
bevor es seinen Weg nach dem Zarenrekhe nahm!! Inzwischen abcr 
reiften die Schicksale in Petersburg heran, kunstlieh gesehiirt von Suchom- 
Iiiiow und Genosscn. Wie hatte aber iiberhaupt ein Kronrat am 5. Juli ■ 
1914 den Krieg beschliefien konnen, da doch der fur solchen Entschlufl 
unbedingt mitzusprechende Generalstabschef der deutschen Landheere, 
v. Moltke, in jener Stunde gar nicht in Deutschland weilte, sondern 
erst Ende Juli 1914 -vier Tage vor Kriegsausbruch ( !) — von 
langerem Kuraufenthalte im A u s 1 a n d e heimkehrte! 



mumstischen Dcnken des Engenders Robert Owen und dem britischen Char- 
tism us — auf dem besonderen Umwege iiber Avenarius, Mach (, T Die Mechanik 
in der Entwicklung") usw. zu Lenin — geboren sind; aofgepropft darauf ist die von 
Karl Marx in London gewonnene materialistUche Geschichtsauffassung, die 
sich verknupft mit der knmmunistischen Formel der VergesellschaEtung, in die dann 
noch die dem britischen Gefuhlsleben kongcnialen imperialistischen I m - 
p u 1 s e des Karl Marx einflossen. Daher auch der Bolschewismus matcrialistiscli- 
zanstisch auftritt und nichts neben sich dnldet. 



— ^55 — 

Dafi die Mittelstaaten einen Praventivkrieg hatten fuhren wol- 
len, wie von den Feinden des D e u t s c h t u m s und auch von sogenann- 
ten „Neutralen" (wie dem Schweizer Samuel Zur linden) unablassig 
behauptet wird, dieser Behauptung widerstreitet die Tatsache, da6 die 
deutschen Truppen im Felde bereits im September-Oktober 1 g 1 4 k e i n e 
Munition mehr hatten, und dafi noch zweiTage (!) vor der deut- 
schen Kriegserklarung an Rufiland der deutsche Generalstab von der Re- 
gierung aufgefordert warden war, 'seine Munitioiisbestellungen zu vcr- 
mindern! Dann aber stammte auch der deutsche Kriegsplan, der 1914 
nach Westen hin zur Durcbfiihrung zu bringen versucht wurde, von 
einem urn diese Zeit gar nicht mehr lebenden General, — ein Beweis 
mehr, wie wenig vorbereitet Deutschland den Krieg auf sich nahm, und 
wie leichtfertig jene handeln, die, ohne den Dingen auf den letzten Grund 
zu gehen, wider Deutschland die Feder fuhren! Aber es wollte ja 
Deutschland seine Ostgrenze auch bis auf neun Feld- und Reserve- 
divisionen entbloBen, wenn RuBland bereit war, seine Mobilisation zurikk- 
zuziehen. Doch Frankreich (im Bunde mit England) drang ja auf Krieg, 
hatte ,es doch (wie Graf Moutgelas in der November-Nummer der 
„Friedenswarte" sagt) seine Wehrpflichtigen im F r i e d e n schon bis 
zu 75% in Dienst gestellt (die deutsche Friedensstarke betrug nur 52 
bis $$% seines Heeresbcstandes). Was aber tat Deutschland gerade 
gegeniiber diesem Frankreich noch im selben Juli 1914, als es an- 
geblich im „Kronrat" den Weltkrieg beschloB? Es fiihrte im Juli 
1914 (wie Grofiadmiral Tirpitz in seinen ? ,Erinnerungen" mittcilt) noch 
ganz erhebliche Mengen B r o t g e t r e i d e — die es doch im Kriegsf alle 
selber so notig brauchte wie den ebenfalls fchlenden Salpeter und wie 
das fehlende Kupfer und andere zur Munitions- und Warren erzeugung 
mangelnde Metalle — nach Frankreich aus! — Man kaim aus all 
dem ableiten, daB ganz andere Beweggriinde als „Deutschlands Kriegs- 
schuld" zu den erneuten Erpressungen der Entente fuhren (die 
Entente beraubt Deutschland neuerdings um ftinf Schiffe der Hamburg- 
Amerika-Lime und der Kosmos-Kompagnic, sowie um 400000 Tonnen 
an Docks, Krahnen, Schleppern und Bagger n, womit sie nach Ansicht 
der Hamburger Reeder und des deutschen Seefahrtsausschusses die 
deutsche Wirtschaftsfuhrung zur See endgultig unmoglich macht ... 
D a r u m aber handclt es sich eben gerade, dafi der deutsche Geist 
nirgends einen Ankniipfungs- und Betatigungspunkt mehr finde . . 

Durch die „Wiener Enthullungen" des Dr. Goos (siche S. 51) in den 
Vordergrund des oftentlichen Iuteresses geschoben, erweist sicn der frii- 
here osterreichische Finanzminister Dr. B i 1 i n s k i t ein Pole, als 
Kriegsbegunstiger und Kriegstreiber . . . Heute ist dieser sclbe B i 1 i n s k i 
Finanzminister des polnischen Staates und Stellvertretcr 
Br. *. P a d e r e w s k i s! Noch manch dunkles Ratsel wird zu loscn sein, 
bevor alle die geheimen Faden, die zum Weltkriegc und zur heutigen 
Aufteilung der Welt gefiihrt haben, entwirrt sind. Tatsache ist, dafl 
Graf Berchtold einer der unfahigsten Kopfe im osterreich-ungarischen 
Ministerium zur Zeit der serbischen Krise war, — und ein Angstmcier 
dazu, Aus Furcht drangte er seinen Kaiser wider Serbien . . . Und 



— 256 — 

Wiihelm II. besafi keine Kraft zu wirkticher Initiative, wie neuerdings 
wieder Grofladmiral Tirpitz nachweist. Europaische Finanzkon- 
sortien abcr schiirften urn Vorteile auf dem Balkan, unterstiitzt auch 
vom Kroaten (Br. • . ?) Muslin, von K r o b a t i n und anderen, die 
ihre besonderen fl nationalen Aspirationen" im Schilde fiihrten. 

In bczug auf die polnische Propaganda ist von der „War- 
schauer Zeitung" Ende Juli 1917 festgestellt worden, daft die „Pil- 
sudski-Org-anisationen" im Konigreich Poicn infolge 
ausdrucklicher Weisung ihrer Leitung in der Form .cities Geheim- 
b u n d e s ihre Spitze gegen D e u t s c h 1 a n d zu kehren haben, „Sie 
waren im Begriffe, einen verborgenen Staat im Staate zu bilden." ') 
Nach der „S. T. I." vom 17. September 1917 hatten die Warschauer 
Freimaurer im Winter 1917 ihre Vertreter nach der Schweiz ent- 
sendet, urn dort mit den franzosischen Maurerdelegierten 
zu unterhandeln. Von den franzosischen Masonnisten sei iangst den 
Pol en der Weg bis nach Danzig (die Annexion Deutschpolens und deut- 
schen Landes im Sinne der englisch-russisch-polmschen Politik Milju- 
kows!) in Aussicht gestellt worden dafiir, da0 sie den Ausbau Polens 
im Sinne der Mittelmachte und die Bildung einer polnisch-nationalen 
mittelmachtefreundlichen Armee verhinderten. P i 1 s u d s k i und den 
polnischen Oppositionsparteien seien daftir aus den Ententestaaten grofle 
Geldsummen zur Verfiigung gestellt worden. Nach der „Deutschen Po- 
litik" 1917, S. 1134, fand im April 1917 zu L o n d o n eine Konferenz 
mit polnischen Fuhrern statt : mit Graf Plater Syberg, Graf 
Zamoyski und Seyda behufs Forderung der groBpolnischen Plane. 

Pilsudski war der eigentliche Schopfer der , .polnischen Legionen" und 
auch cine Zeitlang (unter der deutsch-osterreichischen Okkupation) 
Staatsratsmitglied in dem von Deutschland und Osterreich geschaffenen 
neuen Konigreich Polen. Er wurde dann unter dem Verdachte, mittel- 
machtefeindliche Politik getrieben zu haben, in Haft genommen. Bis 
zum Ende des Juli 191 7 durften mit ihm an die siebzig und mehr Mit- 
schuldige bezw. Mitverdachtige gefanglich eingezogen gewesen seim 
Soskowski, der Stabschef der ersten Brigade der ^polnischen Legion", 
wurde unter polizeiliche Aufsicht gestellt. („Neue Ztircher Ztg." vom 
27. Juli 1917.) 

Infolge erneuter Unzutraglichkeiten innerhalb der polnischen Legio- 
nen wurden dieselben schlieBIich — der „Gaseta Ludova" zufolge, wieder- 
gegeben in den „Neuen Zurclier Nachr." vom 5. April 1918 — wegen 
Auflehnung-, Gehorsamsvei*weigerung und Fahnenflucht ganzlich aufge- 
lost und eine Zeitlang in Ungarn interniert. Auch sah sich die deutsche 
Regierung: (nach dem gleichen Zurcher Blatte vom 31. Mai 1918) ge- 
zwungen, den aus Ruflland zuriickgekehrten Fuhrer der polnischen Na- 
tionaldemokratie Wladislaus Grab ski wegen ententistischer Agitation 



.- > Die endgultigeu I- eststellungen zu machen, wird der Zukunft uberlassen 
bleiben. Tatsachhch wissen wir, daB viele fuhrende polnische Geister der Welt- 
loge zugehorten und daB in Czernowitz in der Bukowina eine italienischc 
i^oge tagte unter Br.-. Benno Straucher als Meister vom Stuhl. 



— 257 — 

an einen Ort zu verweisem wo er seinen politischen mittelmachtefeind- 
liclfen Umtrieben nicht weiter obliegen konnte. 

Nach den ententefreundlichen „Wei£en Blattern" von 1916, S. 264, 
sagte der franzosische Freimaurer Br. ■ . Clemenceau in dem „H° mme 
libre" : „In Wahrheit ist eine Wieder herstellung Polens nuf 
unter der Agide Rufilands moglich . . ." Und auf S. 265 
Her WeiBen Blatter" fand sich' der Satz : „Die Zukunft Polens 1st eme 
europaische Frage von auBerster Wichtigkeit. Mit ihrer Losung sind 
tiefelnteressen derAlliierten verkntipft" Dem schloB stch 
eine Aufierung der Londoner „Morning Post" an (die den „i\euen 
Ziirch. Nachr." am 1. Juli 1918 aus Rotterdam gedrahtet wurde): 
,A11e wahren Freunde Polens mussen sich gefreut haben uber die Erklarung 
' der Westmachte, daB sie den Versuch machen wollen, em u n a b h a n - 
giges Polen mit freiem Aus gang zur See bei Danzig (I) zu 
schaffen . . B 6 h in e n konnte mit einem solchen Nachbarn wieder an Seine 
Freiheit* denker, W i r fur unsern Teil sind fur die Wiederaufnchtung Polens 
auch aus dem Grunde, well wir sie fiir em bntisches Interest halten. Sic 
wurde ... die Macht PreuBens schwachen . . ,' 
* Nun veroffentlichtc in der Tat der interalliierte Kriegsrat zu Ver- 
sailles am 3 Juni 1918 den Entschlufi zur Schaffung: ernes polnischen 
Staates mit einem freien Ausgang zum Meer und die 
Friedensbedingungen" sagen .-das ubrige! Dagegen protestierte schon 
der neugebildete litauische Staat unterm 9. Juni i 9 i8.darch sein 
Lausanner Bureau wie auch durch seinen offiziellen litauischen National 
rat indem beide darauf hinwiesen, daB solches Verhalten der Entente der 
volkischen Gerechtigkeit ins Gesicht schlage" und „in keiner Weise dem 
von der Entente proklamierten Selbstbestimmungsrecht der Volker ent- 
spreche . . ." 

Seit dem Erscheiucn der ersten Auflage uiiseres Buches ist noch ein Wenigcs 
iiber die mauretische Politik und Wuhlarbeit in Polen nachzutragen Der deutsch- 
polnisch-ententistische Renegat Haller drohte dam, ; das den M « ;?» d " 
.demokratischen" (das ^Selbstbestimmungsrecht der Volker zum ,Priazw er- 
ebendenl) Entente-Maurer-Weltfriedens-Regierung Wilson-Uoyd George-Cle- 
menceau zugesicherte Danzig und Schlesien „mit dem Schwerte in der Hand 
"u nenmen „Ich wcrde den Kampf nicht emstellen", sagte der .Deutsche 
Ilaller bis sich Polen wieder vom Baltischen bis zum Schwarzen Meere er- 
streckt"" 1 ) - Cln Mittelschlesien [Kreis Guhrau] will die Entente, wed sie die 
Eisenbahnlinie Rawitsch-Lissa den Polen z»ge S prochen hatte, auch all die lau- 
sende Deutschcr dleser Gegendcn einfach zwangsweise polmsierenj 

Indem AuRcnbHcke, als die verraterischen Polen sich off en jnit der Entente 
vereinigen konnten, und unter dem Zepter P i 1 s u d s k . s den Polnischen Reichs- 
tag schnfeu, erkla^e dieser Trager der Weltlogenpolitik m seiner Parlamcnts- 
Erbffnungsrcdc: 

„Die Hehte Seite in unseren auswartigen Beziehungen biidet die ^ wachsende =In- 
timitat der Beziehungen unserer Freundschaft mit den Reichen der Entente. 
Ti^fe Sympathie verband s c h o n f rah er Polen mit der demokratischcn Welt 

*) Vgh die Weltpohtischen Nachrichten'' von Hans Rhane Zurich (15. Mai 
1919) -Die giofite Ausdehnung hatte Polen our im 14.- 16. Jahrlmndtrt als « 
eh e Million Quadratkilomcter und 35 Millionen v 1 e 1 s p r a .c h 11 ge Einwplmer 
uiSfaBte Nach J 57 2 zersctzte sich Polen infolge spuchworthcher „polni«her 
Wirtscha£t" Zu keiner Zeit war aber Tolen groC durch em Zusammen^ 
streben seiner Volker, sondem es war .mr .,grafl" durch die harte Gewalt 
seiner Fiirstcu und tcines ubermhehtigen Adels. 

Heise, Ktitente-FreimaurLTuf. II. I" 



™ 258 — 

Europas und Amerikas . , . Diese Sympathie verstarkte sich noch, als die ruhm- 
rekheri Armeen der verbiindeten (Entente-) Heere die lefczte Macht tinwrer 
,Bedrucker' zerschmetterten . . ." ') 

Wie die Blatter vom 26. Mai 1919 berichteten, verhandelte der „Virtuose" und 
Ministerprasidcnt von Polen Br. - - Ignace Paderewski stundenlang mit 
Woodrow Wilson und Oberst House in Paris, um Amerikas Zustimmung (!) fiir 
den ,,Krieg Polens" zu erlangen. Diescr Krieg Paderewskis wollte sich aber 
nicht nur gegen die nun waffenlosen Deutschen und Deutschosterreicher, sondern 
auch gegen die — „stammesbruderlichen :t Tschechen richten, mit denen man sich 
um die „Fellc der getoteten Lowen" nicht einigen kann (Teschener Gebiet usw.X 
Dazu kormte sich nun aber Wilson, der gefeierte „Nationalheld Jugoslaviens" s ), 
doch nicht gut verstehen als „Friedenssouveran der Welt". „Es crforderte (des- 
halb) den groflten Druck auf Paderewski, um ihn zur vorlaufigen Ein- 
stellung der Feindseligkeiten gegen die Tschechen zu bewegen." — Unterm 
16. August 1919 druckten Wiener Blatter dem mahrisch-schlesischen „Dennek" 
nach, daB in der Umgebung Teschens bereits 60000 Polen mit schwerer Artil- 
lerie gegen die Tschechen bercit gestellt scienl*) Im Februar 1919 waren bereits 
100 000 Mann polnischer Truppcn (so viel wie Deutschland in Zukunft noch 
Polizeitruppen unterhalten darf!) mobilisiert. Bereits auch annektierten die 
Polen in den deutschen Gebieten fur ihre Armeen 10 000 deutsche Lokomotucn 
und 55000 deutsche Eisenbahnwagen! — 

Nach der frankfurter Zeitung" wird der von der Weltloge geschaffene 
Polenstaat 30 Millionen Menschen umfassen, wahrend die uber die 
ganze Erde vertetlte polnische Bevdlkerung nur 15—18 Millionen ausmacht! 
Mit Hilfe der „amerikanischen Goldkugeln" 4 ) wurde auch dieses neuc Imperia- 
listenreich geschaffen , . . 

Inzwischen macht die gewaltsame Polnisierung des deutschen. Ostens Riescn- 
schntte. Alle deutschen Einrichtungen werden aufgehoben oder sind es schon. 
Die deutschen Zeitungen (vorab die „Posener Zeitung") wurden in polnische Blat- 
ter verwandelt oder gingen ein. Das polnische Polizeiprasidium in Poseu verbot 
den Druck und Verkauf deutscher Zeitungen wie auch den Druck von Familien- 
anzeigen in deutscher Sprache. Der „Schweiz. Lehrerzeitung" zufolge wurden auf 
ErlaB vom 28. Marz 1919 hin mehr denn tausend deutsche Lehrer aus der seitheri- 
gen Provinz Posen ausgewiesen. Dazu verliert jeder Deutsche, der an irgend einem 
Orte des nunmehrigen Polen wohnt, laut Art. 89 bezw. 91 der )> Friedens"-Bedingun- 
gen seine deutsche Nationality, oder er wird — davongejagt . . . 

So sucht, um mit- Goethe im „G6tz" zu reden, die Bosheit keinc 
Grunde, — sondern nur Ursachen! 



Die Tschecho-Slowakei. 

„Sch]imm ist die Welt, t,ie muB zu- 
grunde geh'n, wenn man muB scttweigend 
sotche Ranke seh'n — " 

(Shakespeare in „K6nig Richard III."} 

Das richtige Verstandnis fiir den Zusammenbruch Osterreich-Ungarns 
gewinnt man erst, wenn man unterriehtet ist uber das besondere Wirken 
eines Mannes, der wegen schwersten Hochverrats zum Tode verurteilt, 

] ) „Neuc Ziircher Zeitung" Nr. 270, 1919. 

a ) So genannt in den „Nctien Ziircher Nachrichten" vom 16. Mai 1919. 

8 ) Der Pariser (J Friedensrat" sprach den Polen das 2282 Quadratkilomcter 
umfassende Teschener Gebiet (seithcr dsterreichisch) zu. Rund ein Drittel 
desselben ist Wakl, 47^% ist Ackerboden. 5657 industrielle Unternehmungen 
brachten Gewinn. Der Bergbau war bislang in deutschen Handen und be- 
schaftigte 30000 Angestellte in 48 Betrieben (Forderung von Kohle und Eisen- 
erz; 191 1 wurden 8M Millionen Tonnen Kohle gefordert). 

4 ) Vgl. „Nene Ziircher Nachrichteu" vom 19. Dezember 19 iS. 



- 259 — 

vom (ietzt in der Schweiz in der Verbannung lebenden) Kaiser Karl von 
, Osterreich-Ungarn aber begnadigt und in Freihe.t gesetzt wurde ^a- 
tionalrat Wichtl in Wien hat ein besonderes Buch uber diesen Mann, der 
• nun Mitglied der „Friedenskonferenz" in Pans ist, geschriebcn und 
"einerA^usfuhrungen den Titel gegeben: „Karl Kramarsch, der wahre 
Ansrifter des Weltkrieges." 1st auch manches in d.esem Buchczwe fel- 
ios liber das Ziel hinausgescbossen, so bleibt doch erschreckend viel an 
Erschutterndcm darin an den Fersen Karl Kram arschs bangen, so daB 
Karl AbraraowitschKramarschin lange histonsche Zukunft 
hinein als der damouische Geist im Verhangnis der Donaumonarch.e gel- 

"Tar'l Kramarsch (Charles Kramar), Ex-Reichsratsmitglied und 
gewesener osterreich-ungarischer wie schon verflossener t 5 chechisch ; slo- 
wakischer Ministerprasident, gehort dem lranzosischen ..Groflonent als 
Br.-. Maurer an. Diese seine Zugehorigkeit zum F "'™"% b »^' "f" 
nete ihm alle Tore der Welt und gab semen, besonderen Strebersinn 
nach politischem Vorrang den erwunschten Klang. M.t ailen bedeut^den 
Fuhrern der Ententelander war er intim verbunden : mit Br Komg 
Eduard VII, mit Br.-. C 1 e m e n c e a u ') mit Br.- Delcasse 
(dem Raehegeist Frankreiehs), mit dem Fariser Sorbonne-ProfesE .or .Br^ - 
Ernst Denis (dem Herausgeber der „Nat.on Fscheque m Paris und 
kut .PetitVisien" vom 20. Oktober 1918 Kandidaten auf den tsehe- 
chiscnen Prasidentenstuhl!), mit dem ehapaligen Prasidenten der rus- 
sisehen Duma Gutsehkow, mit dem russisehen General Radko 
Dimitriew, mit # den serbisehen politisehen Wurdentragem Brn. • . 
Paschitsch und Jo wan o wi t s c h , mit den bekannten franzosi- 
schen Pol t kern Brn. . L e r o y und Andre C h e r a d a m e mi Pras.- 
dent Woodrow Wilson 2 ) (dessen Sehwester den nationalistische 
Propaganda trelbenden Tschechenprofessor Kubelka in Boston zum 
Manne hat und in Amerika die politische Pro P ag_anda von einer M.lhon 
Tschecho-Slowaken beeinfluBt) und vielen, vielen anderen maurenscheu 
Personlichkeiten der Entente, welche samt und senders die von Karl 
Kramarsch und Professor Thomas Gangue M 3. s a r y k betr ebenen 
jungtschechischen Bestrebungen forderten. Bc « e i u "? en I u " t % 1, ' e l* p B ^- 
Kramarsch aueh zum sehweiz. Regierungs- und Nationalrat, Berner Ei- 
dehungsdirektor und Direktor des Internal. Frirfen.buie.iu Dr. Albert 
Go bat in Genf. Wahrend den D e u t s e h e n Osterreich-Ungarns jeg- 
licher imperialistischer Impuls a b g e h t -) , trugen Kra- 
marsch und Masaryk den imperialistischen Irapuls hmem in das 



eines englischen Wattes und Hhnlich den Satzcn in emtr Lutcntcaniwo 
".Yiij^r. and okkulte Bedenhmg des Wor.t« i ,.I -n V .« .ri« im^ht nl Icl it 



■*#., 

■^ 



— 260 — 

Tschechenvol^k durch die Sokolverbande und Narodna-Od- 
b r a 11^. - Briaderschaften 1 ). Diese Biinde wurden im Geheimen so orga- 
nisiert, daB sie im gegebenen Augenblick nur „umzuschalten" brauchten 
und als ein geordnetes Hecr ini Weltkriege sofort auch gegen ihrc eige- 
nen Donaustammlande das Gewehr erhoben und die Kanone aufpflanzten. 
Besonders darauf geschult, waren sie — als osterreich-ungariscbe 
Soldatcn — jederzeit bereit zur Desertion, Insubordination und zum 
Cbertritt in feindliche Heere. Dies erklart uns, wie gleich in den Boden 
gesaten Drachenzahnen und daraus auferwachsenen Titanenheeren ur- 
plotzlich Massenheere in Ententelandern auftauchten und selber die 
Mittelstaaten angririen. An der russischen, franzosischen 
und i t al i s c h e n Front kampften die tschechischen Stofitruppen der 
„Sussitsclika druzina" und „Tscheska druzina". 200 000 tschechische 
,,Sokolen" (von denen im Februar 1919 70000 in Prag zuriickerwartel 
wurden) waren nach der ^Independence Tscheque" 2 ) infolge der'Kra- 
marschschen Propaganda durch Desertation und gegen Vorweis von legi- 
timierenden „Sokol"-Dokumenten ailein in russische freiwillige Ge- 
fangenschaft gegangen; auf die gleiche Weise waren 20000 tschechische 
Soldaten zu den Serben ubergelaufen, um mit den serbischcn Heeren 
gegen Osterreich zu streiten. Bei der Verhaftung dcs zum Tode ver* 
urteilten, aber begnadeten Hocbverraters und crsten tschecho-slowaki- 
schen Ministerprasidenten Kramarsch 5 ) wurden nicht weniger als 

x ) Die „0 chrana"- Briiderschaft war zunachst die Maske fur die „0 ra I a - 
d i n a ", aus der heraus wie al& Fortsetzung'die „Nai(jdna Odbrana" ent- 
stand. Dcren gebeimes Zeremoniell entstammte den geheimen Gescllschaften aus 
der Peripherie Mitteleuropas in der Mitte des 19. Jahrhunderts und 
richtete sich u. a. auch gegen die edle Natur des Michael Obrenowitsch, 
wider den die serbische Intelligenz unter dem russenfreundlichen Joh. R i s t i t s c h 
intrigierte. Die Organisation der „Omladina" drang ebenso in die serbischen 
Kreise ein, Beziehungen zu den Karageorgewitsches schaffend, "wie sic B 6 h in e n 
und Ungarn omfaBte. Am 10. Juni 1866 wurdc Michael Obrenowitsch ermordet 
dtircb Straflinge, die vera ungarischen Bankier des damaligen Karageorge- 
witsch bezahlt waren. Ende tier Siebziger Jahre erfolgte dann in Genf die Grun- 
dung der von uns sclion erwahnten „Bruderschait der Zehn", der auch Br.*. 
Paschitsch angehbrte. Das Programm dieser „Bruderschaft der Zehn" umfaBte 
von 1883— 1887 nicht weniger ais 364 P o 1 i t i s c h e Morde m Serbien. (1903 
fielen auch Konig Alexander und dessen „GeIiebte" Draga Maschin dieser 
Sippschaft zum Opfer, — Draga, nachdem sie 1886 der M Bniderschaft der Zehn" 
als Werkzeug gedient hatte und dafur von dieser „Zehn" aus niedercni Stande 
bis zur Konigin enipor „lancicrt' c worden war,) ~ Soviel ist sicher, dafl das 
tschechische Volk an sich — obschon es viele Jahrzehnte lang etgcn-nMtionale 
Interessen in den Vordergnmd stctlte, aus sich doch weder "bbswillig noch 
russenfreundlich (im Sinne Kramarsch usw.) war. Aber mit dem Sturz des Zareu- 
tums gcwaim die russenfreundliche Gesinnung irn ganzen Tschechentum die 
Obcrhand- Ohne die durchschlageude Agitation in den Sokol- und Odbrana- 
bunden durch die Brr.-. Kramar&ch, Masaryk und deren Genossen ware daher nie- 
mals cine solch maBlose tschechische Verraterei in Osterreich aufgekommen, wie 
sie der Krieg nachher gezeitigt hat. Hinter allem standen die J.ogen, und wo 
deren Brr. 1 . nicht selber schiirten, da zcrsetzten sic durch grofikapitalistiscb- 
binterwaldMche Transaktionen vcr&chiedcucr Art die Don.iumonarcbie. Osterrcich- 
Ungarn (und and; Dcutschland) waren die Wcrkzeuge fur gewisse von den 
Entcntelogcn nnsichtbar preschobene groflfinanzielle Spekulationen, deren Ergeb- 
nis der Wettkrieg wurde mit all seiner Unstimme von Betiug und Vcrrat 

2 ) Wichtl, a. a. O. S. 95. 

3 ) Infolge politischer MiDerfolge in der neuen tschecho-slowakischen Republik 



— 261 — 

35 K i s t e n diesen Jungtschecbenfiihrer kompromittierende Dokumente 
seitens der osterreichischen Regierung beschlagnahmt. Zweihundert poh- 
tische Zeitungen in aller Welt waren der Beeinflus&ung durch Karl 
Kramarsch unterworfen »). Da Br. ■ . Kramarsch 30- bis 4 ofacher M1IU0- 
nar ist standen seinen Goldkugeln, die seinem personheben pohtischen 
Strebertum dienten, zahllose Redaktionen ofxen. Viel arbeitcte Kramarsch 
in geheimer Chififerschrift. Seine Frau, die in RuBland beheimatete 
Multimillionarin Nadine Aprikosow-Chludow erschlofi ihm viele 
Pforten im Zarenreiche; am Z a r e n h o f e war Br." . Kramarsch em oft 
gesehener Gast a ). In der Krim, in Barbo, hatte er seinen Palast. Im mittel- 
europaischen Sokolbunde, der sich iiber alle Staaten Mitteleuropas ver- 
breitete (und demzufolge auch iiber Deutschland!), lenkte Br.-. Kramarsch 
schon im Jahre 1908 in 1195 Vereinen (davon 162 in Posen!) 111000 
Sokols" und deren endlosen Anhang nach seinem Willen. 

DerTschecho-slowakischeNationalrat („Narodm rada 
tscheska"), den Br.-. Kramarsch und Professor Br.-. Masaryk gemein- 
sam leiteten und der seinen Sitz in P a r i s hatte, bestand schon urns Jahr 
1900 ist also durchaus nicht erst eine Schopfung der Knegsjahre. Im 
Jahre 1906 gab die „Auswartige Sektion" des tschechischen Nationalrates 
ein umfa^sendes Programm heraus, gegliedert in Abteilungen fur die Pro- 
paganda in slavischen, romanischen, angelsachsischen, g e r m a n 11 s c hen 
und orientalischen Landen. Auch die Lausitzer „Sorben" (vgl. S. 155/50) 
wurden besonders in dieser aufreizenden Bearbeitung eingesponnen Laut 
„Dresdener Anzeiger" vom 23. Dezember 1918 wollten die Tschechen 
denn auch in d e n deutschen Gebieten, wo „Wenden" (vgl. S. 156) woh- 
nen Annexionen vornehmen. — Eine grofie tschechische Zentrale 1st in 
Wi'en tatig. (In der ersten Sitzung [5. Marz 1919] der deutsclvoster- 
reichischen Nationalversammlung in Wien erklarte der Tscheche 
Dvorak in ebenso anmaflender als verlogener Weise, er sei der e 1 n - 
zige tschecho-slowakische Vertreter im neuen osterreichischen Staate, 
„obgleich jeder fiinfte Einwohncr Wiens tschecho-slowakischcr Ab- 
stammung sei".) * ' . 

Professor Thomas G. M a s a r y k , ein geborener Slowak, „der bedeu- 

muBte -Br.-. Kramarsch als Ministenirasident bercits wieder zuriicktreten 
Tussar nimiut nun seini, Stelle ein. - Obwohl Br.'. Kramarsch selbst durch 
Begnadigung dem Hcnkerbeile cntrann, scheint es nicht, da0 er fur die Attentater 
Louis Sta,stny und Wladimar Gregor, die ihn selbst wegen politischer 
'Unfahigkeit und Verrat nm tschechischen Proletariat bese.t.gen wollten tin ver- 
teidigendes Wort hat. Stastny erhielt vom Prager Gencht am 28. Juni acht Jahre, 
Gregor vier jahre schweren Kerker ztidiktkrt.. ■> -j 4. *- 

In d^r tschechischen Republik als Minister- oder gar Landesprasident furs 
erste ..crledigt", winkt dem jetzt in seinem Pariser SchloB wiedcr wcilenden, 
kiirzlich aus „Dcnikin-XluBland" zuriickgekchrten Kr.-. Kramarsch cntweder die 
reptiblikaniacherusfiische Minister prasidentscbaftswurde odcr auch das 
Prasidium dep zu bildenden monarch istischen ruasischen Mmisterratea. 
Die burgerlichen Zeitungen in Rufiland begruflen (wie „EuropapreJi vom 4. Nov. 
19 19 sagt) den Br.'. Kramarsch bereits als einen Kussen, ..biiitcr dem die polity 
schen und militariPchen (cntentistischen) Kreise RuBlands stehen . 

») Die Zeitung „Karodna Listy" wurde filr 2 Millionen Kronen von den 
„Sokols" zugunsten Kramarsclis angekauft, r „,.. r 

s ) „Die Gchcimnisse des Kabinetts stecken sich gerne m die Fslten dcs Weiber- 
rocks , . ." sagt Schiller im „Fiesko". 



— 262 — 

tendste politische und wissenschaftliche Kopf der Tscbechcn" (wie Eugen 
Diederichs x ) 1913 noch iiber Br. ■ . Masaryk schricb!), ist jetzt tschechisch- 
slowakischer Landesprasidcnt 2 ), wahrend Br.-. Karl Kramarsch den 
MinisterprasidentensesseL mit Beginn der neuen Republik fur eine Zeitlang 
ubernahm (bis er sich in seiner Fuhrung als unfabig envies). Masaryk 
arbeitete mit franzosischem Rcgierungsgelde und mit Goldkugeln, die ihm 
von einem orleanistischen Prinzen, der gerne tschechischcr Konig gewor- 
den ware, zugeflossen waren. Auch gab Masaryk (laut „Neuen Ziircher 
Naehr." vom 24. Dezember 191 8) zu, da8 auch amerikanische und 
russischc Goldkugeln in die tschechische Propagandakasse gerollt 
waren. Indem er wahrend des Krieges (und auch schon frtiher) fort- 
gesetzt in Ententelanden weilte, stand er — ebenso wie Br.-. Kramarsch 
— allezeit mit den Brr. - . Maurern der Ententestaaten in regster Verbin- 
dung. Daher auch der Ausspruch des Br. * . Benes — des tschcchischen 
Delegicrten auf der St. Germaincr Friedenskonferenz — in der tschechi- 
schen Nationalversammlung vom 2. Oktober 1919, dafi „die Alliierten fur 
kein Land resp. fur keinen der europaischen Klcinstaaten so grofie S y m - 
p a t h i e n batten wie fur die Tschecho-Slowakei!", wie es in der offiziel- 
len Kundmachung durch das Tschechischc Pressebureau hieB. — Die in 
Rufiland gegen das Lenin-Regiment arbeitenden Geheimagenten Kerens- 
kyscher, Sawinkowscher 3 ) und Dserjinskyscher Farbung, wie die An- 
hanger Terestschenkos und Br.-. Iswolskys (des verstorbenen „heim- 
tuckischen Nagers") unterstiitzte Masaryk in deren erneuten Umwal- 
zungsbestrebungen zugunsten der freimaurerischen Weltherrschaft in 
Ruliland. Dafl zugleich judisch-maurerisches Kapital den Bolsche- 
w i s t e n aller Lander zufliefit, ist ein offenes Geheimms. Denn gerade 
durch das Chaos gelangt die verjudete Ententef reimaurerei zur ersehn- 
ten alleinigen — Wcltmacht. Indem sie die Aufwicgter jeglicher Obser- 
vanz zunachst begunstigt, macht sie sich dieselben tributpflichtig, und 
wenn die also geschaffenen Revolutionen dann miSgliicken, was ja immer 
eintritt, dann ubcrnimmt die We 1 1 1 g e das frciwerdende Welterbe . . . 
Von den osterreichischen Sozialisten gehorten bezw. genorcn zur Loge die 
Brr.-. Dr. Viktor Adler, Dr. Ellenbogen, Perncrstorfer, Schuhmeier, 
Seitz. — 

*) In Diederichs Verlag m Jena crschicn ciu groAt* zwcibandiges Werk von 
Br.-. Masaryk: „RuBland mid Europa", in welchem der grofltschechische Autor . 
das Slaven- und Russtntum und das Problem der Revolution bchandelt. 

a ) Das im Dienste der Weltfreimatirerci und der „Alliauce Israelite" stehende 
Bureau Reuter vcrkuudete schon am 5. Oktober 1918, dafi Br.-. Masaryk auch 
President des „Slavischen-Bundes der europaischen Staatca vom Baltischen Meerc 
bis zum Schwarzen und" Adriatischen Meere" geworden sci, „welcher Bund 
Deutschland den Weg nach dem Osten Mr alle Zeit vcrsperren werde". 

3 ) Die „Neueii Zurch. Nadir." vom 8. Juti 1918 (Abend blatt) namiten Sawm- 
kow, den friiheriMi russischen Kricgsminister unter dem judischen MinUter-Advo- 
kateii Kerensky, als den Leiter der Ententcbcstrebungcu in Moskau. -- „Inf." 
verbreitete am 9. Jul: 1918 die Meldung, Sawinkow gelioie zu den Mimncrn, die an 
der Bluttat gcgeu den deutschen Gesandtcn in Petersburg — von Mirbach — 
beteiligt waren. Sawinkow feci auch der Morder des 1914 crscuossenen russischen 
Ministers Plchwe gcwesen. Damals entkam er nach Paris. Mit Ausbruch der 
Revolution im Marz 1917 ging Sawinkow nach Petersburg znruck und gewann gro- 
Ben EinfltiB auf Kerensky, den er in das Lager der Entente lenktc. 



— 263 — 
EUenbogcn isV i^t Uuterstaatssekretar, Seitz ist jeUt PrWdcnt im St.ats- 
^nSttelle sei noch erwahnt, dafl die franzosischen, engiischen 

Edua^V'lI. de ^roVten F^aurers de r Welt", -terreich^nga 
j^auaros vn., u« „ b Felix K o p e t z k v aus der Zelinica- 

^r e f .uMn'r 1 & J^™^\°«™ weltk ff s h de ^ M a t 

Iter vw StuM der Loge „Goethe" in Wien (erne. ^Berhch »ch als 

humanitaxer Vereh," gebenden ^»^ b h u jf e V^ r o p . K a n d a . 
Wie weit die landesverratensche t s c h e c U t s c I. e i _ i o i ^ hJ 

aufhellen. I" vorzuglicher Weise haben es <he mrt Br ^ J^^ 

zu fubrcn. Am 24. Januar i9 l / ,luu { . {h Ercebenhe its- 

Urmjcten d« Mi«e JsUaten en ts eh, e ^ D.e , Wl a^^ ^^ 
Enintaegi.rung.n in London und Pjn, usw .m W ul. 9 .8 unter 

,) Man v^lrichc danjit die Meldung d ; , ^C J-^ -- -^^^b^ 
welcher w die Ententc-D.plomaten imt alien KUtte In die f ordern „ vlc ^ 

reich-Ungarns in der form riner Don u ^ Fr eund der Jesuitcn, wilder attf 
leicht erhebt die Entente aber ^n Un 7 e " n ^ ternat J ionalen Einen Fuh- 
den Thron, wenn er sich nur den Anordnungen dc r „ F { skh v Jelleicht 

rung" anbe q uemt. Aber daruber ^f K f^^ s St ein Franz F c r - 
rlcn geringsten Kummer machen. Der "^^-^ " |eich unb eHebt! Wahrscbe.n- 
dinand ; letztercr war bei Maurern und Je, «i«n. g J" c " Slaventnms durch 

lichhatte Franz Ferdinand intuit ,v d.e . gwjhgc ™™£™*% ?V in der Tat, die 
das Deutschtum als gutes Ziel erkaiint JJenn aas^ u ^ des Qstens. Diese 

Brucke z W ischen dem Ge.st des Westcns. u ^ fer Zuku nft den lsachseu 



— 264 — 

rat ') in den Handen der Englander, Franzosen, Tschechen und 
Japaner ist und noch immer von Ententetruppen iiberflutet ist. Die 
?J Vossische Zeitung" schrieb unterm 9. Juli 1918, dafi die Bolschewiki im 
Besitz einwandfreier Dokumente seien, aus denen hervorgeht, dafi die 
gesamte gegenrevolutfonare, weitverzweigte Organisation in RuBland 
unter der Agide der Entente geschaffen wurde. Ein russischer Volks- 
kommissar der Bolschewiki habe in einer Petersburger Arbeiterversamm- 
lung schon vor langerer Zeit den Nachwcis erbracht, dafi die russische 
(Kerensky-Iswolskysche) Gegenrevolution von England 
allein vierzig Millionen Rubel Gel d u n t e r s t it t z u n g 
e r h i e 1 1. Dieser Meldung vorausgehend, wurde nach einer Wolff-Depe- 
sche vom 5. Juli 19*8 in der russischen bolschewistischen „Prawda" darauf 
hingewiesen, dafi die tschechischen Kommunisten in ihrem eigenen 
Organ „Pukopnik Swobodi" erklart hatten, die franzosische Re- 
g i e r u n g hafie fur die Aktien der tschecho-slowaki schen 
Garde e 1 f Millionen Rubel a ) und die e n g 1 i s c h e Regierung fiir den 
gleichen Zweck 3600000 Rubel nebst Kriegsmaterial geopfert! Die Be- 
weise dafiir seien den Bolschewisten bei der Auflosung des tschecho- 
slowakischenNationalkomiteesin Moskau in die Hande 
gef alien. — Und wieder schrieb das maurerisch-offiziose Bureau „H a - 
v a s", unterm 8. Juli 1918, Kerensky habe sich dem Ausfrager der 
^Associated Prefl" gegenuber dahin geaufiert, daB die Ermordung 
des deutschen Gesandten v. Mirbach am 6. Juli „ein gliickliches Er- 
eigni's" sei, und daB er sich daruberfreue ! B ) 

l ) Nach einem ErlaG der Bolschewikiregieruug (den Wolff am 6. Juli 1918 vet- 
bffentlichte) ging u. a. der Vorsitzende des bolschewistischen Murman-Sovjcts, 
Jurjew, zu den En^landern iiber und verriet so die Saclie der Bolschewisten. 

9 ) Zu die=en 1 1 Millionen kornmen — wie Paul Mistral in der „Hum&nite" 
feststellte und das Zurcher „Volksrecht" vom 29. Juni wiedergibt — noch die 
IS Milliarden, die Frankreich schon im zaristischen Ruflland angelegt 
hat, kein Wunder, dafi es immer neue Millionen attf die alten hauft, um die letzte- 
ren mit den ersteren zu retten! Aber der Staatsbankerott wird in gewisser Wetse 
nicht aufzuhalten sein: er wird gqrade da mit kornmen, daB Deutsch^and das 
Messer an die Gurgel gesetzt wird: im Verbluten Deutschiands stirbt auch Frank- 
reich dahin. und die „russischen" Hoffnungen werden sich als e 1 1 e 1 erweisen. 

■) Graf Mirbach, der deutsche Botschafter bei der bolschewistischen Lenin- 
Regierung in Rufiland, wurde am 6. Juli 191S von der ententetreuen Partes der 
russischen Gegenrevolutionare durch ein Attentat ermordet. Und so wie Graf 
Mirbachs Ermordung von Janger Hand vorbereitet scneint, so war dies auch bet 
dem Attentat auf den Erzherzog Franz Ferdinand der Fall. Spaterhin wurden 
n eu e A 1 1 e n t a t e veriibt: an dem deutschen Fel dm arse hall von Eichhorn 
und seinem Adjutanten Hauptmann von DreBler, die sich auf ukrainischem Boden 
— in Kiew — befanden, wie an dem ukrainischen deutscbfreundlichen Verkehrs- 
minister Boutenko. Nach den seitberigen Feststellungen handelte es skh wieder 
um von der Entente angezettelte Komplotte: der Morder Eichhorns und Drefilers, 
der sich Eoris Doneskio nannte, gab vor, von der sozial-revolutionaren, 
d. i. gegenr evolutionary Partei in Moskau „beauftragt f< worden zu sein, die 
Bombe zu werfen Die Attentate abe r alle, angefangen mit den Sueskanal-Opfern 
CS. 98) und mit dem hollandischen Qbersten Thomson (Fiirst Wieds Freund) und 
fortgefiihrt mit dem miBlungenen Attentat des britischen Botschafters F i n d 1 ay in 
Cbrisiiania (der heute noch in Amt und Ehren sitzt, also nicht abberufen wurde!) 
gegen den der Knegsjustiz verfallenen Trlander Roger Casement (vgl. S. 134) 
bis zu den Attentaten wider den Kontg von Griechenland, den Konig von Bulga- 



_ 265 - 

V„n A r c h a n g e 1 s k - vom Weifien Meere - aus hatten nach dem 
neben 14600 Englandern, 5000 Amenkanern ^ 50 F™* ao* ^33 

rien7w^Rasputiu u S w,usw., ^^^&$£&$»El WeUlo^ ' 
sadistischer Verblendung in ^r &«chichte der tt^ B P iat endHch n0 ch «.i 

Zur Ermordung des Geueralfeldmarschalls E c n o ^ Attejltats 

bemerken, daB der freimaurensche M^ in ^^^ und Eichhorn 
(29. Juli) vielsagend schrieb: „A u f d i e K opie ^v u u Preise 

find vom Geheimbund der • tj k rj in m h e n ^ ; F at 8) 

a u s g e s e t z t;(v g l. die .f'^^^^^^S' dafi die „Norddeut S che AU- 

Bei dieser Gelegenheit wollen wir "«h amugen, dk E n u n d e r m r emen 
gemeine Z« ? ng" -term 20 Jim. ^\b e jcht ^ dafi^ ^.^^ n {yt]ft F , ank . 
AnachUg auf die Person des _D e u t sc he n a ; a L) die p rimie von e , n e r 

reichs Loge anno siebzig auf den Kopi Kaise r «»"" ^ Mark at] f die 

M fill 0* Mark, auf die Vermchtung .ernes U n *Y"^S{S n | ^ u r Meuterei 50O0O 
S P engung von WerkanUgen^oaooo Mark^ auf d« Anjtf^Sl! augsetzten (wie 
Mark und fur allgememe Yerbrechen Pram J™ e v n on N S chr j chtendicns t und den frjn- 

konnte). , hrachte u a folgende Details vom Zusamnicji- 

Division und das 12 kroaftsche Ulanerregtmerg ' b5bmische Landwehr- 
die kroati schen Regmienter ^16 und «r. 11^ « ^ ^ er klarten, 

regiment Nr. 30 und das si oweni & * h J £*™Z™ r zn pollen, und zogen sich, 
nicht gegen die Englander und ^^^^^^Ty^i^en das kroa- 
anstatt vorzugehen, zuruck. Mit £ersttD«i b a h 01 i s C h e Regimenter 

t i s c h e Inf anteneregiment Nr 78 «nd 1 we« Regimenter Ny. 96 

die Front. Zu gleicher Zeit °* ^Vc h e c h 1 s c h e n Abteilungen den Italic 
und 135 im Einvernehmen mit tschecniscnc 



— 266 — 

poral Storch und Smarda verrieten als Uberlaufer zur italienischen 
Tschechen-Legion den osterreichischen Signaldienst am Gardasee, eben- 
falls sich bei weiterer Kundschaftung der osterreichischen Uniformen be- 
dienend (vgl. „Neue Ziircher Nachr." vom 29. Juli 1918 und 14. August 
1918). In Paris bildete sich unter Mitwirkung von Dr. Benos, dem 
tschecho-slowakischen Aktionssekretar, die fur die Westfront von der 
Entente benotigten Armee. Beim zum Tode verurteilten und dann be- 
gnadigten tschechiscben Abgeordneten Kramarsch fanden sich Pa- 
piere vor, deren Inhalte sich mit den Ententczielen deckten. Der Hoch- 
verrater T r u m i t s c li vcrsuchte, die osterreichische K r a i n in die 
Hande der Entente zu spielen. Das Organ der Ukrainer Regierung in 
Kiew („Kiewskaja Mysl <( ) schrieb — nach der Wiener „Neuen Freien 
Presse" vom 1. Juli 19 18 — , daB der tschecho-slavische Auf stand in Rut- 
land von einer in Cbarbin in der Ukraine stationierten Ententeregierung 
(England?) aus geleitet werde. Aus Stockholm erfuhr der Hberal-moder- 
ntstisch-freimaurerische „Corrierc della Sera", dafi in der Ukraine ein 
von einem ruseischen Offizier gelciteter politischer Geheimbund 
gegen die Miltelmachte aufwiegle. Die „N. Ziirch. Nachr." vom 2-/4. Juli 
1918, die diesc Meldung wiedergaben, fiigten hinzu, da£ die ukrainisch- 
slavische Verschworung- wider die Zentralmachte ihren Hauptsitz in 
der Schweiz habe und ,,sehr gerissene Leute" in ihrer Leitung sich 
befanden. (Ob der groBrussische Metropolit Eulogius, der zu diesen 
Kreisen Beziehungen hat, auch Br.-. Maurer ist?) An der Spitze dieses 



11 c r n die Front am siidlichen Fltigel bei Stmo di Livenza, wahrend sla- 
vische Marschformationen bej Udine meuterten. So war es auch in Tirol, 
wo die kroatischen Landwehrregimenter Nr. 25 und 26 und das zweite b o ft - 
nischc Regiment vor Beginn des Kampfes erklarten, nicht gegen die Fran- 
zoscn und Engender zu kampfen, und gegen Toblach abmarsclnerten. (, t Zurcher 
Post" vom 10. Januar 1919.) 

Die j,Narodni List/", das Rlatt des Brs.-, Karl Kramarsch, enthullte selber 
nach der „K6h]. Zeitung" mit Wollust das ganze System des tschecliischen Sy- 
stems: „A 1 1 u s wurdc vcrraten, Truppenbewegungcn, Mu nit ions, trans- 
pose, strategische Plane, die wirtschaftliche Lage, Stimmimgcn bei Hofe, Mi- 
nisterbriefc, militarische Geheimbefeiile, StatthaltereierUsse, Waffenbestellungen, 
belatischte Telephongesprache, die BorsenUge, ganze Seiten aus Notizbuchern 
osterreichischer Minister. Diese Dlnge gingen in Geheimschrift liber die Grenze, 
die Originale in den Drahten der Regenschirme, in Einbanden der Bticher, im 
Griff des Stockes, als Inhalt der Knopfe oder mit jmsichtbarer Tinte auf seidene 
Unterrocke einer Opernsangerin geschrieben oder emmontiert in die Kolben einer 
Ma&chinc. Gegenuber der osterreichischen Bestie war alles erlaubt. Tschechische 
Arzte begannen in schrecklicher Menge Blinddarmoperationen vorzunehmen. Er- 
krankte Soldaten konnten nicht gesnnd gemacht werden, die Spitaler waren ge- 
steckt voll, auf den Kliniken wurden Soldaten beobachtet, deren Krankheiten 
ratselhaft 11 nd unerforschlich waren. Auf den StraBen in Prag wimmelte es von 
Kruppeln, denen die Militararzte absolut nicht helfcn konnten. Unternehmungen 
reklamierten &\n Lente aus dem Militardien&t, ob sie sie brauchen konnten oder 
nicht.* Burgermeister, Fabrikanten, alles reklamierte, was es nur konnte. Als der 
osterreichische Staat Metalle brauchtc und sammelte, bekam er am wenigsten aus 
Bbhmen. Die Kriegsanleihc-n wurden nicht gezeichnet, und wer es tun muBte, 
trachtete, diesc Papierc so schnell wie moglich wieder los zu werden. Mit einem 
Worte: auf alles, was Osterreich von semen Volkerti wollte, antwortete tmser Volk 
mit einem einmutigen Ncin!" (Br.-. Kramarsch selbst, das MitgHed des 
osterreichischen Reichsrates, das MitgHed des „Grand Orient von 
Frankreic h", hatte alles dies eingefadelt und bewirkt.) 



— 267 — 

Geheimbundes stunden der ehemalige nusische Geschaftstrager in Bern 
B i b ik o 1 1 der fruherc Chef der russischen Gehe.mpol.ze! in Wien (.) 
n^ i„,tko« und ein eewisser Stepanowsky. 

Als am 24 Mai T918 die Ittliener den dritten Jahrestag ihres Knegs- 
J ™ "teiern veranlaflt warden, fand ein Extra-Festprogramm im 
Teo Argentina in Rom statt, an dem hauptsachlic^ , dje F~er- 
Terbinde , g Dante Alighieri", ..CorJU r.tre, ,,^»fa ""fr'dfnt 
Latina'; glanzten Nach den F..««ten to ^^^ £and 

Mittelstaaten) eine Rede auf die „F r e , h e 1 1 d r 1 s c h e 
Slaoel liefl Orlando schloB in maunscher Pointe . 

-r ■ f <stranhurff W a r s c h a u und F r a g . - . 

Ir E^are « ^ch interessant zu er f ahre n wie w* -oh. der 

daB die Tsehechen « d d ****»£* tmi ch«en in Ver ■ 

VermUtelung des Abg . Stanek mi l a « d Ge l cgen heit nocl. 

bindunggestandei, liaben V\ir moc«n we lchcs am 

das „Sehwcizerische Kathohsche ^™**'"*" H Thu a 't der Maurer- 
2Q . November , 9I 8 «hr,«b : ,, « g a n d i^ die H em. ^^^^ 

l-rj^r, L^aYblelct'o^rse.'nc Sy^oHsche GroB- 
loge", welche 1893 gej-riindet warden war. 

" ^Vn alte, Zcit, vor der ..Itrfianislcrung", ^ - ^ Udi " e ' ^^ "" 

dcutschfs „^ r fide u" 



— 268 — 

Wa« slnd nun die eigentlichen Forderungen des tschechischen Imperialism™? 
Zunachst — laut dem den Deutschen aufgezwungenen Friedensvertrag — jener Teil 
Deutsch-Schlesiens in der Odergegend, der die weiteti Gebiete von Ratibor- 
Leobschiitz-Katscher usw. bis riach Osterreichisch-Troppau umfaflt. 95% der Ein- 
wohner dieser Gebiete erklarten in einer P r o b e abstlmmung ihren Verbleib bei 
Deutschland! Die von Br,*, Kramarsch gcfiihrten Tschechen hatten aber gern 
noch mehr. Die ^Easier Nationalzeitung" schneb unterm 25. November 1918 aus 
Frag: „Die Prager Buchhandlungen verkaufen bereits Landkarten des 
tschecho-slowakischen Staates mit Grenzen, welche am 3. Oktober in Paris 
zwischen der Entente und dem tschechischen Nationalrat 
vereinbart wurden. Hiernach. wurden von Deutschland auBcr dem 
Glazer Kes.sel ein Stuck des schlesischen Iser- und Riesen- 
gebirges, das Waldenburgergebiet, Salzbrunn und Landes- 
hut, endlich ein Stuck Preufiisch-Schlesien nordostlich von Troppau, an 
den tschechischen Staat fallen." Ganz so weit ist es ja nun in Wirklichkeit nicht 
gekommen, die Mer erwahnte tschechische Landkartc verrat aber den Plan, der 
urspriinglich ausgedacht war und der sich durchaus mit unserer Geheimkarte deckt. 
Immerhm gewinnen die von Kramarsch und Masaryk geleiteten Tschechen das 
deutsche Siedlungsgebiet Bohmens (14 496 Qra mit 2 230 290 Elnwoh- 
nern), das sogenannte „Deutschb6hmen' f , wontir 5,2% Tschechen wohneu 
und zu dem die Badeorte Karlsbad (17446 Deutsche, 95 Tschechen), Ma- 
rie n b a d (6279 Deutsche, 3 Tschechen), l'ranzensbad (2539 Deutsche, k e i n 
Tschechel), Teplitz (26277 Deutsche, 3089 Tschechen), sowie die freie Reichs- 
stadt Eger (26682 Deutsche, 130 Tschechen), die Elbehaienstadt Aussig 
($g 301 Deutsche, 2042 Tschechen). Ferner streichen sic ein das Sudetenland, 
wo nur 3,7% Tschechen wohnen, mit den Orten Jagerndorf (16 681 Deutsche, 
247 Tschechen), Mahrisch-Schonberg(i3 329 Deutsche, 353 Tschechen) und 
Romerstadt (5018 Deutsche, kein Tschechel). Noch weiter beziehen &ie ein 
in „thr" Gebiet: Die deutsche Industriestadt Briinn, deren Bluhen ausschlieBlich 
den Deutschen zu danken i?t, mit 127000 Einwohnern (wovon 85 000 Deutsche), die 
alte deutsche Stadt Olmutz mit 66% deutscher Bevolkerung, Bdtimisch-Leipa 
(70 507 Deutsche, 2180 Tschechen) usw. usw. Von Ungam nehmen die Tschechen 
17 Komitate an sich, darunter mehrere, in denen die ungarische Bevolkerung iiber- 
wiegt, u. a. Nograd (150000 Ungam, 60 Slowaken), Abany (120000 Ungam, 
50000 Slowaken), Pr^fiburg (32000 Deutsche, 31 000 Ungam, 11 000 Slowaken). 
Dabei werden die 2% Millionen in Betracht kommenden Slowaken gar nicht 
selbstandig, sondern kommen unter die Fuchtel der Jungtschechen, 
und die dem Tschechenstaat einzuverleibenden» mehr denn 4 Millionen Deutschen 
(embegriffen lH Millionen Deutschungarn), sowie die fast 4 Millionen zu tschechi- 
sierenden Magyaren wurden in Paris-Versaillcs-St Germain von W ilson- Clemen - 
ceau-Lloyd George-Orlando-Kmmarsch einfach als ..Beute" erklart, — als „Kriees- 
beute"! 1 ) Zu alicm obendrein wurde den Deutsch-Osterreichern von Tschechien 
aus die Lebensmittetzufuhr unterbunden und zahlreiche Deutsche in die ncue 
tschecho-slowakische Armee ohne Gnade und ohne Recht cingerciht, ganz ab- 
gesehen von den sonstigen 2ahllosen Greueltatcn an der deutschen Bevolkerung 
Deutsch bohmens, Mahrens und Ungarns (Ermordung von 140 Personen in FreUburg 
durch die tschechisqjhe Invasionsarmee usw.). — Seft Jahren schon forderten die 
Tschechen Vorarlberg, Salzburg und die siidlich der Donau gelege- 
nen Teile Niedcr-undOberbsterreichs, Nach den Angaben des zuruck- 
getretenert Staatssekretars der deutschbsterreichischen Republik B a it c r siud - 
zwei Funftel Deutschbsterreichsder Fremdherrschaftpreis- 
g e g e b e n und Ungarn wurde cbenfalls urn das Selbstbestimmungsrecht be- 
trogen G,Zfiricher Post" Nr. 330 vom 23. Juli 19J9). 

In Brtix brachten es die Tschechen bei den letzten Gemeindcwahlen nur ,-uif 6 
von 36 Sitzen, in Obeileutcnsdorf auf 7 von 34 und in Klostergrab auf 7 von ,30 
Gemeinderatsstuhleii. Es hilft nichts, — „der Deutsche m u i3 zu Kreuz'\ 



l ) Den Tschechen (wie den in Berlin herumlaufenden Franzosen) gelteu 
darum die Deutschen nur noch als ^deutsche Schweine" (porci tedesci). Vgl. 
die „Neuen Zurch. Nachr." vom 17. Dezember 1918 und ag.-Korrespondenz der 
Tagesblatter vom n. Juli 1919. 



— 269 — 

lust fast samtlicher Industrie* des ^itherigen ostcrr c Porze ll ^Industrie, 

der BaumwolK Schafwo 1- ^\^^^ t ^ und Postlinien t 

der Zuckerfabrikatton und der ^em, S chen I^str.e n J ■ h ^ Bank hat zU 

- an die Tschechen, Polen und Serben Dl ^°^ e rre bei Deutach i aild - an die 

li^uidieren^). ZahUose . ^^erherden smd ^- w^ 1 Uei woilir das 

Entente und an das /^ d ^^ e ' c > h - (W es bereits genannt wird) mit ein paar 
hungernde ..Klein-Dcutsch-Osterre.ch (wie ^ es b™» « t ^^ geutsch- 

Buchaen Kondensmdch ,J°^« ^"^^/"wiedergutinachung alter Schaden, 
dsterreich hat sich - wie ^"^"^^Xhtin, obschon seine Mitte zu emem 
die der Entente entstanden f nd ;* u ^. r g " Dabei wird der U m r e c h nu ngs - 
solchen Schadenersatz unz S»™lich »md ). D atoei * ^ d|e Deut h . 

schliissd 1 ) fur d.e Schulden d ^ L » ades so u g tatsachlichen S chu den 
bsterreicher doppelt so v el zah e J «g^ tBch5&terreicher in den ubrigen 
betragenl Alle V e r m o g e , we Jchc di weu zUf EinJeIehuns a „ die 

^^^bezr^^ere^et^ A u s f u h r Deutschbsterr.chs 

" , Der VizeWler , ink «b ^^^^jf^^W^ffi 
le«t€ - laut n Ziiricher Post" vom 6. August 19 19 in _ erre i c h-ungarischen Bank 
difVorderungen der En tent , auf L^ati^^ os^jcj ^ Ruin ^ 
den soiortigen Staatsbankerot j™ Hunderttausende 

wirtschaftlichen Institutionen und ^nZusamme n br uc u t fi c h 6 s t e r r e i c h s 
von Einzelexistenzen, sow.e den staatl Chen rU ^.^ Qrd 

(der aber doch im Logenplmli^O. bowm ^ a wohn enden Kapitalisten »nd 
ia diesem Staatswesen jedeut J; r ^ S lovak" S ch-potni S ch-jugoslavischen NatiOQal- 
ein groUer Teil in den jetzigen t^^^^XVVSb^n durfen von der Liquidation 
TJz* heimatberechtigt; die Vermoge^ ^^^ K ^ 6l!teirtkh beinahe alle 
a-ber nicht " ! a J V ««mte SiSsschSd der ehemaligen Donaumonarchie 
Kriegslasten und iast die geaamte ^ r eg ^. c f f e U ' G uneesclloren - als Tschechen - 
iibernehmen. Und die ^ K E^yn^d^n^^T ^ ^ K ^_ 

au f ihren GeldsScken B it«n, ^ on zu g r er ^ t S ' d ^ Kriegsnot Osterreich-Ungarns 
marsch aiigewie&cn worden waren, zur z,«l 

Kriegsanleihe nicht zu z e 1 chn n . Entente haben sich 

>) Infolge der A ash « ,1, ger u «« fat e r«.chs dure ve rdoppelt. 

d.e TodesfHle infolge Tuberkulose m W «n vo ^ Menschen m c h r als 

Und von 1915 bis 1918 ***?*** 3 le ^wie n « SiSglinge nahm der Todyswl 
geboren wurden. Ein Drittcl alier w A igiQ y.zeburger- 

wegen Milchmangel zu sich. b ° lch ". ^r 1 _ ls er 1 bei ihnen weilend — den 
Lister Winter von \V.en zu den Jurchern als e ^ Schw ^ z 

Dank Wiens tur die Versorgung d «. Wl ^ r . .™h zfthlte die Wiener Kranken- 

dre,fiig Jahren jede wirtschaf ^ c ^^n% ^ ^i^^^hvilA von 8000 
fordere auf den Kopf der ^^l™" Vlte der Presse mit, dafl Deutsch- 
Kro^nen • Staaf anzUr K ^ tcilte d.^ ^^ Machtbereich „ 

°^"n B^^oVk^ung'drei Funftel gjbiiBc ^ ? August I9L , 

•) Staatskanzler R c nn e r Mgte nach de r. Zurch" Fo« Schweiz: f)Un d 

z . cinem Zurcher Literaten ^«hJ^ hl ^X Schuster einTscheche 

der UinrechnungsschlusseH Wenn mein t> ™ ei J*g , d 3500 Kronen zahlen. E,ne 

^rden, muBte 350 Millionen zuruckzahlen. 



— 270 — 

wird dadurcli verhindert, dafl der Republik Deutschosterreich jegliche Melstbegim- 
stigung verweigert wird, wogegen Deutschosterreich seinerseits gezwungen 
wird, den Entente- und slavischen Neustaaten gegenuber die Meistbegiinstigung 
in Handel und Industrie zu gewabreti! Neben der Kriegsflotte tritt Oster- 
reich seine Handelsflottc am alien seinen Kliissen an die Alliierfen 
ab. Die Donauschiffahrt und die Donauiibergange sollen von Grofibritan- 
nicn, f lankieich, Italien und Rumanien kontrolliert warden. Deutschosterreich. 
hat ferncr ?\\ verzichten auf alle seine seitherigen Rechtc als Sta;it in den inter- 
nationale-h Etrhtsangelegenheiten, sowohl was die mternationalen als finan7iellcn 
und wirtsclmftlichen Verhaltnisse betrifft Dagegen hat Deutschosterreich den 
Handel der Alliierten gegen Konkurrenz zu schutzenl 

Wie weit bei all diesen Oktroyierungen Deutschosterreich ,>d«r englisch- 
sprechenden Welt' 1 verf alien ist, geht aus der Reuterdepesche voin 12. August 
1919 hcrvor. 1m britischen Unterhause erklarte (laut Reuter) Br.' . Minister 
Chamberlain, daB Deutschosterreich, um die notwendigsten Lebensmittel zu 
erlangen, alle seine iremden Goldwerte, sein Bauholz, -seine Salzmirten, ja seine 
St&dte mitsamt der Hauptstadt Wien, und dazu noch seine offentlichen Dienste 
an GroBbritannien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika „und an das dritte 
Nahmngsmittel liefernde Land" verpfandet 1 ) habel Noch vollkommcner konnte 
die ,,britisch sprechende Logenwelt" ihre Weltstiprematie-Ziele nicht bloBlegcnt* 
Durch die Blatter gjng im Juli und Oktober 1919 ein Anfsatz eines Angehbrigen 
der amerikanischen Hoover-Kommissiou, der das bohniische Erzgebirge besucht 
hatte und dort Gemeinden mit 90% rhachitischen Kindern, bowie Kinjahrige fand, 
die weniger wogen als bei ihrer Geburt. Schwarzcr Kaffee-Ersatz, aus Heu be- 
reitet, und Hafeneis war die tagliche Nahmng vieler Dorfbewohn^r. Anderc 
.batten nicht cinmal Wassersuppe, geschweige Brot Wieder andere afien W«r- 
zeln und wurmiges Sauerkraut, das fur Schweine zti schlecht war. Zahllose Men- 
schcri gingen ohnc Henid herum, nackt auf Stroh schliefen viele . . . Am 30. No- 
vember 1919 uoch schrieb Prof. Feilbogen in die Schwcizerzeitungen, dafl, sAs 
Italien — als der einzig lirlfsbcrcite Ententestaat — 30 000 Tonncn Getreide in 
Triest zur Abfuhr fur Deutschosterreich bereit stellte, die notwendige Zustimmung 
des Obersten (Logen-) Rates in Paris nicht zu erlangen war , , . In Oderberg 
stauen sich die fiir Wien bestimrnten Kohlenzuge, weil die Tschechen die Loko- 
motiven sabottieren lassen. Mittlerweile erfrieren in Wjen die Sauglinge in den 
Spitalern und es steht, wic man uns schreibt, sogar die Sperrung der Wiener 
Kliniken wegen KoMenmangeU bevor. Inzwischen aber kaufen Hie Tschechen 
dank des f) Umrechnungssch]ussels" die Wiener Hauser, die vordem devttschen 
Biirgern gehoiten, fur billtges Papiergeld auf, und verwandeln so das vieltausend- 
jahrige Nibelungenland in slavisches Erb und Eigen So wandelte auch — laut 
Wiener ,,Arbeiterzeitung" — ein tschechischer Kaufmann durch mehrmalige „Um- 
drehung" seines „Kronenschlussels" sein ehedem kleines Vermogen von 200 00O 
Wiener Kronen in kiiizester Zeit in 2700000 tschechischc Kronen um, fiir die 



*) Das wohl miserabelste Verstandnis fur Sozialpolitik verrat der Munchener 
„Arbeiterrat" Dr. Otto Neurath in seinem „Gesellschaftstechnischen Gutachten" 
vom 25. Januar 1919? in dem er (laut ,,Soziale Zukunft" des „Sclrweizer Bundes 
fiir soziale Dreigliederung", mig, Heft 2, S. 38) sagt: „. . . Wenn einmal die Sozta- 
lisierung in grofitem Stit im Gange ist, dann verliert der einzelne (Mensch) seine 
Kreditfahigkeit, wiihrend die des Staates wachst. Wenn ein Staat uber gute 
Pfandobjekte (z. B t die Stadte W r ien, Berlin usw,! D. Verf.) verfugt, erhalt 
er jederzeit Kredit . . .!" Hier sieht man, wie gewisse Herrcn Soziatisten ohne 
viel Federlesens (aber mit absichtlrcher Uberlegung?) jede Stundc bereit sind, 
dem internationalen Kapitalismus (gegen den sie doch angeblich zu kampfen' 
vorgeben) ganz Mitteleuropa auszuliefern . . .1 (Es darf hier wohl ausgesprochen 
werden, dafi einzig im Sinne der sozialen Dreigliederung Wege gefunden 
werden kdnncn, die Mitteleuropa vor volliger Versklavung in den Freimaurerketten 
Anglo-Amerika& zu behiiten vermogen. Der Miinchencr Rateinann dagegen schut- 
telt schon von vornhcrctn dem anglo-amerikanischcn neucn „G e fl 1 e r" die 
Hand . . . [t v her „soziale Dreigliederung" wird Auskunft gegeben durch die 
Geschaftsstellen in Ziirich, Wohllcbgasse 5, durch Dr Roman Boos, und 
Stuttgart, Champignystr. )7, durch Ernst U h 1 i].) 



— 27I — 

er sich dann zw* Kapitalsh|u S cr m Wien kauf te Mit 20000 to;M«atjjgU 
ieben die Stenotypisfnnen der antenkanischen ^ ^?m FuTe (w e der dortige 
Sbo^ ^™ -To^Riesen^h ^^.ich di^ Yankees schon 
bfeiS^ vor dl e' hungernde H-idenzbevolkcrung gejrn ^ ^ ^ 

Man darf hmzufugen daB - ™. ^^^JJ^te ^j a fl Lloyd George, 
Unterhause zum Lobe von Br.*, Lloyd George ««s«ii d Versailler 

der britische Min. 5 te rP *a SI dent der haup taac ™JJ» ^ ;bt aich abcr St . Ger . 
Friedensbedingungen gegen D^fJ 11 ^! 81 * ^2"^ der Kampf um die Hege~ 
main an. Und Lloyd Georges Auf as&u "* ™ r *"■ a 'l ausfiSocnten werden musse 
monie in Europa (und dei " fesamteji Welt!) einmal v a e u d s f/^ e t m n dcutscheil B ot- 
bis zur endgj. tigen Entoc ^^f \ « * ch Urst W . G emeinschaft mit 

^afsm^ts^rVruha^rl^ «- ** '»« 

auTihrer dumpfen BaBgeige aufziehen. In 1J 1 e » ™^ ware' vom Juli 191S 

lungenland), sondern noch darum, deutechen Ueist _ su "burger Bezirk 

Ausredc, daB die Bahnen an SUvien fallen muBtcn'j 
rTi^Tein™ Rede des An S ,a„dsmj„i,.er S te ^ ,che „ Ilcpubiik M u 1! e ; in 
der N»tioiiatven>iinmlung vom 23 Juli 1919 i0 ™"l "■ 'L~ P litik in den leU- 
DeutsCland die Anerkennung de ; Grunds»t,e ^ g tV "in d^^chon ..Friedricb 

herabsinkt". Um diese -^^^^'^.^^/^"chen Gymnasicn von Arnau, 

ber 1919.) _ A , ,. iimiinB fptebiszitl die von Deutschosterreich noch 

^ 7n c ncr allsememeti Abstimmnng ^trieoiszizj, mc vv "Rnr- 

dureffi" «rden konnte, hatten in * ™«™°f£ 5 ^cT GemSki^- 
ger fiir ihre Zugehongkdt zu K 1 "/.^^hlSfi m iSd S avien. Trotzdcnt 

stimmt, aber n u r 5 4 o E . n w ohner fur den AnschluB ^ =. besch i oB der 

^SjT^f CJ- wU^^nTnte"-; KSn^ t " ffi*\ * • In r . den 



— 272 — 

Nun da die Entente in Deutschosterreich - infolgc Verpfandung auch der 
Stadte und des offentlichen Dienstes - alleinherrschend ist, genugt es, wenn die 
Allilerten fur die deutsch^osterreichische Rcpublik einen Effektiv-Heeresbestand you 
30000 Mann (eirgeschloB&en die Offiziere) festsetzten. Die mihtarische Verteidi- 
gung aber des neuen Tschechcnstaateshat Br.' Landesprasident Ma s ar y k 
infranioMSChe Hande - in die des Generals P e 1 1 e z - gelegt und mit dieser 
Ubergabe des Oberkommandos uber die Tschechoslowaken an einen Ententegeneral 
(und Logenbr.-.?) sei tie besondere Zustimmung zur lateimach-britischen Logenpoh- 
tik emeut bekraftigt. 

So schweie Strafe trifft Deutschosterreich, das in kciner Weise 
imperialistischgesitititwar! Mit gutem Gewissen konnte die deutsch- 
osterreichische Friedensdetegatidn am 18. Juni 1919 der Friedenskonferenz in 
St Germain eine Note uberreichen, in der sie hinwies darauf, daB zur Ze.t der 
Kriegserkiarung an Scrbien kein Osterreicher das A u s w a r 1 1 g e 1 e 1 - 
tete (der AuBenminister der Donaumonarchie sow seine beiden Hauptmitarbeiter 
und fast alle Botschafter Osteireich-Ungarna waren bei Knegsau&bruch Ungarn). 

Die t) b e r g a b e der Schmachbedingungen an den Reststaat DeuUchosterreichs 
r Osterreichische Alpenrepublik" genannt) erfolgte am 10. September 1919 im Bei- 
sein nachfolgender Maurerdelegicrten: Fur England: die Lords Brr.-. Bonar 
Law, Balfour, Milncr und Barnes; fur Kanada: Kemp; fur Australian; Pearse; fur 
Sudafrika- Br.-. Lord Milner; fur Neuseeland: Mackenzie; fur Iudien: Smho; fur 
Amerika (US. A.): Folk, White und BtiB; fur Frankreich : die Brr.\ Cle- 
mcnceau, Piclion, Klotz, Tardicu, Cambon; fur I tali en: die Brr.-, Tittoni, Scia- 
loja, Ferrari, Marconi undCrespi; fur Belgien: die Brr.-. Van der \ etde, Huymans 
und van der Hcuvel; fiir Griechciiland; die Brr.'. Politis und Romanes; tux For- 
tug ah Br.-. Costa Svares; fur die T s c h cc h o si o w ak e i: die Brr.- Kramarsch 
und Benes' fiir Pol en: Br.-. Paderewsky und Dmowsky; fiir Japan; Matsui und 
Hijuin; fiir China: Ittou-Wang; fur Kuba: Bustamante; fiir Nicaragua: Chamorro; 
fiir Panama: Burgos; fiir Siam: Charoon und Craidos-Prabandhu. 

DaB der , Obei ste Rat" (Br.- , Clemenceau, Lloyd George usw.) den A 11 s c h 1 u 
des Vorarlberg an die S c h w c i z (gemaB dem „Selbstbestinmiungsrecht der 
kleinen Volker"!) ablehnte, sei nur neberbei registnert. 

Festgehalten zu werden verdient noch ein Gaunerstreich des -Brs.'. 
Kramarsch innerhalb der Kriedensdelegation von St. Germain, der er zugehorte. 
Kramarsch setzte durch, dafl die Kriegsanleihe von den ehemahgen Staaten 
Osterreich-Ungarns einzulosen sei, in deren Bereich die betr. Stucke hegen. Damit 
wollte Kramarsch dem neuen Kleinstaate Osterreich noch cmen be&onderen Eaels- 
tritt versetzen denn er glaubte damit Deutschosterreich nOch auf eine besondere 
Weise zu schadigen, umsoir.ehr als er In den schweren Kriegszeitcn mit besonderem 
Eifer darauf gedrungen hatte, daB seine tschechischen „Bruder" es den Deutschen 
allein uberlieBen, dem Donaustaate in seinen Geldnoten beizustehen. Da die 
tschecho-slowakische Regierung des Br.*. Masaryk es zudem ablehnte, die Kupons 
der ostcrreichrscb-ungarischen Kriegsanleihen einzulb?en^ so muBten erne groBe 
Anzahl deutschbohmischer Bankinstkutc und Sparkassen sich insolvent erklaren, 
*- cinfach well sie durch diese Mafinahme zahlungsunfahig wurde/i . . . Damit zu- 



Volksentscheid zulassen.) Die „wunderbare Einigkeit" von Serben und 
Slovenen im jugoslavischcn Staatswesen wird aber schon glanzend dargetati 
durch die Meuterei der slovenischen Besatzungssoldaten in Marburg am 
22. Juli 1919. „Nieder mit Konig Peter! Los von Serbien!' : war ihre Parole. Die 
ganze Stadt wurde zum Schauplatz erbittertcr Kampfc. DreiBig Tote wurden 
gezahlt. Nicht andcrs geht es in denkroatischen Komitaten Ungarns, wo die 
Serben ebenfaUs ihr tyramiisches Regiment aasuben, «m die Kroaten zu serbisie- 
ren (vgl. die Bliittermeldungen vora 25. Juli 1919). Uberhaupt herrscht seit langem 
schon groBe Afiimositat der Kroaten gegen die jugoslawen wcgen deren Rigorositat 
und wegen dei monatelnngen Einkerkerung ohne richtertiches Verfahren gegenuber 
unbeliebten kroatischeu Folitikern durch die Serben. Wie auch die Mailander 
Blatter vom 30. Juli 1919 meldeten, daB die serbische Regierutiff der kroati- 
schen. Abordnung die Reise nach Paris verbot. als die Kroaten der Friedens- 
konferenz die unterdriicktc Lagc ilirer Nationahtat darlegen wollten. 



• TS Die w « i t e r « w i r t s c h a • 1 1 1 , c he E , £ e»! ™? tT ^ i m f ranzoi.- 

Dritter ausschlagen, ™* ch *™*ln . installiert haben 

in den mternational.sicrtea Gebieten " ' rechtlos wirdf ergibt sich aus . 

DaB Deutschosterreich sowieso ganz «" d B " "nte ,,R e P a r a t i o n b k o m # - 

11. September 1919 ausfuhrt). ^ + 

his 1677]) Am 6. Juli 19 19 * eierte " die p^Satter und untcr Abbrennen von 

& eien e h e d e m s I a v t s c h f™™***"?- alte h « s i t e n z e 1 1 an, in der aber 
Sen sie mit ihren Behauptungen an d ' e m ^ e U KuUur unter dem damaligen 

dazu ein trubes Licht am me ju 
Bodenstandigkeit umgelogen. - 

Mit SchluB d^es KapiteU blejbe m.ch^olg e^desmwer &W ^ ^ 

Die Herren Masaryk J^?S 8( J e a r J^goslave), die wahrend des Krieges 

S 252) und H i n k o w 1 1 s c h CosterreicliiBcner J8 g iu besond erer Konfe- 

in den Enten^teiandern wohnten w eiltcr Mitt ^ F r e ; m a u r e r -T r 1 bun als 

rb n U n dT e a |e^f^^TunrO^ S t e e d A 5 eich g Un g arn S und wurden dab. 

Heiae, Entente- Ffcimaurerd. II. 



— 274 — 

h^nnderer Audieriz von Woodrow Wilson als die ,,berufenen' c Vertreter der 

Sieben nt di e „Neuen Ziircher Nachr." am 2S . Sept , 9 i8: „We«n sic. h Wilson von 
dksen Herren sollte beraten lassen, ware or belogen und b e t rogen zum 
Unheil und Un K luck der betreffenden Volker." Vorher, am 28. A^t 1918, hattc 
das selbe Blatt bemerkt : die i ta 1 i e n 1 a c : h e n M a u r e r b r • sind die Urheber des 
Planes von der Aufwiegelung der Tschechen und Slaven m Osterre «£. - A n Hand 
des Wilsonschen Buches „Der Staat" das wir noch an anderer S telle : reden lassen 
wird S 302 gesagt, daB den S 1 o w ak e n und K r o a t en bestimmte Rechte aut 
^em Gebiete der eigenen Gesetigebung durch einen ejgenen Landtag und I einc 
K«ond«te Vertretai im Reich S rat fur alle Zeit gesichert smd Man fragt sich 
Sngesichts dieses Wilsonschen GwtandtiiweB, das b» 1913 ™ruckreicht, wirkhch 
womit eine e h r li c h e Politik dann eigentlich die entcntiatische Aufre.zung diese. 
S aven in Osterreich vor dem Richterstuhl einer hoheren Vernunft decken kann. 
Zur Ilhlstrieiung des tschechischen Landesverrats ist auch noch beachtenswert, 
dafi sich das ehedem urdeutsche Geschlecht der Sc h w ar z e n b e r g , urn seme 
personlicheMachlzu entfalten, zu emem tschechischen Stutzpiuikte umbil- 
dete — seit diesem V e r r a t am ario-germanischen A r m a n e n t : u m (an der ange- 
stammten Fuhrerschaft!) datiert alles kiinstlich gezuchtete tschechisch-riaTOBche 
Macbtgelust. Die Krone setzten die Schwarzenbergs ihrem Landesverrat damit auf, 
dafl sle — als urdeutache" Aristokratiet — beim Russeneinbruch in Gahzien (der 
bis nach Bohmen vorgetragen wurde) eine Ergebenheitsadresse an den damaligeii 
Zaren Nikolaus II. richteten, mi t der Versicherung, dafl sie gegebenenfalls ebenso 
treue russische Unterlanen sein wiirden, wie sie jetzt osterreichische Paladme seien. 
(Vgl. hierzu „Neue Ziirch. Nachr." yom 24. August 1918.) 



Nunmehr wolien wir ubergehen zur Logenpolitik der 

Vereinigten Staaten von Nordamerika. 

„Die neue Freiheit ist das Lied der 
Ei-losung und der Gleichheit, in ihm wal- 
tet der Atem des Lebens, der kbstlich ist gleich 
jenen Ltiften, die das Schiff des Columbus vorwarts 
trieben und die die stolze Verheifiung einer 
Gliicksmoglichkeit mit sich trugen, d e r e 11 
Erfullung Amerikas Aufgabe ist!" Also 
spricht der Pbrasenschwetgcr Dr. Woodrow 
Wi 1 s o n. 

Es ist hier zunachst festzuhaiten, dafi President Woodrow Wilson 
seine Politik und Regicrung allezeit ganz und gar im Sinne der Weltloge 
betatigte. Dafi er uber die besonderen Interessen dei Geheimkreise infor- 
miert war und sich vielseitigst iiber sie unterrichtete, wissen wir bestimmt. 
Und wir konnen hinzufugen, dafi schon i m F r u h j a h r 1915 der 
effektive Beweis auf dem Weg iiber Mailand dafur ge- 
Uefert war, daB Wilson mit England einen Geheimvertrag abgeschlossen 
hatte, der ihn gegen Deutschland zum Kriege verpflichtete (diesbeziigliche 
Enthtillungen und solchc aus dem HerbstujM iiber die betrugerische 
italienische Diplomatie, welche im Geheimen Ktiegsriistung be- 
trieb, — ferner iiber den ^Monciningi-Pakt" mit R u 6 1 a n d , 
der I t a 1 i e n zum Eingreifen gegen Deutschland verpflichtete, 
usw. usw. werden in einem von berufener Seite bereits vorbereiteten 
Buche enthalten seint)- Trotz dessen behauptete Woodrow Wilson im 
Senat der Vereinigten Staaten auf Anfrage von Borah und Johnson 



— 275 — 

bin (laut fP Ba.l« Nachrichten'J, daB er v on«le m V or h a ndj^ 

sein von G e h e i m v e r t r a g e n n 1 e e t w a ^g^ ^ oQdroW 

erst in Paris-Versailles Kcnntnis erhalten habe ^Maurer 

^WiC nun selbst ,ein g-chneb-r Brud - . ^^^rmann ' Gruber, 

ohne Schurz und KeUe r ^ k SJ Frdm aiireriournalc „New . 

S J. aus AuBwungen der amerikamscn ..American 

Age" (1916, 498). ..American .^~ V f^fsa e . } Die ganze Auf- 

Tyler-Keystone" abgeleitet wird, tut wen g zur ^ der Welt . 

machung Wiisonscher Grofisprecherei , irt der £ * 

maurerkette entnomtnen, ™^J^\^ d L PrLde ntenstuhl seit 

Heifer und Berater and und sein f 1 Vorganger ^- maur er Das „Schweize- 

wtshington bis zu i\^^J *" C ^ f?^ G alien -Wil spricht 

' risehe Sonntagsblatt"' von _ J°^nt» Mrfm« ^ * * ^ von Woo- 

' in seiner Nr. 47 vom 22. ^^^^'TedauerHchen Fortsehritt den 

dxow Wilsons Freimaurerschaft und vomo Wil son an der 

Amerikas ge he i m c Ge sel ^icMen^ vom 19. September 

Spitze fciern", un ^ die ft ''w "1 s o n neben Clemenceau, Salandra und 
iqio sagen erneut, „d a fi W lis o n neD pn Frcim aurer 

Sonnmo%nd wahrscheiiilich auch ^%^^nn^ ein Minister, der 
s e i « ^) .,Wie in England, Frankr «^ ^ P ° n d g e n k b a r ist" (vgl. 
nicht der Loge angehort oder ihr g ^ m J> ^ ^ Gleiche f^r die nord- 
„Badischer Beebachter" ^r 249, . ^ A ^ ^ ^ veud des gan^ 

amerikanischen Bundesstaa**. Da^Ve ^^ hellchlcrisdies , 

«n Kriegcs, von aUeni Anlang an, wa^« w ^ bewegte s.ch 

der methodistisch-darwimstischc „1 ™^L tstrie £ ende n Schwulstreden, 

immef in ™Uar-ve«ch^^^ (DaB 

dieaberdoehimmerihreschar^^^ sdte skh h6ch ter 

er trotzdem solange von dcut scher u a mcrikamsche Sug- 

aus, daB nicht nur Wilsons langjahnge gMfH* t r e t e r , der 

FreWrer ist, sondero daB a«J' « \ .. Marshall (laut 
V i z c p r a s i d c n t der Vereirugten Staate n i en w e , t . 

American Tyler-Keystone" vom Jahre to 7 ) der ; R . t g h 6 r t . 

k e 1 1 c d e s 3 3- G r a d e , d e s be ho l a) bci dera b e h e r r - 

Es i»t daher, wie H. Grub « " c £« J™£ d irn 'Leben der Vereinigten 
s e h e n d e n . Ei nfl.6, we ehen d e F --ure^ ^^ ^ . n ^ 
Staaten ausubt, von vornherem l 
^^T 3 „. August 19 „ h. r die .,K nst„n»r ^^t^^^f, 

S.I^SS-VMV.ta^WSclo, in, We,,. Haase ,a W,-« 
Sta "i) Vgl. ..Deutsche Rundschau", Berlin, .9.8, S. 343- 



— 2?6 — 3 

einstimmung mit den im offentlichen Leben der Vereinigten Staaten vor- 
herrschenden freimaurerischen Grundsatzen regieren kann' . 

Prasident Dr. Thomas Woodrow Wilson wurde am 2&- Dezember 1856 in 
Staunton in Virginien als Sohn ernes presbyterianischen Geisthchen geboreii er 1st 
also jetzt 63 Jahre alt. Mit 23 Jahren schrieb er Mine* ersten Anfsatzuber die 

Kab nettsieg erung" in den Vereinigten Staaten. Nach BeendiRung seiner Stu- 
died wurde fr Rechtsamvalt in Atlanta. 1885 veroffenthchte er sein Wcrk ubcr 
J KongrcBregierung". DarauE wurde er Lehrer fur Geschichte and politische 
Wirtschaflspolitik an der Frauenhochschule.Eryn Mawr College und 1890 ubernahm 
er den Lehrstuhl fur Politik und Recht an der Princeton-Universitat, deren Leiter er 
lU wurde' Weiterhin achrieb Wilson die Bucher „ Congressional GAvermnen und 

Der Staat", das letztere Werk widtnete er noch 1913 in einer besonderen deutschen 
Augab dcmdeutschenVolke! Endlich verfaflte Wilson noch d>e We.ke 

Nur Uteratur" und „Die neue Freiheit", letzteres enthalt die Wahlreden Wilsons. 
1910 ubernahm Wilson, ..dessen Grofienwahn unertraglich wachst , den Gouverneur- 
posten des Staates New Jersey als die Vorstufe for seme Wahl zum Prasidenten 
der groBen transatlantischen Republik. Nach dem „BadischctiBeobachter vom 
26 September 1918 erfolgte seine Neuwahl zum Prasidenten m 1 1 e ngli s c h e m 
Logcngelde (was ubrigens durch die Machenschaft^n der M Pilger — vgL 
S. 286 ff. unseres Buches — hmlanglich bestatigt wird). 

Will man den gewaltigen Einflufi der Loge wirklich recht verstehen, 
so muB man auch hier wieder wissen, welche zahlenmatfige Verbreitung 
die Loge hat. Im achten Dezennium des 19. Jahrhunderts zahlten die 
amerikanischen Logen noch 500000 Mitglieder („Isis entschleiert", II, 
S. 378), Nach dem „Annual of Universal Masonry" (Bern, Ruchler & Co., 
1 913) sind Amerikas Bruderschaften inzwischen zu 50 Grofilogen allein in 
den Vereinigten Staaten in 15 006 Einzellogen mit 1 500 000 
Masonnisten, also urn eine voile Million mehr innerhalb 30 Jahren, an- 
gewachsen. Nach dem Logenjournal „The American Freemason" vom 
Marz 1916 wird allein die Zahl derMeister-Maurer innerhalb der 
Vereinigten Staaten auf 1700000 geschatzt; dazu kommen dann noch 
die Millionen Lehrtings- und Gesellengradmaurer Nordamerikas und die 
elwa vier Millionen Mitglieder andercr unter dem EinfluB der Frei- 
maurerei stehender geheimer Verbindungen, wie. Stephens in „Cyclopedia 
of Fraternities" (Neuyork 1907) angibt und Herm. Gruber wiedergibt. 
Der Dalensche Freimaurerkalender 1908 ziihlt zu diesen 50 Grofilogen 
der weiBen Rasse 33 Negergrofllogen in der Union mit 1300 „Werk- 
stattcn" und rund 28000 Mitgliedern. Die indianische GroB- 
loge der Rothaute aber zahlte im Jahre 1874 bereits 80 Logen. Die 
nordamcrikanischen Logenbrr. ■ . verteilen sich auf die „R e g u 1 a r e n 
maurerischen Korperschaften", die sich iiber die funfzig 
konfoderierten Staaten und acht „Kolonien" ausbreiten und auf die 

H o h e 11 Rate" ( ? ,Supreme Council") von Neuyork und Washington, 
wie auch auf die schier zahllosen „GroB Royal Arch-Maurer" der Ver- 
einigten Staaten (die in Amerika weit mehr verbreitet sind als im 
Stammlande England unter Grofimeister Br. ■ . Herzog Con- 
naught). Dazu kommt dann noch der besondere „G r a n d Council 
ofRoyal 7 SelectandSuperexcellentMastcr s f( ? der uber 
38 Einzelstaaten sich ausbreitet, und der „G r a n d Com ma 11 denes 
ofKnightTempIar" (iiber 46 Staaten verteilt) und das „Sover- 
eign College of Allied Masonicand Christian Degres 
for Americ a". Dann hat aber auch der Staat Utah neben den von 



— 277 — 
Nevada und Colorado aus geleiteten ^-^S^ 

„Orden Free Sons of Israel' genannt n Bet *cht sells chaft. 

in Neuyork gcgrundete unabhang.ge l u ™ .. Ma * zahlte im 

„B'nai B'rith" w>rd ubersetzt ^ .> hne g^^Siland, dessen GroBloge 

Jahre 1900 in Amcr.ka etwa 30 ; °°?-™\> eUt ' Mitglieder in 36 

.Deutschland" den achten Distnk J* gegen 4 5 g^ 
, Logen. Heute werden w.e ^ aa ' vs ^^- ri ^!o^i e n im Jahre 1882 

gezahlt. In Deutschland wurde der B ^nai B nth . ng Lfiben 

fingefiihrt und 1885. alsdann d.« ■•fi">^ ^^ >:Freien Sohne" 1889 
gerufen. In Ruman.en lind ^terreicl wuroen „ verbreitet . Nach 

fnstalliert. Auch im Orient Agj-pten us*, st der Urc ^ ^ 

der „En Z yklo P adie der Fre.maurere, I 19.0, ] S. 8^ 1 ^ ^ A|)f . 

unsere Angaben zutn ™J«™*™^* ^erbinden, in der die E n t- 
gabe gemacht, die Israeliten in einer W eise ™ dTdenturnsam 
wicklung der hoehsten Interes^ de J wahrend der 

e h e s t e n u n d a 11 g e m e.ne^ojl ,c t^ ^^ und 

Orden die Gefuhle wahrer ^"f 50 ™ c""L n den rettende Hand bietet. 
nahrt, dem Kranken T™=t und HUfe dem Smkenden retw Te;lnahme 

die Tianen der Witwen und Waisen trocknet ™« da ™ a und die Biirde 
in alien Lagen des Lebcns die Freudcn de ; Glueks erno } _ 

widrigen S?hicksals erleichtert, .«»* ^ *$* S f 'fntHcbkeit 
dung seiner Mitglieder zu heben ihncn ^^f und ^ fordern." Dabei 

Z^J^rSS^^S^^^ aer amerikanische Bo t - 

" .)"7«b Leopold Katscher ^.j*^',"; "^ ViSef'F^ 

maiirern, die internationalisiert s nd. <•"'"« ,f? ' die Mit t c taachtc-Logen aus: 
Leschatzt.) - Davon sehciden seit dem WelHtricge a it detacher Frc- 

ITeu^chc r,. ollo.cn und 5 anabhan 8 . K e Log n m K dcn^V ^ M;? _ 

ma Ur cr, nach unserer Sehatzt.... mi t .and W Jom arbeilcndcn w.rkstattcn in 
Elmdurti, wwic die weiufjen unter dcutecnem scnu Glanhc", 19TS, S. 664 

?„eer-Deutschland. - H. Gruter rechne to n , The ol agm m ^ ^ . 

f , i Millionen a k t i V Stto '»*™»lS? arufchiiefle^ die in Veriinen wirkeru welche 
I sich noch viele Millionen Halbbrr. ■ " uc ™ , ^ h ° , Nichr « vom 28. August 1918 
I von Logen .ddtet werden -^ ^J^^Ztelt in Mien neben sonst.scn 
' schuf die niaurerwche „Dante Align 1 "' 

Verbanden sBSektionen von Sch n Ik ind e r n. 



— 278 — 

i. «.„, in ParU Morirenthau.der ehemalige amerik. Botschafter in 
^tantLpe E 1 k » s e d"r Direkttr der amerLnischen Kriegsindustne 
1° uch sowk dieebenialls bekarmten amerikanischen rersonhchkaten 
Bankier K u h n und D a v i d s o h n. In Frankreich werde der Bexater 
ClTrnenceaul George Mandel (mil seinem richtigen Namen Jeroboam 
RoThs child), dem Orden .Bene Beriss" zugezah t. Deutschland hat 
auch seine besondere „Mon« e f i o r e« - Lege Die oben «*W-e 
„Enzyklopadie" sagt, daB der deutsche GioBlog en tag I 88? 

i .:i?:i,':.'.v.::-;rf:. k :ir.fJ , . , . , ;:'av. £i; . 

saxji'tsMas km SKMSttS 

die Ungarische Svmbolischc GroBloge erfolgte unter Etengroflmc ster 
Anton v Be r e c z (dem Direktor der staatlichen hohern Madchenschule in 
Budapest und spateren Referenten im koniglichen unganschen Kultusmim- 
sterium welcher am i. Ecbruar 1872 in der Budapester Loge „Szent Ist- 
vdn" zum Licht geleitet" und dann dort zur Hammerfuhrung berufen 
wurde! Von GroBmeister v. Berecz wurden die meisten neu erstandenen 
Unganschen Logen eingerichtet). Zur selben Zeit, wahrend v Berecz 
^it unermiidufhem E Scr - als zugeordneter GroBme.ter und Ehren 
groBmeister usw. - Logenrevisionen in der Unganschen Groflloge hielt 
und auf strenge Einhaltung der freimaurenschen Formen und Gepflogen- 
heiten achtete*, war Wirklicher Geh. Rat Emench von Ivanka d s 
Mitglied des ungarischen Oberhauses, Mitghed des unganschen Retchs- 
rages, Oberst und Gcneraldirektor der unganschen Nordostbahn) selbst - 
neben v Berecz — zunachst Vizeprasident des Bundesrates des GroBorients 
von Ungarn und dann (seit 1893, ein Jahr vor der Anerkennung des B nai 
B'rith") GroBmeister der Symbolischen GroBloge von Ungarn. Wie tin* 
noch m tgeteilt wird, warnten im Jahre ,888 Dr. Rahmer im Jsraeh 1 1 - 
s c h e n Wochenblatt" Nr. 26 und die Nr. 19 der Rudolf M o s s e schen 
Allgemeinen Zeitung f u r d a s J u d e n t u m" vor der Grundung s o 1 - 
cher Geheimgesellschaften", und nach Karl Paasch sei der 
B'nai B'rith"-Orden (vgl. sein 4. Ruch iiber jiidisch-deutsche Gesandt- 
schaften S. 208) nur ein Anhangsel der von dem Deutschcnhasser Cre- 
tnieux begriindeten .Alliance Israelite universelle". Ais beachtenswert 
teilte man uns zugleich mit, daB dieser „Orden der freien Sonne Israels 
schon im Jahre 1888 uber ein Jahresbudget von 13-14 Milhonen Franken 
verfugte was unmoglich n u r „Unterstutzungszwecken gedient haben 
konnte, besonders deshalb nicht, weil die deutsche GroBloge B nai 
B'rith" zu jener Zeit sich die staatspolizeiliche Uberwachung habegef alien 
lassen miissen. Wir geben diese uns gewordenen Angaben mit Vorbehalt 
wieder und verweisen zugleich auf das, was von uns S. 126 (gestutzt auf 
Dr Felix Pinkus, „Der Judenstaat") gesagt wurde. Wir konnen erganzen, 
daB ais President der GroBloge fiir Deutschland des Ordens Bene Benss 
(Berlin W. Kleistsr. 12) jetzt der Geheime Justizrat Berthold T 1 e m e n - 
dorfer zeichnet. Seine GroBloge wehrt sich aufs auBerste gegen 
etwelche Behauptuugen, die darauf abzielen, sie der gememsamen Sache 



— 279 — 

Boden stebe. k bcn , wird uns noch mUgctcilt, daB auch 

, ^'eiy wie «* ^"Sr^enT'S^ch Sa m uel Goners , W t.« *«* 

Rua rand infKrei. von Lenin, Trot^u. '■ haus(ffld ,8 

2 , 3 Mitglieder des ADgeo , 9 ,6 zu den Brr.-. 

S e n a t o r e n der Vereungten ^-^t^ Abgeordnetenhau, zu fast 
Maurern Nordamenkas ; dabe. J**™" als B det Halfte aus Frei- 

zw ei Dritteln und der henat zu ™™ Lat omia" vom 20. Januar 
Surern, wie H. G^ber dem Ronunt^WWtJL ^^ Rl . 

, 9 i 7 entnitnmt. P\t de r^erscbaft in Washington. Und 2000 
c h a r d s o n , der Fuhrer der Maurerschatt n f e m e n t s unter- 

Mitglieder des W a s h i n g t o »■ « Sta ^* * J£ d die Direktoren ; alien 
Jiegfn dem Spruche der Loge, denn Jf^- Q ■ rf diescs S taatsbeamten- 
voran steht Br.-. Fleming Moo als _ pebruar Jgl9 

^rbandes'). Nach deu "^"^Tn d en Regierungsdepartements der 

^^^OTSSti-S B^uB^T^ 
^i P eV^^^^ 

Meister" Kordamer<kas betrifft °; erba „d unter dem 

„ e i s t e r noch , h r en be s o n d e^ ^ ^ e ^ 

Namen ..Cryptic Masonry , dem JA 2 c oooMeister-Mau- 

denn 400 eigenen GroBraten und ve.t uber ^ i & . Kouzi ii m ver _ 

rern . Dieses besendere « m n ™' S ^ e ada England und Schottland 
breitet sich weit hinem auch nach Ka r 0. ,8 , asen 

mi t seinen wieder be.onderenGr^raten A y m e r i k a ist d.e 

..Allgemeinen Handbuch der F ^™^ r E e [ nw ' hnerzahl viel ausgebre.teter 

ll \ 1 ^"" . V "«"«? «'»' ta al,gCfflei ' ,en 

g e r h h e n S t u f e der Reinheit. Union i6t zu bedenken, 

g Be, dor schr «i,„ V«br«ta». der ^^-/nSiona.e Maarerci "^wrt". 
daB die M a u re r c . Am e , . k ■ J« Gr „ nd , f fl r d» s« ,,ch. « «^ r 

denGlaubenaneinenP 

" VV«1^. G,.bcr in „Deu.scho Rundschau", D«.mb«rheft »«. 



— 280 — 

Christentum nun, das in seiner wahrcn Tiefe sicherlich die fortgeschrittenste 
Religionsiibung ermoglicht, anerkennt durchaus ein personlich-gbttlich Wesenhaf- 
tes und so scheint uns eine Maurerei in einen bedenklichen Verfall za geraten, die 
den Standpunkt der Toleranz da verlafit, wo ein Mitglied solchem Personhchkeits- 
gottesglauben huldigt. Hyneman lehnte ausdrikklich deshalb das Amt eines Grofi- 
meisters des „Ritus von Memphis" fur seine Person ab, weil er sich erschopfte im 
Streit gegcn den Glauben an ein Personlich-G6ttliches,(der Groflhierophant der 
„Riten von Memphis"; Jaques Etienne, Marconis de Nigre, kam extra nach den 
Unionsstaateu, Hyiiemans Inauguration zu vollziehen). Nach unserer Meinung 
mufl sich die wahre Maurerei forteutwickeln im Verhaltnis zur Fortentwicklung 
des Religibsen liberhaupt, und so kann die Ablehnung eines persbnlichen (Vater- 
tind Sohn-) Gottes unter Umstanden — je nach der Auffassuns — schlimme Ve r - 
heerungen in den Seelen derjenigen anrichten, die sich der Loge anvertrauen; 
denn es laflt sich der Kampf gegen das Gottlich-Persbnliche kaum ohne Auf- 
peitschung der Affckte und Leidenschaften durchfiihren. Der wahre Maurer diirfte 
ein Fersbnlich-Gottliches iiberhaupt kaum ablehnen kbnnen, weil ein Unpersbnlich- 
Gbtttiches gar nicht vorstellbar ist. Wenn immer ein Gottliches in seinen Tiefen 
erlebt und begrifYen wird, tritt es als Personlich-Wesenhaftes in unser Bewufitsein 
ein, und die Gbttlichen Hierarchien sind iiberhaupt nicht unpersbnlich zu denken. 
Die Loge ist aber aus dem Wissen iiber die Hierarchien herausgeboren, wie auch 
H. Jennings in scinem (allerdings mangelhaften) Werk „Die Rosenkreuzer, ihre 
Gebrauche und Mysterien" zeigt. r ) Sei dem wie ihm wolle, es genugt das 
Gestandnis Leon Hynemans, „daB es scheint, daS die maurerischen Bruderschaften 
Nordamerikas wie die der , London Grand Lodge' den alten Ge- 
brauchen der Maurerei ganz fremd geworden" sind *) (Blavatsky zitiert dies- 
bezuglich sein Werk „Ancient York and London Grand Lodges", S. 169). Hyne- 
man war in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein fuhrender Masonnist 
Nordamerikas, und seit seiner Fiihrerschaft wird sich vteles noch ehcr verschlim- 
mert als verbessert haben, wie die moderne Logenpolitik beweist. Zu seiner Zeit 
abcr sagte schon H. P. Blavatsky, der bekannte Autor iiber das Maurertum aller 
Epochen: „Die moderne Maurerei ist ein Leichnam, ana dem der Geist schon langst 
entwichen ist" <„Isis entschleiert" II, S. 388). Und auf S. 394 dersclben „Isis" sagt 
Blavatsky bei Erortcrung des 1797 durch den israelitiachen Br.-. Moses Michael 
Hayes zu Philadelphia errichteten n GroBen Kapitels" der „Royal Arch Masonry", 8 ) 
daB diese amerikanische GroBIoge das „wahre PaBwort", das in dem Satze „Ich bin, 
der ich bin" 4 ) eingeschlossen ist, langst verlor. 

Dafur hat die amerikanische GroBloge unter Woodrow Wilson ~das 
neue Paflwort des Dollars wahrend der Weltkriegslieferungcn umsomehr 
erfafit, Heferten doch die Vereinigten Staaten im Weltkriegsjahre 1916 
allein an RuBland im einzigen Monat September fur 64 Mil- 
Honen Kriegsmatcrial („Berliner Mittagszeitung", 27. April T917) b ). Den 



1 ) Jennings, der sich auf Br/. Robert Fludd bezieht, kennt die Hierarchien und 
ftihrt sie in Bd. I, S. 173. i?5 und Bd. II, S. 143 auf. 

2 ) Das ist kein Wunder, wenn man die Politik der englischen Loge 
kentit und dazu die AuBerung halt, die Prof. Nicolai in seiner ^Biologic des Krieges", 
S. 163 tut: „Amerika ist im wahren Sinne des Wortes cnglische Kolo- 
nie, trotz des Sterne 11 banners, das uber Washington flattert. A m e - 
rika ist cnglischcr Bcsitz, well auch in Amerika der angelsachsi- 
sche Gedanke lebt (1)". 

3 ) Royal Arch — „K6nigliches Cewolbe" odcr „K6nigliches- Schiff", — entspre- 
chend der Arche des Noa (oder Noatun in der urgermanischen Hberlieferung [Noa~ 
tun, Niord odei" Nau als Begrunder aller Nautik oder Schiffahrt vgl. Guido v. Lht, 
„Ariogennanische Hieroglyphik", S. Si und 264]). 

*) Rich tiger: „Ich bin das Ich-bin." 

B ) Prof. Styudinger gibt in der „Kriedenswarte" vom Juni 1917 eine Ubersicht 
iiber Au&fuhr von Kriegsmatcrial (Eiscnerz, Roheisen und Kohle) seltens der Ver- 
einigten Staaten, bevor Amerika selbst in den Krieg eititrat (!). Die 
amenrik anise he Ausfuhr betrug danach in Dollars: 



Verlust des wahren PaBwortes („Mu..d am OUr, und das Wort ein Leber 

S ' f nfr,;' ie^ Sehlfesd der Inte pretation des wahrei, Mystermms «u 
verfehlt habe, den bchlussci aer v Schlussel ie cxistterte : 

bewahren, ja sic wisse n.cht e.nm.1 da6 em solcher bch SchliisseL. 
, ,,Die moderne Maurerei besafl^^na noch ^ . hrem 

wahrend vielc der fruheren chnstlichen bekten Q Uichti 

Besitz hatten." „D e r Hang zu r W el l.ch k eit 

frommen Prasidenten d;e Vereiniglcn Staaten „ deu e ^ 

Mouat April i 9 r? aU .m ^"^.^ „ den tollen Gehirnen 
^^T^^^^T^rJ-T^', s,b boebst B e- 



nach England fur 
„ Frankrcich .. 
Ruliland 
Italien 



1914 

496 

in 

22 

55 



"11U 1 ?&SQ MilHoncn Dollar. 

500 900 

271 300 



Man kannth be, Be.achtung eine; ^^^^ ^r^ On 
wehren, wenn man daneben den Hmweis des , () h51t da3 dci deutsche 

seinem deutschfeindhchen Buche ^^^^ ^ Wcizcn-, Sch^cine- und 
KmonenkoniK Krupp von den meaiui ,, , Wettkampfe ubcr^ 

St .hi konigen" (!) de S „fr ic d -f ^ Amenka ,,„ n**-^,^^ Tele- 

JSffl ^^^^S^A^on^ ein B,, A. R* 
.) In einen. alien ''rem.aurcrtraktat uber ^- D a nC mark, Schwed^n und 

ISSTs^^iv^l-'.^'^e^ntn, - Bosuns d„ AuC 
New Age", das in Wf^t'l 1 7^ d.m*»nchn 1 »be,,don 

"V'Kf.N.w York Tim«" wird man in ihrcn rohen Instink.cn und Da,- 



— 282 — 

schmackvoll aussprach). Am 6. April 1917 hieiten die Senatoren ihre 
13 stiindige Kriegstagung, in der Senator Williams die Fortsetzung des 
Krieges bis zur Absetzung der Hohenzollern und Habsburger forderte, 
sowie die Vertreibung der Turkei nach Asien. Und diesen Eintritt der 
Union in den Krieg begriifitc (nach der „Inf."-Korrespondenz vom 
11. April 1917) der franzosische Grofi-Orient der Hochfrei- 
maurerei mit einem Telegramm an Wilson, in dem der Pariser Grofiorient 
dem amerikanischen Prasidenten „die bruderliche Hand driickt" in an- 
erkennender Wurdigung des Kriegsemtritts der Union „im Dienste der 
Humanitat . . ." „ . . . Indem wir Ihre briiderliche Hand drucken 4 *, heiSt 
es in dicsem Telegramm, „ist es uns, als fuhlten wir etwas von dem 
Drucke, der vor mehr denn einem Jahrhtmdert (die Brr. ■ .) Lafayette 
und Washington vereinigte." — 

Wir konnen hinzufiigen aus einem Brief von Br. ■ . Charles Sotheran l ) 
an den Autor der „Entschleierten Isis", dafi neben Lafayette und 
Washington 2 ) auch Benjamin Franklin, Jefferson und Hamilton Maurer 
waren. Ebenso waren die Prasidenten Monroe, Harrison, 
Tyler, Abraham Lincoln, Garfield, Madison, P o 1 k | 
Taylor, Pierce, Buchanan, Johnson, Jackson 3 ), wie 
. auch der auf Anstiften der Jitdin Emma Goldmann *) ermordete William 
Mac K i n 1 e y Freimaurer 3 ). 

bietungen erst recht verstehen, wenn man auch da hinter die Kulisscn schaut. Sie 
ist das fuhrende Organ des unionistischen Geld- und Stahltrusts der „Patrioten" 
Morgan, Rockefeller, Vanderlip, Vanderbild, Carnegie „und Kompagnie", der durch 
Lloyd George anerkannten Geschaftstiager englischer Interessen. 

1 ) Br.-. Charles Sotheran war 32.-. Artier- und Pelik an -Hitter, dazu 94.-. Ritter 
des Memphisritus, Kadoshritter und Ritter vom Rosenkrenz, und endlich Meister- 
maurer vom 104, Grade. 

2 ) Br.-. George Washington (Meister vom Stulil in Alexandria U.S.A.) 
war der Begriinder und erste President der amerikanischen Union, — Br.'. La- 
fayette, ein franzosischer General und Staatsmann, war sein Gcneralmajor (der 
Deputierte Lafayette war Honorary Grand Commander der amerikanischen Jeru- 
salem maurer), — Br.-, Hamilton war Washingtons Adjutant, — Br. ■. Frank. 
lin reprasentiertc im Dienste Was=hingtons als Bevollmachtigter die erste Union 
am franzbsischen Hofc (als Br.-. Maurer war er schon mit 30 Jahren Meister vom 
Stuhl und einigc Zeit ^pater ward er Groflmeister; auch geschah unter Franklin 
die Einwelhung des Brs.\ Voltaire), — Br.-. Jefferson aber ward dritter Pre- 
sident der Vereinigten Staaten und entwarf mit Franklin, Adams usw. die ameri- 
kanische Unabhangigkeitserklarung vom 4. Juli 1776 sowie die Erklarung der 
,,Menschenrcchte", welch letztere dann durch Br.-. Lafayctty der franzosischen 
Revolutions- Verfassutig von 178a vorangestcllt wurde. — J832 bildete sich dann 
der unter der politischen Leitung der Br.-. Cavaignac, G ulnar d und 
Vignerte stehende besondere Geheimbund „Armee der Mcnschenrechte" mit 
einem elfgliederigen „Comite directcur", mit zwolf Kommissaren und 48 Unter- 
komnussaren. Dieser Geheimbund schied sich in die „Girondisten" und „Mon- 
tagnards : . Die letzteren, 1834 in Paris allein 350O Brr.-. ziihlcnd, riefen zur selben 
Zeit in Pans, Lyon, St. Eticnne, Grenoble, Marseille usw. revolutionare Aufstande 
hervor. Im jetzigen Weltkriege zahlte die „Liga der Menschenrechtler" unter 
Br.- Buisson tu den geschworensten Fcinden der Mittelmachte (vgl. S. 217). 

) Br ■. Andicw Jackson verdriingte die Indtaner; als Br.-, war er Alt- 
nna Groflmeister dtr Groflloge von Tennessee. 

*) Vgl. „Semigothaismen" (Miinchen, Zechner & Co.), S. 149. — Mac Kinley 
wurde 1865 in Virginien in die Loge aufgenommen. 

_, \y e, j, Br '- Dr ' Schuster > „Gehcime Verbiiidungcn, Orden usw.'' II, S. 85, 
und „Handbuch der Freimaurerei" I und II. 



— 283 — 

s.dent - d.e Freundschaft -^ fraa.o^schen g ^ Auslands . 

„Wurde die F re i m aure r e . i n Euro P» ' « du 

amerikanisch-masonimtischeu Ze thrift de ,M die b de „ Ka.s.r 

Washington „New Age" vom September 1914^ [n dcn stimmcn der 

Wilhelm II. und Franz Joseph ^g^™^ £ au ™ lX „ & Zitat (in den , s .',Bru- 
Zeit", 1915, S. 549 hinwcist), wie auch Ur liemz or Qktober l914 ; „...Un ; 

dllni S. 99) au. der gleichen Z» ts J hnft .V^t das Gottesgnadentum dor Konige." 
sere amerikan.schen Ideale ^^^^^jj^^u noch besond.re ebenso hrftigc 
- Dieser ktztcre Aassprucli fur sich |»^^W cl ailf die Kaiser von Dcut.chland 
als ungerechteste Angriffe ^der se ben Zeit chntt ^ Stimmctl der Zeit", 19IS. 

und Ostcrreich im September ^ 19M m v jJ £Sc„ FreimauVer nichts bebalten aber 
S. 549) beweist schon, dafi d , ^^^^^^sh.it (die Mutter a lien Logen- 
A 11es vergessen haben, *as di« alte ^^ n , Gottesgnadentum der Komge 
turns) iibcrUefertc Abgeschcn davon, dafi i d« • £° *j britischen Komgen 
erne alte Schopfung ^J****™*^ i * tt «t das .Germa" oder Volker- 
der Lancaster- und Yorkhauser Geltung haUe b £ r u t h 

und Menschenschicksal die K on ij B >■£* ^nas . a - d n inneren (jnunanenten) 
der en „Dharnia^ uder dem .hncn mncwohnem «f ^"^ \ e E i n z c 1 s c h i c k s a 1 

wird begtcitet von gottlich geis g fl Illdlvld nen in dcren 

sorechend vorausgegangenen Betatigungea u <. (Karma ^ 

fruheren irdischen Lebens aufen . . • . ^^olten Erderdeben der s e 1 b e u 
Nemesis =■ Fatum = SchicksaO und von den ™^™ hulen( ^ und gorade die 



1 



— 284 — 

wieder sagt tier friihere President der amerikanischen Union und Vor- 
sitzender des amerikanischen Kriegsarbeitsamtes, Br. ■ . William T a f t l ) ; 
„Wir miissen Deutschland ziichtigen, und wir miissen es gleich richtig tun, 
und zwar nicht nur die Militarpartei, sondern die Deutschen 
s e 1 b s t . . ." (Reuter-Telegramm aus Neuyork vom n. Juni 1918). Der 
Chef der amerikanischen Arbeitersyndikate, Gompers, der — nach 
Aussage amerikanischer Sozialisten — von den grofien Firmen der ameri- 
kanischen Rustungsindustrie (den Mitgliedern des Geheimbundes der 
„Pilger") groBe laufende Summen erhielt und daraus sich selber zum 
Millionar aufgeschwungen haben soil, B ) er sekundierte mit Vergnugen den 
Exprasidenten Taft mit den Worten : ,,DieMilitarautokratie(Deutschlands) 
und ihre gefahrlichste Waffe, die unverantwortliche Diplomatic, miissen 
verschwinden, und der Demokratie, der Gerechtigkeit, der Freiheit und 
dem absoluten Vertrauen zwischen den Regierungen Platz machen" (Reu- 
ter-Depesche aus St. Paul [Amerika] vom n. Juni), — denn „die orgam- 
sierten Arbeiter Amerikas werden niemals an einer FriedensFonferenz mit 
,den Feinden' teitnehmen" („Reuter" unterm 18. Marz 191B). 

A.uf der amerikanischen intcriiatiotialen Arbeitfekonfcrenz im November igiQ 
wurde derm auch die Tcilnahme der deutschen Arbeiterschaft durch die 
Entente verunmoglicht! 

Die Stellung von „ArbeiterfuhreT" Gompers tritt in eine besondcrs table 
Beleuchtung, wenn man die Haltung seines Anhanges im amerikanischen Rtesen- 
streik Im November 1919 ins Auge faJJt. Ohne uns sclbst fur oder wider den 
Streik zu entflammen, drangt sich tins doch die tlberzeugung auf, daB Gompers 
nichts weiter als em W e r k z e u g derLoge isL Die von Gompers gefuhrte 

breitete sich seit 1875 wieder vieles Licht uber dicse alten Weistiimer, und hatte 
gerade von den Hochgrad-Chefs Brr.'. Pike 33.-. (einem okkultistischcn Maurcr 
und Autor von hochstem Ruf) mid George Fleming Moore 33-\ (Pikes Naeh- 
folger in der Leitung des „Mother Supreme Council" in Washington 111 den Tagen 
des Krieges und Chefredaktor von „New Age") beherzigt werden sollen. Statt 
dessen dienen Br.-. Pikes Lehrsatze und Dichtungen dazu, vermittelb der ameri- 
kanischen Logenjournale den politischen Kriegsgeist anzufachen. 

(Doch sondcrbar — je mehr das „Dei gratia" Karls des Grofien, das Gottes- 
gnadentum, in der GegCnwart an Glanz verlieren sotlte, gewinnt es gerade un 
Bunde der Ententclandcr erneutc Begunstigung, wenigstens soweit Ungarn und 
Osterreich in Betracht kommen. Und franzosische klerikale Kreise 
vertiefen den von der Ententcfrcimaurerei begunstigten Plan der Wiederein- 
setzung des Monarchentums zu einer Art von „Persona!union" zwischen Oster- 
reich, Ungarn, B a y e r n , der „Rheinrepublik" (also mit Abtrenuung der beulen 
letztgenannten Lande von Deutschlandl) und Rumanien. Fur die Wiederaufrich- 
tung der Donaumonarchie wirkt u. a. das in Wien erscheinende franzo- 
sischc Blatt ,,rindependancc".) 

Br.-. William Howard Taft ist MitgHed der „Uutusloge". An seine 
Logenbruderschaft erinnern auch die „St>mmen der Zeit", 1915. S. 540- — Nach 
einer „Inf."-Korresp. vom 25. Mai 1918 erklarte Br. 1 . William Taft in der ameri- 
kanischen Friedensliga bei AnlaB eines Bankrttcs, cs konne kein WafrenstillstaRd 
mit der „verworfenen Rasse der Hohenzollern" geschlossen werden, diese miisse 
verschwinden, — In der Liga fur die nationalbkonomischcn Interessen 
der Vereinigten Staaten, der en President Taft ist, wirkt diescr fur die wirt- 
schaftliche „Zu c h t i go n g" (!) Deutschlands. 

2 ) Von Karl Rohm im „Leitchtturm" (November-Dezember 1917) wiedergegeben 
nach einer Washiagtoner Nachricht in „Ccntral News" unterm 30. September 
igi7. — Auch Gompers gchorte in der Arbeiterfragenkommission der Pariscr 
Friedenskonferenz zu den Aburtcilcrn Deutschtands und der Donaustaaten. 



- 285 - 

to Wirtschaftskbem fur die Entente eingestellt war . 
Die freimaurerhchen g e f enseiti g en W**^^ j£ 
treten noch in ihr besonde re, Ud ^^^P ril^V (Men Mat* daw'hilt. 
nischen Volkszeitung" Nr. 280 vom 10. April 1917 V" 

Wkl Be e rl a ;or zwei Jahren ist darauf ^^-J^ t ^^i^u^ 
" nische Ratsel in den LUmtneben und n der gwali^ Bfyan und Ro06 e- 

tn den Vereinigten Staaten seme ErkU^ngnna €r Die ^tomm- 

velt*) 8 indnacheigenem -"^S^fwn J™?™^ Par lamenten herrscht, ubt 
kanische Freimaurerei, die in Staat, bctraM « po i lt i S che Leben des 

eTnen groften EinflaB aus ^*fj™£ g $£& ?"&* Vsslsche Land der 
amerikanischen Volkes . . - j^"^^"^ Staaten besteht fast vollstandig 
Freimaurerei. Die Regierung der Vere, "'^ n weniffer aus Verdienst ats auf 
aufTogenbrudern und Betordercngei, ^olgen wem^er aus ^^^ ^ 

. Empf ehlung hin. Em Washingtone Blatt schneD arntsdepar t r 

erste jiihrlichc B a n k e t d r t re m a ur Ansprachen waren em 

ment fand letzte Nacht statt. .^/X B t ration wie der Ordcn Onkel Sam 
Loblied auf die Freimaurere, ™d «ma ^ lustra t, mj w r ^ 

im Regierungsdienst aushilft. benatorcn, ^ J fi Zahl den Logeneid 

der verschiedenen ^g.erungsdepartements haben n g ^.^ ^.^ 

abgelegt. Die Freimaurerei h£«£ ^j/^^^nnten Friedon.bot- 

starker, ver Wegener mid v^Wf. « J e Redewendungen an 

sch aft Wilsons waren die AnkWsei m ^^ ebenso 

das Internationale F r e i m a u r ei rv b Freimaurer 

m erkwiirdig war die zust.mmende K JJ 1 d « e ^^^ E nthullungen . . - 
Eur op as. In Ennnerung sin d i« ^ 7 W C C fl r h S cn Wilson u n d dem 
uber die Gehe.mverhand ongen ^ ^ gab man Hu ta 

mexikanischen Prasidenten H r ta - J on ^ seine PerSO n hinwegBehen 

,u verstehen, daB "^.^J l^^Sp^h^kirchcnfeindlichen Gelic.m- 
r lle wenn er sick m em "^^eUengeneral gab eine , . . same Ver- 

bund auinenmen idbbc • (( 

acVitnng auedruckende Antwort euruck. - - Vereinigten Staaten 

Wieto groBkapitalistische Logeirtum m den 'Verem* ^°^ ker 
herrscht, das hat niemand besser ,1 ustrtert aU de^ ^1^] -„ ^ 
Wochenblatt ..Fatherland.", Charles A. Collmann, 

«)~wTh. Gruber, „Lin«r Q»^! 8 » c j , f s ^'Vchi«ne^ 1 Reicl.srat S Dr. Josef 
f e 1 d geheiBen. 



IP 



— 2S6 — 

lungen in einer besonderen Schrift „Die Kriegstreiber in Amerika" gesam- 
melt erschienen und ins Deutsche iibertragen worden sind. Ein Deutsch- 
Anierikaner konnte ein Originalexemplar durch die strengste Gepack- 
revision in Falmouth hindurchretten, als er nach Deutschland reiste, und 
so wurde die deutsche Ausgabe 1918 (bei Rud. Schick & Co., Leipzig) 
ermoglicht. In diesem Biichlein wird die Geheimgesellschaft der „ameri- 
kanischen Pilger", die „in der Unterwelt von Wall Street" in Neuyork 
ihre finsteren Plane scbmiedete, geschildert. Es ist eine Darstellung kaum 
faflbarer Tragik und Schrecken. 

Zu den Mitgliedern dieser ,,Pilger" l ) gehoren : 
Sir Cecil Spriug~Rice~ Rumbold, englischer Gesandter, in Geheimdiensten 111 

Amerika; 
Jack Pierpont Morgan, mit Wohnung und Bureaux in London W. 12 Grosvenor 
Sq. und 22 Old Broad St. — Morgan ist nicht nur Mitglied vom , t City of London 
Club", sondern — (nach der eigenen Aussage von Lloyd George) — zugleich auch 
der „beglaubigte Kriegsagent Englands\ Nebenher ist er der Konig d e & 
union istischenStahltrusts und als solcher der grofite und einflufireich- 
ste Plutokrat der "Vereinigten Staaten. v ) (Das von Amerika gebildete Gold- 
s y n d i k a t zur Goldausfuhr nach England stand unter Leitung von J. P. Mor- 
gan. Morgan leitete dabei auch das sogenannte Devisensyndikat, dem 
allein der Verkauf von Schecks oder Kabeltransfers auf europaische Platze 
zustand. Unter Assistenz von Kuhn(Cohn), Loeb& Co. ftihrte Morgan auch 
die Goldschuldtilgung der Stadt Neuyork an London in 
Horre von 13494000 Pfund Sterling und die Goldschuldtilgung an Paris in 
Hohe von 61 500000 Fr. durch, wie Charles Blankart in seiner Dissertation 
„Devi&enpolitik im Weltkriege" ausfuhrte. Die Anleihen RuBlands an 
Amerikit fiigte der Ententebankier Morgan so, dafl alle russischen Eisenbahnen, 
Kupferbergwerke und Minerallager an die amerikanischen Finanziers verpfandet 
werden muBten. Auf die Goldlager desUral batten es die amerikanischen 
,,Pilger" dabei besonders abgesehen. Und irn Juli 1917 wijrden auch noch die 
Petroleumquellen der russischen Halbinsel Sachalin den amerikanischen Blut- 
saugern zugewiesen. Eine unaussprechliche Infamie hat — wie man sieht — das 
international? Logen- und GroB Judenkapital iiberall vollzogen.) a ) Morgan wai 
fruher amerikanischer Gesandter in Frankreich, ist Besitzer der groJSen Tages- 
zeitungen ,,New York Sun" und „New York Times", President des Bankhauses 
Morgan & Co. in Neuyork und Chef der Firma Morgan, Grenfell & Co. in London,. 
— dazu fuhrendes Mitglied des Flottenvereins der Vereinigten Staaten, fiihrende^ 
Mitglied der „Liga fiir nationale Vertetdigung" in Amerika, Grtinder der Neu- 
yorker Friedensgesellschaft und der Amerikanischen Liga fiir Frieden und 
Schiedsvertrage. Sein Vater erwirkte die Schiedsgerichtsvertrage Amerikas zu- 
gunstcn Englands und Mr. Morgan junior — ui.i diesen haridelt es sich jetzt, deun 
Morgan senior ging ein in den ,,Ewigen Orient" — sorgte dafur, dafl die Schieds- 
vertrage zwischen den Vereinigten Staaten, England und Frankreich ihre Spitze 
gegen Deutschland kehrten (wie dies von einem dffentlichen Redner in 
einer der Morganschen „Fricdensversammlungen" in der Carnegie Hall zu Neu- 

') Es ware interessant, zu wissen, ob die amerikanischen „Pilgcr" zugleich eine 
Fortbildung des „Ordens der Kette der PUgrhtic" sind, der sich aus den ,,hoheren 
Standen" zusammen&etzte. Diese Rrr.\ nennen sich „Ritter von der Kettc'\ 
ihre Logentagungen heiBen „Union", ihre drei Pflichten sind Willfahrigkeir, Be- 
standigkeit, Stillschweigen. Es ware nicht unmoglich, daS Morgan- Vater, 
der in Deutschland studierte und sich gern dieser Zeit erinncrte, den europaischen 
Orden der Ketten-Pilgrime nach Amerika verpflanzte, woselbst ihn Morgan- 
Sohn in roher Sucht nach Vermehrting des damonischen Goldes degradierte. 

a ) Bei seincm Todc hinterlieC J. Pierpont Morgan- Vater, der Trustgruu- 
der, etwa 375 Millionen Franken („Ziiricher Post" Nr. 372, 1919)- 

') ,,Der r e,i c h e r e Jude war mir nte der bessere Jude", sagt Lessing in 
„Nathaii der H'eise". 



— 287 — 

york schon 191 1 ausgesprochen wurde. Dieser Gegner Morgans sagte ^mals: 
SlX VeVtrlee sind Kriegszuchter. Das Ziel der Schiedsgmchtsbewegung 1st 
n^h der V FHed fi c sTnderri ?. * der Krieg mit Deutschland!^) _ ^onnte man an- 
nehmen der verstorbene Rektor Hermann A h i w a r d t hatte recht C*r hat 
weSos hinter manche Kulisscn geschaut) daB ^ff^^^J^lZ 
burg-Amerikanischen Pakettahrt-Aktiengesellschatt" den Morganschen Plan _ zer- 
SCdie gan*e deutsche Handelsflotte unter amerikamsche Botmafiigkeit zu 
brinSnV) dann ware das Ratsel gelost warum - Mor g d -■ 

mS ^Wohnungen in der 5. Avenue in Neuyork und Schottland, stimmberecht.gt 
"~^) Dei furchtbare Verrat, den der amerikanische Filge r" J. P. M o wn JUj JJ 

Charl Tn A^bXcht der groBcn Bedeutung der amerikanischen und kanadischen 
vr ^hJlto T Thomas wird die Munitionsherstellung in Kanada und den Veremigten 
EeEi C r h U ^es A cSBESfn tanntat die Gdegenhek, dar aU f hinzuweUen, daB dcr selbj 

S^dlfe^L^ 

l,ite, n?A im .iiann (de r langjahrige Chef dcr Presse^Abteilung des deutschen 



— 288 — 
ta Schottiand una ^ V^i^^S^,^^.- |» Iffl^Si: 

und Gen., Grander ^..^'''^J^aM^ der Union fur Krieg.zweck«; 
Befiirworter der 500 Mdl.onemDo lar >« benen Be5JtMr dES deutBCh- 

SAr,S- Voi'HeSlS-"^^..!.. MUlionen in Paris und an der 
Riviera veizehrte); Vnr^tand der Elibank-English Whip; 

rSucherungl) auch sieben Milhoncn fur ^ ^™ ndB ; hau « am 28 . November 1918 
palastes spendete. Wie die .-^^^^Ywerke zumfunHachenPreise 
in melden wuBte, hatte Carnegie seine Stanlwerke z urn 1 lnter _ 

essengemeinschaft enghsche " Wcjtherren unfl ^.^ Toc ^ er M 

Br.'. Carnegie ubngens selbst geleg enthch^ d « Miller, einem alten Gc- 

garet mit einem Sohne des St ah Ik o n ^1 & s 1 _ den Blatt ern zufolge - 

"chattsfreundCund^ angetragen habe, wenn 

daB ihm Br--. Konig Eduard VII. J^i 1 *** ° * tan de bringe. Wenn nun Car- 
er ein Bundnis zwischen England und Am nk ^^1^%^^^ verzichtcte, 
negie „ais ,echt er < ammkamscher D™^"* SS Einkreisetaktik des briti- 
S o zeiSt doch dices Gest ^ 18 A ^ e " e I9 dl ? ^S n £. Carnegie in Neuyork ge- 
schen Grofikonigs. — Am "■ A "8 uS V 9 -2,i L einrm lamzeren Nachrui 11. a. fol- 
storben. Die p ,Zuricher *??*??££*& Car "gie ist n U h t der eigentliche 
gende beachtenswerte Satze: , Uer »e g n l 11 u e » p ^ u g fc des 

Carnegie gewesen. Der eigentliche Cariiegi war d r U^e * fi des Lan . 

brutalen Sichdurchdrangen; E^ word ^os zn gebrauchen, daB man ihn un- 

des und wuBte diese Macht derart ™f*™JV' °J sa * me ngerafft hatte, riachdem er 
t e r A n k 1 a g e stellte . ^MegCnngt*™™™™ geschmiedet hatte, 

den Stahltrust zu einem. d « ""ff^^JSSS die Pittsburger Werke glattwea 
machte er noch einmal em Gescha.t. er / er *? u "* Q g aber lang war der Goldstronr, 
an den M o r g a n - Konzern Kurz war J« ^bschluB aber 1 * mck „ sc haf t " . . . 

und damit zu den Stahlkonigen von Am«»ka und ^ sl * Vaffengebraucb5 U nd seine 
voll NippoldB Verurteilung d «. d *" V n titi«hen Seegewalt; wir begreifen, 
r fi c k h a 1 1 1 o s e A n e r k e n n 11 , d jL r ™^ n K r Y~ aUB brucheB nurwfdeut- 
daB cr die „Schuld« und die " U ^ c " ^ d f ^ wi rd die Schweiz nun auch 
scher Seite finder, kann... Durch ^ 5 P ^,iT h iJ kleine Atpenrepublik nicht nur 
due f ,C«negle-Bi^ 

wirlschaftlich, sondern auch S«stig-knlturc Idem Ang t| j chen Fre imaurer- 

nismu*, Cinegismus und L1 ^ d b ^^ ^nolh daB Carnegie die deutschfemd- 
tum restlos ausgehcfertl - Zu bernerk ^en ia : no c n Alfred He n 

liche .Fnedenswarte" des gr« « 8J ^ sc ^^ ' Stund e, als der Eintritt 
Fried auch noch in Kriegszeiten untersto J?* 6 ' ,?" z Frcunden stortc. Kurz vor 
Amerikas in den Krieg d« Verbmdungen ^h jnto ^g n , CaTnegie aoch au£ 
Ausbiuch des Weltkrieges -- im Jul. W-wdte „Br. 
seinem Schlosse Skibo Castle in S c h o t tl a n d. 



— 289 — 

O^n HUU *eid, PrU. dent d er Tr*nne"-As S o C iatio„. _ bdd* Leirer der 
^nglischen Propaganda 1 ) in der Union, 

^Middle^Tempels" m London; Eouitable Life Assurance Society"; 

- Frank A. V a n d e r 1 1 P und . FraM» L. h 

der Wall Street (Morgan & t-oj. .. . ,. ... _,_ ^r„*in.er- 



! 5 ^ 



|«r Wall Street (Morgan & Co.). „ ltiotia i e Verteidignng der Vereinig 

Im Morgan,chen Kom.tec : te „L, B a far nat k>«1. 
ten Staaten" ^erbetoden S1 ch « a d e H . . . . t „ ,.... 



ten ^a^beroVniden S ich .. a. die Herren: ^ Re 

^Ln^^dSV^ineS SW-JSS 

Verteidigung" gibt . (d euglischen Agehten") yerbunden 

Durch Teilhaberschaft mit Morgan ^ un " ^iiltrmillionare Cornelius V a n d e r - 
DU JnS dann u. a. noch die ^^V^^Tx*** der .tnerikamechea 

^bilt und John Percy Rocket el ier j, 

— J " ii A* r ^Ptschiedenen ..amerikanischen 

- * Kennt man erst die Beziehungen all de ^ ""^^jg " zn Beaulieu bei 
Pilger-Cde Morgan, James ^^^^^^S'Tt^uuA zu den hochst 
NiwS, Ochs, Reid, Rathom usw.) zur a ^ er d ^^ ellschafteil - di«er selben Her- 

o 1 ri 1 f:n H ^;in«ern. **^"JTj?^*&^ *«&.** "» ^ 

kann nicht anders sein, als da6 e.n "^"^^"nden" und mm wieder den 
dn.ne?ikani S che Presse znerat den „f r i e d Ut ben fc ^ Tag «bl ? tt« 

^i a es£ris che„ Sinn Wasons uber aHes^^ { dam.t » 

de'n N KHe g n Sain/ w^enV dat ^ und scb.ieBlich t ordere . . . (v* _„«■ 

Za -Wir N ?n E e^ V rnocH A H^ 9 S.Her, r Gordon , B-- -- ^^n ^J c°n I 

J nnil a r s fur d e 11 amenjfan scncii » > . t Sui . 

Deutschenmorder im Juli 1910, u^ ip 

Heiae, Entente TrcimaurereJ. II. 



— 290 — 

Makler und (als geboreuer EnglanderTeiner der Hauptlinge der amerikanischen 
Friedens- und Schicdsgerichtsgesellschaften, Henry Clews 1 ) (m seinen Bureaus 
#erden Kriegswerte notiert!!), — sowie der President der Neuyorker Borse T 
Noble, durch dessen Vermittlung die Morganschen Knegspapiere unter das 
breite' Volk gelangen, wobei wicder zu beachten ist, daii in Amerika im Vcr- 
lattfe von tiur sieben Wocheti — die Collmann als Beispiel nin.mt — bis zutn 
2. Oktober 1915 fur nur zwanzig Arten von Kriegswerten 13 SH 000 Anteile in 
Hohe von 1 366 835 83? Dollars gehandelt wurden s ). 

(Ileute — nach dem Kriege — gibt es [laut „Zuricher Post" vom 17. August 
1919] in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 20000 bis 30000 Dollarimllio- 
hare Vor dem Kriege zahlte man nur 12000 Dollarkonige rait einem BesUz von 
einem Viertel des Weltkapitals., Die jetzigen DoUarmanner bcsitzen zwei Funftel 
des Weltvermogensl Dabei sind es — nach den Mitteilungen N. Bucharins tn 
seinem Buche ..Prbgramm der Kommutiisten" [herausgegeben von Nationalist 
Flatten in Zurich], S. 45 — aber nur zwei amenkamsche Groflbanken, die uber 
die gesamte Industrie der Vereinigten Staaten beschlieBen! Dicse zwei 
GroBbanken verbinden also 30000 Millionare miteinander und damit zugleich bald 
die Halfte des Weltvermogens . . . Dall sogar Woodrow Wilson in 
seinem Buche „Die neue Freiheit" (S. 159/160) sagen muflte: „Einc verbal tmsmaBig 
kleine Zahl von Mannern hat die Herrscliaft uber die Rohstoffe Amenkas, uber 
die Wasserkrafte, die Eisenbahnen; sie beherrschen die Preisgestaltung und das 
Kreditwesen des Landed/' Selbst nach der maurerischen „Neuen Zvircher Zeitung 
vom 34. Eebruar 1919, MittagsbLatt, machten die amerikanischen „Pilger^ durch 
den Krieg utibcgreifliche Kreditc: Die Steel-Corporation altein sackte 
auf ihr Stammkapital von rund 508 Millioneu .Dollars fur das einc Jabr 19 16 
49% % Gewinn tin.) 

Das ganze schmachvotle Gebaren der Morgan-Leute wurde illustriert 
durch die verschiedenartigen „Stimmungsberichte" der Morgan-Tagesblat- 
ter. „New York Times" schrieb am 26. Juni igis, als die Mittelstaaten 
in der Sonne ihrer Often siven standen, dafi Deutschland und Osterreich 
vor dem Bankerott stunden : Deutschland konne nur mehr mit 16%, 
Osterreich mit gar nur \\% seinen Verpflichtungen nachkommenl Solche 
Ausspruche diirften samt und sonders auf Br. ■ . Karl Kramarsch zuriick- 
zuleiten sein. Denn dieser hintertrieb ja auch die Zeichnung der oster- 
reichischen Kriegsanleihen in ganz Bohmen und Mahren und selbst 1m 
deutschen Osterreich. Dafur aber klang zur selben Zeit mit gcwolltem 
Nachdruck der Ausspruch des President en der New York Trust Company, 
Otto T.Bannard, durch die Welt : 

der Mbrder wurdc, weil seine Tat „in nationalem Uberschwang" gcschehen aei, 
untcr dem Beifall der Tribune freigesprochen .... , 

J ) Charles A. Collmann schreibt: „Vor einigen Jahreti haben wir Henry 
Clews in Carnegie Hall gesehen, wo er sicli bemuhte, dem amerikanischen Volke 
einen Schiedsgerichtsvertrag aufzunbtigen, der England bcgiinstigte und 
gegen Deutschland gerichtet war. Er ist Prasident_ tier American 
Peace und Arbitration League, die von der Morgangruppe in Engl an ds 
Intcressc gestutzt wifd." („Dic Kriegstreiber in Amerika", S. 75). 

2 ) Collmann sctzte 1915 hinzu, dafl cs wohl das Doppelte an Knegswerten gibt, 
die der amerikanisch-engtische Geldtrust im Publikum umsetzen laBt Dabei tneben 
die Borseumanuer in diesen sieben Wochen ein solches Spiel, dafi z. B. die Cru- 
cible-Kriegsaktien von 18H Dollars auf 92H Dollars, die Coal Products^Knegs- 
werte von 82 auf 170^ Dollars und die beruchtigten Bethlehem Steel-Knegspapierc 
von 29 auf 311 Dollars emporschnellten, — Ein Handler in diesen Morgan-Papicren 
sagte: „Ich liabe bereits 3000 Dollars an „Crucible" verdient; dies wird genugen, 
um tausend Deutsche zu to ten . . . — Welch grausame Spekulantengruppe regiert 
doch die Welt und dirigiert den Krieg. — ! In Schamlosiskeit ohtiegleichen aber 
rufen diese „amerikanischen Pilger" aus: „Der Zweck unserer Gesellschaft soil 
die Forderung des Gefuhla der Briiderschaft unter den Nationen sein!" 



— ' 29 I — 

wahren, entscheidende Schritte unternehmeti ... t 

Wie eine Erganzung Otto Bannards schrieb das rumamsche Regie- 

rungsblatt Marghilomans, „Steogul" : , . ■„ 

„ L « s t man die Reden Wilsons, d,e d- An™h«ii crweck e,i solleu a s ob^.ie 

einem rulugen G^issen ^t^rmgen , ld n At ^fli^t * ^^^ als ob 

und der MenscWichkeit in ^'^^^zeug^^er amerikanischer Riesentru fi te 

^ a r e rjr s rv^^ ^*™r "t-;v; e n 

A; r(in mm lufler Morean Orenfell & Co., die enghschen 

Edward Sopfcinson H olden , Sir Henry Babb.ng on S m t A, B ^ B 

^^^^^»^^ r de S n „P ilg ern.. 

iii der Wall Street nur noch zu fugen .... - 

Am t Oktober tqK fand unter Anwesenheit von R u i u s 1 s a a c s 

GroBlogenk.pitalismu, Brit.nni^ seit lQl4 (iOr 

Isaacs ist nach den ,.Konstanzcr Nachrichten ^ r " A 7r Tn haber eines besondereu 
seine Uienste zur Entfaclmng des Kneges? D. Verf.j 



"' ,-T: 



* -M 



— 2 9 2 — 

Hoehadelstitels. Sonst „ist er von dunklem und unschmackhaftem Ursprimge" 
fend war „der Reihe nach fallicrter Aktienmakler, Advokat und Berufspohtiker. 
SchlieBlich bcraubte er zusammen mit seinem Busenfreund Lloyd George 
die Nationalbank, und die bciden wurden vor einem parlamentanschen 
AusschuB im Marconi-Skandal als 6 £ f e n 1 1 i c h e Sch windier blofi- 
gestellt." — Nach dem 1919 erschienenen „Semi- Itnperator W 1 1 h e lm II. 
(aus dem Verlage Franz Eher Nachf., Miinchen) ist Rufus Isaacs-Reading als Nach- 
folger von Lord Samuel jetzt Londoner Lordmayor (Oberbtirgermeister) und 
, gleichen Urspiungs wie Lloyd George, der elgentlich David Levi (Lowit) 
heifit". (Die Beziehungen der beiden zu Lord Noortbrooke aus dem Hause 
Baru'ch [Faring] werden nicht wenig zum sozialen und politischen Aufstiege 
Lloyd Georges und zur Pcerserhebung Rufus Isaacs beigetragen haben,) — Sir 
Edward H. Hoi den, der andere Mitbeauftragte Englands zur Angliederung 
Amerikas an den Krieg, ist'Prasidcnt der „London City and Midland Bank". Nach 
den eben genanntcn „Konstanzer Nachrichten" ist der Direktoren-AusachuB dieser 
Bank ein wahres Nest von MitgHedem und politischen Dienern der mternatio- 
nalen, Hochfinanz". Hervorragend darin sind Sir Alex. Goschen, Sir Edward 
W Stern (zwei jiidische Finanzmagnaten), der chemalige Finanzmimster Mac 
Kenna (untcr der Kriegsregierung Asquith) und Minister Sir Arthur Nicol- 
son einer der britischen Kriegsverantwortlicheu und Freunde Br.-. Komg 
Edua'rds VII. (Nicolson war friiher britischer Botschafter in Petersburg, wo- 
selbst er 1907 den Vertrag mit Rulitand schloB, der Englands Machtgebiet in Per- 
sien starkte, RuBland aber dafiir den Vortritt anf dem Balkan sichertel Seme 
Tatigkeit zugunsten des Weltkrleges brachte ilim den Titel eines Lord Car- 
tiock einl Lord Nicolson-Carnock war — nach dem Ausspruch desFiirsteu 
Lichnowsky, des deutschen Botschafters in London bei Kriegsbeginn [vgl, 
„Meine Londoner Mission" S. 32} — zugleich der Vertrauensmann des 
iranzSslschen Botschafters an der Themse.) Nach den oben erwahn- 
ten „Konst. Nachr." „wird H olden imtner dann von der international Hoch- 
finanz in ihren Dienst gestellt, wenn es sich um einc auBerordenthche Bank- 
schurkerei handelt", so in dem hier angefuhrten Falle, als er nach Neuyork be- 
ordert wurde, um Amerikas KHegserklarung an Dentschland im Morgan-Konsor- 
tium einzuleiten und mit Morgan gemeinsam die Schwinddtransaktion in Szene 
zu setzen, von der wir S. 62/63, FuBnote 3, gesprochen haben, der den Sterling 
mit einem Schlage von 4% auf 7 Dollars in die Hbhe schnellen lieB. 

Die weltfreimaurerische Kapitalsversippung hatte es schon vor sechzig 
Jahren (!) zu anaehnlicher Macht gebracht. Damals schon wtes der britische 
Lord John R e t c 1 i f f e durauf hin, dafi das Kapital des Hauses Moses Monte- 
fiore 2 Millionen Pfnnd Sterling, das des Hauses Samuel Montague 500000 
Pfund Sterling, das gesatnte britisch-judisch-poHtische Kapital aber 260 Millionen 
Frankcn betrug, nicht eingerechnet die M-illionen der Rothschilds, „der 
Fiirsten der Bor'se" T deren Pariser Haus damals bereits uber 200 Millionen Fr. vcr- 
fugte. Heute gebieten die Welthauser der Rothschilds bereits uber 45 Milliar- 
den Fr., wogegen das gesamte deutsche Industriekapital noch 
nicht 15 Milliarden Fr. umfaBtl (Die Rothschilds besitzen also dreimal 
so viel Kapital als alls deutschen Industriellen zusammengenommen!) Das rus- 
sische Staats- und Erwerbsleben wurde vor der bolschewistischen Herrschaft 
(naclrN. Rucharin) von nur vier Banken behenrscht. Heute geht — Hand in 
Hand mit Groiibritannien— Nordamerika daran, die gauze Welt mit 
seincn Milliarden aus der „Pilgcr*Strafle ( ' (der Wallstrafie in Neuyork) zu uber- 
schfitteu. Schon vor dem Kriege hattcn die Vereinigten Staaten eineri Ausfuhr- 
uberschufl von jahrlich 500 Millionen Dollars zu verzeichnen. Jetzt wollen sie (den 
AuBerungcn von D. W. Morrow vom Hause J. P. Morgan & Co. znfolge) mit 
432 Millionen Pfund Sterling = 2 Billionen Dollars (!) „die Kreditbedurfnisse ganz 
Europas befriedigen" oder T mit anderu Worten, ganz Europa unter die Ausfuhr- 
politik Anglo Amerikas beugen. Dies zu vollbringen, war ja der Urgedanke der 
Kriegsbeteiligung Englands und der nordamerikanischen Union. 

Was die S c h w e i z bctrifft, so werden — nach der , lurcher Post" Nr. 318 
(Juli 1919) — zunaclist 20—30 Milliarden Dollais in den hdvetfschen Industria- 
tismus veiankert werden ; dem eine weitere Amerikanisierung dieser kleinen Repu- 
blik folgen wird. Zugleich errichtet die ^National City Bank of New York" ihre 



— 293 — 

-Fillalen in der Schweiz und nach der .Deutschen Allgemeinen Zeitu^ ^vorn 
I Juli 1919 beginnt die ..National City Bank of New Yoikjy h f?™™* "^ 

s,Jz «r%i,'zJ. .1.. .. ;* "a»„- s^ts .«™ 

:p§iiiiiiisp 

LT;- _ au" der KeuTX VVallstreet „nar zu gerne »&h«." , wenn »■« : dure , e.nen 
k\ i ei" to V^dn^n Staaten n,!. M «. o „u n a»ch noc^d ■ « S. e h .« 

heit ihres Bcsi tzes a n O I t e : I a e r n n 11 1 x- a H Friedens- 

rSche Liftfaizeuec an der Grenzc gegen Mcxiko bcreit. NorthcHffesche 

4merika hat den Vorrang bereits so weit gewonnen, daB der Worthcimescnc 

,. Da ^S(n August 1919) schon die amerikanische Konkurrenz mr Eng- 



— 294 — 

U„d befuichtet. Trotwien. kommt Samuel Zurlinden it! seiner neucst<£ Schrift 
,E*r Volkirbund und die Schwoi*" ^ dem e.gen»rt,g e n Lob .;*■"««><» ^ d,e . 

« untefbinden, wobei die franzdsischen Frcimaurcrbunde die f^ven «nj^ 
^t.itzten [DaB die franzcsischcu Brr. - die jugoslavisclie Pohtik zura bciiaden 
fta icns begUifstigten, das batten wir auf S. 16 schoa angedeutct]. Das Betragen 
^InzSeS Eogen habe _ «* „Per«veranza" _ eine B ewe* u« der 
italischen Loge ausgelost mit der Tendenz, sicli von der uberlieterten ad 
hSngigkeit gegcimber der franzosischen Loge freizumachen. [Bcncht der 
„Schle&ischen Zeitung" aus Bern.]) . , 

Honen dollar Anicihe zu 6% an Polen geaichert. seiCge deck t durch von 
' pSniVchen Burgern gezeichnete am e r i k a n t b c h e Verte.digungsbons 
[Kr iegsanleihe]). Das Ende all der kapiulistisclien Transaktionen m den Mittel- 
faaten Europas aber wird ,ein (wenn eine Abwehr mebt , recbtze,^ im Sim 
vollstandig ncuer sozialcr Umgcstaltung getroffen wird, wie wir eine solcne hi 
d?r 1S F«fln?t e S. 175 angedeutct haben), dafi Uberall die besten y^e.nehrnungcn 
vom anglo-amcrikan.Mhen Kapitai verschlungen werden Dann wird es dahin 
kommen daB sogar die Auhifchtsrate mid Direktoren der verscb .ed^tcn B - 
triebc von den Logcngewalttgeu emannt uiid gelenkt werden und damit scnlieU- 
lich die gesamte mitteleuropaische (und vor allein auch d c n t s c h e) Indiistric 
in em Ansestelltenvcrhaltnis zu Amenka-England trittl Was die 
deutschen Arbeiter von solcher Versklavung d« deutschen ^Industrialism^ 
und deutschen Gewerbes zu erwarten haben, ergibt sicb von sdbsrt! Leider er- 
kennen die derzeitigen Hhrer der deutschen Arbeit erschaft die Gefahr nicht; 
verstrickt in wirklichkeitsfremde Thesen' und Theorien, die ihnen der auf bri- 
tischem Boden gediehene sogenannte Marxismus seit siebzig J a n r e n 
systematica cinimpft, finden s i e so wenig wie das deutschc Unternehmertum 
seibst heruus aus der sozialen Not . . . Inzwischen miihen sich sch on li e u t em 
den Beigwerkcn, Spimiereien, Fabrikcn der Vereinigten Staaten rund 180000 Kindci 
unter 15 Jahren (darunter 80000 „kleine Madchen"), bis n Stunden taglich, allc 
fast ohne Erziehung lebend, uni ibr Brot zu verdienen . . . 

Wir sehen, man muB in allem tiefer schauen, als es der gcwohnliche 
Zeitungsleset tut. Und es gewinnt die Unterrcdung, die cin Mitarbeiter 
des „Petit Parisien" in Kopenhagen mit dem amerikanischen Sozialisten- 
fiihrer Reinstein anlaBlich der Sozialistenkonferenz in Stockholm 1917 
hatte schon ihrc besondere Note. Reinstein sagte, dafl in Amerika 
zurzeitda^ Grofikapital rcgicre, in das nun auch 
wiedercincTochterWilsonshineingelieiratethabe! 
So sei der Krieg in allem ein Kampf urn Handelsmonopole und Geldmacht 
geworden. Damit hatte Reinstein bestatigt, was kurz vorher der amerika- 
nische Journalist Isaac Marcos sohn gelegentHch eincs von lhm 
gegebenen Bankctts (auf dem sein mosaischer Logetibruder LordNorthchffe 



— 295 — 

den Gastgeber f eierte) antwortete : Der Krieg ist ein riesenhaftesGeschafts- 
unter^ehlen, wobei nicht der Heroismus der Soldaten sondern diej Ge- 
sch^tsorganisierung das Schbnste ist, und Amerika ist stolz aufdie gunstige 
Geschaftslage, die es erlebt (Meldung des Inf -Bureaus aus Rotterdam 
vom 13. Mar, 1917)- Weil. dem so ist, und well die Loge tatsachlich die 
Macherin des Krieges ist, deshalb konnte der freimaurensche „ Matin 
Sn An fang ^farz 1^17 den sicheren Kriegsausbruch zwischen 
Amerika mdDfutschland als „innerhalb vier Wochen unbedmgt ausbre- 
S vorherkunden. Und das fuhrende Organ Sudamenka , d.e 
cntenteRCtreuc ^Prensa", konnte (nacb einer Korrespondenz der Neuen 
Zurchel Zeitung" aus Buenos Ayres, datiert Februar 1917) behaupten, 
WiUon hab sxch seit einem vollen Jahre fur seine Politik gegen Deutsche 
^ un die Einbeziehung Argentiniens und der ubrigen ^temisch-sUd- 
arnerikanischen Republiken (Brasilien, Chile, Uruguay) in dieselbe vor- 

bere An t dieser Stelle duifte eine Aufierung des Geschicbtsprofessors Dr 
Theodor Schicmann (die diescr auf S. 4?o [des 2. Jahrganges] der 
.Deutschen Politik" machte) gedacht werden : 
;..,D, Geschoft - sagt Schwann .- (wie es ei» ^™^S^^ 

die Publizisten Dr. Beer und 1 ^iessa r t r; an k i , S[mon 

Dr. Abraham Flexner, Dr. H. Leipz.ger; die M U di n r J . oretzki, 

Flexuer; die Rich tcr Bcojamm Card°^Lo«» M»r«^l und A^ J ^ 
_ O.kar StrauB kjiupft da «n die Bet ^Jf^- 1 ^ ln mc , nCr cgencn Fami- 
eine Tatsache zu bckunden, und ^ " . i ^ e nft d er seit Begiim des Krieges... 
lie in ad ihren Verzweigungeu es k, . e ^«^ d " a ^ is * wic i c b s e 1 b s t. 
nicht cbenjo e 11 1 h usi a sb^ ^hfn z^ammeSen, dafi r wie von der ame- 

m ti 1 1 g bezeiebnet werden .. , J ,., (fl ., 

Hsmus der'die „Sache mfcht". Nirgends spielt Reichtum etnc groBere 

_ r^ «-« hin Z u t daB cinp.FjjnkCohj (de r vo n ^ka^StrauB^c ht 

aufgezahlt ist), Renter vom ^ ; ^t ^^S^ m N ^ damenkas ^ ihr m 5gtich- 

Neuyork sagte, daG d.e ,.d e u tac e 1, Dcmp ,r a » ragcrii _ Ein Eugen 

& tes tun werden, 11111 zum S f efif <l c r a 1 11 , ,. L e K6nig Salomo" 
C o h n ist Stuhlmeister odcr Sekretar der t A e u t a c Ji 
in Neuyork. 



— 2y6 — 

Rolle, als tx?i gewissen Logenbriidern und gewissen — durchaus nicht 
alien! — Israelites Ihren besonderen Trumpf konnen sie naturlich aus- 
spielen, wenn Wilson selbst Freimaurer und, wie bestimmt versichert 
wird, an eine j u d i sch e Frauenrechtlerin verheiratet ist! ') 

Es konnte tins leicht angedichtet werden, dafi unsere Darstellung eirte antisemi- 
tische Farbung zeige. Dem gegeniiber stellen wir fest, daB wir schon auf S. 17 
darauf hmgewiesen haben, daB nach t Guido von List sowohl Juden als Antisemi- 
ten der „Internationalen Einen Parte!" angehoren, und ebenso Katholiken und alle 
Arten sonstigcr Leute. Selbst Neger und Mulatten werden ja nicht als Heifer yer- 
schmaht und deshalb in die Logen aufgenommen. Ein blindwiitiger Antisemitis- 
mus hatte also schon aus dieser Erkenntnis heraus in unserem Buche keinen Sinn 
und wir konnten einer bloBen Anfeindung der Israeliten deshalb keinen Raum 
gewahren. Wir wissen viel zu gut, daB in den Israeliten nicht nur negative Kr&fte, 
sondern auch positive Krafte wirksam sind. Denn die Evolution des Menschen 
kann nicht Halt machen vor irgend einer Rasse oder Nation, gleichviel welcher. 
Deshalb darf das, was fur viele Eiiizel juden allerdings zutrifft, nicht u 11 1 e r - 
schiedslos auf die sogenannte w wurzellose Rasse" ubertragen werden. Und 
y o r u b e r ist die Zeit, wo die aus den gei&tigen Welten sich lierabscnkenden und sich 
inkarnierenden Seelen lediglich die Rasse und die Nation a 1 i t a t c n suchten, 
vielmehr steigen heute aus alien Volkern der Erde Seelen zum geistig-fort- 
schrittlichem Erleben auf. Wir wollen dies gerne 1m Gedachtms 
behalten, urn so mehr, als wir wissen — und auch die Ententc-Freimaurerei 
konnte sich dessen bewtifit sein und das Entente-Judentum hatte dementspre- 
chend handeln diirfen! — um so mehr als wir wissen, dafi aus dem Zusam- 
menstrom der nordlich-arisch-indogermanisch-iranisch-babylomschen Kultur- 
flutweile tinerscits mit der sudlich-arisch-keltisch-germanisch-agyptischen Kultur- 
welle anderseits das Judentum schorr friiher zu seiner besonderen und wich- 
tigen Mission innerhalb der Evolution der Menschheit — kraft hoherer Leitung — 
hervorging. 

Die „wurzellose Rasse" — um ihrc ursprungliche Mission anzudeuleii - -, 
geworden und -gebildet aus dem und gemischt durch den Blutzusammen- 
fluB aller ihr vorausgehenden alten Kulturvolker Indiens> Persiens, 
Babyloniens, Agyptens, bezw. der indogermanischen Rassen, hatte folgerechterweise 
eine ganz anders geartete Lebenstendenz in sich. Dies mufite zu einer besonde- 
ren Kulturtat fuhren, die sich neben die bisherigen Kulturen stellte. „Wurzetlos", 
also urspriinglich nicht imreincn Blutzusammenhang mit den Vor- und Neben- 
volkern stehend, konnte das alt-israclitischc Volk nicht im Zusammenhang, mit 
der polythejstischen Glaubensrichtung der alten Inder, Perser, und neben ihneu 
lebenden Chaldaer, Agypter, Griechen und Germanen bleiben, — losgelost vom 
alten wurzel li a f t e n Blutszusammenhang, muBte von den Ur-Isracliten ein be- 
sonderer „neuer" Rassen- und einziger nationaler Gott gesucht und 
<in Jahwe— Jehovah) gefunden werden, der ihnenWegleitung gab und Ihre Geschicke 
lenkte. Damit stellte sich als zweiter Pol neben dens either alleinigen Polytheis- 
mus der Volker der Monotheism us der Israeliten wie eine neue Lebens- 
notwendigkeit hin: die Menschheit mufite den Monotheismus als neues Kultur- 
element aufnehmen. Unsere h e u t i g e Geisteskultur mufi nun den Zusaramen- 
klang von Polytheismus und Monotheismus finden, indem sie den Christus 
oder , t Messias" (der auch in alien polytheistischeu Mysterien der alters- 
grauesten Vorzeiten vorverkundet worden war; den Indem als Vishvakarman, den 
Persem als Ahura Mazdao, den Germanen als Widar usw.) in den Mittelpunkt 
stcllt, und dazu mussen alle Volker beitragen, und also anch die jiidischen 
Mitburger aller Staaten der Erde, denn der Name „Israel" heifit in gut ario- 
germanisehem Ur-Wortsinne ja nichts anderes als „der des Gottlichen bewuflie 
GroBe". 

Aber gerade darum mufi festgeh alten werden, dafi eine ausgesprochen einseitig- 
- judisch wirkende Presse im Dienste der Loge arbeitet Wir nennen nur folgende 

*) In is Staaten der Union haben die Frauen das Recht, an der Wahl des 
Staatsprasideriten teilzunehmen, sie gaben auch den Ausschlag bet der Wieder- 
wahl Woodrow Wilsons wahrend des Weltkrieges. 



— 297 — 
Blatter- die New York World", sie begriindete der getaufte Jude ^ fuHtzer; 

^"nlfa whtoVSd. nicht anzunetaen. dafi die 43 ojo Jwte. «ll.in in der 

richSS SrUU^uVeuLen, d.s Ut die Tatsach E , daS das Judentum ,mm«r auch 
der eigentliche Groflsieeelbcwahrer des aba r ak t . U » s ™™ 
SS?A tt O^ket'daf & S2 Mfntun! ^J^LtlL ^ 
p^t M T hh«, ube.^ «.edej u b e r w u a ^ ^ E «„i£ 

begonnen hat . . . x ) 

Die Haltung der amerikanischen Logenbriider und besonden i die dts 
Prasidentet. Wilson wird im besonderen erst verstandhch, wenn man 
I „Mck auch in tJberliefertJngen hat die auBerhalb okkttlter Kre.se so 
eut wie unbekannt sind. Gerade diese Tatsache weist darauf hin daB die 
Ireimaurer noch immer manehes aus alten Tradition™ , bewahren ™ e v,el 
immer davon ihnen auch entschwunden sein mag) und dafl sie z«w«len 
a"ch fiir neue okfculte Offenbarungen zuganglich ble.ben (wenn s.e so che 
auch uiiBve"stehcn und miBdeuten). Da hat der „V.zeherrgott 
Woodrow Wilson (nach Renter) untcrm iS. November 19.7 _von , St Paul 
(in Minnesota) aus eine Botschaft erlassen, die u. a. folgende Satze eathalt. 

Lommen aller Nationen Enropas ans ^^I^OtaS- "S'a'ffen'aben Die 

AriSSklaS? Ea ist ein Kric S «r jeden rechten Amer.kaner ... 
Und am 9. luni 1918 gelegentlich einer Vorbesprechung mexikamscher 
Zeituugsschreiber bci dem Phraseur Wilson auBerte d,eser. 
,.J,t«t, ineine Herren, . . . h e r r ae h t ,, er E i .nt 1 .«! der Veee ,„ ..tcu 

Von einer neucn Rasse, von cinem n e u e n G 1 a u b e n spncht 
Willn" Seluf amerikaDischem'Bodcn crbltihcn und gedchen sollen . . . 

«)"0be7das ..sehauende BcwuBtaein" vgl. bei Dr. Ruck Steiner. „Vom U^- 
schenratsel", S. a 3 7ff. (Philoaophiach-Anthroposopluacher Vcrlag, Berlin W, 

MOt "so genann. in den ,Nea«B Zurcher Nachr." vom .4. Februar .9.9. 



„_ 298 — 

Obwohl wir keinen AnlaB finden, die salbungsvollen Reden und Botschaf- 
ten Woodrow Wilsons aus einem wirklkhen spirituellen Impuls ab- 
zuleiten, diirfen wir doch annehmen, dafl dieses und jenes aus alter weis- 
heitsvolter Uberlicferung audi Wilsons Seele leise beruhrt habe. So gut 
wie der von uns des ofteren zitierte Autor H. P. Blavatsky aufler jn Etiropa, 
Indien und Agypten besonders auch in A m e r i k a von okkulten Bruder- 
schaftCn und Freimaurern atler m6glichen Schattierungen bestimmte Leh- 
ren empfing urn sie an die Mcnschheit heranzubringen, jedoch in dcr 
Absicht damit zugleich politisch zu wirken, wie das Naehf amende 
zeigt, so werden auf den I^rasidentcn Br. ■ . Wilson entsprechende, ahnliche 
okkulte Traditionen iiberliefert sein, die von einer -zukunftigcn 
" geistigen und phvsiscben GroBe Amenkas sprechen. 
Denn es gibt — wie iibera'll in der Welt neben hochst einsichtsvollen Men- 
schen selbstsiichtige Kreaturen einherschreiten — tatsachlich (und 
besonders in Amerika) okkulte und okkult-maurerische Bruder- 
schaften die gar nicht der Menschheit Wohl im Auge haben, 
sondern' ihre ganz personlichen, durchaus eigenniitzigen, egoisti- 
schen und durchaus p o 1 i t i s c h. e n Ziele verfolgen. Wahrend Blavatsky 
(in RuBland geboren, in Amerika eingeburgert) sich neben kleineren Ab- 
irrungeq. in der Hauptsaclie wenigstens gewissen okkult-politischen Ein- 
flnsterungen gegermber zu bebauptcn vcrmochte, wird Herr Woodrow Wil- 
-" son, der mit darwinistischer Weltanschauung Weltgeschichte machen will, 
den" politischen Machtgcluste-Einblasereien von Seiten solch okkult 
geschulter Ordensbruder ganz verfallen sein. So wurde er — so scheint 
uns __ ganz das blinde Werkzeug seiner „Meister", denen er nun willig 
folgt eine neue Rasse", einen „neuen Glauben" zu verkunden a u f K o - 
stendesdcutschenWesensun-ddesdeutschenVolkes, 
#dem der ,Garaus" gemacht werden m u B . . . Gewisse Dinge in den 
Schonredereien und schwatzerischen Botschaften Wilsons weisen direkt 
darauf liin dafi Wilson nicht fret aus seinem inneren Ich heraus handelt, 
sondern wie von fremder Macht getricben wird. Horen wir damit wir 
die hicr angefiihrte besondere Botschaft Wilsons recht emzuscbatzen 
vermogen das, was unser maurerischer Autor H. P. Blavatsky auf 
okkulte Inspiration bin schon urn das Jahr 1887 herum auf S. 403/04 des 
dickbandigen Werkes „Anthropogenesis" schrieb : 

, . Die Menjchenrassen werden cine aus der anderen geboreu, yachsen cntwickehi 
' Rich, ^verden alt and sterben... Andcrseits wird es von den meistcn Natur- 
forschern formlich geleugnet, daB R,emischte Metisclienrassen, d. h d>e bamen 
fiir ganzlich neue Rassen, lioch weiter in unseren Tagen gebildet werden, obwohl 
das Ictztere tatsachlich aus guten Grunden von de Quntrefages ) und cim- 
gt>n anderen behauptet wird . . . Einstweilen ist dies (mm folgende) die Fn> 
phezeiung der geheimen Buchcr (aus denen Blavatsky schopfte) und lhrer niclit 

Seit dem Atibeginne der atlantischen Rassen sind viele Milkmen Jab re ver- 
gangeu... Wir finden da3 ungehcure t)bergrcife n der cmen Rasse uber die 
Rasse wclche ibr nachfolgt ... Die altere Rasse verliert 111 bezug auf Charak- 
tcr und aufieren Typus ihrc Eigentumlichkeiten und niirmt die neuenZuge der 
iimgeren Rasse an. Dies erweist sich in alien Rildungcti gemischter Menschen- 
rassen. Nun lehrt die okkulte Philosophic, daB eben jetzt, gerade tinter unseren 

*) Quatrcfagcs de Breau, franzosischer Naturforscher, Professor und Arzt, 
vcrdient urn die Naturgeschichte der iiicderen Tiere und um die Anthropologic. 



— 299 — 

Augcn, die Bilduns einer neuen Rasse und tieuer Rassen sich vorbereitet (1), 
unddifldieUmwandlunsiiiAmerikaatatt in^en wird und bereits 
im Stillcn begonncn hat. Rcine Angclsachsen yor kaiim drcihundert Jahren, 
»nd die Anicrikaner der Vcreinigten Staaten bereits eine Nation fur ^h gew or- 
der, und infolge einer starken Beimischnng verschiedencr Nationahtaten und 
von Zwiscbenheirat nahezu eine Rasse ihrer cigenen Art, nicht nur £«itri, 
sondern auch physiscli ... So Bind die Amerikaner . . . kurz gesagt, die Keime der 
^ccnVten Unterra'sse (innerhalb der arischen groBen, weltumfa, S enden^nx«b 
unl Kenptrwie) und werden in -1 r, 1 s ? n w e 1 1 e r e 1, h u nd e rtj hre n 
ganz entschieden die B a h n b r e c h e r je„er Ras s e wer d ei , u Ichu O r 
cct'cuwartigencuropaischen oder funtten U n t e r r a * s c i o l - 
K ulnt'lltn iliren neuen eharakteristi^hen Eigenschaften. Damacl, , in 

Simefah 25000 Jahren, we, den sie sich in Vorbereitungen fur die s.ebentc 
Unterra.se begeben, bis schlicBlich - inlolse von Umwalzungcn, die 
eincs Tagcs Hnrcp? und uoch spater die B ai,« arise he Rasse zcr, toren „ nd so 
- beide Amerika beeinflussen .. - die s e c h s t e (II a u pt -)\\ u r z e 1 r as s e . . . 
tTSchicncn sein wird . . " 
Was tat nun Herr Woodrow Wilson mit solch maurcrisch-okkulten 
Andeutungeu? Er iminzt sie in Dollarnoten um . «■ gebraucht 51 e um 
len NatiolaHtaten-Chauvinismus zu fordern. und ]en en B^tetrten 
Pilgern" zu diencn. deren „neuer Glaube" der Mammomsmus der Wall 
Street ist und dercn Opferrauch von endlosen Le.ehenf eldern der Sehlach- 
tn ™HUl schwadet . . . Wohl mag die nene Rasse e.mgc 
Keime in amerikanischem Erdrcich haben; aber Mr. Wi son ist nicht 
Si Gartner und nicht iht Erwecker. Nur reinstem Ge.ste kann s.e 

ent Sokh n erlei okkulte Prophetic wie sie von Blavatsky der Welt gegeben 
wurden sind aber durchaus geeignet, gauze Bundel von geheimen 
M^nationeu 71, decker, und dabei neue M.ttelspersonen - w.e 
WoodVo v W 1 on - vorzuschieken, um das, was im allerengsten Kre.se 
von okkulten Weltbctrdge'rn ausgeheckt worden ist, zu poht.scher Nutz- 
iiieBune- in Wirksamkeit zu setzen. , 

Unfer ahnlichem Eindrucke gegenuber Br.- W.l«» . w.e w - 
viclleicht auch Ferdinand FaBhauer, als er schrieb („Dcr Weltkrieg , 

ioimerik. da. Land und VoU. to Extreme . de, ^^^^ a lsT ra" 

dtitren StfdmuUcn i.»"bcu und dann der V-n«ht«» *********** ■ ■ - 
Wie konntc auch cin Land, von dem eiu Prol. Dr. Jul. La n c Im a n in 
ireendwo (bei Gelegcnhcit der Behandlung des schweizer.schen hte mpe - 
geset^s" agt, dae^urch die politische Vcrfassung der ..ordamenkam- 
fch n Uuio.fd.e ganzen demokratischen ^ Steuerver haltnisse eben dies 

schwingen wollen? n MiP Rasse Wilsons" zu 

Ale l^cisDici wie sich die „n c u e k a i> & t y -...,. * 

mmmsMmm 



— 300 — 

amerikanische Luftschiffe standen nach der „New York Times" schou 
auf dem Tigersprung, urn dieses Leewisit nach Deutschland zu gondeln, 
um jede Spur menschlicheii, tierischen und pflanzlichcn Lebens aus 
Berlin verschwinden zu Lassen". Dieses Gift wird in einer Fabnk von 
Cleveland in Ohio zubereitet. Ein einziger Tropfen vermchte allcs 
Leben. „Leider" zerstorte der Waffenstili stand die unaussprechlich.cn 
Hoffnd&gen Levis und seiner „neurassigen" Landsleute . . . 



Es soil hier noch ein besonderes Wort fiber die okkulten Geheirabrudci- 
schaften der Vereinigten Staaten gesagt werden. Die amenkan.schen G ch eim- 
logen steuern darauf bin, die Menschen in Illusioneniiber das Geistige 
und m Irrtiimer fiber das wirkliche Leben zu verstricken, zum Zwecke, ihrc 
eigenen gehcSnci egoistischen Ziele unbehindert und unbemerkt verfolgen zu kon- 
ne ™ Dif letatei ASsstrahlungen dieser ihrer unheilvollen Tatigke.t spiegeln sich 
fa d« RekUmeschreiereien jener okkulte Krafte )V^\^^^f' 
amerikanischen Institute, die „um dreiBig Silberhnge" (30 .Ft.) ..die Macht des 
E?nen fiber die Anderen" verkaufen. Die Namen dieser Institute sind Legion und 
in aUen !i auch deutschen und schweizerischen - Blattern smd "'fv^fnH 
zu findm gewesen. Sie schufen - wie der sogenantc Segno-Erfolg-Klub und 
die ..Floower Collection" - auch Nicderlaasungen in den europaischen Zentral- 
staaten und leiteten zu verwerflichster Hypnose ^ Geschafts- und Pnvatleben mid 
zu grauer Magie an. " (Die deutsche Zentrale des Segno^Erfolg-Klub war in Hcr- 
hn W , Dessauerstr. 28/29.) Diese „Eingeweihten des Matenahsnms" wisaen sehr 
wohl Bescheid um die geistigen KrSfte, die in der Menschheit zur Entfaltung 
kommen wollen, und sie lciteu bewufit dicse reinen Krafte in schlimme Kanalc. 
Weiteste Kreise werden von ihnen irritiert -m 3? Fr. kann man ja _ die Hen 
achift fiber Andere gewinnen! -, und da diese Gehemibunde ilire besondercn 
Absichten gerade auf die Mittelstaaten Europas, eingerechnet die slawisctien 
Mitbfirger geltend machten, konnten sie erreichen, dafl in den Zentral staaten viele 
Seeien nicht zum wahrhaft Gottlich-Geistigen vorzudringen streben^ sondern sich m 
schmutzige Fahrten, in Ffutzen fur die Seele, fuhren lieflen Damit erreichten 
jene Bruderschaften, dafl in den Mittelstaaten der Sinn fur das Wirkl.chke.tsgemaBe 
der Gegenwart vcrloren ging und ein vollig faUchesDcnken immer mehr die 
Oberhand gewarin, das endlich die ganze M hintcre * rout" wrmurbtc und den 
Zusammenbruch der sogenannten Zentralmachte herbeifuhite Wo immer diese 
Eingeweibtcn des Materialismus" wirkend auftreten, da entstehen Zentren der 
Zerstoruns, und wie schou S. 279/80 angedeutet ist> erstreben sie im besonderen das 
wirklich geistig durchpulste Christentum nicht aufkommen zu lassen. Sie wollen 
den Christus nicbt zum Fuhrer haben! Viele der strefaendsten Gewter, dcr edelsteji 
Menschen wurden von ihren Fangarmen erreicht, und die Irrefuhrung, der auch 
der maurerische Autor H. P. Blavatsky durch die okkulten Logen ^nenknH aus- 
gesetzt war, hatte es zuwege gebracht, daB selbst in dieses Scb riitstellera tief- 
aiirchdachtenWerkenJahwe-Jehovah zu einer minderenMondgotthcit dcr Isracliten 
und zum Bchcrrscher der niederen Triebe der Menschen degradiert wurde. Unter 
■solcher falscher Ftibrung kam aber jene beklagenswerte MiSdeutiing des Cnri- 
stentums in das sich fortentwickelnde Freimaurertum hinem, welche jedes inncr- 
liche Verstandnis des Mysteriums von Golgatha erschwertc. So begrcift sicli 
auch aus dieser beklagenswerten Irrefuhrung der Logen heraus die Begeistermig 
fur die Satan sbanner der italienischen Freimaurerlogen und fur die „batans- 
hymne" des Ers.-. Carducci. - Wilson aber, in den Grenzgcbieten der 
metaphysischen Welt sich erlebend, findet in sich nicht die mm so notwendige 
Moral, die aliein aus einer wahren Initiation flieBen kaiin. So wird er erst 
recht — viellcicht ohne es in der ganzen Tragweite zu ahnen — zum Werkzeug dcr 
grausamsten und hinterlistigsten Rankeschmicde der Welt...! 

Zur Angelegenheit der amerikanischen — wie tiberhaupt der ententistischen 
okkulten Gcsellschaften des Westens — ist dann noch im besonderen zu sagen, 
dafi in den Vereinigten Staaten von Amerika und auch in Engl an d wahrend 
der Kriegsdauer alltaglich mittags fur den Sieg der Entente (mit dunkler 




— 30I — 

AteichO „ B ebct e t» wurde! Genau um "^^^J^fiZ^ 

wctt man uberhaupt davon gewufl ,t hat - ■ uber ^™ » & . << haben doch d i e 

machte ergnffen! Ein anderes buggesuvmit^ Trikolore mit dem 

war die Verwendung der S acrfe-C ceur Aeicft en i ^ ^.^ 

dornenumwundenen ^ /^^ ?*? S. f Front. Mit diesem ,heiligen Her- 
fl U5 ,end Cl i Soldaten an ^^JlXJlrdmSzu'iilden Raserei gegen die 
*en Je,«;' al* Krieg^ au3 Celluloid gefertigt 

„Boches" aufgestachelt. Diese bacre uonr ^eic yereinigten Staaten Ame- 

und waren - lautUrsprungsmarke - -he Wtdl .m den V * aber gafcen 

rikas ! Den 1 r e 1 d e n k e r ; 1 b c h e n M^^n^dCT Jin ten ^ ^^ ^^^ ^ 
die ? ,Huter _ 
kleine schwarae 1 

Sinette" und ..Rintintin-). die zls- a ***™Zntn\ztt^ ein " 

Wirkung nicht verfehlten Ahnliche S^^f- J a ^ uge l, Dotch und Gift, de 6 
^^^^T^^sJ^/^^^ Resolution als wirksam er- 

Pr ° b Gen"au nach de r selben Technik der hier ^^^ ^^^^^X 
fibungen" - die « M «td t- JJ« W« V Ve i n » " verlief die 
ntilitaristische (oder Nutzbchkeits- Frinzip der west n; Novein ber 1919. • 

Jeier" des einjahrigen W^risdstndem London am ^ ^ 

Genau um 11 Uhr mittags wurde a«f " n J ^ b z e ^' ^ nu ten geboten. ..Die 
den Strafien der Theiiuestadt SuUstand a uf z w ^ M gewisse nh a ft die 

rassanten bielten e ft t bl o B te n H a 11 P t^es od ^f_ ^ gleich wirk . 
vorgosehene Pause em J^'^^^J der „ e r8ten Landerkonferenz zu- 
wme Farce veranstaltetcn die Unternenmer uer , Akade mie zu Brusseb 

gunsten des Volkerbundes" am 2 ^/^'^^ Vr.-. Freimanrer, wie 
Nachdem (unter Vertretung durch ^ v erschied e ^ stei1 ^ us ^ im Vor- 

Huysman^-Belgien ■ B ^? eo ; s - F , ran ^ re ^hs Italiens Belgiens. Hollands, der 
sta.ide) die Teilnabme Englands - ^ankreichs r ^alwns « - ChinaSf 

Schweiz, Schwedens. Norwegen* Portugal ^"^fg^'Baron Deschamps 2 ) als 
Riifllands und Serb.ens festgesteUt war » "°™%^ r ^ nd dle Sitzimg mit der 
Prasident der belgischen Veremigung fur den Vo ke b«^ f die Ge . 

mittel fur politische Zwecfcel w „ r ^ Pri HaB in England wahrend dea 

gab. In M a s s e n wurden s p , r i . . 1 1 » ch = «^P a f . £ £ gest 

'"^.^ S'uS^'.'d.nklicho S, Bg cs.ivwirk„n,e„, d« ,el«nd B e- 



— 302 — 

macht werden konnen. Tatsachlich gehen iiberphysische Kraftwirkun- 
gen von j e d e m Mensciien aus, und es werden solche von gewissen Gehcini- 
briiderschaften bewuBt in Tatigkeit gesetzt zum Zweck der Durchfuhrung gcwoll- 
ter Absichten. Schon Baron Reicheubach (t) stellte ja vor Jahrzehnten jenc Ema- 
nationen fest, die dem mensehlichcn Kdrpcr entstrbmen (die er ; ,Od" natmte) 
und die als direkte Kraftaufierungcn von sensitiven Menschen gefiihlt werden. Auf 
Gruud cigener Bcobachtungen stellt jetzt der Okkultist Beruhard R i c h t e r in 
Wilhelmshohc-Cassel fest (in seinem Buche „Der menschliche Astralleib" und in 
/ Heft 2 seiner Zeitschrift „Der sechste Sinn 1 '), dafl diesc fhmmcnartigeit t 
Krafte und Willen iibert ragenden Entladungen des mcnschlicheii 
Korpers (von den Augen, voin Munde und von den Handen am starksten ausstrah- 
lend), bis einen Meter \md dariiber sichtbar sich ausbreiten. Gedanke, Wort> 
VVilie und Tat gkitcn hin auf jdiesen farbig zu schauenden, „iibcrfeinen" Encrgie- 
wellen des Menschen tind werden nur zu leicht die Hcrren iiber die' Psyclie seelisch 
schwacherer, leicht- und gutglaubiger und denkunsichererer Menschen . . . 
Da haben wir die Losung fur so vieles TJnglaublichc in der Welt. — 

(Es kanri hleivnoch daran erinnert werden, dafi die Br it en wo hi zu Zeitcn 
Shakespearcs und auch vor seiner Zeit schon der Anwendung okkulter dunk- 
ler Praktikcn nicht abgeneigt warefiL- Wenigstcns geht dies aus des grotten Dich- 
ters Konigsdiama „Heimich VI." [r Teil, 5. Akt] hervor, woriu gezeigt ist, daii 
die „Pucelle" [„Die Jungfxau von Orleans"] den Einflufi „hdser Machte" [Geister] 
auf Seiten der Englauder empfand. --} 

Hier ist nun vielleicht die beste Gelegcnheit, noch ein Wort iiber das> 
Stave 11 turn zu sagen, dem, nach der vorangestellten Tradition, das 
n e u e Amerikanertimi gfeichsam als elne Art Serum zugesetzt werde. 
Auch in der slavischen Volksseele lebt seit vielen Jahrzehnten die Idee 
von einer besondercn ^Mission, zu der das russische Volk berufen 
sei", und die Polen glauben, fiir erne Art messianischer Weltenbotschaft 
auserlesen word en zu sein. Russische Schriftstellcr *) des vergangenert 
Jahrhunderts und polnische Idealisten 2 ) haben in ungezahlten Gemiiterrr 
des Ostehs den unbegrenzten Glauben an das slavisehe Zukunftsideal der 



*) Von russischer Seite seien genannt Alexei Stepanowitsch CHmiakow„ 
einer der Hauptreprasentanten der panslavistischen Geistesrichtung; dann der von 
uns S. 106 schon erwkhnte grofirussisch-orthodoxc Propagandist und Diplomat 
Graf I g n a t i e w , sowie Grigorij Petrowitsch D a n i 1 e w s k i j und Wladimir 
Ssolowjew (t), RuBlands tiefstcr Mystiker der Neitzeit (der eirie Zeitlang Be- 
ziehungen zu H. P. Blavatsky pflegte). 

Trotzdem weist Ssolowjew („RuBland und Europa", veriest bei Diede- 
richs in Jena, S. 17) darauf hin, dafi Ruflland seither noch keine wirklichen 
Meister im wissensehaftlichen Wettbewerb hervorbrachte. Auch konne RuD- 
Und noch „keineswegs auf irgend welche Anlagen eine r eigenartigen russischen 
Philosophic hinweisen . . ., die Begabung der Russen erwies sich - . . nur als ge- 
wisse Empf anglichkeit fiir die Ideen a n d e r e r , . /* (ebenda, S. 19). „Durch 
seme Verfestigung im nationalen Egoismus . . . war Rufiland (bisher) "immer 
unfa u \g, etwas Grofies oder audi nur Bedeutendes zu leisten" (ebda. S. 7). 
Sso;,^jew fordcrt deshalb auch keine „slavische" N a tio n al-KuItnr, die, selbst 
wenn sie mystisch begrundet ware, „keinc Frikhte" brachte (S. 23/24), aondeni 
er fordert einfach die reine, frei durchchristete Menschheitskultur der Rusaen. 

2 ) Von polnischer Seite nennen wir die beiden Hocligrad-Maurer-Briider Fiirst 
Adam Kasimir Czartoryski, der als deutscher und ungarischcr Reichsfiirst 
und osterreichischer Feldinarschall zugleicb Kandidat fiir den polnischen Thron 
und Begriinder rles polnischen Logentums war (seine Gemahlin Isabella geb. Flcm- 
mmg gab sich als polnische Nattonaldichtcrin), und den beruhmten polnischen 
Nattoualheros Tadeusz Kosciusko (der vordem im amerikanischeu Befreiungs- 
kriegc aU Adjutant Br.\ Washuigtona mitgekampft hatte) und dem im be$ondiren 
das Polnische Museum zu Rapperswil bei Zurich mitgewidmet ist. 



_ 303 — 

Auffrischung der Mcnschheit aus slavischem Geblute geweckt ] ). Und 
auch da bat der Okkultismus tief hineingezundet und sagt, dafi der 
Christus-Impuls gerade im slavischen Element das erhabenste Erlebnis 
in den Seelen auslosen wird. B ) D o s t o j e w s k i ist uberzeugt, „dafl von 
alien Volkern Europas das russische Volk am fahigsten ist, 
die Idee der allmenschlichen Einigung, der Nachstenliebe, der unpartei- 
ischen Beurteilung, die das Feindliche verzeiht, das Ungleiche unter- 
scheidet und entschuldigt und die Widerspruche aufhebt, in sich aufzu- 
nehmen", und J. Malthus bezeichnet „die russische Seele als 
die seel i^chste aller Seelen". — Was da einerseits noch unbewuflt- 
triebhaft, anderseits doch sehon gestaltend ringt, das haben leider auch 
da schon wicder so viele Menschenwesen — ganz wie in den Vereimgten 
Staaten — ganziich mifiverstanden. Zu all diesen Irregegangenen und 
Irregeleiteten gehortc auch der mediale Zar, der vielleicht ebenso wie 
Woodrow Wilson gerne ^Bahnbrecher der neuen Menschheit" werden 
wollte. Und so stiirzte auch er in den p o 1 i t i s c h e n Strudel unter 
dem Druck der okkulten Einstromungen aus den Kreisen der Bruder- 
schaften, die wohl „etwas wuflten", aber das GewuBte selbstsuchtig wahn- 
witzigen Zwecken untergeordnet hatten. V6Higes MiBverstchen geistiger 
Vorschau wuchs so 2um wesentlichen Mitkriegsgrunde sich aus. 



Auch was die amerikanischen Unionstaaten betrifft, so wird die spa- 
tere Geschichtsschreibung noch vieles zu enthullen ^ haben, das die ge- 

l ) F a fi h a u e r , selbst wieder anderen Autoren to 1 g en d spricht in 
semem 1915 erschienenen Buclilein „Der Wdtkrieg" (S. 58/60) ebeii alls von der 
zukiinftigen Befruchtung der Menschheit durch den slavischen Volksgeist, doch 
setzt er fur die slavisehe Kultur vor allem cine wirksame gcrmanisch-deutsche 
Blutirischung und eine Zuruckdrangung des mongolischeu Einflnssej, 1111 Uaten 
voraus. Uanii - abcr erst dann - d, h. in ctwa 2000 Jahreu, sei di<? Blutezeit 
der slavischen Vdlkerschafteu zu erwarten. (Diese Blute slavischer Zwkuufts- 
kultur hat naturlich nichts init dem Anspruch gewisser russischer Pans! avis ten 
auf Konstantinopel zu tun.) - Wir fugen hinzu dafl nach Blavrtaky jcder.aogc- 
nannten „Familienrasse" (so z. B. den im Bnjdwkampf liegenden teu on.schen 
Nationen zu denen alle europaischen Nationen und auch die G egen warts- Amen- 
kaner gehoren), ein durchschnittliches Dasein von ungeiahr 30 000 Jahrenfuge- 
schrieben wird. Dabei greifen, wie schon gezeigt wnrde, bestehende und neu sich 
bildende Rassen immer ubereiuander und ineinauder ein - Die Lebensdauer tier 
ar schen Gesamtrasse (in die also auch die Zukunft der Slaven und Zukunfts- 
amerikaner embeschlossen ist) schatzte Guido List auf 850 000 Jah re em. D« 
Lebensdauer wird wcit in die noch spater folgende Evolutionspenode der ..sechsten 
Haupt- und Wurzelrasse" hinubergreifen. 

") Zum Verstandnis der slavischen Psyche ist beachtenswert, dafi - als «ei- 

spiel - die russische Kiirstin Graftn Galitzin zu Ostern 1916 an ^^f^f; 

• gefangene ihrer Nation, die in dsterreichischen Lagern sich befaiiden B 1 be In 

? e rteilen licfl. (Originell w ar ubrigens, daB diese .0000 r us s 1 sch *=n Bi ben 

innerhalb zwolf Tagen, vom Tage der Auftragerteilung an fix und _ fcrtig hei- 

gestellt und abgeliefert wurden [durch die Verlagsanstalt ..Hallwag" in Bern]). 

*> Triedrich Meinecke schrieb in der r ,Deutschen Pohtik Nr as, i?i?: 

Nordamerika sclieint das Zukunftsbild eines groBeii angeisachsischen \V elt- 

konz.rns vorzuschweben, der btdtbeinig und herrd.armelig nnserem Erdball die 

Gcsetze gibt, in dem . . . Nordamerika die Hegemonic ubt, aber so, daB England 

elne Art von Lebensversichwung fiir sich darin findet . . ■ 



— -3o4 — 

heime Diplomatic des Weltlogenbundes angeht.- Man bedenke, dafi 
„Daiiy News" (laut Reuter vom 14- April 1918) nicht ohne weiteres 
schreiben konnte, da6 „Amerika nicht nachgeben werde, und wenn der 
Krieg 20 Jalire dauere". Man bedenke, da6 nach der freimaurerischen 
Zeitschrift „Latomia" Nr. 14 vom 3. Juli 191 5 die Vereinigten Staaten 
in maurerischer Hinsicht von 30 000 Geistlichen bearbeitet werden f denn 
so viele Pfarrer zahlt das amerikanische Logentum. Wir wissen nicht, 
ob Pfarrer Mac Farland, der Generalsekretar des Bundesrates der 
christlichen Kirchen von Amerika, der sich in besonderer Mission Ende 
juni 1 91 8 dem franzosischen Prasidenten Br. ■ . P o i n c a r e durch T a r - 
d i e u vorstellen UeB, Logenbr. * . ist, aber seine „Botschaft der amerika- 
nischen Christen an das franzosische Volk" (vgl. „N. Ziirch. Nachr." vom 
29. Juni 19x8) diirfte bei der von der amerikanischen Logenzeitschrift 
„The Tyler Keystone" (auf die sich die deutsche f) Latomia" bezog) mit- 
geteilten Verbreitung der Masonnerie unter den amerikanischen protestan- 
tischen Pastoren kaum ohne WUsen der amerikanischen Logen- 
schaft zustande gekommen sein. 

Was die Geheimdiploraatie angeht, so schrieb sogar das 
.Journal des Debats" in Paris am 4. Dezember 1919, dafi Woodrow Wil- 
son solche betrieben babe. (In der Tat gestattete der „Demo- 
krat" Wilson seincm Senat kein Mitrederecht in Sachen des Friedensver- 
trags, und selbst Br. ■ . Lansing, der ja mit in Paris weilte, wurde tiber die 
meisten Ereignisse im „Friedensrate f< u n unterrichtet gelassen.) — Beztig- 

' lich der „K r i e g s s c h u 1 d" aber erorterte Graf Bernstorf f vor dem 
UntersuchungsausschuB der Nationalversammlung am 5. November 1919 
die eifrige Arbeit Englands fur den Krieg in den Vereinigten Staaten 
durch die Presse und den Film, wahrend eine weitere Befragung Bern- 
storfTs vor dem gleichen AusschuB am 14. November 1919 die interessante 
Tatsache zutage brachte, dafi die Vereinigten Staaten vor ihrem Kriegs- 
eintritt zwar den deutschen Funkenverkehr iiberwachten, aber den briti- 
schen Kabeldienfct ungeschoren liefienM Nicht vergessen darf dabei wer- 
den; dafi Herr Woodrow